Autor: Hexymama

  • Sète

    hat einen Nachteil: Es gibt nur wenig Auslauf für den Hund. Eigentlich fast gar keinen. Auf dem Weg zur Aussichtsplatform in 173 m Höhe konnten wir ihn laufen lassen, aber eher, weil er so fertig war, dass er nicht mehr weiter laufen wollte.

    Judas-Baum (lest es nach…)
    Judas-Baum (lest es nach…)

    Aber nach den „Kunststädten” Villeneuve und La Grande Motte sind wir begeistert von einem urbanen Ort, mit Kneipen, täglichem Markt, lauten, lärmenden Straßen und einem sehr lebendigen Fischerhafen. Gestern lag morgens ein nicht so großes Kreuzfahrtschiff am Terminal, heute Abend kam die Fähre aus Sardinien, die sicher bald wieder ablegen wird.

    Am ersten Tag haben wir nach der Ankunft einen Teil des Hügels erstiegen, waren am Leuchtturm, sind anschließend durch einen Teil der inneren Stadt wieder nach unten gewandert und haben dort – wie berichtet – mal köstlich, mal nicht so berauschend – unser Abendessen eingenommen.

    Am nächsten Morgen habe ich mit Nico ein kleines bisschen das Viertel erkundet, bin – nach längerem Suchen – auf einen Biobäcker mit sehr leckerem Baguette und einer unfreundlichen Verkäuferin gestoßen, gegen Mittag machen wir uns auf den Weg, die Stadt und die Umgebung zu erkunden.

    Rundblick
    Rundblick

    Eigentlich wollten wir es weder dem Hund noch uns zumuten, in der Mittagshitze auf den Berg (Hügel) zu steigen, aber irgendwie war es doch einfach so. Volker mit Hund voraus, um ab und zu im Schatten auf mich zu warten, leider immer an der Straße entlang, irgendwann haben wir es geschafft.

    Auf dem Weg sehen wir eine Reihe von ziemlich geilen Häusern, manche ganz neu, andere eher alt und rekonstruiert, aber immer mit wunderschönen Grundstücken und eigentlich fast alle mit einem unverbaubaren Blick aufs Meer, oder auf den Etang de Thau, den See hintendran,

    Nach einer halben Stunde schon haben wir es geschafft, wir sind oben, an dem Kreuz, das man auch vom Hafen aus sehen kann, wir legen eine kurze Pause ein, Wasser für den Hund, eine Orangina für mich, ein Eis für den Skipper.

    Kerzen in der Kirche
    Kerzen in der Kirche

    Noch ein paar Schritte, und wir sind am „Mirador“, der Aussichtsplattform. Es gibt einen wunderbaren Rundumblick auf Meer und Land und Binnensee, eine Kirche mit unzähligen Kerzenlichtern und Dankesplatten an die Mutter Gottes, den heiligen Antonius von Padua, und anderen Heiligen, dann machen wir uns an den Abstieg.

    Heiligsplättle, das tut aber in den Beinen weh! So steil fällt die Straße ab, dass wir schon nach kurzer Zeit wieder auf Meeresniveau sind. Doch tapfer wandern wir weiter, weitere Teile der Stadt wollen erkundet werden.

    Watt nen geiles Ding
    Watt ‘nen geiles Ding
    farbenfrohes Boot am Stadtkai
    farbenfrohes Boot 
    Raumschiff Orion
    Raumschiff Orion

    Am inneren Kanal entdecken wir einen genialen Renntrimaran, einen großen Segler, ein altes Binnenschiff und „Raumschiff Orion“ auf dem Wasser.

    Am Abend erkunden wir die Kneipenszene von Sète, in einem Bistro am Fischabschlag ist Party, da herrscht „Après-Ski“ auf französisch, von nebendran kommt immer mal der Kellner und bringt was zum Essen, Jungs und Mädels tanzen Polonaise – sogar durch den Biergarten – hier geht was.

    Wir laufen noch ein bisschen durch die Stadt und nehmen einen letzten Drink in der Kneipe „Au bout de la rue“ (Am Ende der Straße ohne Haus am See), nebenan in dem Laden dekorieren die neuen Eigentümerinnen, mal sehen, was das wird. Heute waren es jedenfalls deutlich über 10 km und mindestens 173 x 2 Höhenmeter, die wir zurückgelegt haben.

    Am Mittwoch morgen heißt die Herausforderung: „Marché“. In der ganzen Stadt ist Markt, er beginnt mit einem Blumenmarkt auf dem Platz vor dem “Hôtel de Ville“, dem französischen Stadthaus, und endet, ich weiß nicht wo. Ursprünglich wollte ich nur ein Baguette beim bekannten Biobäcker erstehen, aber dann waren da so viele Leute, die alle in die gleiche Richtung liefen (“Millionen Fliegen können nicht irren, Scheiße ist essbar“) und ich wollte mit, hatte doch schon die nette Frau in der Marina mich auf den Mittwochsmarkt aufmerksam gemacht. Und ich sollte nicht zu spät dort ankommen, denn sonst sei es zu voll.

