Autor: Hexymama

  • Überwältigt

    Gestern morgen konnten wir ein bisschen länger schlafen, denn Henrik holte uns erst um zehn Uhr in unserem Hotel ab, um zu der fast 500 km entfernten Gondwana Game Reserve zu fahren. Dort werden wir die nächsten drei Tage logieren und zweimal am Tag auf Safaris gehen. Oder besser fahren.

    Es ist eine abwechslungsreiche Fahrt durch ganz verschiedene Landschaften. Für die ersten 30 Kilometer begleiten uns die Ausläufer und Townships von Kapstadt. Weiter geht es an den berühmten Weinanbaugebieten von beispielsweise Stellenbosch vorbei. Dann sind die Berge nicht weit, mit Landschaften, die an Amerika oder Kanada erinnern, zum Schluss fahren wir über die endlosen Weiten mit sanften Hügeln und endlosen Feldern, auf denen Getreide und Heu angebaut wird. Am Ende wird es abenteuerlich. Die Navigationsprogramme leiten uns bis zu einem Punkt, der aber nur der Eingang ist zu dem 11.000 Hektar großen Game Resort ist.

    Rote Erde

    Danach geht es auf sehr holprigen Wegen über sehr rote Erde noch mehr als 5 km weiter. Henrik stöhnt, dass er jetzt aber dringend das Auto waschen muss. Doch wenn er uns am Freitag abholt, ist es ja wieder genauso staubig?! Am Rand sehen wir schon das erste Impala stehen, und ein Zebra in der Ferne.

    Kaum sind wir durch das große Tor bei der Rezeption zum Hotel gefahren, werden wir überaus freundlich begrüßt, und unser Gepäck wird direkt in einen Kleinbus verfrachtet. Volker geht noch schnell zur Rezeption, um uns anzumelden, dann geht es auch schon los, die spätnachmittagliche Safari hat nämlich bereits begonnen, und es wird versucht, einen der Toyota-Jeeps zu finden, mit dem wir dann auch unsere ersten Eindrücke des Wildparks erleben dürfen.

    Nach einer Weile haben wir den Wagen von Coolman (hoffentlich schreibt man das tatsächlich so) erreicht, zwei Plätze sind da noch frei, und wir steigen auf. Huch, ist der Fahrtwind kalt! Glücklicherweise ist vorgesorgt, hinter dem Fahrer liegen warme regendichte Capes für die nicht vorbereiteten Touristen. 

    Coolman fährt los, und es dauert nicht lange, dann sehen wir die ersten Gnus, die Hauptnahrung der Löwen, weil Gnus nicht so schnell laufen können. 

    Wir stehen plötzlich mitten in einer Herde Kaffernbüffel. Sie alle laufen um uns herum, Mütter, Väter und Kinder, zum Greifen nah.

    Bei der Weiterfahrt sehen wir Zebras, eine Herde Impalas, das sind afrikanische Antilopen, bevor wir zu dem Nashorn kommen, das einfach so auf demWeg steht. Drei weitere liegen daneben im Gras und scheinen relativ unbeeindruckt von den Menschen, die wie wild mit Fotoapparaten oder ihren Telefonkameras knipsen. Doch – wie uns Coolman erklärt, dürfen diese Fotos nicht ins Internet gestellt werden, weil es immer noch menschliche Geier gibt, die Rhinozerosse töten, um an das Horn zu kommen. Angeblich kann man daraus ein Aphrodisiakum machen, zumindest ist das in Asien sehr verbreitet. Und nur deshalb, weil bei Nashörnern der Geschlechtsakt ca. eine Stunde dauert! Glaube versetzt nicht nur Berge … Nun, diese „Jäger“ durchforsten wohl das Internet nach Fotos der Tiere, um sie aufzuspüren und zu töten. Ein Kilogramm Horn bringt über 20.000 Euro ein.

    Nur wenige Minuten später sind wir an einem Wasserloch, das sich ein paar Nilpferde zum abendlichen Bad ausgesucht haben. Nee, eigentlich verbringen sie den ganzen Tag im Wasser und machen sich erst am Abend auf, an Land ihre Nahrung zu suchen. Ein Hippopotamus kann bis zu acht Minuten untertauchen, ehe es wieder Luft holen muss. Diese hier waren deshalb auch nicht so einfach zu fotografieren, weil sie immer wieder abgetaucht sind, kaum hatte man eins gesichtet.

    Kuhreiher und ein Kormoran ließen sich von all dem nicht stören.

    Springböcke und eine Herde Zebras säumen den Weg, manchmal kann man gar nicht schnell genug die Kamera aktivieren. Auch Gnus sehen wir wieder, wie sie friedlich grasen.

    Und dann kommt der Hammer: An einem Busch sitzt ein Gepard, das schnellste Tier der Welt! Leider ist er der einzige verbleibende hier im dem Wildpark, seinen Bruder und die beiden Damen haben die Löwen gefressen. Man sollte ja denken, dass das schnellste Tier der Welt nicht so einfach zu fangen ist, aber die Löwen sind schlau und agieren strategisch, sie kreisen die Beute ein, sodass auch die Geparde nicht mehr fliehen können. Und nun ist dieser hier eben ganz alleine. 

    Danach gibt es noch einen kleinen Sundowner, mitten in der Wildnis dürfen wir jetzt doch aussteigen , an einem sicheren Platz einen Drink nehmen, bevor Coleman uns zum Hotel zurück bringt, und wir alls uns beim Abendessen wiedersehen. 

    Dieser und die nächsten Blogs werden mehr Bilder als Text haben, aber das ist hier so beeindruckend, dass manchmal einfach die Worte fehlen.

