Autor: Hexymama

  • Auf zu den Bahamas! Tag 2

    17. Mai 2022, auf See
    Baro 1012, wolkig, Wind in der Nacht SO um 5, morgens NNW um 2
    Nach dem Abendessen bleibt der Wind SO, aber glücklicherweise stärker als die vorhergesagten sechs Knoten. Wir segeln durch die Nacht mit wechselnden Schlafphasen, fast auf Kurs zu der Nordspitze von Acklins Island, wo wir eigentlich ankern wollten. Da aber der Wind so schön durchhält, nutzen wir das aus und fahren weiter.
    02:00 Uhr: Der Skipper halst nördlich der Insel, damit wir es ausnutzen können, in Lee des Landes zu sein, und der Seegang ruhiger wird. Unmittelbar danach geht die Welt unter! Es gießt so, als hätte ein zorniger Wolkengott über uns den Stöpsel seiner enorm großen Badewanne gezogen, und dazu noch Feuerwerk gemacht. Nun aber schnell das Cockpitzelt zumachen, alle Fenster kontrollieren, danach braucht der Skipper trockene Anziehsachen. Rund um uns herum sehen wir die Zellen mit Starkregen und Gewittern, es blitzt aus allen Richtungen, das dauert sicher eine Stunde mit Böen bis 22 Knoten.
    04:30 Uhr: Wachwechsel, aber kaum liegt Volker im Bett, sehe ich auf dem Radar neue große Regenzellen auftauchen, das bedeutet hier immer auch Starkwind und manchmal eben Gewitter. Also muss der Skipper noch einmal hoch kommen, wirbeobachten wir die Entwicklung. Auch diesmal kommt wieder viel Regen aus den Wolken über uns, und ein paar Blitze erleuchten den Himmel, aber es scheint nicht ganz so sintflutähnlich zu werden.
    06:30 Uhr: Und plötzlich ist der Wind weg! Außerdem kommt er zunächst von vorne, dann von Backbord, dann von Steuerbord, jetzt muss der Motor mitschieben. Volker sieht voraus dunkle Wellen, wir reffen das Großsegel, die Genua ist sowieso weggedreht, wenn wir motoren.
    Ab 07:00 ist das Meer flach, wird haben drei Knoten Wind, langsam lösen sich die dunklen Wolken auf, der neue Tag kann beginnen. Oben an Acklins sind tatsächlich ein paar Segler, vor allem Katamarane, unterwegs, allerdings in die andere Richtung.
    Die Inseln hier sind alle flach. An den Anblick muss man sich erst gewöhnen, fast alle Karibik-Inseln sind aus vulkanischem Gestein entstanden, Turks and Caicos sowie die Bahamas sind Koralleninseln, die höchsten Erhebungen meist nicht mehr als 100 Meter hoch. Und somit von See aus erst viel später zu sehen.
    Der Tag ist schrecklich grau, von dem einen Horizont bis zum anderen. Volker sagt enttäuscht: „Da bekommen wir das Permit aber für den halben Preis!“ Ein Permit zum Reisen mit dem eigenen Boot muss man kaufen beim Eindeklarieren, hier soll es 300 $ kosten, bei dem Preis kann man ja wohl gutes Wetter für erwarten.
    Noch 19 sm bis Clarence.
    Im Endeffekt sind wir gut in der großzügigen Ankerbucht angekommen, mit uns ankern noch ganze vier Yachten, wir haben einen schönen Platz gefunden. Volkers Kommentar beim Einfahren: „Na, hier steppt ja der Bär!“ Und dann hat er mit mir gewettet, dass es nicht ein einziges Restaurant (oder Pub) in Laufnähe gibt. Prinzipiell hat er – leider – gewonnen, aber eine kleine Kneipe gibt es doch, vielleicht tröstet sie uns morgen.
    Morgen gibt es auch schöne Bilder dazu und die Gescichte des Einklarierens. Der Deutsche Amtsschimmel ist eine Mücke dagegen!
  • Auf zu den Bahamas! Tag 1

