Autor: Hexymama

  • Ausflug in Deutschland

    So fließt der Rhein
    So fließt der Rhein

    Um unsere Segelfreunde aus NRW zu treffen, machen wir uns am Freitag auf den Weg nach Düsseldorf. Wir wollen Petra und Volker und Ingrid und Detlef um 6 Uhr dort treffen. Nun wollen wir ja nicht in den A3-Freitags-Nachmittags-Stau kommen, also fahren wir am späten Vormittag los, und denken, dass wir staufrei dorthin kommen können. Das hat nicht ganz geklappt, bereits ab Dreieck Heumar gibt es den berühmten „Ruhrpott-Stau“, der sich später am Nachmittag bis Oberhausen ziehen wird.

    Das Schiff legt nicht ab!
    Das Schiff legt nicht ab!

    Volker ist noch entspannt genug, um nicht ganz schlimm zu fluchen, und wir schaffen es, bis 14 Uhr am Rheinufer zu sein. Beim Parken bekommen wir erst einmal einen Schreck, der Ordnungshüter, der dort nach den geparkten Autos schaut, fragt Volker nach seiner grünen Plakette, die klebt nämlich nicht an der Scheibe. Klar, die Frontscheibe war doch zweimal kaputt, irgendwo muss doch das blöde Klebeetikett sein. Wir haben das gar nicht bemerkt, weil ja das Auto lange in Frankreich stand.

    Fast wie im Sommer
    Fast wie im Sommer

    Da wir es auf die Schnelle nicht finden, fahren wir lieber in ein Parkhaus, und laufen dann zu Fuß zum Museum, um festzustellen, dass – natürlich – der Hund nicht mit rein darf. Egal, das Wetter ist eigentlich auch viel zu schön, wir schlendern entlang der Rheinterassen, das ist so schön dort, es gibt einen „Gosch“, das Sylter Fischrestaurant, andere Gastronomie und auf den Stufen unterhalb eines runden Turmes sitzen ganz viele Leute auf den Stufen und genießen die Sonne.

    Wer's mag…
    Wer’s mag…
    … und wer's bezahlen mag
    … und wer’s bezahlen mag

    Nach einem kurzen Besuch auf dem Markt am Carlsplatz suchen wir den Weg zur „Kö“, wir wollen auch einmal auf der berühmten Einkaufsstraße promenieren. Natürlich sind auch hier die großen Marken, die in Cannes auf der Croissette zu finden sind, teurer Schmuck und Designerklamotten.

    Am Abend nehmen uns unsere Freunde noch einmal mit in die Altstadt, wir essen im traditionsreichen Brauhaus, trinken einen Killepitsch bei dem berühmten Laden und bewundern die Lebendigkeit einer Großstadt. Dagegen ist unser beschauliches Darmstadt schon ein bisschen provinziell…

    Da geht's zur Deutschen Einheit
    Da geht’s zur Deutschen Einheit

    Am Samstag führen uns die Autobahnschilder zur „Deutschen Einheit“, denn die Feier findet dieses Jahr in Frankfurt am Main statt, das merkt man schon an dem Verkehr. Wir wollen uns nicht unter die Million mischen, sondern treffen Freund Wolfgang mit Familie in der „Schönen Aussicht“ im Stettbachtal. Es war – wie immer – großartig bis außerirdisch. Danke, George Kettmann!

    Die Nachrichten heute morgen haben uns beunruhigt: In Cannes und Umgebung hat es sintflutartige Regenfälle gegeben, Menschen sind in den Wassermassen gestorben. Was macht unser Boot? Wir telefonieren mit der Marina, und werden beruhigt, nein, es habe keine Schäden geben, wir sollten uns nicht sorgen. Leicht gesagt!