  • Der andere Teil


    Anfänglich waren wir nicht so begeistert von der Idee, eine Tour in einem Township zu machen. Ist es nicht vermessen, dass wir mit all unserem Reichtum das Elend anderer besichtigen? Aber am Ende war ich doch überzeugt, dass beide Seiten von solchen Besuchen profitieren, für die Bewohner, weil die geführten Touren natürlich Geld in das Township bringen, und für uns, weil wir so viel lernen können.

    Heute Vormittag musste ich allein mit unserem Guide zu den Townships fahren, Volker hatte es in der Nacht erwischt, in Süd- und Mittelamerika heißt das Montezumas Rache oder Inka-Quickstep, keine Ahnung, wie man in Afrika dazu sagt. Unseren Guide hatte es auch erwischt, aber er bestand darauf, mich zum Khayelitsha Township zu fahren. So musste ich heute alles Neue allein im Kopf behalten, naja, zumindest habe ich es versucht.

    Es war eine lange Fahrt von Camps Bay auf die andere Seite der Halbinsel, vorbei an der Innenstadt, über den Motorway, an dessen Rändern schon die Wellblechhütten der Townships sichtbar wurden. Schließlich kommen wir in Khayelitsha an. Khayelitsha, zu Deutsch „Neue Heimat“ ist eines der größten Townships Südafrikas. Laut Nomande, der jungen Frau, die mich den ganzen Vormittag über durch das Viertel begleiten wird, sind es über drei Millionen Menschen, die hier und in den angrenzenden Gebieten Khayelitshas leben. 

    Ab dem Ende des letzten Jahrtausends hat die Regierung Südafrikas begonnen, in den Townships Steinhäuser zu bauen, die dort für bessere Lebensbedingungen sorgen sollen. Es ist nicht ganz einfach einen Platz in ebendiesen Steinhäusern zu erhalten, so ganz habe ich die Bedingungen nicht verstanden, aber soviel, dass man dort auch eine, wenn auch geringe, Miete zahlen muss.

    Die Wellblechhütten werden auf freien Plätzen gebaut, das Land gehört zwar der Stadt, aber die Bauten sind irgendwie geduldet. Es dauert ca. zweieinhalb Stunden, solch eine Hütte zu bauen, da kann man sich vorstellen, wie fragil diese Häuser sind. Immerhin stellt die Regierung Strom und Wasser, sodass die hygienischen Verhältnisse ziemlich gut sind. Auch gibt es Krankenhäuser, Ärzte mit eigenen Praxen, Schulen und Kindergärten.

    Und so begann mein Morgen: Überpünktlich, um Viertel vor neun Uhr sind wir angekommen, im „Gartencenter“ von Juma. Juma ist der Selfmademan schlechthin. In seinem großen Garten werden Gemüse, Kartoffeln und Kräuter angepflanzt, um so den Menschen klar zu machen, dass das Essen nicht nur aus dem Supermarkt kommt, oder in isolierten Warmhalteverpackungen wächst. Auch ich durfte, bevor die eigentliche Tour beginnen sollte, ein paar Paprikapflänzchen in die Erde bringen. Und Juma sagt, da ich nun afrikanische Erde in meinen Händen gehalten habe, werde ich auch immer wieder kommen.

    Nun übernimmt Nomonde die Führung der Tour, Henrik fährt uns mit seinem Auto zu einer besonderen Garage ein paar Straßen weiter. Dort betreibt Sikelela mit seinem Barista Thulani ein kleines Café, mit einer professionellen Kaffeemaschine, der Kuchen wird vom Besitzer selbst aus der   Küche des angrenzenden Häuschens gebracht. Hier kommen offensichtlich ganz viele Touristen mit ihren Tourguides vorbei, Sikelela ist inzwischen so erfolgreich, dass er auf der anderen Stadtseite, in einem viel reicheren Stadtteil, ein zweites Café eröffnet hat.

    Nach dem – sehr guten – Kaffee fahren wir wieder ein Stück weiter, zu einer winzigen Galerie, die von Nomondes Bruder mit dem Künstlernamen Maninzi betrieben wird, eine kleine Wellblechhütte neben der Wohnhütte des Künstlers selbst. auch Nomonde lebt dort in einer weiteren Hütte mit ihrer sechsjährigen Tochter. (Ich glaube, einen Mann gibt es auch dazu, aber der war nicht so ein großes Thema.)

    Am Eingang ist eine große Landkarte von Deutschland gemalt, jeder deutsche Besucher wird nach dem Wohnort gefragt, danach wird der Ort mit einem Punkt in der Karte eingetragen. Viele  Bilder hängen in der kleinen Galerie, von Künstlern aus der Nachbarschaft, zu jedem weiß Christopher, wie Maninzi mit bürgerlichem Namen heißt, eine Geschichte zu erzählen. Auch er malt, und ich kaufe von ihm einen farbenfrohen Hahn, der auf Wellpappe gemalt ist, sozusagen als „recycling art“.

    Das Township ist – wie andere Städte – in verschiedene Viertel aufgeteilt, viele sind – warum auch immer – nach Covid-Vokabeln getauft, Level one, Vaccination, social distancing, Quarantine. In „social distancing“ würde ich eher nicht wohnen wollen, aber das ist hier eigentlich auch ein Fremdwort für die Menschen hier. Man geht zum Nachbarn, um ein Ei oder Kaffee zu leihen, trifft sich neben den Hütten am Abend, manchmal legen viele Familien auf einer Feuerstätte ihre Mahlzeiten auf.

