Autor: Hexymama

  • High and Dry

    Am Donnerstag, 27. Oktober, war es dann endlich soweit: „after lunch“ kamen zwei Schlauchboote, um unsere Hexe mit Unterstützung, bedeutet Schieben an den Seiten, sicher vor die Kranbox zu bringen. Das klappte wunderbar, der Skipper manövrierte die Hexe gekonnt in die enge Box, dann wurde sie angehoben mit dem „kleinen“ Kran der Werft im Safe Harbour Newport Ship Yard, und an Land auf großen Styroporblöcken, immer noch hängend im Kran abgestellt.

    Sehr zum Unwillen des Skippers wusch der Mitarbeiter, der unser Unterwasserschiff mit dem Hochdruckreiniger vom wesentlichen Dreck befreien sollte, nicht von oben nach unten, sondern von unten nach oben. Was bedeutet, dass die schwarze Farbe des Antifoulings an die frisch poliertenRümpfe und auf unser schönes weißes Deck spritzte. Volker is not amused, um es vorsichtig auszudrücken, Überall sind kleine schwarze Punkte,  wir brauchten zu zweit über drei Stunden, bis das Boot von dem ersten Dreck befreit war.

    Muschelreste

    Danach fingen wir direkt an, die letzten Muschel- und Schleimreste vom Unterwasserschiff zu entfernen, denn am Donnerstag konnten wir noch an dem Platz in der Sonne stehen bleiben, am Freitag sollte die Hexe auf die Nordseite des Gebäudes transportiert werden, dort ist leider den ganzen Tag Schatten. 

    im Schatten ist es ganz schön kalt

    Für den nächsten Tag stellten wir den Wecker auf 06:30 Uhr, denn ab kurz vor 7 wird es ganz leicht hell, und wir wollten möglichst viel des Anstrichs ganz unten vom Runpf gemacht haben, ehe wir auf andere Blöcke umgesetzt wurden, dann haben wir diese Stellen wenigstens schon ein- bis zweimal gestrichen. Kurz nach neun Uhr mussten wir aufhören, danach wurde das Boot auf den neuen Platz auf der Schattenseite gefahren. Das Umsetzen auf die neuen Blöcke geschah wieder professionell, der Kran fuhr mit dem breiten Katamaran elegant an den anderen Booten und dem Gebäude vorbei.

    Seitdem hängt die Hexe in den Gurten und steht gleichzeitig auf vier Styroporblöcken. Volker hat sie komplett abgeschliffen, wir haben zwei bis drei Anstriche mit der schwarzen Anitfoulingfarbe gestrichen, in eleganten weißen Schutzanzügen, aber manchmal ist auch ein bisschen des Farbnebels auf dem Gesicht und in den Haaren geblieben. 

    Glücklicherweise gibt es hier einen Sanitärtrakt mit Duschen und Waschmaschinen, sodass wir in den Pubs, in denen wir abends leckeres Essen und Bier bekommen, ordentlich aussehen können.

    Ein Highlight nach der Arbeit sind die Kneipen hier! Newport hat so viele Irish Pubs, in allen Preisklassen, manche mit Life-Music, alle mit schönen Theken, an denen man sitzen, essen und trinken kann. Wir haben viele ausprobiert, und natürlich wieder eines zur Lieblingskneipe erkoren, „Busker’s Pub“. Dort haben wir so viele nette Menschen getroffen, mit denen wir immer wieder in Kontakt stehen, wie wir auch immer noch die neu gewonnenen Freunde sehen, mit ihnen telefonieren oder auch per Mail in Kontakt stehen.

    Überhaupt, in Kontakt stehen: Die wenigsten Menschen in Amerika haben WhatsApp, sie kommunizieren über SMS miteinander, und viele schreiben Berichte oder Nachrichten über Instagram oder über FaceBook, aber WhatsApp und die anderen Social Media werden nur von ca 27 Prozent der Amerikaner genutzt

    Zurück zu unserem Getriebeproblem: Nachdem wir also am Donnerstag an Land gehievt worden sind, kam am Freitag, nachdem die Hexe am neuen Platz stand, Danny, der Monteur. Er hat den kaputten Saildrive ausgebaut, anschließend mit Volkers Hilfe einen neuen eingesetzt, und heute, am Montag ist er wieder da, und verbindet den Motor mit dem Getriebe.

    Sean, der von Pantaenius beautragte Gutachter, ist extra von Boston hierher gekommen, um sich ein Bild von dem Schaden zu machen und ein paar Details unserer Reise abzufragen.

    Das neue Antifouling ist fertig gestrichen, der “Skipper und sin Fru” sind glücklich darüber, der Job ist geschafft! Nun muss nur noch der Konus für den Propeller bestellt werden, dann eingebaut werden und dann geht es zurück ins Wasser, Dann gibt es eine gemeinsame Probefahrt mit dem Monteur, um zu schauen, ob alles zur allgemeinen Zufriedenheit funktioniert. Wenn dann die Götter des Windes uns wohl gesonnen sind, werden wir unseren Bug nach Süden ausrichten, die Segel hissen und der Wärme entgegen segeln.

    Feierabend
  • Die Hexe segelt wieder weiter

    Tatsächlich haben wir es geschafft: Am Samstag haben wir in Bristol den Anker gelichtet, haben unsere geliebte kleine Stadt verlassen. Mit ein bisschen Wehmut, schon …

    In voller Schönheit am Abend

    Am Freitag hatte uns – also eher mir – Tom, der Theker aus dem Irish Pub „Aidan’s“ in Bristol, in dem wir viele Abende verbracht haben,  Clams gebracht, die hiesige Form der Venus-Muscheln, allerdings im Vergleich zu den eher kleinen Muscheln, die wir von den Spaghetti-Soßen bei uns kennen, in gigantischer Größe. Da unsere kanadischen Freunde am Vortag schon Richtung New York aufgebrochen sind, und wir am Abend bei Gif und Chris mit noch einem anderen Ehepaar auf deren Motorboot „Patriot“ eingeladen waren, musste ich mich wohl alleine der 50 Muscheln annehmen. 

    Auf der Patriot hatten wir einen wunderschönen Abend, mit leckerem Salat und Bolognese-Nudeln, Wein und Bier flossen sozusagen in Strömen. Volker und ich waren vernünftig und haben uns um zehn Uhr verabschiedet, weil wir doch am nächsten Tag früh aufstehen wollten. Die vier Freunde aber haben noch bis drei Uhr weiter gefeiert …

    Kaum hatten wir also abgelegt, früh, kurz nach Sonnenaufgang und bei leider bewölktem Himmel, wurde der Sack mit den Muscheln von der Badeplattform in die Küche gebracht, nachdem ich bereits die Ingredienzien für zwei verschiedene Soßen geschnippelt hatte. Es handelte sich einmal um die klassische Soße mit Weißwein, Zwiebeln und englischem Sellerie für einen Clamchowder, eine hiesige Spezialität, die anschließend noch mit einer nicht unerheblichen Menge Sahne zur dickflüssigen Suppe aufgekocht wird. Die zweite mediterrane eine eher schärfere Variante mit demselben Gemüse, aber auch ordentlich Knoblauch und Tomatenmark, hervorragend geeignet als Spaghettisoße.

    Kalt ist es heute auf dem Atlantik

    Während ich in der Küche also die Wohlgerüche des Meeres genoss, stand Volker, dick eingehüllt am Rad und schimpfte nicht nur über den ständig wechselnden Wind – Genua wegrollen, Motor an – Motor aus, Genua ausrollen – sondern auch über die Geschwindigkeit unseres sonst so schnellen Bootes. Wir hatten so viele Muscheln unter dem Rumpf und am Ruder, dass eine Najad, ein kleineres Einrumpferboot ohne Mühe mit uns mithalten konnte.

    in voller Montur

    Auf Block Island, unserem Ziel, so hatte man uns versichert, sei die Bucht so klar, der Ankergrund Sand, also könne man da ohne Schwierigkeiten das Boot von dem Bewuchs befreien. Je geringer die Wassertiefe, desto besser ist die Sicht. Deshalb hatten wir uns eine flache Stelle in der Bucht zum Ankern ausgesucht. Leider ankerten dort so viele andere Boote, dass wir an eine tiefere Stelle ausweichen mussten. Hier wurde Kolumbus-Tag gefeiert, ein richtiger Feiertag in den USA, deswegen waren, obwohl es Sonntag Mittag war, noch viele andere Boote in der schönen Bucht. Am nächsten Nachmittag würden sie zurück in den Heimathafen fahren, aber nun waren sie halt hier. 

