Autor: Hexymama

  • Ponta Delgada

    Gestern haben wir, zum ersten Mal seit über drei Monaten, im Hafen fest gemacht. Wir waren das gar nicht mehr gewöhnt, Fender zu hängen, Leinen raus zu holen, in die Marina zu fahren. Nach 92 Seemeilen von Terceira aus haben wir um elf Uhr in der Marina Ponta Delgada angelegt. Da die Hafenbehörde von 12 – 14 Uhr in der Mittagspause war, haben wir uns, nach wieder einer Nacht auf See, für eine Mittagsruhe hingelegt, bis uns der Hafenmeister mit einem freundlichen Klopfen aufgeweckt hat. Wir hatten längsseits an einem langen Schwimmsteg angelegt, aber hier könnten wir leider nicht bleiben, sagte der freundliche Mann, ab morgen käme da ein großes Boot, das auch schon angekündigt sei. Aber wir sollen mal ins Marina Büro gehen, dort werde man einen Platz für uns finden. Und außerdem müssten wir einklarieren, das könne man neben dem Hafenbüro machen. Eigentlich komisch, denn wir kommen aus Frankreich und sind hier in Portugal, also beides Europa. Aber dazwischen liegt natürlich auch ein großer Ozean.

    So schön liegt die Hexe hier am Steg

    Gut, ich packe meine Papiere ein, Pässe, Bootsschein, Ausklarierung aus St. Martin, Versicherung für die Hexe, und mache mich auf den Weg. Das wird – leider – zu einer kleinen Odyssee. Der Hafenmeister hatte gesagt, es seien nur fünf Minuten, ich müsse nur durch den Tunnel gehen, die Treppe hoch und dann nach rechts. 

    Die Wände sind voller gemalter Bilder mit den Booten, die hier von fernen Ländern her kamen

    Ich mache mich also auf, durch den Tunnel, aber wo ist jetzt die Treppe? Geradeaus geht es zu einem Freibad, nicht so gemütlich, auf dem heißen Beton zu liegen, aber das Wasser scheint in Ordnung zu sein, die Badeanstalt ist gut besucht. Da geht es nicht weiter, also gehe ich mal nach rechts, an der langen Pier sind viele Restaurants und Geschäfte, da werden, ganz am Ende, wohl Immigration und das Hafenbüro sein. Ich schlendere die Pier entlang, die Restaurants sind schwach besucht, die Läden eher gar nicht, aber am Ende ist nix mehr, keine Behörde, nix.

    Auf dem Rückweg frage ich in mehreren Läden nach, wo denn die Imigração sei, aber keiner weiß was. Beim Tunnel zurück stehen zwei offiziell aussehende Burschen, die schicken mich hoch auf die große Straße, und dann nach links. Ich frage noch einmal nach: „Links oder rechts?“ Links, links wurde mir beteuert. Ich steige also die breite Freitreppe hinauf, dort oben wird gerade ein Zelt aufgebaut, die Leute laufen geschäftig mit irgendwelchen Eisenstangen und Planen herum, und ich wende mich auf der breiten Avenue nach links.

    „Komisch“, denke ich, „wo soll denn hier Zoll und Hafenbüro sein, das sieht alles nach Bürohäusern und Banken aus.“ Ein Stück gehe ich die Straße entlang, aber dann kehre ich um, und versuche es in die andere Richtung. Bei einer Autovermietung frage ich noch einmal nach, die freundlichen Mädels haben auch keine Ahnung, aber ihr Kollege sagt plötzlich, ich solle noch ein Stück weiter gehen, dann gäbe es eine Treppe, die solle ich nach unten gehen, und dann nach rechts, dort ganz am Ende sei das Hafenbüro. Tatsächlich, nach all den Irrwegen stehe ich vor dem Hafenbüro, melde mich mit allen Formalitäten an, und eine halbe Stunde Bin ich auf dem Weg zurück zum Boot. Mission accomplished!

    Courtesy Álvaro RP | Die Prozession während des Senhor Santo Cristo dos Milagres
    mit den geschmückten Straßen

    In Ponta Delgada findet an diesem Wochenende ein großes Fest statt. Einheimische von den anderen Azoreninseln, Auswanderer aus Amerika, Brasilien, Kanada  etc. kommen extra deswegen angereist. Die Stadt ist voll, und alle werden der Prozession am Sonntag folgen, oder von den Balkonen der Innenstadt aus zuschauen.  Es ist zweifellos ein religiöses Fest, aber es erinnert ein bisschen an Rosenmontagszug in Mainz.

    Die Sage schreibt, dass im 17. Jahrhundert, nahe eines Klosters im Süden der Insel, wahrscheinlich von einem havarierten Boot eine Kiste antrieb, in der sich eine Christusstatue  mit Dornenkrone befand. Die Nonnen nahmen die Reliquie zu den Schätzen des Klosters auf. Am 11. April 1700 veranstalteten die Nonnen eine Prozession, um für das Ende des schweren Erdbebens zu beten. Während eines starken Erdstoßes fiel die Statue zu Boden, und von da an war das Erdbeben beendet. Seitdem wird an dem 5. Sonntag nach Ostern in Ponta Delgada dieses große Fest gefeiert.

    Am Abend schlendern wir durch die sehr hübschen Straßen der Altstadt, genießen die Atmosphäre bei einem Glas auf der Gasse, bevor wir uns ein Restaurant suchen. Nun, das war nicht so einfach, denn klar, wenn die Stadt voll ist mit Touristen zu Ehren des Festes, dann sind natürlich alle Restaurants voll belegt. Glücklicherweise finden wir – kurz vor dem Aufgeben – ein kleines Restaurant mit Sushi und chinesischen Gerichten, all you can eat. Lecker.

