Autor: Hexymama

  • Drachen auf Antigua und Hummer auf Barbuda

    Nach unserer etwas ruppigen Überfahrt nach Antigua blieben uns noch drei Tage Zeit auf der Insel, denn Volker und Bernd hatten für Dienstag einen Termin bei „meinem“ Zahnarzt in St. John bekommen, beide vor allem deswegen, damit sie nicht auf der längeren Überfahrt wegen eines Zahnes schreckliche Schmerzen haben. „Meinem“ Zahnarzt deswegen, weil Dr. Moursy mir bei unserem letzten Antigua-Aufenthalt einen Zahn gezogen hat, der wegen einer Entzündung schreckliche Schmerzen machte. Und es hat überhaupt nicht weh getan! Das war auch der Grund, dass Volker, der bei Zahnärzten ganz klein wird, seinen schmerzenden Zahn dort behandeln lassen wollte. Es ging auch alles gut, „er hat überhaupt nicht gebohrt“!

    Wir nutzten die Zeit, Larissa und Johannes etwas von der Insel zu zeigen. Dazu liehen wir am Ostermontag Morgen ein Auto bei Titi Car, bei denen wir schon während unseres letzten Aufenthalts auf Antigua einen Wagen ausgeliehen hatten. 

    Und wir haben sooo ein Glück! Als wir zur Teufelsbrücke kamen, das ist eine der Hauptsehenswürdigkeiten von Antigua, eine natürlich entstandene Felsformation, die sich als Brücke zwischen zwei größeren Landflächen spannt. Durch den Nordost-Passat wurde der Sandstein immer weiter ausgewaschen, nur der obere Teil blieb bestehen. Durch viele Höhlen schießen bei stärkerem Wind und welligem Meer wilde Wasserfontänen nach oben, ein gigantisches Naturschauspiel, das wir bei unserem ersten Besuch ausgiebig bewundern konnten.

    Diesmal haben wir uns bei der Anfahrt gefragt, warum so viele Autos hier parken, wir hatten Glück, überhaupt noch einen Parkplatz gefunden zu haben, mindestens einen Kilometer weit weg von dem Meer.

    Schon beim Laufen sahen wir ganz viele Drachen am Himmel stehen, und als wir zu dem eigentlichen Ort kamen, waren es hunderte bunter Flieger, die mehr oder weniger hoch am Himmel standen. In bunten Farben und Formen, viele selbst gebaut, es gab unzählige Kinder, die stolz ihre Flieger führten, so ein schönes Schauspiel! Deshalb hier Bilder statt weiterer Worte:

    Am Mittwoch sind wir früh losgefahren nach Barbuda, denn wir wollten am Nachmittag noch zu der Fregattvögeln. Hier ist die größte Kolonie in der westlichen Hemisphäre. Auf Vermittlung des Wirtes von Shak-A-Kai (siehe weiter unten) holte uns Francis mit dem Taxi ab, und fuhr mit uns über staubige Straßen in die Hauptstadt Codrington. Francis erzählte viel über die Insel, die ihm sehr am Herzen laiegt, war er doch von Antigua gekommen, um hier die Ruhe und Sicherheit zu genießen. „There is zero crime on Barbuda“, hier gibt es keinerlei kriminelle Aktivitäten. So konnten wir unseren eher zwiespältigen Eindruck unseres letzten Besuches immer weiter revidieren.

    Francis setzte uns am Hafen ab, wo George schon wartete, ein über siebzigjähriger Fischer, der mit seinem Boot auch Touren für Besucher der Insel zu eben jener Fregattvögel-Kolonie anbietet. Und er ist ein großer Geschichten-Erzähler. Mit Stories aus seinem langen Leben und vielen interessanten Details von den Vögeln und ihren Nistplätzen hat er uns über anderthalb Stunden unterhalten.

    Der ursprüngliche Nistplatz in den Mangroven der Lagune wurde vom Hurrikan zerstört, aber die Vögel kamen wieder und suchten sich einen neuen Platz in den dichten Mangroven. Obwohl die Menge durch den Hurrikan Irma in 2017 deutlich dezimiert wurde, sollen es jetzt wieder an die 20.000 Tiere sein, die hier brüten und ihre Jungen großziehen. George brachte uns bei, wie man Männchen von Weibchen unterscheidet, und wie die noch nicht erwachsenen Tiere aussehen. Die männlichen Tiere haben diese orangefarbenen Kehlsäcke, die sie zur Brutzeit beeindruckend aufblasen können, die Weibchen sind größer und schwerer und haben eine weiße Brust. Die juvenilen Vögel zeigen einen weißen Kopf und tiefdunkelblaue Augen, während die erwachsenen Tiere alle schwarze Augen und Köpfe haben.

    Wir haben die Nester bewundert, den Vögeln beim Fliegen zugeschaut.  Fregattvögel haben eine Spannweite von 177-240 cm, gut sichtbar ist auch der fächerartige Schwanz, und die unglaublich elegante Art, durch die Lüfte zu schweben. Von so einem Schweber hat Larissa einen kleinen „Glücksschiss“ auf den Kopf bekommen. Auch hier sprechen die Bilder:

    George und sein Ausflugsboot

    Dann hat George uns zurück zum Hafen gefahren, dort wartete Francis wieder mit seinem Bus, und nach einem kurzen Besuch im hiesigen Supermarkt, wo Volker für alle Bier oder wahlweise alkoholfreie Getränke spendierte, fuhr Francis uns zurück zum Strand.

    Für unser Abendessen hatte ich bei Enoch vom Shak-A-Kai, dem legendären Hummer-Griller am Strand, zweimal Hummer und zweimal Hühnchen bestellt. Im Shak-A-Kai sollten wir schon vor über einem Monat mit Freunden drei Geburtstage feiern. Die Feier wurde wegen zu starken Seegangs an der Anlegemöglichkeit am Strand abgesagt, aber diesmal war die See ruhiger und wir trauten uns. Nur der Weg dorthin ist mit einigen Riffen gepflastert, die bis kurz vor die Wasseroberfläche reichen, deshalb habe ich bei unserer Fahrt im Hellen einen Track erstellen lassen, sodass wir im Dunkeln wussten, welche Stellen zu meiden waren. Aber Volker hatte das natürlich schon in seinem Kopf abgespeichert.

    Larissa und Johannes bei Shak-A-Kai

    Nach einem kurzen Ausruhen an Bord ging es zum Strand zurück, dort ist es trotz flacheren Wellen immer noch ein Abenteuer, ohne nass zu werden aus dem Boot zu steigen, und eine ziemliche Anstrengung, es hoch auf den Strand zu ziehen, damit keine Wellen es wegtragen können.