    16. Mai 2022, 07:30 Uhr
    Baro 1011, sonnig, Wind SO um 5, See (noch) flach

    Nach einem rauschenden Abschiedsabend mit wieder neuen Freunden (Dirk aus dem Erzgebirge, Mackensie und Roman aus Californien, die beiden haben gerade von Dirk das Boot gekauft), machen wir doch erstaunlich früh die Leinen los. Am Hafen verabschieden uns noch andere neue Freunde, Tom, Claude und Bosch von der „Eridu“, sie kommen von der Ostküste der USA.
    Noch bevor wir aus dem Hafen sind, will Volker alle Fender oben haben, damit sie nicht nass verstaut werden müssen, die Leinen kommen ins Cockpit, dann fahren wir langsam unter Motor raus. In der Hafeneinfahrt steht – wie erwartet – eine unangenehme Welle, danach wird es schnell besser, das Großsegel kommt hoch im 1. Reff, und ebenso wird die Genua ausgerollt. Wir haben 17-22 Knoten Wind, das ist deutlich mehr als in der Vorhersage, vielleicht hält der Wind dann auch durch und flaut nicht so ab wie von den Wetterfröschen angekündigt.
    Zehn Meilen vor der Ausfahrt aus der Lagune refft Volker die Genua ganz aus, nur die Wellen werden höher und ganz konfus.
    Um 10:15 höre ich auf Kanal 16 Provo Radio die Sailing Vessel Hexe rufen, ich bitte Volker ans Mikro, weil ich mir nicht sicher bin, was ich jetzt sagen soll, doof! Nachdem wir auf Kanal 74 gegangen sind, möchte die Coastgard nur wissen, ob wir das Land verlassen, wünscht eine gute Fahrt und bleibt Standby auf Kanal 16, falls wir irgendwelche Hilfe brauchen sollten.
    10:45 Volker brät Schnitzel zum Frühstück und isst ein gut belegtes Sandwich mit den teuersten Paprika unseres bisherigen Lebens, fast 10 Dollar haben wir im Supermarkt dafür bezahlt! Schnitzel am Morgen ist mir doch ein bisschen zu dolle, ich bleibe erstmal bei meinem Cappuccino und einem Apfel.
    Es ist ziemlich rollig auf der freien See, mit unserem „Fast-Vorwind-Kurs“ und den seitlichen Wellen wackelt selbst die Hexe deutlich. Es sind hundert Meilen bis zu Acklin Island, wo wir vielleicht die Nacht verbringen wollen, d.h. den späteren Teil der Nacht, denn so werden wir deutlich nach Mitternacht ankommen. Sollte der Wind durchhalten, könnten wir uns auch vorstellen, die restlichen 120 Meilen bis Clarence auf Long Island durchzufahren.
    16:45 Das Großsegel wird ausgerefft, und schon mal die Gennaker-Schoten gelegt. Aber noch sind die Böen zu stark, doch der Wind soll ja nachlassen.
    17:00 Gehalst, neuer Kurs ist 330°, das wäre der Kurs zum oberen Ende von Acklin Island, während wir bisher das südliche Ende angesteuert haben. Der Weg zu beiden Ecken ist ungefähr gleich weit, angeblich soll im nördlicheren Teil ein bisschen mehr Wind sein, wenn nachher die angekündigte Flaute kommt. An beiden Ecken sind gute Ankerplätze, mal sehen, wo wir landen werden.
    Insgesamt ist die See jetzt schon deutlich ruhiger, das macht des Seglers Leben leichter. Wir planen die nächsten Abschnitte in den Bahamas, viel Zeit bleibt uns leider nicht, denn irgendwann müssen wir ja nach Amerika, und das Boot in die Chesapeake Bay bringen, bevor wir nach Deutschland fliegen.
    Zum Abendessen gibt es von Volker gestern schon vorgekochte Hähnchenschenkel in leckerer Soße mit Reis und Brokkoli, langsam wird es dunkel. Leider ist es dicht bewölkt, sodass wir nicht so viel von dem schönen Vollmond sehen werden, der uns gestern Nacht mit einer partiellen Mondfinsternis überrascht hat. Es sah großartig aus, weil ein sternenklarer Himmel das Licht des Mondes in einem satten Gelb erscheinen ließ, und sich plötzlich ein Schatten davor schob. Heute morgen habe ich gelesen, dass in Europa eine totale Mondfinsternis war. So ist der Himmel überall ein bisschen anders, hier sehen wir andere Sternbiilder, und der Sichelmond liegt auf dem Rücken oder auf dem Bauch, aber er ist niemals aufrecht wie Deutschland.
    So fahren wir in die Nacht, wechseln uns mit den Wachen ab, bei dem Vorwindkurs muss man ständig den Windeinfallswinkel im Auge behalten und kurzfristig reagieren. Wir können das Ipad mit unserer Navigation verbinden, und so müsste niemand am Navitisch sitzen, sondern man könnte sich gemütlich aufs Sofa setzen. Aber leider ist mit dem letzten Update von Raymarine die Funktion weggefallen, dass man den Autopilot auch vom Ipad verändern kann. Aus Sicherheitsgründen, schade!

  • In einer anderen Welt

    Türkises Meer unter drohendem Gewitterhimmel

    Nach der Ankernacht  vor French Cay sind wir nach Providenciales gesegelt, nein, unter Motor gefahren, um eine neue Schraube für unseren Außenborder zu erstehen. Es gibt tatsächlich einen Shop, der angeblich so eine Schraube auf Lager hat. Leider sind die Angaben zum Ort sehr verwirrend, ursprünglich sollte es an der Westseite der Insel sein, deshalb haben wir den Umweg um die vorgelagerten Riffe in Kauf genommen. die Telefonate mit dem Satellitenhandy sind eher katastrophal, es ist fast nichts zu verstehen, so wissen wir immer noch nicht genau, wo wir uns treffen sollen. Erst als wir wieder Telefonnetz haben, wird klar, dass wir in die Lagune reinfahren müssen, und der junge Mann, Marc, kommt dann zu der Marina, vor der wir festgemacht haben. Das hätten wir auch kürzer haben können, langsam über zwei bis drei Meter tiefes Wasser fahrend. Das Wasser ist weiterhin von einem wunderbaren Türkis, hier ist ein Paradies für Taucher und Schnorchler.

    Es gibt noch ein Missverständnis, wir sind vor die South Bank Marina zum Ankern gefahren, und Marc ist in der South Side Marina. Aber auch das Problem wird gelöst, er kommt, schaut sich die Schraube an, und verspricht, bei dem Ausstellungsstück im Laden  nachzuschauen, ob dort das gleiche Exemplar ist, dann können wir die morgen bekommen. (Soviel vorab, es war nicht das richtige, wir schauen weiter.) Wir genießen es, in der kleinen Hafenkneipe der Marina ein Bier zu trinken, und Hamburger zu essen.

    Für den Rest der Woche ist sehr viel Wind aus Südost angesagt, dann wird es auf unserem Ankerplatz sehr unangenehm, deshalb fahren wir, seit Lanzarote zum ersten Mal, in einen Hafen. Diese Marina liegt, wie übrigens alle Marinas auf der Insel, sehr weit entfernt von allem, von Restaurants, Supermärkten, etc. Also leihen wir uns ein Auto, um Caicos zu erkunden.

    Was für ein Unterschied!

    Strandvilla

    Auf den französischen Karibikinseln, auf denen wir uns bisher bewegt haben, findet das Leben auf der Straße statt, es gibt kleine Läden, Gemüse- und Obststände, Restaurants, Kneipen, viel Musik. Das Leben in Caicos erinnert eher an die USA, eine große Straße mit dem hochtrabenden Namen Highway führt über die Länge der Insel, davon zweigen kleinere Straßen ab, die zu den Wohnsiedlungen führen.

    Prächtige Einfahrten führen zu den Anwesen

    Die Löcher auf den Straßen täuschen, die Häuser sind keine einfachen Wohnhäuser, es sind Villen, mit riesigen Gärten, sehr schöne, geschmackvoll gestaltete Bauten, bis hin zu unglaublichen Anwesen. Überall hängen Schilder von Maklern, Christie’s, Engel & Völkers, Sotheby’s. Die teuerste Villa, die zum Verkauf steht, soll 44 Millionen Dollar kosten!