    Saucisson auf dem Markt
    Saucisson auf dem Markt
    geht auch als Schmuck
     Schmuck
    oder Seife
    oder Seife
    oder …
    oder …
    Spargel
    Spargel
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    Die Straßen sind voller Menschen

    Nun, es war leider schon zehn Uhr und es war definitiv zu voll. Auf jeden Fall mit dem Hund. Wir haben irgendwann beschlossen, dass wir beide diese Straßen  nicht weiter gemeinsam beschreiten können. Aber ich hatte einen wunderwollen Eindruck genossen von der Vielfältigkeit der Einkaufsmöglichkeiten auf diesem Mittwochs-Wochenmarkt in Sète, und ich habe einige Bilder davon mitgebracht.

    Am Nachmittag sind wir noch einmal auf den Hügel gestiegen, damit ich einen Ausflug in das wundervolle und überschaubare Musée Paul Valéry unternehmen konnte. Paul Valéry, der letzte französische Lyriker, der von seiner Kunst leben konnte, ist 1945 in Paris gestorben, aber in Sète geboren, und hier wollte er beerdigt werden, auf dem „cimetière marin“, den er selber in einem Gedicht so veredelt hatte.

    Hafen von Sète
    Hafen von Sète
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    Der Hafen von Estartit
    Hafen von Sète
    Hafen von Sète
    Hafen von Sète
    Hafen von Sète
    Hafen von Sète
    Hafen von Sète
    Hafen von Sète
    Hafen von Sète

    Das Museum ist großartig und zeigt viele Zeitzeugen des 19. Jahrhunderts, die den Ort kannten und zum Sujet ihrer Malereien machten.

    schön, wenn auch nicht furchtbar originell
    schön, wenn auch nicht furchtbar originell
    noch schöner
    noch schöner

    In der Sonderausstellung „4×4“ mit vier verschiedenen lebenden Künstlern hat es nur ein einziger in meine Gunst geschafft, aber den fand ich großartig, ich weiß leider nicht mehr den Namen.

    Mein letzter Gang ging noch über den alten Friedhof Marin im Glauben, dass neben Paul Valéry auch Georges Brassens dort liegt. Schon lange, denn ich habe meine Abitursarbeit über das französische Chanson geschrieben, weiß ich, dass Brassens hier begraben liegt. Und schon lange würde ich gerne auf sein Grab eine Rose legen, als Hommage an den – für meine Begriffe – größten Chansonnier aller Zeiten.

    IMG_0158Leider war mir das heute nicht vergönnt, eine nette kleine ältere Dame informierte mich auf mein Nachfragen, dass Brassens auf dem anderen Friedhof, hinter dem Hügel, liegt.

    Mal sehen, vielleicht komme ich ja morgen dorthin…

  • Von zu Hause nach Zuhause?

    Hartnäckig bemühen sich die Blüten an den Bäumen im regnerischen Park
    Hartnäckig bemühen sich die Blüten an den Bäumen im regnerischen Park

    Arbeitsreiche drei Wochen in Darmstadt liegen hinter uns, aber auch schöne Ostertage und en Sonntag am Rhein, und viele Abende mit lieben Freunden, jetzt aber sind wir wieder auf dem Weg zu Hexe. Die Forsythien sind aufgeblüht in unserer Zeit in der Heimat, zartes Grün zeigt sich an den Bäumen im Wald und verschönt die Autobahnfahrt in Deutschland. Die ersten Tage waren durch „Usselwetter“ geprägt, die Wege im Park aufgeweicht von dem vielen Regen, ich traue mich nur mit dem langen Wintermantel vor die Tür. Wenn die Sonne sich mal zeigte, wurde es gleich deutlich wärmer, Ende März hat sie schon wieder Kraft. Und seit letzen Sonntag ist das Wetter immer besser geworden, die Krokusse verblühen langsam, und die Magnolien sind explodiert.

    Nico mit Hundefreundin im Park
    Nico mit Hundefreundin im Park

    Gestern hatten wir  noch ein trauriges Erlebnis: Morgens um sieben klingelt mein Handy, Aysen, die mit ihrem süßen Hund schon so früh Gassi geht, war dran. Sie hatte einen kleinen Igel gefunden, dem es offensichtlich nicht gut ging, und die Gerüchte im Park sagten, ich hätte mich doch schon mal um die Igel gekümmert.Und sie habe schon die Feuerwehr angerufen, die sei aber nicht zuständig, und im Tierheim nimmt noch keiner das Telefon ab. Die wirkliche Igelspezialistin, auch eine Hundemama aus dem Park, ist auch nicht zuhause, also schaue ich mir den Igel einmal an. Er liegt zusammengerollt und schnauft, noch klein ist er, aber er atmet und ich lasse ihn gehen.

    Mittags gehe ich noch einmal hin, er liegt immer noch am gleichen Fleck, ich stelle ihm ein bisschen Katzenfutter vor die Nase, das mögen Igel normalerweise sehr gerne. Unser kleiner Freund zeigt kurz mal seine Schnauze, ich freue mich schon, denke, er will bestimmt was essen, aber dann sehe ich, dass da ganz viel Blut ist. Mit bloßen Händen kann ich das Stacheltier nicht anfassen, ich rufe Volker an, er kommt mit Handschuhen, aber als er ihn hochnimmt, rollt sich der kleine Kerl mit so viel Kraft zusammen, dass wir uns die Verletzung nicht anschauen können.

    Später gehen Volker, diesmal mit der richtigen Igelspezialistin, noch einmal hin, da ist der Kleine schon ganz schwach, und man kann sehen, dass eine Krähe ihm das ganze Gesicht zerstört hat, er hat keine Chance mehr. Da erlöst Volker ihn und befördert ihn in den Igelhimmel, sehr traurig.