    Weiter ging es auf sandigen Wegen zu dem hiesigen Kindergarten, wo mich die Chefin durch alle Gruppen führt. Hier musste ich mich wirklich an Volkers Ermahnung erinnern, keine kleinen süßen Kinder mitzubringen. Wir gingen durch alle Altersgruppen, sie hat mir die Räumlichkeiten gezeigt, für jedes Alter gibt es eine Gruppe, die 1-2jährigen, die  Dreijährigen, usw. In der Küche werden die Mahlzeiten zubereitet, morgens gibt es Porridge, mittags ein warmes Essen. Die Kinder können – und sind – in den meisten Fällen von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends dort, sie werden betreut, bis sie mit ca. sieben Jahren in die Schule kommen. Die Schule beginnt im Januar, klar, hier sind die Sommerferien rund um Weihnachten.

    Danach gehen wir – zu Fuß – durch die reinen Wellblechhütten-Township Häuser. Es sind keine halbwegs richtigen Wege mehr, sondern ganz schmale, vielleicht einen halben Meter breite Fußwege, die sich zwischen den Hütten durchschlängeln. Aber auch dort fühle ich mich zu keinem Punkt unsicher, oder gefährdet, das hatte ich mir so nicht vorgestellt.

    Am Ende schloss sich ein Gang durch die dortige Mall an, da gibt es Supermärkte und „normale“ Geschäfte, aber auch jede Menge einfache Stände mit Waren aller Art, von Obst und Gemüse über kleine Werkzeuge und Kram aller Art. Natürlich sind diese Geschäfte außerhalb jeder Steuer…

    In dem zweiten Fahrradladen von Juma endet diese Tour. Man kann dort Fahrräder kaufen, klar, aber nur für Mädchen oder junge Frauen gibt es Kurse im Fahrradfahren auf Trainingsrädern, und eine Lern-Werkstatt, wie man Räder repariert. Schon drei von seinen Schülerinnen waren bei großen Radrennen in Europa erfolgreich. Daneben gibt es Wlan in dem Geschäft, und die Mädchen sollen nach der Schule vorbei kommen können, und hier ihre Hausaufgaben machen.

    Wir tauschen Mailadressen aus, und ich möchte gerne Jumos unglaubliche Kraft und Alternative für seine Mitbewohner honorieren, dass ich hier seine Kontakte weitergebe. Googelt einfach  „Juma Mkwela“, und Ihr werdet eine Menge interessanter Dinge über seine Aktivitäten erfahren, die von Wandmalereien über die Gemüseanbau bis zu seinen  pädagogischen Aktivitäten reichen. zu den 

    And to Nomonde: If I ever wrote something wrong here or missed something out, please forgive me, it was an immense lot of information to remember. 

    Thank you all for having me to get an idea about your life!

  • Das neue Jahr beginnt – anders

    Zunächst wünschen wir allen unseren Lesern ein fröhliches, gesundes erfolg- oder erlebnisreiches neues Jahr, zu Hause oder an Traumzielen, ganz so, wie jeder es sich individuell wünschen mag. Wir haben – nach gemütlichen Weihnachtstagen mit Kindern und Enkelinnen –  in der Gesellschaft von lieben Freunden das neue Jahr willkommen geheißen.

    Unmittelbar danach haben wir uns auf eine ganz andere Reise gemacht, wir sind – zunächst – nicht zu den wärmeren Gefilden am Salzwasser aufgebrochen, sondern haben das Wasser in einem anderen Aggregatzustand vorgezogen: Wir waren in Österreich zum Skifahren.

    Mit Morgensonne auf den Bergen begrüßt uns Maria Alm

    Volker hatte eine schöne Unterkunft für uns gefunden, so waren wir fast eine ganze Woche mit unseren lieben Freunden Ute und Wolfgang auf und neben der Piste unterwegs. Mit den beiden haben wir schon zahlreiche – nicht nur im Winter- – Urlaube verbracht, wir waren also schon ein eingespieltes Team.

    An unserem ersten Tag in Maria Alm spielte das Wetter mit, es war kalt und komplett sonnig, Winterwetter vom Feinsten. Nach fünf Jahren Abstinenz vom Wintersport habe ich mich am Anfang trotz jahrzehntelanger Erfahrung (schließlich habe ich damals Volker das Skifahren beigebracht) ganz schön schwer getan, einfach so den Skiern und meinen Beinen zu vertrauen. Es war nicht so ganz entschieden, ob ich den Buckel runter rutschen, oder das Ganze mir den Buckel runter rutschen sollte.

    im klassischen Stil

    Glücklicherweise hat sich irgendwann der Knoten in meinem Kopf gelöst und schlussendlich bin ich mit viel Spaß in meiner alten Form die Pisten hinuntergefahren, in dem eher klassischen Stil, wie Volker und unsere Freunde das nennen. Meine Skier waren nun auch über zwölf Jahre alt, und ich habe es mir gegönnt, ein paar neuere geliehene Skier auszuprobieren. Auch das hat geholfen. Volker hat mich während der gesamten Zeit liebevoll begleitet, mit guten Ratschlägen und manchen Ermutigungen, auf seinem Snowboard, natürlich.

    souverän
    Volker beim Aufstieg

    Freund Wolfgang war mit voller Ausrüstung angereist: Neben dem obligatorischen Snowboard hatte er auch Tourenski sowie Schneeschuhe dabei, und so machten die beiden Herren sich an dem sehr bewölkten Tag mit Schneefällen, an dem das Pistenfahren keinen Spaßfaktor beinhaltete, auf, und sind bergauf gegangen. Wolfgang auf seinen Tourenskiern und Volker mit den Schneeschuhen, das Snowboard auf den Rücken, damit er – oben angekommen – nach der Anstrengung die Freude der Abfahrt genießen können möge.

    Es war, wie anschließend Ute und mir berichtet wurde, ein überaus anstrengendes Unterfangen, vor allem für Volker, der mit diesen sehr ungewohnten Fortbewegungsmitteln, den Schneeschuhen, mit dem tiefen Schnee zu kämpfen hatte, und zeitweise nur mit großer Anstrengung vorwärts kam. Die anschließende Abfahrt war dann wohl ein bisschen Lohn für die Mühe.  Ute und ich haben diesem Tag mit Training im Resort eigenen Fitnessstudio und dem 25 m langen Schwimmbad verbracht.

