Fast 32 Stunden übers Meer

3. – 4. August 2016, Mittwoch und Donnerstag, Baro 1012, sonnig, warm
Puerto Pollença 3.8. 08:30 – Argelès 4.8. 17:00, 161 sm

Wie geplant legen wir um halb neun ab, ich war vorher noch ausgiebig mit Nico spazieren, dann ist er erstmal müde. Das Meer ist soooo flach, keine Welle kräuselt die spiegelglatte Oberfläche, nur wenn Motorboote vorbeikommen, zerstören sie kurz das Bild, und lassen die Segelboote wackeln.

Cap Formender zum letzten Mal

Cap Formender zum letzten Mal

Bei Cap Formentor kommen uns vier französische Segler entgegen, deren Ferien ja jetzt ruchtig losgehen, und mit uns fahren noch zwei weitere Yachten Kurs 0 Grad. Ansonsten ist wenig Schiffsverkehr, ein langsamer Frachter zieht am Heck vorbei, ein anderer Segler kommt uns entgegen.

14:30 Uhr ist Mallorca nur noch ein Hauch in der Ferne und rund um uns drei Boote liegt nur blaues blaues Meer. Hier sind es über 1700 Meter bis zum Meeresgrund.

15:10 wir segeln! Der Spi steht, das Großsegel ist oben, wir fahren mit 4-5,5 Knoten. Die beiden anderen Boote motoren weiter und ziehen an uns vorbei. Hoffentlich hält der Wind durch. Jetzt heißt es, geschwind alle Energiefresser vom Strom zu nehmen, den Kühlschrank ein bisschen kleiner zu drehen, nur das Ipad darf noch laden.

Von anfänglich 96% Tankinhalt sind wir jetzt bei 77%, das Diesel würde auch reichen, wenn wir alles motoren müssten, aber so ist das natürlich viel besser, der Wind hat ein bisschen aufgefrischt, jetzt segeln wir mit 5,5-5,8 Knoten, fast so schnell wie mit Motor, nur leiser, billiger und umweltschonender!

Der "blaue  Kranich"

Der “blaue Kranich”

Wir haben den “blauen Kranich” erfunden! Ein leichtes Vorwindsegel, das wir am Heck anbrigen, und das wie ein Spi wirken soll? Nein, in Wirklichkeit ist es nur ein Sonnenschutz, weil man auf der Dehler wegen des langen Baums kein Bimini anbauen kann. Und hier im Mittelmeer ist das unabdingbar, so heiß brennt die Sonne, vor allem, wenn man vor dem Wind nach Norden fährt, gibt es sonst keinen Schatten auf dem Kahn. Deshalb haben wir jetzt den blauen Kranich.

Sonnenuntergang auf See

Sonnenuntergang auf See

21:00 Uhr, Sonnenuntergang, das Barometer ist gefallen auf 1019, leider lässt der Wind, der uns bis hierher begleitet hat, jetzt nach. Aber wir konnten noch in Ruhe zu Abend essen, auch wenn wir wischendurch zweimal schiften mussten, Frikadellen mit Salzkartoffen, Gemüse und Salat haben geschmeckt, anderthalb Frikadellen sind für den kleinen Hunger in der Nacht übrig geblieben. Nico ist auch zufrieden, vorhin hat er sich einfach ins hCockpit gestellt und Pipi gemacht, da kam fast ein ganzer Liter aus dem kleinen Hund raus! Wir haben ihn gelobt und Leckerli gegeben, richtig verstanden hat er das aber nicht. Vor zehn Tagen noch wurde er aufs Übelste geschimpft, wenn er das im Boot macht, und jetzt wird das belobigt? Ich glaube, das ist zuviel für so ein kleines Hundehirn.

22:00 Uhr Der Wind hat sich verabschiedet, wenn wir unter vier Knoten fahren, machen wir die Huddel an, dann wird das auch zu unruhig, die Segel schlagen, das ist nicht gut fürs Material. Mal sehen, ob das zu einer Nachtruhe wird bei dem Wind, oder ob er nochmal wieder kommt. Heute ist Neumond, das wird eine finstere Nacht. Aber ich habe vorhin beim Spinnaker bergen eine Sternschnuppe gesehen, und hatte genug Geistesgegenwart, um mir sofort etwas zu wünschen.

Ich lege mich ein bisschen hin, bin aber nicht ausreichend müde, um richtig zu schlafen, sondern döse nur so, sodass ich sofort wach bin, als Volker um 00:30 Uhr das Großsegel wieder durchsetzt. Es kommt ein bisschen Wind, diesmal aus Südwest, also Raumschotkurs, mit Groß und Fock. Noch 47 sm bis Estartit.

01:15 Uhr: Jetzt darf Volker schlafen, ich wache über das Boot. Der Wind weht munter weiter, wir segeln mit zwischen sechs und über sieben Knoten durch die Nacht. Der Lichtschein von Barcelona ist weit zu sehen, als wir näher zum Land kommen, sieht man auch andere Orte, Girona im Land, und kleineren Schein von den kleineren Orten an der Küste wie Sant Feliu und Palamos. Ansonsten ist es finster, nicht nur, dass Neumond ist, es gibt auch ein paar Wolken, die sich vor die Sterne schieben. Nur die Kassiopeia und der große Wagen begleiten uns bis zum Morgengrauen. Alle halbe Stunde werfe ich einen Blick auf den Plotter, um nach den großen Schiffen zu sehen, aber diese Nacht kommt uns keines zu nahe.

