Autor: Hexymama

  • Angekommen

    Teil 2 des 3. Tages:

    Wir segeln also so weiter, mit vielen Wellen und mehr als ausreichend Wind. Die Sonne lädt die Batterien kaum  noch – sie ist ja meist hinter den Wolken versteckt – und der Hydrogenerator macht schon wieder so komische Geräusche, er scheint leider auch nicht zu laden. Vielleicht sind die Kabel kaputt, jedenfalls wird der nun aus dem Wasser geholt, und wir haben aktuell keine zusätzliche Energiequelle für unser Batteriemanagement.

    Wir nehmen Kurs auf die Ensenada da Ambra im Osten der Insel. Die Bucht liegt gut geschützt gegen Nordostwind durch die Berge, die steil vom Ufer direkt in die Höhe streben. Bei Navily steht, dass an einer Stelle nahe des Ufers auf dem sandigen Untergrund zwei Auto-Chassis liegen, in denen sich der Anker verfangen kann. Wir markieren diese Stelle in unserer Karte, damit wir nicht aus Versehen dort den Anker fallen lassen.

    Bootsbewegungen am Anker während der Nacht

    Bei der wieder durch den fehlenden Mond sehr dunklen Nacht gerät die Ansteuerung in der Bucht eher unspektakulär, bis auf die unbeleuchtete Fischfarm, vor der Volker mich gerade noch rechtzeitig warnen kann.

    Angekommen sind wir um 00:30 Ortszeit, Azorenzeit 23:30, die Gesamtmeilen laut Logge betrugen 559 sm. 62 Stunden lang war die Überfahrt, das ergibt einen Durchschnitt von über neun Knoten, ein schneller Trip! Ein bisschen wackelig fand ich es wegen der sehr kurzen Welle, aber ein Windeinfallswinkel von 80° – 130° sorgt bei einem Katamaran für schnelle Fahrt, eigentlich hatten wir erwartet, am nächsten Morgen nach Sonnenaufgang anzukommen. Also insgesamt ein schöner schneller Törn. 

    Nach erholsamen Schlafstunden ohne die Weckzeit alle zwanzig Minuten für Volker wartet natürlich eine Menge Arbeit auf uns. Zuerst muss das Boot komplett entsalzen werden. Also muss ein Motor laufen, denn wir brauchen Strom, um den Wassermacher arbeiten zu lassen, damit Volker das Boot abspritzen kann, und das Salz zurück ins Meer kommt. Ich wasche derweil drinnen die Flächen ab, denn auch hier kommt ein bisschen Salzspray an, räume auf und baue das Bett im Salon wieder in den Tisch um.

    Außerdem hatte sich der Ruderquadrant des rechten Autopiloten verstellt, der muss mit viel Geduld und Geschicklichkeit im Motorraum wieder ausgerichtet werden. Am Bergesack für Großsegel war eine Naht aufgerissen, auch hier mussten wir mit viel Geduld und einem langen Faden ran, damit die Spannlatte wieder an der Persenning angenäht war.

    Danach gab es einmal Schwimmen ums Boot für mich, und zu dem Anker für Volker, durch die anschließende Dusche sind wir wieder ganz sauber und bereit für neue Abenteuer.

  • On the Sea again: Tag 3

    Donnerstag, 29. August 2022
    Auf See, Baro 1018, Wind NNO zwischen 15 und 20 kn, die See unverändert 1,5 bis 2 m,  sonnig
    08:00Uhr: Noch 138 sm bis zum Ziel, Geschwindigkeit meist über 10 Knoten, TWA um 80°

    Nachtrag von Tag 2:

    Abendessen: Sahnegeschnetzeltes mit Nudeln und Salat. Das Halbtagesetmal um 21:30  ist 104 sm, das entspricht einem Schnitt von 8,7 Knoten!

    Ein fliegender Fisch hat die Nacht leider an Deck verbracht

    Um 07:00 Uhr am nächsten Morgen sind Kaffee und diverse Tees fertig gekocht, der Skipper kann jetzt noch ein bisschen schlafen, nun ohne die zwanzigminütigen Unterbrechungen. Aber auch dabei genügt ein kurzer Blick auf den Bildschirm, ob sich feindliche Schiffe nähern. Auch nach draußen auf Wind und Segelstellung kann man schauen, aber das hat Volker sowieso im Blut, wenn sich der Wind deutlich ändern sollte, würde er sofort aufwachen.

    Tagesetmal 09:30: Unser heutiges Etmal beträgt stolze 222 sm, ergibt einen Durchschnitt von 9,25 (neuneinviertel) m/h! Noch 121 Meilen bis zum Ankerplatz vor Porto Santo.