    Der Eingang zur Altstadt

    Anschließend sind wir zum Boot zurück gegangen und fanden am Anfang der Marina eine große Ausstellungshalle mit allen möglichen Konsumartikeln vor. Auch Kunsthandwerk, Wein und Essen von den Azoreninseln wurde angeboten. Für nur einen Euro Eintrittsgeld schlenderten wir an den Ständen vorbei, probierten da ein bisschen Gebäck, dort einen süßen Honigrum in den verschiedensten Geschmacksrichtungen, und vieles andere. Ein bisschen Schmalzgebäck und vier Trüffelpralinen mussten wir einfach einkaufen und zum Boot mitnehmen. Dort hat Volker nicht mal mehr die eine Dose Bier ausgetrunken, die er sich aus dem Kühlschrank geholt hatte, ehe er auf dem Sofabett in einen seligen Schlaf fiel. Die Nacht auf dem Meer fordert ihren Tribut.

  • Wieder unterwegs

    Donnerstag, 11. Mai 2023
    Baro 1030, bedeckt, Nieselregen, Wind um 4, die See 1 -1,5 m

    Hexe, Mann und Hase?

    Gestern Abend haben wir einen schönen Spaziergang durch das noch ziemlich verschlafene Städtchen Praia Vitória gemacht. Man merkt sofort den portugiesischen Geist. Die Straßenfronten der Häuser sehen aus wie in Porto oder Sines, es gibt schöne kleine Plätze und ungefähr sechs Kirchen auf engem Gebiet.

    In der eigentlichen Innenstadt ist nichts los, einzelne Gestalten, gerne auch mit Hund, wandeln durch die Straßen. Die Läden sind alle geschlossen, in den Kneipen oder Restaurants, die allerdings auch mehr Fast-Food-mäßig aussehen, ist höchstens ein Tisch besetzt. Die eigentliche Saison auf den Azoren fängt wohl erst im Sommer an. 

    Der allererste Drink seit der Karibik

    Glücklicherweise haben wir auf Anraten eines Australiers, der mit seinem Kat in der Marina liegt, eine Restaurantempfehlung bekommen für „O Pescador“. Volker hatte ein bisschen Bedenken, dass es dort nur Fisch geben würde, aber auf der draußen hängenden Speisekarte waren die verschiedensten Steaksorten aufgeführt. Wir wurden nicht enttäuscht! Der Service war großartig, das Essen eine Sensation, Oktopus für mich, Steak für Volker, beides außergewöhnlich lecker. Es gibt hervorragenden Wein vom ganzen Archipel. Hier wird tatsächlich auf allen Inseln Wein angebaut, wenn man mit dem Flugzeug anreist oder mit dem Boot, was auffällt, sind die Vulkankrater und die terrassierten Traubenfelder.

    Die Hexe am Anker

    Dass die Saison erst noch anfangen wird, ist uns auch von unserem Ankerplatz aufgefallen. Die wunderschönen langen Sandstrände werden in Ordnung gebracht, der Bagger schiebt Massen an Sand auf. den Strand und verteilt sie gleichmäßig „Praia“ heißt ja „Strand“ auf portugiesisch, wahrscheinlich ist die Stadt dafür berühmt, denn ansonsten gibt es bei vulkanischen Inseln höchstens mal schwarze Strände aus Lavasteinchen.

    Die Azoren sind alle aus Vulkaneruptionen entstanden, Terceira zum Beispiel hat fünf Vulkankrater, bei den anderen habe ich es nicht gezählt. Und wie uns Freundin Inge-Lore von ihren früheren Reisen hierher beschrieb, gibt es auch immer noch Seebeben, ausgelöst durch Vulkanausbrüche unter Wasser. So sind die acht Inseln des Archipels entstanden.

    Tja, und heute Nachmittag sind wir schon wieder Ankerauf gegangen, morgen früh wollen wir in Ponta Delgada sein, um einen Tag mit einem Leihauto die Insel zu erkunden und um unsere Vorräte aufzufüllen für die Überfahrt nach Lanzarote.

    Warum wir es so eilig haben? Nun, bei der Ankunft auf Terceira hat Volker plötzlich festgestellt, dass unser Backbord Ruderblatt einen Schaden haben muss, denn statt der gewohnten Farbe schaute er auf glattes Weiß! Ein Teil des Ruderblattes ist weg! Noch können wir das Ruder normal gebrauchen, solange nicht mehr Teile sich verabschieden. Irgendwie müssen wir etwas getroffen haben, ein „UFO“, (ja das gibt es auch im Wasser, ein „Undefined Floating Object“), ein Stück Holz, einen Container oder sonst was, undefined halt. Deshalb sollen und wollen wir jetzt nach Lanzarote, weil dort der Schaden repariert werden kann. Es gibt einen Travellift, der breit genug ist, um die Hexe aus dem Wasser zu holen. Außerdem ist es viel einfacher, dort eventuell nötige Teile hin schicken zu lassen.

    oh je!

    Heute Abend, auf See, gibt es „Reste essen“ zum Abend, damit wir den Kühlschrank frei haben für die Einkäufe. Außerdem gehen wir sicher die nächsten beiden Abende an Land essen, ehe wir wieder allein auf weiter See sind.