    Auf der Hochkönigstour

    Am letzten Tag vor der Abfahrt hat Volker die gesamte Hochkönigtour gemacht, also das gesamte Skigebiet abgefahren, von Maria Alm bis Mühlbach, eine anspruchsvolle Strecke, die er bravourös gemeistert hat. Die Enttäuschung kam zum Schluss, seit einiger Zeit fährt der ansonsten sehr kommode Skibus nicht ab Mühlbach, und bei dem Versuch, auch den Rückweg auf dem Snowboard anzutreten, musste er feststellen, dass ein Teil der Bindung fehlte. Nun half nur noch ein Anruf bei mir, dass ich ihn mit dem Auto dort abholen solle. Was ich natürlich direkt getan habe.

    heißer Bombardino

    Eines durfte beim Skifahren in Österreich natürlich nicht fehlen: Mit „Anton aus Tirol“ und dem „roten Pferd“ haben wir so manche nette Stunde beim Après-Ski auf der Terrasse vom „Bachwirt“ verbracht. Natürlich durften dabei auch so kleine innere Wärmflaschen nicht fehlen wie die „Heiße Witwe“, warmer Pflaumenlikör mit üppigem Sahnehäubchen, oder „Bombardino“, von der Kneipe selbst gemachter warmer Eierlikör mit ebensolchem Häubchen. Die Krönung aber war der „Haxen Spreizer“ (ein Schelm, wer Böses dabei denkt – oder für unsere frankophilen Freunde „Honi soit qui mal y pense“), dabei wird ein Päckchen Zucker in den Mund geschüttet, anschließend ca. ein Esslöffel Zitronensaft und zum Schluss 2 cl Wodka ebenfalls in den Mund genommen, dann erst darf geschluckt werden, lecker! Auch die österreichische eher deftige Küche haben wir sehr genossen, Blutwurst Gröstl, Schnitzel, Kaspressknödel in der Suppe und Kasnocken aus der Pfanne haben uns Kraft gegeben für den nächsten Tag auf der weißen Piste.

    So beginnen wir erst jetzt, etwas verspätet, zurück in Darmstadt, mit den guten Vorsätzen für das neue Jahr. 

  • Einfach nur genießen

    Das Wetter ist – wie immer auf Lanzarote – sehr schön, auch wenn es in den letzten Tagen immer mal geregnet hat (wie Volker ja bereits darüber berichtete). Nur der Wind spielt verrückt, jetzt haben wir schon wieder südliche Winde, sehr ungewöhnlich für die Kanaren. Um diese Jahreszeit setzt sich normalerweise ein steter Passat aus Nordost durch. Hier im Hafen, und wahrscheinlich auf den ganzen kanarischen Inseln, warten viele Segler auf den richtigen Wind, um in die Karibik zu fahren. Wir jedenfalls haben unsere Abreise auf Januar verschoben, denn die Weihnachtsfeiertage wollen wir doch gerne in Deutschland mit unserer Familie verbringen.

    Trotzdem wird es uns hier auf der Insel nicht langweilig, im Gegenteil. Inzwischen kennen wir so viele liebe Menschen, mit denen wir uns gerne verabreden. Wir treffen uns zum Beispiel im UpperDeck, der Kneipe im Hafen von Puerto Calero. Wir bekommen Besuch von Freunden, die wir hier kennen oder die wir vor Jahren hier oder auch an ganz anderen Orten beim Segeln getroffen haben. Oder wir besuchen sie auf ihren Booten oder in ihren Wohnungen.

    Und da sind ja auch noch unsere berühmten „Champagne Fridays“, zu denen ebenfalls viele Freunde zu uns kommen, um mit uns das Wochenende einzuläuten. Viele Gäste bringen Wein mit, den wir dann beim nächsten Freitag zusammen austrinken, oder kleine leckere Snacks. Und Volker übertrifft sich jede Woche aufs Neue mit seinen Essens-Kreationen. Es gibt zum Beispiel saarländische Currywurst (steht ganz hoch in der Beliebtheitsskala), oder Albondigas, das sind in Spanien kleine Hackbällchen in einer würzigen Tomatensauce, oder – wie am letzten Freitag – Filetspitzen mit Champignons in Gorgonzolasauce, einfach nur wunderbar!

    Um beim Schlemmen zu bleiben: Wie schon im letzten Jahr gab es in diesem Herbst auch wieder die „Saborea“ eine Food-Messe mit kanarischen Spezialitäten der hier ansässigen Restaurants. Ich bin mit Inge-Lore, Martina und Ulrike hingefahren, Volker hat derweil auf Nelly aufgepasst, Ulrikes süße aber schon sehr alte Hündin, der so eine Veranstaltung mit vielen vielen Menschen nicht gefallen würde. So konnte auch Ulrike guten Gewissens mit uns fahren, wusste sie doch ihre liebste Hunde-Freundin in den allerbesten Händen.

    Wir aber waren diesmal schlau und sind so früh hingefahren, dass an manchen Ständen noch die Auslagen fertig gemacht wurden. So bekamen wir einen Parkplatz sozusagen in erster Reihe und konnten gemütlich über den noch nicht überfüllten Kirchplatz und durch die Zelte schlendern.In weiser Voraussicht hatten wir noch nicht gefrühstückt, und konnten so an ganz vielen Ständen die leckersten Dinge probieren. Es gab zum Beispiel exzellentes Thunfischtartar, Croquetas mit Krabben oder Sepia, daneben alles, was man so mit Ziegenkäse anfangen kann, aber auch den leckersten Pantone, den ich je gegessen habe, und unzählige unglaublich hübsch angerichtete süße Verführungen. Natürlich waren auch alle Bodegas der Insel da, und so ab 13 Uhr liefen die Besucher mit einem Weinglas in der Hand herum.