    10:30 Uhr: Das zweite Reff kommt ins Großsegel, denn der Wind hat wieder zugenommen, und leider wird auch der Windeinfallswinkel immer spitzer. Mit dem zweiten Reff kommen wir immer noch mit neun bis elf Knoten voran, und jetzt es wird angenehmer, trotz der konfusen Wellen.

    Die ganze Nacht war nicht ein Schiff auf dem AIS zu sehen, heute morgen sind es gleich zwei, und der eine Tanker, er will nach Antwerpen, fährt weniger als eine halbe Meile vor uns durch, das ist schon nah.

    Geschafft, nun gibt es Frühstück, wie immer am Kartentisch. Das Tischdecken allerdings ist ein einziger Balance-Akt, zumindest für mich, weil die Wellen doch immer dann kommen, wenn man sie nicht braucht. Mein Sportprogramm besteht aus Gängen zur und von der Kabine, auch auf dem Weg zur Toilette wird geturnt, man muss die Bewegung der See so gut wie möglich vorahnen, um sich nicht all zu viele blaue Flecken zu holen. Am Ende könnte ich sonst nicht mal mehr im Badeanzug an den Strand gehen, ohne dass die Leute die Sittenpolizei rufen ;-).

    Am Nachmittag gegen 13:00 Uhr sieht Volker auf der Luvseite eine fette Wolke kommen. Im Radar zeigt sich dann auch, dass dort größere Regenmengen drinnen sind. Weil aber solche kleinen Squalls auch gerne viel Wind im Gepäck haben, und die Schaumkronen auf dem Meer sich vermehren, verkleinern wir noch ein bisschen das Vorsegel, das Groß ist ja schon in Reff zwei, wir sind gerüstet. Trotzdem stehe ich mit starrem Blick auf den Radarschirm, ob die Front wirklich zu uns kommt. Dahinter ist schon wieder blauer Himmel zu sehen. Für den Rest der heutigen Fahrt ist mehr als genügend Wind vorhergesagt, wir können bei der jetzigen Besegelung bleiben. Die Front ist vor uns durchgezogen, aber der Wind ist geblieben, und es stehen weitere Böenwalze auf Halde. Hoffentlich ist es an dem Ankerplatz halbwegs geschützt.

    Volker hat wieder einen schönen Film gedreht, hier zu sehen oder bei Youtube unter: 
    https://youtu.be/mcdgrH9mHaQ

  • On the Sea again: Tag 2

    Hier erst einmal Teil 2 von Tag 1

    Volker kontrolliert, ob der Hydrogenerator lädt, aber das tut er nicht. Wahrscheinlich haben wir wieder Sargasso-Gras gefangen oder so. Und leider ist es „oder so“, denn in der Schraube hängt ein Netz von einem Hochseefischer. Aus massivem Garn, mit richtig festen Maschen. Volker holt den Bootshaken, fischt ein Stück, bekommt es zu fassen, ohne dabei ins Wasser zu fallen (das ist immer meine Angst, wenn er irgendetwas am Hydrogenerator macht), und er braucht schon Kraft, um das ca. sechs Meter lange grüne Netz einzuziehen. Nun ist aber die Niederholerleine vom Hydro gerissen, der muss aus dem Wasser, die Leine wird neu verknotet. Schlussendlich kann das gute Stück, befreit von den tückischen Hinterlassenschaften der Fischer, die Arbeit wieder aufzunehmen, damit wir auch nachts genug Strom haben, um z.B. den Kühlschrank, den Gefrierschrank und die Starlink-Antenne zu betreiben.

    Zutaten

    Zum Abendessen gab es Morcela, das ist portugiesische Blutwurst, ein bisschen scharf und sehr lecker, mit einem Kartoffel-Karotten-Püree, fein!

    So segeln wir in die erste sehr dunkle Nacht, der sichelgroße Mond geht erst nach 01.00 Uhr auf. Das Radar dreht alle Viertelstunde zehn Umdrehungen, und würde uns warnen, wenn sich in einem Umkreis von drei Meilen etwas bewegt. Wir kommen jetzt gut voran, bei 13 bis 16 Knoten und einem Windeinfallswinkel von ungefähr 110 Grad ist die Hexe schnell, sie zieht uns mit zwischen 8,5 und 11 Knoten Geschwindigkeit übers Meer.

    Das Halbtagesetmal um 21:30 beträgt 96 sm, Distanz zum Ziel sind 442 sm, der Anfangswert war 538 sm, das entspricht einem Schnitt von 8 sm/h, cool!

    Tag 2: Mittwoch, 28. August 2024
    Auf See, Baro 1019, leicht bewölkt, Wind um 15 Knoten aus N, die See 1 – 2 m
    06:00 Uhr: Noch 370 sm bis zum Ziel, TWA 110° – 120°, Geschwindigkeit um 9 kn

    Die Nacht verläuft ohne größere Vorfälle.. Um 01:00 Uhr hatte der Wind mal auf über 20 Knoten aufgefrischt, das hab ich selbst in meinem Bettchen gemerkt, und bin schnell rausgekommen, um Volker beim Eindrehen der Genua zur Seite zu stehen. Ich weiß ja, dass er das alles auch alleine kann, aber zu zweit geht es einfacher.

