Autor: Hexymama

  • Von Guadeloupe nach Montserrat

    Samstag 19. März 2022, 08:00
    Gäste: Sabrina und Matthijs aus Hoorn
    Barometer 1014, Wassertemperatur 26 Grad, sonnig nmit Wolkenfeldern, Wind 20-26 kn, die See 2-3 m
    Nachdem Volker und ich am Morgen die Wetterberichte angeschaut haben, und immer noch und immer wieder für die nächsten zwei Tage für die Überfahrt Richtung St. Martin 20-24 Knoten Wind angesagt sind, entschließen wir uns, heute doch nicht nur, wie geplant, ans obere Ende von Guadeloupe, nahe bei Des Haies zu segeln, sondern gleich die 48 Seemeilen nach Montserrat anzugehen. Dort wollen wir nur ankern, ohne einzuklarieren, und am nächsten Tag weiter nach St. Kitts oder nach St. Eustatius.
    Und wie immer, wenn wir etwas beschließen, muss es auch sogleich in die Tat umgesetzt werden. Die Gäste werden geweckt, die Navigation angeschaltet, das Boot fertig gemacht, schon wird der Anker gelichtet, die Segel gesetzt und los geht es.
    Aus der Abdeckung der Insel heraus werden die Wellen immer höher, sie kommen auch genau von der Seite, es wird reichlich wackelig im Boot und vor allem gehen immer wieder ordentliche Brecher über und versalzen die arme Hexe total. Der Skipper ist not amused, aber er freut sich sehr über den guten Speed, auf der Logge stehen fast immer zweistellige Zahlen.
    Laut AIS sind keine anderen Segler unterwegs, nur ein paar Frachtschiffe sehen wir. Sehr bald tauchen die Umrisse von Montserrat am Horizont auf, wenn wir erstmal in der Abdeckung der Insel sind, werden auch die Wellen zahmer werden.
    Glücklicherweise gehört Montserrat zu den britischen Überseegebieten, dann können wir den Union Jack als Gastlandflagge setzen, weil die schlampige Navigatorin keine Flagge der kleinen Insel in ihrem Vorrat hat.
    Morgen früh werden wir mal schauen, was die Windvorhersage so im Gepäck hat, dann entscheiden wir, ob wir uns an die 60 Seemeilen bis St. Eustatius wagen oder in St. Kitts halten oder lieber einen Tag abwarten werden.
  • Bei den Inseln der Heiligen

    Mit Sonnenaufgang geht es los

    Nachdem unsere drei Generationen uns verlassen hatten, sind wir am übernächsten Tag sehr früh aufgebrochen, um die 75 sm zu den südlich von Guadeloupe gelegenen Inseln Les Saintes zu gelangen.

    An Dominika vorbei unter Motor

    Es war zunächst eine richtig flotte Fahrt. Von unserem Ankerplatz vor St. Pierre sind wir um 06:10 Uhr, im Morgengrauen, kurz nach der Alamea unserer Freunde Beate und Bernhard gestartet.

    In der Acceleration Zone, der Düse zwischen Martinique und Dominika, wehte der Nord-Ostwind mit Böen bis über 20 Knoten. Glücklicherweise hatten wir Reff 1 im Großsegel gelassen, und die Genua wurde je nach Bedarf ein- und ausgerefft. Dafür waren wir flott unterwegs.

    Die Passe des Dames

    An der Westseite von Dominika kamen wir in den Windschatten, mussten tatsächlich motoren, denn wir wollten noch vor der Dunkelheit auf den vor Guadeloupe liegenden „Isles des Saintes“ ankommen. Die Passage durch die „Passe des Dames“ ist zwar breit genug, aber auf der Ostseite gibt es eine Stelle mit 0,9 m Tiefe. Und die Passage ist nicht betont. Also war klar, dass wir vor Sonnenuntergang da durch sein mussten.

    Felsenlandschaft

    Zwischen Dominika und Guadeloupe mit seinen Inselwelten frischte der Wind auch wieder ordentlich auf, die Passage aber war kein Problem. Um 16:10 Uhr, im Hellen angekommen,  fuhren wir, schon wenig optimistisch, durch das Bojen- und Ankerfeld vor dem kleinen Ort auf Terre-de-Haut, eine der beiden Hauptinseln der Gruppe. Natürlich war kurz vor dem Dunkelwerden keine Boje mehr frei, und auch die Ankerlieger lagen schon dicht genug beieinander.