    Beachbar in der Blue Haven Marina an der Ostseite von Caicos

    Überall auf der Insel wird gebaut, manche Projekte stagnieren offensichtlich, aber an den meisten wird gearbeitet. Auch bei uns im Hafen wird eine große Anlage errichtet, Lastwagen bringen pausenlos riesige Steinbrocken zur Befestigung, an den halbfertigen Häusern wird ebenfalls gewerkelt. Und diejenigen, die arbeiten, auf den Bauten, in den Restaurants, an den Kassen der Supermärkte sind von dunkler Hautfarbe, während die meisten, die dort einkaufen, oder am Strand liegen, oder in den Restaurants sitzen, meist aus den USA kommende Weiße sind, ob sie nun hier auf der Insel wohnen oder zum Urlaub einfliegen.

    Linksverkehr!

    Auf der ersten Erkundungsfahrt möchte ich so gerne mal in die Innenstadt von Provo fahren, bin ganz glücklich, als auf den Schildern plötzlich der Hinweis zu “Downtown” steht. Sehr verwundert bin ich allerdings, als diese Hinweisschilder nach einer Weile genau in die entgegengesetzte Richtung weisen. Da wird mir klar, dass es keine Innenstadt in unserem Sinne gibt, Downtown waren nur ein paar Geschäfte an dem Highway.

    Life-Music am Mittwochabend in Bobs Bar

    In dem großen Graceway Supermarkt gibt es alles, Obst und Gemüse kommen aus den Staaten, ebenso wie offensichtlich das Fleisch, riesige Steaks, ganz viel Hühnchen, Turkeybreast als Aufschnitt zum Frühstück, Toastbrot, weiche Brötchen. Das ganze Sortiment ist sehr amerikanisch, viel Readymade, viele Grillsoßen, Grillkohle, Softdrinks ohne Zucker, und der griechische Yoghurt ist der allerfetteste mit 5%, die meisten Yoghurts haben 0% Fett. Bier aus der ganzen Welt und Wein von überall gibt es auch, wenn man das bezahlen mag.

    Nur die Preise!!! Eine Orange 3$, eine Wassermelone 17$, Baguette 4$, eine Tiefkühlpizza 14$. Und so geht es weiter, da fragt man sich, wie das die Menschen machen, die hier auf der Insel leben und arbeiten, und nicht unbedingt ein astronomisches Monatseinkommen haben.

    Einer der schönsten Strände der Welt

    Für uns ist es eine spannende Erfahrung. Die Wettervorhersage hält uns noch bis Montag hier fest, dann wollen wir weiter nach Long Island auf den Bahamas, 240 Seemeilen entfernt, mal sehen, was uns  dort erwartet!

  • Von St. Martin zu den Turks and Caicos – Tag 3 auf See

    Nach dem Abendessen wechseln wir uns mit den Wachen ab, weil wir auf diesem Fast-Vorwindkurs, relativ präzise steuern müssen. Zuerst schläft Volker, tief und fest auf dem zum großen Bett bereiteten Sofa, um 23:30 Uhr gehe ich runter ins Bett. Dort wird es allerdings nach Mitternacht immer unruhiger, die Wellen kommen ruppig an den Rümpfen an, und schlagen mit lautem Knall auf, der Watt&Sea-Generator brummt, und der Wind hat deutlich über 20 Knoten aufgefrischt, ab und an kann ich die 27 auf dem kleinen Display in der Kabine sehen. „Volker, wir müssen reffen!“ Der aber meint, wir schauen erst einmal, ob das nur so eine kleine Störung war, die manchmal mit vereinzelten Wolkensystemen daher kommt.

    Nach 02:00 Uhr wird es ein bisschen ruhiger und Irgendwann bin ich dann eingeschlafen. Um  kurz nach vier weckt Volker mich, und in meinem schlaftrunkenen Kopf habe ich verstanden: „Wir müssen heissen.“ Was soll das denn, Reff ausschütten, oder was? Aber wir haben doch gar kein Reff drinnen!? Erst als ich vor lauter Schreck das Rad viel zu weit gedreht hatte, habe ich verstanden, dass er nur halsen wollte.

    Wir wechseln uns noch ein bisschen mit dem Schlafen ab, ich hole Mails und den Wetterbericht auf der Kurzwelle, ab Sonnenaufgang ist das aber leider nicht mehr möglich, dann streiken alle Stationen.

    Noch vor dem Frühstück tauschen wir die Dirk aus, die Leine, die den Baum hält, wenn das Segel es nicht tut, im Hafen zum Beispiel oder am Ankerplatz. Volker hatte in der Früh gesehen, dass an ein paar Stellen der Mantel aufgerissen war. Wir haben noch eine alte Leine, die wir anstelle der kaputten durchziehen, sie ist aber leider ein bisschen kurz, deshalb müssen wir sie verlängern. Wir haben Spleißnadeln an Bord, aber die französische Anleitung war so kompliziert und wirr erklärt, dass selbst ich, trotz Engelsgeduld und dem eindeutigen Slogan „wir schaffen das!“ nach zwei Stunden probieren verzweifelt aufgegeben habe. Dann müssen wir das eben anders machen. Oder ich muss mir, wenn wir wieder Internet haben, einen Spleißkurs – vielleicht besser auf Deutsch – suchen.

    Den Nachmittag verbringen wir unspektakulär, wieder mit abwechselnden Mittagsschläfchen, lesen, rätseln, duschen (wunderbarI), ab und zu halsen, bis wir uns an die Vorbereitung des extrem leckeren Abendessen machen, ausnahmsweise mal zu zweit, sonst herrscht hier an Bord die Devise: Viele Köche verderben den Brei!. Es gibt Burritos mit Hackfleisch, frischen Tomaten, Salat und Champignons, dazu Guacamole und Zaziki, ein Gedicht.

    Morgen früh werden wir wohl hoffentlich vor dem Ankerplatz von Grand Turk ankommen, wir sind jedenfalls sehr gespannt, was uns auf der für uns völlig unbekannten Insel erwartet.