    Vorher: Auf dem Grill

    Die Kartoffeln glänzten in der Alufolie, die Hummer lagen halbiert auf dem Grill, und die Hühnchenbeine bruzzelten ebenfalls. Den Sonnenuntergang beobachteten wir wieder mal vom Strand aus, (ich erspare mir – und unseren Lesern – hier das fünfhundertste Bild im weltweiten Netz).

    Dann kamen auch noch Nicole und Pierre von der Outremer 45 Te Reva. Volker hatte das Boot, das sich auf Dominica von der Mooring los gerissen hatte und durch das Ankerfeld trieb, ja damals gerettet, und heute wieder rette er die beiden beim Anlanden vor dem Bad im Meer.

    Am Tisch
    …danach

    Und diese Hummer waren köstlich, köstlich, köstlich! Jeder bekam zwei Hummerhälften vom Grill, wir konnten schlemmen, bis unsere Bäuche rund waren. Larissa und Volker bekamen Hühnerbeine, die wohl auch sehr lecker waren, aber natürlich nicht so sensationell wie unser Hummerschlemmen!

    Den ganzen Tag, 75 Meilen, mit dem Gennaker

    Heute, am Donnerstag, sind wir auf dem Weg nach Saint Martin. Bei leichtem Seegang und vollem Großsegel steht der Gennaker, wir segeln fast vor dem Wind, die Hexe zieht uns beständig und ruhig nach St. Barth, wir sind alle glücklich und der Skipper zufrieden mit der Performance seines Bootes.

  • Ein wilder Ritt – Logbuch von Ostersonntag

    Deshaies Sud 07:00 – 11:40 Falmouth Bay, 43 sm
    Baro 1014, bedeckt, manchmal Sprühregen, Wind Ost 6-7 Beaufort, die See um 2 m

    Um sieben Uhr geht der Anker auf in der Bucht südlich von Deshaies, wo wir heute Nacht ganz alleine waren. Um 07:25 waren die Segel gesetzt.

    Im Schatten der Insel sind Wellen und Wind noch human, 1,5 m Höhe und 18 Knoten Wind. Aber als wir aus der Abdeckung raus sind, in derPassage zwischen Guadeloupe und Antigua frischt der Wind auf, ganz schnell sind 30 Knoten auf der Logge, die Wellen werden ruppiger. Erst kommt Reff 2 in die Genua, dann Reff 3, anschließend Reff 2 ins Groß. Das erste Reff im Großsegel haben wir schon seit längerem nicht mehr ausgeschüttet. 

    Bei einem Einfallswinkel von 90 Grad und 24 bis über 30 Knoten Wind fliegt die Hexe mit 11 bis über 13 Knoten ihrem Ziel, der Bucht von Falmouth bei English Harbour entgegen. Das Boot ist komplett versalzen, denn immer wieder spritzt die Gischt durch das Trampolin und ruppige Wellen erschüttern das Boot. 

    Ich habe Mühe, beim Schreiben die richtigen Tasten zu finden, immer wieder muss ich vertippte Wörter korrigieren.

    Im Bad haben die Bierdosen-Paletten – der Schwerkraft geschuldet – ihren Platz unter dem Waschtisch verlassen.

    Auch die Kakteen haben sich diesmal den Tatsachen ergeben,

    und sogar die kleine Hulla-Tänzerin hat ihren Platz am Backbord-Fenster verlassen.

    Nur die Agave und die Orchidee sind standhaft geblieben.

     Ab 09:30 lässt der Wind ein bisschen nach, es sind nur(!) noch um die 20 Knoten, allerdings sinkt damit auch die Geschwindigkeit und wir segeln gerade mal mit 10 Knoten ;-). Auch die Wellen sind niedriger geworden. 

    Nur die vorderen 2 Boote müssen noch überholt werden, die anderen haben wir schon im Kielwasser.

    Ab 10 Uhr wird es mit um 18 Knoten fast schwachwindig, der Skipper wird nervös, wir brauchen mehr Segelfläche. Es war mir schon klar, dass das zu einer Regatta ausartet, denn bekanntlich sind zwei Boote bereits eine Regatta.  Und hinter uns segelt eine – zumindest während der Zeit der großen Böen – übertakelte, neuere Outremer 51 mit Foliensegeln, die uns, nachdem der Wind nachgelassen hatte, immer näher kam. Das geht natürlich nicht! Nun muss definitiv ausgerefft werden. „Das Boot lief doch nicht mehr, hast Du das nicht gemerkt?!“. Ab dem Zeitpunkt kommt der Skipper alle fünf Minuten zur Navigation, um zu schauen, wie weit die „Kalyma“, so heißt der Konkurrent, von uns entfernt ist, ob wir Strecke gutmachen oder verlieren. Nach dem Ausreffen wurde der Abstand zu Kalyma wieder größer, zur Freude des Skippers. Zwei Boote, eine Regatta! Lange vor dem Konkurrenten treffen wir in English Harbour an, Volker ist zufrieden.

    Wir schaffen es tatsächlich, an der gleichen Stelle wie vor 14 Tagen zu ankern. Es waren 43 sm in viereinhalb Stunden, mit Reffen und Ausreffen und Segel setzen und bergen. Ein guter Schnitt, wir sind stolz auf unsere Hexe und ihre Performance.

  • Erfahrungen in Barbuda

    Am Mittwoch war es dem Skipper  – mit dem Gedanken an die nächsten vier Tage vor Jolly Harbour – langweilig. Eine Lösung dieses schwerwiegenden Problems wäre es, wenn wir am nächsten Tag rund Antigua segeln würden. Zuerst 9 Meilen bei halbem Wind zu der nordwestlichsten Spitze der Insel, dann 10 Meilen kreuzen bis zur nordöstlichen Spitze. Von dort aus könnten wir – bei einem angenehmen Halb- bis Raumwindkurs – bis zur südöstlichen Ecke „brettern“, wie Volker es nennt. Schließlich ginge es – je nach Uhrzeit – direkt vor dem Wind entweder bis English Harbour oder wieder zurück nach Jolly Harbour.

    Antigua ist auch rund

    Aber Donnerstag Morgen um sechs Uhr, direkt nach dem Aufwachen, meinte Volker: „Wir könnten doch auch heute nach Barbuda segeln, und Samstag zurück nach Jolly Harbour?!“ Barbuda ist die zu Antigua gehörende kleine Insel im Norden. Klar, am Montag könnten wir dann in Antigua ausklarieren, und in die Bucht von Malendure auf Guadeloupe segeln. Dort werden wir, zusammen mit Bernd von der Hullu Poro, auf Segelfreund Rainer am Dienstag sowie auf Larissa und Johannes am Karfreitag warten.