  • Im Hafen fest zum Hafenfest

    5. September 2015, Samstag, Baro 1008-1003, sonnig, angenehm warm, Wind SW um 3 später um 5
    Marina Baie des Anges 13:00 – Nizza 14:30, 6 sm

    Da liegt der Übeltäter eine große schwarze Plastiktüte
    Da liegt der Übeltäter eine große schwarze Plastiktüte

    Nach Ausschlafen und ausgiebigem Frühstück, ich habe vom Großen Supermarkt in der Marina frisches, dunkles, knuspriges Baguette und leckeres Schokocroissant mitgebracht, geht Volker tauchen, um zu schauen, was sich da gestern unterm Schiff getan hat, denn beim Anlegen hatte er richtige Probleme. Er findet direkt eine große schwarze Plastiktüte an der Schraube, schwuppdiwupp ist wieder alles paletti! Ich hatte im Hafenbüro mit Sonia gesprochen, die unsere Reservierung für die Heimfahrzeit bearbeitet hat, und wirklich sehr nett ist. Wir sollen dann am “Quai d’Honneur” liegen, was für eine Ehre.

    Die Korsikafähre versperrt die Hafeneinfahrt
    Die Korsikafähre versperrt die Hafeneinfahrt

    Für den Abend habe ich in Nizza einen Platz reservieren können, das passt gut, denn Monika und Karl wollen zu Besuch kommen, nachdem sie Sven an den Flughafen von Nizza gebracht haben. Gemütlich segeln wir mit Vollzeug dorthin, am Flughafen vorbei, auf dem ganz viele Privatjets auf ihre Eigner warten. Kurz vor der Hafeneinfahrt kommt schon wieder die blöde Fähre von Korsika, dann blinken drei rote Lichter an der Hafeneinfahrt und niemand darf rein oder raus fahren. Das hatten wir schon mal, als wir mit Nany und Eric hierher gesegelt sind, nur war damals noch mehr Seegang und Wind und es war unangenehmer, warten zu müssen. Diesmal geht es auch gefühlt schneller, bis die Fähre drin ist, wir können auch in den Hafen einfahren, und stellen fest, dass alles schön geschmückt ist. Es ist Hafenfest!

    Blumengeschmückte Kähne promenieren am Hafen entlang
    Blumengeschmückte Kähne promenieren am Hafen entlang

    Das haben wir ja gut eingefädelt. Auf den großen Bühnen ist man den ganzen Nachmittag mit dem Soundcheck beschäftigt, die Restaurants haben schon Tische und Stühle bereit stehen, damit sie, nachdem um 16:45 Uhr die letzte Fähre abgelegt hat, sich auf der Dtraße ausbreiten können. Ab 19 Uhr soll es los gehen.

    Mit Luftballons geschmückte Kanus spielen Ball
    Mit Luftballons geschmückte Kanus spielen Ball

    Karl und Monika mussten ihr Auto auf der anderen Hafenseite abstellen, weil es hier schon keinen Parkplatz mehr gab, und leider können sie auch nicht lange bleiben, denn sie müssen bis 19 Uhr aus dem Parkhaus raus sein. In St. Tropez war morgens so viel Sturm, dass keiner aus dem Hafen raus konnte und sie auch nicht mal bis Port Grimaud segeln konnten. Also mussten sie mit dem Taxi zu ihrem Auto in Port Grimaud fahren, um Sven zum Flughafen in Nizza zu bringen, nun müssen sie wieder zurück mit dem Auto nach Port Grimaud, dann mit der Fähre nach St. Tropez, um schließlich Sonntag nach Port Grimaud zu segeln, weil sie am Montag Besuch bekommen. Ist schon fast Stress!

    Der kleine Blaue gehörte zu …
    Der kleine Blaue gehörte zu …
    … der großen Tintenfischmama
    … der großen Tintenfischmama
    Brasilianische Tänzerinnen
    Brasilianische Tänzerinnen

    Wir zwei machen uns einen schönen Abend, spazieren ein bisschen mit dem Hund vor dem Abendessen zum Park. Zurück am Hafen fängt gerade die erste Band an, die Restaurants füllen sich und an den Essenständen riecht es verführerisch. Nun haben wir jetzt aber zuviel Essen an Bord, denn wir wollten ja Karl und Monika bewirten, also kocht Volker leckeres Hähnchenrisotto, zu den Klängen der ersten Musiker, die ganz furchtbare Schlager und Schnulzen spielen.

    Akkordeon und
    Akkordeon und
    kleine Flöte
    kleine Flöte
    Die Stimmung ist ausgezeichnet
    Die Stimmung ist ausgezeichnet

    Danach kommen zwei Akkordeonisten und ein Flötenspieler mit Schlagzeuger, die machen schöne Musik, die Leute tanzen dazu, es ist eine großartige Stimmung.