    Ankerfelder bei den Saintes

    Also gut, dann sind wir eben wieder zurück gefahren, wir hatten dort einige Strände gesehen, vor denen auch Boote lagen. Mit Argusaugen aber hat Volker entdeckt, dass direkt vor der Ilet à Cabrit, der Ziegeninsel, eine Boje frei war. Das war sehr vorteilhaft, denn für die nächsten Tage war ordentlich Wind vorhergesagt, und festgemacht an einer Boje muss man sich keine Sorgen machen, ob der Anker hält, und man, unbemerkt, den nächsten Booten vor den Bug treibt.

    An der Boje

    Am nächsten Abend sind unsere nächsten Gäste, Fritzi und Johannes aus Darmstadt, an Bord gekommen, und bis der vorhergesagte, sehr böige Wind sich ein bisschen gelegt hat, genießen wir die Sonne, den immer mal wieder fallenden Regen, die Aussicht, die Sonnenuntergänge und die Badefreuden der karibischen Bucht.

  • Im Urwald

    Lara kann sich hinter den Blättern verstecken

    Um Martinique auch im Inland zu erkunden, haben wir für zwei Tage ein Auto geliehen und sind, gefühlt, jede mögliche Straße auf der Insel gefahren. Gestartet sind wir im Nordteil der Insel in der ehemaligen Hauptstadt St. Pierre. Wir wollten hoch hinaus, in Richtung des Vulkans, die Vegetation entlang der Straßen wurde immer üppiger, die Farne und Blätter wurden immer größer und größer, bis wir an dem unten beschriebenen botanischen Garten waren.

    Anschließend an den Besuch sind wir die Küstenstraße Richtung Norden weitergefahren, das war allerdings schon sehr abenteuerlich. Irgendwann wurden die Haarnadelkurven immer enger, und immer steiler, das wurde zu einer Herausforderung für den Fahrer. Und dann parken auch noch unendlich viele Autos an den sowieso schon engen Straßen, sodass es absolut kitzelige Manöver gibt, wenn bergfahrende Autos auf talfahrende treffen, denn die Straße ist dort durch die parkenden Autos nur einspurig. Und am Ende erwartete uns nicht etwa eine Bucht mit sensationeller Aussicht, sondern ein überfüllter Parkplatz in the middle of nowhere.

    Am zweiten Tag sind wir an der Westküste entlang gefahren, mit kleinen Ortschaften und wunderschönen Stränden. An der Hauptstadt vorbei, dort gibt es sogar eine vierspurige Autobahn, weiter nach Le Marin, wo wir unseren reparierten Autopilot abholen konnten. Leider gibt es vor jedem Kreisel, und die Insel hat ganz schön viele davon, einen kräftigen Stau. Außerdem produzieren Müllabfuhr und Straßeninstandhaltungs-Fahrzeuge weitere Autoschlangen auf den befahrenen Straßen.

    Ganz andere Landschaft an der Ostküste

    Die kleineren D-Straßen hingegen sind leer, nur einige Motorräder fahren gewagte Überholmanöver. Über die Ostküste  sind wir dann wieder nach Norden gefahren, wobei die Landschaft der Ostküste komplett anders ist als der Dschungel im Inneren und dem nördlichen Teil, und auch ganz anders als die Großstadt-Atmosphäre der Südküste.

    Und anderer Baustil als in Fort-de-France

    Hier sieht es eher aus wie in Mittelhessen, es gibt Landwirtschaft, sogar Kühe, und ausgesprochen geschmackvolle Häuser, Neubauten, oder liebevoll Instand gehaltene ältere Gehöfte. Allerdings sind die Pflanzen doch eher tropisch, Bananenfelder anstelle von Getreide, bunte Bougainvillea-Hecken säumen die Straßen, und entlang der Küste brechen die Wellen an den Riffen.

    Das absolute Highlight aber haben wir bereits am ersten Tag besichtigt. In der Habitation Cerón gibt es neben einem wohl sehr guten Restaurant einen wunderschönen botanischen Park und Garten.

