Autor: Hexymama

  • Diesmal haben wir es geschafft!

    Seit wir das letzte Mal in Cannes waren, wollten wir in die Chagall-Ausstellung gehen. Nun war – blöderweise – die Vernissage am Abend des Tages, als wir nach St. Raphael gesegelt sind. Das haben wir also schon mal verpasst, obwohl Volker nicht sicher war, ob wir einfach so in eine Vernissage spazieren dürften. Aber gut.

    "Père Noel et sa femme" vom Bildhauer Richard Mas schmücken die Croissette
    “Père Noel et sa femme” vom Bildhauer Richard Mas schmücken die Croissette

    Am Sonntag sind wir ja dann von St. Tropez nach Cannes gesegelt, und ich habe schnell mal den Ausstellungsort „Malmaison“ gegoogelt, weil ich dachte: „Na, am Montag haben die bestimmt zu!“ Aber nein, das Internet mit Google beruhigt mich, sie sind auch montags von 11 – 20 Uhr geöffnet. Also spazieren Volker und ich nach Regelung der Hafengebühren – und ohne Hund – den kleinen Kilometer die Croissette entlang. Wir bleiben natürlich wieder an dem einen oder anderen Schaufenster hängen, Prada und Dior haben neue Modelle ausgestellt, es findet nicht immer unsere Zustimmung, vor allem die Preise sind wirklich jenseits von Gut und Böse…

    Alternative Kunst?!
    Alternative Kunst?!

    Wir kommen an der „Malmaison“, wo die Ausstellung sein soll, an, und tatsächlich ist de Tür zu! Die Öffnungszeiten sind auch nicht – wie Google denkt –  von 11 – 20 Uhr, sondern von 10 – 12:30 und von 14 – 18 Uhr. Enttäuscht sind wir wieder abgezogen, es wäre ein schöner Programmpunkt für den gestern eher grauen Tag gewesen. Und der Tag ist kalt, beim nachmittäglichen Hundegang geht es nicht anders, wir kaufen für mich anstelle meiner dünnen Jacken einen warmen Daunenmantel, jetzt bin ich gut gerüstet für jegliche Art von bösem Mittelmeerwinter.

    La Malmaison
    La Malmaison

    Heute morgen waren wir beizeiten wieder bei der “Malaison, und siehe, die Ausstellung war geöffnet, wir waren auch keinesfalls alleine dort, mehr als ein Dutzend Menschen begleiteten uns durch die Räume mit Lithographien von Marc Chagall, eine kleine kompakte Ausstellung Chagalls Schaffens von den fünfziger bis in die achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts. Die Motive sind die gleichen wie auf den Gouachen und den großen Ölbildern, was z.B. in Frankfurt im Theater hängt, Zirkusartisten, immer wieder das Liebespaar, die Pferde, die die Freiheit symbolisieren (ob die Spielzeugpferde in den Läden wohl auf diese Zeichnungen zurückgehen?), der jiddische Geiger, der zu Geburt und Tod spielt, alles schwebt ein bisschen, es tut gut, sich die Bilder anzusehen.

    Auf jeden Fall haben wir schöne Bilder gesehen, und mit unserem Ticket können wir auch noch die die Dalí-Ausstellung, 350 m weiter die Croissette entlang, besuchen. Bis April 2016.

  • Meuterei?!

    Der Capitania stehen die Haare zu Berge
    Der Capitania stehen die Haare zu Berge

    22. November 2015, Sonntag, Baro 1000, sonnig, kühl, Wind NNW zunächst um 5 Beaufort
    St. Tropez 10:00 – Cannes 14:30, 24 sm

    Den ganzen Abend hat der Wind mit bis zu 100 Stundenkilometern hier im Hafen unser Boot schaukeln und an den Leinen ziehen lassen wie ein ungezügeltes Pferd. Erst gegen Mitternacht konnten wir uns darauf einigen, dass es jetzt nur noch ca. 40 Knoten in Böen waren. Aber seit acht Uhr heute früh lässt der Wind – ein bisschen – nach. Volker muss segeln! Ich habe gerade gar keine Lust, mir ist es zu kalt, zuviel Wind und überhaupt. Mein Vorschlag, wegen des noch immer heulenden Windes, doch morgen nach Cannes zu fahren, stößt auf taube Ohren. “Heute stimmt doch die Windrichtung noch! Und außerdem sind es ja nur noch 10 Knoten Wind.” Das stimmte, wenn auch nur kurzfristig.

    Noch weht ein ordentlicher Wind
    Noch weht ein ordentlicher Wind

    Mit einem gekonnten Mannöver bringt Volker uns sicher aus der Box und in die Bucht von St. Tropez, schnell das Groß bis Reff 1 gesetzt, die Fock darf erstmal ganz raus, bis der Wind auf über 22 Knoten auffrischt, dann muss auch sie ein bisschen verkleinert werden. Die Wellen sind bei dieser Windrichtung tatsächlich moderat, und nach einer Stunde lässt der Wind spürbar nach. Also wird zuerst die Fock, dann das Großsegel ausgerefft, leider dreht der Wind dabei auf Nord, hoffentlich nicht weiter auf Nordost, sonst müssen wir am Ende noch kreuzen. Aber in Hoorn, unserem alten Heimathafen in den Niederlanden, ist heute auch Regatta, und auch da muss man kreuzen, und da ist es noch ein bisschen kälter. Bei uns scheint die Sonne, und wir haben eine großartige Fernsicht bis hin zu den schneebeckten Seealpen kann man schauen.