    Wir hatten unsere Hexe schon gut mit Proviant aufgefüllt, für unsere Atlantik-Überfahrt eingekauft. Die Schubladen des Kühlschranks quellen über, der Gefrierschrank ist trotz der Feste an den Freitagen immer noch so voll, und in der Kiste im Cockpit liegen Zwiebeln, Rotkraut, Weißkraut, Kürbis und jede Menge Äpfel und anderes Obst. Und das, obwohl wir schon gar nicht mehr ausgehen zum Essen, sondern brav zuhause bleiben und kochen. Denn nun muss das alles aufgegessen werden, ehe wir pünktlich zu Nikolaus bei unseren kleinen Enkeltöchtern in Deutschland sein werden. Damit das in unsere Bäuche reinpasst, und wir dabei nicht unendlich an Gewicht zulegen, sind wir heute morgen nach Puerto del Carmen gelaufen, mein gebrochener Zeh lässt solche Wanderungen inzwischen wieder zu. Ich habe mich dort allerdings gemütlich ins Hafencafé gesetzt, während Volker zurück gejoggt ist, um mich anschließend mit dem Auto abzuholen ;-))

    Leckerer Café am Hafen für mich

  • Tsuchinshan-ATLAS

    Ja, auf diesen seltsamen Namen wurde der Komet getauft, den wir am 14. Okober tatsächlich am Himmel gesehen haben. 

    Larissa hatte herausgefunden, dass dieses Himmelsphänomen von Lanzarote aus kurz nach Sonnenuntergang gut zu sehen sein soll. Daraufhin haben wir den Abend so geplant, dass wir nach einem leckeren Tapas-Abendessen in der Taverna in der Marina Rubicon auf der Terrasse des „Flagship“, der Kneipe dort saßen und gebannt in den Abendhimmel starrten. Johannes hatte inzwischen gegoogelt, dass der Komet nach der Abenddämmerung am Horizont zwischen Venus und Arktur erscheinen soll, so waren unsere Blicke konstant nach Südwest gerichtet. Jo hatte die Kamera mit dem riesigen Teleobjektiv sicher aufgestellt und wir anderen versuchten, Tsuchinshan mit bloßem Auge auszumachen.

    Da: „Hinter dem Mast da vorne, zwischen der ersten und der zweiten Saling“, rief Volker, aber das war nur für einen Sekundenbruchteil zu erahnen. Doch wenig später hatte die Kamera den Schweif deutlich gesehen, und Johannes drückte auf den Auslöser. Sogar die zwei Mädels von der Bedienung des Flagship kam angelaufen, um auch mal durch unser Fernglas zu schauen, denn da konnte man das Phänomen auch bewundern.

    Das war wirklich sehr spannend, so ein Komet kommt ja nicht dauernd vorbei!

    Am Sonntag davor hatten wir uns aufgemacht, und haben den riesigen (Touristen-)Markt in Teguise besucht, zwei schöne schmale Armbänder mit Olivin-Steinen vom hiesigen Strand und zwei baumelnde Ohrringe mit kleinen Lavasteinen gingen in unseren Besitz über. Die zahlreichen „echten“ Louis-Vutton-Taschen und ähnliche Produkte dagegen haben unseren Einkaufsreiz kalt gelassen.

    Gestern haben wir tatsächlich einen Segelausflug unternommen. Los Lobos, die kleine Felseninsel vor Fuerteventura haben wir umrundet, sind dort auch vor Anker gegangen, und die Kinder haben einen Spaziergang über die Insel gemacht. Nach der Kreuz bis dorthin, es war ausnahmsweise einmal Wind aus Süd, war der Rückweg sehr angenehm und flott. Natürlich hatte kurz vor dem Hafen der Wind aufgefrischt, aber Volker hat uns souverän an den Liegeplatz gefahren.

    So vergehen unsere Tage hier in Lanzarote, gefüllt mit kleinen Erlebnissen und viel Ruhe für unsere Urlauber.

  • Mal wieder im Warmen, mal wieder auf Lanzarote

    Nach einem etwas umständlichen Flug, über Gran Canaria, sind wir am Donnerstag heil auf „unserer“ Insel gelandet. Wir schon, aber leider unsere große Tasche nicht. Ja, genau die, in die wir alle wirklich wichtigen Sachen fürs Boot und für unsere geplante Überfahrt hineingepackt hatten. 

    Schon als wir in Lanzarote aus der netten Propellermaschine von Binter, der kanarischen Fluggesellschaft, ausgestiegen waren, konnten wir auf dem Gepäckwagen mit den bereits ausgeladenen Stücken nur unseren kleinen lila Koffer sehen,  nicht aber die große blaue Tasche. Auch mein Airtag, das in einem Fach dieser Tasche wacht, hatte behauptet, dass es sich noch 207 km weit weg, nämlich in Gran Canaria befindet. So weit war sie also mitgekommen, immerhin. Offensichtlich hatte Condor diese Tasche nicht durchgecheckt in die Binter-Maschine nach Lanzarote, sondern sie in Gran Canaria einfach ausgeladen.

    Aber die freundliche Dame am Binter-Schalter in Terminal 2 des Airports hier nahm unsere Beschwerde mit einem Lächeln zur Kenntnis, wir füllten ein kleines Formular aus, und sie versprach, uns noch heute Abend oder spätestens morgen früh anzurufen, wenn die Tasche wohlbehalten am Airport eingetroffen sei. Tatsächlich erhielt ich noch am selben Abend den Anruf, und am nächsten Morgen, noch vor zehn Uhr, konnten wir sie unversehrt in Empfang nehmen. Direkt danach holten wir Larissa und Johannes vom Flughafen ab, die eine Woche Urlaub mit uns machen möchten, kauften alle Köstlichkeiten für ein ausgedehntes Frühstück, und fuhren vollbepackt zurück nach Puerto Calero.