    Kurz nach unserer Ankunft zog Volker mutig den Neoprenanzug an, und ging ins Wasser. Neben der eher schlechten Sicht sorgten Strömung und Wellen für extrem schwierige Bedingungen. Fast eine Stunde hat er es trotzdem im 17° kalten Wasser ausgehalten, den Steuerbord-Rumpf, ebenso wie einen Teil des an Backbord frei zu schaben, von unglaublichen Anwüchsen. Kein Wunder, dass die Hexe wie eine lahme Ente gesegelt ist, wie der Skipper es nannte.

    Das war doch eine kräftezehrende Prozedur, für mich natürlich nicht so arg, ich musste nur eine Leine oben führen, damit Volker nicht auch noch gegen die Strömung ankämpfen musste. So hatten wir uns nach einem frühen Abendessen eine Komödie von der Festplatte geladen, den Film – ohne einzuschlafen – bis zum Ende geschaut und wollten unmittelbar danach zu Bett gehen. Bei einem kurzen Rundgang nach draußen stellt Volker fest, dass wir nicht mehr an derselben Stelle lagen, der Anker wohl geslippt war. Natürlich passiert das am späten Abend, wenn es dunkel ist, glücklicherweise hat der Vollmond geleuchtet. Also Motoren an, vielleicht reicht es, wenn wir ein bisschen mehr Kette geben. Das war es leider nicht, im Rückwärtsgang zeigt sich, dass der Anker offensichtlich nicht im Untergrund hält. Wir gehen Anker auf, und versuchen es erneut, diesmal von vornherein mit mehr Kette. Hält? Pustekuchen! Wir bewegen uns immer noch, wenn wir rückwärts fahren. Im dritten Anlauf und an einer anderen Stelle hat es dann geklappt, aber das hätten wir uns gerne erspart.

    Die Nacht war ruhig, am nächstem Tag ist Volker gegen Mittag wieder in den inzwischen getrockneten Anzug geschlüpft, um die Reste von der Backbord-Seite ebenfalls von dem hartnäckigen Bewuchs zu befreien.  Es war dies der Zeitpunkt, an dem die Strömung nicht ganz so stark wie am Vortag war, aber die Wellen hatten sich noch weiter aufgebaut und ihm zu schaffen gemacht.

    eines der wunderschönen Häuser in sensationeller Lage

    Nachdem Volker wieder umgezogen und aufgewärmt war, haben wir uns mit dem Dinghy aufgemacht, um wenigstens ein bisschen Block Island zu erkunden. Schon bei der Anfahrt am Vortag war uns aufgefallen, dass die Insel eine große Ähnlichkeit mit der niederländischen  Nordsee-Insel Vlieland aufweist, Vlieland war immer unsere Lieblingsinsel, seit wir mit der „Sherazade“ ganz am Anfang und später mit unseren „Hexen“ unseres gemeinsamen Segelabenteuers alle Urlaube und viele Wochenenden am Ijsselmer und der Nordseeküste verbracht hatten.

    Und tatsächlich erinnern auch die Wege durch die Dünen, überhaupt die ganze Landschaft an die Nordseeküste, nur die Häuser sind in der amerikanischen Südstaaten-Architektur der Eastcoast gebaut, wunderschön, auf mehr als großzügigen Grundstücken.

    Am Montag – an besagtem Kolumbus Day – segelten wir, der Strömung wegen, wieder früh los. Nach Mystic, einer kleinen Stadt an einem Inlet zwischen Newport und New Haven, hervorragend geschützt vor allen Winden, fährt man zunächst durch eine Eisenbahnbrücke, eine Drehbrücke, die meist offen steht, nur wenn Züge kommen, wird sie geschlossen. Danach sollte es weitergehen durch die Autobahnbrücke zu einem netten kleinen Ankerplatz.

    Die Eisenbahnbrücke, gedreht

    Das hat nicht so hingehauen, wie wir uns das vorgestellt hatten, aber darüber mehr im nächsten Blog-Beitrag.

  • Viele Tage, viele Buchten

    Dienstag, 13. September, Onset Bay nach Martha’s Vineyard, 20 Seemeilen

    Pünktlich um 08:00 Uhr sind wir an der Bootstankstelle, denn in der Seekarte stand, das diese mit Abstand die günstigste Tankstelle der Region ist. Tatsächlich haben wir für 92 Gallonen 425 Dollar bezahlt, das sind 4,62 Dollar pro Gallone, meist kostet die hier 5 Dollar.

    Die Onset Bay hatte uns gut gefallen, ein kleines verschlafenes Nest, mit einem Pub am Hafen und einem Pizza-Restaurant. Dort haben wir sehr leckeren Salat und Pizza gegessen, und uns mit den Damen am Nebentisch unterhalten. Alle sind immer so interessiert, fragen uns, woher wir kommen, wollen mehr von unserer Reise wissen und finden es “awesome“, fantastisch!

    Dann geht es los, immer brav an den Bojen entlang die Onset Bay hinaus bis zu der schmalen Durchfahrt bei dem Nonamesset Island (ist bestimmt ein indianischer Name) über die Bucht von Falmouth Harbour bis nach Martha’s Vineyard, das uns sehr empfohlen wurde. Für heute war dies die ideale Entfernung, denn kurz vor dem Ankern fängt es an zu regnen. Im VHF kommen Warnungen der Coastguard vor Gewitter, schwerer See, plötzlichen Böen und Windhosen, die kleinere Boote umwerfen und andere schwer beschädigen könnten. Tatsächlich braut sich hinter uns was zusammen, eine dunkle Wolkenfront kommt immer näher, wir hören auch schon mal ein Donnergrollen.

    Von hinten kommen die dicken Wolken

    Vorsorglich lässt Volker uns alles wegpacken, die Cockpitpolster wegen des kommenden Regens, das Cockpit-Zelt, um eventuellen Böen keine Angriffsfläche zu bieten, die Abdeckungen auf den Winschen, alles was irgendwie durch die Luft fliegen könnte wird im Innern des Bootes verstaut.

    Glücklicherweise kommen die bösen Sturmböen und Windhosen nicht zu uns, aber der Regen! Das ist kein Regen, sondern Petrus hat da oben ein Schwimmbad leer laufen lassen. Dabei verschwimmen Wasser und Horizont zu einer einzigen grauen Fläche, auf dem Dach prasselt es, und es grummelt immer mal wieder, aber nun sitzen wir trocken im Boot und lauschen dem aufs Dach prasselnden Regen. Mal sehen, wie lange das dauert, laut Wetterberichten soll es gegen 17 Uhr aufhören. Hoffentlich weiß Petrus das auch …

    Tatsächlich wird es abends trocken, wir machen uns auf in den Ort, von dem wir so tolle Sachen gehört haben. Obama macht hier Urlaub und noch andere amerikanische Celebrities. Aber ehrlich: Der Ort ist ausgestorben und langweilig. Es gibt ein paar Kleidergeschäfte, die obligatorischen Galerien und hochpreisige Souvenir-Läden.

    Lecker Sushi

    Ganze zwei Restaurants haben an diesem Dienstg geöffnet, eines davon serviert (für mich) sehr leckeres Sushi, Volker ist von seinem Essen weniger begeistert. Am nächsten Abend essen wir lieber auf dem Boot, aber danach finden wir tatsächlich ein Pub, das berühmte Black Dog, in dem wir nur etwas trinken dürfen, und Volker einen unglaublich leckeren Schokoladenmousse-Nachtisch bekommt.

    Den schwarzen Hund gibt es in allen Varianten, auf sämtlichen Gläsern und Tellern hier im Pub. In den Black-Dog-Läden findet man ihn sogar auf T-Shirts, Hoodies und vielem mehr.

    Donnerstag, 15. September, Martha’s Vineyard nach Newport, 44 Seemeilen

    Um den Gezeitenstrom, der hier mit bis zu vier Knoten stark ist, auszunutzen, sind wir früh auf den Beinen. Der Wind ist noch stärker als vorher gesagt, gut dass Volker schon gleich Reff 2 eingebunden hat. In der Bucht von Martha’s Vineyard mussten wir noch unter Motor fahren, denn es ging genau gegenan, und hier verkehren zahlreiche Fähren, sodass man nicht gut kreuzen kann. Kurz vor Ende der Bucht wird das Großsegel gesetzt, nach dem Abbiegen zunächst auf 280° kommt die Genua im 4. Reff hinzu. 