  • Back to Europe Tag 12

    Sonntag, 07.Mai 2023

    Baro 1014, noch bedeckt, Wind um 7 Knoten, leider ganz aus West, konfuse See 2,5 bis 3 m, es wird immer kühler, die Wassertemperatur liegt bei 17 Grad (brrrr)

    Sonnenaufgang, hinter Wolken

    Es war eine unruhige Nacht, als ab Mitternacht der Wind deutlich nachgelassen hatte, sind wir zum Teil mit nur noch vier Knoten voran gekommen. Die Segel schlugen, es ist ein scheußliches Geräusch, das Boot  bewegt sich, als sei man auf einer dieser seltsamen Jahrmarkt-Fahrgeschäfte, bei denen man komplett durchgeschüttelt wird.

    Party in der Nacht? So viele Boote auf einmal haben wir die ganze Reise über nicht gesehen

    Um 06:00 ist Schluss mit segeln, Genua und Großsegel werden geborgen, ein Motor geht an, auf halbwegs sparsamen 1800 Umdrehungen. Die Wellen sind zunächst immer noch hoch, aber das Meer wird zunehmend flacher und ruhiger. Der Wassermacher wird angeschaltet, der Motor wärmt das Wasser im Tank, wir können nachher luxuriös mit heißem Wasser unter der Dusche stehen, und nicht nur morgens mit der kleinen Katzenwäsche in den Tag starten. 

    Sie hängt wieder, unsere Ersatzuhr, bis die alte aus der Reparatur zurück kommt

    Die gestern wiederum eine Stunde vorgestellte Uhr, kann an ihrem Platz fest geschraubt werden, das war gestern Abend wegen des rupppigen Wellengangs nicht möglich. Jetzt sind wir noch eine Stunde näher an Europa, wenn es bei uns an Bord 15 Uhr ist, und wir gemütlich ein Stück Kuchen zum Nachmittagskaffee bekommen, haben die meisten Deutschen schon zu Abend gegessen, dort ist es dann 19 Uhr.  Erst auf den Azoren wird die Zeit noch einmal weiter gedreht, diesmal um zwei Stunden, denn abgesehen von der nächsten Zeitzone ist dort auf Sommerzeit umgestellt worden.  In der Karibik gibt es keine „daylight saving time“, es ist 12 Stunden hell, 12 Stunden dunkel. 

    Zu dem oben erwähnten Nachmittagskaffee gab es zwar keinen Kaffee, aber Brownies, die ich aus einer amerikanischen Fertigbackmischung zusammengerührt und 40 Minuten im Ofen gebacken habe, Lecker, aber sehr süß, am besten ist man die Stückchen mit saurem Apfel, vielleicht sogar mit Apfel und Philadelphia Frischkäse. Das probiere ich morgen. 

    Volker wäscht an den Steuerständen ein bisschen das Salz ab, und inspiziert die eingerissene Stelle am Großsegel, die wir vor nicht allzu langer Zeit repariert hatten. Es ist auch nicht an dieser Stelle gerissen, sondern neben dran, unsere Reparatur hat bombenfest gehalten.

    Kaum auszumachen: Flipper im grau der Wellen

    Am Morgen haben uns, zum ersten Mal auf diesem Abschnitt, Delphine besucht, fünf oder sechs kleine Kerle spielten zwischen den Rümpfen, nur leider waren Meer und Himmel so grau, dass Volker nicht einmal ein brauchbares Foto schießen konnte.

    Am frühen Nachmittag starten wir einen erneuten Segelversuch, denn der Wind hat auf zwölf Knoten zugenommen. Nicht wirklich beständig, kommt die eher leichte Brise aus 180° zum Boot. Bei dem Wellengewackel setzen wir den Gennaker nicht, wie schon bei früheren Gelegenheiten auf dieser Reise hätten wir Angst um sein dünnes Tuch. Segel wieder fort, Motor an, der „Dieselwind“ schiebt.

    Das Wetter hat – laut Vorhersage – auch keine großen Windmengen mehr im Gepäck. Vielleicht dreht der der leichte Wind dann wenigstens so weit auf Süd, dass wir mit einem Windeinfallswinkel von 90 – 100 Grad fahren könnten, dann würden uns 8 – 10 Knoten locker reichen.

    Heute Abend gibt es vom Skipper selbst zubereitete Canneloni, ich freue mich schon darauf.

  • Back to Europe Tag 10

    Freitag, 5. Mai 2023
    Baro 1017, bewölkt, sehr grau, Wind um 20 kn, die See 3 m
    Position um 10:20: 33° 54.933N 043°42.072W, E. South America Standard Time, Etmal 211, noch 780 sm bis Horta

    Den zweiten Teil der Nacht habe ich im Salon auf dem großen „Sofa“-Bett verbracht, unten sind die Wellen so laut, wenn sie gegen den Rumpf schlagen, außerdem sind die Bootsbewegung in der Mitte weniger stark. Und mein Skipper liegt schließlich auch hier.

    Der heutige Tag beginnt mit ein bisschen Sonne

    Der Wetterbericht bleibt bei seiner Voraussage von gestern, wir befinden uns zwischen einem sich ausbreitendem Azorenhoch und einem von den USA heranziehendem Tief, das nach Nordost zieht, sodass wir den südlichen Rand, mit für uns vorteilhafter Windrichtung, abbekommen sollen. Trotzdem werden Böen von 40 kn vorausgesagt, wir hoffen, dass die nicht kommen, oder wenigstens nicht zu stark und zu häufig.

    Heute Nacht sind wir mit je einem Reff in Großsegel und Genua unterwegs gewesen, heute morgen hat Volker die Genua kurzfristig ausgerefft, aber um 08 Uhr wird sie wieder eingerefft. Der. Wind frischt auf bis 25 Knoten, unser Spitzenspeed lag heute Vormittag bei 17,5 Knoten Fahrt! Inzwischen sind wir bei Reff 2 in der Genua angelangt, es waren ab und an über 25 Knoten Wind. 