    „Also dann los!“ Der Skipper macht die Motoren an, das Großfall klar, unser improvisiertes  Ankerlicht wird von der Lazy Jack-Aufhängung geholt, Zähneputzen kommt später. Zehn Minuten danach ist der Anker gelichtet, und wir fahren langsam aus der Bucht, in der ebenfalls einige Segler bereits an Deck sind.

    „Guten Morgen“, unser Nachbar  hat eine deutsche Flagge am Heck. „Goedemorgen“ grüßt Volker den Skipper des kleinen Bootes dahinter, ein Holländer. „Good Morning“ heißt es ein bisschen weiter draußen, dort ankern zwei englische Einrumpfer und ein amerikanischer Katamaran nahe beieinander. Kurz vor dem Segel setzen noch ein „Bonjour“ an den dort vor Anker liegenden französischen Kat. Spanische und italienische Boote haben wir an diesem Morgen nicht gesehen, sie sind aber durchaus vorhanden, ebenso wie zahlreiche Dänen, Norweger und Schweden. Noch viele andere Nationen werden durch die Flaggen am Heck der Boote repräsentiert. So international ist des Seglers Leben in der Karibik. Wir genießen es sehr.

    Wir segelten unter Vollzeug mit einem Windeinfallswinkel von 90 Grad über die nordwestliche Inselspitze raus Richtung Barbuda, das schon am Horizont gut erkennbar ist. Im Osten zeigen dicke Wolken an, dass in ihnen sicher mehr Wind und vielleicht Regen, lauert, als die angenehmen 17 Knoten, die zuerst unsere Segel füllen. Tatsächlich frischt es auf bis über 25 Knoten Wind. Zuerst muss die Genua ein Stück gerefft werden, dann kommt wieder mal Reff 1 ins Großsegel.  Nun kann Volker durch Ein- und Ausreffen der Genua die optimale Balance halten zwischen Komfort und Schnelligkeit. 

    Überhaupt Speed: Mit gerefftem Groß und verkleinerter Genua standen auf der Logge 14,7 Knoten!  Beinahe 11 Knoten Durchschnitt für unsere gesamte Fahrt. Volkers Mundwinkel ziehen sich – trotz der frühen Stunde – ganz nach oben. Diese Fahrt wird in unsere Segelgeschichten einfließen.

    Die 33 Meilen bis Barbuda vergingen schnell, sodass wir bei der Ankunft nach einer Katzenwäsche  für die von den überkommenden Wellen versalzene Hexe, unser Frühstück einnehmen konnten.

    Jetzt unser Eindruck von Barbuda: Auf meinen Wunsch sind wir nach Codrington gefahren, das ist die Hauptstadt der Insel, und der einzige Ort. Meistens gehen die Segler vor dem südwestlichen Strand mit rosa Sand vor Anker, dort befindet sich ein legendäres Restaurant, Shak a Kai, wo Enoch, kalte Drinks serviert, und die Hummer auf Bestellung frisch aus dem Meer holt. Wir haben uns das für unseren nächsten Besuch aufgehoben, weil ich mir unbedingt ein Bild von der Stadt machen wollte, in der fast alle der 3.000 Einwohner der Insel leben.

    Wir ankerten am südlichen Ende der Low Bay,  nicht weit von der Einfahrt in die Lagune. Die Fahrt  nach Codrington wurde zu einem wilden Ritt, die Wellen in der Lagune sind ganz schön ruppig, aber irgendwann waren wir am Steg angekommen. Ich hatte ja nichts wirklich Besonderes erwartet, aber was wir in dem kleinen Ort vorfanden, hat uns sehr schockiert. Wir liefen durch die Straßen, wo große verblichene Plakate hängen, dass Barbuda wieder aufgebaut und zu neuer Blüte gebracht werden soll. Das ist wohl nicht passiert. Die Häuser sehen immer noch aus, als sei der letzte Hurrikan, der die Insel getroffen hat, ein paar Monate her, nicht einige Jahre.

    Die Kita

    Es gibt einen kleinen Supermarkt, der ziemlich gut bestückt ist, denn er ist der größte auf der Insel. Es gibt eine Kita für Kinder von drei Monaten bis zu drei Jahren. Dort sieht es auch ganz ordentlich aus.

    Und da ist eine Grundschule mit einer großen Wiese. Dass dort eine ganze Ziegen-Großfamilie seelenruhig die Blätter von den Sträuchern frisst, ist zwar für uns ungewohnt, aber durchaus in Ordnung. Nur dass dort ebenfalls große Mengen an Müll herum liegen, ist skandalös! Wie sollen die Kinder denn lernen, dass Abfälle, vor allem Plastik, nicht einfach so in die Gegend geworfen werden können! Überall finden wir Müll, am Straßenrand, auf großen Haufen, das ist wirklich sehr traurig. Trotzdem sind die Menschen dort so freundlich und hilfsbereit, sie müssten nur lernen, wo die Abfälle hin gehören.

    Zerstörtes Haus am Strand

    Auf der Rückfahrt aus der Lagune machten wir noch einen Abstecher ans nördliche Ende der Bucht. Auch dort sind ehemals schöne Häuser einfach so dem Verfall preisgegeben, und das auf einer Insel, die für viele Reisende ein Art Traumziel darstellt. Schade!

  • Wie die Zeit vergeht!

    Nun waren wir tatsächlich fast einen Monat auf Martinique, zugegeben, es war Februar, der kürzeste Monat des Jahres, aber es ist doch erstaunlich, wie schnell die Zeit vergeht. Das sagt auch unsere Freundin Susanne von der Hullu Poro. Wir haben viel zusammen unternommen, geschnorchelt, den tropischen Regenwald besucht, gemeinsam zum Abend gegessen, oder Bernds Kuchen-Variationen getestet.
    Susanne antwortet in einem Telefonat mit ihrer Mutter auf die Frage, ob wir denn ab und zu mal abends zusammen seien: “Ach, das ist ein bisschen anders, normalerweise essen wir abends zusammen und nur ab und zu mal nicht.”
    Nun muss Susanne zurück nach Deutschland ins Büro, Bernd wird wieder zum Solo Sailor. Doch unsere Segelpfade werden sich noch oft kreuzen, wir haben die gleichen Pläne für die Weiterreise, auch für die Rückfahrt zu den Kanaren.
    Jetzt sind wir auf dem Weg nach Dominica, und werden weiter berichten, was wir dort erleben.

  • Karibischer Karneval

    Faschingssonntag war in der Anse d’Arlet, das ja ein wirklich kleines Örtchen ist, ein Karnevalsumzug angesagt. Wir standen mit Susanne und Bernd von der Hullu Poro am Straßenrand und waren sehr gespannt, was uns denn dort erwartet.