    Feuerwerk beim Hafenfest in Cannes
    Feuerwerk beim Hafenfest in Cannes

    Um halb elf gibt es ein wunderschönes Feuerwerk, noch eine Band, deren Klänge sich für uns an Bord vermischen mit den Klängen der Band auf der anderen Hafenseite, das wird zuviel, wir ziehen uns in unsere Koje zurück.

    Heute, am 6. September,  segeln wir nur mit dem Vorsegel Richtung Antibes, weil wir morgen früh um 08:30 Uhr schon einen Krantermin haben. Wir wollen dort in der Bucht ankern. Im Hafen haben sie schon dreimal keinen Platz für uns gehabt, jetzt haben wir keine Lust mehr, wer weiß, wie lange es noch so schön warm ist, dass man ankern kann!

    Die grüne Regattaboje liegt direkt vor unserem Ankerplatz
    Die grüne Regattaboje liegt direkt vor unserem Ankerplatz

    Und schon wieder haben wir den richtigen Zeitpunkt ausgewählt, direkt vor unserem Ankerplatz ist die Wendeboje für die Sonntagsregatta von Antibes. Es nehmen ganz schön viele Schiffe teil und wir sehen so manches gelungene, aber auch viele verpfuschte Bojen-Manöver. Und wir genießen einen wunderschönen Abend in der Bucht von Juan-les-Pins, gleich geht die Sonne unter.

  • Pfui, Qualle

    31. August 2015, Montag, Baro 1012, sonnig, warm, Wind W um 5, nach zehn Minuten NW um 2
    Galéria 11:15 – Calvi 19:00, 15 sm

    Kühe - mit Appetit auf Pizza?
    Kühe – mit Appetit auf Pizza?

    Heute morgen war nicht nur eine Kuh auf der Straße, nein zwei Mutterkühe standen mit zwei Kälbchen direkt vor der Pizzeria. Nico hat sich die Kälbchen angeschaut: “Ob man mit denen wohl spielen kann?” Als sich dann aber eines auf ihn zubewegt hat, ist er doch lieber abgehauen, das war ihm anscheinend zu groß (im Gegensatz zu den zu kleinen Geckos auf den Îles Sanguinaires).

    Kaum sind wir – mit einem frischen Baguette – zurück an Bord, schon heißt es wieder: “Anker auf!”, denn es weht ein frischer Westwind, und den wollen wir ja nicht verpassen. Leider ist das auch wieder nur ein thermischer Wind, der hier in die Bucht hinein weht, denn nach zehn Minuten ist der Zauber vorbei und wir fahren gerade mal noch 3,5 Knoten bei vier Knoten Wind! Das bleibt den ganzen Tag so, mal ein bisschen mehr, mal gar kein Wind, aber wir haben es heute auch nicht eilig, es sind nur 15 Meilen bis Calvi und wir haben den ganzen Tag Zeit.

    An einem wunderschönen Felsen möchte Volker schnorcheln gehen, und nach Fischen schauen, er nimmt sogar extra die GoPro mit zum Filmen (wenn ich den Film geschnitten habe, kommt hier der Link hin). Leider sind an der Kante nicht so viele Fische, wir wollen es später nochmal probieren. Das machen wir auch, zwischendurch haben wir mehrere Badestopps einlegen müssen, denn bei dem leichten Wind ist es einfach zu heiß. Es waren auch keine richtigen Stopps, einer von uns ist bei leichter Fahrt an der Treppe ins Wasser gegangen und hat sich entweder ziehen lassen, oder man konnte es schaffen, genauso schnell zu schwimmen, wie das Boot fährt. Das geht aber nur bis maximal zwei Knoten Fahrt.