    Der nächste Kurs ist mit fast 210° ein Halb- bis Am-Wind-Kurs. Dank des mit 28 Knoten wehenden  Windes und  der Böen bis 32 Knoten sind wir rasend schnell, oft über 12 Knoten, am Ende sind wir einen Schnitt von neun Knoten gesegelt.

    Nach fünf Stunden biegen wir in die Bucht von Newport ein, hier wird gesegelt. Ein paar Regatta segelnden Booten müssen wir ausweichen, nachdem wir vor der letzten Bucht das Segel geborgen haben. Die Bucht vor der Stadt ist voll mit Mooring-Feldern, die Ankerplätze sind gefüllt wie in der Marigot Bay. Aber wir finden einen guten Platz, und können bald mit dem Dinghy in die Stadt fahren.

    Am nächsten Tag sind wir früh im Ort, denn hier findet gerade eine Boat Show statt, mit ganz vielen Motor- und auch einigen Segelbooten im Wasser, und auch Zubehör in zwei Hallen. Wir genießen es, dass man hier ganz unproblematisch auf jedes Boot gehen kann, ohne gleich ein festes Kaufinteresse zu zeigen. Schuhe ausziehen und ab!

    Samstag, 17. September, Newport nach Bristol, 12 Seemeilen (gekreuzt wahrscheinlich eher 14, aber die Logge funktioniert nicht)

    Früh legen wir ab, es sind zwar nur 12 sm bis Bristol, aber Volker möchte heute noch in das Herreshoff-Museum. Ohne Frühstück und vor allem ohne Kaffee für mich motoren wir zunächst bis zur Newport oder auch Claiborne Pell Bridge (das scheint nicht so klar) und, obwohl sie mit den 194 Fuß mehr als genug Durchfahrtshöhe für uns hat, sieht es immer wieder spektakulär aus. Zumindest von unten.

    Wie in Holland im Winter …

    Der Wind ist kalt, wir ziehen eine Schicht nach der anderen an, sogar Handschuhe. Aber die Sonne scheint und verspricht wärmere Temperaturen für heute Mittag.  Es ist sehr schön hier und nicht ganz so voll wie in Newport auf den Ankerplätzen und  den zahlreichen Regatten.

    Vor Bristol liegen auch zahlreiche Boote, die meisten an Moorings, aber wir finden einen großartigen Ankerplatz.  vor wunderschönen Villen am Ufer mit großzügigen Grundstücken. „Bei der Garten-Größe rentiert sich ein Aufsitzrasenmäher!“, sagt Volker.

    Das Herreshoff-Museum ist interessant anzuschauen, wir bewundern die verschiedenen Modelle, und man kann sogar in manche reingehen. Die sind wunderschön gebaut, mit allem, was man auf längeren Törns braucht, Toiletten, Betten und eine funktionierende Küche mit Dieselherd. 

    Bristol gefällt uns gut, mit zahlreichen Kneipen und Restaurants, wir genießen die kleine Stadt. Anthony Quinn hat in Bristol gelebt und ist sogar auf dem hiesigen Friedhof beerdigt. Auch hier finden wir überall nette Leute, die uns mit Tipps zu der Gegend versorgen, und mehr über unsere Reise wissen wollen.

    Am Sonntag findet in einer Straße ein Event statt, mit verschiedenen Bands auf den Porches, den Veranden an der Vorderseite, tausende Menschen sitzen auf mitgebrachten Stühlen, oder stehen vor den jeweiligen Bands, und manche, so wie wir, laufen die ganze Straße entlang, um alle Bands und die wunderschönen Häuser anzuschauen.

  • Zwischen Death Valley und den Schweizer Bergen – die vielfältigen Gesichter Islands

    Wenn man mit dem Auto durch Island fährt, sieht man ganz verschiedene Landschaftsbilder.
    Es gibt vulkanische Steinwüsten wie in Lanzarote, aber hier sind sie von weichem Moos bedeckt, sodass man einsinkt, wenn man darüber läuft. Das gilt wahrscheinlich auch für die grasenden Schafe sowie für die vielen Islandpferde, die auf weiten Weiden rennen können.
    Es gibt grüne Wiesen und schroffe Berge wie in den Alpen, an manchen Stellen ragen rote Felsplateaus aus wüstenähnlichem Boden, dann wieder stehen da Tannenbäume wie im deutschen Nadelwald. Eine andere Gegend erinnert an die sanften Hügel Südenglands.
    Beeindruckend aber sind die Geysire, oder Wasserfontänen, die aus der Erde sprudeln, sowie riesige und kleinere Wasserfälle, oft sieht man glasklare oder erdtrübe Seen und Flüsse.
    Und über all dieserVielfalt thronen die Gletscher Islands mit den unaussprechlichen Namen, der kleine Myrdalsjökull oder der riesige Vatnajökull, von denen an einigen Stellen Eisbrocken in Lagunen abspalten, der Gletscher „kalbt“. Große und kleine, braune, weiße und blaue Eisberge schwimmen in den Seen, auch einzelne Stückchen Gletschereis, die wie Diamanten in der Sonne glitzern.

    Was machen wir in Island? Während wir zu unserem Sommerurlaub in Deutschland waren, haben Wes und Roisin in ihrem Sommerurlaub die Hexe nach Boston gebracht. Dort findet dann – sozusagen – ein Crewwechsel statt, die beiden fliegen zurück nach Lanzarote, und wir übernehmen unser Boot wieder.

    Alles muss eingepackt werden

    Der Flug von Amsterdam nach Boston sollte in Reykjavik zwischenlanden, mit zwei Stunden Aufenthalt. Da wir beide aber noch nie in Island waren, beschlossen wir, den Zwei-Stunden-Aufenthalt auf drei Tage zu verlängern. Und das hat sich gelohnt!

    Auf dem Weg zum Abendessen im Turm

    Auf dem Weg zum Flughafen in Amsterdam haben wir eine Nacht als erste Gäste im neu eingerichteten Airbnb von Sabrina und Matthijs in Hoorn geschlafen, und waren mit unseren Freunden Kees und Boris wie in alten Zeiten in den Hoofdtoren Spareribs und Sliptongetjes essen.

    Der etwas andere Fahrradständer

    Ich hatte uns ein nettes Hotel im Herzen von Reykjavik gebucht, ein Leihauto hatten wir schließlich auch (aber dazu gehört eine andere Story), und nachdem wir unser Gepäck in dem schönen Zimmer mit Aussicht auf den Hafen verstaut hatten, machten wir einen ersten Rundgang durch die Innenstadt.

    Auf der Fahrt vom Flughafen war uns aufgefallen, dass es viele eher hässliche Bauten gibt, mit unschönem grauen Betonputz. Aber hier im Zentrum erfreuten wir uns an den typisch bunten nordischen Häusern. Die Stadt ist unglaublich lebendig, so viele Menschen laufen durch die Straßen, am frühen Sonntagabend genauso wie am späteren Montagabend oder Dienstag Nachmittag. Es gibt anspruchsvolle Modegeschäfte, Designerläden und natürlich viele Souvenirläden mit hübschen bis hässlichen Andenken an Island. Fast jedes zweite Haus beherbergt ein Restaurant, ein Café oder eine Kneipe, alle sind meist gut besucht.

    Das Opern- und Konzerthaus – moderne Architektur vom Feinsten

    Viele junge Menschen beherrschen das Stadtbild, manche mit außergewöhnlichen Haarprachten, Männer mit Zöpfen bis zum Po, viele – wie in der Karibik – sehr bunt gefärbt, und mit abenteuerlichen Tätowierungen.


    In der ältesten Kneipe Islands tranken wir ein Bier – „Viking“, in Island gebraut wie auch „Gull“, von dem wir schon am Flughafen ein Sixpack ins Hotel mitgenommen hatten, weil wir horrende Storys von Bier- und Weinpreisen gehört hatten. Also, günstig ist es nicht, aber insgesamt scheint es – zumindest für die Isländer – in Ordnung zu sein.

    Uns blieben zwei volle Tage, um die Sehenswürdigkeiten dieser Insel anzuschauen, und jede einzelne Stunde hat sich mehr als gelohnt. Da wir beschlossen hatten – schon wegen unserer eher zahlreichen und schweren Gepäckstücke von dem einen Hotel in Reykjavik aus zu fahren, anstatt jeden Abend eine neue Unterkunft zu suchen – waren wir lange mit dem Auto unterwegs, durch eben diese vielfältigen Landschaften.


