Autor: Hexymama

  • Weibliche Engel

    17. Juni 2016, Freitag, Baro 1010, sonnig, warm, Wind SSW um 5-6
    Portocolom 09:45 – El Arenal 18:30, ca. 50 sm
    Nachdem es ja leider gescheitert ist, in Cala Ratjada bei einem der zahlreichen Hotels meine Ausdrucke zu machen, die ich dringend nach Deutschland senden muss, sind wir gestern extra nach Portocolom gesegelt, hier muss es irgendeine Möglichkeit geben, 20 schlappe Seiten auszudrucken! Ich frage gleich nach der Ankunft bei den Marineros, sie empfehlen mir den Tabac-Laden, oder einen Schreibwarenladen, ihren eigenen Drucker wollen sie nicht bemühen, ich habe das Gefühl, sie wären hilflos überfordert, nicht, dass sie unfreundlich waren, aber…
    Der Tabac macht erst um 17 Uhr wieder auf, zu dem Schreibwarenladen ist es ein weiter Weg, den gehe ich erst später, vor 16 Uhr macht der bestimmt auch nicht auf. Volker hat noch die Idee, dass ich der Marina die Daten per Mail schicken könnte, falls sie Angst vor meinem Stick haben. Ich gehe noch einmal dorthin, und jetzt sitzt ein Engel im Büro! Auf meine Frage lässt sie mich einfach an den Computer, ich kann meinen Stick anstecken und meine Seiten ausdrucken. Vor lauter Schreck braucheich einen Moment, bis ich mich im spanischen PC zurecht gefunden habe, aber dann klappt alles und ich laufe glücklich mit meinen Seiten zum Boot, nicht ohne meinem Engel (ja, die können auch weiblich sein!) vorher ein ordentliches Tringeld zugesteckt zu haben. Jetzt kommt nur noch die Herausforderung “Post”!
    Früher habe ich mal gelernt, dass es in Indien nicht klug ist, nach dem Weg zu fragen, weil die Antwort immer lautet: “Go straight, next building”, angeblich, weil es unhöflich wäre zu sagen: “ich weiß es nicht”. Aber in Spanien scheint es auch nicht immer einfach. Nach meinen Erfahrungen mit dem anderen Links in Fornells hätte ich ja schon vorgewarnt sein müssen. Auf meiner Suche nach einer Post vertraue zunächst der Auskunt von Google Maps, laufe mit Nico am Ufer entlang, das Handy in der Hand, die freundliche Frauenstimme gibt Anweisungen: “im Kreisel die 2. Ausfahrt nehmen”, “jetzt rechts”, aber da, wo sie mich hinschickt, steht nicht Correos, Post, sondern Eissalon Venezia. Eis wollte ich jetzt aber nicht, sondern einen Brief aufgeben.
    Ich frage im Supermarkt nach, ja, es gibt eine oficina de correos, aber die hat nur vormittags auf. Ja, wo die denn sei? Naja, am Eingang zum Hafen, ganz nach links. Ich mach mich darauf gefasst, am nächsten Morgen in aller Frühe einen weiten Spaziergang zu machen, finde aber im Internet keinen Hinweis auf diese Poststelle, sondern wieder nur auf die, die ein Eissalon ist. Das Hafenbüro hat zum Glück schon früh geöffnet. Der ein bisschen dröge Marinero kennt zwar keine Post in Portocolom, doch sein Kollege weiß Bescheid: “Die Treppe hoch, nach rechts und weiter”. Nach meinen letzten Erfahrungen bin ich misstrauisch, aber tatsächlich befindet sich 100 m weiter ein richtiges kleines Post Office, der ebenfalls weibliche Engel dort nimmt sich meines Anliegens professionell an. Halleluja!
    Danach werden sofort die Leinen losgemacht, Volker hat die Wetterberichte gecheckt, wir wollen in eine der schönen Buchten für zwei Nächte zum Ankern. Der Plan war gut, allein, der Wind spielt nicht mit. Kaum haben wir den schützenden Hafen verlassen, frischt er auf auf über 20 Knoten, und rate mal, woher? Natürlich von vorne!
    Dabei wollte Volker heute garnicht kreuzen, na so was! Aber genau das machen wir, zunächst motoren wir tatsächlich die vier Seemeilen bis zum nächsten Cap, aber dann kommen die Segel hoch, der Motor geht aus, und wir segeln und wenden und segeln und wenden…
    Cabrera liegt vor uns, vielleicht können wir dorthin? Ich versuche, im Internet in Erfahrung zu bringen, ob man mit dem Hund dorthin darf, finde nichts, aber eine Telefonnummer, die zwar zunächst chronisch besetzt ist, aber schließlich bekomme ich die Auskunft, nein, ein Hund darf nicht dorthin, gemein! Also kreuzen wir weiter an der Küste entlang. Nach den entzückenden Calas im Südosten kommt jetzt eine längere, eher gerade Küstenlinie, mit wenigen bis gar keinen Besiedelungen, nur Wald und ein paar Felsen. Es sieht so einladend aus, aber bei so viel Wind kann mannicht ungeschützt ankern.
    Und immer wieder dreht der Wind mit. Kaum haben wir ein Kap erreicht, danachändern wir den Kurs, aber der Wind dreht mitund wir kreuzen weiter, und wenden und wenden.
    An der wunderschönen Playa es Trenc, wo wir vor Jahren schon mal vom Land aus waren, wollen wirankern, vielleicht nur für eine Stunde baden und Hund spazieren, aber leider steht dort noch so viel Welle drauf, und weiter hinten wird es zu flach, Kehrtwendung, weiter segeln. In der Bucht vor Estanyol machen wir noch einen Versuch, aber auch der scheitert kläglich. Ganz hinten ist das Wasser so blau, ein Hinweis auf sandigen Grund, aber der Katamaran, der gerade herausfährt, signalisiert: “dort wird es zu flach”. Wir versuchen es auf 10 Meter Wassertiefe, nur dass es da anscheinend nurFelsen gibt, kaum ist der Anker unten ruckelt er entsetzlich, es tut einen Schlag und der Ankerscheint nachzuschleifen. Schnell ziehen wir ihn wieder hoch, anscheinend sind wir heute wie der fliegende Holländer zu immerwährendem Segeln verdammt.
    Natürlich dreht der Wind auch am nächsten Cap mit, weiter auf die Nase, und am letzten Cap, als wir dann einen Anliegerkurs haben, geht der Wind schlafen. Der Skipper beschwert sich, erst ist soviel Wind, dass wir reffen müssen, und jetzt kommt die Flaute. Ich glaube, er denkt über ein Motorboot nach 😉
    Ich reserviere uns einen Liegeplatz in El Arenal, dann gehen wir eben auf den Ballermann!