    Sonnenaufgang

    Später hörte ich, dass Volker ein kleines bisschen ausgerefft hat, später die Genua ein bisschen flacher gedreht, aber das war es im Wesentlichen. Um sechs Uhr klingelt mein Wecker, ich gehe Volker ablösen, dass er auch mal länger am Stück schlafen kann, als nur die 20 Minuten mit dem Timer als Wecker. Im Osten ist der Himmel ein kleines bisschen heller geworden,  es beginnt die nautische Dämmerung, die „blaue Stunde“, die endet dann kurz vor dem Sonnenaufgang um 07:00 Uhr.

    Als Volker um 08:00 Uhr wach wird, hören wir kurz in die Intermar Funkrunde rein, über die Kurzwelle ging das leider wieder nicht, aber über Echolink, das geht übers Internet, konnten wir hören und sprechen. Heute waren hauptsächlich Jungs aus der Nord- und Ostsee dran, fürs Wetter war ich eh zu spät.

    Ich gehe in die Kabine, um noch eine Runde zu schlafen, bis Volker mich um zehn Uhr aus dem Bett holt, weil wir reffen müssen. Der Windwinkel ist spitzer geworden, 70° – 80° Einfallswinkel, dann steigt der scheinbare Wind auf über 20 Knoten, es wird Zeit, die Segel zu verkleinern. Das geht gut, wir sind immer noch eingespielt. Nun zickt aber wieder mal der Hydrogenerator, es hängt aber nichts in der Schraube, wie Volker sich vergewissert, er zieht auch mal den Stecker, und mittlerweile scheint es wieder zu funktionieren.

    Das Etmal um 09:30 Uhr beträgt 195 sm, das ist gut, es bedeutet weiterhin eine durchschnittliche Geschwindigkeit von über acht Knoten.

    Die Löcher wurden in die Stoßstange geschnitten

    Um 11 Uhr kommt von Larissa die Schreckensnachricht, dass irgendjemand an Volkers Auto die Stoßstange zerstört hat und irgendwelche Elektronikteile abgeschnitten. Es folgen natürlich Telefonate mit der Versicherung und den Nachbarn, Larissa fährt zum Darmstädter Polizeirevier, um Anzeige zu erstatten; was für ein unnötiges Wirrwarr wegen solcher Blödmänner (oder -männInnen, um dem gendern gerecht zu werden!). Später erfahren wir von Freund Sven, dass auch bei ihm, 10 Hausnummern weiter, genau dasselbe passiert ist. Doof!

    Um 12:00 Uhr gibt es endlich Frühstück, danach beginnt wieder der normale Bordalltag mit lesen, schreiben, ruhen, vielleicht auch stricken. Um 13:00 Uhr wird wieder ausgerefft, der Wind hat nachgelassen auf 8 – 9 Knoten, bei einem Windwinkel von 90° segeln wir nun mit 7 – 8 Knoten Fahrt dahin. Es ist sonnig, und auch die Wellen haben ein bisschen abgenommen. Nach 17 Uhr nimmt der Wind wieder zu, mit zwei Umdrehungen auf der Genua fahren wir immer noch um die 10 Knoten, das reicht.

  • On the Sea again: Die Hexe auf dem Atlantik

    Tag 1 des Törns nach Porto Santo: Dienstag, 27. August 2024

    Baro 1017,  Wind N 2-5 Bft., sonnig, warm, die See (noch) flach, später 1 m
    Log 5559, Motor SB 1034 h, BB 1032 h

    Nach umfangreichen Vorbereitungen wegen der langen Zeit in der Marina legen wir ab. Ich bringe noch den Müll raus und die Stegkarte zurück, natürlich nicht, ohne mich vorher mit einer Umarmung bei Isabell aus dem Hafenbüro zu verabschieden. Die Chefin des Hafens, Victoria, hat während unserer Abwesenheit unsere beiden Orchideen gepflegt, sie sehen wunderbar aus.

    Wir starten mit vollem Groß und Genua, aber schon nach wenigen Minuten rollen wir die Genua ein bisschen ein, entgegen der Vorhersage ist plötzlich der Wind stärker als erwartet. Kurz darauf ist es vorbei damit, in der Abdeckung der Insel geht der Wind schlafen, wir müssen gar motoren, dann ist wieder ein bisschen Wind da, und wieder weg und wieder da und wieder weg … und die Wellen sind schwabbelig.