    Gestern Abend waren wir zum Abschied mit Allegra, Larissa und Johannes in der Stadt zum Essen, eigentlich schon auf dem Heimweg, als Volker meint, er sei in all den langen Jahren in Darmstadt noch nie in der „Krone“ gewesen, das ist das Lokal, in dem alle Schüler und Studenten Darmstadts verkehren, eines der ältesten Häuser der Stadt, wo auch oft Livemusik ist, halt „Die Krone“. Also räumen wir auch dieses Versäumnis aus, Larissa bestellt ihrem Papa erst einmal einen „Mexikaner“, puhhh, da verzieht Volker aber schon das Gesicht, als er das Gemisch aus Tomatensaft, Gin und Tabasco heruntergeschluckt hat. Auf ex, denn so Larissas Spruch: „Nich schnacken, Kopf in’n Nacken!“

    Unsere Hexe aus der Vogelperspektive
    Unsere Hexe aus der Vogelperspektive

    Jetzt sind wir also auf dem Weg zu unserem anderen Zuhause. Wir freuen uns drauf, zumal die Wetteraussichten gut sind, natürlich regnet es auch in der Löwenbucht mal im Frühjahr, aber die Temperaturen sind deutlich höher als in Südhessen und die Sonne zeigt sich häufiger. Nächste Woche findet in La Grande Motte, wo die Hexe auf uns wartet, eine große Katamaranmesse statt, deswegen müssen wir heute Abend dort sein, und unser Boot an einen anderen Platz legen, aber natürlich werden wir uns die zweibeinigen Schätzchen mal genau ansehen und vielleicht auf dem einen oder anderen auch mal abends mitsegeln. Allegra kommt für ein paar Tage mit uns, sie will in der Hängematte in der Sonne liegen, und wir werden mit ihr die Schönheiten von Montpellier, Nimes und der Camargue erkunden.

  • Zurück am Rhein

    Sogar eine Fahnenstange haben wir aufgestellt
    Sogar eine Fahnenstange haben wir aufgestellt

    In früheren Zeiten haben wir gerne – wegen der eher weiten Entfernung zum Meer – einen schönen Wochenendtag in „unserer“ Bucht am Rhein verbracht. Zuerst mit Auto und den Rest zu Fuß, auch mal mit dem Fahrrad, schlussendlich mit dem Motorboot, sind wir gern dorthin gefahren, auch schon mal an Ostern, wenn es noch kalt war, und haben gechillt, gerillt und gebadet. Nun, da wir ja eigentlich auf dem Boot leben, ist uns das Meer näher gekommen, im letzten Jahr besonders das Mittelmeer. Aber in den Zeiten, in denen wir in Südhessen gestrandet sind, wird der Rheinstrand wieder attraktiv.

    und ein selbst gestalteter Esstisch
    und ein selbst gestalteter Esstisch

    Und so haben wir uns mit Thomas und Steffi verabredet, das waren die beiden, die uns vor vielen Jahren auf den Geschmack gebracht und uns diese traumhafte Bucht gezeigt haben. Am ersten schönen Tag der letzten Wochen machen wir uns auf, man fährt mit dem Auto bis Groß-Rohrheim, Außerhalb heißt die Straße, bis hinunter zum Parkplatz am Rhein führt. Dort lässt man den Wagen, packt den Rucksack, beladen mit Getränken, Brot und Würstchen, Anglerstühlchen, Handtuch (optimistisch), und einem Grillrost auf den Rücken, und macht sich auf den langen Weg zur Bucht.

    Selbst an den Füßen ist es kalt
    Sogar an den Füßen ist es kalt

    Der Rhein ist jetzt nicht mehr so hoch wie noch vor ein paar Tagen, es ist also genug Platz für unseren Sonntagmittag. Schon auf dem Weg sammeln wir trockenes Holz, kurz nach uns treffen auch Steffi und Thomas ein, dann sorgen die Jungs für ein professionelles Grillfeuer, während Steffi und ich die letzten Informationen austauschen müssen, schließlich haben wir uns schon mindestens einen Monat nicht mehr gesehen.

    wunderschöne Rheinmuscheln
    wunderschöne Rheinmuscheln

     

    Es ist was los auf dem Rhein. Viele Frachtschiffe ziehen manchmal das Wasser aus der Bucht, vereinzelt gibt es auch schon Pleasure-Motorboote, und sogar vier Kanuten ziehen an unserer Bucht vorbei. Als erstes kamen allerdings die lärmenden Jetskies, davon gab es deutlich mehr als von den anderen Vergnügungsbooten. Das langsam zurückgehende Wasser hat viele – geöffnete – Rheinmuscheln zurückgelassen, es sieht wunderschön aus, nur die Büsche sind leider noch nicht grün.