    Gleich sind es unter 700 Meilen bis zum Ziel auf Horta

    Volker entwickelt sich allmählich zu einem richtigen Bordingenieur! 

    Die elektronische Lageanzeige des Autopiloten am Kartenplotter, zeigt wieder sehr große Ausschläge nach Backbord an. Trotz Seegangs will der Skipper in den Motorraum, um abzuchecken, ob der Ruderquadrant  wieder auf der Ruderachse gerutscht ist. Leider kam er mit der Meldung zurück, dass das tatsächlich so sei. Wir überlegen gemeinsam eine Weile, was nun die beste Strategie ist. Lassen wir es so, auf die Gefahr hin, dass es noch weiter verrutscht, und es dann mitten in der Nacht repariert werden muss? Fahren wir tagsüber auf dem anderen Autopiloten, dessen Kurs man halt nur am Backbord Steuerstand verändern kann, und nicht bequem von innen auf dem Kartenplotter? Vorübergehend wird die Steuerung umgeschaltet auf Autopilot 2, Kurz danach ist die Sache entschieden, Volker verschwindet zur Reparatur wieder im Motorraum ,während das Boot mit 10 bis 13 Knoten die Wellen hinab surft. Mein Held kehrt nach 20 Minuten mit einer Erfolgsmeldung zurück. Hoffentlich halten die Schrauben jetzt den Quadranten kraftschlüssig bis Horta fest, dort werden wir uns eine finale Lösung für dieses Problem überlegen.

    Der Teig führ die Semmelknödel

    Zum Abendessen gab es heute von Volker selbst gemachte Semmelknödel, und feines Gulasch am Kartentisch, denn draußen ist es uns inzwischen zu kalt (ich weiß, wir hätten auch in den südlicheren Breiten bleiben können), außerdem sind keine Poster mehr auf den Bänken, das ist auch nicht gemütlich.

    Im späteren Lauf des Tages haben wir mehrere neue Wetterberichte bekommen und eingeholt, Leider sieht  es wirklich so aus, dass das Sturmtief unseren Weg streifen wird. Ab morgen sehr früh kann es in Böen mit über 30 Knoten wehen. Wir sind präpariert, die Cockpitkissen werden in die Gästekabine verstaut, die Genua ist schon in Reff 2, und heute Nacht werden wir eventuell Reff 2 ins Großsegel binden. Wenn es uns zu heftig wird, können wir immer noch nach Süden ausweichen, um dem Schlimmsten zu entkommen.

    Hier ist es gut zu sehen, das Tief im Nordwesten und das Hoch im Südosten, wir sind genau an der Grenze zwischen den beiden.

    Bis zum kommenden Sonntag werden wir wohl beständig sechs bis acht Windstärken haben und Wellen bis zu vier Meter. Das Wetter haben wir uns nicht gewünscht, aber auf der atlantischen Tiefdruckautobahn und so früh im Jahr ist das nichts Außergewöhnliches. Gut ist es, dass wir wie zuvor schon erwähnt, die Option haben, nach Südosten, auszuweichen, wenn wir uns unsicher -oder sehr unkomfortabel fühlen sollten. Ein Gutes hat der starke Wind, der seit ein paar Tagen weht und wohl noch stärker werden soll, wir kommen viel schneller voran als gedacht und der Captain geniesst die endlosen Surfs.

    Man darf gespannt bleiben, was und wann es kommt, wir bleiben wachsam.

  • Back to Europe Tag 9

    Donnerstag, 4. Mai 2023
    Baro 1012, bedeckt, Wind SW 17 Knoten, die See um 3 m
    Position  08:00 Uhr: 32° 19.473N 047°33.798, Etmal um 09:20 Uhr: 171 sm, noch 985  sm bis Horta

    Gestern waren wir westlich des 50. Längengrades angekommen, damit haben wir die AST, die atlantische Standard Zeit verlassen, und befinden uns nunmehr in der gleichen Zeitzone wie z.B. Buenos Aires. Deshalb haben wir die Uhr um eine Stunde vorgestellt, wir sind jetzt auf UTC – 3., also fünf Stunden später als in Deutschland.

    Grau in Grau

    Als ich um 05:30 Uhr nach oben in den Salon komme, macht Volker zunächst den Motor an, um die Batterien aufzuladen, denn in der Nacht verbrauchen die Instrumente und vor allem der Gefrierschrank, eine Menge Strom. Heute ist es leider so bedeckt, dass die Solarpaneele die Batterien nicht genug aufladen werden. Allein der Hydrogenerator sorgt für den Energienachschub.

    Um 07:30 refft Volker aus, jetzt sind wir wieder unter vollen Segeln. Um 07:59 haben wir keine 1.000 Meilen mehr vor uns, sondern nur noch 999,9 sm. 

    Ab jetzt wird es dreistellig

    Irgendwie hatte ich seit gestern ein enormes Schlafdefizit. Ich spürte am ganzen Körper, wie müde ich war. Der Kaffee um sechs Uhr hat mich ein bisschen aufgeputscht, aber nach dem Frühstück, das es heute ausnahmsweise schon um neun Uhr gab, habe ich mich im Salon hingelegt und wie der berühmte Stein geschlafen. 

    Um 11 Uhr weckt Volker mich, um zu reffen, der Wind hat auf über 22 Knoten zugenommen, und wir wollen unsere Hexe nicht zu sehr stressen. Uns auch nicht. Ich hatte so fest geschlafen, dass ich zunächst wie ein Mondwandler herum gelaufen bin, und schon das Großsegel ablassen wollte, bevor die Genua weggerollt war. Mit Reff 1 im Groß läuft die Hexe wieder viel ruhiger und zieht trotzdem stabil ihre Bahnen durch den Nordatlantik.