  • Alle glücklich

    16. Juni 2016, Donnerstag, Baro 1000, leicht bewölkt, warm, Wind NW 4-5
    Cala de s’Aguila 09:00 – Portocolom 12:30, 22,5 sm
    Beinahe wären wir noch früher gestartet. Um 06:15 kam plötzlich der Wind, es ruckelt und zippelte an der Ankerkette, da konnte kein Mensch mehr schlafen. Volker fährt noch vor sieben mit dem Beiboot und dem Hund an Land, ich mache alles klar zum segeln, aber dann beschließen wir doch, noch ein bisschen zu warten, was mit dem Wind so wird.
    Gestern Abend waren wir auch mit dem Beiboot unterwegs, sind zur Tauchschule gefahren am südlichen Teil der Bucht und dann Richtung Ort gelaufen. Schon beim Anleger kam eine freundliche Deutsche und wollte uns helfen, auf ser Straße nur deutsche, meist Familien mit kleinen Kindern, die die Zeit vor den großen Ferien ausnutzen, um hier günstiger Urlaub zu machen. Und dann im Ort Cala Ratjada: Renates Biergarten Grill bei Matthias, Schnitzel, klar, auch Tapas, und überall deutsches Fernsehen zur EM.
    Wir entscheiden uns für Schnitzel bei Heidi, einem Schweizer Restaurant, ultralecker, schlendern dann zur Tauchschule mit angeschlossener Bar zurück, auch hier ist noch ciel los, aber es ist ja auch erst halb zehn. Bis zum Boot begleitet uns heute Abend Partymusik, so aus der Ferne klingt das ganz nett.
    Um halb neun heute Morgen rufe ich in Portocolon an, um einen Liegeplatz zu reservieren, gestern habe ich zweimal die Reservierung stornieren müssen, weil wir es uns doch anders überlegt haben, aber heute Nacht gehen wir noch einmal in den Hafen. Wir müssen unser Wasser austauschen, das Wasser von Menorca scheint aus einer Entsalzungsanlage zu kommen, der Tee schmeckt scheußlich.
    Nachdem wir aus unserer geschützten Bucht heraus gesegelt sind, empfängt uns ein ordentlicher Wind, wir segeln auf Halbwindkurs und befürchten schon, dass wir nach dem nächsten Cap kreuzen müssen. Am Cap Vernell gibt es dann Fallböen direkt neben Flauten, und danach raumt der Wind, sodass wir gemütlich die Küste entlang segeln. Hier wechseln sich idyllische Buchten an deren Hänge sich schön gelegene Häuser in die Landschaft einfügen, mit Hochhausbausünden ab.
    10:30 der Wind ist ganz weg, der Motor muss mitschieben, der Skipper ist unglücklich.
    19:45, der Wind ist wieder da, es ist ein Amwindkurs bei 8-10 Knoten Wind, der Skipper ist auch wieder zufrieden.
    11:09 der Wind frischt auf, 12-14 Knoten, der Skipper ist glücklich.
    11:30 der Wind nimmt weiter zu, wir müssen die Fock einreffen, der Skipper ist immer noch glücklich.
    12:30 die Leinen sind fest in Portocolom, der Hund ist glücklich.

  • Menorca rund

    14. Juni 2016, Baro 1006, bedeckt, ca. 25 Grad, Wind NO um 4
    Mahon 09:15 – Ciudadella
    Entgegen den Plänen von gestern mittag beschließt der Skipper direkt nach dem Aufwachen, einen frühen Start in Richtung Ciutadella zu wagen. Zwar war das Angebot von Alberto verlockend, dass wir seinen Wagen haben können, um im Sipermarkt Eroski mal so richtig zu bunkern, aber der ordentliche Ostwind spricht eher für den Schlag nach Westen.
    Als wir aus der Bucht herausfahren, treffen wir auch auf eine ordentliche Welle, aber mit halbem Wind macht die Hexe locker 7-8 Knoten Fahrt, sowas hatten wir ja schon lange nicht mehr!
    Ab dem südöstlichsten Zipfel Menorcas, Punta Prima. mit der vorgelagerten Insel Illa de l’aire sind die Wellen weg und wir genießen eine entspannte Fahrt entlang der Südküste Menorcas. Diese ist, im Gegensatz zu dem kargen Norden, deutlich stärker besiedelt, immer wieder tauchen kleine Orte auf, die meisten scheinen Feriensiedlungen zu sein, fast alle sind hübsch, nur ganz selten stört ein Hotelklotz oder unschön gebaute Ferienhäuser das Bild.
    12:30: Der Wind lässt ein bisschen nach und raumt immer weiter, wir segeln mit ausgebaumter Fock, müssen halsen, danach kommt auch Bulli, der Bullenstander wieder an die Arbeit und hält das Großsegel fest. Wir diskutieren die Taktik für die nächsten Tage, im Moment sieht die Planung so aus: Morgen nach Alcúdia, Freitag weiter nach Pollença oder Andratx, Samstag oder Sonntag nach Palma.
    13:45 sind wir am Cap d’Artrutx, dem südwestlichsten Punkt Menorcas, nach einer Halse geht es mit halbem Wind auf die Zielgerade.
    Als wir in den Hafen einlaufen, müssen wir doch tatsächlich feststellen, dass die Marina Club Nautico voll ist, jeder Platz belegt, der Segelclub Camargue ist mit einer ganzen Flotille da und besetzt alle Plätze. Na, so was! Wir fahren einfach weiter in die Cala hinein, um unser Glück beim Ports IB zu versuchen, eigelntlich nehmen die hier keine Boote über 12 Meter. Wir legen an einem Steg an, wo man eigentlich nicht anlegen darf, und ich versuche, mit Hund, mein Glück beim Marina Office. “Eslora (Länge), Señora?” “Oh, 12,40 m? Solo hasta 12 metros!” Naja, ich bitte schön, und sage, es ist nur für eine Nacht, und dann muss ich versprechen, dass wir morgen, auch wenn schlechtes Wetter ist, ablegen, und wir bekommen einen Platz am Steg 1 Platz 1!