    Der Baum ist zu groß für die Kamera

    Auf der ehemaligen Zuckerplantage aus dem 17. Jahrhundert steht der größte Baum der Antillen, ein „Zamana“, auf deutsch ein Regenbaum, dessen Krone über 500 qm Fläche misst. Regenbäume schützen Kaffee- und Kakao-Bäume vor Feuchtigkeit, das braucht man hier auch wirklich, weil es öfter am Tag, kurz, intensiv regnet.

    Der ganze Park ist absolut faszinierend, wundervoll blühende Sträucher, Kakaobäume in Massen, mehrere Bäche, Avocadobäume, Kaffe- und Pfefferbäume, stehen teilen sich die großzügige Fläche. Wir kamen aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Kleine Kolibris fliegen durch die Baumkronen, verschiedene unerschrockene Eidechsen klettern an den Stämmen entlang, und Lara hat sogar eine große haarige Spinne gefunden, die sich auf dem Holz gut getarnt hatte.

    Bilder sagen mehr als tausend Worte, deshalb hier ganz viele Fotos:

    Die Spinne wartet auf Beute
    Die Eidechse, perfekt getarnt
    Kaffee
    Kakaofrucht
    hängende Hummerscheren
    Porzellanrose

    Bachläufe
    Größenverhältnisse

     

  • Ungeplante Flucht

    Kleiner Restaurationsstau

    Am Morgen fährt Volker die Mannschaft zum Landgang, wir wollen doch mal die Hauptstadt von Martinique erkunden. Er bleibt an Bord, mit den vielen Booten auf engen Ankerplätzen ist es ihm nicht geheuer, die Hexe alleine zu lassen.

    Unser erster Weg führt in die Kathedrale, eine besondere Stahlkonstruktion mit einem hölzernen Tonnengewölbe. Das Innere ist im klassizistischen Stile, die Orgel hinter dem Hauptaltar, der Raum durch hohe Fensterreihen im oberen Teil und große offene Türen schön hell.

    Kinderröckchen in karibisch bunten Farben

    Aber wirklich begeistert sind wir von den Märkten. In dem großen Marché couvert riecht es nach allen Essenzen der Karibik, riesige Zimtstangen werden angeboten, Kakao in dicken Stangen, alle möglichen Gewürzmischungen in kleinen Tütchen. Es gibt auch auf der Insel angebautes Obst und Gemüse, wunderbar süße Ananas, kleine Bananen und Kochbananen, Kokosnüsse, und ähnliches. Ben und Lara sind im Kaufrausch für Mitbringsel und Exotisches zum Kosten.

    Der Wochenmarkt

    Auch der Wochenmarkt am Ende der Stadt beeindruckt durch eine Vielfalt an Obst und Gemüse. Die noch unreifen Kokosnüsse werden geköpft, dann kann man die Kokosmilch daraus trinken. Nur das weiße Fruchtfleisch aus dem Inneren ist glitschig und schmeckt nach gar nichts.

    Prost Kokosnuss

    Die meisten Obstsorten sind noch nicht wirklich reif, auch hier ist es eben Februar und nicht Mai. Die Mangos sind winzig und faserig, Papayas innen komplett weiß und hart, und auch die Chirimoyas, die von außen gut aussehen, sind innen drin knochenhart. Aber Ananas, Bananen und Orangen sind süß und schmackhaft, das tröstet dann doch.

    Unser Highlight aber ist nicht zu überhören: Eine Schlagzeug-Gruppe geht durch die schmalen Straßen, der Rhythmus regt zum Mittanzen an, ich habe es gefilmt, hier ein kleines Video:

     

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    Um 1500 Uhr geht eine schwere Regen- und Sturmfront durch das Bojenfeld, einige Boote kommen sich gefährlich nahe, andere fahren in ihren Panik-Ankermannövern so eng an uns vorbei, dass Volker laut gegen den Wind anschreiend, den Skippern klarmacht, dass das so nicht geht.

    Lara steuert uns in die andere Bucht

    Danach ist klar, dass wir hier nicht bleiben können, die Bucht ist zu voll, und wenn heute Nacht wieder eine solche unangekündigte Front durchgeht, fängt das Spiel von vorne an, und dann mitten in der Nacht, das macht auch keinen Spaß.

    Volker ist auf jeden Fall not amused, sowie Regen und Wind halbwegs durch sind, gehen wir Anker auf, und segeln in die Grande Anse, wo noch vor der Dunkelheit der Anker erneut fällt und wir die Ruhe genießen können.