03:30 Uhr, wir wechseln wieder, der Wind bleibt stetig, wenn auch etwas schwächer, und ich schlafe, sanft gerollt, auf dem Salonsofa ein.

06:15 Uhr verlässt uns der Wind mal wieder, um dem Sonnenaufgang zu weichen, wir diskutieren, ob wir – wie geplant – nach Estartit wollen, oder wegen des für die ganze nächste Woche vorhergesagten Nordwinds lieber um das Cap Roses rum sein möchten, dann können wir den Rest bei weniger starken Winden kreuzen.

08:00 Uhr: Auf jeden Fall gehe ich in Aguablavas mal mit Nico spazieren, wir haben kurz an einer Boje festgemacht, und ich rudere zum Strand. Das ist ein entzückender kleiner Ort hier, leider one Bäcker, aber mit einem wunderschönen Küstenwanderweg durch den Pinienwald. Miguel hatte uns das Chiringuito “Mar y Vent” ans Herz gelegt, aber das muss auf ein anderes Mal warten, wir probieren unser Glück mit der Weiterfahrt bis Frankreich, vielleicht kommt ja der vorhergesagte Südwestwind zurück, im Moment ist wenig Nord.

Cap Creus

Cap Creus

Es wird nicht der Südwest, aber ein leichter Nordostwind trägt uns von 10:30 bis 12:30 Uhr an der Bucht von Roses vorbei, Cadaques (da war das Dalí-Haus) bleibt ebenfalls links liegen. Leider verlässt uns der Wind pünktlich zur Mittagszeit wieder, um 12:30 Uhr, ab Cap Creus motoren wir wieder, schade. Der blaue Kranich kommt wieder zum Einsatz, die Sonne brennt.

13:15 Uhr: wir segeln wieder, allerdings nur langsam und hoch am Wind, der Skipper flucht, noch haben wir gute vier Stunden, dann soll der Wind endgültig auf die Nase drehen und zunehmen, bis heute Nacht der Sturm kommt. Das ist so, zum einen langweilig, zum anderen mit Arbeit verbunden, Vorsegel raus, Vorsegel einrollen, der Wind dreht, Segelstellung verändern. Ich glaube, das würde den Skipper garnicht so sehr stören, aber, der fehlende Wind nervt ihn. “Wir kaufen uns ein Motorboot oder eine Finca auf Mallorca”! Jetzt kommt der Wind, dann ist er wieder froh 😉

Ich lege mich zu einemMittagsschlaf hin, es gab doch nicht sooo viel davon letzte Nacht, nicht ohne vorher noch die Gastlandflagge von Spanien gegen die französische zu tauschen, und beim Hissen derselben natürlich die Marseilleise zu summen. Eine Stunde spielt der Wind mit, dann lässt er wieder nach und der Skipper nimmt meinen Platz auf dem Salonsofa ein. Nur ser Hund behält den seinen auf den jeweiligen Beinen bei.

Kurz vor 17:00 Uhr laufen wir in den Hafen ein, gerade rechtzeitig, bevor der Nordwind auffrischt, wir bekommen einen schönen Platz, an dem wir gut gegen den Tramontana geschützt sind, weit genug vom Gewusel des Ferienortes, und mit reichlich Grün für Nico.

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Balearen ade

 

Der Leuchtturm vor Pollença

Der Leuchtturm vor Pollença

Dem dominierenden Nordwind der letzten Tage ist die Puste ausgegangen, und an seine Stelle soll ein avisierter Südwind treten. Wir haben uns aufgemacht, bald wird für die nächsten 27 Stunden ein Nordkurs anliegen. Doch zuerst gilt es noch, das Kap Formentor zu runden, bevor die offene See vor uns liegt. Acht Wochen waren die Balearen unser seglerisches (und anderes) Zuhause, wir haben Mallorca umrundet, Menorca auch, und um die südlichste und kleinste Baleareninsel Formentera ging es ebenfalls einmal komplett rum. Von Ibiza haben wir nur eine Ankerbucht im Süden für uns entdeckt, aber dafür umso intensiver die Nordküste bereist.

Ein letzter Blick zurück

Ein letzter Blick zurück

Schnell ging mal wieder die Zeit ins Land, wir haben viel erlebt und schön war es. Der Abschied von den Balearen, fällt nicht leicht. Auch wenn jetzt, in der Haupturlaubszeit viele Menschen unterwegs sind. Puerto Pollença bildet da keine Ausnahme, abends in der belebten kleinen Altstadt herrscht ein munteres Treiben und Stimmengewirr (und tagsüber am Strand). Im Moment läuft unüberhörbar der Motor und zerstört die morgendliche (Wind)-Stille. Die Segel sind noch aufgerollt oder beigebunden Egal, wir wollen jetzt vorankommen, 140 Seemeilen liegen vor unserem Bug. Estartit ist unser Zielhafen am spanischen Festland. Ab Freitag soll ein starker Mistral das Mittelmeer kräftig aufwühlen, der erste starke Nordwind, ungewöhnlich früh. Normalerweise bleibt man vom Mistral bis in den September hinein verschont. Aber Ausnahmen bestätigen, wohl auch hier, nur die Regel.