    Die Jungs am Feuer, Steffi strampelnd im Wasser
    Die Jungs am Feuer, Steffi strampelt im Wasser

    Der Strand ist noch ungeplündert, es gibt trockenes Holz in Massen. Das ist auch gut so, und nach einer Weile ist das Feuer richtig durchgeglüht, die Würstchen braten auf dem heißen Grill, auch das Brot wird angeröstet, wir genießen die Sonne und die Wärme. Steffi stürzt sich sogar für 20 Sekunden ins 10,5 Grad kalte Wasser, bei Volker und mir reicht der Mut nur bis zu den Knien. Hund Nico hat viel Spaß, er traut sich ins Wasser, und hin und wieder kommen Spaziergänger mit Hunden vorbei, diesmal waren es fast nur Hundeweibchen, und Nico liegt heute Abend völlig erschöpft auf dem Sofa.

    erstes Kennenlernen auf hündisch
    erstes Kennenlernen auf hündisch

    Zum Kaffee geht es ins Gernsheimer Fährhaus, dort steppt die Luzie, oder der Bär, wie man will, es ist voll, aber wir ergattern noch einen Tisch auf der Terrasse. Wie immer kommen ganz viele – eher ältere – Motorradfahrer mit ihren wunderschönen, meist älteren Maschinen an (Harley Davidson, NSU, und was weiß ich noch), die Gernsheimer fahren ja jeden Tag einmal zum Rhein, am Sonntag eben gerne nachmittags, wenn sie auch gesehen werden können.

    Drei Kanus fahren mit dem Strom
    Drei Kanus fahren mit dem Strom

    Was für ein wunderschöner Tag am Rhein!

  • Frohe Ostern!

    Die bunten Eier bringen Farbe in den grauen Garten
    Die bunten Eier bringen Farbe in den grauen Garten

    Nachdem es gestern tatsächlich einmal schön warm und sonnig war, hat – ausgerechnet am Ostersonntag – die Farbe Grau wieder Oberhand gewonnen, zumindest in Mittelhessen.

    Wir wünschen aber trotzdem allen unseren Lesern ein schönes Osterfest mit Familie und Freunden, gutem Essen und ein paar geruhsamen Stunden!

    Frühlingsblumen
    Frühlingsblumen

     

  • Adieu à la Côte d’Azur

    14. März 2016, Montag, Baro 1017, bedeckt, aber nicht kühl, Wind zunächst 5 Knoten Nord, später O drehend, auffrischend bis max. 17 Knoten
    Porquerolles 06:45 – La Grande Motte 22:45, 99,9 sm

    Punkt sechs Uhr stehen wir auf, ich laufe mit dem Hund ins Dorf, in der Hoffnung, dass der Bäcker vielleicht schon backt. Das tut er auch, aber auf mein Klopfen an der Tür macht er nur die Tür zur Backstube zu und verschwindet dahinter. So ein scheuer Bäcker! Na, da muss ich uns eben das Brot selber backen.

    Kurz nach dem Ablegen frischt der Wind auf 7-8 Knoten auf, wir segeln mit halbem Wind Richtung Toulon, dann geht der Wind mal wieder weg, dann kommt er wieder und raumt ein bisschen weiter, wir setzen den Spinnaker, für ungefähr zehn Minuten, dann frischt der Wind auf, und wir bergen ihn wieder.

    Dann segeln wir wieder mit Fock und gutem Wind, dann geht er wieder schlafen. Jetzt ist es 09:30 und wir Motoren, denn bis La Grande Motte sind es noch 80 Seemeilen, und es wird sowieso schon Nacht, bis wir da sind.

    Um 09:50 ging der Spi wieder hoch, zwischendurch geht der Sind weg, wir überlegen, ob wir ihn wieder bergen müssen, dann kommt wieder Wind, aber er wechselt die  Richtung, wir müssen halsen, jetzt, 11:30 ist schon wieder mehr Wind, vielleicht wird es gleich wieder zuviel…

    Nein, nicht zu glauben nach diesem Hin und Her, jetzt ist es schon vier Uhr und wir segeln immer noch auf dem gleichen Bug, mit Spi, mal ein bisschen schneller, wenn der Wind auffrischt, aber nie unter fünf Knoten.

    Wir sind an Toulon vorbeigesegelt, haben Cassis in der Ferne gesehen, die Calanques, die Inseln vor Marseille, jetzt sind wir auch durch das kleine Verkehrstrennungsgebiet an der Rhonemündung durch, und in zwei bis drei Stunden werden wir an dem Zigeuner-Wallfahrtsort „Les Saintes Maries” vorbei sein, wenn der Wind hält.

    Kein Selfie, die Kamera soll Unterwasserbilder liefern
    Kein Selfie, die Kamera soll Unterwasserbilder liefern

    Ich hab – wegen des leider scheuen Bäckers – unser Brot selbst gebacken, also eher zwei größere Brötchen, Volker hat uns gerade aus den Resten der Grilltage ein Geschnetzeltes mit allerlei Gemüse gemacht, und Nico wartet auf den Hafen.

    Kurz vor fünf sehen wir plötzlich eine Thunfischherde, die Tiere sind offensichtlich am Jagen, sofort kommen auch die Möwen. Volker versucht, mit der Unterwasserkamera, einem seltsamen Geräusch auf den Grund zu gehen.

    Und fast hat der Wind gehalten, aber ca. anderthalb Stunden vor dem Zieleinlauf, ist alles weg, wir Motoren  mal wieder, nutzen das diesmal aus, um zu duschen, und laufen um viertel vor elf in den Hafen von La Grande Motte ein.

  • Mannöver

    13. März 2016, Sonntag, Baro 1014, sonnig, warm, Wind SO um 4
    Monaco 10:10 – Porquerolles 21:20, 73 sm, Top Speed 11,7 Knoten!