    Erst um 13:30 Uhr bläst es, wie versprochen, sogar mit 12-20 Knoten aus Nord, das Großsegel hört auf zu schlagen, die Wellenbewegungen im Boot werden angenehmer, hoffen wir mal, dass das so bleibt, bis vor Porto Santo der Anker fällt.

    Volker hat ganz viele Videos gedreht, hier ein Zusammenschnitt:

    On the Sea again: Die Hexe wieder auf dem Atlantik

    Und wer es in höherer Auflösung sehen möchte, hier ist der Link zu Youtube:
    https://youtu.be/EA0SCYbwC9I

  • Kurzer Stopp auf Graciosa

    Am Samstag sind eir von Angra do Heroismo nach Graciosa gesegelt und wurden morgens von einer Delfingruppe begrüßt. Die eher kleinen Tiere – ich hab gesagt, da spielen die Kindergartenkinder mit uns – haben uns bestimmt eine Viertelstunde lang begleitet. Ich finde, dass das – obwohl wir es schon so oft gesehen haben – ein wirklich erhebendes Gefühl ist, den spielenden Tieren zuzuschauen. 

    Gestern gab es in dem kleinen Ort Praia, wo wir vor Anker lagen, den für die Azoren typischen Leinen-Stierkampf, eher eine Belustigung für alle, inklusive dem Stier, denn ein wirklicher Kampf. Das Ganze findet auf der Straße statt, seit Neuerem auch gerne am Strand, weil dort sowohl Stier als auch die Zuschauer immer mal im Salzwasser landen. Die Stiere von den hiesigen Bauernhöfen wird aus dem Viehtransporter-Wagen rausgenommen, hat zwei lange Schleppleinen, und läuft – nach einem Bollerschuss – durch die Straßen. Die langen Schleppleinen hängen erst lose hinter ihm, aber wenn es brenzlig wird, halten ein paar starke Männer den Toro damit fest. Ein mit rotem Hemd bekleideter „Torero“ hält einen großen Parasol (wie ein großer Regenschirm), meist in Rot, vor die Stiernase, und weicht dann dem so angetörnten Tier möglichst gut aus. Dabei laufen auch die am Straßenrand stehenden Zuschauer kreischend in die andere Richtung, unter dem Applaus der Menschen, die dem Spektakel von den sicheren Balkonen oder z.B. den Hafenmauern zuschauen. Zwei Böllerschüsse bedeuten das Ende einer solchen Performance, der Stier fährt wieder nach Hause, und ein neuer kommt nach dem nächsten Böllerschuss.

    Die Böllerschüsse und das Gekreische sowie den Soundcheck für die abendliche Unterhaltung haben wir schon vom Boot aus gehört. Wir  wollen ja mal die Gegend erkunden und als unser Beiboot sicher in dem Fischerhafen liegt, stehen wir auf der Hauptstraße des sehr kleinen Ortes Praia inmitten einer Menschenmenge. Auf dem Platz beim Sportstadion, das außerhalb der „Arena“ liegt, wird über dem offenen Feuer gegrillt, Getränke verkauft, Tische und Bänke sind aufgestellt, dort sitzen die, die von dem Spektakel genug haben und sich nach der Aufregung stärken müssen.

    Nach zwei Stieren haben auch wir genug davon und kehren zum Boot zurück. Die abendliche Musik von einer Marching Band mit hauptsächlich Blechblasinstrumenten hört sich vom Boot aus lustig an. Nur als am späteren Abend in einem Haus offensichtlich eine größere private Feier mit sehr basslastiger Partymusik beginnt, stöhnt Volker genervt auf und holt sich seine Ohrstöpsel. 

    Der heutige Tag beginnt gut mit einem selbst gebackenem Brot nach einem Rezept aus der Outremer-WhatsApp-Gruppe, Arbeiten am Boot und einem erfrischenden Bad im Meer. Entzückende Fische in Perlhuhnoptik kommen neugierig ganz nah heran, von den kleinen roten Quallen halte ich mich gerne fern.

    Als aber noch ein fünftes Boot in die kleine Ankerbucht kommt, und fast direkt über unserem Anker liegt, außerdem schon wieder Lärm von dem Partygebäude kommt, wird es Volker zu dumm, wir gehen um 16 Uhr Ankerauf und motoren, es ist kein Wind (zwei Knoten), zurück nach Terceira. 

  • Hierhin oder dorthin?

    Dem Wetter geschuldet brechen wir etwas überstürzt auf, denn wenn wir noch nach Graciosa oder São Jorge wollen, müssen wir heute los, in den nächsten Tagen kommt Westwind. Und da wir bis zu Volkers Geburtstag zurück in Ponta Delgada sein möchten, gibt es nicht viel Zeit, um geduldig einen besseren Wind abzuwarten. 