    Der eher kurzen zur Verfügung stehenden Zeit wegen haben wir uns auf die Südküste konzentriert und sind am ersten Tag sehr früh, um kurz nach sieben Uhr, losgefahren, 380 km weit, zu dem Vatnajökull-Gletscher, vorbei an all den eingangs erwähnten verschiedenen Landschaften.

    Schwefeliger Dampf kommt auch mit in die Luft

    Geysir-ähnliche Fontänen aus schwefeliger Erdwärme haben uns beeindruckt, natürlich die wirklich sehr zahlreichen Schafe, die friedlich grasenden Islandpferde und Shetlandponys. Nahe der am südlichen Rand der Insel gelegene Stadt Vik gab es auch einen kleineren Gletschersee, allerdings eher mit schmutzigbraunen Eisbergen.

    Aber der Gletschersee Fjallsarlon hat wirklich alles übertroffen. In der Sonne am Ufer sitzend beobachten wir, wie die kleinen Diamanteisberge leicht übers Wasser gleiten, der große Brocken in einem unglaublichen Blau leuchtet und kleinere weiße Stücke auf dem kalten Wasser schwimmen. Volker hat mal die Hände reingehalten und fand die Temperatur als nicht zum Baden geeignet.


    Der Rückweg nach Reykjavik wurde zu einem Festival der Wasserfälle und der daraus resultierenden Flussschnellen. An dem großen und berühmten Seljalandsfoss ersparten wir uns den eigentlich unvermeidlichen Gang zwischen dem hinab stürzenden Wasser und der Felswand, als wir sahen, wie nass die Leute da herauskamen, viele in Regenjacken und -mäntel gehüllt, uns reichte schon, dass die Gischt unsere Gesichter benetzt. Trotzdem war es gigantisch anzusehen, wie schön die von Sonne und Spray gebildeten Regenbogen an den Berg gemalt wurden.

    Auch die Band spielt vor vollen Bücherregalen

    Müde und hungrig kamen wir am Hotel an, und landeten – nach einem leckeren Abendessen mit Fish & Chips für mich und einem Burger für Volker in einer großen Buchhandlung. Also, es sah aus wie eine Buchhandlung, aber vor fünf Jahren hatte der Chef, der wie der Archetyp eines Buchhändlers durch den Laden lief, eine andere Idee. Er stellte antiquarische Bücher in die zahlreichen Regale im Erdgeschoss und auf der umlaufenden Empore, baute zwei Theken ein, seitdem spielt hier jeden Abend eine Band, der Laden ist voll, und die Bars laufen gut. Wahrscheinlich kommen hier täglich mehr Menschen in das Geschäft, als es Buchkäufer gäbe.

    Die amerikanische Erdplatte

    Nach der ausgedehnten Autofahrt am ersten Tag wollten wir an unserem zweiten und letzten Tag nicht so lange im Wagen sitzen. Die Landschaftseindrücke waren unglaublich vielfältig, heute reichte uns der Ausflug zu der Kontinentalspalte. In dem Nationalpark Thingvellier treffen die eurasische und die amerikanische Erdplatte aufeinander, dazwischen hat sich eine Spalte gebildet, durch die man hindurch wandern kann, vom Museum bis – mal wieder – zu einem Wasserfall. Hier waren wir auch nicht alleine, aber das Gefühl, mal eben so von europäischem zu amerikanischem Boden zu wechseln, und natürlich – auch wieder mal – die umgebende Landschaft machten den Spaziergang zu einem besonderen Erlebnis.

    Volker und die Pferde


    Auf dem Rückweg haben wir kurz angehalten, um ein paar Islandpferde zu streicheln, waren in einem Museum, das isländischer Malerei gewidmet war, und eine Ausstellung des unglaublich produktiven Porträtmalers Kjärval (1886-19729) zeigte, sowie eine Ausstellung von gestickten modernen Bildern, die lustig anzuschauen.


    Nach einem leckeren vietnamesischen Abendessen schauten wir noch einmal bei der musikalischen Buchhandlung vorbei, diesmal allerdings waren wir vernünftig genug, nicht – wie am Abend zuvor – die letzte Zugabe abzuwarten, sondern gingen rechtzeitig zurück zum Hotel, um die Taschen zu packen, schließlich mussten wir um sieben Uhr in der Früh bereits auf dem Weg zum Flughafen sein.


    Da wir – trotz aufmerksamer Nachtwachen (für jeweils fünf Minuten) – kein Nordlicht gesehen haben, werden wir wohl sicher mal zurück kommen, Island hat uns gut gefallen.

  • Der Skipper in Heaven

    Nachdem ich immer wieder einen kleinen Bericht über Beaufort versprochen habe, fange ich heute mal damit an: Beaufort ist eine kleine Stadt mitten am „Eissiedabbljuu“ dem „IntraCoastalWaterway“, der an der Küste entlang, aber immer ein bisschen entfernt vom Meer, von Florida bis Norfolk geht. Leider gibt es darin Brücken mit einer Durchfahrtshöhe, bei der wir unseren Mast absäbeln, oder zumindest die darauf befestigten Antennen verlieren würden. Sonst wären wir gerne ein kleines Stück darauf gefahren, schon um die Aussicht auf das Innere des Landes zu genießen.

    In Beaufort sind wir mit dem Dinghy bis zu eben jenem ICW gefahren, und haben uns an den unendlichen Weiten der inneren Wasserwege erfreut. Auch die Südstaaten-Architektur der Stadt hat es uns angetan, die an Filme wie „Vom Winde verweht“ erinnert. Ich erwarte immer, dass Scarlett O’Hara aus einem der Häuser tritt oder wenigstens Rhett Butler mir auf der Straße zuzwinkert. Es gibt so schöne und gepflegte Häuser und Grundstücke, nicht nur in Downtown, sondern auch rundherum. Hier in den USA sind die Menschen an Entfernungen gewöhnt, Einkaufszentren mit allem, was das Herz begehrt und das Portemonnaie erlaubt, liegen weit außerhalb des fußläufigen Bereichs. Dorthin sind auch wir gefahren, mal wieder mit einem Uber, und auch an den Straßen außerhalb der Stadtmitte stehen solche schönen Anwesen.

    Wo ist Scarlett?

    Einen Vormittag haben wir im hiesigen historischem maritimen Museum verbracht, haben einiges über den lokalen Bootsbau gelernt, und ganz viele Geschichten erfahren, um Blackbeard, den gefürchteten Seeräuber, dessen Schiff, die „Queen Anne’s Revenge“ vor Beaufort untergegangen ist. Einige Fundstücke aus dem Schiff sind in dem Museum zu besichtigen.

    Es hat uns sehr gut in Beaufort gefallen, Originalton des Skippers: „Hier könnte ich mir vorstellen, so ein solch schönes Haus zu kaufen, und darin zu leben.“

    Geschichtsunterricht im öffentlichen Raum

    Soviel zu Beaufort, am Montag Nachmittag waren wir nach anderthalb Tagen auf See in Hampton, ganz nahe von Norfolk angekommen. Dort haben wir etwas ganz Schönes für den Skipper gefunden. Am Dienstag sind wir, nach den langen Tagen auf See, am Nachmittag zu einem Spaziergang aufgebrochen, an den schönen überwachten Stränden entlang. Dann fanden wir einen Eingang zu den großzügigen Anlagen von Fort Monroe, eine der größten Anlagen in den USA, das besonders während des amerikanischen Bürgerkriegs von Bedeutung war. Edgar Allen Poe war hier während seiner Militärzeit stationiert, und Präsident Abraham Lincoln plante mit den anwesenden Generälen hier den Angriff auf Norfolk.

    Nun waren wir genug gelaufen, und Volker fragte verzweifelt: „Gibt es denn hier kein Pub oder irgendetwas, wo man mal ein Bier trinken kann?“ Ich hatte schon mal vorher nachgeschaut, und festgestellt, dass in diesem Teil von Hampton die gastronomischen Erlebnisse offensichtlich nicht gefragt waren. Außer dem Restaurant in der Marina, das uns gestern Abend nicht wirklich überzeugt hatte, fand ich nur eine kleine Brauerei, die man wohl auch besichtigen konnte. Da sollte aber auch ein Ausschank sein! Google hatte geschätzt, dass wir neun Minuten zu Fuß dahin brauchen, mit dem Durst des Skippers ging das auch schneller. 