    Der Klügere gibt nach, oder?
    Der Klügere gibt nach, oder?

    Hier ist außer uns kein Boot auf dem Wasser, in Holland wären an so einem schönen Sonntag wahrscheinlich hunderte unterwegs, getreu dem Motto: “Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln geh’n.” Und jetzt ist es doch allerschönstes Segeln geworden, ich bin wieder mit meinem Schicksal als  Skippersfrau versöhnt und erfreue mich am Sonnenschein.

    La Chrétienne
    La Chrétienne

    Leider schläft ab der “Chrétienne”, der großen Gefahrentonne an der “Eceuil des Vieilles”, der Wind immer mehr ein. Wir versuchen es mit kreuzen, aber, bedingt durch die Strömung, treiben wir rückwärts. Volker hat es ja schon gesagt, “ab der Schnauze des Drachens”, wie sie hier die kleine Bergkette nennen, “geht eh der Wind weg”. Alle Aufregung umsonst, heute morgen…

    Um 13:30 Uhr darf der Motor wieder schweigen, wir treiben bei leichtestem Wind dem fünfeinhalb Meilen entfernten Cannes entgegen. Auch hier, direkt an der Küste, ist das Mittelmeer schon wieder so tief, dass unser Tiefenmesser den Dienst verweigert und immer nur die letzte Messung anzeigt. Das kann mal 110 m sein, mal 140, aber auch schon mal nur sechs, vielleicht falls ein Fischschwarm unterm Boot durchgegangen ist?

    Eingemummelt aber glücklich
    Eingemummelt aber glücklich

    Während ich das hier geschrieben habe, ging schon wieder der Motor an, die nächsten fünf Minuten fahren wir unter Maschine, dann hat endlich der Wind auf Ost gedreht und weht mit netten 8-10 Knoten, der Skipper zieht die Handschuhe wieder an, nimmt das Rad in die Hand und ist ganz in seinem Element.

    Und noch etwas müssen wir revidieren: Hier in der Bucht von Cannes sind ganz viele Segelboote unterwegs, im westlichen Teil, vor Port La Napoule, findet eine Regatta mit Dickschiffen statt, eine weitere mit Jollen ganz im Osten, und einige Segler sind einfach so unterwegs.

    Das meint der Skipper dazu:

    Bei uns an Bord kann es keine Meuterei geben.

    Meuterei bedeutet laut Duden, Wikipedia und ähnlichen Quellen, dass nicht nur die Dienstpflicht nicht erfüllt wird, sondern zudem noch gegen den Vorgesetzten rebelliert wird.

    Da kann reinformaltextlich Cornelia gar keine Meuterei anzetteln. Weder ist sie mir gegenüber dienstverpflichtet, sie ist ja mit mir verheiratet und nicht meine Angestellte. Alle Dienste an Bord verrichtet sie, ohne dafür eine bezahlte Heuer zu erhalten 🙂 Auch bin ich nicht ihr Vorgesetzter, wenngleich sie mich gerne als ihren Skipper bezeichnet. 

    Man kann es daher eher als eine sanfte Rebellion beschreiben, was sich heute hier an Bord ereignet hat. Ausgefochten und angestachelt durch und mit den Waffen einer Frau. Da kann Mann natürlich schon mal schwach werden. Heute hat sich aber die Vernunft gegenüber den Emotionen durchgesetzt. Sonst sind wir das basisdemokratischst besetzte Schiff auf der Nordhalbkugel. Weil, wie heißt es so schön: Die kluge Frau folgt ihrem Mann – wohin sie will.

  • Die Entdeckung der Langsamkeit

    Die Gefahrentonne in der Bucht von St. Tropen mit Kormoran
    Die Gefahrentonne in der Bucht von St. Tropez, mit Kormoran

    Keiner, der Volker als Segler kennt, hätte ihn gestern oder heute erkannt. Unser Weg führt uns von Porquerolles über Le Lavandou nach St. Tropez. Ab Freitag soll es Starkwind mit Sturmböen geben, da wollen wir gerne in einem sicheren Hafen liegen. Aber bis dahin muss sich die Hexe mit 3-8 Knoten Wind zufrieden geben. Und der Skipper auch. Und, tatsächlich, es geht!

    Da der Wind oft die Richtung wechselt, gibt es viele Mannöver, und die Sonne wärmt auch schön, das verstärkt das Wohlgefühl. Wenn der Wind sich zwischenzeitlich ganz verabschiedet, wird ein Badestopp eingelegt, allerdings sieht das etwas anders aus als im Hochsommer. Mit Neopren-Anzug, -Haube und -Schuhen angetan, steigt der Skipper ins Wasser und krault ums Boot.

    Spitze: 4,9 Knoten Speed bei 4,8 Knoten Wind!
    Spitze: 4,9 Knoten Speed bei 4,8 Knoten Wind!