    Auf dem Daybed liegend planen wir die Taktik für die nächsten Tage, ich hatte einen neuen Wetterbericht über PredictWind Offshore geholt, wir sollen, je nach Modell, im Laufe des 8. Mai bei Horta ankommen. De letzten zwölf Stunden wird es eher leichten Wind geben, dann können wir noch ein bisschen von unseren großen Dieselvorräten  verbrennen, am Anfang hatten wir noch Angst, dass sie nicht ausreichen würden.

    Außerdem ist Volker inspiriert von den vielen Segelbüchern, die er gelesen hat, und wir planen die weiteren Törns in ferne Länder. Segeln wir nach Surinam über die Kapverden im Herbst? Und vielleicht im Sommer darauf, nach Island? wir sollen es sehen.

    Um 18:30 wird wieder ausgerefft, der Wind war zuweilen bis 17 Knoten gefallen, das gefiel wiederum dem Skipper nicht, schließlich befinden wir uns in dem weltberühmten Champagner Race.

     Zum Abendessen gab es heute leckeres Sahne-Geschnetzeltes von der Schweinelende mit Nudeln. Das gestrige Essen war leider nicht so gut, der Blumenkohl in Bechamelsauce schmeckte bitter, dafür waren die kleinen Koteletts sehr gut.

    Nach dem Abendessen gehen wir wieder in unseren üblichen  Schlaf-/Wachrhythmus, ich schreibe Logbuch oder Mails an unsere Wetterberater, wenn ich zwischen 23 und 24 Uhr ins Bett verschwinde, übernimmt Volker die Nachtwache mit 15-20-minütigen Schlafphasen, um fünf Uhr löse ich ihn dann wieder ab. Aber wir schlafen auch am Tag im Wechsel jeder mal ein bis zwei Stunden, wenn es passt. Jetzt gerade, um 21 Uhr unserer Zeit, sind es nur noch 888 sm bis Horta.

    Damit wir – vor lauter rasenden Reportern – mit unserer Logbuch-Berichterstattung nicht ganz ins Hintertreffen geraten, gibt es heute ausnahmsweise mal zwei Beiträge.

    Gute Nacht an alle da draußen im Netz!

  • Back to Europe Tag 6

    Back to Europe Tag 6

    Montag, 1. Mai 2023
    Baro 1018, bewölkt mit Aufheiterungen, Wind S um 4 Beaufort, die See 1 – 2  m
    Position um 10:00 28° 11’N, 056°30’W, Etmal 205 (!) sm

    Nachtrag von gestern Abend:
    Es gab leckere Schweinelendchen mit angebratenem Gemüse, köstlich!

    Um 20 Minuten nach fünf Uhr geht die Sonne auf, mal wieder.

    Später frischt es auf bis 16 Knoten, die Genua wird um zwei Umdrehungen verkleinert, die Hexe läuft bei einemEinfallswinkel von 110 – 120 Grad mit um die zehn Knoten Fahrt stabil dahin. Das heutige Etmal von 205 Seemeilen ist das bisher beste unserer Reise seit St. Martin.

    09:45 der Wind raumt und nimmt ab, die Genua wird wieder ausgerefft, Volker denkt über den Gennaker nach, aber zuerst muss er nach dem üppigen Frühstück den Schlaf der vergangenen Nacht nachholen. Anschließend geht es zunächst ganz gut weiter, bis c. 13:30 Uhr. Ab danach, leider, leider leider, kommt der Wind immer weiter von achtern und wird schwächer. Eigentlich müsste jetzt der Gennaker stehen, aber die Wellen sind so konfus, dass unser schönes buntes Leichtwindsegel arg herum geschleudert werden würde, wir haben Bedenken, dass es das nicht aushält und einfach reißt. Und wir haben doch nur das eine.

    Zwei Schiffe neben uns auf dem AIS

    Mittags haben wir tatsächlich mal zwei Schiffe auf dem AIS. Ein Tanker kommt uns, mit vier Meilen Abstand, entgegen, und eine moderne Motoryacht, die Silver Fox, ein Luxusboot, fährt ebenfalls in unsere Richtung,  nach Madeira. Man kann sie wochenweise chartern für 260.000 €. Plus Nebenkosten …

    Diese Wellen sind wirklich sehr unangenehm, nicht in der Höhe, sie kommen konfus und unberechenbar, alles wird durcheinander geschaukelt. Sobald der Windwinkel unter 120 Grad geht, und die Windgeschwindigkeit über 12 Knoten, ist es gut, dann wird die Hexe schnell. (Ehrlich gesagt, ist mir das trotzdem lieber, als gegen hohe Wellen auf Amwindkurs zu segeln, wie im Herbst auf unserer Fahrt aus Amerika nach St. Martin.)

    Diesen Windeinfallswinkel und die Windgeschwindigkeit mag die Hexe

    Die Aussichten für die kommenden Tage sind gut, es gibt konstant über 17 Knoten Wind, später um die 25 Knoten, mit Böen bis in die mittleren dreißig. Wenn es uns zu viel ist, können wir immer noch nach Süden ausweichen, dort ist weniger Wind.

    Die Aussichten für Mittwoch
  • Back to Europe Tag 5

    Was gestern Abend noch so passiert ist ….

