Autor: Hexymama

  • Für Leib und Seele

    Ein Gambaspieß für kleine Teufel

    Am letzten Wochenende im November fand auf Lanzarote ein großes Food Festival statt, die „Saborea“. Auf dem Freigelände rund um die Kirche von Teguise, stellten mehr als 90  Aussteller ihre Produkte vor. Laut Schätzungen sollen es Samstag und Sonntag ungefähr 40.000 Besucher gewesen sein, es war ganz schön voll auf dem Markt. Für den Weg dorthin mussten wir, Elke, Petra, Cerstin, Rolf, und ich ganz schön weit draußen parken, weil fast alle Besucher mit dem Wagen ankamen. Eigentlich war das gut so, denn wir hatten zwar nicht gefrühstückt, aber so kamen wir wirklich mit einem Bärenhunger an, und es dauerte nicht lange, bis wir an einem der ersten Stände deren Köstlichkeiten probieren konnten.

    Ein Saucen-Brunnen

    Die Aussteller zeigten Waren aus ganz verschiedenen Bereichen, die Bodegas stellten ihre Weine vor, verschiedene Käsereien boten Proben ihrer Kunst an, und zeigten, wie ihre Käse gemacht werden, Spezialisten für die „Süße Küche“ waren ebenso dabei, man konnte die vegane Küche auf die Probe stellen, oder einfach bei über 40 lokalen Restaurants und Gastro-Hotels ihre Spezialitäten probieren.

    Daneben gab es ein umfangreiches Programm: Verschiedene Küchenchefs, nicht nur aus Lanzarote, sondern auch aus Portugal und sogar von Island, boten Show Cooking an. Es gab Seminare für die Käseproduktion, „Wie wird Wein angebaut und verarbeitet“, Alternativen für die vegane Küche, etc.. Es wurden Vorführungen abgehalten, z.B. wie man am besten welchen Fisch kocht, oder was man beim Fleischkauf beachten sollte.

    „Every Day has a Story“ Foto von Dmytro Schnaider

    Auch das Kulturprogramm kam nicht zu kurz. Für die kleinen Gourmets gab es einen Geschichtenerzähler, eine Talkshow in Verbindung mit den besten Bodegas von Lanzarote. Bei einem Fotografen, der seine Werke auf große Formate gedruckt anbot, wurde unsere Freundin Elke schwach, und erstand ein sehr besonderes Motiv der Insel aus der Höhe fotografiert. Ich hadere noch mit mir, ob ich nicht ebenfalls ein solches Bild erstehen will, die Motive sind schon sehr besonders.

    Das Konzept war unkompliziert: An zahlreichen Stellen rund um die Kirche konnte man Tickets kaufen, für einen Euro pro Ticket, und mit diesen dann an den jeweiligen Ständen bezahlen.

    Einfache, kleine Essen wie kleine Scheiben Brot mit köstlichem Belag zwischen einem und zwei Tickets, ausgefallenere Häppchen mit bestem Rindfleisch, Fisch, Meeresfrüchten eher drei Euro. Ebenfalls drei Tickets brauchte man für ein Glas Wein, gut eingeschenkt, und für zwei weitere Euro konnte man das Glas mitnehmen, entweder nur bis zum nächsten Stand, um dort zu probieren, oder auch zum Mit-nach-Hause-nehmen. Wir haben jetzt drei neue Gläser!

    Wir haben uns jedenfalls den Bauch voll geschlagen, und zum Abschluss bei zwei Bodegas deren Weine probiert, gut dass Rolf, der Biertrinker uns zum Boot zurück gefahren hat.

    Und hier ein paar Fotos, die Cerstin uns zur Verfügung gestellt hat. Danke, Cerstin!

  • Bei der Tierhilfe „Sara“ auf Lanzarote

    Am gestrigen, eher kühlen Samstag fahren Maren von dem Katamaran “Nica“ und ich zu der „Tierhilfe Sara“. Letzte Woche, an Allerheiligen, waren wir schon einmal dort, standen aber leider vor verschlossenen Türen, wegen des Feiertages. Eine freundliche Helferin erklärte uns damals, dass sie heute nur zum Putzen und Füttern gekommen ist, aber wir sollten wochentags oder Samstag wieder kommen, dann könnten wir mit den Hunden spazieren gehen. Nun sind wir eben am Samstag gekommen und bringen ganz viele Bilder mit, deshalb ist der Bericht ein wenig mit Fotos überlastet. Ich denke, die Bilder sprechen für sich. Danke an Maren für ganz viele der Fotos.

    Auf der Insel leben so viele Hunde und Katzen auf der Straße, vernachlässigt und meist abgemagert, oft werden sie furchtbar schlecht behandelt und verjagt. Bei Sara kümmert man sich um diese Tiere, sie werden von Menschen eingesammelt und in das Tierheim gebracht, das sehr sehr stark auf die Mitarbeit von Freiwilligen angewiesen ist. Die Käfige müssen schließlich jeden Tag, auch am Sonntag und feiertags, wenn keine Besucher kommen können, gereinigt werden, und auch das Essen muss verteilt werden. Für Spenden werden Spardosen in Geschäften aufgestellt, Geldspenden, aber auch Sachspenden, z.B. Büromaterial, sind herzlich willkommen. Ohne diese Zuwendungen könnte das Tierheim nicht überleben.

    Derzeit befinden sich laut Angaben der Tierhilfe ca. 80 Hunde in dem Gelände sowie viele Katzen, die alle liebevoll versorgt werden.

    War an Allerheiligen nur noch ein einziges anderes Auto mit uns auf dem Parkplatz, so hatten wir heute Mühe, überhaupt noch einen Abstellplatz für unser Auto zu finden. Hinter dem Gebäude gab es einen Flohmarkt, und am Eingang warteten schon mehrere Menschen auf einen Hund, um diesen ein bisschen auszuführen. Unter der Woche sei es viel ruhiger, sagte uns eine Mitarbeiterin, da seien sie froh um jeden Besucher, der mit einigen Tieren spazieren geht.

    Wir hatten trotz der vielen Besucher dennoch Glück und bekamen, zusammen mit einer Spanierin und ihrem Sohn, eine Führung durch die Anlage, konnten alle Tiere in ihren Käfigen sehen, und auch bemerken, wie sauber alles war. Die Tiere sind gut versorgt, aber leider es gibt viel zu viele und sie bräuchten viel mehr Auslauf, denn hier drin sind sie nur in den Käfigen und schauen auf grüne Wände. Man kann nur hoffen, dass viele von ihnen bald ein Zuhause finden.