    Manchmal fällt die Windgeschwindigkeit unter zwei Knoten, dann motoren wir – unter Umständen – auch mal, ansonsten sitzen wir das einfach aus. Gut, dass wir das Unterwasserschiff mit neuem Antifouling versehen haben, so fährt die brave Hexe auch bei fünf Knoten Wind über vier Knoten, und bei vier Knoten macht sie noch mindestens drei Knoten Fahrt. Nur wenn die Logge (der Geschwindigkeitsmesser) unter zwei Knoten anzeigt, wird die “eiserne Genua”, wie der Motor manchmal auch liebevoll genannt wird, angeworfen. Dann langweilt sich der Skipper.

    bisschen genervter Skipper
    bisschen genervter Skipper
    beschäftigter Skipper
    beschäftigter Skipper
    zufriedener Skipper
    zufriedener Skipper

    Aber wenn dann wieder ein kleines bisschen Wind kommt, packen wir den Spi wieder aus, er steht rot-weiß-grün und zieht das Boot. Dann ist der Skipper in seinem Element, er spielt mit der Leeschot, kurbelt ab und an das Großsegel dichter oder lässt es wieder raus. Gleichzeitig gibt es kleine Anweisungen: “Luvschot zwei Zentimeter raus!”, “Leebarberholer los!”, “Luvschot dichter!“, „Großsegel raus!“ Wenn alles stabil steht, nimmt der Skipper das Ruder in die Hand und steuert, auch dann ist er glücklich.

    Der Spi steht tadellos - diesmal auf Halbwindkurs
    Der Spi steht tadellos – diesmal auf Halbwindkurs

    Das Spiel „“Spinnaker rauf – Spinnaker runter“ haben wir heute mindestens dreimal gespielt, gekurbelt, dicht geholt, rausgelassen, alles so, wie der Wind das will und der Skipper.  Also, wahrscheinlich hättet Ihr, die Ihr schon einmal mit uns gesegelt seid, Volker doch wieder erkannt.

    Aber in sieben Stunden nur 22 Seemeilen segeln, ist für uns schon die Entdeckung der Langsamkeit wert. Und es hat Spaß gemacht…

  • Zwei ruhige Segeltage

    13. November 2015, Freitag, Baro 1025, sonnig, Wind NNW 6-8 Knoten
    St. Raphaël 09:50 – St. Tropez 14:00, 13,3 sm

    Die ganze Welt in St. Tropez
    Die ganze Welt in St. Tropez

    Tatsächlich schaffen wir einen frühen Start, denn es ist Wind, zumindest ein bisschen. Schnell habe ich, nach dem gestrigen Desaster, zweimal fünf Gigabyte in einem Tabac erstanden, damit wir was in der Reserve haben. Vielleicht eine Frage des Alters, aber ich habe immer gerne von allem noch ein Reserveexemplar. Ja, bestimmt eine Frage des Alters!

    Mit Spinnaker geht es gut voran, leider nur eine halbe Stunde, dann schläft der Wind ein. Wir bergen zwar nach kurzer Zeit den Spi, werfen den Motor aber noch nicht an, das sitzen wir jetzt aus! So wird das nichts mit Porquerolles oder Port Cros, wir nehmen Kurs auf St. Tropez, da können wir mit dem gerade wieder aufgefrischten Wind gut hinsegeln. Später hört die Mittagsbrise auch wieder auf, gut, dass wir es nicht darauf angelegt haben, weiterzukommen.

    Grabstein mit Aussicht
    Grabstein mit Aussicht

    Wir machen einen Spaziergang zum Friedhof, von See her haben wir den schon oft gesehen, jetzt wollen wir ihn mal von Land aus erkunden. Wenn man noch was davon hätte nach dem Tod, könnte man durchaus sagen, hier liegt man super, mit Aussicht auf die Bucht. Aber das hilft höchstens noch den Hinterbliebenen, wenn sie hier zu den Gräbern gehen und frische Blumen bringen, denn die gibt es trotz Spätherbst in großen Mengen, fast genauso viele wie von den künstlichen, meist aus glasiertem Ton oder Porzellan gefertigten Grabschmuck-Blumen.

    Wir suchen für das heutige Freundschaftsspiel Frankreich – Deutschland ein Restaurant oder eine Bar mit großem Fernseher. Die erste Halbzeit schauen wir in einer Brasserie, essen dazu Spaghetti und Quiche, zur zweiten Halbzeit gehen wir Richtung Hafen. Das italienische Restaurant, das zum Nachtclub “Hysteria” gehört, hat auch große Fernseher, dort sitzt man warm und gemütlich. In der Brasserie hat es nämlich gezogen wie Hechtsuppe, das war ungemütlich!

    Schon während des Spiels bemerken wir eine Unruhe am deutschen Nachbartisch und an der Bar, und nach dem Ende wird der Fernseher laut geschaltet und die furchtbare Nachricht von der grausamen Anschlagserie in Paris wird gesendet. Da die Fernseher in den Restaurants ohne Ton liefen, hatten wir die Detonation am Ende der ersten Halbzeit nicht gehört. Jetzt kamen die Meldungen eine nach der anderen, zunächst war nur von der Bombe vor dem Stadion und der Schießerei bei dem Rockkonzert die Rede, dann kamen noch die Meldungen aus den Restaurants. Stumm verfolgten die Kellner und die Gäste die schrecklichen Ereignisse, es gab fast keine Kommentare, aber es fehlen auch bei so etwas einfach die Worte.

    14. November 2015, Samstag, Baro 1022, sonnig, leicht bewölkt, Wind Nordost, 2, 3 und 4 Beaufort
    St. Tropez 10:15 – Port Cros 16:30, 27 sm

    Petri Heil?
    Petri Heil?