    Allerdings ist der Wind auf der Südseite der Insel Terceira so schwach und die Strömung kommt genau von vorne, dass wir nur langsam vorwärts kommen. Ab dem Ende der Insel kommt der Wind mit 16 Knoten, aber leider aus NNW, und das ist exakt gegen den Kurs nach Graciosa. So ändern wir den Plan, und steuern Velas auf São Jorge an. Aber als Volker sieht, dass es noch 40 Meilen bis zum Ankerplatz wären, und man dort auf Sand ODER Felsen ankern müsste, verwirft er diese Idee dann doch als ein „No-Go“. Denn wir würden sicher erst in der Dunkelheit ankommen, da wir in Lee der Insel höchstwahrscheinlich motoren müssten, und nicht, wie gerade noch, mit 9 Knoten durch die Wellen sausen können. Und in der Dunkelheit vielleicht den Sand zu erspähen, und anschließend sicherheitshalber nach dem Anker zu tauchen, ist einfach unmöglich.

    Unser Ankerplatz

    So kehren wir um 13:25 um und hoffen, in der Bucht der Stadt Angra do Heroismo einen guten Ankerplatz zu finden. Von dort aus sind es morgen nur 44sm, wenn wir früh weg fahren, passt das, dass wir auf jeden Fall im Hellen ankommen. Angra ist Weltkulturerbe, selbst wenn das morgen nicht passt, haben wir  hier genug zu sehen.

    Und so werfen wir kurz nach der Ankunft das Beiboot ins Wasser, fahren in die Marina, und verlieben uns in diese wunderschöne Stadt. Der einzige Nachteil ist nur, dass es hier ständig bergauf geht. Bergab natürlich auch, aber das ist ja eher angenehm. Vom Hafen weg führt eine – eigentlich zwei – Prunk-Straßen, mit Girlanden geschmückt, und gesäumt von Ladengeschäften aller Art.

    Wir bekommen einen Flyer für Straßentheater an diesem Wochenende zugesteckt (naja, verstehen werden wir da nicht so viel), und schlendern bzw. steigen die Straßen und Gassen entlang. Alles ist schön, die meisten Häuserfronten sind in einem sehr guten Zustand, die Gitter an den Balkonen reichhaltig an geschwungenen Ornamenten, die Häuser farbenfroh, die Straßen sauber, es ist eine Freude, in Angra herum zu laufen. Beim Bäcker finden wir leckere Brötchen für morgen früh, und wir setzen uns bei einem kleinen Kiosk, um ein Wasser zu trinken. Natürlich wieder einmal vor einer der mehr als zahlreichen Kirchen hier.

    Für unser Abendessen finden wir ein großartiges Lokal. Es nennt sich zwar ganz profan „Cerveijaria do canto“ was soviel wie „Bierkneipe an der Ecke“ heißt, ist aber eher ein modernes Speiselokal, im Frühjahr eröffnet. Wir sind direkt um sieben Uhr dort, als sie aufmachen, und um 19:45 sind alle Tische besetzt!

    Auf derGetränkekarte stehen zwar ca. 20 verschiedene Biersorten, aber auch mindestens genau so viele Weine der Azoren, und zu essen gibt es wunderbare portugiesische Gerichte. Ich entscheide mich für einen Meereseintopf mit Fisch, Muscheln, Gambas und Sepia, so fein! Volker bekommt „Alcatra de Carne“, so etwas wie slow cooked Rindfleisch in einer sehr dunklen Soße und „richtige“ aus frischen Kartoffeln geschnittene schlanke Pommes. Extrem lecker! Die Reste des dazu gereichten leicht süßlichen Brotes stecken wir in den Rucksack fürs Frühstück. Wer mal hierher kommt, sollte sich dieses Bierlokal nicht entgehen lassen.

  • Zurück auf der Insel

    Nun sind wir schon seit Sonntag zurück auf unserer Hexe. Die lag immer noch gut vertäut und unbeschädigt in der Marina von Ponta Delgada, als wir vom Flughafen kamen. Seitdem genießen wir wieder das südlichere Leben. Obwohl die Temperaturen hier sich im unteren zwanziger Wert bewegen, wärmt die Sonne doch ordentlich, und die bösen Wolken bleiben an den Bergen hängen. 

    Die ersten Tage waren eher unspektakulär. Volker war sehr betriebsam, er hat den Wassertank auf Bewuchs hin inspiziert und in perfektem Zustand vorgefunden. Außerdem hat er die Toilettenpumpe überholt, wir hatten die Ersatzteile aus Deutschland mitgebracht,  nun funktioniert auch der Teil des Lebens wieder einwandfrei.

    Hexe an ihrem Starplatz

    Hier haben wir alte Freunde wieder getroffen und neue kennengelernt, das war wie immer sehr bereichernd. Volker und Ellen, denen ich kurz vor unserem Abflug im Hafen begegnet bin, haben uns an der Marina abgeholt und zu ihrem beeindruckenden Haus eingeladen, mit Land drumherum, soweit man schauen kann. Wir alle haben einen Nachmittag lang ununterbrochen geredet und spannende Geschichten gehört, Schwänke aus unser aller Leben, eben.