    Natürlich war ein unglaublicher Lärm, fast alle Hunde bellten, wenn fremde Menschen vorbei kamen, und manchmal auch einfach nur so. Die Hunde werden meist zu zweit oder dritt in ihren Käfigen gehalten und sie scheinen sich sehr gut zu vertragen. 

    Es wohnen hier Podenkos oder Bardinos, beides spanische Jagdhunde, und ebenso viele von ihnen gemixt mit irgendeiner anderen Rasse. Natürlich gibt es auch Hunde, die offensichtlich aus allen möglichen Rassen stammten, ebenso Kampfhunde und deren Mischformen.

    Uns hatten es besonders zwei eher kleine Hunde angetan, so bekamen wir Vito und Jackie, beides Terrier-Mix, unkastrierte Rüden, die sehr vertraut miteinander umgingen. Auch sie werden zusammen in einem Käfig gehalten. Natürlich mussten sie überall markieren, und so zeigen, dass sie hier gewesen sind. Wir waren sofort verliebt in die beiden Kleinen, und machten einen ausgiebigen Spaziergang mit ihnen.

    Maren ist Hundetrainerin und sie erzählte mir während des Spaziergangs ganz viel von ihrer Arbeit mit oft anscheinend schwierigen Hunden. „Eigentlich sind es die Menschen, die schwierig sind, und die muss man erziehen, damit sie ihre Hunde besser verstehen und anleiten können!“, sagte sie.

    Auf ihren Vorschlag hin setzen wir uns nach der Hälfte des Weges gemeinsam auf einen Stein, spielen mit den beiden und streicheln sie ausgiebig. Beide Hunde scheinen direkt Zutrauen zu uns zu haben, sie kommen auf den Schoß oder legen sich entspannt bei uns ab. Man hatte uns gsagt, dass die beiden schon etwas älter seien, aber sie benahmen sich wie Hunde in den besten Lebensjahren. Nach vierzig Minuten sollten wir sie spätestens wieder abgeben, und mir brach es sofort das Herz, dass ich Jackie nicht mitnehmen konnte.

    Es war noch ein bisschen Zeit, bis das Tierheim um 13 Uhr schloss, so holten wir noch Sura, eine etwas üppige Bardino-Mischung, die ganz ruhig neben uns her ging. Um ein Uhr mussten alle Hunde wieder bei „Sara“ abgegeben sein. Wir werden bestimmt nächste Woche wieder kommen, Volker wäre schließlich auch sehr gerne mit gegangen, aber heute waren noch einmal die Handwerker an Bord, und so musste er im Hafen bleiben.

    Hier der Link zu der Webseite der Tierhilfe Sara:
    https://www.tierhilfe-sara-lanzarote.com/index.php

  • Pustekuchen

    Ich hätte mir besser das „es bleibt spannend“ am Ende meines letzten Beitrages verkniffen. Nun sind wir ja schon seit einigen Tagen zuhause, und können etwas emotionsloser über die Ereignisse berichten.

    Einen Tag, bevor die Hexe ins Wasser gehen sollte, ist ein großes Missgeschick passiert. Beide Ruder waren am Mittwoch Nachmittag eingebaut worden, jedoch ohne die Ruderquadranten zu montieren. Nun war leider beim Einbau des Backbord-Ruders ein Delrin Gleitring vergessen worden. Bei der Korrektur wurde versehentlich die Rudersicherung gelöst und – zack – das Ruder fiel raus, auf den Asphalt unter dem Boot. 

    Ich hatte die Leckereien für die Freitag-Abend-Feier im örtlichen Supermarkt eingekauft und war gerade dabei, alles an Bord zu tragen, um Bier, Wasser, Cava und Wein in den Kühlschrank zu bringen. Ich stand am Kofferraum des Wagens, mit dem Rücken zum Boot, als es plötzlich dieses schreckliche Geräusch gab. Auf der Stelle war mir klar, dass das gar nicht gut sein kann, ich drehte mich ahnungsvoll um, und sah das Ruder auf dem Boden liegen.

    Zunächst schien es so, also ob mit dem Ruder nichts passiert sei, nur das glutneue Ruderlager war zerbrochen und lag in seine Einzelteile zersplittert auf dem Boden. Doch dann stellte sich heraus, dass das Ruderblatt an der Vorderkante aufgeplatzt war. Also musste das schon mal neu laminiert werden, anschließend wieder den Coppercoat-Anstrich bekommen und drei Tage trocknen. Das schien zunächst das größere Übel zu sein, denn es kostet natürlich wieder Zeit. Aber dank des großen Einsatzes von Sandy und Wes, die über das Wochenende diesen Schaden behoben haben, war die Wartezeit deutlich verkürzt worden.

    Doch das Ruderlager! Auf den Kanaren war kein passender Ersatz zu finden, also musste das Ruderlager  von Outremer aus Frankreich kommen. Nun sind Lieferungen vom europäischen Festland zu den Kanaren meist sehr zeitaufwändig, also versuchte man es mit einem speziellen Paketdienst, der für den Versand zu den kanarischen Inseln zuständig ist. Aber leider konnten oder wollten diese das Ruderlager am Freitag Nachmittag nicht mehr in La Grande Motte abholen, und wie das in der nächsten Woche aussieht, wusste auch keiner. Also hatte Wes sich überlegt, nach Barcelona zu fliegen, und dann mit dem Leihauto weiter nach La Grande Motte zu fahren um das Ruderlager direkt bei Outremer abzuholen.

    Im Flieger

    Nun wollte ich ja auf jeden Fall am Sonntag nach Hause fliegen, und Volker war schon ganz traurig, so lange alleine auf Lanzarote bleiben zu müssen, wenn er ja sowieso in den nächsten Tagen nichts zum Fortschritt der Reparatur beitragen kann. Deshalb kam ihm die Idee, er könnte doch mit mir nach Hause fliegen. Das hätte zwei Vorteile, wir würden unsere, von langer Hand  geplante Woche mit Enkeltochter Zoey verbringen können und der Ersatzteilversand von Frankreich nach Deutschland würde mit Expresslieferung nur wenige Tage dauern.

    Also saßen wir beide am Sonntag im Eurowings Flieger, sind pünktlich um 22:40 in Frankfurt gelandet, Larissa holte uns dankenswerterweise ab. Am Flughafen folgte die nächste Katastrophe: Die Hälfte der Passagiere  waren schon mit ihren Koffern nach Hause gegangen, für uns andere hieß es: „Die Koffer kommen gleich.“ Dann, inzwischen war es 14 Minuten nach Mitternacht, kamen zwei verschüchterte Gepäck-Mitarbeiter, und sagten, dass die Koffer heute nicht mehr kämen. Volker hat das lautstark für alle Anwesenden verkündet, und wir erlösten Larissa, Johannes und Nana von der langen Wartezeit. Unglaublich!