    Die Wellen, die durch die kleine Hafeneinfahrt von Monaco kommen, schaukeln die Hexe dermaßen durch, dass wir ganz schnell die Hafengebühren bezahlen und die Leinen losmachen. Draußen empfängt uns eine kabbelige See, das ganze Boot wird durchgeschüttelt, wir luven auch ein bisschen mehr an, damit es nicht zu sehr schaukelt. Nach zwei Meilen und über 150 Metern Wassertiefe wird es besser, der Wind hat sich auch stabilisiert, und die Hexe rauscht mit über sieben Knoten dahin.

    Heute morgen habe ich beim Immobilienmakler die Schaufenster studiert, und mich sehr über die aufgerufenen Preise gewundert. Ein kleinesAppartement von 25 qm ohne Blick, ohne Balkon, soll 1.250.000 Euro kosten, 105 qm mit 15 qm Balkon schon 3,5 Mio und165 qm auf zwei Etagen 9,9 Mio. Da wundert es mich nicht mehr, dass wir für die eine Nacht im Hafen 67 Euro bezahlen müssen.

    Dann läuft es richtig gut, wir werden immer schneller, Volker hat aber keine Lust, bei dem vielen Wind in Cannes anzulegen. Da gehen wir lieber in die Marina Baie. Gesagt, getan, wir halsen. Nach fünf Minuten kommen die Überlegungen, ob wir nicht den Wind ausnutzen sollten, und einfach weiter fahren, nach Porquerolles zum Beispiel. Also: zurückgehalst. Der Wind legt noch ein bisschen zu, das ist nicht schlecht, denn auch die Wellen am Cap d’Antibes sind ganz schöne Karwenzmänner, das Boot windet sich nach allen Seiten und saust dann mit über 10 Knoten die Wellen wieder runter.

    Nach dem Cap können wir abfallen auf 220 Grad, da wird es ruhiger, und wir werden noch schneller, nie unter 8 Knoten, oft über 9, das macht Spaß. Volker muss sich was kochen, ich übernehme das Ruder, und, nach ein paar Minuten des Eingewöhnens, habe auch ich meinen Spaß an der schnellen Fahrt und dem aktiven Steuern. Gesättigt übernimmt Volker nach einer Stunde wieder, leider lässt jetzt schon der Wind nach, hatten wir eben moch ein Reff im Vorsegel, schaukeln wir nun wieder als Spielball der immer noch hohen und schnellen Wellen in der Gegend. Wir fangen an, vor dem Wind zu kreuzen, denn auf dem reinen Vorwindkurs schlägt alles so furchtbar, dass man Angst hat, in der nächsten Minute geht irgendetwas kaputt.

    Tatsächlich wird es so erträglicher, wir überlegen, Lavandou anzulaufen, aber, nach einem Blick auf den Wetterbericht, beschließt der Skipper, und ich lasse mich überzeugen, dass es besser ist, heute den Wind auszunutzen, soweit es geht, denn ab Dienstag Mittag dreht der Ostwind auf West, das ist dann auch nicht schön. Tatsächlich flaut der Wind gegen Abend zunächst ab, sodass wir motoren, danach dreht er einmal um 180 Grad, kommt fast von vorne, anschließend segeln wir mit halbem Wind schnell durch die frühe Nacht und legen um 21:15 in der Marina von Porquerolles an.

    Nico hat sich, nach vielen Stunden auf See, ohne Gassi-gehen,  zehn Minuten vor der Hafeneinfahrt überlegt, doch einfach mal in die Plicht zu pullern, ganz leise, und danach hat er Lob und Leckerli bekommen. Volker beschwert sich, er würde dafür kein Lob bekommen, so unfair sind an Bord die Sitten.

    Hier ist alles dunkel, ein Restaurant am Platz hat Licht, noch ist Vorsaison. Morgen wollen wir, wenn alles so läuft, wie wir uns das vorstellen, um sechs Uhr aufstehen, und  bis La Grande Motte oder jedenfalls in die Gegend von Montpellier segeln, danach sehen wir weiter.

  • Frühlingserwachen

    Mit Winterpelz
    Mit Winterpelz

    Letztes Wochenende waren wir auch in Villeneuve-Loubt und haben uns gewundert über die Anzahl der promenierenden Menschen hier in der Marina. Während der Woche war es kalt, und so war auch hier weniger los. Heute morgen bin ich noch im dicken schwarzen Mantel mit dem Hund los, denn die letzten Tage war es früh noch empfindlich kalt und man musste den Schal gut über den Nacken ziehen. Aber das war übertriebene Vorsorge, den Mantel konnte ich offen lassen, der Schal hing nur lose um den Hals, der Frühling klopft an die Tür.