    ***

    Da mein Funk gestern Abend gesponnen und den Bericht ums Verplatzen nicht rausgeschickt hat, schreibe ich noch den Beginn von Tag 4 dazu.

    Immer schön vor dem Wind kreuzend, mit zahlreichen Halsen, sind wir durch die ansonsten wenig erlebnisreiche Nacht gesegelt. Die Sonne geht gerade auf, als wir auf den letzten Streckenabschnitt zu dem Ankerplatz vor Grand Turk eingebogen sind. Flach, sehr flach liegt die Koralleninsel im Meer; nur helle Lichter, Volker meint, das müssten Lagerhäuser oder Silos sein, haben uns schon in der Nacht den Weg gewiesen. Irgendwie ist der Skipper kein Fan von Grand Turk, jedenfalls behauptet er schon von weitem, dass das „hier alles häßlich ist“. Es ankert auch nicht ein Fahrtensegler dort, nur lokale Fischerboote und ein Ausflugskatamaran liegen fest an den heimischen Bojen.

    Nachdem auch in dem Ankergrund sich Sand mit Korallenblöcken abwechselt, verlassen wir diesen Ort und hoffen, dass wir in South Caicos noch rechtzeitig ankommen, um einklarieren zu können, denn ohne Einklarierung dürfen wir nicht von Bord. Natürlich liegt die Einfahrt zu South Caicos auf einem Vorwindkurs, aber die Halsen gehen inzwischen ja locker von der Hand.

    Und dann fällt der Anker im schönsten Türkis, das man sich vorstellen kann, vor South Caicos, nach drei Tagen, bis zu Grand Turk waren es exakt 72 Stunden gewesen, nun sind es vier mehr, aber wir sind angekommen!

  • Von St. Martin zu den Turks and Caicos 2. Teil

    Tag 1 Nachmittag und Abend und Tag 2 – auf See

    Bei Anegada, der östlichsten Insel der BVIs, der British Virgin Islands, hatten wir Telefonnetz über unsere Digicell-Karte, da konnten noch schnell ein paar Whatsapps empfangen und verschickt werden. Das finden wir immer noch blöd, dass man auf See nicht ebenso ein Telefon- und Internet-Netz hat, obwohl das doch bei den zahlreichen Satelliten im All kein Problem mehr sein dürfte. So gibt es nur das teure Satellitenhandy, und die ein bisschen altmodische aber natürlich im Kontakt mit meinen Intermar-Leuten auch charmante SSB-Kurzwelle.
    Um 22:55 wird der Gennaker geborgen, der Wind hatte auf ständig über 18 Knoten aufgefrischt. Später rollt Volker noch ein Stück von der Genua ein, plötzlich war es zuviel Wind. Aber es ist eine klare Nacht mit unendlich viel Sternen und einer dünnen Mondsichel, die uns bis 21:30 Uhr begleitet.
    Mittwoch, 4.5.2022, auf See,
    Wind NO um 4, sonnig mit einzelnen Wolkenfeldern.
    Heute morgen streikt plötzlich der Windmesser, auch blöd bei so einer Überfahrt. Wir sind schon fast deprimiert, aber glücklicherweise scheint er nach einem Aus- und wieder Einschalten der ganzen Navigationselektronik erholt, und entschlossen zu sein, doch wieder ordentlich zu arbeiten. Und am Herd spinnen die Gasplatten, die eine geht immer wieder aus, hier hilft es, dass Volker die obere Abdeckung abschraubt und alles sauber macht.
    Nach dem ersten Kaffee schlafe ich nochmal ein bisschen, wir frühstücken erst um 11:00 Uhr, aber dann ausiebig. Das ist ja sowieso eher unsere Zeit, mehr Brunch als Frühstück.Der Wind bleibt bei konstanten 16-19 Knoten, die Wellen haben weiße Pferdchen, Schaumkronen. Um uns herum ist nicht viel los, wir sind jetzt auf der Höhe zwischen Puerto Rico und der Dominikanischen Republik, aber beide Inseln sind viel zu weit entfernt, als dass man auch nur Umrisse sehen könnte.
    Ab und an kreuzt ein Tanker, ein Frachter oder ein Kreuzahrtschiff unseren Weg, aber bisher war das wirklich sehr vereinzelt, ich habe zwei Tanker, ein Passagierschiff und ein unbekanntes Boot auf dem AIS gesehen, aber das war’s. Seit 14:30 Uhr fährt tatsächlich ain Segelboot neben uns, also in sechs Meilen Entfernung, die „Tika Dika“. Aber sehen können wir sie nicht. Später sind wir uns näher gekommen, die Wege kreuzen sich, und jetzt, um 20:30 Uhr fahren wir nebeneinander, mit einem Abstand von fünf Meilen
    Mittags setzen wir wieder den Gennaker, der Wind hatte nachgelassen, und mit Code D sind wir einfach viel schneller unterwegs. Gegen 16 Uhr hat sich eine große Front gebildet, hinter uns auf der Steuerbord-Seite, genau da, wo der Wind herkommt. Wir beobachten die Wolken, prüfen Im Radar, ob es ein Squall ist, dann sollten wir noch schnell den Gennaker bergen,.Aber es geht alles gut, nur ein ordentlicher Regenschauer geht auf die Hexe runter, da freut sich der Skipper, denn dabei wird das Salz der letzten Tage abgewaschen.
    Doch ungefähr eine Stunde später frischt der Wind bis auf deutlich über 20-22 Knoten auf, nun wird es aber Zeit. Damit in dem Leichtwindsegel beim Einrollen kein zu großer Druck aufgebaut wird, macht Volker die Motoren an, und wir rollen die Genua aus, damit wir den Gennaker in Lee des Vorsegels bergen können.
    Zum Abendessen gibt es Kartoffeln und Gulasch, jetzt darf der Skipper eine Runde schlafen, ich schreibe diesen Bericht hier fertig und hoffe, dass meine Kurzwelle mitspielt und ich in noch in unseren Blog setzen kann.
    Noch 212 Meilen bis zur Ankerbucht auf Turk.