    In echt karibischer „No stress“-Manier fing der Zug nicht, wie vorher verkündet, um 16 Uhr an, später hieß es zwischen 16 und 17 Uhr. Als wir um kurz vor 18 Uhr gerade zum Boot zurückkehren wollten, hörten wir in der Ferne Musik, und blieben natürlich stehen.

    Es wurde ein wunderschönes Erlebnis. Zwei Motivwagen führten den Zug an, danach kam der Musikwagen mit riesigen Boxen und karibischer Musik. Dahinter und neben den Wagen liefen ganz viele Menschen, Kinder aller Altersstufen, in wirklich wunderhübsche Kostüme gekleidet, die ganz Kleinen auf den Schultern oder Armen der Eltern. Und alle schwangen im Takt die Hüften und tanzten. Wir sind natürlich auch mit gegangen, und ich habe ganz viele Fotos von den Kindern gemacht, die ich weiter unten anfüge.

    Der Zug ging durch die Straße bis hin zum Friedhof, von dort am Strand zurück zu der Plaza, da wurde bis 22 Uhr getanzt. Musik und Tanz statt „Kamelle“, Bonbons, wie sie bei uns von den Wagen geworfen werden, es war ein Erlebnis! Diese Art, Karneval zu feiern, gefiel uns sehr gut, und es passte auch genau zu dem kleinen charmanten Örtchen, das, wie Susanne sagt, an einen Märklin-Eisenbahn-Aufbau erinnert.

    Hier das versprochene Foto-Kaleidoskop:

    — * —

    Etwas anderes war das bei der nur 16 Seemeilen entfernten Bucht von St. Pierre, wo wir ab Faschingsdienstag vor Anker gingen, nach einem ruhigen Stopp in der Bucht von Giromont, mit drei anderen Segelbooten, sehr entspannt.

    Kurz nach unserer Ankunft in St. Pierre ging der hiesige Zug los, den wir aber nur vom Boot aus betrachteten, dieser führte in einer Endlosschleife durch den Ort, mit ziemlich lauter Bass-Beat-lastiger Musik bis in die späten Nachtstunden. Endlos schien er uns schon vor allem deswegen, weil es, nach einer kurzen Verschnaufpause ab ca. 2 Uhr, um 4 Uhr wieder losging, gefühlt mit noch lauterer Musik als vorher. Das weckte wahrscheinlich das ganze Ankerfeld auf (außer denen, die mit Ohrstopfen schlafen), und war auch dem Wieder-Einschlafen nicht besonders förderlich. 

    Nun ist es so, dass der Karneval in der Karibik, zumindest auf den französischen Inseln, erst am Aschermittwoch Abend endet, denn dann wird, mit der Verbrennung einer symbolische Strohpuppe die närrische Zeit beendet. Also ging die Musik bis zur Dunkelheit, danach kehrte in der Bucht endlich wieder Ruhe ein.

    Dabei mögen wir St. Pierre sehr, es hat zwar nicht das Märklin-Eisenbahn-Feeling, ist aber sehr lebendig, mit richtig schönen Restaurants, einem großen Gemüsemarkt, und am Samstag gibt es frische Fische in der Markthalle. Ab Aschermittwoch  sind wir wieder mit dieser Insel ausgesöhnt und genießen die lebendige Atmosphäre.

  • Nu sinn se wech …


    … und wir sind wieder allein allein. 

    Heute, am Samstag Morgen, haben Irene und Peter abgeheuert. Ganz früh, denn ihr Flug von Guadeloupe nach Miami, wo sie ein paar Tage verbringen werden, ehe sie weiter fliegen nach Panama, um dort Familie „Wildthing“ zu treffen, und mit ihnen durch den Panama-Kanal  bis zu den Galapagos-Inseln zu segeln. Es war eine sehr schöne und unterhaltsame  Zeit mit den beiden, wir sind gut gesegelt und haben auf den Inseln ein paar wunderbare Ausflüge gemacht. Viel Spaß bei  Euren neuen Zielen, Peter und Irene!

    Am Sonntag sind wir vier, nach dem Ausflug des vorigen Tages über die Insel St. Kitts, relativ früh los gefahren, hier ein Auszug aus dem Logbuch:

    Es steht eine ruppige See, wir fahren mit einem Reff im Groß und 3-6 Umdrehungen in der Genua los. Leider ist für die nächsten Tage eher mehr Wind aus der gleichen Richtung angesagt, es hilft also auch nichts zu warten. Das Ziel ändert sich mit jedem Dreher des Windes, zuerst war es Montserrat, dann lieber Guadeloupe, dann scheint es doch Montserrat zu werden, allerdings eher der südliche Ankerplatz, von dem sie uns noch letztes Jahr verjagt hatten. Doch nach dem Gespräch über Funk mit der Port Control wird uns gesagt, dass wir nur in Little Bay ankern dürfen, und nicht in der südlicheren Bucht, die vom Kurs her machbar wäre. Also ist das aktuelle Ziel doch wieder Guadeloupe.

    Den ganzen Tag fahren wir einen Amwindkurs mit um die 20 Knoten Wind, immer so genau an der Windkante, möglichst nicht zu weit vom Ziel abzuweichen, aber auch so, dass die Segel gerade noch stehen. Volker spielt mit der Genua, mal zwei Umdrehungen kleiner, dann wieder ausreffen, aber nur ein Stückchen; das Groß bleibt in Reff 1. Als wir endlich durch die Passage zwischen Montserrat und Guadeloupe durch sind, es ist auch schon dunkel, werden die den ganzen Tag über eher ruppigen Wellen kleiner und weniger nervig, weil sie durch die Landabdeckung gebremst werden. Um Viertel vor neun fällt der Anker in der schönen Bucht „La Grande Anse“, das Anlegebier steht schon bereit, und mit der Aussicht, morgen das komplette Boot zu entsalzen und abzuwischen, fallen wir müde ins Bett.

    Am Mittwoch sind wir von der Grande Anse 15 Meilen bis Malendure als Motorsegler gefahren, es gab fast keinen Wind, aber rechtzeitig zu einem späten Frühstück kamen wir dort an und konnten die wunderschöne Aussicht genießen. Hier waren wir auch zum ersten Mal nach St. Martin wieder in einem Restaurant. Das kannten wir noch vom letzten Jahr gut: „Le Rocher de Malendure“, dort gibt es sehr leckeres Essen, und die freundliche Bedienung „Sandra“ hat sich sogar angeboten, Peter und Volker am nächsten Morgen zum Flughafen zu fahren, damit sie dort das Leihauto abholen können.