    Ohne Worte: Wie kommen die Streusel in das verschlossene Glas?

    Dort wurde die Tasche natürlich gleich ausgepackt, dabei allerdings stellte sich heraus, dass sie zwar äußerlich unversehrt geblieben war, aber leider hatte sich im Inneren eine Packung Schostreusel entleert, mit verheerenden Folgen. Durch die hiesige Wärme war die Schokolade natürlich inzwischen geschmolzen und hatte sich über den gesamten erreichbaren Inhalt der Tasche verteilt. Alles musste abgewaschen werden, die Gläser mit der selbstgekochten Quittenmarmelade waren mit Schokoladenkrümeln verschmiert, die getrockneten Pflaumen teilen sich jetzt den Platz im Glas mit einigen Schokokrümeln, und selbst in ein eingeschweißtes Buch hatten die kleinen Dinger ihren Weg gefunden. Nächstes Mal werden die Schokostreusel in einen eigenen Plastikbehälter eingepackt.

    Aber inzwischen ist alles wieder sauber und verstaut, wir genießen die angenehme Wärme und werden die kommende Woche mit Ausflügen über die Insel und kleinen Segelausfahrten füllen, ehe wir am nächsten Freitag nochmal einen Abstecher in das deutsche Nieselwetter machen.

    Die Feigen vom heimischen Strauch haben den Flug gut überstanden
  • Am Sonntag will mein Süßer …

    So schön sieht der Code Zero aus

    Sonntag, 15. September 2024,  Puerto Calero 11:30 – 14:30 Ankerplatz vor Papagayo, 17 sm
    Baro 1014, Wind N um 4, sonnig, warm, die See 0,5 m

    Noch im Hafen ziehen wir den Code Zero hoch, damit sind wir vorbereitet auf unseren heutigen Segelausflug. Nach der Hafenausfahrt müssen wir erst um das Opti-Feld herum motoren, dann kommt das Großsegel hoch und der Code Zero wird ausgerollt. Bei zunächst leichtem südlichem Wind sind wir so schnell, gleich stehen über zehn Knoten auf der Logge. Da geht es richtig zur Sache, die Hexe fliegt quasi übers Wasser.

    Vor Puerto del Carmen ändert sich der Wind komplett, wir drehen mit und segeln Kurs Süd, denn wir haben kein wirkliches Ziel heute, wir wollen nur gerne mal das schöne Segel ausprobieren. Schließlich hatten wir es erst einmal vorher hoch gezogen. Volker ist sehr froh damit, wie weit man mit dem großen Vorsegel anluven, aber auch abfallen kann. 

    Um 14:30 fällt der Anker nach 17 sm vor Papagayo. Am Nachmittag schwimmen wir und putzen dabei den Rumpf, um den sich trotz Coppercoat doch immer wieder ansetzenden Schleim und kleinere Bewachsungen abzutragen. Mir ist danach so kalt, dass ich mich erst einmal eine Stunde in der Sonne aufwärmen muss. 

    Der stolze Gennaker

    Montag, 16. September2024, Ankerplatz vor Papagayo 11:30 – 14:00 Ankerplatz vor Playa Quemada, 17:30 Marina Lanzarote, 17 sm
    Baro 1013, Wind NW um 4, sonnig mit leichten Wolkenfeldern, die See ruhig.

    Um 11:30 Uhr wird der Anker hoch geholt, das Großsegel gesetzt, und wir motoren Richtung Marina Rubicon. Um 12:10 steht der Gennaker, denn den wollen wir heute ausprobieren. Beim letzten Mal hat er sich nicht richtig ausgedreht, und wir wollen doch sicher sein, dass wir neben dem Code Zero, den wir ja gestern zur großen Zufriedenheit ausprobiert haben, auch ein super Leichtwindsegel haben für die Reise in die Karibik. Die Hexe fliegt bei 12 Knoten Wind und einem Windeinfallswinkel von ca. 120° mit über zehn Knoten dahin, das sieht vielversprechend für den langen Törn aus.

    Wir halsen, und rollen das bunte Segel auf der anderen Seite aus, dort aber zickt der Roller, wir probieren es noch einmal, es geht zwar, aber irgend etwas ist nicht in Ordnung. Nun haben wir – wohl eher Volker – was Neues zum drüber Nachdenken.

    Um 13:20 Uhr ist Schluss mit der Ausprobiererei, es wird erneut gehalst, und wir nehmen Kurs auf den Ankerplatz vor Playa Quemada. Um 13:20 frischt der Wind plötzlich auf, es sind 20 Knoten, nun fliegt sie wieder – mit über zwölf Knoten!  Zwanzig Minuten später sind wir in der Inselabdeckung, der Windmesser zeigt nur noch acht bis neun Knoten an.

    Um 14:00 Uhr fällt der Anker am Strand vor Playa Quemada, in den Hafen fahren wir erst heute Abend. 17:30 Uhr sind wir am Liegeplatz in Puerto Calero nach wiederum 17 sm.

    Wunderschön dekorierte Sushi-Platte

    Noch ein kleiner Nachtrag zu Samstag: Nachdem schon wieder einige Punkte auf Volkers To-Do-Liste erledigt worden sind, haben wir uns am Abend das Vergnügen gegönnt, zu Volkers Lieblings China-Restaurant „Asian Sunshine“ in Puerto del Carmen zu gehen. Dort werden wir immer wie Freunde begrüßt, und meine Sushi-Platte war so schon dekoriert, dass ich das Foto unseren Blog-Freunden nicht vorenthalten wollte.

