Wellen, durcheinander

Freitag, 18. Juni 2021, Baro 1015, feine Wolken mit leuchtender Sonne, Wind N um 6, Weiterfahrt vom 17. Juni

Cherbourg 17.06. 10:30 – Camaret-sur-mer 18.06. 12:00, 219 sm, Etmal 207 sm

Sogar das schöne Kunstwerk-Buch von Ingrid ist umgefallen!

Es ist eine unruhige Nacht, die Wellen sind so konfus auf dem gemäßigten Amwindkurs, und sie werden im Laufe der Nacht auch noch ein bisschen höher, je weiter wir nach Westen kommen. Das Boot springt wie ein junges Pferd beim Rodeo, wir müssen alle Schränke und Schubladen sichern. Wenn ich mich bewege, muss ich mich bei jedem Schritt irgendwo festhalten, um nicht zu fallen oder gegen irgendwelche Möbel zu stoßen. Hat der Skipper sich gestern noch über die schnelle und segeltechnisch richtig gute Fahrt gefreut, das war Segelspaß für die „Jungs“, macht er sich jetzt doch eher Sorgen um das Boot, wenn die Hexe so arg in die Wellen knallt.

Die Genua wird immer weiter eingedreht, denn die Hexe wird manchmal einfach zu schnell durchs Wasser, dann knallt sie so sehr in die Wellentäler, dass das ganze Boot erzittert. Vor Anbruch der Nacht hatten wir schon das erste Reff ins Großsegel gebunden und wähnten uns präpariert für die atlantische Nacht. Wir vertreiben uns die Zeit mit Kurzschlaf (Volker) und längeren Abschnitten (Cornelia), Kursüberprüfung, und Vorausplanung.

Noch in der letzten Dunkelheit, kurz vor der Einfahrt in den Chenal du Four, das ist die Meerenge zwischen einer kleinen vorgelagerten Insel und der nördlichen Zufahrt nach Brest, entscheiden wir uns, dass wir bei den jetzt herrschenden Bedingungen, viel Wind, konfuse hohe Wellen und Ebbstrom gegenan mit bis zu vier Knoten, doch lieber den Umweg über die westliche Seite von Ouessant in Kauf nehmen, auch wenn das fast dreißig Seemeilen mehr sind. Das erste Stück ist auch immer noch sehr anstrengend, aber sobald wir gehalst haben und auf einen südöstlichen Kurs gehen, wird es wunderschönes Segeln mit – für uns – angenehmer Atlantikdünung.

Nur so darf der Skipper auf der Badeplattform herumturnen, wenn soviel Wellen sind

Schon in der Nacht fällt auf, dass der Hydrogenerator nicht mehr lädt, ich schiebe das auf die hohen Wellen, damit Volker nicht in der Dunkelheit auf der Backbord Badeplattform herumturnt, um den Generator aus dem Wasser zu holen. Auch wenn bei dieser Aktion die Regel gilt, dass der Skipper eine Schwimmweste anzieht und  sich anleint. Denn wie soll ich ihn sonst so schnell aus dem Wasser holen, wenn ich erst das Boot in den Wind drehen muss, die Motoren anmachen, und dann so einen einzelnen Kopf in der Atlantikdünung suchen. Ich glaube, das ist auch das einzige Mal, wo ich hier an Bord an meiner Regel fest halte (bis jetzt hat es geklappt!).

Das sind die gefangenen Leinen

Am nächsten Morgen holt Volker dann im Hellen den Generator aus dem Wasser, und siehe da, wir hatten ein paar Leinen von einem Fischernetz gefangen. Deshalb konnten die Flügel sich nicht mehr drehen, aber glücklicherweise ist nichts kaputt gegangen, und nach Entfernung der Bösewichte lädt der Brave wieder fleißig Strom in unsere Batterien ein.

Nachdem wir den angenehmeren Kurs fahren, und die Wellen nicht mehr in hohen Fontänen auf das Boot spritzen, wäscht Volker mit Süßwasser die ärgsten Salzspritzer ab, wir können wieder aus den Fenstern schauen, so macht Segeln auch den „Mädels“ Spaß.

Kühl, aber zufrieden: Die Capitania beim Ausguck

Auf dem letzten Stück Strecke bis nach Camaret muss man ganz doll auf die Fischerbojen aufpassen, die liegen überall, und bei den – hier nicht mehr wirklich hohen Wellen – sieht man sie trotzdem relativ spät. Deshalb darf ich mit offenen Augen am Rad stehen bleiben, und Volker holt alle Fender aus ihren Verstecken und hängt sie auf. Im Hafen empfängt uns der Hafenmeister – vorgewarnt – mit seinem Gummiboot, leitet uns an den Liegeplatz, hilft beim Leinen festmachen, und kassiert auch gleich die Hafengebühr für die vorhergesehenen Tage bis Dienstag.

Gutes Etmal, 207 Meilen in 24 Stunden!

Wir sind froh, jetzt hier zu sein und freuen uns auf ein malerisches kleines bretonisches Städtchen.

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2 Antworten zu Wellen, durcheinander

  1. Thijs sagt:

    Good to see you made it to Brest.

  2. ingrid sagt:

    great you made it. Sounds like you had a bit of fun out there,
    love Ingrid

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