    15. Juni 2016, Mittwoch, Baro 1000, Sonne/Wolken-Mix, warm, Wind SSW um 4
    Ciudadella 08:30 – Cala de s’Aguila 14:00
    Wieder gibt es einen frühen Start. Die Wetterberichte sind – wie. Immer – uneinig, Lammarete zeigt Westwind 10-16 Knoten, windfinder und Passageweather Südwind um 10 Knoten, Wetteronline SSW 3 Beaufort. Anfänglich ist die See noch sehr ruppig, der Wind bläst mit frischen 15-17 Knoten aus Südsüdwest, nachdem das lange graue Wolkenband durchgezogen ist, lässt auch der Wind etwas nach und dreht weiter auf Süd, das ist angenehmer, und auch die Wellen sind viel netter.
    10:00 Uhr es ist ziemlich diesig, von Mallorca ist noch keine Spur zu sehen, nicht einmal Cap Formentor, das wir auf dem Weg von Barcelona nach Ciutadella schon solange vorher sehen konnten, zeigt sich, und jetzt ist auch Menorca im Dunst verschwunden. Wir sind allein auf dem weiten Meer.
    Nein, so allein auch wieder nicht, die Boote des Segelclubs Camargue, die uns gestern den Liegeplatz geklaut haben, sind auch schon gestartet. Zwei Boote – eine Regatta, drei haben wir schon eingeholt, das vierte ist auch gleich dran. Diesmal habe ich aber vorsichtshalber einen Platz in Alcúdia reserviert, nicht, dass die uns wieder die letzten Plötze wegschnappen.
    In Fornells hat mich morgens ein Mann total verwirrt. Ich frage ihn nach einem Supermarkt: “Si, hay”, aber der sei jetzt noch geschlossen. Ich sage, ja, ich kann ja auch noch später hingehen, wo der denn zu finden sei. “Adelante”, geradeaus und dann nach links. Dabei macht er mit dem Arm eine deutliche Bewegung nach rechts. Ich wiederhole: “adelante” , zeige nach vorne und dann nach rechts, “si”, sagt er, “adelante et pues a la izquierda”, geradeaus und dann nach links. Und wieder unterstreicht er seine Worte mit einer Geradeaus-Bewegung seines Arms, und macht dann einen deutlichen Schlenker nach rechts. Das andere Links, eben.
    11:00 Uhr die beiden Boote vom Segelclub, die noch vor uns liegen, motoren, diese französischen Betrüger, deshalb kann Volker sie nicht einholen, denn der Wind hat immer weiter nachgelassen. Vorhin habe ich neben den Segelkleidern auch noch die Schwimmwesten rausgeholt, jetzt tauschen wir die langen Hosen gegen kurze und einen Rock ein, und, hast Du jicht gesehen, wird ein neues Ziel festgelegt. Alcúdia muss warten, wir versuchen, zu der nordöstlichen Spitze, vorbei am Cap des Freu Richtung Cala Ratjada zu kommen. Mal sehen, wo wir landen werden.
    Hinter dem Cap Des Freu lässt der Wind deutlich nach und es gibt noch jede Menge alte Welle, das ist vielleicht ein Geschaukel, das mögen wir nicht, wir biegen in die nächste Cala de s’Aguila ab und ankern über blauestem Wasser auf sandigem Grund. Und ich kann zum ersten Mal in diesem Jahr im Meer schwimmen, wie geil ist das!

    Bilder müssen noch ein bisschen warten.