    Um 20 Uhr steht wieder die Kurzwellen-Funkrunde mit Bernd von der Hullu Poro an, Rainer und er wollen, wenn die Wettervorhersage stimmt, ebenfalls zu den Azoren aufbrechen, von Bermuda aus. Diesmal ist auch Jan von der Sutje mit von der Partie, aber heute scheinen die Ausbreitungsbedingungen sehr schlecht zu sein, Bernd kann ich fast gar nicht verstehen. Ich höre nur seine Stimme im Rauschen, Jan kommt besser durch, aber auch er ist nicht klar aufzunehmen. Wir verabreden uns für morgen, eine Stunde früher, 23 Uhr UTC.

    Ich weiß noch, wie oft ich geflucht habe, weil ich keine Verbindung bekommen habe, doch dringend einen Wetterbericht haben wollte, oder der Download desselben so lange Zeit brauchte, dass entweder, wie bei den Stationen von Winlink, meine Minuten verbraucht waren, oder es über Sailmail so lange währte, dass entweder eine Time-out Meldung kam, oder meine Geduld erschöpft war. Aber eigentlich ist es ein tolles Hobby, wenn man über Funk mit Menschen aus anderen Teilen der Welt kommunizieren kann.

    Unser icom Funkgerät

    Anschließend nimmt Volker sein Telefon zur Hand, wählt erst Jan, später auch Bernd an, mit glasklaren Verbindungen, dank Starlink. Das Telefonat mit Bernd mussten wir etwas abrupt beenden, der Wind hatte wieder zugenommen. Um 20:45 Uhr haben wir Reff 1 ins Großsegel gebunden.

    Tag 5 Sonntag, 30. April 2023
    Baro 1016, sonnig mit Wolkenfeldern, Wind ONO 7-10 Knoten
    Etmal um 09:20 159 sm, deutlich besser als die letzten beiden Tage

    Heute Morgen, auch gestern Abend schon, war es etwas kühler, man kann ein Langarm-Shirt durchaus brauchen. 

    Um 05:00 übernehme ich die Wache, Volker muss jetzt mal länger als immer nur 15 Minuten schlafen, die Nacht war anstrengend, obwohl wir am späten Abend das Großsegel gerefft hatten. Er musste häufig den Kurs korrigieren, weil der Wind gerne mal ein paar Grad raumte oder wieder weiter von vorne kam. Manchmal frischt es auf, dann muss die Genua ein kleines Stück eingerollt werden und wieder ausgerollt, wenn es wieder weniger wird. Kurzfristig ist der Wind so schwach, dass der Motor mitschieben muss, die leichte Brise kommt genau von vorne. Erst ab ca. 04:00 Uhr ist es beständiger, Volker kehrt zu seinem 15-minütigen Schlafpausen zurück, bis ich ihn um 05:00 Uhr ablöse. 

    Sonnenaufgang

    „Wenn die Sonne, bezeichnenderweise im Osten und rot hinter Wolken aufgeht“ (das war ein Zitat aus der „Erschröcklichen Moritat vom Kryptokommunisten“ von  Dieter Süverkrüpp, das ich in meiner rebellischen Jugend gerne gehört habe, können die Navigationslichter aus,  die kleine Solar-Flammenlampe und die Solar-Powerbank müssen auftanken und werden an die Südostseite des Bootes gestellt, und ich bekomme einen Kaffee.

     Als der Skipper erwacht, gegen 07:00 Uhr, wird erst einmal ausgerefft, aber der Motor  bleibt an, denn der Wind ist schwach, und wir sollten bis heute Abend 19 Uhr 75 sm geschafft haben. Jetzt kann auch die Heizung ausprobiert werden, falls es auf den Azoren noch richtig kühl ist, müssen wir nicht frieren, denn sie läuft einwandfrei. Bald danach kann der Motor ausgeschaltet werden und wir segeln gemächlich, mit sechs Knoten Fahrt bei sieben bis acht Knoten Wind über das heute flache Meer.

    blau, wohin man schaut

    Man soll es ja nicht beschreien, aber heute ist einer der entspanntesten Segeltage überhaupt. Wind zwischen sieben und zehn Knoten, Windeinfallswinkel zwischen 100 und 120 Grad, Sonne, glattes Wasser. Dabei läuft die Hexe mit guten sieben bis acht Knoten Fahrt. Von uns aus könnte das so bleiben bis zu den Azoren. Ich fürchte nur, dass das Wunschträume sind.

    Gerade haben wir einen neuen Wetterbericht geholt, es sieht immer noch sehr gut aus für uns, die Winde scheinen uns gewogen, sie sollen uns mit zuweilen bis zu 20 Knoten von achtern anschieben.

    Seit über zwei Stunden beobachte ich einen Tanker, der auf Kollisionskurs zu uns von Backbord ankommt. Zwanzig Minuten, bevor wir uns wirklich zu nahe kommen, rufe ich die „Golden Ray“, sie ist auf dem Weg nach Antwerpen, der freundliche Mensch am Funk verspricht sofort, ein Auge auf unsere Route zu haben, und dreht schnell ab, um hinter uns statt vornedran durch zu gehen. 

    Inzwischen sind wir tatsächlich so schnell geworden, denn seit 15:50 steht der Gennaker  und zieht uns bei elf Knoten wahrem Wind mit über acht Knoten Geschwindigkeit übers Meer. So werden wir bis zur  Dunkelheit weiter fahren, in der Nacht segeln wir lieber etwas konservativer, denn mit dem großen Segel können wir zwei nicht so schnelle Manöver ausführen. 

  • Back to Europe Tag 3

    Tag 2 continued

    Der Gennaker steht

    Gerade als wir den Gennaker ausrollen wollen, erblickt Volker am Horizont einen Squall mit Regen. Da warten wir lieber, ehe wir nachher unser schönes buntes Segel schlagartig wieder einrollen müssen, damit es nicht nass wird. Wir fahren ja keine Regatta.