  • Schnelle Fahrt

    Nachtrag zum Logbuch:
    Sonntag 8. September 2024
    Auf See, Wind NO 13 – 18 Knoten, sternenklar, die See weiterhin 1,5 – 2 m
    Etmal um 05:30 210 sm: In 24 Stunden sind wir 210 sm gesegelt, das ergibt einen Schnitt von 8,75 sm/h. Damit ist auch der Kapitän zufrieden. 

    Windvorhersage

    Die Nacht verlief im Wesentlichen unspektakulär. Zunächst hat sich der Wind relativ gleichmäßig verhalten, es sind 13 – 15 Knoten bei einem Windeinfallswinkel von 110 bis 125 Grad. Nach 02:00 Uhr fiel es ihm dagegen plötzlich ein, auf 150 Grad zu drehen, dabei zwar zuzunehmen, aber die Geschwindigkeit des Bootes geht dann doch ein bisschen nach unten. Erst nach 04:00 Uhr wurde es wieder besser, wieder 13 – 15 Knoten aus 120 Grad, seit 06:00 Uhr sind es eher 105 Grad bei unveränderten 15 Knoten, da haben wir die Genua ein bisschen eingedreht. Jetzt löse ich Volker ab, er kann durchschlafen und ich werde mir immer mal wieder ein kleines Nickerchen  gönnen und meinen Timer auf 20 Minuten stellen, um kurz die Lage zu checken.

    Ab sechs Uhr beginnt das erste schüchterne Licht am Horizont zu erscheinen, um sieben wird es hell, und um 7:40 Uhr soll de Sonne aufgehen. Das wird heute bestimmt sehr schön, weil es nur ein dünnes Wolkenband im Osten direkt am Horizont gibt, ich bin gespannt. Und natürlich lässt kurz vor Sonnenaufgang der Wind nach, aus den 15 Knoten sind jetzt nur noch elf bis zwölf geworden, das bringt den Durchschnitt runter! Aber glücklicherweise wird der Windwinkel spitzer, das gleicht die fehlenden Knoten ein bisschen aus. Außerdem schläft der Skipper, und kann sich nicht darüber ärgern.

    So segeln wir in den Tag, um 11:30 kann ich die Herren überreden, mit mir zu frühstücken. Vor Lanzarote dreht der Wind nochmal ordentlich auf, zwischen Fuerteventura und unserer Insel legt er noch ’ne Schippe drauf. 

    Um 13:30 fällt der Anker vor Playa Blanca nach 280 Seemeilen. Wir sind 32 Stunden lang gesegelt, weniger als ursprünglich geplant, und haben einen Schnitt, wie bis zum 24-Stunden-Etmal gehalten: 8,75sm/h!

    Auf der Insel:

    Inzwischen sind wir schon eine Weile wieder in Puerto Calero angekommen, nach einer Nacht vor Anker bei Papagayo. Wir sind mit Lukasz einen ganzen Tag über die Insel gefahren, um ihm die Vulkanlandschaft und die Strände und die Aussichten zu zeigen. Wir haben ganz viele Freunde wieder getroffen, und ganz viele Arbeiten am Boot durchgeführt.

    Begonnen haben die Herren mit der Erneuerung des Silikons und dem Abdichten der Luke in der hinteren Gästekabine. Es war eine schweißstreibende Sauerei, denn das alte Silikon musste heraus geschnitten und gekratzt werden, bevor die neue Schicht Silikon aufgetragen werden konnte. Aber Dank der professionell tatkräftigen Hilfe von Lukasz, der guten Idee von Freund Uli und der allgemeinen Oberaufsicht vom Skipper war auch diese Aufgabe rechtzeitig gelöst, um Lukasz „Just in Time“ zum Flughafen zu bringen.

    Der Stecker vom Hydrogenerator musste neu befestigt werden, und der Mantel vom Steuerrad wurde unter lautem Fluchen mit einer runden Nähnadel wieder zusammen genäht.

    Natürlich wurde das Boot komplett gereinigt, dazu gehörte auch, die Bilgenabteile auszuräumen und auszuwischen, die Klamotten aus dem Kleiderschrank zu lüften, und die seit Ewigkeiten nicht mehr getragenen Faserpelze und Funktionskleider zu waschen.

    Volker mit Mädelsübermacht im UpperDeck

    Außerdem haben wir noch ein bisschen Hygieneartikel und haltbare Lebensmittel für die kommenden längeren Törns eingekauft und verstaut.
    Wenn wir von unserem Heimataufenthalt zurück kommen, sind wir bereit zur Abfahrt.

    Das UpperDeck haben wir auch zurück erobert.

  • Urbane Kunst

    Das haben wir nicht erwartet: Nachdem wir unser Beiboot in dem kleinen Fischerhafen von Camara de Lobos festgemacht hatten, standen wir mitten in der Kunst. Street Art, eigentlich. Der kleine Ort ist an sich schon bezaubernd, es gibt Gemüsehändler und Bäckereien, und einen erstaunlich großen gut sortierten Pingo Doce Supermarkt. Daneben sind im Hafenviertel unzählige kleine Restaurants und Bars, die am frühen Abend, als wir durch den Ort geschlendert sind, gut besucht waren.

    Zur Kunst: Die Straßen und Gassen der kleinen malerischen Innenstadt haben Baldachine, aus „Wegwerfsachen“, Müll als Kunstform. Das Motto des „Festival Giratorio“ , eigentlich das „Festival des Drehbaren“, bedeutet, die Straßen der Stadt mit Objekten zu schmücken, die bereits vorhanden waren und nicht mehr gebraucht wurden,  Dinge wieder zu verwenden, die ansonsten wertlos sind. Der Event ist von der EU ins Leben gerufen unter dem Motto „Intelligent Cities Challenge“, es geht um die Vermeidung von Müll, und richtet sich an ausgesuchte europäische Städte 2023 – 2025. In Deutschland stehen Heidelberg, Bamberg und Gelsenkirchen auf der Liste der ausgewählten Städte.