  • Mehrgenerationenboot

    Carl-Martin genießt

    Seit zwei Tagen haben wir drei Generationen an Bord. Carl-Martin, ursprünglich mit seiner Frau Ursel Segelschüler von Volker, dann enger ebenfalls segelnder Freund, hatte uns ja schon auf Madeira besucht, und war mit uns auf der Hexe nach Lanzarote gesegelt. Als klar war, dass wir endlich in die Karibik segeln werden, wäre er am liebsten zu der Überfahrt mitgekommen.

    Jetzt aber hat er uns auf Martinique besucht. Und damit „Vaddern“ nicht alleine die lange Flugreise über Paris antreten muss, hat Sohn Ben sich „erboten“, ihn auf dem Flug zu begleiten. Und Ben war auch nicht sehr widerspenstig, als wir ihm vorgeschlagen haben, anstatt gleich wieder heimzufliegen, doch gemeinsam mit Carl-Martin die Zeit bei uns auf dem Boot zu verbringen. Und wenn die zwei schon mal da sind, haben wir auch Bens fast erwachsene Tochter Lara, also Carl-Martins Enkeltochter, zu uns eingeladen.

    Sonnenuntergang

    Es ist aber auch paradiesisch hier! Die Tagestemperaturen liegen zwischen 27 und 30 Grad, das Wasser ist 26 Grad warm. Wenn wir morgens früh, und ich meine früh, meistens vor sieben Uhr schwimmen gehen, kostet es keine Überwindung, ins Meer zu springen, mit Taucherbrille und Schnorchel ausgerüstet, Ausschau nach Fischen und Schildkröten zu halten. Nur heute morgen war ich ausnahmsweise ohne Taucherbrille unterwegs, und prompt hat mich die einzige Qualle aus der weiteren Umgebung gefunden, und mir den Nacken verbrannt. So ein Miststück!

    Drei Generationen beim Denken

    Mittags lernt Lara ganz eifrig für den TMS, den Medizinertest, und die älteren Generationen schauen mal, ob noch etwas von dem naturwissenschaftlichen Denken funktioniert. Kann ja nicht schaden.

    Heute morgen sind wir tatsächlich die acht Meilen bis zur Hauptstadt von Martinique, nach Fort-de France gesegelt, liegen jetzt hier mit vielen anderen Booten vor Anker, und wollen am Sonntag den karibischen Karnevalsumzug anschauen, der dem Carnival do Rio in nichts nachstehen soll. Die Bilder, die wir im Internet finden, lassen Großes hoffen, und auch die lokalen kleinen Läden und die Yachtausrüster. haben verkündet, dass wegen der Fastnacht in den nächsten Tagen nicht so viel gearbeitet werden wird. Wir also ein bisschen länger auf die Überholung unseres Autopiloten warten müssen.

    Dann feiern wir eben einfach mit, und werden demnächst mit vielen Fotos berichten.

  • Mangrovenwald

    Die Anse d‘Arlet mit den schönen grünen Hängen

    Seit wir hier am Ankerplatz in dieser wunderschönen Bucht liegen, haben wir Zeit. Zeit zum Reparieren, Zeit zum Edelstahl polieren, aber auch Zeit, um mal wieder einen kleinen Film zu schneiden.

    Die Landschaft auf Martinique ist geprägt von der Sonne und den zahlreichen kleinen (warmen) Regenschauern, die oft mehrmals am Tag ganz plötzlich vom Himmel fallen. Grüne Berghänge zieren die Ankerbuchten, die blühenden Bäume hat der Skipper ja schon beschrieben.

    Solche Mangrovenwälder findet man hier an vielen Stellen, die verschiedenen dort wachsenden Pflanzen müssen salztolerant sein, mit der hier nur leichten  Gezeit zurechtkommen und sie lieben Wassertemperaturen von über 20 Grad (ich auch!).