    Friedlich liegt das Meer da, leider noch kein Wind
    Friedlich liegt das Meer da, leider noch kein Wind

    In den kleinen Appartements an der Strandpromenade waren schon einzelne bewohnt und die Leute saßen beim Frühstück auf der Terrasse. Die Promenade selbst war voll von Joggern, fast nur Frauen, die zum Teil sogar schon bauchfrei ihre Runden drehten. Der alte Mann, der mir morgens oft – schwer hinkend, offensichtlich aufgrund irgendwelcher Hüftprobleme – am Port public begegnet, schleppt seine Taschen mit Katzenfutter in die Ecke der Felsen, und alle wilden Katzen des Hafens folgen ihm, große Kater, kleine zierliche Kätzchen, sie alle laufen in mehr oder weniger Abstand hinter ihm her, zur Fütterung der Raubtiere…

    Die wärmenden Strahlen der Sonne
    Die wärmenden Strahlen der Sonne

    Alle möglichen Leute führten ihre Hunde aus, ob groß, ob klein, Nico hat ein paar nette Damen getroffen, sogar eine neun Monate alte Jack-Russel-Hündin von italienischen Besitzern, die ihn sehr interessierte, weil sie gerade heiß war, aber da musste er wegbleiben. In den Restaurants fing man an, die Tische einzudecken, und auf den Bänken saßen Paare und wandten das Gesicht mit geschlossenen Augen der wärmenden Sonne hin. In der Segelschule war auch schon Betrieb, drei Gummi-Motorboote der Instruktoren lagen schon fertig bestückt am Strand, und man beeilte sich, die Jollen und die kleinen Hobie-Cats fertig aufzuriggen. Frühlingserwachen halt.

    Die Villa Renoirs
    Die Villa Renoirs
    Volker im Olivenhain, er wollte sich schon ein Zimmer in der Villa mieten
    Volker im Olivenhain, er wollte sich schon ein Zimmer in der Villa mieten
    Der Blick reicht bis Antibes
    Der Blick reicht bis Antibes

    Gestern haben wir einen kleinen Ausflug nach Cannes-sur-mer gemacht, wo Auguste Renoir seine letzten Jahre verlebte, zusammen mit seiner Frau Aline und den drei Söhnen, von denen Jean Renoir, der Filmregisseur sehr bekannt geworden ist, aber auch Philippe, der Schauspieler. Wir haben die Villa und die Ateliers besucht. Ein wunderschönes Anwesen, ein bisschen über der Stadt gelegen, mit sensationellen Blicken über die eigenen Olivenhaine, hinüber bis zur mittelalterlichen Festung von Haut Cagne mit einem Grimaldi-Schloss und – nicht zu vergessen – bis hin zum Meer.

    Atelier mit Rollstuhl
    Atelier mit Rollstuhl
    schöne Details
    schöne Details
    Volker war fasziniert von den Heizungsventilen
    Volker war fasziniert von den Heizungsventilen

    In den Räumen, die zum Teil noch mit den alten Möbeln ausgestattet sind, hängen Bilder von Renoir selbst und befreundeten Malern, die es sich nicht nehmen ließen, die wunderschöne Landschaft zu malen, oder auch die Familie zu portraitieren. Renoir selbst war schon alt, als er das Grundstück kaufte, er litt auch unter Rheuma, so stand in seinem Atelier der Rollstuhl, in dem er beim Malen saß, wo ihm die schönen Mädchen gerne Modell standen. Über 6000 Werke, Bilder und Skulpturen, hat er hinterlassen, ein eifriger Mann!

    Kennt jemand diesen Baum?
    Kennt jemand diesen Baum?
  • Bonnes Fêtes…

    Weltfrauentagsfahne?
    Weltfrauentagsfahne?

    … begrüßte eine Frau heute nachmittag in der Marina die Chefin an der Kasse des Supermarktes, an der ich gerade mit meinen zwei Weinflaschen stand. „Oh,” dachte ich, „das ist aber aufmerksam, sie wünscht mir eine schöne Feier, wegen der Weinflaschen.“ Nein, das dachte ich nicht wirklich, das war Volkers Kommentar, als ich mit der Geschichte zum Boot zurück kam. Ich fragte nach, wieso ein fröhliches Fest gewünscht wird. „C’est le jour des femmes“, es ist Weltfrauentag, kam die Antwort. Und die Chefin an der Kasse meinte, da sollte man nicht arbeiten, nur verwöhnt werden, Blumen und Küsse bekommen, ihre Freundin allerdings erwiderte, „Ja, aber es ist der Tag mit dem größten Abwasch, wenn der Mann das Abendessen kocht.“ Na, sie hatten jedenfalls ihren Spaß!

    Waschtag
    Waschtag

    Wir hatten auch viel Spaß. Der Waschsalon in der Marina ist gleichzeitig ein ausgesprochen gut besuchtes Restaurant, in dem es morgens Kaffe und Croissants gibt, mittags – für Frankreich – preiswerte Menüs und Gerichte. Nachdem ich gestern dort die 15-Kilo-Maschine sowohl mit Bunt- als auch mit Weißwäsche gefüllt hatte, baumelten danach zahlreiche Wäschestücke an den frisch gespannten Leinen an Bord der Hexe, glücklicherweise bei strahlendem Sonnenschein und leichtem Wind.