    Gut, dass wir einen Wagen zur Verfügung hatten, denn leider hatte unsere Waschmaschine wiederholt einen Fehler: Zu einem nicht näher zu bestimmenden Zeitpunkt hörte sie plötzlich auf zu waschen, und alle Lichter blinkten. Dabei war zu unserem Entsetzen wiederholt Wasser ausgetreten, nicht zu knapp, aus der Waschpulverschublade ebenso wie an nicht sichtbaren Schlauchverbindungen in der Waschmaschine selbst. Dabei ist dann die Bilge samt der darin gestauten Vorräte überflutet worden, viele von diesen Vorräten sind durch das Laugenwasser unbrauchbar geworden. Trotz der Reparaturversuche ließ sich der Fehler nicht beheben. So waren wir mehr als froh, dass Peter und Volker mit dem Leihwagen über die halbe Insel zu einem Elektromarkt fahren konnten, um eine neue Wasch-Trockner-Kombination zu kaufen.

    Wir brauchen diese Möglichkeit, an Bord zu waschen, denn von den Ankerplätzen aus ist es schwieriger einen Waschsalon zu finden als im Hafen, dort gibt es fast immer Waschmaschinen für Gastlieger. Trotzdem waschen diese Maschinen meist im Schnellwaschgang, und die Wäsche riecht zwar besser, ist aber nicht sauber.

    Der Ausbau der defekten Waschmaschine war fix erledigt, der Abtransport erfolgte mühelos mit dem geräumigen neuen Dinghy. Nur das Heben in und aus dem Beiboot, und über den endlos langen Dinghysteg warein Kraftakte sondergleichen. (Bilder folgen, sowie wir wieder Netz haben.) Doch Peter und Volker haben auch das heldenhaft geschafft. Ebenso schnell und fachgerecht wie der Ausbau verlief der Einbau unserer neuen Waschmaschine und der erfolgreiche Probelauf erfreute nicht nur die Damen. Kleine Randbemerkung, die neue Wäschewaschmaschine spielt am Ende eines jedes Waschganges, das Forellenquintett von Schubert, das erfreut das Klassikherz der Capitania doch sehr!

    Herzlichen Dank an Peter für die großartige Hilfe!

    Mit dem Leihwagen haben Irene und Peter anschließend die Insel erkundet, sie waren an den sehenswerten Wasserfällen, in der Hauptstadt Point-à-Pitre, von der sie aber, ebenso genau wie wir vor einem Jahr, eher enttäuscht waren. Und heute morgen sind sind sie noch im Dunkeln von Bord gegangen, um rechtzeitig zum Check-In am Flughafen zu sein.

    Wir sind direkt aufgebrochen, nachdem Volker mit dem Dinghy wieder an Bord war, um die rund 30 Meilen bis zu den Isles des Saintes zu segeln, bei schönem Nordostwind um 18 Knoten, wenn nicht gerade ein Berg uns Windschatten bescherte. Auf der Ilet de Cabrits, dem Ziegeninselchen, lagen wir zunächst in der sehr geschützten Bucht „Anse sous le vent“, die Bucht unter dem Wind. Allerdings mussten wir auf 25 m Tiefe ankern, weil die ausgelegten Bojen besetzt, und die weniger tiefen Ankerplätze eben auch schon belegt waren. Dazu gehört es dann auch, viel Kette zu geben, sodass der Schwingkreis sehr groß ist.

    Kurzentschlossen fuhren wir ein kleines Stückchen weiter nach Terre-de-Haut, eine der beiden Hauptinseln der Gruppe, und fanden hinter dem „Pain de Sucre“, einem kleinen Berg mit dem Namen Zuckerbrot, die wunderschöne kleine Bucht, „Anse de Crawen“, in der kein anderer Segler ankerte. Hier werden wir heute Nacht bleiben, mal sehen, wie es weiter geht.

    Dieser Bitrag ist schon zwei Tage alt, weil wir hier keinen oder nur einen sehr schwachen Zugang zum Netz hatten und haben. Deshalb gibt es auch keine Bilder.

  • Eine neue Insel

    Nachdem wir am Donnerstag Nachmittag in der schönen Bucht von Christophe Harbour den Anker haben fallen lassen, sind Irene, Peter und ich am Freitag mit dem Taxi in die Hauptstadt von St. Kitts, Basseterre gefahren, um dort ein- und gleich wieder auszuklarieren. In Christophe Harbour geht das, entgegen den Informationen bei SailClear, der karibischen Einreise-Plattform für Segler, leider nicht.

    links der Atlantik, rechts ein kleines Stückchen karibische See

    Aber natürlich waren wir auch Touristen, die die Hauptstadt, die übersetzt „Niederland“ heißt, kennenzulernen, aufgebrochen waren. Wir hatten von der Hafenmeisterin von Christophe Harbour die Telefonnummer eines Taxifahrers bekommen, der uns für 40 Dollar bis dorthin kutschierte, nicht ohne uns auf die sehenswerten Punkte aufmerksam zu machen, und sogar für Fotos der schönsten Aussicht stehen zu bleiben. 

    Die Fußgängerzone

    Angekommen in der Stadt hat Kenroy uns bis direkt vor die Zollbehörde gefahren, hat uns auch erklärt, wo die Immigration ist, denn nachher müssten wir auch noch dorthin. Außerdem versprach er, uns hier wieder abzuholen, wenn wir ihn anrufen. Ich habe tatsächlich den kompletten Preis bezahlt, inklusive der Rückfahrt, er sah so vertrauenswürdig aus. Volker sagte später noch am Telefon: „Du weißt doch, ‚Don’t pay the ferryman before he gets you to the other side’“.

    Beim Zoll ging alles reibungslos, dank des vorherigen Ausfüllens der Eckdaten bei Sailclear, auch wenn der Beamte korrekt und auch nur das war. Anschließend mussten wir noch zur Immigration. Diese aber fanden wir nach einigem Suchen am Fährhafen, wo auch die Passagierschiffe, Aida und Co. ankommen. Das Büro war bei dem Vorraum zum Hafen, durch den auch alle Kreuzschiff-Passagiere mit ihren Zugangskärtchen durch mussten. Wir sind einfach vor der langen Schlange direkt zum Büro gegangen. Dort habe ich – wie gewohnt – unsere Pässe zeigen müssen, die Dame hinter dem Schalter füllte einige Papiere aus, und am Ende waren wir offiziell auf St. Kitts einklariert.