    Wir liegen hier an einem großartigen Fleck. Wir haben einen Liegeplatz zwischen zwei Stegen, was uns ermöglicht, die Hexe so nach beiden Seiten abzuspannen, dass sie in allen Winden wunderbar geschützt ist. Fast alle Festlieger und Gäste müssen an unserem Boot vorbei. Da kommt man auch schnell mal ins Schnacken mit den anderen Seglern, es wird uns nicht langweilig.

    Zudem ist Ponta Delgada eine tolle Stadt, wir laufen jeden Tag durch immer neue Straßen und Gassen. Die Straßen im Zentrum sind ein bisschen schicker, aber auch enge Gassen mit nicht so gepflegten Hausfassaden haben wir gesehen. Es gibt renovierte, aber auch baufällige Häuser, hunderte von Optikern im Zentrum, und kleine Läden in der weiteren Umgebung. Die Restaurants sind am Abend extrem gut besucht, ohne Reservation läuft in den meisten nix, in anderen muss man sehr geduldig anstehen, um irgendwann einen Tisch zu ergattern. Unser Lieblingsrestaurant, das „Louvre“ z.B. ist seit unserer Ankunft jeden Abend ausgebucht, höchsten um 21 Uhr würde man eventuell noch einen Platz bekommen.

    Heute haben wir „in Kultur gemacht“. Wir hatten gestern ein Plakat gesehen für ein Konzert am Freitag mit „Ritmos Latinos“ für großes Orchester, das im „Largo do Colégio“ stattfinden soll. Im Internet war nichts nichts zu finden, wie und wo man Tickets bekommt, also sind wir nach dem Frühstück aufgebrochen, um dieses Colégio zu finden. Der Platz davor war bereits bestuhlt und der Soundcheck in vollem Gang! Ein freundlicher Helfer erklärte uns, dass die Konzerte nichts kosten, man solle um 21:30 einfach kommen und Platz nehmen. Cool, das machen wir morgen!

    Nebenan war gleich ein Museum, und Volker meinte, das sollten wir uns uns doch nicht entgehen lassen, heute sei Kultur-Tag. Dieses Museum ist eine Sammlung sakraler Kunst, in einem ehemaligen Jesuitenkloster untergebracht, das Museo Carlos Machado.

    Es besitzt eine große Sammlung von religiöser Kunst aus vielen Jahrhunderten, aber das beeindruckendste ist die eigentliche Kirche mit dem hohen, komplett aus Holz geschnitzten Altar und den beiden Wänden mit blau-weißen Kachelmosaiken, die von Menschen aus dem Dorf gefertigt wurden, von den Mönchen angestellt, um die armen Leute zu unterstützen. Die filigranen Holzschnitzarbeiten des wunderschönen Altars sind an der Decke und an einem Seitenaltar mit Gold verziert, die anderen Teile nicht.

    Die Jesuiten-Padres, hoch gelehrt und gebildet, wurden 1760 ausgewiesen, und der Kirchenraum blieb unvollendet, denn natürlich sollten auch die restlichen Holzarbeiten mit Blattgold überzogen werden. Erst in diesem Jahrtausend konnten der Altar und die Gemälde der Sammlung in den ursprünglichen Zustand gesetzt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

    Doch damit nicht genug der Kultur: Zu dem  Museum gehört auch ein nahegelegenes ehemaliges Nonnenkloster der Sankt Augustinerinnen. Dort befindet sich neben dem wiederum sehr beeindruckenden hochbarocken Kirchenraum ebenfalls eine große Sammlung sakraler Kunst des 17. Jahrhunderts, aber auch naturkundliche Sammlungen mit einer Vielzahl an präparierten Vögeln, Fischen und Landtieren sind zu sehen. Hier ein paar Bilder:

    Danach war unser Kopf voll, und unsere Beine müde, jetzt brauchten wir erst einmal ein Stück selbst gebackenen Apfelkuchens an Bord.

  • Taschentücheralarm

    Und schon wieder haben wir den Rückflug zum Boot nach Ponta Delgada für eine Woche verschoben. Am letzten Wochenende war es Allegra, die dem bösartigen Kindergartenvirus erlegen ist, sodass wir dachten, es wäre vielleicht erholsamer für sie, wenn wir Zoey für ein paar Tage zu uns holen würden. Aber dann wurde Zoey selber krank, und auch Volker hatte sich angesteckt. 