  • Mahon oder Maó

    13. Juni 2016, Montag, Baro 1009, bedeckt mit einzelnen blauen Löchern, 25 Grad, Wind O 4
    Fornells 10:30 – Mahon 15:00 ca. 30 sm
    Nach dem erfreulichen Fißballspiel gestern Abend, das wir, als ziemlich einzige wirklich Interessierte, in der Bar des Hostal de Fornellus geschaut haben, sind wir bald im Bett verschwunden, es war ein langer Tag mit vielen Wenden…
    Heute morgen haben wir früh einen Rundgang durch den sehr überschaubaren Ort gemacht, auch hier sind die Häuser unglaublich gepflegt, der weiße Anstrich blendet in der südlichen Sonne, die Bürgersteige werden geputzt und renoviert, die Gärten sind gepflegt.
    Auch die kleine Kirche ist in einem perfekten Zustand, ordentlich aufgereiht liegen die Gebetsbücher auf dem Tisch bereit, leider gibt es nur elektrische Kerzen, das ist nix für uns, wir zünden immer nur richtige an. Im Supermarkt allerdings wird gerade erst eingeräumt, Fleischtheke und ähnliches sind noch leer, aber wir finden ein bisschen gekochten Schinken, um dem Hund ein Frühstück zu kochen. Ja, Nico wird immer schneubischer, das isst er nicht und das nicht, und am besten frisch gekocht, Herrschaftshund, halt!
    Natürlich kommt auch heute der Wind von vorne, aber die Wellen sind weg, und so kreuzen wir gemütlich gen Osten, nachmittags wollen wir in Machon oder Maó sein, wie es die Menorquinos nennen. Auch die Stadt ist schön, an der Einfahrt liegt das riesige Fort und das große Krankenhaus, das bis in die siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts als solches benutzt wurde. Leider ist das zu weit vom Ort entfernt, als dass man da eben so mal hinlaufen könnte.
    Ich gehe erst mal mit Nico Gassi, der will nur ins Wasser, und nach einer kleinen Weile finden wir auch eine Stelle, wo er sich hineinlegen kann. Das macht er ganz ausgiebig, die Leute, die es im Vorbeischlenderm sehen, lächeln nd sagen, das würden sie auch gerne machen. Tatsächlich ist es heiß hier am Hafen, und um die Mittagszeit sitzen die Menschen in den Restaurants im Schatten, nur wenige sind unterwegs.
    Um 18:00 Uhr kommen Cris und Alberto, Segler, die wir in Mazarrón kennengelernt haben, mit ihren beiden Kindern und einer Freundin von Tochter Noa. Der siebenmonatige Marcel darf gleich zu mir auf den Arm, macht das auch miteinem Lächeln, und schon hat er mein Herz gefangen. Wir plaudern ein bisschen im Cockpit, Volker zeigt den Mädchen, wie holländische Kinder Krabben fangen, leider gibt es hier nicht so viele, dass man Krabbenwettläufe veranstalten kann wie auf Vlieland oder Terschelling.
    Abends laufen wir in die Stadt, hoch auf dem Felsen ist die Altstadt gelegen, und auch die ist schön mit Kirchen und alten Bauwerken, wir werden wieder kommen, und uns alles genau ansehen. Heute schlendern wir nur durch die Straßen und über die Plätze, erholen uns bei einem menorquinischen Drink aus Kaslimón und Gin, mit Blick über die Bucht. In dem alten Gebäude hinter uns übt ein Chor Carl Orffs “Carmina burana”, die Musik passt absolut zur Aussicht.

  • Cala Fornells

    12. Juni 2016, Sonntag, Baro 1011, diesig, aber warm, Wind NW um. Drei, manchmal mehr
    Ciutadella 10:00 – Fornells 16:30, ca 35 sm
    Sonntag morgen, schon früh legen die ersten Boote ab, die Engländer auf beiden Seiten von uns, mal geschickter, mal weniger geschickt, später legen Vanessa und Richard mit ihrer Sense “Bacchus II” ab, um nach Palma zu motoren, vielleicht haben sie ja später auch ein bisschen Wind. Im Moment ist nämlich gar nichts los, windtechnisch, und das Meer ist glatt wie ein Kinderpopo.
    Die “Akaroa II”, die Outremer 51 mit James und Tracey legt gemeinsam mit uns ab, wir setzen bald Segel, der Wind frischt auf, auch die Akaroa setzt Segel und segelt tapfer eine ganze Weile gegenan, aber da hat die Hexe echte Vorteile, sie kann viel höher an den Wind, und der kommt heute immer von vorne. Ich weiß nicht, wieviele Wenden wir nun schon gefahren haben, aber es waren ganz schön viele. Die Akaroa hat auch irgendwann aufgegeben, sie motoren Richtung Fornells.
    Die Nordseitevon Menorca ist eher karg, beim Leuchtturm von Cabo Nati, dem nordwestlichsten Ende von Menorca, stehen ein paar seltsame Bauten, Volker meint, dass es alte Gräber seien, und ansonsten gibt es außer zahlreichen Calas nur eine einzige Ansiedlung, eine Art Feriensiedlung. Alles andere sind entweder riesige Steinwüsten oder macchiabewachsene Hügel.
    Um 15:00 Uhr sind wir des ewigen Wendens müde, der Wind hat auch noch nachgelassen, wir motoren die drei Meilen bis zum Cap Roig. Es sind – für den wenigen Wind – erstaunlich hohe Wellen. Wir motoren eine halbe Stunde, dann segeln wir wieder. Langsam neigt sich die Küste der schmalen Einfahrt zur Cala Fornells zu, natürlich dreht der Wind mit, und bläst unverirrt weiter auf die Nase, nur sind jetzt die Wellen weg, wir kreuzen his zum Hafen.
    Die Akaroa liegt schon an einer Boje, aber ich hatte uns ja einen Platz im Hafen reserviert, deshalb rufen wir die Marineros über Kanal 8, bekommen auch den Starplatz mit Aussicht über die Bucht zugewiesen. Da unsere Logge sicherlich voller Muscheln ist, jedenfalls zeigt sie nichts an, vermute ich mal, dass wir ca. 35 Meilen gekreuzt sind.
    Fornells ist klein, sehr touristisch, aber hübsch, kein Ballermann-Tourismus, eher der gehobenen Art, es ist berühmt für den Langustenfang, und überall werden diese leckeren Tierchen angeboten.

     Bilder folgen

  • Auf nach Ciutadella de Menorca

    08. Juni 2016, Mittwoch, Baro 1015, sonnig, warm, Wind SO 2-3
    Barcelona 12:00 – Ciutadella de Menorca 08:25, 112 sm

    Jetzt hat Volker seit gestern nicht Rücken, sondern Schulter! Und auch heute morgen ging es ihm nicht besser, nein, er war in der Nacht oft wach vor lauter Schmerzen. Um acht Uhr schicke ich Katy, der Osteopathin eine SMS, ob sie ihn heute früh behandeln kann. Tatsächlich, sie kommt extra früher in die Praxis, versucht, den eingeklemmten Nerv zu befreien, ein Ibu tut das seine, und jetzt ist er nicht mehr ganz so schmerzverzerrt, und wir haben abgelegt.