    Der Uhrturm

    Wir drei haben uns also aufgemacht, die Stadt zu erkunden. In der Fußgängerzone war man vor allem auf die Kreuzfahrt-Touristen eingestellt, Fotos mit den Äffchen, die die Insel bevölkern, Bootstouren oder Ausflüge zum Vulkan wurden lautstark angeboten. Wir sind aus der Tourizone raus und in die eigentliche Stadt, die dort viel interessanter ist, mit schönen Parks, verfallenen, aber auch gepflegten Häusern, und der katholischen Kirche, in deren Kühle wir uns einen Augenblick ausgeruht hatten.

    Nach einem netten Smoothie auf einer schönen Terrasse riefen wir Kenroy, den Taxifahrer an, und pünktlich stand er am Platz mit dem Uhrturm. Auch auf der Rückfahrt gab es ein bisschen Sightseeing und einen Stop im amerikanischen Supermarkt.

    Am Samstag sind wir dann gemeinsam mit Volker auf eine Inselrundfahrt gestartet, natürlich wieder mit Kenroy, der ganz viel über seine Insel weiß und es gerne vermittelt. Unser erster längerer Stop war bei Fairview Great House mit dem botanischen Garden, wunderschön, die Blütenpracht und die unglaublich grünen Bäume und Sträucher. 

    Das Fortress haben wir uns gespart, 15 Dollar pro Person war uns diese Festung nicht wert. Und den Krater des Vulkans haben wir auch ausgelassen, denn dort hätten wir vom Parkplatz aus noch ein gutes Stück hochkraxeln müssen.

    Aber die Landschaft dieser schönen Insel hat uns sehr gut gefallen, der Blick vom schwarzen Strand übers Meer auf der atlantischen Seite, die grünen Hügel, die an Schottland erinnern (nur wärmer ist es hier) und die unglaublichen Aussichten an der Wespentaille der Insel, auf der einen Seite zum Atlantik, auf der anderen übers karibische Meer. Es war ein großartiger Ausflug, vielen Dank an Kenroy und seine Führung.

    Sonntag, 22. Januar 2023

    Christophe Harbour St. Kitts 08:45 – Guadeloupe 20:45, 84 sm, Baro 1012, leicht bewölkt, Wind ONO 20 Knoten, Welle ca. 2 m

    Vulkan voraus

    Es steht eine ruppige See, wir fahren mit einem Reff im Groß und 3-6 Umdrehungen in der Genua los. Leider ist für die nächsten Tage eher mehr Wind aus der gleichen Richtung angesagt, es hilft also auch nichts zu warten. Das Ziel ändert sich mit dem Drehen des Windes, zuerst war es Montserrat, dann lieber Guadeloupe, dann scheint es doch Montserrat zu werden, allerdings eher der südliche Ankerplatz, von dem sie uns noch letztes Jahr verjagt hatten. Und nach dem Gespräch über Funk mit der Port Control von Plymouth, der neuen Hauptstadt, die frühere Hauptstadt wurde, wie in unserem Blog vom letzten Jahr berichtet, von dem Vulkanausbruch 1997 vernichtet, nachdem Hurrikan Hugo im Jahre 1989 der Insel schon erheblichen Schaden zugefügt hatte, wird uns gesagt, dass wir nur in Little Bay ankern dürfen, und nicht in der südlicheren Bucht, die vom Kurs her machbar wäre. Also ist das aktuelle Ziel doch wieder Guadeloupe.

    Den ganzen Tag fahren wir einen Amwindkurs mit um die 20 Knoten Wind, immer so genau an der Kante, möglichst nicht zu weit vom Ziel abzuweichen, aber auch so, dass die Segel gerade noch stehen. Volker spielt mit der Genua, mal zwei Umdrehungen kleiner, dann wieder ausreffen, aber nur ein Stückchen; das Groß bleibt in Reff 1. Als wir endlich durch die Passage zwischen Montserrat und Guadeloupe durch sind, es ist auch schon dunkel, werden die den ganzen Tag über eher ruppigen Wellen kleiner und weniger nervig, weil sie durch die Landabdeckung gebremst werden. Um Viertel vor Neun fällt der Anker in der schönen Bucht „La Grande Anse“, das Anliegerbier“ steht schon bereit, und mit der Aussicht, morgen das komplette Boot zu entsalzen und abzuwischen, fallen wir müde ins Bett.

  • Wieder da!

    Am 9. Januar sind wir wieder auf Sint Maarten gelandet, nach einem angenehmen Flug von Paris aus. In Paris war es am Flughafen Charles de Gaulle wieder sehr stressig, denn man muss an diesem riesigen Flughafen die Gebäude wechseln, das geht mit Bus und Bahn, dann muss man noch über einen Parkplatz laufen. Anschließend kommt wieder diePasskontrolle, danach – und das ist manchmal ganz furchtbar – der Security Check. Alle elektronischen Geräte, einschlich der Apple Watch, kommen in separate Boxen, der Rucksack und die Computertasche werden eingehend im Scan betrachtet, die Jacken müssen ausgezogen werden, manchmal sogar die Schuhe, und in den Hosentaschen darf sich kein Gegenstand mehr befinden. Nun, das kennt man ja schon von anderen Flughäfen, aber hier werden viele Taschen noch einmal händisch durchsucht, jeder einzelne Gegenstand wird herausgenommen und natürlich auch wieder eingeräumt, das kann dauern. Diesmal hatten wir Glück und waren relativ problemlos durch, danach kamen noch ein paar endlose Gänge, und pünktlich zum Boarding waren wir am Gate.

    Sint Maarten hat uns mit Sonnenschein und Temperaturen um die 29 Grad begrüßt, und unsere Hexe lag unversehrt an ihrem Platz.

    Das war erst der Anfang

    Am nächsten Morgen haben wir unser Großsegel abgeholt und es mit viel Mühe und dem Großfall an Bord gehievt, bis es auf dem Baum lag. Aber dann fing die Arbeit erst an. Volker wird im Bootsmannstuhl ein bisschen in den Mast gezogen, dann der Kopf vom Großsegel ebenfalls leicht angehoben, mit viel Mühe beginnt Volker dann, einen nach dem anderen Mastrutscher in die Schiene einzuführen. Ich kann ja nur Hilfsarbeiten ausführen, aber auch das fand ich schon anstrengend. Ohne Café am Morgen, ohne Frühstück und in der für uns ungewohnt heißen Sonne. Am Abend waren meine Arme rot leuchtend, und am nächsten Morgen hatte ich – buchstäblich – eine dicke Lippe, unsere Körper waren noch nicht an die Sonne gewöhnt.

    Am nächsten Tag wollen wir zur morgendlichen Öffnung an der Brücke sein, die uns aus der Lagune entlässt.Vorher haben wir ausklariert bei dem Polizeiposten an der Brücke. Gestern Abend hatte ich gelesen, dass bei der Ausfahrt keine Gebühr für die Brücke erhoben wird, und freute mich. Doch am nächsten Morgen wurde das jäh verändert, denn bei den Holländern ist nichts umsonst.