  • Von St. Martin zu den Turks and Caicos – Tag 1

    St. Martin Marigot Bucht, 06:50 Uhr

    Nun haben wir eine längeren Ruhepause auf des Skippers neuer Lieblingsinsel St. Martin hinter uns und machen uns auf zu neuen Ufern. Zum Trost hat Volker ein T-Shirt bekommen mit dem Inselslogan

    One Love
    One Life
    One Island
    St. Martin

    Spaß beiseite, wir haben die Zeit auf der Insel sehr genossen, Fast sechs Wochen waren wir hier, haben kleine Törns in wunderschöne Buchten gemacht, Sabrina und Matthijs aus Holland, Sabine aus Darmstadt, und Larissa und Johannes sind zu Besuch gekommen. Nebenbei haben wir zahlreiche neue Freundschaften mit anderen Seglern geschloissen, und liebe altbekannte Freunde wieder getroffen. So hatten wir die meisten Abende in Gesellschaft verbracht, ob auf unserem Boot zum klassischen „Champagne Friday“, auf anderen Booten und besonders gerne im Lieblingsrestaurant mit fast täglicher Lifemusik und einem Dighy-Steg zum Festmachen, dem Dock 46.
    Kurz: Es war immer was los! Jetzt sind wir auf uns allein gestellt, zweieinhalb bis drei Tage werden wir brauchen zu den Turks. Das ist der südöstlich gelegenere Teil der Inselgruppe Turks & Caicos. Wir sind sehr gespannt darauf, die Insel kennenzulernen, aber auch, ob das alles klappt mit dem Einklarieren, und wo man dort ankern kann, und wie der beste Weg zum Ankerplatz ist, denn es gibt nicht viel Literatur über diesen Meeresfleck, und in unserer Bordbibliothek ist auch nichts dazu vorhanden. Das weltweite Netz gibt ein paar allgemeine Informationen, wir werden auf jeden Fall berichten.
    Kurz nach sechs heute Morgen sind wir hellwach nach einer unruhigen Nacht – wie immer vor einer längeren Fahrt. Es dauet nicht lange, dann ist der Anker oben und die Segel gesetzt, zunächst Groß und Genua in Reff 1. Sobald wir aus der windigen Zone zwischen St. Martin und Anguilla raus sind, flaut der Wind ein bisschen ab, Volker denkt schon an den Gennaker, aber da es immer zwischen 16 und 18 Knoten hat, ziehen wir es vor, die beiden Reffs auszuschütten und sind schnell genug unterwegs. Die Hexe segelt immer zwischen sieben und acht Knoten, das reicht uns erst einmal, wenn es den Skipper nachher in den Fingern kribbelt, können wir immer noch den bunten Gennaker setzen.
    Von dem Ankerplatz vor St. Martin bis zu dem anderen (hoffentlich!) Ankerplatz nordwestlich der Hauptinsel Turk sind es 515 Seemeilen, und die Windvorhersage ist günstig. Nicht zuviel und nicht zuwenig, immer so an der Grenze zwischen Genua und Gennaker. Das Meer ist ruhig, nur die von Volker so geliebte atlantische Dünung schaukelt das Boot.
    Gegen 11:30 Uhr wird der Wnd immer weniger, 12, 13 Knoten, der Speed sinkt auf knapp über sechs Knoten. Jetzt muss der Gennaker doch ran. Zuerst ziert er sich ein bisschen, will sich nicht entfalten, aber nach ein paar Versuchen und ein paar mutigen Griffen von Volker gibt er auf, und nun zieht uns das rot-weiß-grüne Segel mit 9-11 Knoten Geschwindigkeit dem Ziel entgegen. Wenn wir so weiterfahren würden, wären wir schon in zwei bis zweieinhalb Tagen, also Donnerstag, irgendwann zwischen Nachmittag und Nacht am Ziel, das müssen wir dann kurz vorher gut timen, denn dort wollen wir auf keinen Fall in der Dunkelheit eine uns völlig unbekannte Ankerbucht finden müssen.

  • Karibische Erfahrungen

    Das Centre Hospitalier aus der Luft

    Eigentlich begann alles bei der Anästhesie: Zur Vorbereitung auf die Cardioversion, einen Elektroschock, um mein stolperndes Herz wieder in einen ordentlichen Rhythmus zu bringen, sollte ich mich bei der Anästhesie im örtlichen Krankenhaus, dem Centre Hospitalier vorstellen. Nachdem GoogleMaps mich zunächst einmal zum Personaleingang geschickt hatte, an dem Hühner fröhlich auf dem Hof herumpickten, und Eidechsen über den Weg liefen, fand ich mich schließlich am richtigen Eingang ein.

    Bei der Anmeldung musste ich auch gleich die heutige Konsultation bezahlen, 70€ war der Pauschalbetrag. Die Anästhesie teilte sich offensichtlich das Wartezimmer mit der Geburtshilfe, denn um mich herum saßen zahlreiche junge Frauen mit extrem runden Kugelbäuchen und mehr oder weniger glücklichem Gesichtsausdruck.

    Endlich holte mich die junge Anästhesistin in ihr Sprechzimmer, hörte sich mein Anliegen an … und schickte mich sogleich wieder weg. Sie brauche schon mehr als nur die Diagnose des Kardiologen. Ohne eine Anweisung, was geschehen solle, könne sie nicht arbeiten. Sie betonte immer wieder, dass, sollte etwas mit der Narkose schiefgehen, schlussendlich sie verantwortlich sei. Wer da nun verantwortlich ist, war mir eigentlich egal, es sollte nichts schiefgehen.

    Die knappe Anweisung reicht aus

    Da das Gespräch mit der Anästhesie mindestens 72 Stunden vor dem eigentlichen Eingriff am Donnerstag stattfinden sollte (es war bereits Montag mittag), musste ich mich direkt darum kümmern, denn sonst würde der Termin am Donnerstag platzen. Und dann wäre es erst zwei Woche später, der behandelnde Arzt hat Urlaub nach Ostern.