    Prost!

    Und tatsächlich war das wie ein Sechser im Lotto! Aus vierzehn(!) Zapfhähnen gab es die verschiedensten Biere, alle in der kleinen Brauerei hergestellt. Wir durften vor der Bestellung zunächst aus ganz kleinen Gläsern einen Schluck kosten, bis wir uns beide für das American Lager entschieden hatten. Die anderen Biere waren auch sehr gut und ganz unterschiedlich, es machte Spaß, sie zu probieren, aber sie waren doch zum Teil sehr stark mit anderen Aromen versetzt, das überzeugt den Liebhaber des klassischen Bieres, gebraut nach dem Reinheitsgebot, nicht wirklich. So verbrachten wir einen sehr vergnüglichen Nachmittag und Abend, hörten am Ende dem Pubquiz gerne zu, bei dem wir allerdings keine Chance gehabt hätten, nur fast alle Namen der Kinder der Trapp-Familie aus „Sound of Music“ hätte ich gewusst, allerdings nicht in der richtigen Reihenfolge von der ältesten bis zur jüngsten. Mit viel Bier im Bauch und gut gelaunt und mit der nötigen Bettschwere sind wir zum Boot gekommen und auch bald danach eingeschlafen.

    Am Morgen sind wir zeitig in Hampton los gefahren, haben die riesigen Containerschiffe beobachtet, die alle nach Norfolk reinfahren. Später haben wir erfahren, dass der Wasserweg dorthin natürlich tief ist, Norfolk somit schon seit langer Zeit ein Umschlagplatz für Waren aus aller Welt. Leider war zunächst gar kein Wind, wir wechselten beständig zwischen Motorfahrt und Segelmannövern; bis mittags der Wind auffrischt und wir richtig schön vor dem Wind segeln können. 

    Containerschiff

    Das kleine Inlet im Jackson River erscheint uns bei diesem Wind nicht ausreichend geschützt , also kein guter Ankerplatz zu sein, es gibt nur schmale Stellen, an denen es tief genug ist, und die außerdem gegen diese südlichen Winde geschützt sind. Also fahren wir ein kleines Stückchen weiter in die Godfrey Bucht, dort sind wir fast alleine, es ist kein Geräusch zu hören, eine Wonne.

  • Auf zur Chesapeake Bay!  Tag 2

    27. Juni 2022, auf See – Hampton 14:38, 220 sm
    Baro 1011, sonnig mit Wolkenfeldern, Wind OSO 12 – 17 Knoten

    Schnell sind wir unterwegs

    So segeln wir durch die Nacht, abwechselnd wachend, entspannt. Im Laufe des Morgens kommt auch der Gennaker wieder dran, der Wind ist immer noch südöstlich.

    Nachdem unser Funkgerät in der Nacht immer nur Störgeräusche aufgenommen hatte, wurde es am Morgen wieder lebendig, es kam immer wieder die gleiche Meldung an „all stations“ mit einer „navigational warning“, aber leider sind die Kanäle, auf denen man die Details abhören sollte, auf unserem Funkgerät nicht vorhanden. Also ignorieren wir die Funksprüche. 

    Das Segel ist rot!

    Wir hören, dass ein Boot mit den roten Segeln gerufen wird, das können wir ja nicht sein. Auch als später die nordgehende Segelyacht sich melden soll, fühlen wir uns nicht angesprochen, denn unseren Namen kann man im AIS sehen, man würde uns direkt ansprechen können. Warum das nicht geschehen ist, wissen wir beide nicht, später fällt mir auf, dass wir ja mit Gennaker segeln, und der hat schon rot mit drin. Wir aber segeln fröhlich weiter, das Wetter ist gut, das Boot ist flott. 

    Plötzlich sagt Volker: „Schau mal, da kommt jemand zu Dir!“ Wieso eigentlich zu mir? Das heißt es immer, wenn irgendetwas komisch oder kaputt ist, dann ist MEIN Kabel zerstört, oder MEINE Leine angerissen, und so kam eben dieses Schnellboot auch zu MIR.

    Das U-Boot

    Aber Volker redet mit den beiden in dem Boot, sie sagen, nun käme eine richtige Drohne über uns geflogen. Okay, das klingt ja spannend, wir beobachten den Himmel, aber wir hören und sehen nur die ganz normalen Flieger, die auf dem nahegelegenen zivilen Airport landen wollen. Vielleicht haben wir auch etwas falsch verstanden, denn nach ungefähr einer Stunde ruft Volker plötzlich: „Das ist ja großartig, das ist ein U-Boot, das da vorne kommt!“ Tatsächlich, es muss ein großes Boot sein, man sieht einen ziemlich hohen Turm mit den Antennen, der langsam an uns vorbei gleitet. 

    Vor uns, nahe der Einfahrt in die Chesapeake Bay, liegt das offensichtlich zu der Übung gehörende riesengroße Militärschiff, das wir eigentlich an Steuerbord liegen lassen wollten, denn das wäre der kürzere Weg. Plötzlich sieht Volker, dass dort vor dem Schiff ganz viele kleine Boote im Wasser sind, also halten wir auf die andere Seite zu. Da kommt auch schon wieder ein schnelles Boot auf uns zu, diesmal ist es ein großer Jetski, und der Mann bedeutet uns, in ausreichendem Abstand um den grauen Riesen herum zu fahren. Hätten wir sowieso getan. 

    Na, das war ja mal ein aufregender Vormittag auf See!

    Der Hafen von Norfolk (unten links) ist voller großer Schiffe

    Unser Ziel in der Chesapeake ist Hampton, ein kleiner Ort gegenüber von Norfolk. Norfolk selbst war uns zu groß, riesige Containerhäfen und Wolkenkratzer in der City. Wir liegen wir jetzt vor Hampton gut geschützt mit anderen Booten in einer kleinen Bucht gegenüber einer Marina, bei der man gegen eine Gebühr den Dinghy-Steg, sowie die Sanitärbereiche und die Waschmaschinen benutzen kann. 

    Die Hexe liegt verankert vor der Marina

    Ansonsten ist hier bis auf ein altes Fort, das man besichtigen kann, nichts los, mal sehen, ob wir  heute Nachmittag mit einem „Uber“ (das ist so etwas wie ein Taxi, nur günstiger) nach Downtown Hampton fahren können. Auf jeden Fall sind wir nun in der Chesapeake Bay angekommen und liegen über 37° Nord, der magischen Zahl, um – versicherungstechnisch – außerhalb der Hurrikanzone zu sein.

    37 Grad!
    Aus dem Dinghy muss das Wasser geschöpft werden

    Am Abend probieren wir das Restaurant an der Marina aus, draußen wird es mir zum Essen zu windig, drinnen erschafft die Klimaanlage ein Eishaus, das Essen ist gut.

    Auf dem kurzen Weg zum Dinghy werden wir von dem plötzlich einsetzenden Regen pitschnass, aber wir sind gut angekommen und lassen den Abend mit einem Film aus der Mediathek ausklingen.

  • Segeln in die USA

    Tag 1

    Baro 1012, sonnig, leicht bewölkt, warm, Wind SW 3-4
    an Bord: Roisin, Wes, Volker und Cornelia

    Um 08:00 Uhr, früher als geplant, sind wir unterwegs, der Skipper hatte – ausnahmsweise – keine Geduld, bis zur geplanten Abfahrtszeit um 10:00 Uhr abzuwarten. Wir haben ca. 300 sm vor uns bis St. Augustine, unserem geplanten Einreiseort in Amerika. Das sind, je nach Windbedingungen, anderthalb bis zwei Tage. Es sind ideale Bedingungen für gemütliches Segeln, flache See, um zehn Knoten Wind, zunächst segeln wir mit dem Gennaker, die Geschwindigkeit ist 7-8 Knoten. Der Hefeteig steht am Fenster, und soll gehen, Kaffee ist von Wes ganz früh gekocht worden, der Wellengenerator sowie die Solarpanele liefern mehr als ausreichend Energie, so kann es weitergehen.
    Tatsächlich ist es zunächst Sommersegeln vom Feinsten! Es ist warm, manchmal so warm, dass wir uns in den Wind stellen, um abzukühlen. Es gibt selbst gebackene Brötchen zum späten Frühstück, gekochte Eier und – wie fast jeden Morgen – unglaublich leckeres Obst. Mangos, Ananas, Papayas, fast alle Früchte kommen aus der Karibik oder den Bahamas selbst, vieles aus Guatemala und der Dominikanischen Republik, und es schmeckt einfach gut, weil es vor Ort gereift ist. Achtung, der Verzehr von reifen Ananas kann süchtig machen!
    Seglerisch geht es erst einmal unspektakulär weiter.