    Hier in Camara hängen Ketten aus lauter bereits gebrauchten Gegenständen über den Köpfen der Fußgänger, rosa gefärbte Bettücher, leere Plastik- und Glasflaschen, blau angemalte CDs. Wir sehen einen Straßenzug mit aus alten Stoffen zusammengenähten Meeressymbolen, woanders hängen Puschel aus weißen oder durchsichtigen Plastiktüten, es klappern Windspiele aus kleinen Holzstückchen und ein Baldachin aus angemalten Rohrisolierern spendet Schatten.

    Daneben hängen Bilder von Fischen, eine große Wand am Hafen ist bemalt mit Robbie, an den Seiten finden sich Figuren in Trachten, und natürlich malen Künstlerinnen und Künstler an die Wände und Türen leerstehender Häuser schöne Bilder. Jemand hat eine bereits bestehende Plastik benutzt, um ganz viele rote Fäden drum herum zu spannen.

    Es hat so viel Spaß gemacht, durch die Straßen und Gassen zu schlendern, wir nehmen die vielen Bilder in unseren Köpfen mit und zeigen Euch hier eine Auswahl!

    Um 05:30 sind wir heute Morgen Ankerauf gegangen, eine Viertelstunde später standen Großsegel und Genua, und wir machten uns auf den Weg nach Lanzarote, an den Ilhas Desertas vorbei, danach gibt es nur noch das Blau des Meeres und den Himmel mit kleinen Wolken. Von der Überfahrt werden wir morgen berichten, wenn wir angekommen sind.

  • Der erste Schlag zu dritt

    Wir haben ein neues Besatzungsmitglied, Lukasz Blaszczyk ist gestern Abend mit dem Flieger aus Frankfurt angekommen und wird mit uns nach Lanzarote segeln. Wir haben die letzten beiden Tage vor dem malerischen Ort Camara de Lobos gelegen, mehr darüber folgt in unserem nächsten Blogbeitrag.

    Nach dem ersten Kaffee fahren wir unter Motor aus der ruhigen Bucht vor der Praia Formosa nach Funchal. Dort wollen Lukasz und ich einen Stadtbummel machen, ich möchte ihm die Schönheiten der madeirianischen Hauptstadt zeigen. 

    Volker widmet sich derweil dem Putzen der Hexe, denn in den vergangenen Tagen wurde die Asche der Waldbrände, die auf Madeira gewütet haben, von dem Wind hinaus aufs Meer getragen. Und natürlich haben sich Tag für Tag kleine schwarze Aschepartikel auf unserem schönen weißen Boot abgelagert, wir kamen mit dem Putzen nicht mehr nach. Erst seit gestern Abend hat der Ascheregen aufgehört, außerdem sind wir heute früh eine Bucht weiter von den Brandherden weg gesegelt, nun ist einfach das gründliche Putzen dran. Und dabei möchte Volker niemand anderes auf dem Boot haben.

    Unterwegs mit dem Dinghy

    Lukasz und ich begeben uns also mit dem Dinghy zu der Marina für das Sightseeing-Programm. Wir beginnen auf den repräsentativen Ramblas mit dem Ritz Café, den vielen Andenkenläden und den Niederlassungen aller großen Marken der Welt, hier findet man auch H&M, Zara, etc. Wir drehen eine erholsame Runde durch den mit immer noch blühenden Bäumen und Sträuchern geschmückten Park, ehe wir uns in die Straßen mit Apotheken, Friseuren, Gemüsehändlern und der Markthalle stürzen und auf dem Rückweg zum Hafen durch die Gassen mit den zahlreichen kleinen Restaurants und Cafés schlendern.

    Lukasz steuert gern

    Als Einstimmung für Lukasz wollen wir heute zur nordöstlichsten Spitze Madeiras segeln, das erste Stück wegen Windmangels unter Motor, dann zehn Seemeilen gegen den Wind. Natürlich ist es ab der Ponta da Oliveira, anders als vor Funchal, viel windiger, und natürlich kommt er genau von vorne. Aber die Hexe kann auch gut kreuzen, obwohl das nicht gerade die Paradedisziplin eines Katamarans ist. Es sind ja nur zehn Seemeilen, gekreuzt waren es dann fünfzehn.

    Mit Reff 2 in Groß und Genua fahren wir immer noch zwischen sieben und acht Knoten. Schlag eins geht nach draußen aufs Meer, um 14:35 wird gewendet. Lukasz ist voll eingebunden, er musste schon vorhin das Beiboot hochwinschen, nun steht er am Ruder, muss steuern, die Genuaschot dicht holen, Volker hat einen gelehrigen Schüler.

    15:05 Uhr zweite Wende, wieder ein Schlag nach draußen. Der Wind nimmt manchmal ein bisschen zu, es kommt die dritte Wende um 15:35, danach nimmt der Wind auf 13 – 14 Knoten ab. 15:55 Uhr folgt die nächste Wende, und schon sind es wieder 16 – 17 Knoten Wind.

    Um kurz nach vier Uhr fällt der Anker, genau an der gleichen Stelle, an der wir vor ein paar Tagen geankert haben. Kurz darauf ist das Dinghy im Wasser und die Herren fahren los, die zahlreichen Höhlen in den Lavafelsen hier zu erforschen.

    Morgen früh geht es los, es warten 280 Seemeilen auf uns bis zum Strand vor Papagayo im Süden von Lanzarote. Die Windvorhersage ist gut 12 – 15 Knoten Wind aus 110 Grad, besser geht nicht.