    Mit weißem Stoff fachmännisch repariert
    Mit weißem Stoff fachmännisch repariert

    Nachmittags konnten wir unseren Spinnaker beim Segelmacher abholen, der hat den bösen Riss sehr schön repariert. Mich faszinieren immer die Schnürboden, auf denen die riesigen Segel ausgelegt und mit in den Boden eingelassenen Nähmaschinen fachmännisch angefertigt oder repariert werden können. Er hatte auch gerade ein sehr schönes neues Vorsegel für eine Dufour in Arbeit, aus Kevlar mit Mylar-Vertärkung und was weiß ich noch alles. Das sollte mit seiner offensichtlich neu erworbenen Maschine geklebt werden.

    wie ein Kokon
    wie ein Kokon

    Zur Stärkung hatte der Skipper mich am Vorabend ins chinesische Restaurant eingeladen, das uns schon lange in der Nase gestochen hatte. Das Sushi mit 26 Euro war mir zu teuer, die gelackte Ente für 12 Euro für den Skipper war in Ordnung, mit Frühlingsrollen als Vorspeise, auch lecker. Ich war mutig und habe mir als Vorspeise die Empfehlung des Hauses – kalte Frühlingsrollen – bestellt, ich esse ja fast alles. Das waren dann Krabbenhälften und Hühnchenhappen mit Reisnudeln und Sojasprossen, in einen Mantel aus Reismehl gewickelt. Es sah sehr seltsam aus, schmeckt alleine nach nicht viel, aber mit der kalten süßsauren Sauce dann wieder sehr fein.

    Gut sichtbar die "Treppenhäuser" der Marina Baie des Anges
    Gut sichtbar die “Treppenhäuser” der Marina Baie des Anges

    Heute morgen haben uns Regen und Kälte davon abgehalten, die Marina zu verlassen, wir haben uns mit Lesen und kleinen Arbeiten die Zeit vertrieben. Bis mittags wieder die Sonne die Oberhand gewann, und wir – nach einem ausgedehnten Spaziergang am Strand – noch mit dem Auto aufgebrochen sind nach Antibes.

    Hoch residiert das Fort auf einem Felsen über der Küste
    Hoch residiert das Fort auf einem Felsen über der Küste

    Hoch über dem Hafen thront dort das „Fort Carré“ eine militärische Festung aus dem 16. Jahrhundert, errichtet unter der Regierung von Heinrich II. Wir waren ja schon oft in Antibes, aber den Weg dorthin hatten wir bisher noch nie gefunden, zu sehr waren wir immer mit der Schönheit der Altstadt, des Marktes und der Museen beschäftigt. Jetzt musste es mal sein, leider durften wir in den Burggarten nicht mit dem Hund hinein, also sind wir nur außen herum gelaufen und haben die schöne Lage am Wasser bewundert. In der Ferne sah man die weißen Berge und vorne türmten sich dicke graue Wolken auf.

    Und zum Weltfrauentag kocht Volker mir jetzt hoffentlich bald eine leckere Hühnchen-Paella!

  • Live von der Côte

    06. März 2016, Sonntag, Baro 1008, sonnig, Wind verschieden, aber vorhanden

    Der erste Segler von heute, hinten die schneebedeckten Berge
    Der erste Segler von heute, hinten die schneebedeckten Berge

    Die Windvorhersagen differieren, aber in einem sind sie sich einig: wenn Wind, dann vormittags. Also verabschieden wir uns von dem lieb gewordenen Cannes, setzen – wie immer – in der Hafenausfahrt das Großsegel, und diesmal wollen wir zwischen den beiden Inseln Sainte Marguerite und Saint Honorat mit achterlichem Wind hindurchsegeln. Ein einsames Segelboot ist offensichtlich zum sonntäglichen “Spaßsegeln” auch unterwegs, das gibt ein schönes Bild, das Meer mit Segelboot und tiefblauem Himmel, und hinten die schneebedeckten Berge.

    Demonstration gegen das Vermummungsverbot?
    Demonstration gegen das Vermummungsverbot?

    Nach den Inseln dreht der Wind auf Ost und frischt auf, schnell muss der Bullenstander geborgen werden, der das Großsegel festgehalten hat, und die Hexe legt sich auf die Seite für eine schöne Kreuz gen Osten. Nico findet das plötzliche Anluven gar nicht lustig, denn er legt sich beim Segeln inzwischen gern aufs Bett in der Achterkajüte. Durch die plötzliche Krängung ist aber die Tür zugefallen und er war gefangen. Außerdem hat sich sein Wasserschüsseli selbständig gemacht, und den Inhalt ins Bad ergossen, jetzt liegt er schmollend mal auf der einen, mal auf der anderen Salonbank, je nachdem, auf welchem Bug wir gerade fahren.

    Es sind einige Segelboote unterwegs nach dem Motto “Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln geh’n…”, und sogar Jetskis und Kanus sind schon unterwegs, tapfer bei den Temperaturen und der kabbeligen See…

    Noch das führende Boot der Regatta, aber nicht mehr lange
    Noch das führende Boot der Regatta, aber nicht mehr lange

    Nach dem Cap d’Antibes wird der Kurs für den Hund wieder angenehmer, mit einem Schrick in den Schoten sausen wir auf unsere Marina zu. Vor Antibes findet wieder die Sonntagsregatta statt, die wir auch im Sommer oft gesehen haben, jetzt fahren wir mittendurch und versuchen, allen Booten auszuweichen, um sie nicht zu behindern in ihrem Wettkampf.

    Die Steuerbord-Hafeneinfahrt begrüßt uns im Sonnenschein
    Die Steuerbord-Hafeneinfahrt begrüßt uns im Sonnenschein

    Um halb eins laufen wir mit einem ausgekühlten, aber zufriedenen Skipper in die Marina ein, ausgekühlt vom Wind, der doch noch sehr frisch ist, und zufrieden, weil wir nach langer Zeit wieder einmal von Anfang bis Ende sehr schön segeln konnten.