    Also gut, die bösen Tiefdruckgebiete wechseln sich sowieso immer noch ab auf dem Nordatlantik, da versäumen wir nichts, wenn wir noch ein paar Tage hier bleiben. Es gibt nur einmal in der Woche einen Direktflug ab Frankfurt zu den Azoren, sodass wir immer in Wochenabständen planen müssen. Die Marina in Ponta Delgada zeigt sich entspannt, dass die „Hexe“ noch ein bisschen bleibt, wahrscheinlich freuen sie sich auch über die Einnahmen, denn jetzt haben die meisten Segler, die im April/Mai aus der Karibik kamen, die Azoren verlassen.

    Ob das gegen Erkältung hilft?

    So, im Laufe der Woche hat auch Volker sich erholt und eigentlich wollten wir am Freitag zu einem vorläufig letzten Besuch bei den Enkelkindern starten. Dann aber habe ich Donnerstag Abend begonnen zu husten, und Volker musste sich die halbe Nacht mein Gebelle anhören. Daraufhin hat er kurzentschlossen am Freitag Morgen mit einer sehr netten Dame bei der Lufthansa gesprochen und unseren Flug erneut umgebucht. (Ich weiß schon, warum ich normalerweise die Rückflüge zum Boot nicht direkt mit buche, oder wenn, dann auf jeden Fall mit einer Option zum Umbuchen!)  Aber obwohl sich der Wind eigentlich für die nächste Woche günstig gezeigt hatte, ist diese Vorhersage seit heute Morgen auch schon wieder obsolet.

    So genießen wir nun noch ein bisschen das satte Grün des verregneten Deutschland, ab morgen soll es wärmer werden. Dann kann Volker mit unserer kleinen Enkeltochter schwimmen, paddeln und radeln, und in ein paar Tagen bin auch ich wieder fit für das Biergartenwetter.

    Sehr grün bei leider bedecktem Himmel

    Das Treffen zu meinem fünfzigjährigen Abitur war ein voller Erfolg. Am Ende der Schulzeit zählte unsere Stufe ungefähr 90 Mitschülerinnen und Mitschüler, davon waren nach 50 Jahren noch 47 gekommen, ein paar sind nicht mehr auffindbar, oder sehr weit weg verzogen, und leider sind auch einige, glücklicherweise nur wenige, für immer gegangen. Wir haben eine Führung durch unsere Schule von dem vorherigen Direktor bekommen, der ganz offensichtlich immer noch für das Goethe-Gymnasium schwärmt. Wir waren alle begeistert, in welch herausragendem Zustand sich das Gebäude und die Inneneinrichtung befindet. Besonders stolz zeigt sich unser Guide über die von den Schülerinnen und Schülern selbst renovierten und gestalteten Toilettenräume, auch die durften wir bewundern. 

    Nach einer kleinen Kaffeepause schloss sich eine weitere sehr interessante Führung von Mitschüler Georg durch die nicht-öffentliche wissenschaftliche botanische Sammlung des Senckenbergmuseums an. 

    Am Abend kam dann das fröhliche Beisammensein beim Äppelwoi. Zunächst mussten wir alle über uns erzählen, was uns in den letzten 50 Jahren bewegt hat. Anschließend wurden die Erfahrungen und Erlebnisse der vielen Jahre in kleineren Grüppchen weiter ausgetauscht. Insgesamt ein großartiger Tag, danke an unsere Organisatoren!

  • Ein Sommer im Norden, Etappe 2, Tag 3

    Samstag, 11. Mai 2024 abends, auf See,
    Ankunft in Vila do Porto, Santa Maria, Azoren 11:00 Uhr
    Baro 1025, bedeckt, Wind 6-8 kn, die See unter 1 m
    Etmal um 11 Uhr 125 sm, gesamte Strecke 469 sm

    Ich hab bisher immer Etappe 1 geschrieben, das ist natürlich falsch, weil die Etappe 1 von Lanzarote nach Madeira ging. Jetzt ist es korrigiert!

    Flaute!

    Die See ist ganz ruhig, und leider müssen wir auch motoren, aber damit haben wir gerechnet, als wir aufgebrochen sind, wir wussten, dass wir in die Flautenzone des Azorenhochs kommen würden, der Diesel muss ja auch mal verbraucht werden, sonst wird er schlecht. 

    Zum Abendessen gibt es vom Chef selbst gemachte „Semmelnknödeln“, dazu Rotkraut und Schweinelendchen in dunkler Pilzsauce, was soll ich sagen, mal wieder: „Lecker!“

    Danach folgte ein ausgiebiges Telefonat mit unserer Enkelin Zoey, Mama Allegra hatte gestern ein Video geschickt, in dem Zoey mir ihrer Schwester in einem selbst gebastelten Boot, ich würde es „Pipi-Langstrumpf-Segler“ nennen, die Leinen loswirft, und das Boot ablegt. Vielleicht eine neue Seglerin in der Familie?