    Hier ist des Skippers Fahrt durch einen  Mangrovenwald:

  • Endspurt – Lobuch der Atlantiküberquerung Tag 18

    • Donnerstag, 10. Februar  2022
      24-Stunden-Etmal um 12:00 Uhr: 175 sm (noch 91 sm bis Martinique)
      Barometer 1011, Wassertemperatur 26,1 Grad,
      Wind 16 – 24 kn, die See 2,5 – 3 m

    Bleiern-grau liegt die See da, dunkle Wolken bedecken den Himmel, die Nacht weicht dem Tag. Romantisch-schöne Sonnenaufgänge scheinen hier wohl nicht an der Tagesordnung zu sein, selbst wenn in den frühen Morgenstunden ausnahmsweise kein Squall durchzieht (es gab aber auch schon welche, Anmerkung der Redaktion). Anscheinend trocknet die Sonne im Laufe des Tages die Wolken aus und der typische Passathimmel erfreut ab dann des Seglers Herz.
    In der letzten Nacht wurden wir von Squalls und Regen verschont, es war ein friedlich-ruhiges Dahinschippern. Denn wir hatten aufgrund des kräftigen Windes, der in Böen bis 24 Knoten bereit hielt, rechtzeitig ein Reff ins Großsegel gebunden. Der Kat fuhr damit so ruhig, auch wenn wir mit der Besegelung natürlich nicht ganz so schnell in Richtung unsere Ziels voran kamen, wie wir uns das gewünscht haben. Aber eine gute Nachtruhe hat ihren Stellenwert, besonders wenn man nur zu zweit unterwegs ist.
    Es ist natürlich noch zu früh, um ein Fazit zu ziehen, aber so als Zwischenstand, und das soll jetzt bitte nicht überheblich rüberkommen, sind Cornelia und ich eine ausreichend große Besetzung, bzw. Besatzung, für unser Boot. Alleine wäre der Katamaran natürlich auch händelbar, jedoch bei Manövern wie dem Segel setzen/Segel bergen, im Umgang mit dem Gennaker und natürlich bei den Wachen, ist es viel angenehmer, zu zweit zu sein. Vor zwei Nächten haben ich versuchsweise, damit die Capitania weiter in ihrem Bettchen schlummern konnte, das Großsegel alleine geborgen, aber danach lag es auch auf dem Baum wie hingerotzt, null Punkte für die Ästhetik.
    Seit heute früh ist der Loggestand nur noch zweistellig, jippie. Voraussichtlich kurz vor Mitternacht werden wir den Ansteuerungspunkt von Martinique erreichen und damit offiziell die Atlantiküberquerung beenden und ins karibische Meer eintauchen, das für die nächsten Monate unser seglerisches Heimatrevier sein soll. Wir sind gespannt, was uns erwartet. Wir wollen möglichst viele Karibikinseln in den nächsten Wochen absegeln und entdecken. Dabei stehen u.a. dann Landausflüge mit Mietwagen oder Fremdenführer auf dem Programm. Kleinere Inseln kann man erwandern, oder vielleicht sogar mit unseren Bordfahrrädern erkunden. Wir freuen uns darauf, und wir werden natürlich in gewohnter Manier, hier auf unserem Blog, den es nun schon über 7,5 Jahre gibt, davon berichten.

    Leider ist dieser Blogbeitrag gestern nicht raus gegangen, das Netz war bockig und hat trotz hundertfacher Versuche es nicht geschafft, eine Verbindung aufzubauen. Volker war schon ganz genervt, dass ich immer am Navitisch an der Funke sitze, aber das war leider auch vergebens.
    Gestern Abend sind wir nun tatsächlich nach 17 Tagen, 11 Stunden und 40 Minuten in Martinique angekommen, nach 3026 Seemeilen, das ergibt eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 7,18 Knoten pro Stunde, damit waren wir ganz zufrieden. Wir haben den Anker falllen lasse, ein Bier und ein Piccolo (danke an Doris und Eric) getrunken und sind todmüde ins Bett gefallen.

    War auch nicht schlecht, mal ohne eine ganze Nacht durchzuschlafen. Und das ohne Geschaukel.