Nico weiß noch nichts von “seinem Glück” der langen Überfahrt und liegt gerade lang ausgestreckt, neben meinen Füßen, rechts von unserem Kartentisch. Und hier noch ein paar Bilder aus Pollença:

La Gola – eine Oase

La Gola – eine Oase

5 Minuten vom Strand

5 Minuten vom Strand

Warten auf die Sommergäste

Warten auf die Sommergäste

"Menorquins" heißen die kleinen Fischerboote

“Menorquins” heißen die kleinen Fischerboote

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Doppelte Einladung

Heiß, megaheiß, ist es im Hafen, der Schweiß läuft und zahlreiche kleine und größere Jobs stehen an, wie eigentlich immer nach der Ankunft in einem Hafen. Das Großsegel auftuchen, alle Leinen klarieren, das Landstromkabel legen, Nico sofort Gassi führen, beim Hafenmeister anmelden. Bei längeren Nachdenken ließe sich sicher noch der eine oder andere Punkt hinzufügen. Doch gestern war es soooooo heiß, kein Windhauch sorgte für Abkühlung. Umso schöner ist es dann, wenn die lieben spanischen Liegeplatznachbarn direkt zu einem kühles Bierchen einladen. Wer sagt da schon nein, das kommt natürlich auch nicht jeden Tag vor, sonst würde ich das hier garnicht erwähnen.

erschöpft mit Hund (ebenfalls erschöpft)

erschöpft mit Hund (ebenfalls erschöpft)

Am späten Nachmittag sind wir zum großen Eroski gepilgert, der kein Erotik-, aber dafür ein gut ausgestatteter spanischer Supermarkt ist, sogar mit gratis Lieferservice. Servicio al domicilo, also nach Hause. Aus diesem guten Grunde wurde der Einkaufswagen immer voller. An der Kasse gab es dann ein paar kleine Feinabstimmungen bezüglich der Lieferung zu regeln, was Cornelia mit Engelsgeduld und Sprachkenntnis gelang.

Die erste Nacht im Hafen nach langen vier Wochen vor Anker war super ruhig und ganz entspannt. Am Ankerplatz schläft es sich gut, aber eine kleine Restanspannung bleibt doch immer, und zwei- bis dreimal in der Nacht erfolgt der Kontrollblick nach draußen, ob man noch am gleichen Platz liegt. Heute Morgen haben wir uns dann in die Arbeit gestürzt, Cornelia hat die Hafenwaschmaschine viermal gefüllt und geleert. Ich habe währendessen reichlich Edelstahl auf Glanz poliert.

IMG_1676 IMG_1678 IMG_1702Dann gab es – wieder von spanischer Nachbar-Seite – ein verlockendes Angebot. Wir wurden eingeladen, mit dem gemietetn Wagen zum imposanten Cap Formentor mitzufahren.

von See…

von See…

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direkt dort

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…von Land

Das Kap ist die nördlichste Spitze von Mallorca, die wir jetzt schon zweimal von der Wasser-, aber noch nie von der Landseite aus gesehen haben.

Die Ziegen wohnen am Cap und lassen sich streicheln

Die Ziegen wohnen am Cap und lassen sich streicheln

Endlose (Haarnadel)-Kurven gung es mit Mietauto, uns und spanischer Familie nach oben. Dort angekommen, hatten wir so einen fantastischen Ausblick auf die umliegenden Berge, auf steile, zum Meer hin abfallende Felswände und auf das Meer selbst.

im Chiringuito, der Strandbar

im Chiringuito, der Strandbar

Anschließend sind wir alle zu einem schönen Strand in der Cala Pi gefahren, ins kühle Nass gehüpft, um anschließend in einer Strandbar lecker zu essen.

Am frühen Abend war der schöne Ausflug zu Ende, der Kopf voll mit zahlreichen neuen Eindrücken und mein noch kleiner spanischer Wortschatz um ein paar Worte reicher.

Muchas Gracias, queridos vecinos – Vielen Dank, liebe Nachbarn!

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In den Calas von Mallorcas Norden

29. Juli 2016, Baro 1012, sonnig, warm, Wind ONO um 3
Cala Xucla 09:00 – Cala d’Estellencs 19:00, 60 sm

Es wird doch eher Mallorca, ab zehn Uhr reicht der Wind aus, ca. acht Knoten sind es, leider immer noch ONO, da kann man Andratx nicht ganz anlegen, aber immerhin segeln wir – hoch am Wind – mit um die fünf Knoten Fahrt in die richtige Richtung, 46 Grad statt 58. Barcelona könnten wir anlegen, aber mit dem wenigen Wind würde es eher eine Motorfahrt, und darauf haben wir nicht so viel Lust.