    Glücklicherweise war ich mit dem Auto hier, denn die Praxis des Kardiologen lag auf der anderen Seite von Marigot. Ich bin also geschwind dorthin gefahren, habe Dr. Kirkawi das Anliegen der jungen Frau erklärt, er hat mich zuerst verständnislos angeschaut, um mir schließlich ein Schreiben mit einem Satz und seiner Unterschrift aufzusetzen.

    Nun ging es wieder zurück zum Krankenhaus, ich musste es bis vor 13 Uhr schaffen, solange ging die Sprechstunde. In St. Martin ist am Tag immer Stau, denn in den engen Straßen parken entweder Autos auf der Fahrbahn, um schnell mal etwas abzuholen, oder auf jemand zu warten, oder auch nur, um einen Bekannten zu begrüßen. Das stört hier nicht, gehupt wird nur als Dankeschön, zum Beispiel, wenn ein Auto vorgelassen wird. Daher geht tagsüber alles ein bisschen langsamer. Nur die Motorradfahrer schaffen es schneller, denn die drängeln sich elegant in der Mitte der Fahrbahn hindurch.

    Keine falschen Nägel!

    Aber ich war rechtzeitig dort, und mit dem Schreiben war die Ärztin zufrieden, jetzt hatte sie die Anweisung, die sie brauchte. Nachdem alle Fragen beantwortet waren, bekam ich einen Zettel mit, zum Verhalten vor der OP, und was mitzubringen war, und was auf keinen Fall mitgenommen werden sollte. Konkret: Weder essen noch trinken ab Mitternacht, am Abend vorher und am Morgen duschen (?), Schmuck, falsche Finger- und Fußnägel zu Hause lassen, und pünktlich um 7 Uhr erscheinen, egal für wann der Eingriff angesetzt ist.

    Glücklicherweise war ich – entgegen Volkers Rat: „Da sitzt Du doch eh nur rum und wartest!“ – pünktlich dort. Denn die akribische Narkoseärztin hatte leider vergessen mir zu sagen, dass ich einen PCR-Test brauche, um in den OP-Trakt eingelassen zu werden. Ich solle doch mal eben in das Labor fahren, das liegt aber leider direkt neben der Praxis meines Kardiologen, also wiederum am anderen Ende der Stadt. Diesmal hatte mich Volker aber hergefahren, ich hatte also, oh je!, kein Auto hier. Nach Rückfrage war es in Ordnung, wenn die nette Schwester mir den Abstrich abnimmt, das Ergebnis ins Labor schicken lässt und die Ergebnisse per Mail zurückkommen.

    Der Weg vom Krankenhaus zum Labor

    So, jetzt hatte ich anderthalb Stunden frei, ich setzte mich draußen vor dem Haus in die Sonne, telefonierte mit Volker, der sich natürlich entsprechend aufregte, las ein bisschen in meinem Buch und beobachtete die Menschen, die ein- und ausgingen.

    Als ich mich pünktlich um 10:15 Uhr wieder auf der Station einfand, gab es zwar noch kein Ergebnis aus dem Labor, aber ich wurde trotzdem schon mal in ein Zimmer geführt, wo auf dem Bett das attraktive OP-Hemdchen lag, sowie blaue Plastik-Fußüberzieher und ein – noch – zusammengefalteter Haarschutz. Solange es keine weitere Entwicklung gab, konnte ich mich angezogen in den bequemen Sessel setzen und weiterlesen. Und es dauerte und dauerte, Volker, der ja gerade abwesend war, als die Geduld verteilt wurde, war wieder erbost am Telefon, und selbst ich mit meiner Engelsgeduld drohte sie zu verlieren.

    Um 11.25 Uhr kam Dr. Kirkawi und wunderte sich, dass ich noch nicht fertig vorbereitet im OP lag, aber wir mussten ihm leider mitteilen, dass das Ergebnis des Tests immer noch ausstand. „O lala, I have another patient just after you!“ Aber gegen ein fehlendes Testergebnis ist selbst der Doktor machtlos.

    Also warte ich weiter, aber nun im OP-Hemdchen, es ist ja warm hier in der Karibik, da macht das nichts aus. Nur die Plastik-Schuhe sind unangenehm, solange hier nichts passiert, lasse ich sie einfach aus, ebenso wie das attraktive Häubchen.

    Gegen 12 Uhr rennt freudestrahlend die Schwester ins Zimmer: „Das Testergebnis ist da, es geht los!“ Nun muss nur noch ein Pfleger kommen, der mich in meinem Bett zum OP-Trakt schiebt, gut zehn Minuten, kommt Gary mit den kunstvoll aufgetürmten geflochtenen Zöpfen und einem strahlenden Lächeln auf dem Gesicht. Als er erfährt, dass ich gut französisch spreche, aber Deutsche bin, möchte er ein paar Begriffe lernen, „Guten Tag“, „Vielen Dank“. „Wie geht es Dir?“, „Bitteschön“, etc. Im OP angekommen, spricht er die Begriffe in sein Telefon, um die Sätze demnächst auswendig zu lernen.

    So komme ich mit einem Lächeln auf den Lippen im Aufwachraum des Krankenhauses an, wo die Cardioversion durchgeführt werden soll, unter einer ganz leichten Propofol-Narkose. Die Schwestern hier tragen zwar ihre Haarnetze, aber darüber schöne bunte Tücher, und es läuft leise Lounge-Musik. So wird eine entspannte Atmosphäre hergestellt.

    Ich werde von einer sehr netten Schwester verkabelt, dann kommen der Anästhesist und der Doktor mitsamt dem „Stromstoß-Gerät“. Zunächst laufen alle etwas ratlos herum, weil die Anschlüsse nicht passen, der Anästhesist immer mit der großen Spritze, in der sich das Propofol befindet. Aber dann kommt eine Schwester, die sich offensichtlich auskennt, holt einen Adapter, und schon geht es los.

    Ich versuche mich zu konzentrieren, um genau zu merken, wann ich anfange einzuschlafen, merke noch, wie der Raum verschwimmt, dann bin ich auch schon weg. Wenig später erwache ich aus einem angenehmen Traum, kann mich aber anschließend nicht an den Inhalt erinnern, nur dass es interessant war.