    Irgendwann ist es dann doch soweit, der Gennaker steht und zieht das Boot für vielleicht eine halbe Stunde, doch gegen 16:00 Uhr wird der Wind so schwach, dass wir motoren müssen.

    In der Intermar-Runde um 16:30 UTC habe ich leider gar nichts gehört, nicht einmal ein fernes Murmeln, das scheint im Moment noch nicht zu funktionieren. Aber Bernd von der Hullu Poro, DL9BS konnte ich auf den Frequenzen  12.353,
    und 16.528 hervorragend empfangen, und er konnte mich auch klar aufnehmen.

    Nach dem Abendessen, Nudeln mit Gulasch, lecker, wurde dann doch der Motor ausgeschaltet, es sind um fünf Knoten Wind, das Boot fährt bei einem Einfallswinkel von um 90 Grad knapp unter Windgeschwindigkeit, nach dem Motto: „Besser gut gesegelt, als laut motort“.

    In der Nacht sieht Volker ein anderes Segelboot in 12 Meilen Entfernung

    Halbtagesetmal um kurz nach 21 Uhr: 74 sm, vier mehr als gestern, der gute Wind von heute Vormittag hat das Ergebnis verbessert, der heutige Abend jedenfalls nicht.

    Tag 3, 28. April 2023

    Baro 1012,  sonnig-bedeckt, Wind um 09:00 WSW um 2-3
    Position um 09:00: 21° 25’N / 59° 51’W
    Etmal um 09:15 – 130 sm

    Die Nacht verlief ruhig, meist unter Motor, einen Teil mit Segel, insgesamt war es eher schwachwindig. Gegen Morgen wurde auch die Höhe der atlantischen Dünung geringer.

    Wettervorhersage für morgen

    Am frühen Morgen habe ich während meiner Wache verschiedene Wetterberichte herunter geladen. Natürlich unterschieden sie sich deutlich von den gestrigen  Vorhersagen, aber leider auch waren sich die verschiedenen Wetterfrösche nicht einig über die Aussichten für die nächsten Tage.

     Wir führen einem längeres Telefonat mit Matthijs, dem Regatta erfahrenen Freund aus den Niederlanden, er ist einer unserer Wetterberater, die anderen beiden, zwei Uwes aus der Intermar Funkrunde,  kommen erst später über die Kurzwelle durch. Wir  beschließen als heutige Strategie, zunächst unseren Kurs ein bisschen weiter östlich zu fahren, unter Gennaker geht das mit fast sechs Knoten Geschwindigkeit, später oder morgen dann nördliche Richtungen einzuschlagen.

    Die Logge zeigt nichts mehr an, das bedeutet, dass sich in dem kleinen Rädchen, das die Geschwindigkeit des Bootes durch das Wasser misst, irgendwelcher Dreck oder Kraut sitzt. Es bedeutet aber auch, dass die Anzeigen von wahrer Windgeschwindigkeit und -winkel nicht mehr stimmen, was uns bei der Navigation irritiert, da wir nicht nach den scheinbaren Wind navigieren. 

    Volker zieht in der SB Vorschiffskabine die Logge raus, dann muss ganz schnell der Blindstopfen rein, der erstmal mit Fett eingerieben wurde, das Rädchen wird gesäubert. Volker probiert aus, es zu drehen, und siehe da, die Anzeige am Kartentisch zeigt wieder die Geschwindigkeit durchs Wasser an. Dann geht der Prozess wieder rückwärts, Blindstopfen raus, Logge rein, und schon stimmt alles wieder!

    Wolkenpanorama

    Seit dem Vormittag segeln wir unter Gennaker, der Wind ist viel besser als vorhergesagt, wir erreichen zuweilen zehn Knoten Geschwindigkeit, so kann das weiter gehen. Aber leider dreht der Wind soweit, dass wir den Kurs nicht mehr halten können, der Gennaker muss weg. Außerdem bauen sich am Horizont dunkle Wolken auf, bei denen man nicht weiß, was sie mit sich führen, ob darin viel Regen oder heftige Böen lauern.

    So geht das weiter bis zum Abend, seit 16:00 Uhr fahren wir mit der Genua. Bei leichtem Wind erreichen wir immer zwischen fünf und sieben Knoten Fahrt. Hoffen wir, dass das die Nacht über durchhält, dann kann der Motor ruhen, und wir abwechselnd auch.

  • Back to Europe Tag 2

    Logbuch von Tag 1 continued:

    Unter vollen Segeln …

    Tatsächlich konnte der Motor seit Anguilla viel ruhen, nur das blöde Sargasso-Gras, das hier leider in großen Teppichen vorkommt,  den gemeinen Segler plötzlich abbremst. Das Boot lässt sich nicht mehr steuern und die Geschwindigkeitsanzeige fällt ins Bodenlose. Dann muss der Motor her, mal Vollgas voraus, zur Seite oder nach hinten, anschließend ist es wieder für eine Weile in Ordnung, und wir können segeln.  Bis zum nächsten Mal.

    Inzwischen hat auch der Wind zugenommen, der wahre Wind bläst mit 10-14 Knoten ausOstnordost, der scheinbare Wind ging sogar auf über 17 Knoten, sodass wir für die Nacht die Genua ein bisschen gerefft haben.

    In der Pantry wird fleißig geschnippelt und eingekocht

    Volker hat den ganzen Nachmittag in der Küche gestanden und aus dem gestern gekauften frischen Hackfleisch Bolognese und Albondigas, kleine Hackbällchen in Ratatouillesauce, zum Einwecken gekocht. Aus dem Rindfleisch wurde Gulasch gemacht, ebenfalls in Gläser abgefüllt, um es haltbar zu machen, und für morgen steht u.a.noch Schweinegeschnetzeltes auf dem Plan. 