Die meiste Zeit können wir wunderbar segeln, nachmittags machen wir uns ein bisschen Schatten, indem wir unser Sonnensegel am Heck aufspannen. Wir lassen Andratx aus, denn hier in die Buchten kommen genau die Wellen rein, und segeln zwischen Festland und Dragonera Richtung Norden auf der Suche nach einer Bucht, in der wir schön ankern können, und die vor allem irgendeinen Zugang zum Wasser hat, damit auch Nico seinen lange ersehnten Spaziergang bekommt. Das ist hier an der Nordküste gar nicht so einfach, weil diese unglaublichen Felsformationen bis hinunter zum Wasser reichen und keinen Raum für Strände und entsprechende Zugangswege lassen.

IMG_1627An der Platja der Cala d’Estellencs findet sich endlich eine künstlich angelegte Möglichkeit, es gibt einen kleinen Fischerhafen, in dem die Boote auf dem Trockenen liegen und über runde Hölzer ins Wasser geschoben werden. Wir ankern direkt vor der kleinen Badeanstalt, rudern mit dem Dinghy zur Slipbahn und machen uns auf den Weg, zuerst um die kleine Bucht herum, dann steil nach oben Richtung Ort.

IMG_1626Belohnt werden wir bei einem Drink in der kleinen Bar mit einem großartigen Blick übers Meer und hin zur Hexe.

30. Juli 2016, Samstag, Baro 1010, sonnig, warm, kein Wind
Cala d’Estellencs 10:50 – Cala Sa Calobra 15:00 22 sm

IMG_1639Am Montag müssen wir wegen des vorhergesagten Nordwinds in der Bucht von Pollença sein, deshalb motoren wir heute bei Null Wind in Richtung Nordosten. Vorbei an dem sehr pittoresken Küstenort Banyalbufar, der steil zur Küste hin abfällt und eine ähnliche kleine Badeanstalt hat wie Estellencs. Weitere winzige Siedlungen folgen, manche sogar mit Strand.
Zwischendurch können wir mal ein kleines Stückchen segeln, kurz vor Puerto Soller verlässt uns der Wind aber wieder und wir motoren die restliche Strecke. Wir versuchen, uns und den Hund im Schatten etwas Kühle zu verschaffen. Dabei können wir lesen oder die Fragen für den Amateurfunkschein lernen, oder schlafen (natürlich immer nur einer, hier sind jetzt einige Motorboote, aber auch ein paar Segler unterwegs), oder essen und trinken, oder nur hinausschauen.

IMG_1650Nach einem wiederum sehr beeindruckendem Felsen tut sich die Cala Sa Calobra auf, noch kann man nicht ganz hineinschauen, aber Volker sagt schon: “You are not alone”, und das stimmt natürlich. Ein paar Segler, aber vor allem viele Motorboote in allen möglichen Größen liegen im linken Teil der Cala, rechts ankert niemand, anscheinend ist das da nicht erlaubt.
Also suchen wir uns auch links ein Plätzchen, es ist kein Wind, im Moment muss man sich keine Sorgen machen, und heute Abend werden Mehr als die Hälfte der jetzt ankernden Boote die Bucht verlassen haben. Ich fahre mit dem Beiboot und Nico schnell zu dem ein bisschen größeren Strand im rechten Teil der Bucht. Dort ist das Anlanden nicht ganz trivial, es gibt eine Kaimauer, aber die ist ziemlich hoch, das traue ich mich nicht, da alleine mit dem Hund anzulegen, ich fahre zur Slipbahn, die auch wieder aus runden Baumstämmen besteht (so wie die Ägypter ihre Pyramiden gebaut haben), wir steigen dort aus und ziehen das Boot an die Mauer.

IMG_1653Auch hier ist ein kleiner Strand, hauptsächlich aus Kieselsteinen bestehend, voll natürlich an einem Samstag in der Hauptsaison, und viele Restaurants, die fast alle mit “Self-Service” werben, auch voll. Wir suchen einen netten Feld- oder Waldweg, leider vergebens, am riesigen Parkplatz gibt es ein Stück naturbelassene “Wildnis”, aber der Hund ist zufrieden. Auf dem Rückweg frage ich, misstrauisch geworden, in den Restaurants, ob sie des Abends geöffnet haben, aber überall bekomme ich abschlägige Antworten.
Zurück an Bord bekommen wir bald Besuch von Gerard und Martine, ebenfalls stolze Dehler 41-Besitzer, wir wollen ein bisschen plauschen und die Tipps für die besten Strände austauschen. Das ist immer gut, man bekommt gute Ratschläge für die schönsten Calas, die besten Versorgungsmöglichkeiten, Volker kann mal wieder für seinen Lotus-Grill Werbung machen, Gerad schwärmt von seinem Marseiller Dehler-Händler, typisches Seglergespräch.
Abends ist der tagsüber so wuselige Ort total ausgestorben, kein Restaurant, kein Laden, nicht mal eine Bar ist geöffnet, dabei laufen noch ganz viele Menschen umher, die den Sonnenuntergang genießen wollen. Wir stapfen durch einen fast ausgetrockneten Flusslauf, es sieht aus, als könne man hier auch Winnetou-Filme drehen, der Grand Canyon ist nur ein bisschen größer, die Felsformationen sind wirklich beeindruckend.
Zurück beim Boot bewundern wir noch den beleuchteten Durchgang, der zu dem Fußgängertunnel führt, der hier durch den Fels getrieben wurde, damit auch der kleine Strand mit dem schönen Flusslauf für die Sonnenhungrigen zugängig ist.