    Dem schmerzenden Rücken zum Trotz will Volker nach dem Frühstück nicht zum Markt, sondern segeln, macht auch Sinn, denn in den nächsten Tagen soll es eher weniger als mehr Wind geben, also eigentlich gar keinen. Jetzt hat der Wind auch schon gedreht, kommt aus Nordost – wie vorhergesagt – das heißt, wir kreuzen das erste Stück aus der Bucht von St. Tropez raus, danach geht es auf Vorwindkurs Richtung Süden. Die vier Meilen bis zum Cap Camarat segeln wir mit ausgebaumter Fock, danach wird der Spi gesetzt, bei über 10 Knoten Wind rauschen wir die Küste hinab. Ein Segelboot unter italienischer Flagge verwirrt uns, viele Leute stehen am Heck, ist da etwas passiert? Volker sagt: “Mach doch mal Kanal 16 an”, aber da spricht keiner. Als wir rasch näher kommen, sehen wir, dass die Männer nur am Heck stehen, um zu angeln. Tatsächlich holt auch einer einen Fisch raus. Das inspiriert Volker, mich wieder mal zum Angeln zu überreden, aber wir sind eigentlich immer zu schnell, um etwas zu fangen. Egal, ich krame in der Backskiste nach der von dem Amerikaner auf Gibralter geschenkten Angel, finde sie auch, und wir hängen sie raus. Mal sehen, ob sich eine Dorade dran festbeißt.

    Sonnenuntergang von Port Cros
    Sonnenuntergang von Port Cros
    … und in Thailand
    … und in Thailand
    … und der Mond über Port Cros
    … und der Mond über Port Cros

    Tut sie natürlich nicht, und leider war der Wind auch nicht immer windig, deshalb beschließen wir, statt Porquerolles lieber Port Cros anzulaufen, da gibt es zwar keinen Strom, aber wir kommen noch im Hellen an, und die Insel ist ja immer wieder ein Traum. So still, wenn das letzte Tauchboot für die Nacht festgemacht und die letzte Fähre abgelegt hat, sind nur noch die 10 – 20 fest dort wohnenden meist beim Nationalpark angestellten Menschen hier, und am Samstag Abend 10-12 Yachten.

    Die kleine Kirche ist noch offen
    Die kleine Kirche ist noch offen

    Alle Restaurants und die kleine Epicerie, wo man in der Saison Souvenirs und ein paar Grundnahrungsmittel bekommt, sind geschlossen, und nicht einmal der Liegeplatz kostet etwas. Vom 1. November bis 31. März liegt man hier umsonst. “Ja”, sagt die freundliche Hafenmeisterin, “jetzt darf man beim Einkaufen auf dem Festland nichts vergessen, nur das Salz kann man sich aus der Saline holen, sonst gibt es hier nichts zu kaufen.”

     

  • St. Raphael, nicht schön, aber doch charmant

    12. November 2015, Donnerstag, Baro 1022, sonnig, warm, kein Wind, nachmittags SW
    Cannes 11:20 – St. Raphaël 14:00, 12 sm motort

    Still und starr ruht die See
    Still und starr ruht die See

    Da wir nicht wissen, ob wir ungeladen zu der Vernissage der Chagall-Ausstellung gehen können, und so ein Pubquiz im MaNolan jeden Donnerstag stattfindet, werfen wir nach einem guten Frühstück die Leinen los und den Motor an und fahren – ganz ohne Wind und ohne Wellen – nach St. Raphaël. Volker meint, ich gäbe sonst eh keine Ruh, bis ich das mal gesehen habe, nämlich, dass es einfach nicht schön ist. Die Fahrt dorthin war jedenfalls ruhig, alles unter Motor, Volker hat sich ab und zu seinen Rückenübungen hingegeben, ich war mit meinen Zeit-Kreuzworträtsel beschäftigt, der Hund lag draußen bei uns im Körbchen. Entspannt motoren (nix für den Skipper!).

    So einen großen Liegeplatz hatten wir noch nie
    So einen großen Liegeplatz hatten wir noch nie

    In St. Raphaël bekommen wir den bisher größten Liegeplatz zugewiesen, da muss die Hexe noch ein bisschen reinwachsen. In der Marina liegen viele große Boote, auf denen jetzt nicht mehr die Eigner sind – die müssen wahrscheinlich auch irgendwann einmal Geld verdienen – sondern die Mechaniker und die Bootsbauer für kleine Reparaturen und die Polstererinnen und so weiter.

    Volker hatte Recht, die Stadt ist alles andere als schön, in der ersten Reihe am Meeresstrand geht es noch, da sind halt viele Restaurants, von denen jetzt allerdings die meisten geschlossen sind, aber im Centre Ville ist es laut von unendlich vielen Autos und vor allem Vespas und Motorrädern, es stinkt erbärmlich nach den Abgasen. Die Basilika hingegen ist sehr schön, es ist gerade ein Messe, sodass wir nur leise bei der Mutter Gottes eine Kerze anzünden und die Kirche ebenso leise wieder verlassen.

    Die Kathedrale von St. Raphael, von außen
    Die Kathedrale von St. Raphael, von außen
    und von innen
    und von innen

    St. Raphaël geht nahtlos in Fréjus über, hier gibt es auch eine historische Altstadt, aber die muss bis zu unserem nächsten Besuch warten. Mit Volkers Hexenschuss wollen wir keine Gewaltmärsche riskieren, wir nehmen lieber einen kleinen Drink in einer der großen Bar-Brasserien, die an der Uferpromenade liegen, und jetzt bei Dunkelheit einen schönen Blick über die Bucht und die Lichter am anderen Ende gestatten.