    Leider kommt der wenige Wind genau aus Menorca, wir motoren erstmal, damit wir nicht gleich anfangen müssen zu kreuzen, erledigen die letzten Telefonate für heute, stellen den Bericht auf die wieder funktionierende Internetsite (mir wird immer noch schlecht, wenn ich dran denke, dass alles hätte weg sein können), frühstücken, und der Skipper geht sicher bald ein bisschen schlafen.

    13:30 der Motor darf schlafen, mit leichter Brise segeln wir hoch am Wind genau auf Kurs 138 Grad. Wir rücken dem  kleinen Riss im Großsegel auf die Pelle. Nachdem die Reparatur am Unterliek der Fock mit Epoxykleber gut gehalten hat, kleben wir den kleineren Grnossen im Großsegel mit Uhu. Volker hat festgestellt, dass unser Ankerbeschlag verbogen ist. Das war der ungeschickte Moorbootfahrer in Palamos, der sich jicht nur in unserer Mooringleine verfangen, sondern offensichtlich auch mit seiner fest installierten Gangway an  unserem Ankerbeschlagvorbeigeschrammt ist Leider ist uns das damals nicht aufgefallen. Blöd!

    14:00 Uhr weniger als 100 sm bis Ciutadella. Die Schulter des Skippers ist geheilt, dank Katy!

    17:20 Uhr noch 82,5 sm. Wir segeln immer noch mit 4-5 Knoten Geschwindigkeit, können nicht ganz die Höhe halten, aber da wir damit rechnen, dass wir heute Nacht sowieso motoren müssen, wenn der thermische Wind weggeht, nutzen wir das bisschen Wind für einen oprtimalen Speed. Ich habe schon rin ganz leichtes langärmeliges Hemd angezogen, weil die Sonne ganz schön stark ist, und ich keine Lust auf Sonnenbrand habe, trotz 59er Sonnenschutzmittel.

    18:30 der Skipper hat heute ganz früh ganz großen Hunger und hat sich schon vor einer Stunde in die Kombüse verkrümmelt, und leckere Zutaten brutzeln so vor sich hin.

    Nach einer Stunde kommt das Ergebnis ans Tageslicht oder eher gesagt in unseren Suppen/Allroundschälchen ins Cockpit. Es gibt eine Hackfleisch-Reis-Gemüsepfanne, sehr lecker und sättigend. Genau das, was ein Käptn auf großer Fahrt so braucht.

    18.50 Leider schläft der Wind ein und der Motor muss wieder ran. Nur noch 2 Knoten Wind von jetzt auf gleich. Was der Wind kann, kann die Capitania allemal und legt sich für ein Nickerchen auf das Salonsofa. Noch 73 Meilen bis zum Ziel.

    21:12 Uhr: Sonnenuntergang mit einer Windversprechenden Wolke aus Nordwest, mal sehen, ob das was wird. 62 sm bis Ciutadella. Es wird kühler, wir ziehen Strumpfhosen bzw. Jogginghose an, die Segelhosen habe ich auch schon für die Nacht rausgelegt, irgendwie sieht das so aus, als ob das heute Nacht feucht werden würde. Wir haben beide noch keine Lust zu schlafen, deshalb beschließen wir, kurze Wachen über die Nacht zu verteilen, dann ist es nicht so langweilig beim motoren.

    23.25 Nachtlicht, obwohl wir jetzt schon mehr als 100 Kilometer von Barcelona entfernt sind, ist die Stadt immer noch als ein dunkelorangener Lichtschein am fernen Horizont erkennbar.

    Cornelia schläft im Vorschiff, Nico hat sich bei ihr rangekuschelt und soeben hat uns ein entgegenkommender Segler, ebenfalls unter Motor, in einem sicheren Abstand passiert. 

    23:50 Wachablösung, Volker geht mit dem Bordhund ins Vorschiff. Der Wind hat um 60 Grad nach links gedreht, kommt jetzt aus Ost, ist aber immer noch so schwach, dass wir weiter motoren. Ich “übernehme” drei “feindliche” Schiffe, zwei fahren weg, aber ein großer Frachter wird unseren Weg passieren, allerdings in einem sicherren Abstand, über 3,5 sm wird er entfernt sein, wenn er unseren Kurs kreuzt. Trotzdem beobachte ich das Ganze genau, nachts finde ich es immer sehr schwer, Entfernungen richtig einzuschätzen. Es stimmt, als sein Licht vor unserem Bug ist, zeigt mir der Plotter eine Entfernung von 3,58 sm an.

    00:14 der sichelartige Mond ist rot am westlichen Himmel untergegangen. Viel Licht hat er sowieso nicht gebracht, es war nur eine kleine Sichel. Aber jetzt ist es noch dunkler, rechts sieht man entfernt die Lichter von Mallorca, und über mir habe ich den tollsten Sternenhimmel. Zeit, meine Sternenapp zu aktivieren. Ich sehe den Löwen, den großen Bär, Saturn und einen sehr hellen Stern mit Namen “Arktur” (?), ich kann das nicht genau erkennen, und darunter das “Haar der Berenike”. Dazu könnte man direkt eine Geschichte schreiben, was es wohl mit diesem Haar auf sich hat, und ob Berenike wohl ein gutes oder ein böses Schicksal hatte, dass ihr Haar Abend für Abend durchs All schwebt…

    00:30 ich sehe das Leuchtfeuer von Cap Formentor, 4 x Licht, alle zwanzig Sekunden, eigentlich soll er auf 22 sm sichtbar sein, aber wir sind noch über 31 sm davon weg, und trotzdem kann man es erkennen. Bis Ciutadella noch 40 sm.