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Netzlos

So ganz genau wissen wir noch nicht, wo heute unsere Reise hingeht. Entweder wird es Mallorca, dort der Inselnorden, den wir noch nicht per Boot besucht haben, oder wir setzen den Kurs ab nach Barcelona. Die finale Entscheidung hängt zum einen vom Wind ab und zum anderen von uns. So schnell wollen wir die Balearen eigentlich nicht verlassen. Nur es gibt eine Deadline, wann wir in Darmstadt sein müssen. Spätestens am 22. August müssen wir aus geschäftlichen Gründen für ca. drei Wochen in die heimatlichen Gefilde zurück. In Südfrankreich ist der Liegplatz für unsere Hexe schon reserviert und die verbleibenden drei Wochen wollen wir noch ausnutzen.

Egal, ob wir uns für die Insel oder das Festland entscheiden, irgendwann ist Schluss mit dem Netzempfang auf See. Maximal 15 Meilen, also knapp 30 Kilometer, sind drin und dann gibt es keinen Empfang mehr für Mobiltelefon und I Pad. Auch schlechte Nachrichten können einen dann nicht mehr erreichen. Ist doch praktisch eigentlich, oder? Vielleicht sollte man nur weit weg von der Küste bleiben und schon ist man verschont von negativen Nachrichten. So einfach könnte es sein.

Die Segel sind jetzt schon mal oben, der Wind ist noch morgendlich schwach, die See ganz ruhig und der Motor schiebt noch mit. In ein bis zwei Stunden soll die Tagesthermik einen segelbaren Südostwind produzieren. Ibiza liegt, hellbeleuchtet von der Morgensonne, achteraus, andere Segler sind noch nicht unterwegs. Das Meer erscheint leer und verwaist. Wir wünschen allen an Land und auf See ein friedlich-schönes Sommerwochenende.

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An der Kinderstube des Meeres

26. Juli 2016, Dienstag, Baro 1015, sonnig, warm, Wind SSW um 2
Cala Bassa 11:10 – Cala Benirrás 15:30 ca. 12 sm

Bei leichtem Wind verlassen wir nach ausgiebigem Spaziergang, Schwimmen und kleinem Frühstück die Cala Bassa. In der Hoffnung, dass der Wind durchhält, machen wir uns auf den Weg in die Cala Xucla, in der der Skipper gerne an seinem Geburtstag aufwachen möchte.
Leider, leider schafft der Wind es nicht, die 15 Seemeilen durchzustehen. Wir sind noch nicht mal aus der Bucht von Sant Antoni de Portmany hinaus, da dreht er zunächst immer weiter auf die Nase, um schließlich einen frühen Mittagsschlaf anzutreten.

IMG_1740Wir motoren ein Stück, dann kreuzen wir ein bisschen, an den beeindruckenden Felsen der beiden kleinen der Küste vorgelagerten Inseln Ses Margalides schnorcheln wir. Hier ist wieder mal eine Kinderstube des Meeres zu sehen, tausende von kleinen Feischchen schwimmen in dem klaren Wasser direkt am Felsen, der hier direkt steil in die Tiefe abfällt. Deswegen kann man hier auch nicht ankern, direkt am Felsen sind es schon über 14 m Wassertiefe, und keine fünfzig Meter weiter, sind es über 30 m. Am Felsen haben sich ganz kleine Seeigel eingenistet, Puppenstube halt.

IMG_1744Weiter geht es mit mal segeln, mal motoren, die Buchten sind leider alle eher so, dass die Felsen direkt bis zum Meer gehen. Es Portixol hat einen kleinen Sandstrand, ist aber leider nach Nordosten offen, wo im Moment, wenn wr weht, noch der Wind herkommt. Und nachmittags wird er ja immer stärker. Außerdem liegen da schon bestimmt zehn Motorboote vor dem kleinen Strand.

IMG_1751Wir motoren weiter, bis Xucla sind es nur noch ein paar Meilen. Doch vorher lacht uns die große Bucht der Cala Murada und der Cala Benirrás an, und wir lassen schließlich den Anker in der Benirrás fallen. Klar, voll, aber viele gehen auch noch weg, wir ankern ein paarmal um, bis wir schließlich den idealen Platz gefunden haben. Es gibt Wasser bei den Duschen, bevor es zur Nacht abgestellt wird, schaffen wir noch 32 Liter in unseren Tank, und tatsächlich fängt eine Stunde vor Sonnenuntergang eine Gruppe Hippies an zu trommeln. Wie in der Navionicskarte beschrieben! Richtig geil!

IMG_1780Jetzt ist es nach Zwölf, Nico und ich haben dem Skipper zum Geburtstag gratuliert, die zwei sind nochmal ans Land gerudert, weil Nico so gegast hat, jetzt aber schnell “Gute Nacht!”

Bilder folgen

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Addeo Formentera!