    Die letzte Dose sardisches Ichnusa-Bier
    Die letzte Dose sardisches Ichnusa-Bier

    Zurück beim Boot kocht Volker einen leckeren Eintopf, danach wollen wir versuchen, den RTL-Spielfilm über die Starfighter zu sehen. Das klappt auch super, leider sind aber ca. zehn Minuten vor Schluss unsere Gigabytes aufgebraucht, Pech, das Ende müssen wir uns wohl ein anderes Mal ansehen.

  • Auf, ins Museum!

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    Der Eingang zum Landesmuseum
    Der Eingang zum Landesmuseum

    “Warum gehen wir immer nur in fernen Orten ins Museum?” haben wir uns am Samstag Morgen gefragt und sind in das wieder geöffnete Hessische  Landesmuseum gegangen. Das Museum war von 2007 – 2014 wegen Umbaus geschlossen, eine lange Zeit, in der sich so mancher Darmstädter nach dem Sinn der Unternehmung fragte. Vorher war es ein hauptsächlich naturkundliches Museum, in dem wir schon so viele Sonntage mit den damals noch jungen Kindern verbracht haben, vor den ausgestopften Tieren und den Skeletten und den Schmetterlingen, die alle in großen Vitrinen ausgestellt waren, eher unprätentiös und unspektakulär. Und wir müssen zugeben: “Der Umbau und die damit verbundene Wartezeit haben sich gelohnt.”

    Ritterrüstungen
    Ritterrüstungen

    Die naturwissenschaftliche Sammlung haben wir uns bis zum Schluss aufgehoben und erstmal mit Ritterrüstungen angefangen. Das ist eine beeindruckende Sammlung, daneben gibt es auch weltliche und religiöse Schmuckstücke, Kelche, Möbelstücke und Statuen zu bewundern.

    Ägyptische Grabbeigaben und Amulette
    Ägyptische Grabbeigaben und Amulette

    In den Kellergewölben gibt es eine “Japanische Sammlung”, eine “Ägyptische Sammlung”, zahlreiche Gebrauchs- und Kunstgegenstände aus den Jahrhunderten vor Christi Geburt. Bei den Ägyptern gab es Seth, u.a. als Gott für die Stürme zuständig (mit dem müssen wir uns gut stellen, dass er sie von uns fern hält!). Außerdem – natürlich – eine große Sammlung aus dem Jugendstil, mit Möbeln, Vasen, Gläsern, Geschirr, Besteck und Schmuck von Olbrich, Peter Behrens, van de Velde. Wunderschön und absolut sehenswert!

    Martin Luther und seine Ehefrau Margarete
    Lukas Cranach der Ältere: Martin Luther und seine Ehefrau Margarete

    Eine Gruppe Jugendlicher saß in einem dunklen Raum und skizzierte einige der mit Spotlicht angestrahlten Figuren, die Lehrerin ging herum und gab Tipps, wie jenes Bein oder dieser Arm besser gezeichnet werden könnte. Das animierte uns offensichtlich, denn als nächstes landeten wir in der erstaunlich umfangreichen Gemäldesammlung. Hier finden sich in der Abteilung 13.-16. Jahrhundert ganze Kirchenaltäre, viele Bilder, Portraits, darunter das von Luther, und Szenen aus der Bibel, später auch Stillleben und Landschaften.

    Peter Paul Rubens: Dianas Heimkehr von der Jagd
    Peter Paul Rubens: Dianas Heimkehr von der Jagd

    In der Sammlung des 17.-21. Jahrhunderts wurden wir von einem riesengroßen Gemälde von Rubens “Diana von der Jagd heimkehrend” überrascht. In diesem großformatigen Bild treffen die keusche Diana und ihre Nymphen auf die lüsternen Satyrn (na, das kann ja noch was werden!). Neben vielen, vielen sehenswerten Kunstwerken hängen dort auch Bilder aus Rembrandts Werkstatt, sowie die berühmte “Iphigenie” von Feuerbach, Werke von Lukas Cranach d.Ä. Es gibt kleinformatige Schätze, große “Ölschinken”, Werke der bildhauenden Kunst, ach, so viel zum Anschauen und Staunen!

    Max Beckmann: San Francisco
    Max Beckmann: San Francisco

    Besonders das 20. Jahrhundert und der Expressionismus sind mit zahlreichen Bildern von u.a. Kirchner, Pechstein, Macke und dem letzten Bild von Max Beckmann ausgezeichnet vertreten. Diese Zeit hat besonders mir gefallen. Zwischendurch hängt immer mal ein etwas anderes Bild aus dem 21. Jahrhundert, und stört ein bisschen, aber das ist genau richtig.

    Noch Affe oder schon Mensch?
    Noch Affe oder schon Mensch?
    Präparate eines Huhns im Ei vom Anfang bis zum Schlüpfen
    Präparate eines Huhns im Ei vom Anfang bis zum Schlüpfen
    Ein Dioskur: Afrikanische Steppe
    Einer der Dioramen: Die afrikanische Steppe
    Die kleine Druckerei für die Westentasche
    Die kleine Druckerei für die Westentasche

    Danach ging nur noch die naturwissenschaftliche Sammlung, die großartig aufbereitet worden ist, mit Touchscreens, auf denen man mehr über das jeweilige Tier erfahren kann, großen Dioskuren, also Klimazonen, in denen die entsprechenden Tiere angeordnet sind. Der Beuys-Block und die oberen Etagen müssen bis Dezember warten. Aber wenn Ihr, liebe Leser, mal in der Gegend seid, lasst Euch das Hessische Landesmuseum nicht entgehen!