    Am Montag holten wir Zoey bei ihren Eltern ab, zum Urlaub bei den Großeltern. Auch die Urgroßmutter kam für die nächsten Tage dazu, so hatte das Kind alle erdenkliche Aufmerksamkeit und sehr vergnügliche Tage.

    Am Dienstag kam, nach einer rekordverdächtig kurzen Lieferzeit, das ersehnte Ersatzruderlager von Outremer an, und wir buchten den nächstmöglichen Rückflug für Volker nach Lanzarote. Der ging am Donnerstag und verlief jedoch auch nicht hürdenfrei (befinden wir uns etwa in einer Pechsträhne???). Nach zwei Zwischenstopps und 14 Stunden Reisezeit landete der Skipper nebst Ersatzteil spätabends in Arrecife und verbrachte die Nacht im Gästezimmer von Wes und Roisin.

    Am nächsten Morgen wurde das reparierte Ruder eingebaut, die Ruderquadranten montiert und endlich schwebte die Hexe sicher in den Gurten des 850-Tonnen-Krans liegend ihrem angestammten Element entgegen.

    Sechs Wochen Werftzeit liegen nun endlich hinter uns. Das Segeln nach Calero entschädigte schon mal für Vieles. Jetzt liegt unser Boot gut vertäut im Hafen. Sonntag ist Volker wieder nach Frankfurt zurück geflogen. 

    Entwarnung gib es auch beim Koffer, der kam am vergangenen Samstag wohlbehalten und vom Paketdienst geliefert, zuhause an. Selbst der eingeschweißte Käse und die Wurst haben die sechstägige Lieferverspätung schadlos überstanden.

    Es gibt jetzt am Boot vor der nächsten großen Herbstreise immer noch einiges zu tun, der Watermaker soll aus dem Motorraum unter das Gästebett verlegt werden, die Fernbedienung für den Reserveautopilot muss eingebaut werden. Auch der Hydrogenerator muss nach der Reparatur wieder komplett montiert werden, die neu angefertigte Abstellfläche in der Dusche eingeklebt werden, das gerichtete Leitblech vom Anker  wieder montiert werden. Mehr noch: Der Riss von der Segelpersenning muss genäht werden, der Anschluss vom Backbord Dieseltank neu eingedichtet werden. 

    Deswegen hat der Käptn nur einen kurzen Sommerurlaub in Deutschland geplant und wird Anfang September schon wieder zum Boot zurück fliegen, um dann vielleicht Ende September nochmals ein paar Tage in Deutschland verbringen zu können.

  • Noch steht die Hexe hoch und trocken …

    Immer noch an Land

    … auf der Werft in Arrecife, aber nun tickt die Uhr: Am Freitag soll sie zurück in ihr Element.

    Es war eine lange Zeit, seit 3. Juli, nunmehr über fünf Wochen, ist das Boot aus dem Wasser, und wir sind sozusagen wohnungslos. Nicht obdachlos, aber ohne die gewohnte Umgebung, zunächst in der Ferienwohnung, nunmehr im Hotel, wahrscheinlich wird es sich ganz komisch anfühlen, wenn wir wieder in unsere gewohnten Betten sinken werden.

    Apropos Freitag Abend: Zur Feier der Rückeroberung unserer Heimat wollen wir natürlich nicht versäumen, unseren traditionellen Champagne Friday – hier eben mit Cava – und ganz vielen derzeit hier weilenden Freunden zu feiern. 

    Pina Colada im Upperdeck: Abendliche Belohnung für die harte Arbeit

    Es waren harte Zeiten in der Werft, natürlich vor allem für Volker, der jeden Tag mitgearbeitet hat, egal ob geschliffen werden musste, oder gespachtelt, wieder geschliffen, dann  Coppercoat aufgetragen wurde,  er war immer in der ersten Reihe mit dabei. 

    Manchmal durfte ich – wie berichtet – kleinere Besorgungen übernehmen, oder auch mal einen Tag die Kupferfarbe für den Unterwasseranstrich anrühren. Ansonsten beschränkte sich meine Mithilfe auf das Kaffeetrinken mit meinen Freundinnen Inge-Lore und Ulrike samt Hund Nelly, und eventuelle organisatorische Tätigkeiten wie die Verlängerung des Leihautos, Buchung des Hotels, nachdem wir aus der Ferienwohnung ausziehen mussten, das Informieren der Marina in Puerto Calero, sowie das Buchen des Heimflugs. Und natürlich kam die liebevolle Pflege des von schwerer Arbeit gezeichneten heimgekehrten Skippers hinzu, er wurde angemessen bedauert, Nacken und Schultern massiert und in das wohlverdiente Nachmittagsschläfchen gestreichelt.

    Letzte Feinarbeiten

    Zurück zu ernsthaften Dingen: Wenn es darum geht, den Rumpf der Hexe zu bearbeiten, vorher das Klebeband anzubringen, ganz gerade, damit das Gelcoat oberhalb des Wasserpasses nicht mit bearbeitet wird, da wünscht man sich, das Boot wäre nur halb so groß und ein Rumpf würde auch ausreichen.

    Über die Vorarbeiten für den Unterwasseranstrich, Schleifen, spachteln, etc. haben wir bereits im letzten Beitrag berichtet, nun sollte der Anstrich mit dem Coppercoat folgen. Das ist extrem anstrengend. Die Kupferfarbe trocknet sehr schnell, infolgedessen waren 5-6 Menschen nötig, um eine 18 Meter lange Seite zu streichen, denn nach 30 Minuten muss der nächste Anstrich drauf. Und so geht das, bis sieben Lagen aufgetragen sind. Dazu kommt, dass alle  Nase lang neue Farbe gebraucht wird, und immer wieder frisch angemischt werden muss.  Natürlich sollte auf jeden Fall ein Mundschutz getragen werden, weil das Zeug nicht gesund ist, wenn man es einatmet, vor allem der Kupferstaub schädigt die Lunge. Das macht im derzeit heißen Klima von Lanzarote auch nicht soviel Spaß.

    Zu allen Arbeitsschritten und den Details wird sicher Volker demnächst einen separaten Blog schreiben, ich habe hier nur als Anschluss an den letzten Film eine kurze Episode über den Anstrich gemacht. 

    Am Freitag soll alles fertig sein, die Hexe hoffentlich zurück im Salzwasser, doch es bleibt spannend.