25. Juli 2016, Montag, Baro 1012, sonnig, warm, Wind SW 2-4
La Savina 14:15 – Cala d’Hort 16:45, ca 14 sm · 19:00 – Cala Bassa  21:00 ca. 12 sm

Noch einen letzten Spaziergang an der Lagune, heute ist wieder der junge Mann da, vielleicht kommen die beiden Frauen mit den Möpsen nur nachmittags? Einen letzten Einkaufsgang, bzw. natürlich Einkaufsfahrt mit dem Beiboot, nochmal 32 l Wasser beim Tierarzt geschnorrt, Tomaten und Obst gekauft, eine letzte Fahrt durch die große Lagune, dann heißt es Abschied nehmen.

Der geheimnisvolle Felsen von Islote Vedra

Der geheimnisvolle Felsen von Islote Vedra

Der Hüter der Bojen war auch schon ganz enttäuscht, als er heute morgen kam und fragte: „Stay or leave“, und die Antwort „Leave“ war. Aber wir müssen jetzt mal wieder neue Calas entdecken, und so machen wir uns auf den Weg zum Cabo Jueu mit der berühmten vorgelagerten Isla Vedra, von der Doc Heissenberg sagt, dass da die Kompasse verrückt spielen, wenn man dran vorbeifährt. Also, nur zur Info, unser Kompass hat keine Sperenzchen gemacht, die Kompassnadel ist nicht wild im Kreis herumgetanzt, sondern hat brav den gleichen Kurs angezeigt wie vorher.

Aus der Ferne eher bedrohlich, die Islote Vera

Aus der Ferne eher bedrohlich, die Islote Vera

Kurz danach öffnet sich schon die Cala d’Hort, eine kleine Cala an schroff abfallenden Felsen aus rotem Sandstein (?) mit einer Reihe der landestypischen Fischerboothütten und vollen Sandstrand, sehr hübsch. Ich mache mich an den Gassigang mit Nico, scheitere aber an schroffen Felsen, an denen ich mich nicht traue, unser Beiboot länger als fünf Minuten liegen zu lassen. Auch der kleine Sandstrand bietet keine Rettung, er ist echt so schmal, dass ich das Boot direkt auf die Handtücher der dort liegenden Menschen absetzen müsste. Also überrede  ich Nico, doch noch einmal ins Boot zu steigen, obwohl er viel lieber weiter gehen würde, um einfach nur Pipi zu machen, aber wir fahren zurück zur Hexe, und ich bitte Volker, mich einfach mit dem Hund irgendwo abzusetzen, und auf das Beiboot aufzupassen.

Kaum sind wir wieder an Bord und endlich auch selbst in die kühlenden Fluten gestiegen, nimmt der Wind immer weiter zu, es wird unruhig. Der Skipper: „Was wäre denn die nächste besser geschützte Bucht, in der wir ankern könnten?“ „Naja, wir könnten zwei Meilen weiter fahren, die Buchten sind weniger offen nach Südwest, aber ziemlich klein, wie voll die sind, weiß ich nicht. Aber richtig geschützt gegen Südwest wäre die Cala Bassa.“ „Das habe ich gewusst, dass Du das sagen würdest!“ Klar, von Anfang an wollte ich gerne einmal da ankern, als wir mit dem Auto im März 2015 dort waren, habe ich mir vorgestellt, wie diese Bucht wohl im Sommer aussieht.

Sonnenuntergang in der Cala Bassa

Sonnenuntergang in der Cala Bassa

Nach einem eher wilden Ritt vor dem Wind mit ausgebaumter Fock und mehreren Halsen, sowie einem anschließenden Amwindkurs, liegen wir in der Cala Bassa vor Anker. Der Wind hat sich gelegt, klar sind hier viele andere Boote, aber alle sind, nett, grüßen, die Gäste der türkischen Gület werden an den Strand zum Essen gefahren, aber viele bleiben auch auf ihrem Boot und genießen einen weiteren Ferien-Abend in einer gut geschützten Cala.

Beim Spaziergang an Land treffen wir auf einen Spanier mit drei Bordercollies, Mama und zwei Töchter, die eine Tochter macht Nico wuschig, wir müssen ihn an die Leine holen für den restlichen Spaziergang, damit die männlichen Triebe nicht durchbrechen, oh oh!

in den Clubs des Cala Bassa Beach Clubs ist nix mehr los, und ich dachte, hier startet jetzt die Party, einzig in einem Restaurant sitzen noch ein paar Gäste, ein Zeichen für uns, den Abend auf unserem Boot mit einem Blick über die Bucht zu beschließen.

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Sonn(en)tag(e)

Vorgestern Nacht hat eine kleine Wetterstörung viel Wind und viel Schwell ins Bojenfeld gebracht. Unsere Hexe ist so an der Boje rumgetanzt, dass an einen erholsamen Schlaf nicht zu denken war. Doch die Turbulenz war nur von kurzer Dauer und schon gestern morgen ab drei Uhr war der nächtliche Spuk vorbei. Still und starr ruht die See.