    Die Kapitäne planen die Fahrt

    Anfangs hat kurz der Gennaker gestanden, aber der Windwinkel wurde zu spitz, weiter geht es mit der Genua, bei einem Windeinfallswinkel zwischen 100 und 120 Grad wird unsere Hexe richtig schnell, und der Skipper ist glücklich. Leider baut sich eine kabbelige See auf, wir einigen uns darauf, dass es vom Golfstrom kommt, der an der amerikanischen Küste für eine starke Strömung nach Norden sorgt. Eigentlich kann der Golfstrom hier – wir sind ja immer noch in den Bahamas – keinen wichtigen Einfluss haben, aber wenigstens bekommen wir so eine Erklärung für die ruppige See. Am Nachmittag wechseln wir uns alle ein bisschen ab mit Schlafen, damit wir für die Nacht gut vorbereitet sind.
    Das Abendessen verteilen wir heute auf die jeweiligen Ehepaare, denn da wir unterschiedliche Essgewohnheiten haben, was die Zutaten angeht, ist das Kochen etwas aufwändiger und bei dem Geschaukel muss man Töpfe und Pfannen auf dem Herd sichern. Zuerst essen Volker und ich kleine Nuggets von der Hühnerbrust mit selbst gemachtem Kartoffelpüree und einer kleinen Gemüsepfanne, unsere Gäste bereiten für sich Kürbispüree mit Kartoffeln zu.
    Danach legen sich Wes und Roisin für eine Weile hin, Volker beobachtet Wind und Segel, damit der Windeinfallswinkel optimal ausgenutzt wird, ich versuche unseren Blog, Positionen und Wetterberichte über die Kurzwelle zu versenden und zu empfangen. Es wird langsam dämmerig, um uns herum stapeln sich die dunklen Wolken, es beginnt zu grummeln, und natürlich zucken auch leuchtende Blitze durch die Gegend. Im Radar schauen wir nach, ob sich die Wettergebilde uns zu bewegen, oder ob sie verschwinden werden. Der Regen aus den Gewitterfronten erzeugt ein Echo in der Radaranzeige, und man kann den Zug dieser manchmal sehr umfangreichen Regengebiete gut verfolgen.
    Nun beginnt eine wilde Jagd: Der Wind hat zugenommen, klar in gewittrigen Zonen, und wir versuchen, einer breiten Regenfront angefüllt mit Donner und Blitz zu entkommen. Die Genua ist schon ganz klein gerefft, aber wir fliegen mit bis zu 14 Knoten Fahrt dahin, eigentlich ist der Skipper, trotz dicker Regenjacke, ganz glücklich, wenn da nicht solche runden Dinger voller Wasser auf dem Bildschirm drohten. Mein Blick jedenfalls ist starr auf die Radaranzeige gerichtet. In Böen haben die Fronten bis zu 35 Knoten Wind dabei, bei vollem Großsegel nicht so spaßig, deswegen ist Volker dann immer weiter abgefallen, vom Wind weg, bis die Böen vorbei sind.

    Dunkle Wolken drohen


    Irgendwann können wir einer Front nicht mehr entkommen, das ist der Zeitpunkt, an dem wir doch das Großsegel reffen. Wes und Roisin hören natürlich den Lärm, das Anspringen der Motoren und die unruhigen Schritte auf Deck, und kommen zum Helfen. Es ist immer spektakulär und aufregend, weil das Boot in den Wind gedreht werden muss, der scheint dabei stärker zu werden, weil er von vorne kommt. Das Segel muss schnell abgelassen werden, dazu geht Volker an den Mast und zieht es nach unten, auch nicht wirklich spaßig, wenn wegen zuviel Wind gerefft werden muss. Dabei müssen die Reffleinen nachgezogen werden, diese schlagen gerne mal, bis sie wieder fest sind, und gleichzeitig wird das Großsegel wieder hochgewinscht. Also eine eher stressige Situation.
    Aber danach kommt – natürlich – eine Periode mit wenig Wind, aber nur kurz, anschließend geht es, gerefft, mit 8 – 10 Knoten Speed bei 12 – 14 Knoten Wind flott voran.

    Tag 2

    Sonnenuntergang

    Baro 1011, bewölkt mit Aufheiterungen, Wind SW um 4, auf See
    Tagesetmal um 08:00 Uhr: 175 sm, noch 131 bis St. Augustine
    War das ein Geschaukel heute Nacht! Der Gang zur Toilette fühlt sich an, als versuche man, auf einem wilden Pferd beim Rodeo zu reiten. Bei der anschließenden Rückkehr in den Salon wird man zum Bergsteiger, vier Stufen hoch. Zähne putzen, Kaffee kochen und den Frühstückstisch zu decken, wird zum Abenteuer, denn für alle Tätigkeiten habe ich nur eine Hand frei, mit der anderen muss ich mich festhalten. Ausnahmsweise werden mal bei einem Katamaran die Schubladen gesichert, Flaschen und Gläser in die Spüle oder an einen sicheren Ort gestellt, damit sie nicht umfallen. Auch der Drehstuhl am Kartentisch, auf dem ich immer dieses Logbuch schreibe, erfordert Beweglichkeit im Rücken und in den Beinen, um weiterhin die Finger auf der Tastatur zu platzieren. Nur im Bett und auf dem für die Überfahrt zur großen Liegewiese ausgezogenen Sofa liegt es sich bequem. Dort hat Volker sein Bett aufgeschlagen, prinzipiell macht er nach alter Gewohnheit die Nachtwachen, deshalb liegt er oben und schläft dann hier richtig, wenn ich in der Früh komme und die Wache übernehme.

    Wes und Roisin auf Wache

    Aber jetzt sind wir zu viert, Wes und Roisin übernehmen auch Wachen, da muss Volker während der Nacht nicht alle 15 Minuten nach den Rechten sehen.Gegen Morgen wird das Geschaukel etwas besser, mal sehen, wieviele blaue Flecken ich morgen haben werde.
    Halbwegs ausgeschlafen treffen wir uns alle zum Frühstück um 10:30 Uhr, wieder mit selbst gebackenen Brötchen, heute Spiegelei mit Püree oder Avocadocreme, und ebenfalls wieder jede Menge Früchte. Gut, dass wir soviel Zeit haben, die bissfertige Zubereitung von Ananas und Mango ist schon zeitaufwändig.
    Danach holen alle nacheinander noch ein bisschen Schlaf nach, während die Hexe, in ihrer Geschwindigkeit auch begünstigt vom Golfstrom, weiter nach St. Augustine segelt. Um uns herum türmen sich leider wieder einige Schlechtwetterwolken auf, drohen mit Regen und Starkwind, sonst würde Volker sofort den Code D setzen, und wir könnten schneller unserem Ziel entgegenstreben. Wir werden auf jeden Fall im Dunkeln ankommen, aber die Karten zeigen keine wesentlichen Hindernisse, und die Einfahrt scheint gut betonnt zu sein. Außerdem war Wes schon hier und kennt – zumindest am Tag – die Gegebenheiten.Ab 15 Uhr kommen die dicken Wolken näher, ab 16 Uhr ist der Regen im Radar gut zu sehen, wir binden Reff 1 ins Großsegel, die Genua ist ja schnell weggerollt. Heute sind wir besser organisiert, wir müssen nicht erst reffen, wenn es schon Starkwind hat. Leider sieht es nur so aus, dass wir diesmal den Squalls mit dem vielen Regen nicht entkommen werden.