  • Der vorletzte Tag – Logbuch der Überfahrt Tag 17

    Dienstag 8. Februar 2022
    24-Stunden-Etmal um 12:00 Uhr: 177 sm (noch 245 sm bis Martinique)
    Barometer 1014, Wassertemperatur 25,8 Grad,
    Wind 10 – 22 kn, die See 1,5 – 2 m

    Gestern Abend konnte der Code D oben bleiben bis nach Sonnenuntergang. Dann allerdings kam eine große Wolkenfront, die zuviel Wind im Gepäck hatte. Eigentlich wollte Volker den Gennaker nach Durchzug der Front wieder ausrollen, aber als der beim Ausrollen Schwierigkeiten machte, und der Wind in der neuen Front auch schon wieder auf über 17 Knoten zunahm, haben wir es zunächst gelassen.
    Eientlich war der Plan, mit Code D bis 0300 UTC zu segeln, wir würden uns dabei im Stunden-Takt abwechseln, ab dann sollte das große Segel weg, und entweder die Genua raus, oder wir motoren die sechs Stunden bis Sonnenaufgang, um ein bisschen Schlaf zu bekommen.
    Da das nun so nicht klappt, machen wir das jetzt mit der Genua im Zwei-Stunden-Takt, ich gehe um halb elf schlafen, und bin um 0030 wieder oben, als Volker auch gerade die Genua ein Stück eingerollt hat, weil der Wind auf konstant über 17 Knoten zugenommen hat. Und wir segeln immer noch mit 7 – 10 Knoten Fahrt.
    Und dann geht das so weiter. Alle anderthalb Stunden wird gewechselt, der Wind bleibt beständig auf 15-17 Knoten, nur in Squalls frischt er auf, so auch am Morgen um 05:30, ich höre in meinem Bettchen, wie Volker die Genua noch ein bisschen verkleinert, der Wind nimmt unvermindert zu, und von steuerbord kommt ein dicker Squall auf uns zu. Es schüttet dann auch in Strömen, wir sehen es im Radar, dort wir sehen da auch den Frachter, der fünf Meilen hinter uns vorbei fährt.
    Danach gehe ich noch einmal für ein kleines Stündchen schlafen, an dessen Ende Volker ganz allein das Großsegel birgt, weil, wie auch gestern, um Sonnenaufgnag herum der Wind sich erstmal schlafen legt. Nur fette Squalls und Regenwolken sind rings um uns herum, wir motoren jetzt einfach ein Stückchen Richtung Martinique.
    Um 10:00 Uhr stecken wir mitten in einer riesigen Regen- und Windwolke, sie reicht von Backbord übers Heck bis nach SBSteuerbord. Anfangs gab es einen wunderschönen Regenbogen, aber jetzt ist alles einfach nur grau und es schüttet. Gut, dss wir nur die Genua draußen haben.
    Als der Wind weiter nachlässt, starten wir den Motor, duschen, nachdem wir die Wassertanks dank unseres Watermakers aufgefüllt haben, und frühstücken in Ruhe. Danach kommt ganz schnell der Code D wieder zum Einsatz, ich gehe einen Teil des fehlenden Nachtschlafs aufholen. Doch man wird sensibel für die Geräusche im Boot, noch in meinem Traum höre ich, dass der Wind immer mehr zunimmt, und wache auf. Da kommt auch schon Volkers Ruf: „Cornelia komm, der Gennaker muss weg!“
    Wir haben zwei Standard-Wetterberichte, abgesehen von den extra auf uns zugeschnittenen meiner Funkfreunde, einmal Zygrib, der über die Winlink-Airmal-Verbindung abgefragt wird und als Modell GFS, Global Forecast System, benutzt. Hier können wir für ein ausgewähltes Gebiet verschiedene Kriterien abfragen, Wind, Böen, Wellenhöhe, Regen, Bewölkung und Gewitterwahrscheinlichkeit (CAPE). Daneben haben wir noch einen speziellen Segelwetterbericht, PredictWind mit der Offshore-Variante, der neben der Vorhersage für oben genannte Kriterien, auch für vier verschiedene Vorhersage-Modelle die optimale Route berechnet. Mit genauen Daten für Windstärke und -einfallswinkel, Wellenhöhe und -richtung an einzelnen Punkten alle paar Stunden, und auch, welchen Kurs wir wie schnell fahren könnten. Ein Super Werkzeug für die Detailplanung. Vor dem Start gibt es auch die Möglichkeit, das Programm die optimale Startzeit je nach berechnen zu lassen.
    Und diese zwei Vorhersagen vergleichen wir dann immer wieder, um zu entscheiden, zu welchem Zeitpunkt es sinnvoll ist, den Code D zu setzen, oder wegzunehmen, und ob wir besser weiter nördlich oder doch lieber südlicher fahren sollten.
    War am Anfang die Stimmung eher, naja wir fahren erstmal, es sind ja noch soviele Meilen, da kann noch alles von der Richtung her korrigiert werden, so werden die Berechnungen im Endspurt doch präziser. Sollen wir es riskieren, und den Code D bei ein bisschen zuviel Wind lieber stehen lassen, um ein paar schnelle Meilen zu machen, oder fahren wir konservativ mit der Genua, dann können wir nicht so weit vor den Wind. Was wir aber müssten.
    So haben wir auch etwas zum Nachdenken und Diskutieren.