    Ein Blick auf den Monitor neben meinem Kopf zeigt mir, dass mein Gefühl richtig war, das Herz schlägt im Sinus-Rhythmus, das Ganze ist geglückt. Die Schwester kommt und fragt, wie es mir geht. „Großartig,“ sage ich mit Blick auf den Monitor, „dann kann ich ja gehen.“ Ich muss leider noch ein bisschen warten, werde aber zwischendurch wieder in mein Zimmer gefahren, leider von einem etwas weniger unterhaltsamen Pfleger, Gary war wohl gerade in der Pause oder auf einer anderen Mission.

    Nach einer Dreiviertelstunde bekomme ich einen Zwieback und ein Päckchen “La vache qui rit“, darf gehen, aber nicht ohne vorher an der Anmeldung zu bezahlen, und das war’s.

    Trotz aller Pannen war ich sehr froh, mein Buch habe ich fast ausgelesen, der Zweck des der ganzen Aktion ist erreicht, und abgesehen von der Warterei war die Zeit eher unterhaltsam😉.

  • Spaßsegeln

    Klar kennen wir das alte Klischee von dem Segler, der am Sonntag mit seiner Süßen, falls die Winde wehen, segeln gehen möchte. Tatsächlich haben wir an den letzten beiden Sonntagen, einfach so zum Spaß, den Anker gelichtet und die Segel gesetzt.

    Sonntagsausflug

    Letzten Sonntag waren wir noch mit Freundin Sabine unterwegs, bei einem frischen Ostwind sind wir zu der Anse Marcel gesegelt, haben dort den Anker geworfen und ein bisschen an den Felsen und ums Boot herum geschnorchelt. Es gab auch einen kleinen Imbiss, und wir fühlten uns wie die Gäste auf den zahlreichen Tagesausflugskatamaranen. Genuss pur, ohne dass man irgendwann irgendwo irgendwie ankommen muss oder will.

    Pünktlich vor dem Dunkelwerden waren wir wieder zurück an unserem Ankerplatz in der Baie du Marigot, Zeit für einen Drink und das Abendessen in dem netten unprätentiösen Straßenrestaurant am Marktplatz.

    Der Ruf der Seejungfrau

    Am nächsten Sonntag sticht Volker wieder der Hafer, oder besser: Die Seejungfrau ruft.

    Die Windvorhersage ist gut, wenn auch ein bisschen leicht, um 12-16 Knoten aus Ost mit einem kleinen Schlag Süd, da kann man doch mal Spaßsegeln!

    Also wird der Anker gelichtet, sogleich das Großsegel gesetzt und die Genua ausgerollt, beides im 1. Reff, wir kennen inzwischen die Windsituationen an der Insel mit ihren Buchtflauten, Winddrehern und plötzlichen Fallwinden. Sogleich läuft die Hexe los, bei einem gemäßigten Amwindkurs gleitet sie mit fast acht Knoten dahin.

    Die schöne Anse Marcel liegt querab

    So segeln wir gemütlich bis zur Anse Marcel, plötzlich fragt mich der Skipper: „Wie weit ist es eigentlich um die ganze Insel?“ Das ist natürlich die richtige Aufgabe für mich, schon kann ich mich, statt draußen an der frischen Luft zu sitzen und am Ende auch noch Sonnenstrahlen abzubekommen, der Navigatoren-Arbeit hingeben, und verkünde kurz später das Resultat: „ca. 28 Seemeilen“.

    „Das machen wir“, sagt Volker, und schon haben wir eine Aufgabe. Wir kreuzen bis zur Nordostspitze mit der entzückenden vorgelagerten Insel und dem Riff, an dem wir noch vor zehn Tagen geankert haben. Weiter geht es mit halbem Wind, angenehmer Kurs, Richtung Süden.

    Volker möchte gerne mal wieder die atlantische Dünung unter dem Boot spüren, nicht immer nur die konfusen Wellen von den Schnellfähren

    Die Pelikaninsel

    Die Grenze zwischen französischem und niederländischem Teil der Insel ist auch von See aus leicht sichtbar: Im Süden, in Sint Maarten, stehen sofort Hotelburgen und keine kleinen, ein bisschen heruntergekommenen Häuser mehr. Trotzdem sind es wunderschöne Buchten, mit vorgelagerten Mini-Inseln, von denen ein Inselpärchen „Kuh und Kalb“ heißt, ein anderes „Henne und Küken“, außerdem ist da noch die Pelikaninsel, von der Volker sofort meint, dass das hiesige Bier „Pelican“ seinen Namen hat.

    Die Queen Mary 2 in der Groot Bay

    An der Südostspitze der Insel kann man schon die Schornsteine des Kreuzfahrtschiffes im Hafen der Groot Bay sehen, und als wir dann um die Ecke kommen, haben wir den Blick frei auf das große Kreuzfahrtschiff „Queen Mary 2“.

    Noch sind die Flugzeuge am Boden

    Ab hier kreuzen wir vor dem Wind, wir haben bestimmt zehn Halsen gefahren, vorbei an den vier kleineren Buchten, an der weiten Simpson Bay und dem Juliana-Flughafen, wo die Flugzeuge fast direkt über den Maho-Strand fliegen, damit sie die aufgrund der geographischen Bedingungen kurze Landebahn ausnutzen.

    Wunderschöne Strände, menschenleer

    An der Halbinsel Terres Basses gibt es die schönsten weißen Strände von Sint Maarten und St. Martin, leider ist diese Seite nicht von Land aus zugänglich, denn hier sind die Anwesen des Geldadels angesiedelt, sowie das einzige 5-Stern-Hotel. Wir haben es mit dem Auto probiert, ohne Erfolg, aber nun segeln wir daran vorbei und haben freien Blick.

    Danach gibt es eine letzte Kreuz bis zum Ankerplatz in der Bucht von Marigot, schon haben wir die Insel unter Segeln umrundet, 32 Seemeilen in nicht ganz fünf Stunden, bei eher wenig Wind, und es hat viel Spaß gemacht, das alles mal von See aus zu sehen.