    Danach Frühstück-Mittagessen mit Restesuppe im Cockpit, ohne Wind ist es unglaublich warm, soooo angenehm, ein friedlicher Sonntag-Mittag.

  • Der Barbier von Nizza

    Nun haben wir uns für das „Schietwetter“-Wochenende ja extra eine größere Stadt wie Nizza ausgesucht, das war eine gute Idee. Der Samstag präsentiert sich schon in bleiernem Grau, immer wieder fällt Wasser vom Himmel, gut, dass wir ein trockenes Schiff haben.

    Karnevalsfiguren bei Regen
    Karnevalsfiguren bei Regen

    Zwar machen wir uns auf, eine Runde durch die Stadt zu laufen, wir wollen mal sehen, wie der hier immer noch tobende Karneval gefeiert wird, und außerdem versuchen, eine Karte für die Sonntagsvorstellung von Rossinis „Barbier von Sevilla“ zu ergattern. Tatsächlich sieht man einige Karnevalswagen, aber die eigentliche Strecke ist abgesperrt und man muss sich eine Karte kaufen. Es gibt sogar Tribünenplätze, da sitzen auch tatsächlich Leute, das muss man sich dann aber wirklich „schöntrinken“.

    Ich habe Glück, entgegen der telefonischen Aussage von der Theaterkasse gibt es nicht nur noch Stehplätze mit schlechter Sicht auf dem „Olymp“, im allerobersten Rang, sondern noch eine einzige Karte in einer Loge im 1. Rang. Ich freue mich wie ein Schneekönig!

    … Gewalten
    … Gewalten
    … Meeres …
    … Meeres …
    Brutale…
    Brutale…

    Am Sonntag Morgen kommt Volker vom Joggen zurück und meint, wir müssen unbedingt zur Hafeneinfahrt gehen und die Wellen fotografieren, die sich dort in atemberaubender Weise brechen. Das sieht wirklich sehr spektakulär aus, wie diese ungeheuren Wassermassen auf die Felsen treffen.

    Jugendstilfenster im Foyer
    Jugendstilfenster im Foyer

    Um kurz nach zwei mache ich mich auf, den Weg am Wasser entlang zur Oper zu laufen. Da es relativ kalt ist, habe ich noch die grauen Stulpen an, ziehe sie aber vor der Oper aus und stopfe sie in die Jackentaschen. Auch meinen orangefarbenen Ski-Anorak gebe ich schnell an der Garderobe ab. Das Opernhaus von Nizza stammt eigentlich aus dem frühen 19. Jahrhundert, wurde jedoch durch einen Brand Anfang des 20. Jahrhunderts komplett zerstört und wieder aufgebaut. Es ist wunderschön, und bietet Platz für über 1000 Menschen im Parkett und den vielen Logen in den Rängen, einschließlich des Olymps, oder, wie es hier heißt, im “Paradies”, d.h. Stehplätze.

    Der Orchestergraben
    Der Orchestergraben

    Gespannt bin ich direkt nach der Garderobe von einer netten jungen Platzanweiserin zu meinem Logenplatz geführt worden, bekam auch – weil ich die erste war – von ihr den besten Platz zugewiesen, wenn auch auf einem etwas klapprigen Stuhl, bei dem die – zugegebenermaßen sehr schönen – Stuhlbeine immer mal etwas wegklappten. Ich hatte einen großartigen Blick auf das Orchester und die Bühne, lediglich das Geschehen am rechten Rand war nicht so einfach zu verfolgen. Und dann kam der sehr junge Dirigent und das Orchester fing an zu spielen!

    Almaviva bringt ein Ständchen mit der Unterstützung einer kleinen Kapelle
    Almaviva bringt ein Ständchen mit der Unterstützung einer kleinen Kapelle

    Um es vorwegzunehmen: Es war großartig! Musikalisch ganz große Klasse – das Orchester war präzise, präsent und unglaublich musikalisch – und als Opera buffa, als komische Oper, lustig inszeniert. Die Stimmen der Sänger, voran ein exzellenter Figaro und eine ausdrucksstarke Rosina, begeisterten allesamt, und alle Sänger, bis hin zur kleinsten Rolle, zeigten so viel Spielfreude auf der Bühne, dass die Zeit wie im Flug verging. Ich hatte ja gerade erst den “Barbier” in Darmstadt gesehen, das war auch eine sehr witzige Aufführung, als Fernseh-Soap inszeniert, aber – vielleicht lag es auch an dem besseren Sitzplatz in Nizza – ich fand die französische Aufführung noch besser als die hessische. O.k., das Bühnenbild war nicht so einfallsreich, aber es gab witzige Details, wie die Eröffnung mit Don Basilio beim Golfen…

    Die Logen in den Rängen des Opernhauses Nizza
    Die Logen in den Rängen des Opernhauses Nizza

    Auf jeden Fall kam ich gut gelaunt aus dem schönen Opernhaus raus, und Volker, der Gute, stand draußen mit Hund und zwei Regenschirmen, um mich abzuholen. Leider fing es in diesem Moment erst so richtig an zu schiffen, wir strichen unseren Plan, in der Altstadt einen Apéritif trinken zu gehen und rannten fast zur Marina zurück. Der Wind drehte den Schirm um, und schlussendlich kamen wir – völlig durchnässt – mit einem klatschnassen Hund, der sich schon unterwegs dauernd schüttelte, beim Boot an.