Der zugelaufene Hahn bei der Tierarztfamilie

Der zugelaufene Hahn bei der Tierarztfamilie

Um 13 Uhr treffen wir dann zur letzten Kontrolluntersuchung von Nico bei Dr. Heissenberg ein und der ist mit der Wundheilung mehr als zufrieden. Wir sind es auch. Insgesamt drei Wochen sollen die Fäden drinbleiben und wenn wir wollen, können wir die danach ziehen, oder das Nahtmaterial löst sich nach zwei Monaten selbst aus, wird uns mitgeteilt. Mal sehen, wie sich Nico dann verhält, wenn er ständig dran rumknippelt, greifen wir zu Pinzette und Schere. Nach der Kontrolle waren wir zum späten Mittagessen bei Doc Heissenberg und seiner Familie im Landesinneren eingeladen.

Was für ein Hundeleben!

Was für ein Hundeleben!

OK, Landesinnere ist bei Formentera sicher nicht ganz korrekt. Die Insel ist nur 18 Kilometer lang und in der Mitte ziemlich dünne und kein Anwesen ist wirklich weit weg vom Wasser. Wir alle hatten unglaublich schöne Stunden mit Paella, Obststicks, Kuchen und dem einen oder anderen Getränk. Die 8-jährige Tochter forderte uns immer wieder zum Spielen im Pool heraus und die Zeit verging wie im Flug. Der frühe Nachmittag wurde zum frühen Abend und Wolfram hatte noch einen Hund und eine Katze in seiner Praxis zu versorgen. Danach wurden wir bei unserem wartenden Beiboot abgeliefert. Vielen Dank für die vielen schönen Stunden bei Euch dreien und den vielen Tieren!!!

Seit mehr als drei Wochen sind wir nun ohne Hafen unterwegs. Bereits zweimal mussten wir den 12-Liter-Tank von unserem Beiboot nachtanken, weil wir so viel damit rumschippern. In der letzten Saison hat eine Tankfüllung mehr als ausgereicht. Wirklich nervig ist nur die Wasserversorgung, weil man da jemanden im wahrsten Sinne des Wortes anpumpen muss und das ist normal nicht so unser Ding. Auch hier kammen einige Liter dankenswerter Weise aus der Tierarztpraxis.
Strom auf der Insel kommt übrigens von Ibiza, die Telefonleitung hingegen vom Festland. Die wird wohl hin und wieder bei unvorsichtigen Ankermanövern gekappt und muss dann aufwendig unter Wasser geflickt werden. Beim Trinkwasser auf Formentera gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder hat man zufällig Grundwasser unterm Haus, das ist dann je nach Jahreszeit mehr oder minder salzig, oder man bezieht Wasser aus dem öffentlichen Versorgungsnetz. Letzteres wird in großen Entsalzungsanlagen gewonnen und dann auch nachgechlort. Wir hatten gestern das Grundwasser, das in eine große Zisterne hochgepumpt wird, probiert. Wie erwähnt ist es ein bisschen salzig, aber angenehm kühl und trinkbar. Eigentlich ist es Meerwasser, was sich tief im Gestein unter den Grundstücken einlagert, vermischt mit Oberflächenwasser, sprich Regen. Nur da gibt es kleines Problem. Der Herbst- und der Frühjahrsregen der letzten beiden Jahre ist größtenteils ausgeblieben. Dadurch ist der Salzgehalt höher. Seit Wochen ist jeder Tag ein Sonnentag. In Barcelona oder Südfrankreich regnet es hin und wieder, hier kommt von dem kostbaren Nass nichts an.

Den heutigen Sonntag haben wir zum chillen, schlafen und späten Grillen genutzt und ansonsten nichts gemacht.
Man(n) muss ja nicht immer was tun…

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Gute Kunde in die Runde

Nach einer ganzen Woche Warten haben wir endlich die Untersuchungsergebnisse von Nico’s Gewächsen erhalten. Alle entfernten Tumore waren nicht bösartig, selbst der schnellwachsende vom Vorderlaufgelenk. Diese Mail von Dr. Heissenberg hatten wir so sehr erwartet!
Uns fällt ein Stein vom Herzen, dass unser kleiner Leichtmatrose keinen bösen Krebs in sich hat. Wir hatten richtiggehend Schiss, dass es etwas Schlimmes gewesen sein könnte. Übrigens, Leichtmatrose deshalb, weil der liebe Kleine in der letzten Woche dreimal auf den Salonteppich gepullert hat und dadurch natürlich wieder degradiert werden musste. Gestern hat er dann noch nasse Spuren in seinem Körbchen hinterlassen, das wir dann heute Morgen mit viel Energie und Handwaschmittel gründlich von Hand gewaschen haben.
Cornelia hatte den rettenden Einfall zu dieser unglückseligen Misere und sich erinnert, dass nach Nico’s letzter OP vor 3 Jahren schon mal ein ähnliches Problem aufgepoppt ist. Vielleicht eine kleine Narkosenachwirkung als Ursache, wer weiß. Jedenfalls hatte damals ein Medikament gut dagegen geholfen und genau das bekommt Nico seit heute.
Jetzt heißt es ein bisschen abzuwarten und Daumen zu drücken, dass es wirkt. Heute war schon mal alles in “trockenen Tüchern”.
4-5 Mal gehen wir mit Nico täglich Gassi, meist sehr ausgedehnt, genügend Auslauf hat er also, trotz Bordhunddasein.
Und jetzt hoffen wir noch, dass der angekündigte Starkwind für Mitternacht nicht zu arg ausfällt, damit wir an unserer Boje beüleiben können, und uns nicht mitten in der Nacht an einen unbekannten Ankerplatz verlegen müssen. 😏