  • Montserrat nach St. Eustatius

    Sonntag 20. März 2022, 06:20
    Ankerplatz in Little Bay auf Montserrat –  am Anker vor Oranjestad auf St. Eustatius, 13:00
    Barometer 1014, Wassertemperatur 25,8 Grad, Wind Ost 20-30 kn, die See 2-2,50 m
    Pünktlich um 6 Uhr klingelt der Wecker, alle hüpfen aus den Betten um 06:30 sind die Motoren an, und der Anker wird gelichtet. Bei 7 Beaufort und wilden Wellen geht es gleich los, bis zu der kleinen unbewohnten Insel La Redonda bleibt das auch so, danach lässt der Wind nach auf 5-6, und die Wellen werden etwas niedriger.
    Aber das ist nur von kurzer Dauer, nachdem wir Redonda um 07:30 wieder verlassen haben, sind wir wieder ungeschützt den Wellen des Atlantiks ausgeliefert. Es wird eine wilde Rauschefahrt, mit seitlichen Wellen, die das Boot gut durchschütteln. Deshalb gibt es auch erst dann frischen Kaffee und Tee, als wir hinter der Insel Nevis waren, denn dort wurden die Wellen kleiner. Und dann kamen auch erst die Brötchen in den Ofen, so lange durfte des Teig noch gehen.
    Frühstück gibt es wie immer auf Überfahrten aus der Hand, an Steuerbord liegen die Inseln Nevis und St. Kitts, daran fahren wir heute vorbei, wir wollen den größeren Schlag wagen bis St. Eustatius, das zur niederländischen Krone gehörte, und hoffentlich wieder europäisches Netz hat.
    Doch Pustekuchen! Zunächst sind wir oder vielmehr die Navigatorin ein wenig verwirrt von der Ölpier, der Ankerplatz ist früher als gedacht querab, aber doch gut geschützt und vor ein paar netten Häusern. In der Oberstadt befindet sich auch ein Fort und der Friedhof, unterhalb des schon länger erloschenen Vulkans mit einem beeindruckenden weithin sichtbaren Krater. Dort sollen die Einheimischen in hellen Vollmondnächten Landkrebse fangen. Kann ja lecker sein…
    Ordentlich wie wir sind, hissen wir nach dem Ankern die gelbe Quarantäne- und die holländische Gastlandflagge, um 13.00 Uhr waren wir angekommen, ich rufe Port Control, um nach der Einklarierung zu fragen. Au weia!
    Zunächst muss ich Fragen beantworten zum Woher und Wohin, und ob wir alle geimpft sind, und ob wir denn das Esha-Formular ausgefüllt hätten. Was denn bitte für ein Esha-Formular? Das braucht man, um auf Statia, wie die Insel genannt wird, einzuklarieren, und man kann und sollte es im Internet ausfüllen. Glücklicherweise kann Matthijs einen Hotspot machen, sonst hätten wir gar kein Internet gehabt.
    Also rufe ich die angegebene Seite auf, beginne all die Angaben zu machen, nicht nur die Passnummern aller Mitsegler, auch Ausstellungsdatum und -ort, dazu noch Telefonnummern und Email-Adressen und Geburtsort und -tag, und die Impfzertifikate, und den letzten Covid-Test und den letzten Hafen. Und wann wir St. Eustatius wieder verlassen wollen, und wo wir hier wohnen, und wie wir hergekommen sind, und wie das Boot heißt, und und und. Das wird dann per Internet gesendet und angeblich bekommt man innerhalb von 24 Stunden Bescheid, ob man an Land darf oder eben nicht.
    Wir bekommen alle sogleich eine Bestätigung, dass der Antrag eingegangen ist, und danach soll eine vorläufige Aufenthaltserlaubnis ebenfalls per Mail geschickt werden, mit der darf man zur Port Control und danach wahrscheinlich in die Kneipe.
    Matthijs bekommt einen Anruf, die Tests seien zu alt, wir müssen leider draußen bleiben. Wer meinen Käptn kennt, weiß, was jetzt für böse Wörter durch die Gegend geflogen sind. Dann gibt es eben kein Geld für den Wirt des heimischen Restaurants, wir fahren morgen weiter nach St. Martin!
  • Nachtrag zu Montserrat

    Nachdem die Insel in der jüngeren Vergangenheit von einem Hurrikan und zwei Vulkanausbrüchen gebeutelt war, sind heute dort im Wesentlichen kahle Erde, die gerade mal von grünen Flechten bedeckt ist, und die Ruinen von unzähligen Häusern zu sehen. Einst war die Insel als das Irland der Karibik bekannt, die weißen Siedler kamen auch von dort und das Land war grün, die Vegetation üppig.
    1989 zerstörte Hurrikan Hugo 95% aller Häuser, 1995 brach der Vulkan La Souffrière aus, und machte weite Teile der Insel völlig unbewohnbar, 1997 legte eine glühende Lavadusche die Hauptstadt Plymouth in Schutt und Asche. Heute leben an die 4.000 Menschen auf der Insel, ein bisschen Landbau gibt es wohl auf der östlichen Seite. Der Süden ist völlig unbewohnbar, die Gefahr weiterer Ausbrüche immer noch vorhanden, deshalb wird von Reisen nach Montserrat abgeraten.
    Selbst jetzt, als wir an dem Vulkan vorbei segelten, konnten wir unter den Wetterwolken auch gelbe sehen, und es roch ganz stark nach faulen Eiern, also nach Schwefel.
    Matthijs drückte aus, was wir alle fühlten: “Da wird man ganz still, wenn man diese Bilder sieht.”“
    Mittags waren wir in der Old Road Bay angekommen zum Ankern, leider hatten die Customs Officers am Wochenende nicht frei, sie kamen mit dem Schlauchboot und fragten nach Papieren und Pässen aller Personen an Bord. Nachdem sie verkündet hatten, dass wir wegen Covid nicht an Land dürfen, schickten sie uns tatsächlich nach Little Bay, denn nur dort dürfe man ankern, dort sei man vor dem Vulkan sicher.
    Nun gut, wir segelten noch die fünf Meilen bis dorthin, dann fiel der Anker in der leeren Bucht, und wir verbrachten einen netten Abend an Bord.