    01:00 an der Backbordseite verwirren mich zuerst Lichter, dann sehe ich, dass es Blitze sind. Na, hoffentlich kommt kein Gewitter hierher. Ich habe zwar früher immer meine Mami ausgelacht, weil die Angst vor Gewitter und insbesondere vor Kugelblitzen hatt, aber so mit einem Boot mitten auf dem Meer habe ich auch keine besondere Lust darauf. Dann müssen die Handys und das Ipad in den Backofen, denn der ist ein Faraday’scher Käfig, und am besten schaltet man auch alle Elektronik aus und steuert nach dem Kompass.

    01:30 erneuter Wachwechsel, ich habe, weil der Wind wieder mehr von steuerbord kam, den Traveller nach Luv gezogen, wahrscheinlich hat das den Skipper geweckt. Jetzt schauen wir mal, ob der Wind bleibt, denn jetzt segeln wir wieder, mit 4,3 Knoten Geschwindgkeit und fast auf Kurs. Wir wollen ja auch nicht noch im Dunkeln auf der Insel ankommen. Der Skipper hat – unter Segeln – die Wache, da kann ich mich in die Achterkajüte legen, denn es hat sich eine Welle aufgebaut, die garnicht zu dem wenigen Wind passt, und die schlägt mir im Vorschiff zu arg. Nur beim Motoren liegt man dort auf jedem Fall ruhiger, weil der Motor in der Achterkajüte direkt neben dem Kopfkissen dröhnt.

    03:15 noch 26 sm. ich bin wach und biete Volker einen Wachwechsel an. Der möchte zuerst einen Kamillentee, dann trinken wir draußen Kamillentee (er) und Cappuccino (ich), der Hund wird noch einmal ins Cockpit geholt, damit er Pipi machen soll, was er aber micht tut, dann legt sich Volker mit ihm ins Vorschiff.

    Ich war aufgestanden, weil ich den Motor gehört habe, und dachte mir, dann kann der Skipper ja beruhigt schlafen, das ist ihm eh zu langweilig, leider ist der Wind jetzt auch ganz eingeschlafen, es sind nur noch drei Knoten, zwar Halbwind, aber das bisschen reicht selbst der Hexe nicht für eine vertretbare Geschwindigkeit.

    Ohne Mond ist es schon sehr dunkel, allerdings nimmt man jetzt die Lichter von Mallorca und Menorca deutlich wahr, und wenn meine Augen sich wieder an die Dunkelheit gewöhnt haben, bin ich begeistert über die Größe und Strahlkraft der Milchstraße. Vorhin habe ich sogar eine Sternschnuppe gesehen, und es rechtzeitig geschafft, mir etwas zu wünschen.

    Der Skipper hat ganze Teppiche mit fosforeszierenden Quallen gesehen, jetzt schwimmt immer noch mal eine vorbei, aber das ist gar nichts mehr gegen vorhin, sagt er.

    04:46 Immer noch kein Wind. Die Fähre nach Ciutadella fährt i2,3 Meilen entfernt an uns vorbei, hell erleuchtet. Auch wir haben, weil wir motoren, die Lichterführung umgestellt, statt der Dreifarbenlaterne im Masttopp muss nun hinten ein weißes und im Bug das rote Backbord- und das grüne Steuerbordlicht brennen. Und außerdem am Mast noch das Dampferlicht. Vor allem wegen des weißen Hecklichts, das aufgrund des direkt neben ihm hängenden hellgelben Rettungskragens, einiges an Licht zurückstrahlt, aber auch wegen des Dampferlichts, dessen Licht in die Fock leuchtet, ist die Umgebung nicht so klar erkennbar wie im reinen Segelbetrieb. Die Sternenapp sagt, hinten, neben dem großen Bären, sei eine Rakete vorbeigeflogen. Die konnte ich aber leider wegen des Lichtproblems nicht erkennen.

    05:05 es dämmert, die Sterne verabschieden sich für heute. Immer noch kein Wind,  18 sm bis Ciutadella.

    06:00 der Skipper ist aufgewacht, gleich geht die Sonne auf, wieder Wachwechsel, der Wind reicht nichtzum Segeln, ich gehe noch eine Stunde schlafen. 12 sm noch.

    Der Sonnenaufgang ist doch sehr schön, es ist gerade genug Platz unter der Wolkenschicht, dass die Sonne, rot und im Nordosten, (jawohl, Herr Degenhardt) aufgeht.

    07:45 haben wir den Wegepunkt erreicht, mal segelnd, mal motorend, inzwischen ist der Wind wieder ganz weg, das Meer liegt spiegelglatt vor uns, die Insel Menorca ragt mit steilen Küsten daraus hervor. Noch gut 2 Seemeilen, und um

    08:25 machen wir die Leinen beim Club Nautico fest, der Marinero steht schon da und kassiert gleich mal das Liegegeld ab.

  • Wo ist der Wind der Löwenbucht?

    26. Mai 2016, Donnerstag, Baro 1012, bewölkt, leichter Wind  aus Ost

    Obwohl Volker schon vor halb sieben am Lesen ist, lässt er mich schlafen, wir können ja nicht gleich ablegen, denn die Hafenmeisterei ist erst ab 08:00 Uhr besetzt, und dort sind unsere Bootspapiere, denn die hat der Security-Mann uns gestern abgefordert, damit wir nicht abhauen, ohne bezahlt zu haben.

    Kurz nach acht bin ich im Marinabüro, bezahle 28 € für die Nacht, das ist für hiesige Verhältnisse eher günstig, finde beim Hundespaziergang gleich zwei Bäckereien, und einen kleinen Laden, in dem man fast alles kaufen kann, mich haben dort die ausgestellten Kirschen angelockt, da musst ich doch gleich mal ein paar mitnehmen, schließlich müssen wir ja gegen den Skorbut mit Vitamin C ankämpfen. Es gefällt mir, dass mit so einem kleinen Laden und einer hübschen Bäckerei ein eher hässlicher Ort wie Canet etwas Charmantes bekommt, und ich mich gerne daran erinnern werde.