    Ich klariere also aus, zunächst an dem Kassenschalter, glücklicherweise hatte ich alle notwendigen Papiere dabei. Am Schluss sagt die dunkelhäutige Damen hinter der dicken Panzerglasscheibe: „one sixty seven“. Oh, das ist ja günstig, denke ich, und gebe ihr zwei Dollar, überlege noch, ob ich sagen soll: „Keep the change“ oder ob Polizisten das nicht annehmen dürfen. Aber sie gibt mir meine zwei Dollar lächelnd zurück und sagt: „It is one hundred sixty seven Dollars!“. Oh, that is a lot“, meine ich, aber ich bezahle den gewünschten Betrag. Das ist die Gebühr für fünf Wochen, und es werden nur vier berechnet, toll!

    Bei der Abrechnung für den Liegeplatz geht der Spaß weiter: Wir müssen ja noch fünf Tage bezahlen, und normalerweise kostet ein Stegplatz für unsere Größe 250 Dollar! Ich verhandele ein bisschen, und schließlich bekommen wir es ein bisschen günstiger. Aber so ist es und in der nächsten Zeit werden wir eher ankern, da holen wir die hohen Spesen wieder rein. Ansonsten war die Blue Pearl Marina ein guter Ort, um in der Lagune Arbeiten am Boot auszuführen oder um das Boot sicher zu parken, wenn man z.B. nach Hause fliegt, die Türen sind nachts nur mit Code zugänglich, und es ist immer ein Security Mann auf dem Gelände.

    Und jetzt geht es wieder auf das richtige Meer

    Blue Pearl Marina, Shelter Bay 10.00 Uhr – Marigot Bay 12.33 Uhr. 3,2 sm

    Pünktlich um 10 Uhr legen wir ab für die Brückenöffnung um 10:30 Uhr. Nachdem wir die Brücke passiert haben, wird bald das Großsegel gesetzt, zwanzig Minuten später sind die Motoren aus, und die Genua wird ausgerollt. Jetzt ist es Zeit für ein Frühstück! Da wir ja ich nichts eingekauft haben, gibt es französische Ravioli aus der Dose, dann ist kaum noch Zeit zu spülen, schon fällt der Anker in unserer geliebten  Marigot Bay.

  • Das Wunder der Baie Orientale

    Seit wir die Vereinigten Staaten verlassen haben, ging unsere Logge nicht mehr, das bedeutet, wir hatten keine Angaben zu unserer tatsächlichen Geschwindigkeit durchs Wasser. Dadurch kann unser Navigationssystem den wahren Wind nicht berechnen, wir mussten uns auf die Angaben zu dem scheinbaren Wind verlassen. Auf der Überfahrt sind wir damit zurecht gekommen, ob der Wind, der eh von vorne kommt, nun 50° wahr oder 30° scheinbar anzeigt, daran muss man sich nur gewöhnen, höher können wir nicht gegen den Wind segeln. Leider hatten wir dann keine Angaben zu den Tagesmeilen, sondern mussten die später anhand der von uns eingegebenen YellowBrick-Punkte, die im Internet unsere Route verfolgen lassen, zusammenzählen.

    Sabrina und Matthijs – willkommen an Bord

    Auf St. Martin war leider bei keinem Schiffsausrüster diese schon etwas ältere Version des Geschwindigkeitsmessers zu finden, aber letzten Freitag kamen unsere Freunde Matthijs und Sabrina aus Hoorn, und die hatten für uns so eine Logge erstanden und brachten sie im Gepäck mit. Am nächsten Tag sollte sie dann eingebaut werden.

    Noch lacht die Capitania

    Als Sabrina und ich dann im Supermarkt waren, um für die nächsten Tage einzukaufen, haben Matthijs und Volker die Logge eingebaut und an die Anschlüsse in dem Konverter ITC-5 angeschlossen. (Der ITC konvertiert Seatalk-Anschlüsse, die über Protokoll 0183 gehen, in NMEA 2000.) Als wir es jedoch ausprobierten, funktionierte gar nichts mehr, auch die Daten für scheinbaren Wind und Tiefe und Wassertemperatur waren verschwunden. Oh je, oh je!

    Jetzt beginnt die Fehlersuche. Alle stromführenden Leitungen werden durchgemessen, alle Anschlüsse kontrolliert, die Logge noch einmal abgenommen und wieder angeschlossen, die alte Logge angeschlossen, nichts hilft. Es kommt kein Strom beim ITC-5 an.

    Ich telefoniere mit unseren Boots-Reparatur-Beratern, Ralf und Bernhard, beide denken und denken, und geben Tipps, die wir ausführen, aber leider auch keine Besserung zeigen.

    Blauer Himmel – blaues Meer in der Baie Orientale

    Da wir so nun auch nicht weiter kommen, es ist Wochenende, segeln wir Sonntag in die schöne Oriental Baie, Sabrina und Matthijs gehen zum Riff zum Tauchen, und abends grillen wir gemütlich. Leider sind am Strand mehrere Disc Jockeys am Start, und die Bässe wummern zu uns herüber. Schon am Nachmittag geht es los, glücklicherweise hört die auditive Umweltverschmutzung pünktlich um 21 Uhr auf. Wir sind erleichtert, trinken ein letztes Glas Wein und einen Gute-Nacht-Tee, da dröhnen plötzlich um 22 Uhr die schlimmsten Bässe in die Bucht! Es war nur ein Ausrutscher, Volker wollte schon den Anker hoch holen.

    Am nächsten Morgen, heute, Montag, telefoniere ich mit den möglichen Raymarine-Technikern auf der Insel. Ile Marine hat zwar einen Techniker, der kommt aber nicht aufs Boot. Sie geben mir die Nummer von einem Monteur, der das tut. Der aber geht nicht ans Telefon. Auf der holländischen Seite, also Sint Maarten, gibt es auch noch zwei mögliche Raymareine Service-Läden, den einen rufe ich direkt im Anschluss an, und ein freundlicher Mensch erklärt mir nach meiner Schilderung des Problems, dass wir bereits alles getan hätten, was auch er tun könnte, außer vielleicht ein neues Gerät auszuprobieren. Das hat er aber nicht. Und fairerweise sagt er noch, dass er 70 oder 90 $ kostet, wenn er zu uns kommt, und doch auch nicht helfen kann.

    Ein bisschen frustriert telefoniere ich noch mit Ile Marine, ob sie einen ITC-5 da haben, und dass die mir den reservieren. Wir beschließen jetzt einfach, heute doch noch nach St. Barth zu fahren, dann waren wir wenigstens auch auf der letzten französischen Insel in der Karibik. 