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Schroff ist ein Riff,

und schnell geht ein Schiff zugrunde, sang schon Hans Albers in seinem wohl bekanntesten Lied “La Paloma”. Und dazu muss nicht immer das Kreuz des Süden leuchten.

imageHeute morgen wurden wir zufällig zum Rettungsboot für eine zehn Meter lange Segelyacht mit Motorausfall, wegen einer Leine in der Schiffsschraube.
Kurz nach 9 zieht sich ein unbekannter junger Mann an unserer ausgeklappten Badeplattform nach oben und steht total aufgeregt vor mir. Seine Worte “Help me, quick” lassen den ersten Schreck über den nicht erwarteten Besucher bei uns an Bord schnell vergehen. Mit ausgestrecktem Arm zeigt er auf sein treibendes Schiff, das keine 20 Meter mehr von der nahen hochaufragenden Felswand weg, zusammen mit seinen beiden Mitseglern an Bord, treibt. Atemlos erzählt er mir, dass seine Beibootleine beim Ankeraufgehen unglücklicherweise in die Schraube geraten ist und den Schiffsdiesel abgewürgt hat, während ich schon den Motor starte.

Ich schicke ihn zu unserer Ankerwinsch, damit er schnell den Anker aufholt, während ich mit leichter Vorausfahrt die Kette entsprechend entlaste. Gefühlt eine Ewigkeit braucht der Anker, bis er oben ist, während sein Schiff keine 10 Meter mehr von dem vernichtenden Fels weg ist. Noch bevor unser Grundeisen ganz oben ist, drücke ich den Gashebel bis zum Anschlag, dreh das Ruder und und mach mich auf den kurzen Weg zur havarierten Yacht. Mein neues Crewmitglied steht kurz darauf neben mir am Steuer und ich weise ihn an, unsere Steuerbordachterleine schnell klarzumachen, damit wir eine passende Schleppleine klar haben, um sein Schiff unmittelbar in den Schlepp nehmen zu können. Keine Minute später und noch gerade rechtzeitig erreichen wir sein Schiff.

Seine Crew belegt gekonnt die zugeworfene Schleppleine. Langsam, ganz langsam, setzt sich der Schleppzug in Bewegung. Aufgrund der sehr nahen Felsenwand habe ich mich entschieden, sein Schiff über das Heck, also von hinten, zu schleppen. Cornelia kommt just in dem Moment mit dem Beiboot an, und wundert sich, was wir da so treiben. Schnell hat sie jedoch die Situation erkannt und sichert den kleinen Schleppverband gekonnt mit unserem Dinghy zur Seite hin. Nachdem wir uns mit 2-3 Stundenkilometern langsam, aber beständig vom Ufer entfernt haben, bespreche ich mit meinem Mitfahrer das weitere Vorgehen und erkläre ihm in Französisch, dass wir jetzt den Schleppverband langsam, vom Wind angetrieben, zur Seite driften lassen und dass er sich mit Taucherbrille und scharfem Messer klarmachen soll, um die Leine vom Propeller freizuschneiden.

Gesagt getan, er springt über Bord und macht sich an die harte Arbeit. Wer schon einmal eine Leine von einer Schraube losgeschnitten hat, weiß, dass dem Körper dabei einiges abverlangt wird – ein Knochenjob. Der Propeller ist ca. 1 Meter unter Wasser, in der Bootsmitte. Das treibende Schiff ist ein Spielball der Wellen, es rollt wild von einer Seite zur anderen und wird dabei auch immer wieder angehoben und wild klatschend abgesenkt. Oft sind mehrere Tauchanläufe notwendig, weil man zwischendurch immer wieder an die Oberfläche zum Luft holen muss.
Auf jeden Fall glückte die Mission und nach vier Tauchgängen war die Leine frei. Mein mittlerweile Exmitfahrer klettert bei sich an Bord, startet den Motor und nimmt das Ruder in die Hand, bemerkt aber entsetzt, dass es klemmt und sich nur mit Gewalt bewegen lässt. Ein kurzer Blick achteraus brachte die Erklärung, eine weitere Leine hatte sich unbermerkt zwischen seiner Ruderoberkante und und dem Bootsrumpf eingeklemmt. Mit Geschick und Glück konnten die drei jungen Franzosen diese Leine jedoch vom sicheren Cockpit aus losbekommen. Nachdem der französische Skipper alle Systeme überprüft hatte, konnte endlich unsere Schleppleine losgeworfen werden. Mit Dank und lautem Jubel wurde zur Hexe rübergerufen und gewunken.

Kurze Zeit später hatte sich unser Anker an gleicher Stelle wieder fest in den sandigen Meeresgrund gegraben. Cornelia kam bald mit Nico und dem Beiboot angetuckert und hat als Dankeschön eine große Flasche Martini Bianco, unbemerkt von mir, von der glücklichen Mannschaft überreicht bekommen.

Ende gut alles gut! Und wer jetzt zu uns an Bord kommt, kann einen Martini gerührt oder geschüttelt genießen, je nach Gusto 🙂

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