  • Die Hexe in der Werft in Arrecife

    Seit nunmehr exakt vier Wochen steht unsere Hexe an Land. Wir beiden haben Asyl in der Ferienwohnung einer Freundin gefunden. Dank Claudia können wir – zumindest die Abende und Nächte – in unserem geliebten Puerto Calero verbringen.

    Nach vielen und aufwändigen Reinigungsarbeiten an unserem Boot, mit einem Hochdruckreiniger zum Abspülen von Algenschleim und Muschelresten, und dem anschließend – betäubend lauten – Sandstrahlen, begannen die eigentlichen Arbeiten.

    Einen Teil davon haben wir mit der Kamera festgehalten, und ich habe daraus einen kleinen Film geschnitten, der auf YouTube zu sehen ist. 

    Bitte klicken, um das Video anzuschauenhttps://youtu.be/oGvubFFO3WI

  • Wochenendausflug

    Nach der Bergbesteigung (siehe letzter Blogbeitrag) des Skippers auf dem Werftgelände von Arrecife soll ein erholsames Wochenende  folgen. Ab Freitag 16 Uhr wird geschlossen, keiner darf auf dem Gelände sein, geschweige denn dort arbeiten. 

    Also habe ich bereits am Mittag Kleider, Badeanzüge und Ladekabel für die Telefone eingepackt, auch die Zahnbürsten und das Shampoo nicht vergessen, sodass wir uns direkt nach getaner Arbeit –  okay, nach der Dusche – auf den Weg nach Playa Blanca machen können. Ab dort geht die Fähre nach Corralejo auf Fuerteventura. Da wir nicht wussten, wann wir in Arrecife los kommen, haben wir im Vorhinein kein Ticket gebucht, aber das Glück war mit uns, das Schiff der Fred-Olsen-Linie legte zehn Minuten nach unserer Ankunft ab, ich schaffte es gerade noch, Fahrkarten für uns und unseren Leihwagen zu ergattern, dann fuhren wir damit in den Bauch des Bootes ein, und genossen die halbstündige Fahrt zur Nachbarinsel von Lanzarote auf einem Logenplatz in der ersten Reihe am Bug der Fähre.

    Meer- und Poolblick

    Auf Empfehlung von lieben Freunden geht unsere Fahrt Richtung Süden, dort gäbe es ausreichend Hotels, in denen die zwei Erholung suchenden Bootsgebeutelten für ein Wochenende eine Auszeit nehmen können. Im Hotel Faro Jandia, direkt bei dem großen Leuchtturm finden wir ein wunderschönes Zimmer mit Meer- und Poolblick. Mit gut bestücktem Frühstück nach ausgiebigem Schwimmen im am Morgen völlig leeren Pool, einem netten Snack am Mittag, und einem üppigen Abendessen waren wir „pumpelsatt“. Der Verdauungsspanziergang auf der Straße vor dem Hotel endete mit einem kleinen Ausflug in einen Spielsalon.

    Flipper – lange nicht mehr gespielt

    Wir haben uns noch an der Life-Musik-Darbietung erfreut, eine Band spielte die bekannten Standards der Jazz und Rockmusik, mit eingestreuten uns unbekannten spanischen Liedern. Der Hotel-Manager zeigte seine Fähigkeiten als Saxophon- und Querflöten-Soloist. Der Beifall des Publikums war der Band sicher, am Ende wurde sogar getanzt.

    Fuerteventura ist ähnlich wie Lanzarote und doch ganz anders. Beide Inseln sind vulkanischen Ursprungs, nur hat Fuerteventura keinen schwarzen Gesteinsboden wie Lanzarote, im Norden Fuerteventuras ist die Landschaft eher rostrot, im Süden findet man auf beiden Inseln sandfarbene Anblicke. Im Vergleich allerdings wirkt Lanzarote wie die kleine Schwester mit einer Fläche von ca. 845 Quadratkilometern auf eine Länge von 60 km und einer maximalen Breite von 34 km. Fuerteventura hingegen wartet mit 1.660 Quadratkilometern auf, bei einer Lange von über 100 km, allerdings eher geringer Breite zwischen 5 und 30 Kilometern.

    Die weite Landschaft

    Entsprechend weitläufiger ist die Landschaft, auf Lanzarote ragen einzelne Vulkangipfel heraus, während sich auf Fuerteventura ganze Landschaften voller Täler und Hügel finden. Die Ausblicke sind großartig, das Land ist sehr sehr wenig besiedelt. Zum Vergleich: Fuerteventura hat 122.000 Einwohner bei einer Bevölkerungsdichte von 72/qkm,  während auf der deutlich kleineren Schwesterinsel 150.000 Menschen leben, das entspricht 184 Einwohnern pro qkm.

    Betancuria

    Am Sonntag sind wir auf dem Heimweg ins Inland gefahren, um die ehemalige Hauptstadt Betancuria anzuschauen. Für eine ehemalige Inselhauptstadt ist das Darf winzig, es gibt zwei bis drei Souvenirläden, ein paar Restaurants, die allerdings höchstens bis 18 Uhr geöffnet sind, und ein deutsch geführtes Luxushotel, dessen wegen seines charmant historischen Interieurs eine Michelin-Erwähnung gefunden hat. Leider ist dieses nur samstags geöffnet. Im Juli allerdings sind Betriebsferien, sodass wir uns lieber für zwei Tage in Jandia eingemietet haben, statt die zweite Nacht von Samstag auf Sonntag hier zu verbringen.

    Beeindruckend ist die Kirche von Betancourt, Santa Maria war im 15. Jahrhundert sogar eine Kathedrale, jetzt befindet sich dort ein Museum. Zahlreiche Bilder, Figuren und Ornate sind ausgestellt, auf kleinen Tafeln werden Herkunft und Bedeutung sehr verständlich erklärt. Das Kirchenschiff ist Original, die alte Kanzel steht, auch der Beichtstuhl ist erhalten geblieben.

    Um 16 Uhr sind wir wieder an der Fähre, diesmal sitzen wir am Heck in der freien Luft, und sehen zu, wie Fuerteventura immer kleiner wird. Es war ein wunderschönes Wochenende mit viel Erholung und ganz neuen Eindrücken.