    Auch an den kleinen Zigeunerjungen von gestern Abend werden wir uns gerne erinnern, der so neugierig war, er wollte wissen, wie das in einem Boot aussieht, und warum wir das Boot nach der Ankunft nassmachen, und wie der Hund da mitsegelt. Irgendwann mussten Mama und Papa den Kleinen überreden, dass er jetzt leider nach Hause und ins Bett muss.

    Bei ganz leichtem Wind legen wir ab, Volker braucht dringend ein süßes Frühstück, eine Tasse Milch, und dann einen guten Schlaf, während ich Wache halte und versuche, einen schönen Ort zu finden, der nicht vierundvierzig Meilen weit weg ist wie Estartit, denn wir duddeln hier mit 1,5 – 3 Knoten Geschwindigkeit entlang. Mal sehen, wo wir heute Abend sein werden!

    und gegen Mittag konmt der Wind! Nach dem Diskutieren mehrerer Möglichkeiten, zuerst Banyuls, dann Llançà, segeln wir jetzt doch um das Cap Roses rum, der Wind hat auf Ost zurückgedreht und wir können den Kurs fast anlegen. Die Sonne hat sich auch zurückgemeldet, was will man mehr!

    um 18:30 Uhr sind die Leinen fest, nach einigen Diskussionen mit den Marineros und den Damen in der Capitaneria bleiben wir längsseits an der Abpumpstation liegen, den uns zugewiesenen Platz an der Außenmole wollten wir nicht, da stand sovirl Wind drauf, dass beim Anlegen garantiert irgendwas kaputt geht.

    Wir sind zurück im Tapasland!

  • Juchhe, auf See

    25. Mai 2016, Mittwoch, Baro 1009, bewölkt, Wind SO um 3

    Tatsächlich, alles ist erledigt, der Osteopath hat mir die Wirbel gelockert, nach einem netten Abend mit Annett und Patrick machte Volker heute morgen eine Testfahrt mit der “Wildling”, die gestern neue Schrauben bekommen hat, und direkt danach lösen wir die Leinen. An der Capitainerie müssen wir noch einmal anlegen, die Schlüssel abgeben und die letzten Tage bezahlen, dann sind wir auf See und die Hexe in ihrem Element.

    Skipper mit Big Hands
    Skipper mit Big Hands

    Die Segel stehen, der Wind kommt leicht achterlich und wir fliegen in Richtung der südlichsten französischen Küstenorte. Tagesziel ist Canet-en-Roussillon, mal sehen, ob der Wind durchhält, ansonsten müssen wir in einen der Häfen davor oder die “Eiserne Genua”, den Motor, anwerfen.

    Es ist leider bewölkt, eine fast geschlossene Wolkendecke hält die Sonne ab, Volker steuert in Ölzeug und mit Fließhandschuhen. Nico hat es sich im Cockpit in seinem Körbchen bequem gemacht, er weiß noch nicht, dass es heute ein wenig länger dauern wird, bis wir mit ihm Gassi gehen können.

    Nach 15:00 Uhr wird leider der Wind schwächer, der Schnitt wird schlechter, die Ankunftszeit verschiebt sich eher Richtung 22:00 Uhr, angeblich soll heute Nachmittag wieder mehr Wind kommen. Dafür scheint jetzt die Sonne und die Handschuhe haben Pause.

    Das sieht mehr nach Terroristin aus als nach Capitania…
    Das sieht mehr nach Terroristin aus als nach Capitania…

    Nach 16:00 Uhr brauchen wir nicht nur Handschuhe, Mütze, dicke Jacke und Schal, wir wechseln uns ab, damit wir nicht auskühlen. “Ist der Mai kühl und nass, füllt’s dem Bauern Scheun’ und Fass”, so eine alte Bauernregel, schaumermal…

    Volker backt uns Bratkartoffeln mit Zwiebeln und Wurst, das wärmt von innen, und um 21:25 haben wir die Leinen fest in Canet-en-Roussillon. Tagesetappe erreicht, und das in einer guten Zeit, fast 70 Seemeilen in weniger als 11 Stunden, brave Hexe.

  • Hoch hinaus

    Endlich! Am Freitag, dem 13. haben wir uns auf den Weg zum Boot gemacht, und alles ist gut gegangen. Das Boot lag noch sicher vertäut an seinem Platz, die Autobahnen waren nicht überfüllt, nach achteinhalb Stunden waren wir in La Grande Motte. Freund Wolfgang hat sich drei Tage Auszeit gegönnt und ist mit uns gefahren, jetzt, am Sonntag, ist er schon wieder unterwegs, und nimmt unser Auto mit zurück.

    Köstlichkeiten der Meere
    Köstlichkeiten der Meere

    Auf der Hinfahrt war es etwas eng im Wagen, denn Wolfgang hatte zwei Kitefurfbretter und die entsprechende Ausrüstung dabei. Am Freitag begleitete uns der Regen und das schlechte Wetter bis zum Meer. Genügend Wind gab es schon, aber die ablandige Brise lud auch nicht so sehr zum Surfen ein, wer weiß, ob man nicht plötzlich in die Mitte der Bucht abgetrieben wird, und bei dem Wetter sind auch keine anderen Surfer oder Ausflugsboote unterwegs. Also verschieben wir das auf den nächsten Tag, am Samstag soll das Wetter deutlich besser sein, wir schauen ein bisschen die möglichen Surf-Spots an und erfreuen uns am Abend an den Köstlichkeiten des Meeres.

    Wie versprochen scheint Samstag Morgen die Sonne, nach einem Frühstück im Cockpit machen wir uns auf nach Le Grau du Roi, denn dort, am östlichen Ende der Bucht ist der nordwestliche Wind günstiger, weil auflandig, das bedeutet, bei eventuellen Problemen auf dem Wasser wird der Surfer von seinem Kite an Land gezogen.

