Rock ‘n’ Roll

14.03.2015, Samstag, Baro 1019, bedeckt, kühl, Wind N um 5 Beaufort

Um 06:30 Uhr klingelt der Wecker, wir wollen früh los, um die 65 Seemeilen nach Palma de Mallorca zu segeln. Es nieselt leicht, hört aber gleich wieder auf und am östlichen Horizont zeigt sich das erste Licht. In der Abdeckung der Küste ist der Wind noch eher schwach, aber nachdem wir uns durch die paar steinigen Inseln

Das nördliche Ende von Ibiza

Das nördliche Ende von Ibiza

durchmanövriert haben, frischt er auf gute 16 Knoten auf.

Bald haben wir auch schon die Fock ein bisschen verkleinert, und noch bietet Ibiza uns Schutz vor den Wellen. Dabei legt sich die Hexe schön auf die Seite und jeder Gang nach unten, in die Kabine, oder nach oben ins Cockpit gerät zu einer Kletterpartie.

Nico in den Kissen: Nichts sehen, nichts hören

Nico in den Kissen: Nichts sehen, nichts hören

Wenn wir gleich aus der Abdeckunig der Insel raus sind, wird das noch wackeliger werden. Nico verkriecht sich in ein paar Kissenberge auf dem Sofa, schön auf der Leeseite, da liegt er und schmollt. So zu segeln, ist nicht seine Sache, er hat lieber die Vorwindkurse bei Sonnenschein, wer nicht?

Rock 'n' Roll

Rock ‘n’ Roll

Volker jedoch sitzt am Rad und genießt. Zwar hat er sich dick in sein wames Ölzeug gemummelt, und auch noch einige warme Funktionswäsche darunter, aber er ruft der Hexe immer wieder ein fröhliches “Rock ‘n’ Roll” zu.
In der Ferne sieht man schon die Berge von Mallorca und nach zehn Uhr soll der Wind ein bisschen nachlassen und weiter westlich drehen, dann müssten wir schneller werden, und vielleicht wird es ja auch ein bisschen weniger schaukelig.

Um 08:30 Uhr nimmt der Wind aber erstmal zu, aus den 17-18 Knoten werden schnell über 20, dann über 25, wir binden das erste Reff ins Großsegel. Laut Wetterbericht liegt die Spitze der Windgeschwindigkeit zwischen 09:00 und 10:00 Uhr, das stimmt auch, denn der Wind nimmt immer weiter zu, um 09:15 binden wir das zweite Reff ins Großsegel. Ich hole Nico raus, dem ist offensichtlich schlecht, er leckt sich andauernd die Schnauze.

Volker turnt auf dem Vorschiff herum

Volker turnt auf dem Vorschiff herum

Um kurz vor zehn sagt Volker am Steuer: “Ich kann sie (die Hexe) nicht mehr halten, das Großsegel muss runter.” Ich lasse die Leine fallen, Volker geht in der üblichen halsbrecherischen Aktion nach vorne, um das Großfall abzuschäkeln, damit es den Baum hinten stabilisiert bei all der Schaukelei, und bindet noch zwei Leinen um das schlackernde Tuch. Jetzt können wir zwar nicht mehr soviel Höhe gegen den Wind fahren, aber das Boot bewegt sich wieder etwas kontrollierter. Inzwischen haben wir deutlich über 30 Knoten Wind, und das nicht nur in Böen. Volker kommt mal kurz nach unten, um sich aufzuwärmen, der Hund ist auch schon wieder im Salon, aber wechselt dauernd zwischen Sofa und Boden, weil ihm das Ganze nicht wirklich geheuer ist.

Alles fliegt auf den Boden

Alles fliegt auf den Boden

Ab und zu bricht eine Welle und schickt eine Ladung weißes Wasser über das Boot, aber wir haben alle Schotten dicht, und beobachten das Leben draußen über den Bildschirm, wo wir Windrichtung und -speed ablesen, unseren eigenen Kurs und die Geschwindigkeit sehen, und mit der Fernbedienung den Autopilot ändern können.

Punkt zwölf Uhr lässt der Wind etwas nach, wir setzen wieder das Großsegel im zweiten Reff, das lässt die Hexe gleich wieder auf eine ordentliche Geschwindigkeit von über sieben Knoten klettern. Zwanzig Minuten später wird das Vorsegel ausgerefft, 13:00 Uhr bleibt nur noch Reff 1 im Groß. 13:15 Uhr reffen wir die Fock wieder ein bisschen ein, zehn Minuten später refft Volker sie wieder aus.

Um 14:00 Uhr kommt auch das letzte Reff aus dem Großsegel, wir haben nur noch ideale 11-12 Knoten Wind. Die Wellen sind deutlich angenehmer geworden, kommen auch nicht mehr über, und schaukeln das Boot nur noch sanft.

So unterschiedlich ist Seglers Leben: Gerade eben gab es noch so viel zu tun, dass ich gar nicht mehr hinterher kam mit dem Aufschreiben, jetzt geht es ruhig zu, ich konnte ein Brot aufbacken, und wir haben einen kleinen Imbiss gegessen. Und gleich gibt es eine Tasse heißen Kaffee oder Karamell-Kaffee mit viel Milch, ganz nach Geschmack.

Kaum ist das Wasser gekocht, gibt es wieder Action: Der Wind macht Heia! Vorsegel wegdrehen, Großsegel dichtholen, gleichzeitig Motor an. Volker flucht, das kann er gar nicht leiden! Denn noch steht hier die alte Welle und lässt die Hexe – mal wieder – schaukeln. Ich übernehme auf Deck, Volker will sich hinlegen, da kommt der Wind wieder, zwar nur leicht und achterlich, aber das können wir segeln. Also Bullenstander gesetzt, damit das Großsegel nicht ungeplant umschlagen und jemanden verletzen kann, Fock wieder ausgerollt. Mittlerweile ist der Kaffee fast kalt, nein, gar nicht wahr, er wärmt noch schön, und kaum frischt der Wind ein bisschen auf, schon läuft sie wieder los, die kleine Rennhexe.

Die Windmühlen am Hafen von Palma

Die Windmühlen am Hafen von Palma

15:35 Uhr: Das Cap de Cala Figuera, der Eingang zur Bucht von Palma de Mallorca, wird passiert, jetzt noch acht Seemeilen lang 42 Grad, fast halber Wind und daher schnell bis Palma, eine wunderschöne Bucht. Wir sind müde, waschen noch das Salz von allen möglichen Gegenständen ab, checken ein, super Service hier, großartige Marina, Spaghetti bolognese und bald ins Bett.

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