  • Auf dem Weg zur zweiten Heimat, Tag 3 und 4

    Tag 3: Freitag, 19. Mai 2023

    Wie vorhergesagt wird der Wind stärker, als wir uns Madeira nähern, also wird die Genua mal wieder auf Reff 2 eingedreht. Passage Weather, und unser Wettermann Uwe bestätigt dies, spricht von einer „Acceleration Zone“, mit anschließender Flaute im Windschatten der Insel. Stimmt, um 13 Uhr wird das Großsegel auf volle Größe ausgerefft. Das geht gut bis 16 Uhr, dann sind wir in Lee der Insel, der Wind wird schwächer und raumt, bis wir fast auf Vorwindkurs sind. Nach einigen unnützen Diskussionen, die es zwischen Ehepaaren manchmal gibt, wird der Code D gesetzt, der zickt aber auch – diesmal wirklich der Gennaker – erst nach fünf Versuchen rollt er sich endlich komplett aus. Nicht lange, dann sind wir wieder bei 8-10 Knoten Wind und fahren zwischen fünf und sechs Knoten. Das wird kein schönes Etmal morgen früh! Und der Skipper schimpft, und schimpft und schimpft.

    Volker sitzt m Kartentisch und telefoniert mit Segelfreund Pascal, als der Wind von dem blöden Vorwindkurs auf einen Amwindkurs dreht und deutlich zunimmt – der Gennaker muss weg, die Genua wird ausgerollt, aber nur bis Reff 1. Gleich danach sind es über 17 Knoten scheinbar, das Großsegel wird ebenfalls auf Reff 1 verkleinert.

    Heute gibt es Abendessen aus der Dose, die zweite Portion Lasagne ist für morgen Abend reserviert. In St. Martin haben wir beim Leader Price Königin-Pastetchen und Ragout Fin gekauft, für eine schnelle Mahlzeit. Das ist ja flott warm gemacht, die Pastetchen eben mal kurz im Ofen angewärmt. Ungewöhnlich, das Ragout ist mit kleinen Klößchen angereichert, und nur wenig Fleisch drin, es hätte eigentlich gar keine Pasteten dazu gebraucht, aber es schmeckt.

    Nach dem Abendessen, ich bin mit dem Spülen noch nicht fertig, reffen wir zuerst die Genua wieder aus, zehn Minuten später kommt das Großsegel dran. Als das steht, ist Volker der Meinung, dass es das jetzt war mit den Manövern, zumindest für die Nacht hat er keine Lust mehr auf weitere. Aber cool ist das schon, bei 12 – 14 Knoten Wind aus 70 – 90 Grad sind wir zehn Knoten schnell.

     Halbtagesetmal um 21:30 Uhr 90 sm, nicht doll aber in Ordnung, bei dem unsteten Wind.

    Der scheinbare Wind ist deutlich über 15 Knoten, die Genua wird noch zwei Umdrehungen weggerefft. um 23:15 ist wieder mal das Großsegel mit Reff 1 dran, das war wohl nix, mit heute Nacht keine Manöver mehr! Mal sehen, wie lange das jetzt hält.  

    ***

    Tag 4 Samstag, 20. Mai 2023

    Nachdem das Großsegel in der Nacht in Reff 1 stand, und die Genua noch einmal aus- und wieder eingerefft war, verlief der Rest der Nacht ruhig. Das gab uns Gelegenheit zum Schlafen.

    Ich werde davon wach, dass Volker das Vor- und das Großsegel ausrefft. Eine kleine Reparatur folgt: Die Leine von Reff eins hat sich am Baum aufgescheuert, Volker schneidet das Stück auf dem Cockpitdach sitzend ab, und zieht von der üppig vorhandenen Restleine etwas nach. Fertig.

    Das Etmal ist besser als gedacht, ein bisschen schwächer als an den letzten beiden Tagen, 191 Seemeilen haben wir versegelt, noch 124 sm bis Puerto Calero.

    Volker plant das Festessen zur Ankunft, schickt mich in die Bilge, um die noch vorhandenen Zutaten zu Chili con Carne zu raus zu suchen, Ulrike bekommt eine Liste mit den fehlenden Dingen, die Gäste sind eingeladen, jetzt müssen wir nur noch ankommen.

    Der Wind ist bisher mit 14-15 Knoten gerade an der Grenze zum Gennaker setzten, er soll aber nachlassen. Wir ziehen den Gennaker schon mal am hoch, dann geht das nachher ganz schnell, wir müssen ihn nur noch ausrollen. Gestern war das ja ein bisschen schwierig, bis das Leichtwindsegel sich ausrollen ließ, aber beim Einrollen waren wir sehr vorsichtig, damit das beim nächsten Mal einfacher vonstatten geht.

    oh, oh!

    Als der Wind auf elf Knoten nachgelassen hat, und schön raum ist, wollen wir den Gennaker ausrollen, das müsste ja nur noch ein Kinderspiel sein. Dachten wir … Er ist noch nicht einmal zu einem Viertel ausgerollt, da tut es einen Schlag, das Tuch ist gerissen. Vom Schothorn aus sicher drei Meter in den Stoff hinein. Glücklicherweise lässt es sich wieder einrollen, Volker schaudert es immer noch bei dem Gedanken, was passiert wäre, wenn das bunte Segel bereits komplett ausgerollt gewesen wäre. Dann hätten wir es nicht mehr einrollen können, ich mag gar nicht daran denken, wie wir es wieder nach unten bekommen sollten. Vielleicht kann ich es in Lanzarote selbst reparieren, dann könnten wir diesen hier als Reserve fahren, der neue Gennaker ist fast schon bestellt.

    So motorsegeln wir dahin, nicht so schnell wie erhofft mit dem Leichtwindsegel. Seit 16:30 schweigt der Motor mal für eine kurze Zeit. Es ist schon ein Hin und Her mit dem Wind. Dank Uwe aus Bayern, unserem Wettermann, sind wir darauf vorbereitet, so auch gestern auf die Accelleration zone und die nachfolgende Flaute in der Nähe von Madeira. Um 17:35 macht Volker die Motoren wieder an. Irgendwann wollen wir ja auch ankommen, sonst sind die Freunde für unsere Ankunftsfeier vor uns im Hafen.

    Die atlantische Rundreise vom 23. Januar 2022 bis 21. Mai 2023

    Nun sind es noch 65 Meilen bis zu der südwestlichen Spitze von Lanzarote, dort wird unsere Atlantikrundfahrt vollständig sein, denn wir kreuzen unsere Kurslinie. Am 23. Januar 2022 haben wir in Lanzarote abgelegt, heute Nacht sind 482 Tage vergangen, oder ein Jahr und fast vier Monate, denn wir werden am 21. Mai 2023 ankommen. 

  • Auf dem Weg zur 2. Heimat, Tag 2

    Donnerstag, 18. Mai 2023, Baro 1025, viele Wolken, Wind um 20 Knoten, die See „trés agitée, also ruppig“ , Wellenhöhe ca 2 – 3 m, Frequenz unter sechs Sekunden.