    Das Aufblasen ist die härteste Arbeit, sagt Wolfgang
    Das Aufblasen ist die härteste Arbeit, sagt Wolfgang

    Man muss ein bisschen zum Strand laufen, dort sehen wir am Ende der Bucht einige bunte Schirme am Himmel, auch ein paar Windsurfer fegen übers Wasser, und bei der Marina Port Camargue findet eine Regatta mit Segelbooten statt. Nachdem die Jungs das ganze Gepäck, zwei Bretter, zwei Schirme, die Gurte, den Trapezgurt zum richtigen Spot geschleppt haben, muss mit einer Fußpumpe zunächst der Schirm aufgeblasen werden, vorher die Entscheidung: Nimmt man 9 qm oder doch lieber 12?

    Starthilfe
    Starthilfe

    Dann wird der Trapezgurt angelegt, die Leinen befestigt, nun braucht der Kitesurfer nur noch einen Helfer, der ihm den Schirm hält, bis dieser genügend Druck hat und in die Luft steigt. Jetzt können wir Wolfgang bewundern, wie er – mit einigen anderen, aber nicht zu vielen – durch die Bucht fegt, und schließlich soviel Höhe geholt hat, dass er ein bisschen freies Wasser um sich herum hat und nicht immer aufpassen muss, dass er nicht einem anderen zu nahe kommt, und sich die vielen Leinen verwickeln.

    Der Schirm steht!
    Der Schirm steht!

    Mittags kommen immer mehr Kitesurfer, nachdem Wolfgang sich richtig ausgetobt hat, suchen wir einenPlatz, an dem auch Volker es probieren kann, nur mal den Schirm steigen lassen und über dem Kopf halten, das ist schon schwierig genug für das erste Mal. Es ist anstrengend und gar nicht so leicht, wie es bei den routinierten Fahrern aussieht.

    Da hat ein blauer Crog das Maul ganz schön weit aufgerissen
    Da hat ein blauer Crog das Maul ganz schön weit aufgerissen

    Die blauen Crogs haben es leider auch nicht mitgemacht, wenn der Schirm und Volker sich nicht richtig verstanden haben. Es gibt den einen oder anderen Absturz, bis der Kite richtig am Himmel steht. Ich bin sicher, dass Volker das ganz bald lernen wird, wenn wir mal länger an einem schönen windigen Ort verweilen. Und wer sich die ersten Versuche des tapferen Schülers, und – am Anfang des Films – den rasenden Lehrer anschauen mag, der klicke hier.

  • “Experiminta” in Frankfurt

    Schattenspiele
    Schattenspiele

    Am Dienstag habe ich mir wieder einmal meine Lieblings-Nachbarskinder ausgeliehen, um ins Museum zu gehen. Eigentlich wollte ich mit Lukas und Franziska ins Mathematicum nach Gießen, weil Franziska mir mal erzählt hatte, dass Mathe ihr nicht so viel Spaß macht, und ich wollte sie davon überzeugen, dass Rechnen nicht nur langweilig sein muss.

    Dann bekam ich den Tipp, dass es in Frankfurt die “Experiminta” gibt, auch ein Museum, in dem Naturwissenschaft erlebt werden kann. Für einen Nachmittag erschien mir das – schon wegen der räumlichen Nähe zu Darmstadt – eine attrative Alternative. Und es war genau die richtige Entscheidung!
    Schon am Eingang zum Museum hatten wir Spaß: Deckenhohe Spiegel hängen dort, ein ganz normaler, ein konvexer und ein konkaver, so konnten wir uns lang und dünn machen, aber auch klein und dick.

    Die unendlichen Weiten…
    Die unendlichen Weiten…

    Als Kleinfamilie hatten wir vergünstigte Eintrittspreise, und schon waren die beiden dabei, all die ausgestellten Maschinen zu erforschen. Während ich erstmal die Tafeln an den Wänden las, um den Zweck des Experiments erklärt zu bekommen, hatten sie es oft intuitiv im wahrsten Sinne des Wortes “begriffen”.
    An der Kasse hatten wir den Tipp bekommen, doch gleich mal in den 1. Stock zu gehen, da sei der Flugsimulator in Betrieb. Das war ein großer Spaß für die beiden, mit einer 3D-Brille, Steuerknüppel und Gasschalter in den Händen, durch den Weltraum zu fliegen.

    Die kleine Fakirin
    Die kleine Fakirin

    Das Prinzip des Flaschenzugs wird ganz leicht verständlich, wenn man sich, auf einem kleinen Stuhl sitzend, selbst mit einem Seil an die Decke ziehen muss, bei dem vierfach übersetzten Flaschenzug ging es viel leichter. Es gab ein Fakirbett, vor dem sie zunächst Respekt hatten, aber Franziska lag zum Schluss ganz entspannt darauf, weil sie verstanden hatte, dass man sich möglichst flach hinlegt, um das Gewicht zu verteilen. Mit dem Energie-Gokart ließen sie eine Eisenbahn fahren und eine Nähmaschine rattern. Von einem Ritt auf dem Teufelsrad haben wir Abstand genommen, nachdem wir Zeuge waren, dass man davon durchaus runterrutschen und sich wehtun kann; aber wir hatten viel Spaß dabei, ins Innere eines Auges zu steigen und die Linse groß und klein zu machen, und uns von einer Statue aus allen möglichen Blickwinkeln verfolgen zu lassen.

    Eine Seifenblase kurz vorm Platzen
    Eine Seifenblase kurz vorm Platzen

    Wir haben den Ball um Luftstrom tanzen lassen, uns am Schattentheater erfreut, zweimal einen Code geknackt, und uns kurz vor Schluss beim Puzzeln entspannt, eine Brücke gebaut, und Monster-Seifenblasen gemacht. Was für ein schöner und informativer Nachmittag, wir haben auf jeden Fall viel erlebt, erlernt und erfahren.