    Um 19:00 Uhr UTC: „Noch 200 Meilen bis Buffalo“ – nee, Martinique.

  • Rinn in die Pantoffeln, raus aus den Pantoffeln – Logbuch der Überfahrt Tag 16

    Montag 7. Februar 2022
    24-Stunden-Etmal um 12:00 Uhr: 176 sm (noch 416 sm bis Martinique)
    Barometer 1013, Wassertemperatur 25,3 Grad,
    Wind 6 – 14 kn, in Böen bis 24 kn, die See 1,5 – 2 m

    Am Abend schon hat der Wind uns immerwährend gefoppt. Nach dem Wechselspiel gestern mit Gennaker hoch, Gennaker runter konnten wir am frühen Abend auch noch einmal schön mit dem Gennaker fahren, Volker war total euphorisch, dass wir insgesamt nur (!) 18 Tage brauchen werden, wenn das so weiterläuft, 8 – 10 Knoten Fahrt, juppheidi sind wir da!
    Noch während wir mit unseren Abendessen-Schüsselchen draußen sitzen, den Sonnenuntergang und die Dämmerung genießen, frischt der Wind immer mehr auf, und noch vor dem Nachschlag bergen wir den Gennaker.
    Nun geht es durch die Nacht mehr schlecht als recht mit der Genua, der Wind ist eigentlich zu raum, wir fahren immer so an der Grenze, d.h., der Großbaum schlägt, und überhaupt ist es sehr schaukelig.
    Entsprechend unruhig ist die Nacht, bis Volker um 05:30 Uhr beschließt, dass das Großsegel runter kommt, und wir motoren, egal was mit den Dieselvorräten ist.
    Am Morgen gibt es immer mal wieder Versuche, die Genua mit ziehen zu lassen, aber das funktioniert nicht.
    Das Groß wird gesetzt, für kurze Zeit ziehen wir auch den Gennaker, bis von raumschots eine dunkle Wolke kommt, die eindeutig Wind mit sich führt, dann rollen wir ihn doch lieber weg, und fahren – mal wieder – mit der Genua weiter.
    Am Nachmittag um 1500 UTC haben sich Wind und Welle soweit stabilisiert, dass wir es – noch mal – wagen, den Code D auszurollen, und schwupp, sind wir 1-2 Knoten schneller. Mal sehen, wie lange.
    Für des Skippers Stimmung wäre es gut, es würde möglichst lange so bleiben. Es dürfte auch ein bisschen mehr sein, und vielleicht ein paar Grad nördlicher. Bei dem ewigen Ausrollen, Einrollen, Wegnehmen, Hochziehen, ist die gute Laune teilweise in den Keller gegangen, dass es klüger war, ihm aus dem Weg zu gehen ;-))