    Die Fronten liegen um uns herum

    Und so war es auch, leider. So viele große Regenfronten um uns herum habe ich noch nie auf dem Radar gesehen, es wurden immer mehr und sie vereinigten sich zu großen Gebilden, aus allen blitzte es, und dazu fiel unglaublich viel Niederschlag . Die Genua war schon nur ein Taschentuch, doch Böen von über 36 Knoten veranlassten Volker, das Großsegel ganz zu bergen, und nur mit dem Motor zu versuchen, den kräftigsten Fronten und Gewittern auszuweichen. Die Gewitter haben wir so – glücklicherweise – umfahren können, nur der Regen ließ sich nicht vermeiden. Fast zwei Stunden hat das Spektakel gedauert, das Boot ist mehrfach gewaschen worden, der Skipper und Wes aber auch, nur Roisin und ich haben die Entwicklungen am Radarbildschirm verfolgen dürfen, wir haben ab und zu Kursänderungen empfohlen, um den wildesten Gebilden auszuweichen, sowie bei stärkeren Donnern und Blitzen in der Nähe Laptops und Telefone im Backofen verstaut.
    Es gab einen wilden Sonnenuntergang um 20 Uhr, der Wind ist immer noch viel stärker als vorhergesagt, und wir fahren gerefft in die zweite Nacht.

    Tag 3

    Kurz vor Sonnenaufgang kommen wir vor St. Augustine an, legen uns auf den ersten besten Ankerplatz und schlafen erstmal. Nach zwei Nächten und 320 Seemeilen sind alle ein bisschen müde, später werden wir zu den Bojen vor der Marina fahren, um dort ein paar Tage die wunderschöne Stadt zu erkunden. Aber darüber schreibt Volker im nächsten Beitrag.

  • Cruising the Exumas

    Montag, 30. Mai 2022; Georgetown Exuma 08:55 – Staniel Cays 15:40, 67 sm, Baro 1013, bedeckt, leichte Schauer, Wind zuerst um 13, später um 18 Knoten

    Mit an Bord sind Roisin und Wes, die nun bis in die Chesapeake Bay mit uns segeln werden.Um 08.00 Uhr, als wir eigentlich losfahren wollten, schüttet es, und es gewittert mal wieder über uns. Aber eine halbe Stunde später hört der Regen langsam auf,  wir machen uns auf den Weg Richtung Staniel Cay, wo wir am Abend die Relax mit Carmen und Ralph von der Relax treffen wollen.

    Schnell genug!

    Kurz nachdem wir aus der Ausfahrt von der Lagune sind, setzt Volker mit Wes die Segel, aber nach einer Weile ist das meinem Käpt’n zu langsam, der Code D wird rausgeholt und gesetzt. Diesmal habe ich Glück, heute ist Wes bei uns, da muss ich nicht mit arbeiten und wieder überlegen, welche Leinen wie durch welche Augen müssen. Der Gennaker gibt uns viel mehr Speed; wenn die Geschwindigkeitsanzeige zweistellig ist, ist der Skipper zufrieden.

    Der Code D steht

    Um den Batteriestatus zu verbessern – denn bei dem bedeckten Himmel können die Solarpaneele nur wenig Strom liefern – bringt Volker den Watt&Sea am Heck an, vorschriftsmäßig (Bedingung der Capitania) mit Schwimmweste und eingepickt. Dieser Wellengenerator liefert Strom aus der Fahrt durch das Wasser, während wir segeln.

    Währenddessen frischt der Wind weiter auf, über 18 Knoten sind nicht gut für den Code D, er muss weg. Der Windeinfallswinkel wird auch immer besser, jetzt fährt die Hexe weiterhin mit deutlich über 10-11 Knoten. Natürlich wird der Wind anschließend ein bisschen weniger, und es gibt die Überlegung, wieder den Gennaker zu setzen, so geht das auf einem sportlichen Segelboot mit zwei Kapitänen. Zuerst aber wird das Großsegel ausgerefft, das gibt schon mal ein bisschen mehr Geschwindigkeit, und tatsächlich steht um 15 Uhr der Code D wieder. Dem Katamaran Relax mit Carmen und Ralph, die eine Stunde vor uns gestartet sind, rücken wir immer weiter auf die Pelle, da sie sich hier auskennen, lasse ich mich gerne anleiten, welche Einfahrt durch durch die Inselkette die beste ist, und wohin wir dann zum Ankern gehen. Von dort aus wollen wir zu dem Schweinestrand fahren, an dem man mit den auf der Insel heimischen Schweinen schwimmen kann, und Carmen von der Relax will uns beim Schnorcheln den Fischreichtum in der Thunderball-Grotte zeigen, in der Szenen des James-Bond-Films “Thunderball” gedreht wurden. 

    Der Skipper und die Capitania auf dem Weg zu neuen Begegnungen

    Die Zeit in der Lagune vor Georgetown war angefüllt mit einer unglaublichen Menge schöner Begegnungen. Angefangen hatte es ja mit dem Pottluck (wir berichteten im letzten Beitrag), dann gab es jeden Morgen im Funk auf Kanal 72 die Ankündigungen weiterer Aktivitäten. An einem Nachmittag sind wir zufällig in eine größere Seglerrunde am Beach gekommen, und erst mit dem Angriff der Mücken zum Boot zurück gefahren. Abends waren wir fast immer mit neuen Freunden und Bekannten zusammen, ob bei uns oder auf anderen Booten, es war immer was los. Wir haben Familien mit Kindern kennengelernt, wie die kleine Pia, die wir ins Herz geschlossen haben, und die musikalischen Töchter des Ballet-tanzenden Ehepaares. Auch drei allein segelnde Männer, außerdem mit ihrem Booten Mareike von der Moana, die seit vielen Jahren mit Gästen Charter fährt und die Bahamas wie ihre berühmte Westentasche kennt. Es gab viele Paare, die meisten sind schon länger unterwegs. Einige werden nach Süden fahren zum „Übersommern“, die anderen wollen nach Amerika, so wie wir. Klar, dass es tränenreiche Abschiedsszenen gab.

    Nun sind Roisin und Wes, unsere Freunde aus Lanzarote bei uns, sie werden mit nach Amerika und in die Chesapeake Bay fahren. Wir sind auf dem Weg nach Norden, mit ein paar touristischen Stopps bis an der Ostküste der USA.

  • Potluck auf dem Wasser

    Montag, 23. Mai 2022

    Cape Santa Maria, Calabash 09:00 – Sand dollar bay 14:00, Baro 1017, Sonne/Wolken-Mix, warm, Wind 15-20 Knoten, die See um 1 m

    Was für eine Farbe morgens um halb sieben!

    Noch einmal ein kurzer Sprung ins unglaublich türkise Wasser der ruhigen Bucht am Cape Santa Maria, dann geht es nur mit Vorsegel  Kurs 249° nach Georgetown auf Exuma.

    Abschiedsdrink

    Gestern Abend hatten wir wieder einen sehr geselligen Abend an der Bar des Cape Sant Maria Ressorts, mit Jeff und Nicole aus Washington, und Petra und Marco Medici (!) aus Tennessee, die aber eigentlich aus Düsseldorf und Modena stammen. Beide Paare haben uns eingeladen, sie zu besuchen, wenn wir die Staaten bereisen werden.

    Es sind nur 25 sm bis Georgetown und es ist genug Wind, sodass wir gemütlich nur mit der Genua segeln und immer noch schnell genug sind. Wir frühstücken in Ruhe, erledigen Post und Banken, alles gemütlich bei 17-18 Knoten Wind auf einem angenehmen Raumschotkurs.

    Die Einfahrt ist nicht trivial

    Ab der Einfahrt in die Lagune allerdings sind wir wieder sehr wachsam, gibt es doch eine ganze Reihe kleiner Riffe und Untiefen, die nicht betonnt sind, aber nicht ungefährlich für Bootsfahrer. Die vorher ausgesuchte Ankerbucht gefällt uns nicht so sehr, weil sie doch dem Wind ganz schön ausgesetzt ist.

    Hier ist ein kleines Video von der Einfahrt in die Lagune, einfach anklicken!

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    Wir sind ja früh, deshalb fahren wir alle möglichen Ankerplätze in der großen Bucht vor Georgetown ab, und entscheiden uns am Ende für die Monument Bay, so benannt nach einer Bake für die Seefahrt, die 100 m über der Bucht steht. Hier sind die Wellen deutlich angenehmer, und wir sind immer noch nah dran an der kleinen Stadt.

    Die Beiboote werden miteinander vertäut

    Wir freuen uns auch schon darauf, Mareike Guhr wiederzusehen, die hier mit Gästen Charter fährt. Von ihr haben wir erfahren, dass die Seglergemeinde sich um 16 Uhr zum Potluck  trifft, an der Sandbank vor dem “Peace and Plenty Beach Club“. Dorthin kommen alle, die mögen und es wissen mit ihren Beibooten, diese werden dann aneinander gebunden, und der ganze Pulk lässt sich durch die Bucht treiben.