    Um 08:30Uhr sehe ich, dass ein großes Passagierschiff, die „Hanseatic Nature“ direkt auf Kollisionskurs auf uns zukommt, ein Kreuzfahrtschiff der Expeditisionsklasse von Hapag Lloyd, es fährt nach Funchal, und – natürlich- weicht es, wie auch wir, nach Steuerbord aus.

    Ab 22:00 Uhr kehrt die Nachtroutine ein, zuerst schläft der Käpt’n in bisschen auf dem Sofa. Ich versuche derweil mein Glück mit der Kurzwelle. Vor Starlink habe ich immer den Wetterbericht auf langen Strecken per email von PredictWind über die Kurzwelle geholt, manchmal haben wir auch von lieben Funkerfreunden ausführliche Interpretationen der Wetterlage per email erhalten. Da wir mittlerweile mit Starlink einen viel einfacheren Zugang zum Internet haben, und somit auch zu den Seewetterberichten, wurde bei uns an Bord diese Form der Information über die Kurzwelle eher vernachlässigt. Aber was wäre, wenn das Starlink mal kaputt ist??? Leider scheint es einenFehler an meinem Pactor-Modem zu geben, denn dort blinken zwei rote Lichter, die da nicht hingehören. Ein bisschen frustriert gehe ich anschließend in die Kabine, und Volker übernimmt die Wache.

    Das Motorsegeln geht leider die ganze Nacht, der Wind ist morgens nur noch 3 Knoten. Das bleibt leider auch so, bis wir bei Santa Maria sind. Als das GPS nur noch sechs Meilen bis zum Hafen anzeigt, bergen wir auch das Großsegel. Laut Hafenmeister Lloyd ist unser Platz am Kopf des ersten Stegs frei, Jens und Martina von der Maje wissen Bescheid, Günther und Monika von der Hugin sollten auch eingetroffen sein. Das klingt nach einer guten Party heute Abend!

  • Ein Sommer im Norden, Etappe 2, Tag 2

    Freitag, 10. Mai 2024 abends
    Baro 1020, kleine Wölkchen am Himmel,Wind 13 kn, die See höchstens 1 m

    Sonnenuntergang, immer wieder ametwas besonderes auf See

    Sonnenuntergang war um 21:18 Uhr, jetzt, um 22:05 Uhr ist immer noch ein Lichtschein am Himmel zu sehen. Zum Abendessen gibt es Carbonara (ohne Coca-Cola), lecker wie immer, wir haben alles aufgegessen. Direkt nach dem Abspülen wird das Großsegel ausgerefft, ebenso die Genua.

    Unser blinder Passagier mag das gar nicht, wenn wir irgendetwas an den Segeln machen. Wenn es laut wird, fliegt sie immer auf, bisher hat sie jedesmal danach einen Platz gefunden. Wir würden ihr ja auch mal ein bisschen Wasser hinstellen, aber sie sitzt immer an den unmöglichsten Plätzen, und ist sehr scheu, das ist bestimmt eine Wildtaube.

    Samstag, 11. Mai 2024
    Baro 1024, Sonne-Wolken-Mix, Wind 8 – 10 Knoten, die See unter 1 m

    Ein neuer Tag

    Wir konnten die ganz Nacht durch segeln, der Wind blieb stabil nicht unter 10, eher 12 Knoten, hat auch gerade noch durchgehalten bis zum Frühstück um 11 Uhr, aber danach geht die Windgeschwindigkeit runter auf 6 Knoten, und der Windeinfallswinkel fällt unter 50°. Ab Mittag ist es flau – wie vorhergesagt – der Motor wird gestartet, und schiebt mit.

    Unsere Taube ist tatsächlich immer noch da, Volker hat ihr ein paar Brotkrümel hingeschüttet, aber die hat sie nicht angerührt. Hinten auf den schrägen Solarpaneelen können wir ihr auch kein Wasser hinstellen, das würde sofort von der schrägen Fläche ins Meer rutschen. Ich habe sie Nora getauft, weil – wie ich gelesen habe – der Name „anders“ oder „fremd“ bedeutet. Sie ist so menschenscheu, dass sie, als ich mich nur dem Solarpaneel genähert habe, sofort rückwärts gegangen ist. Wir wollen sie ja nicht wieder aufscheuchen, vielleicht hält sie ja durch bis morgen, und kann als madeirischer Flüchtling einen neuen Wohnsitz auf Santa Maria beantragen …

    Hier an Bord ist Routine, schlafen, lesen, essen, Film gucken, ab und an mal den Kurs korrigieren, solange wir gesegelt sind, jetzt fällt das weg. Volker hatte bereits alles vorbereitet, um den Code Zero zu setzen, aber der Wind, bzw. der nicht mehr vorhandene Wind, hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Dabei hätten wir doch so gerne das neue Segel hochgezogen.

    Etmal um 15:00 Uhr 168 sm