    Vamos a ver – we will see

  • Endlich wieder – Logbuch der Überfahrt Tag 15

    Sonntag 6. Februar 2022

    Eine Schwalbe flog uns letzte Nacht zu und da sie Schwimmhäute zwischen den Zehen hatte, vermuten wir, dass es eine Seeschwalbe war. Durch die vordere Salonluke kam der kleine Eindringling in unser „Wohnzimmer“, flog dort erstmal laut polternd gegen die Seitenscheiben und fand dann seinen Weg durch die offene Salontür ins beleuchtete Cockpit. Da saß dann nun das gefiederte Häufchen Elend und die eiligst dazugekommene Capitania stand verdutzt daneben. Wir haben dem Tier ein Schälchen mit Wasser gereicht und es hat sogleich begierig davon getrunken. Heute früh hatte sich der kleine Piepnmatz ganz unauffällig hinter den vollen Müllbeuteln im Cockpit versteckt, sodass wir schon gedacht haben, er sei weitergeflogen. Dem war nicht so, also gab es zuerst mal wieder eine Wasserration, die prompt angenommen wurde. Nach dem Öffnen des Cockpitzeltes flog die kleine Seeschwalbe davon, bon Voyage. Immerhin muss der Vogel über 600 Seemeilen bis zu uns zurückgelegt haben, eine respektable Distanz.
    Ja mit dem Müll an Bord ist das so eine Sache, fahrende Müllsammelschiffe für Segelboote gibt es nicht und der beste Müll ist wohl der, den man vermeidet. Wir haben bei unseren Einkäufen versucht, wo es geht, Plastikmüll zu vermeiden. Reis, Hirse und Gries haben wir in Gläsern gekauft. Das Frischfleisch haben wir in mehrfach verwendbare Einmachgläser eungekocht. Zwei Personen produzieren auch nicht so viel Müll wie eine achtköpfige Mannschaft. Aber trotzdem stapeln sich nun vier Müllbeutel zu je 30 Litern. Das Thema „Müll an Bord“ ist sicher ein Thema, das jeden Langfahrtsegler im Vorfeld und während der Überfahrt beschäftigt, zumal auf manchen Booten die Lagerkapazität für volle Müllbeutel begrenzt ist. Hoffentlich geht jeder Segelkollege mit dem Thema sensibel um und wirft nur über das über Bord, was Kompostierbar und unschädlich für den Ozean ist.
    Ein anderes technisches Problem, das mich seit unserer Abfahrt beschäftigt hat, ist nun gelöst. Wir haben seit dem letzten Jahr einen Smart MPPT Controller für unsere Solarzellen. Ein Problem ist dabei im Laufe des Tages mehrfach aufgetreten, das zur Abschaltung des Gerätes geführt hat und somit sauch zum Ladestopp für die Batterien. Die Spannung am Solarpanel ist häufig über 37 Volt geklettert, dann hat der smarte Ladecontoller einfach mit dem Batterieladen aufgehört. Jetzt bedeutet smart ja sowas, wie schlau oder klug, und weil unser Gerät so schlau ist, kann ich es auch über eine App vom Handy aus konfigurieren und zahlreiche Parameter einstellen. Jeden Tag habe ich also aufs neue versucht, den Fehler zu beheben, indem ich beispielsweise die Absorptionsspannung,die Ausgleichsspannung, das Ladeintervall bei Spannungsabfall, den Re-BUlk Spannungsoffset und ähnliche mir is dahin unbekannte Parameter versucht habe anzupassen. Jedesmal und jeden Tag bin ich erfolglos an unserem (neunmal) klugen Controller gescheitert. Cornelia hat sich auch reingekniet, die ist ja durch die Amateurfunklizenz sowas wie eine Expertin, aber beide sind wir an dem klugen kleinen Kasten gescheitert. Scheitern war keine Option, da die batterien, trotz Sonne ohne Ende, von den Panelen nicht vollgeladen wurden. Am dritten Tag fnd ich dann die im nachhinein eigentlich logische Lösung. Es gibt eine Einstellung für den maximalen Ladestrom, bis 60 Ampere sind drin. Die habe ich auf maximal 18 Ampere begrenzt, die Maximalspannung am Panel beträgt jetzt nur noch 33 Volt, der Ladestrom wird nicht mehr unterbrochen. Ganz schön smart der Käptn 😉
    Seit 9 Uhr heute morgen ist die Motorphase vorbei, der lange Flautenabschnitt liegt hinter uns, es weht mit erfreulichen 4-5 Beaufort aus Nordnordost. Mit 7-10 Knoten Fahrt sind wir endlich wieder, unter Vollzeug, schön segelnd unterwegs. Was für ein Unterschied zur doch eintönigen Motorerei. So langsam richten sich unsere Gedanken mehr und mehr in Richtung der Ankunft in Martinique. Zuviele Gedanken darüber wollen wir uns aber jetzt auch noch nicht machen, denn dafür genießen wir die Atlantiksegelei im hier und jetzt viel zu sehr.

    Und wieder die Hardfacts:

    24-Stunden-Etmal um 12:00 Uhr: 140 sm (noch 587 sm bis Martinique)
    Barometer 1013, Wassertemperatur 25,3 Grad,
    Wind 4 – 16 kn, die See 1,5 – 2 m