    Oh Lilien, oh Lilien, oh Lilien…
    Oh Lilien, oh Lilien, oh Lilien…

    Mit platten Füßen und schmerzendem Rücken steigen wir aufs Fahrrad und setzen uns zu einem Abschiedsdrink auf den Darmstädter Marktplatz. Dort wird uns doch tatsächlich noch eine Eintrittskarte für das heutige Fußballspiel der Darmstädter Lilien gegen den HSV angeboten! Volker ist glücklich, jetzt kann er mit den Nachbarn noch einmal zum Fußball, ehe wir am Sonntag wieder Richtung Süden fahren. Und es ist ja immerhin ein “Unentschieden” geworden.

  • Orange!

    Nach dem Frühstück am Freitag versuche ich erneut mein Glück, einen Liegeplatz in Antibes zu reservieren, nachdem das in der Saison nie geklappt hat. Kaum zu fassen, wir bekommen einen Platz! Bei dem wenigen Wind schaffen wir tatsächlich die neun Seemeilen von Nizza nach Antibes in vier Stunden, inklusive Badestopp für den Skipper, was für eine Leistung!

    Der Orange-Laden residiert im ehemaligen Grand Hotel
    Der Orange-Laden residiert im ehemaligen Grand Hotel

    Antibes ist schön, wie immer, wir entdecken bei der Suche nach einem Gemüseladen Ecken der Stadt, in denen wir noch nicht gewesen sind. Es sind viele Menschen unterwegs, auch noch viele Touristen, man hört deutsche, schwedische und englisch-sprachige Laute. Aber die kleinen Galerien, an der Bastion, bei den touristischen Restaurants haben schon für den Winter geschlossen. Auf dem großen Platz gibt es einen Orange-Telefon-Laden, da werde ich morgen früh mal hingehen und unsere bereits gekauften Gigabytes aktivieren. Das ist bestimmt einfacher, denn mit einem ausländischen Telefon funktionierte das nicht automatisch, da musste ich bisher immer erst mit der Hotline telefonieren.

    IMG_7513Nach dem Abendessen suchen wir die Australian Bar, die in unserem Hafenplan angezeigt hat, und wo heute Livemusik sein soll. Allerdings fangen die Jungs erst nach elf Uhr an zu spielen, da sind wir nach vier Liedern zu müde und gehen nach Hause ins Bett.

    Am nächsten Tag im Orange-Laden bekomme ich eine wirklich gute Nachricht: Sie haben es geschafft und eine Nummer eingerichtet, damit man von einem ausländischen Mobiltelefon aus die Gigabytes für den “Domino” genannten Wlan-Router aufladen kann. Ich probiere das noch direkt im Laden aus und es funktioniert einfach so, völlig ohne Probleme! Ich muss nur die Karten-Nummer meines Routers eingeben, dann die vierzehnstellige Nummer der bereits gekauften Gigabytes, und schon sagt mir die freundliche Stimme, mein fünf Gigabyte-Guthaben seien aktiviert und gelte bis August 2016. Solange werden sie bei uns zwar nicht halten, aber gut zu wissen.

    Eine ausgefallene Uhr schmückt den Bahnhof von Antibes
    Eine ausgefallene Uhr schmückt den Bahnhof von Antibes

    Danach mache ich noch einen Schlenker zum Wochenmarkt. Die Markthalle ist  gut besucht und die Stände bieten die leckersten Dinge an: ganz viel kandierte Früchte aller Art, Cranberries, Feigen, Aprikosen, Zitronen,  alles, was das Herz begehrt, es gibt mehrere Oliven- und Tapenade-Stände, solche mit korsischer Salami und Käse, Gemüse und Obst aller Art. Ich hole noch einen Vorrat an Kakis, denn Allegra hat gesagt, zuhause gibt es noch keine reifen Kakis und die von hier sind so unglaublich süß und lecker. An zwei Orten in der Stadt ist  Flohmarkt, auf dem großen Platz überwiegen die Antiquitätenhändler, die zum Teil sehr schöne Porzellanstücke und Silber feilbieten, zum Teil aber auch viel Ramsch. Auf dem anderen Platz nahe bei der Marina gibt es neue und getragene Kleider, von der Unterwäsche bis zur Winterjacke.

    Mittags segeln wir bei ganz leichtem Wind langsam die drei Meilen bis zur Marina Baie des Anges, von der aus wir morgen früh für eine Woche nach Hause fahren werden.

  • Bella Italia

    Ein Wasserspeier in La Pigna
    Ein Wasserspeier in La Pigna

    Nachdem vor allem der Skipper anfänglich große Zweifel an der Schönheit von San Remo hatte, wurden wir doch in den zwei Tagen eines Besseren belehrt. Noch am Abend sind wir – mal wieder – nach oben gestiegen, in die eine Altstadt und in den anderen sehr verfallenen mittelalterlichen Stadtteil “Pigna”, wo uns zahlreiche Schilder über die einstige Bedeutung der Plätze, Häuser und Straßen aufklärten.