    Ein Platz an der Sonne

    Nun kommt die große Überraschung: Ich mache die Navigation an, und auf den zweiten Blick sehe ich plötzlich, dass wir wieder eine Anzeige für den Apparent Wind haben! Und auch für die Tiefe und die Wassertemperatur, und als wir dann losfahren, sehen wir auch die Geschwindigkeit und den True Wind! Warum das so ist, wissen wir auch nicht, aber wir sind sehr froh, und fragen erstmal nicht weiter nach!

  • Auf nach Süden – ein Fazit von der Capitania

    Die Facts:
    Reisezeit insgesamt 12  x 24 Stunden, 11 Tage unterwegs, 1 Tag Ruhezeit
    Meilen: 1806, Tagesschnitt ca. 155 sm
    Wenn ich eine gute Statistikerin wäre, hätte ich die Manöver mitgezählt z.B. 15 x Genua reffen, 3 x Großsegel Verkleinerung auf Reff 2, hab ich aber nicht, das waren zu viele, und manche hab ich auch verschlafen, weil der Skipper sie ganz alleine ausgeführt hat. Das Großsegel war auch, abgesehen von einem Tag, immer mindestens im 1. Reff.

    Planung unter Berücksichtigung des Golfstroms (hellgrau)

    Natürlich war uns bewusst gewesen, dass uns da draußen kein Spaßegeln erwartet. Für mich war dies nicht unbedingt eine der schöneren Überfahrten, was natürlich auch daran liegen mag, dass ich zwischendurch so krank war. Außerdem konnte ich mich nur noch hangelnd durch das Boot bewegen, jeder Gang auf die Toilette im Rumpf wurde zu einer  Herausforderung. Am ersten Tag ging es besonders hoch her, beim wilden Wellenrodeo; und später beim Hoch-am-Wind-Segeln gegen die gut 2,5 Meter hohen atlantischen Wellen in den letzten fünf Tagen unserer Überfahrt von Amerika in die Karibik.

    Gut gegessen haben wir trotzdem immer, Volker hat jeden Tag zur Abendzeit etwas Leckeres auf den Tisch gezaubert. Und wenn es nichts am Boot zu tun gab, haben wir die Tage mit Lesen, Schlafen und Rätseln verbracht. Leider war es in den Nächten nicht so verlockend, den Sternenhimmel zu studieren, er zeigte sich auch nicht immer, sondern verschwand gerne hinter Wolken.

    Der Trimm des Vorsegels

    Eine kleine Anekdote zwischendrin:

    Wir hatten ja, wie berichtet, in Rudee Inlet eine Pause eingelegt, um die für Camp Hatteras vorhergesagten starken Winde abzuwarten.Am Nachmittag bin ich dort mit einem „Uber“, das ist so etwas wie ein günstigeres Taxi, nach Norfolk gefahren, um den gebrochenen Bolzen des Lümmelbeschlages schweißen zu lassen.

    In der nahen Marina hatte man mir diese Adresse gegeben, und versichert, dass Larry uns hervorragend helfen könne. Bevor ich wegfuhr, legte Volker mir nahe, „ordentlich Geld einzustecken“, Schweißer seien teuer. Und in den Staaten wahrscheinlich sowieso. 

    Ein freundlicher älterer Mann, eben Larry, empfängt mich, bittet mich höflich herein, hört sich mein Anliegen an. Dann verschwindet er mit meinem Bolzen ein bisschen weiter in die Halle hinein, „Ich muss dabei nachdenken“ sagt er, vorher setzt er mich auf einen Besucherstuhl, ich solle mich entspannen. 

    Nach weniger als einer halben Stunde kommt er mit dem perfekt reparierten Teil, es ist noch warm. Von Volker vorbereitet frage ich ihn nach dem Preis, höhere Zahlen erwartend. „Ach weißt Du, nimm es als Geschenk, ich will nichts dafür.“ Ich glaube, ich sah nicht sehr intelligent aus, als er geendet hatte. Mir stand der Mund offen. Natürlich versuchte ich zu protestieren, er solle doch an seine Kinder und Enkelkinder denken, aber es half nichts.

    Das T-Shirt kommt sofort zum Einsatz

    Und zu allem Überfluss gab er mir am Ende, nachdem wir eine Weile charmant geplaudert hatten, noch ein T-Shirt seines Betriebes für Volker mit. Und als der Uber kam, der mich zurückbringen sollte, begleitete Larry mich bis zum Auto, „um zu schauen, ob der Fahrer auch ordentlich ist“. So ein schönes Erlebnis! Thank you so much, Larry!!!

    Anmerkungen von Volker

    Gesplitterte Segellatten

    Was ging kaputt/bereitete Probleme:

    • Der obere Teil vom Lümmelbeschlag, an dem gleichzeitig das Vorliek vom Großsegel angebunden ist, ist abgebrochen.
    • Bei einer Patenthalse hat es die obersten zwei Segellatten zerbröselt.
    • Der Geschwindigkeitsgeber, die Logge, hat ihren elektronischen Geist aufgegeben.
    • Der Mantel der Reffleine vom ersten Reff ist kurz vorm Ziel durchgescheuert.
    • Der Steuerbordmotor musste entlüftet werden (woher die Luft im Treibstoffsystem kam, bleibt ein Rätsel).

    An der Stelle müssen wir unbedingt mal unsere Outremer loben.

    Squall im Anzug

    Die ist wirklich steif und solide von ihrer Struktur her gebaut, wir sind über so viele Wellenkämme geflogen und in so viele Wellentäler gekracht, das hätten wir manch anderem Serienschiff nicht zumuten wollen. Alle Schotten und alle Verbindungen haben gehalten, auch alle Möbeleinbauten sind schadensfrei an ihrem Platz geblieben, vorbildlich. Zudem saßen wir in einem absolut wasserdichten Kokon, keine Luke hat geleckt, keine Fenster auch nur einen Tropfen Salzwasser nach innen gelassen. Wir können uns momentan kein besseres Fahrtenboot  für schwierige Seegangsverhältnisse vorstellen. Anmerkungen Volker Ende.

    Als wir im ersten Morgenlicht des letzten Tages Land sahen, St. Martin mit seinen Bergen war hinter Anguilla, der vorgelagerten Insel, in der Ferne gut zu erkennen, ließ die Vorfreude auf die Insel bereits alle Strapazen vergessen.

    Werden wir weiterhin lange Etappen segeln? Natürlich! Aber wenn ich mir was wünschen dürfte, könnte der Wind ruhig ein wenig achterlicher kommen, und die Wellen ein bisschen kleiner sein.