    Sonnenaufgang am 2. Tag auf See

    Um 11:30 Uhr gibt es ein ausgiebiges Frühstück, bei den ununterbrochenen Bewegungen muss Energie nachgefüttert werden. Volker refft die Genua um ein paar Umdrehungen aus, der Wind hat ein ganz kleines bisschen nachgelassen, fängt sich aber bald wieder und bläst mit unverminderter Geschwindigkeit von 20 – 24 Knoten. Wir sind schnell, fahren einen Schnitt von 9,7 Knoten, oft über 10, manchmal sogar 11 Knoten. Seit der Wind kurzfristig etwas abgenommen hatte, wurde die Wellenperiode besser, statt sechs Sekunden kommen sie jetzt im sieben-Sekunden-Takt.

    Es gibt nicht viel zu tun, wir holen ein bisschen von dem fehlenden Schlaf der letzten Nacht nach, lesen, rätseln und rechnen immer wieder, wann wir denn wohl in Calero ankommen werden. Bei den im Presto-Takt heran rauschenden Wellen und der Wellenhöhe ist für mich immer noch jedes Herumlaufen eine Sisyphos-Arbeit, mit meinem nur eingeschränkt vorhandenem Gleichgewichtssinn. Wahrscheinlich komme ich mit Armmuskeln wie ein Preisboxer in Lanzarote an, weil ich mich immer wieder beim Gehen gegen die Schwerkraft abstützen muss, oder mich beim Treppensteigen nach oben ziehe. Und der drehbare Bürostuhl am Kartentisch fordert die Bauchmuskeln heraus. Volker bewegt sich ja souverän übers Boot. Deshalb hat er auch am Abend die Lasagne vorbereitet, ich musste nur noch die Nudeln, die Bolognese- und Bechamelsauce schichten, und ab ging es in den Ofen. Die Gemeinschaftsarbeit schmeckte vorzüglich.

    Der Wetterbericht von PredictWind Offshore sagt bis morgen Vormittag Wind aus Nord bis NNO voraus, wie gewohnt zwischen 18 Knoten, in Böen bis zu 25 Knoten. Die Wellen bleiben bei 2 – 3 Metern, nur die Periode soll noch ein bisschen länger werden, auf sieben bis acht Sekunden. Ab dem Zeitpunkt, da Madeira querab sein wird, soll auch der Wind nachlassen. Volker träumt schon davon, dass wir dann mit Gennaker bei der gleichen Geschwindigkeit bleiben können.. Träumen darf man ja. 

    ***

    In der Nacht zum Freitag hat Volker immer mal wieder das Vorsegel ein- oder ausgerefft, mal hat es aufgefrischt, mal war der Wind wieder weniger geworden. 

    Morgens sammelt Volker die fliegenden Fische ein, die sich leider auf unser Boot verirrt haben, er sagt dann immer: „In Frankreich isst man die, warum probierst Du es nicht?“ Aber irgendwie gehen die nicht so an mich, die sind so klein, und ich weiß gar nicht, was ich mit ihnen anstellen soll. Im Ganzen braten oder grillen, und dann abnagen? Beim Filetieren bliebe ja nix davon übrig. Oder einfach als Fischsuppe kochen?

    Um 07:00 sehe ich einen Fischer auf dem AIS, bisher waren, außer einem Frachter in 20 Meilen Entfernung, keine weiteren Schiffe zu sehen. Um 08:00 kommt doch tatsächlich ein weiterer Frachter unter libanesischer Flagge von rechts auf dem Weg nach Jeddah, Saudi Arabien, der geht aber hinter uns vorbei. Ein bisschen überfüllt hier! ;-)).

    Tagesetmal um 09:30 sind 225 Seemeilen, das gefällt meinem geschwindigkeitsliebenden Skipper.

  • Auf dem Weg zur 2. Heimat, Tag 1: Rein in die Puschen, raus aus den Puschen

    Mittwoch, 17. Mai 2023
    Vila do Porto, Santa Maria , 09:30, 760 Seemeilen direkter Weg bis Lanzarote
    Baro 1025, bedeckt, Wind im Schatten der Insel 6 kn, die See glatt, später Wind bis 24 Knoten, die See 2 m

    Geklebtes Gurtband zur Verstärkung des eingerissenen Großsegels

    Wir lösen die Festmacherleinen und  legen ab, setzen Segel, bergen Segel, weil wir eine kleine Reparatur gestern bei den großen Bootsunterhaltsarbeiten vergessen haben. Volker kümmert sich schnell drum, nach zehn Minuten ist alles wieder gut. Das Großsegel kommt wieder hoch, die Genua wird ausgerollt, nur der Wind stellt sich noch dran. Und mein Skipper! Was der immer schimpfen kann: „Guck Dir das an!  Der Wind kommt von hinten! Du hast gesagt, wir haben 130° Windeinfallswinkel!“ „Gleich motoren wir!“, und so weiter. Ich bin ja dafür zuständig, Wetterberichte einzuholen, und dem Skipper zu berichten, aber wenn die Vorhersagen gerade mal nicht eintreffen, dafür bin ich dann wirklich nicht zuständig, auch wenn Volker das gerne so darstellt, als sei es pure Bosheit von meiner Seite. 

    Glücklicherweise ändert sich die Situation um 10:30, als wir wirklich aus dem Schatten der Insel heraus sind, der Windeinfallswinkel passt, die Windgeschwindigkeit passt. Um 11:00 kommt Reff 1 in die Genua, wenig später wird das Großsegel verkleinert, es sind bis zu 20 Knoten Wind. 11:30 ist die Genua wieder ausgerefft, Volker denkt schon an den Gennaker. Der muss nämlich auch noch getrocknet werden, von dem letzten Einsatz bei der Fahrt aus der Karibik ist er immer noch nass.

     Nach einer erholsamen Stunde Schlaf für den Skipper geht es gleich wieder los, wir reffen alles aus. Inzwischen war der Wind doch wieder bis 13 Knoten angestiegen, jetzt stehen Groß und Genua in voller Schönheit, und die Geschwindigkeitsanzeige hat die Acht vor dem Komma.

    Um 14:30 setzen wir den Gennaker, der macht beim Ausrollen Zicken, d.h. eigentlich nicht der Gennaker, sondern die Furlerleine auf der Rollanlage, der Skipper schickt seine schönsten Flüche übers Meer. Nach einer halben Stunde hat der Wind auf mehr als 17 Knoten aufgefrischt, der Gennaker kommt wieder weg.