    Häuser, vom Verfall bedroht
    Häuser, vom Verfall bedroht

    Die Hauswände sind feucht, in die meisten Gassen dringt niemals ein Sonnenschein, klar, war das abends dunkel hier, aber als wir am nächsten Mittag bei strahlendem Sonnenschein noch einmal durch diese Gassen gelaufen sind, war es auch nicht viel heller. Und auch hier wieder das Problem, dass man alles, jeden Einkauf, aber auch den Kühlschrank und die Waschmaschine durch kleine verwinkelte Gassen tragen muss.

    Blick mit Engel
    Blick mit Engel

    Mittwoch sind wir also auch wieder mal nach oben gestiegen, diesmal noch weiter hoch, erst wieder ein bisschen runter, um auf den nächsten Hügel zu gelangen und zum Schluss standen wir an einer schönen Kirche, die aber leider geschlossen war, und erst vierStunden später wieder öffnen sollte. Wir waren 107 m über dem Meer, hatten einen sensationellen Ausblick über die Stadt. Man sah auch das Kreuzfahrtschiff von Thomas Cook, das am Morgen in der Bucht angekommen war, und das lauter kleine Boote mit vielen Menschen ausspuckte, die einen Landausflug durch San Remo oder mit dem Bus an der Costa dei Fiori entlang machen.

    reife Kiwis
    reife Kiwis

    Auf dem Weg hoch haben wir einen gut gefüllten Kiwi-Baum gesehen, das war eine Premiere, mitten am Hang neben einem abenteuerlich darein gebauten Haus. Auch kleine Schrebergärten haben die Menschen angelegt, dort wachsen Tomatensträucher und Zucchinis, Kräuter und bunte Blumen.

    Davon gibt es große Sträucher und kleine Stauden in allen Farben
    Davon gibt es große Sträucher und kleine Stauden in allen Farben

    Ja, die Costa dei fiori macht ihrem Namen alle Ehre, es blüht immer noch vieles, natürlich die Bougainvilla und der Oleander, der Hibiscus, aber auch ganz viele andere bunte Blumen, deren Namen wir, als Botanik-Laien, nicht kennen.

    schöner Fußboden vor der Kirche
    schöner Fußboden vor der Kirche

    Am Donnerstag Morgen wollten wir eigentlich früh ablegen, aber als ich nach dem Hundespaziergang zurückkam, war der Wind verschwunden. Laut Windfinder sollte er um elf wiederkommen, wir haben es ausprobiert und segelten zuerst bei ganz leichtem Wind im Sonnenschein die Küste entlang. Mir gefällt es, es ist alles so friedlich, aber der Skipper ist genervt von den vielen Flauten an der Côte und den ewigen Winddrehern.

    Ciao, Bella Italia
    Ciao, Bella Italia

    Und dann kam er doch noch, der Wind. Zwar genau daher, wo wir hinwollten, aber mit 12-13 Knoten, aber wir konnten segeln, also kreuzen, halt. Leider mussten wir auch alles anziehen, was der Kleiderschrank so hergab, denn gegen den Wind wird es empfindlich kühl. Und als wir dann den letzten Schlag raus geschafft hatten und mit einem leichten Schrick in den Segeln auf Nizza zu fuhren, wurde sie auch wieder richtig schnell, unsere Hexe. Der Unterwasseranstrich hat sich gelohnt, auch bei wenig Wind benimmt sie sich nicht mehr wie eine bleierne Ente, sondern sprinted los wie ein junges Fohlen. (Damit warten wir auch nie wieder so lange.)

  • Auf nach Osten

    18. Oktober 2015, Sonntag, Baro 1014, grau, Nieselregen, Wind NO um 2
    Nizza 10:30 – Menton 14:10, 14 sm

    Tief hängen die Wolken über den letzten Zipfeln der französischen Riviera
    Tief hängen die Wolken über den letzten Zipfeln der französischen Riviera

    Im grauen Wetter verabschieden wir uns von Nizza, der Inhaber unseres liegeplatzes wird für heute zurück erwartet, da müssen wir ihn räumen. Unser Fernziel für diese Woche heißt San Remo, am Sonntag müssen wir ja schon wieder zurück in der Baie des Anges sein, Menton soll eine schöne Stadt sein und sie liegt nur zwölf Seemeilen entfernt, nur schade, dass der wenige Wind genau von dort kommt, und dann auch noch der Nieselregen einsetzt. Wenn es gar nicht geht, machen wir in Monaco Halt und sagen den Grimaldis “Guten Tag”.

    Die Hafeneinfahrt verspricht schon eine schöne Stadt
    Die Hafeneinfahrt verspricht schon eine schöne Stadt

    Ansonsten erwarten uns in Menton schöne Parks, interessante Kirchen und die Stadt ist voll von Jean Cocteau, dem vielbegabten Surrealisten, der Gedichte schrieb, Dramen und Theaterstücke, Filme machte und malte und der in Menton den “Salle de Marriage” im Rathaus gestaltet hat. Ihm sind auch zwei Museen gewidmet, die Altstadt soll schön sein, wenn es morgen nicht mehr regnet, können wir uns auf ein großes touristisches Programm einstellen.

    IMG_7247Es fällt uns auf, wie anders plötzlich das Leben an Bord ist. Vor sechs Wochen war das erste, was wir morgens nach Hundespaziergang und Schwimmen, noch vor dem Frühstück gemacht haben, das Sonnensegel zu spannen, damit man der größten Hitze entgehen, und angenehm im Schatten draußen das Leben genießen konnte. Wir waren, wenn es irgend ging, mehrmals am Tag im Wasser, schwimmen wurde unser Sport, und an Essen dachten wir erst spät am Abend.