    Kleine Überreste, die nicht mehr ins letzte Glas passten, durfte ich kosten, und es war sehr lecker. Nur die Küche sah hinterher aus, als hätte der rote Blitz eingeschlagen, aber wir hatten ja durch die Motorstunden ausreichend warmes Wasser zum Spülen und Putzen.

    Um 18:30 wird gegrillt, ja, das machen wir auch gerne an Bord, wenn es nicht zu ruppig ist, eingelegte Schweinesteaks und Cevapcici, dazu einen netten Eichblattsalat, damit wir – wie gesagt – dem Skorbut vorbeugen.

    um 19:30 ist es stockdunkel, nur der noch nicht halbe Mond lächelt freundlich vom Himmel. Bis 00:30 wird er noch zu sehen sein. Wir freuen uns schon auf den Vollmond am 5. Mai.

    Der Wind frischt um 21 Uhr immer weiter auf, es muss ein weiteres Reff in die Genua, aber jetzt geht es ein bisschen flotter voran. Das Zwölf-Stunden-Etmal beträgt 70 sm.

    Jetzt kommt Tag 2

    Baro 1011, am Horizont ist eine umlaufende Wolkenschicht, Wind um 3 Beaufort
    Tagesetmal um 09:15: 148 sm

    Alarm für gefährliche Ziele ist eingeschaltet

    Volker hat um 23:30 Uhr die Wache übernommen, alle 20 Minuten ruft ihn der Wecker seines Telefons zur Pflicht: Einmal schauen, ob alles in Ordnung ist, der Windwinkel zum Segel stimmt, keine gefährlichen Schiffe in der Nähe sind. Sollten andere Boote in unserer Nähe auftauchen, würden sowohl das AIS als auch das Radar dieses mit lauten Geklingel vermelden. Auch die Genua wird in der Nacht wieder ausgerefft, als der Wind abgenommen hatte.

    Um 05:00 löse ich den Skipper ab, jetzt kann er ohne Unterbrechungen schlafen. Inzwischen ist es nicht mehr stockdunkel, die Dämmerung zeigt sich am Horizont. Um 05:40 geht die Sonne auf, aber noch ist sie zu schräg, um mittels unserer Solarpaneele die Batterien aufzuladen. Der Autopilot, das Radar, und die vielen Instrumente verbrauchen in diesen Nächten natürlich sehr viel mehr Strom als in unserer Zeit vor Anker.

    Der Skipper darf auch mal schlafen

    Eine angenehme atlantische Dünung mit ihren Wellentälern und -bergen hebt und senkt die Hexe sanft, manchmal lässt der Wind auf acht Knoten nach, dann werden wir langsamer, wir machen nur noch um die 6 Knoten Fahrt, sonst läuft das Boot um die sechseinhalb bis sieben Knoten. Zwei fliegende Fische haben heute Nacht zur „Freude“? des Skippers ihren Weg auf unser Vordeck gefunden. 

    Ab 07:30 frischt der Wind auf 11-13 Knoten auf, der Windeinfallswinkel dreht auf 90-100 Grad, nun läuft die Hexe mit 8-9 Knoten Fahrt. Das hält sich so bis zum Frühstück um 10:30 Uhr, dann flaut die Brise wieder ab. Mal sehen, was die nächsten Tage so bringen …

    flott unterwegs

    Tag 2 continued kommt morgen.

  • Back to Europe Tag 1

    Mittwoch, 26. April 2023
    Baro 1011, sonnig mit einzelnen Wolkenfeldern, Wind um 3 Beaufort, die See ist flach

    Bye bye St. Martin

    Volker ist früh morgens noch einmal an Land gefahren, weil eine unserer Einkaufstaschen vom gestrigen Großeinkauf verschwunden ist. Und das Obst, das da drinnen war, brauchen wir ja unbedingt gegen den Skorbut auf unserer mindestens 14-tägigen Reise über den Atlantik.

    Dort, wo die Windpfeile Richtung Osten zeigen, wollen wir hin, um schneller zum Ziel zu kommen

    Um 09:06 geht der Anker auf, acht Minuten später wird das Großsegel gesetzt. Leider müssen wir noch motoren, der Wind ist so schwach, und kommt aus der falschen Richtung. Der direkte Kurs zu den Azoren wäre 60 Grad, aber wir werden anfangs versuchen, etwas weiter nach Norden zu halten, um möglichst schnell an den unteren Rand des Tiefs zu kommen, ab dort schiebt der Wind uns in die richtige Richtung.

    Letzte Landsicht vor den Azoren oder den Kanaren, die Nordspitze von Anguilla

    Ab der Nordspitze von Anguilla wird der Motor wird ausgeschaltet, um 12:27, ab jetzt wird gesegelt. Wir müssen Diesel sparen, denn es kann gut sein, dass wir die letzten drei Tage keinen Wind mehr haben werden, und der Motor wieder die Aufgabe der Segel übernehmen muss.

    Wer unsere Reise verfolgen will, kann das auf folgenden Internet-Seiten tun:

    https://forecast.predictwind.com/tracking/display/syHexe/

    Vom roten Punkt aus geht unsere Reise los

    oder

    https://my.yb.tl/syHexe5x

    Das ist unsere bisherige Route seit Januar 2022, hier sind wir der gelbe Punkt

    Wir werden möglichst täglich neue Berichte in unseren Blog stellen, damit unsere Freunde und Follower wissen, wie es uns in den Weiten des Atlantiks ergeht.