    Um 16:00 Uhr wird Reff eins ins Großsegel gebunden und die Genua um eine Umdrehung verkleinert. Der Wind bleibt bei 17-20 Knoten mit einem Windwinkel von 120-130 Grad, und die Hexe ist 9-10 Knoten schnell. Um 17:30 kommen noch zwei Umdrehungen in die Genua, wir haben inzwischen 19-20 Knoten Wind, das blöde dabei sind nur die Wellen, die in sehr kurzen Abständen kommen, und jede Bewegung zu einer Herausforderung an die Muskulatur und den Gleichgewichtssinn werden lassen. Kurz nach dem Abendessen um 20:30 wird die Genua bis Reff 2 eingerollt.

    Apropos Abendessen: Heute Abend gab es von Volker frisch gemachte Frikadellen aus dem Hackfleisch, das ich gestern bei Pingo Doce gekauft hatte. Mit ebenfalls selbst gemachtem Kartoffelbrei und Rote-Beete-Salat. Und die Hackfleischsoße für die Lasagne Morgen Abend ist auch schon fertig.

    21:45, die Windanzeige steigt im scheinbaren Wind auf über 20 Knoten, Zeit, das Großsegel ins zweite Reff zu verkleinern. Nun läuft das Boot etwas ruhiger, die Bewegungen sind nicht ganz so ruppig, so können wir gut in die Nacht fahren. Vorher hatte es auf einmal einen solchen Schlag getan, so laut, das ganze Boot erzitterte. Selbst nach dem Reffen gibt es Wellen, die komplett übergekommen ist. Gut, dass Volker die Polster im Cockpit entfernt hat.

    Das Halbtagesetmal um 21:30 zeigte stolze 103 sm an, trotz zweifachen Segelsetzens und dem leichten Wind der ersten Stunden.

    Die Nacht ist unruhig, zwischendurch frischt der Wind auch gerne mal über 30 Knoten scheinbaren Winds auf, dann piept unser Windalarm. Beim ersten Gepiepse haben wir das Vorsegel noch ein Stück verkleinert, auf die berühmte Handtuchgröße. Das Boot ist so in Ordnung. Aber die Wellen sind der Hammer! Alle 6,5 Sekunden kommt eine neue, das macht schon den Weg zur Toilette oder zum Kühlschrank zu einem Abenteuer, und beim Kochen muss man unbedingt am Herd stehen bleiben, um auf Töpfe und Pfannen aufzupassen.

    Viel geschlafen haben wir nicht in dieser Nacht. Zu laut klingt es im Boot, wenn die Wellen von der Seite anrollen und zwischen den Rümpfen explodieren, da wackelt alles und es klingt wie Donnerschläge. Ruhig zu liegen ist ebenfalls eine schwierige Aufgabe, es ist eher ein Hin-und-her-Rollen.

    Da unser Hydrogenerator leider den Geist aufgegeben hat, werden die Batterien in der Nacht nicht geladen, heute Morgen hatten der Autopilot und die Instrumente 82 Ampèrestunden verbraucht,so musste eben mal kurz der Motor mit laden. Wenn es am Tag so bewölkt ist, kommt nicht genug Licht auf die Solarpaneele. Außerdem fahren wir Richtung Süden, da bekommen die fest installierten auf den Davits nicht so viel Sonne ab.

    Um 09:30 Uhr lese ich das Etmal für die letzten 24 Stunden ab: 220 Seemeilen, eine reife Leistung für Boot und Mannschaft!

  • Santa Maria, die Perle der Azoren

    Nach einer wunderschönen Überfahrt mit 60 Meilen von Ponta Delgada nach Santa Maria, haben wir am Samstag Nachmittag im Hafen von Vila do Porto festgemacht, Lloyd, der freundliche Hafenmeister, erwartete uns schon am Steg, nachdem er kurz zuvor unseren „Königsplatz“ frei gemacht hatte. Vila do Porto ist ein paradiesischer kleiner Hafen, mehr als gut geschützt gegen Winde aus allen Richtungen, und durch die kurvige Einfahrt absolut schwellfrei. Nur Bagger, Laster und der Kran, die damit beschäftigt sind, den Deich noch weiter zu befestigen, störten am Tag die himmlische Ruhe ein bisschen. Aber das ist ja nur vorübergehend.

    Abgesehen von dem herzlichen Empfang durch den Hafenmeister wurden wir auch von den Besatzungen der anderen Boote begrüßt, Belgier, Deutsche und Franzosen liegen am Steg, gleich kamen wir mit einigen ins Gespräch. Volker hilft den Nachbarn von der Balu, den Gennaker einzupacken, und bekommt dafür eine Einladung zum Drink für den folgenden Abend. 

    Blick auf die Marina

    Ich gehe zum Hafenmeister für die Anmeldung, und zur GNR, der Guardia Nacional, zum Einklarieren, und werde auch hier super freundlich empfangen. Freund Bernd hatte Lloyd, den Hafenmeister, vorab informiert, dass wir gerne kommen würden, der hatte sofort im Internet recherchiert nach der Hexe, und war voll informiert, wusste unsere Maße, und bestätigte vorab, dass wir kommen können.

    Es fühlt sich erstmal ganz komisch an, am Steg zu liegen, nicht ins Beiboot zu steigen, wenn wir an Land wollen, einfach mal so an Land auf und ab gehen zu können, den Müll wegzubringen etc. Auch der Weg zum und vom Restaurant am Abend ist natürlich einfacher, obwohl uns das Fahren mit dem Dinghy schon so zur Gewohnheit geworden war.

    Christiane und Dieter von der Balu

    Lloyd hatte mir eine Autovermietung genannt, Sunbeach rent a car, sehr zu empfehlen, professionell und mit Service, wir bekamen das Auto zur Marina geliefert und es wurde dort auch wieder abgeholt. Dort haben wir am Montag dann auch einen kleinen Mitsubishi geliehen, und mit den neuen Freunden, Christiane und Dieter von der Balu, eine Rundfahrt um die ganze Insel gemacht.

    Glückliche Kühe auf grünen Weiden

    Santa Maria ist eine kleine Insel. In nur einem Tag konnten wir sie umrunden und ein paar wunderschöne Ecken kennen lernen. Auf 97 Quadratkilometern leben ca. 5.500 wunderbar freundliche Menschen, und wahrscheinlich doppelt so viele Kühe und Schafe. Das Portugiesisch, das hier gesprochen wird, ist allerdings gewöhnungsbedürftig, die Vokale am Ende der Wörter werden eingespart, und alles miteinander verbunden, sodass ein Lied entsteht, kein Satz. Das ist wohl ähnlich, als würde man mit rudimentären Deutschkenntnissen plötzlich in Oberbayern landen oder auf den ostfriesischen Inseln. Glücklicherweise kann man es, mit Spanisch-Kenntnissen, ganz gut lesen.