    Jetzt gewinnen Strümpfe, dicke Jacken und die Heizung mehr und mehr Bedeutung. Der Neoprenanzug für das tägliche Schwimmen, den wir, enthusiastisch, in Deutschland gekauft hatten, wartet auch noch auf den ersten Einsatz. Mittags braucht Volker beim Segeln etwas Warmes zu essen, und ich denke beim Steuern über Handschuhe nach. Eine andere Decke, bzw. die zweite haben wir bereits in den Bettbezug eingezogen, nur manchmal, mittags, kommen die kurzen Hosen zum Einsatz bzw. hat die Strumpfhose Pause. Was für ein Unterschied!

    Mosaik in Nizza
    Mosaik in Nizza

    Heute segeln wir soweit östlich an der Festlandküste des Mittelmeers, wie wir noch nie waren, jedenfalls mit dem Boot (klar, Olbia war weiter östlich, aber das ist ja auch eine Insel!). Zwar geht es langsam voran, es sind nur 3-5 Knoten Wind, und zwischendurch musste auch der Motor mithelfen, da war gar kein Wind mehr, aber jetzt liegt Monaco schon hinter uns und wir nähern uns Menton. Danach kommt gleich Italien.

    ob der Neppern auch wirklich warm hält?
    ob der Neopren auch wirklich warm hält?

    Leinen sind fest am “Acceuil”-Steg, wir hatten auch schon einen Schwatz mit dem deutsch-brasilianischen Ehepaar von der “Marlijn”, und jetzt straft der Volker mich Lügen, denn er geht im neuen Neopren schwimmen!

  • La pluie – der Regen

    Gut haben wir geschlafen in der ersten Nacht an Bord. Die Hexe lag während unserer Abwesenheit ganz geschützt hier im Hafen, auch die schlimmen Regenfälle vom letzten Wochenende haben keinen Schaden angerichtet, nur ein paar kleinere Boote mussten ausgepumpt werden. Gestern Abend hatten wir noch einen Schrecken, weil die Batterie so leer war, und nicht richtig laden wollte, aber das war wohl tatsächlich, weil sie so tief entladen gewesen war.

    Heute Morgen hat Volker das Boot gewaschen und wieder schön gemacht, ich habe den Hund ausgeführt, eingekauft, bei Sonja die noch ausstehenden Hafengebühren bezahlt, den Parkplatz für einen Monat gebucht. Dabei habe ich eine Wirtschaftsprüferin getroffen, die schon lange hier lebt, in Deutschland arbeitet; sie hat mir viel erzählt von dem guten Klima, von den “Stufenhäusern” hier in der Marina. Und sie hat gesagt, “um zwölf Uhr regnet es”.

    Regentropfen, die an mein Fenster klopfen
    Regentropfen, die an mein Fenster klopfen

    Und richtig, wir haben um 10:30 Uhr abgelegt, um 11:15 Uhr konnten wir Segel setzen, und um viertel vor zwölf fing es an zu regnen! Egal, wir ziehen die Regenstiefel und die Segelhosen und -jacken an, und fahren gen Westen, denn ab Mittwoch soll der Wind auf West drehen. Leider hört der Regen gar nicht mehr auf, Volker ist auch entsprechend genervt und beschuldigt mich, dass ich die Schnapsidee hatte, nach St. Raphael zu fahren. Dabei habe ich es nur ins Spiel gebracht, falls wir noch ein bisschen Strecke machen wollen, solange der Wind günstig ist. Ab Mittwoch dreht der nämlich auf Nordwest und aus der Löwenbucht kommt Mistral in Sturmstärke. Aber daran bin ich wahrscheinlich auch schuld.

    Plötzlich fängt das Wasser an zu kochen, trotz Regen. Zumindest rechts vom Boot, und da sind auch ganz viele Möwen und sie schreien. Ein Thunfischschwarm geht vorbei, man sieht sie springen, vielleicht werden sie auch von Delfinen gejagt. Kurz vor der Bucht von St. Tropen treffen wir noch einmal auf einen Schwarm, nicht ganz so groß, aber man sieht die einzelnen Fische springen. Vielleicht jagen sie ja auch selber, die sind ganz schön schnell, sie können bis zu 80 Stundenkilometer schnell werden. Das wäre aber deutlich schneller als die Hexe…

    Der Regen hört den ganzen Tag nicht auf, der Wind hatte nach anfänglichem Schwächeln doch noch aufgefrischt und wir kamen mit gut sieben Knoten voran, da wollte Volker dann doch bis Cavalaire durchsegeln. Aber nach einer weiteren Stunde in Kälte und Regen konnten wir gerade noch nach St. Tropez abgedrehen. Die eine letzte Stunde geht, sonst wären es ja noch zwei bis drei geworden.

    So sieht der schöne Platz von St. Tropez im Abendregen aus
    So sieht der schöne Platz von St. Tropez im Abendregen aus

    Der Hafen von St. Tropez ist ganz verwaist, anders als im Sommer liegen nur noch wenige Boote an den Stegen und Moorings, die großen Boote sind fast alle weg, wir können uns den Liegeplatz aussuchen. Wir fahren eine kleine Hafenrunde, leider gibt es an der Quai d’honneur keine Moorings, wir versuchen es längsseits, aber da gibt es keine vernünftigen Stromanschlüsse, also gehen wir an einen Steg längsseits, damit wir den Regen von vorne haben.
    Morgen nachmittag soll es aufhören 😀