    Für uns ist bis 16 Uhr nicht mehr viel Zeit, wir packen ein paar kalte Bier ein und ein bisschen Knabberzeug, und ab ins Beiboot. Die ersten Boote sind schon da, auch Mareike, und nun kommen mit uns noch weitere. Man begrüßt sich, stellt sich vor, und wenn das alles so schnell geht, und es so viele neue Gesichter sind, kann man sich – zumindest ich – die vielen Namen gar nicht merken. Auf einem Nachbarboot war Alex, und auf einem anderen Dirk aus Deutschland, es gab irgendwo noch Dean und Jeff, meine ich, aber die kann ich schon nicht mehr zuordnen.

    Das Essen wird von Boot zu Boot gereicht.

    So und jetzt erfahren wir, was Potluck hier bedeutet: Jedes Beiboot hat ein selbst gekochtes Gericht mitgebracht, sie haben Teller und Besteck dabei, und dann werden die Töpfe oder die Tupperschüsseln weitergereicht. Auf soviel Luxus waren wir nicht vorbereitet, wir dachten eher so an Kekse oder Salzstangen, aber das hier ist wirklich eine schöne Idee. Es mit Beibooten auf dem Wasser zu veranstalten, hat den Effekt, dass es die um diese Uhrzeit an den Stränden zahlreich auftauchenden Stechmücken selten so weit aufs Wasser schaffen. Wobei es leider auf der Hexe einige von den Viechern gibt, sodass wir alles mit Mückennetzen sorgsam verschließen, und abends so wenig wie möglich Licht anschalten.

    Blick von der kleinen Bar

    Morgens um acht Uhr gibt es eine  Funkrunde auf VHF-Kanal 72, daran nehmen wir gerne teil, dann wissen wir auch mehr über die nächsten Aktivitäten. Nach einer kurzen Spritztour durch die Lagunen auf der Georgetown vorgelagerten Insel sind wir mit dem Sonnenuntergang zum Boot zurück, den Kopf gefüllt mit vielen neuen Geschichten.

  • Clarence und Long Island – Liebe auf den zweiten Blick

    So begrüßt uns die Insel

    Eigentlich hatte ich ja angekündigt, von den Schwierigkeiten bei der Einklarierung auf den Bahamas zu schreiben, aber angesichts der schönen Erfahrungen in den letzten Tagen sind die Erinnerungen an die Mühen und den Frust verblasst. Denn trotz des nervigen Papierkrams und dem damit verbundenen Amtsschimmel waren wir überrascht von der Hilfsbereitschaft und der Freundlichkeit aller Menschen, die wir getroffen haben.

    Erikas Bakery

    Die Madam von dem Marina-Office hat uns schon per Funk detailliert über den Einklarierungsprozess unterrichtet, ein Taxi bestellt, das uns zur „Klinik“ fahren würde, um den verlangten Covidtest zu machen, und auf der Rückfahrt an dem Laden halten, wo wir uns eine Simkarte kaufen könnten, damit wir auch wieder online sein können und uns nicht so analog hier bewegen sollen, dass wir sogar zu der Marina laufen mussten! Das Mädel bei dem Mobilfunk-Anbieter war ebenfalls ausgesprochen hilfreich, hat die Karte für uns in das Modem eingelegt, sie aktiviert, die App zur Steuerung auf mein Telefon geladen und uns alle Passwörter und Zugänge auf den Karton geschrieben.

    Am Government Dock

    Ein ganz großes Dankeschön geht an die Schwestern der Klinik, die uns mit Rat und vor allem mit Tat bei der online-Registrierung für die Gesundheitsbehörde unterstützt haben, denn ohne gibt es kein Testergebnis. Die Registrierung hierfür kostet 25 $, der Test 20 $, pro Kopf, versteht sich, und das Cruising-Permit fürs Boot schlappe 300 $. Nachdem ich den halben, oder eher den ganzen Abend gebraucht habe, um alle Fragen zu beantworten, und alle nötigen Dokumente hochzuladen (leider zweimal, weil kurz vor Schluss das Netz aufgegeben hat), ging das am nächsten Morgen reibungslos. Die Lady vom Zoll kam, stempelte Pässe, stellte das Cruising-Permit aus, danach waren wir offiziell und die gelbe Quarantäneflagge konnte runter vom Mast.

    Barry

    Endlich einklariert haben wir die Gegend erkundet, sind mit dem Dinghy zum Riff gefahren und zur gegenüberliegenden Sandinsel mit wunderschönen Muscheln und Korallen.

    Fächerkoralle

    Das Wasser ist von sensationeller Farbe, je nach Untergrund, türkis oder blau, die Bucht groß und nicht voll, meist waren es drei Boote, die dort geankert haben. Unter unserem Boot wohnt seit unserer Ankunft Barry, the Barracuda, manchmal fütterten wir ihn mit Fleischabfällen, Speck mochte er nicht. Wir schwimmen nur mit Maske, um ihn immer im Blick zu haben, er verfolgt jede Bewegung mit seinen großen Augen, und manchmal zeigt er die Zähne und schüttelt den Kopf, aber er kommt nicht näher, und wenn Volker auf in zu schwimmt, geht er weg.

    Vor der Kneipe

    Außerdem haben wir im lokalen Laden eingekauft, und abends ein Bier in der hiesigen Kneipe getrunken. Die war allerdings ein wahres Highlight! Die freundliche Taxifahrerin hatte uns auf Nachfrage von Volker (!) gezeigt, wo das lokale Pub ist, und am ersten freien Abend haben wir uns mit dem Beiboot aufgemacht, und sind die paar Schritte bis dorthin gelaufen.

    Auf einer Terrasse saßen oder standen ein paar Männer mit Bierflaschen, in dem angrenzden Raum gibt es eine Theke und einen großen Kühlschrank und einen freundlichen Wirt, der auch gerne mit seinen Gästen auf der Terrasse weilt.

    Man sitzt dort auf Biergartenganituren, ausrangierten Autositzbänken und wir trinken – natürlich – das lokale Bier: Kalik. Die umstehenden Männer kommen, zumeist in Arbeitskleidung, sozusagen zum After-Work-Bier. Sie sind Handwerker, Maurer, arbeiten bei der Power Plant, ein pensionierter Kapitän der lokalen Frachtschifffahrt ist auch dabei.

    Unglaubliche Farben

    Und alle sind so nett zu uns! Geduldig beantworten sie alle Fragen zu ihrer Insel, manchmal allerdings brauchen wir einen der Herren als Übersetzer, sie haben einen unglaublichen Dialekt hier, so wie bei uns echtes Platt oder tiefstes Oberbayrisch. Neben der Straße gehen Hühnerfamilien spazieren, bei Einbruch der Dunkelheit fliegen sie in die Bäume, wilde Ziegen finden einen Eingang zu den gepflegten Vorgärten und rauben die Blumen, eine Herde Schafe schickt ein paar „Mäh’s“ herüber.

    Flügellahmer Flamingo

    Zu einem weiteren Highlight fährt uns unser Dolmetscher mit seinem Auto. An einem kleinen Binnensee, ca. zwei Kilometer entfernt, wohnen Flamingos in einer großen Herde, als wir kommen, fliegen sie – bestimmt extra für uns – in großem Bogen über den See. Nur ein flügellahmer leuchtendoranger Vogel kann nicht mit, unser Fremdenführer sagt, der könne nicht mehr fliegen, und wäre leider immer allein.

    Donnerstags kommt das Versorgungsschiff

    Im örtlichen Laden gab es bedauerlicherweise keine Eier mehr für uns, aber der Wirt weiß sofort Abhilfe: Morgen früh um neun sollen wir zum Bootssteiger kommen, da hat er zwölf frische Eier von der Insel für uns, Volker kann noch drei reife Mangos für 5 $ erstehen, und lecker süße reife Bananen bekommen wir geschenkt.

    Die Schönheit offenbart sich erst auf den zweiten Blick

    Auch wenn uns die Insel auf den ersten Blick wenig attraktiv erschien, hat sie uns doch ihren versteckten Charme gezeigt, und uns den Abschied schwer gemacht. Nun segeln wir bei wenig Wind mit Gennaker nach Norden, dort wollen wir eine Nacht ankern, dann sind es nur noch 26 Meilen bis Georgetown, der Hauptstadt der Exumas.