    Santa Maria ist als einzige der Azoreninseln keine Vulkaninsel, sondern aus Sedimentgestein entstanden. Deshalb blieb sie auch von Erdbeben verschont, die rundherum oft auftreten können. Sie hebt sich ständig an, und wird dabei immer größer.

    Wir sind zunächst von Vila do Porto aus zum südöstlichsten Ende der Insel gefahren, wo ein wunderschöner Leuchtturm steht. Fast glaubt man sich im Regenwald, so grün und üppig ist die Vegetation. Allerdings hängen auch dicke Wolken über den Wäldern, hier, im Südosten der Insel, werden die vom Nordost-Passat heran getragenen Wolken abgefangen und sie regnen sich ab. Es gibt zahlreiche „Miradores“, Aussichtspunkte, von denen man atemberaubende Blicke an die wilde Küste und die sanft hügelige Landschaft werfen kann.

    Wir begannen unsere Besichtigungstour, abgesehen von den Stopps an den zahlreichen Miradores, mit einem Besuch des wunderschönen Leuchtturms an der Ponta do Castelo. Auf dem letzten Stück ist die Straße so eng, dass es keinen Gegenverkehr geben kann, man wartet geduldig, bis die Straße wieder frei ist. Glücklicherweise gibt es insgesamt nicht viel Autoverkehr auf der Insel.

    Eine Steintreppe mit vielen Stufen führte uns nach oben, und von dort aus konnten wir einen großartigen Blick übers Meer und auf die stillgelegte Walfabrik werfen. Dorthin hätten wir auch – über noch mehr Treppenstufen – hinunter steigen können, aber bei dem Gedanken an den anschließenden Aufstieg haben wir uns das geschenkt. 

    Auffällig sind die an der Ostküste besonders zahlreichen terrassierten Weinberge. Wie am Rhein oder an der Mosel sind kleine Terrassen in die Hänge geschlagen, auf denen die Weinstöcke wachsen. Es gibt leckeren Wein von der Insel, allerdings auch im gehobenen Preisniveau.

    Weinberge

    Außerdem ist es – sehr angenehm – auffällig, wie sauber und gepflegt die ganze Insel ist. Es liegt kein Müll herum, Straßen und Gehwege sind geputzt (außer wenn gerade eine Kuhherde durch läuft, s.u.), und an den Straßenrändern sind vielfach Blumenstöcke gepflanzt, die offensichtlich auch gepflegt werden. Überhaupt, die Blumen! Tatsächlich sind alle Straßen gesäumt in den prächtigsten Farben, weiße Hortensien, blaue Schmucklilien und allerlei andere Blüten in leuchtenden Farben sieht man im Vorbeifahren.

    Phantasievoller Mülleimer

    Weiter ging es zu der Bucht von Maia mit ihren wunderschönen Stränden, eigentlich hatte wir gedacht, dort am Wasser sitzend einen Kaffee trinken zu können, aber es waren alle Restaurants und Cafés geschlossen, die Saison hat noch nicht begonnen.

    Wir fahren die ebenfalls nicht sehr breite Straße zurück, um uns Santo Espirito anzuschauen, dort steht eine schöne Kirche mit einem Friedhof direkt daneben. Die Särge oder Urnen liegen unter Marmorplatten und aufgestellte Steine geben Namen und Daten des Verstorbenen an. 

    In Santa Barbara finden wir eine kleine Café-Bar, in der die Männer ein Azorenbier „Especial“ trinken und die Mädels eher Koffein zu sich nehmen, in Form von Cola oder Galão, Latte Macchiato auf portugiesisch. Wir wollen gerade wieder aufbrechen, da kommt eine Herde Kühe mit Kälbchen durch die Straße getrabt, angetrieben von dem Hirten, der sie offensichtlich auf eine andere Weide bringen will. Wir müssen beim anschließenden Überqueren der Straße aufpassen, nicht in Kuhfladen zu treten.

    Weiter geht es zur „Roten Wüste“, dem Barreiro da Faneca. Hier, das ist jetzt im Nordwesten der Insel, regnet es so wenig, dass der rote Lehmboden völlig ausgetrocknet ist, und man sich in der Wüste wähnt.

    Noch ein kleiner Ausflug nach Anjos, zu der kleinen Kapelle Nossa Senhora dos Anjos, erbaut im 15. Jahrhundert, wahrscheinlich die älteste Kirche auf den Azoren. 168 Stufen führen hinauf zu der Mutter Gottes, einem schönen, innen ganz in weiß gehaltenen Kapellchen.

    Weiter unten im Ort gibt es einen kleinen Hafen mit Naturschwimmbecken. Auch das schauen wir uns an.

    Noch kein Sonnenuntergang

    Ein letzter Stopp bei dem Restaurant BluesBar, von dem aus die schönsten Sonnenuntergänge zu beobachten sein sollen, leider hat es heute geschlossen. Wir ruhen uns nur ein bisschen auf dem Mäuerchen aus, und fahren dann zurück nach Vila do Porto. 

    Dort gibt es einen deutschen Bierbrauer, der mit einem cleveren System arbeitet, um das Bier ins Glas zu bringen, das nennt sich „Bottom Up“. Der Trick dabei ist, dass durch eine Öffnung unten im Glas das Bier hinein gedrückt wird, die Anlage schaltet aus, sowie die entsprechende Füllhöhe erreicht ist. Durch das Gewicht der Flüssigkeit wird die kleine runde Scheibe auf die Öffnung gepresst, schon kann serviert werden. Wenn die freundliche Bedienung einem neuen Gast das erste Glas bringt, warnt sie eindringlich, ja nicht den Finger unten in die Öffnung zu stecken. Volker will das natürlich gleich trotzdem probieren, aber das lässt die Kellnerin nicht zu. Sie holt ein leeres Glas, und Volker sieht es ein. Das wäre ja Biermissbrauch!

    Natürlich gibt es in dem Restaurant „A Travessa“ auch deutsche Spezialitäten zum Essen, Brezeln eine Brotzeit, allerdings mit hiesigem Schinken und Salami, Spätzle und vieles mehr, nicht nur deutsches Essen. Müde und mit vollem Bauch trinken wir vier noch einen Absacker auf unserer Hexe. So ein schöner Tag!

    Heute früh haben wir die Leinen los gemacht und sind jetzt auf dem Weg nach Lanzarote, 760 Seemeilen liegen vor uns. Den Bericht des ersten Tages auf See gibt es morgen.