    Kurz vor Calvi laden einige spektakuläre Felsen zum Schnorcheln ein, es sind auch mehrere Tauchboote da, vielleicht ein Garant, dass es eine gute Unterwasserszene gibt. Und tatsächlich gibt es hier Fische, kleine, die in großen Schwärmen herumschwimmen, und größere Barsche, die sich aber nicht so gerne filmen lassen. Leider gibt es auch ein paar Quallen, einer, die direkt vor sein Gesicht geschwommen ist, kann Volker noch ausweichen, aber die hinterhältige kleine, die an seinen Waden leckt, hat er nicht gesehen. Vom Boot aus sehe ich, dass er hektische Bewegungen macht, und dann ganz schnell verschwimmt, also motore ich in seine Richtung, um ihm den Weg zu verkürzen, ich habe mir schon gedacht, dass er mit einem unnetten Unterwasserwesen Kontakt hatte. Dank Liz’ und Keins Tipp, die Stelle mit einer Kreditkarte (wir nehmen den Schaber, mit dem wir die Muscheln vom Unterwasserschiff abschaben) an der getroffenen Stelle fest zu schaben, und dann mit Rasierschaum (wenn man den nicht hat, eben mit Seife) nachzubehandeln, wird es nicht so schlimm, es brennt noch ein wenig, ist aber abends wieder weg.

    Reich verziertes Kreuz in der wunderschönen Kirsche auf der Bastion von Calvi
    Reich verziertes Kreuz in der wunderschönen Kirsche auf der Bastion von Calvi

    Wir ankern zuerst in einer kleinen Bucht, um schön mit Nico spazieren zu gehen, und fahren abends in die Bucht von Calvi, auch an die alte Stelle, wo aber jetzt deutlich weniger Ankerlieger sind.

  • Wieder auf Korsika

    30. August 2015, Sonntag, Baro 1015, sonnig, warm, Wind N um 3
    Îles Sanguinaires 11:00 – Galéria 19:00, 30 sm
    Noch vor dem Hundespaziergang reparieren wir die Schublade, die gestern Abend, dank meiner Schusseligkeit, bei plötzlichen Wellen herausgeflogen kam. Dabei hat sich leider die eine Seite der Frontverkleidung gelöst. Aber wir kriegen das hin, d.h. Volker kriegt das hin, ich kann nur mehr oder weniger nützliche Bemerkungen machen.

    Die Geckos huschen in der Morgensonne über die Steine
    Die Geckos huschen in der Morgensonne über die Steine

    Dafür darf ich danach mit Nico spazieren gehen, bis zu dem Leuchtturm auf der großen sanguinischen Insel, von dem aus man einen großartigen Blick über die Bucht von Ajaccio und das weite Meer hat. Von hier oben aus sieht man auch deutlich die Überreste eines alten Hauses, und ganz ganz viele Geckos huschen über den Weg. Nico schaut sich die fremden Wesen erstmal an, ein bisschen skeptisch, ob er sich für diese kleinen wuseligen Tiere interessieren soll oder nicht.

    Der weiße Leuchtturm der "blutigen" Inseln
    Der weiße Leuchtturm der “blutigen” Inseln

    Zurück an Bord schickt Volker mich ins Wasser, hier sind so viele Fische, schon ums Boot herum schwimmen einige, und an den naheliegenden Felsen sind noch andere Arten. Witzigerweise schwimmen über dem hellen Sand keine herum, sie lieben offensichtlich den dunkleren Untergrund.
    Dann noch ein bisschen Bootspflege, polieren, wachsen, solange die Sonne noch nicht zu heiß ist. Anschließend geht wieder mal der Anker hoch, wir legen ab, fahren vorsichtig unter Motor zwischen dem Land und den Sanguinischen hindurch, danach kreuzen wir nach Dorden.

    Als hätte man ein paar Steine im Meer verloren…
    Als hätte man ein paar Steine im Meer verloren…

    Denn hier legt sich der Wind immer an die Küste an, d.h. er kommt, wenn man nach Norden will, immer von vorne. Macht nix, dann ist es auch nicht so heiß, denn die Sonne scheint – wie immer in den letzten Wochen – mit aller Kraft.
    Wir fahren noch einmal an der Girolata vorbei (vielleicht halten wir ja nächstes Mal dort), und an den schönen Scandola-Felsen, aber danach ist wieder mal am Abend der Wind verschwunden, und wir motoren das letzte Stück, um den Hund nicht unnötig zu quälen. Als der Anker gefallen ist, haben wir auch schon alles fertig an Bord, die Schuhe, das dünne Jäckchen, Handtasche und Hundeleine liegen bereit, um mit dem Beiboot zu der kleinen Marina zu fahren.
    imageAuf der Straße zum Dorf steht eine Kuh, die scheinen hier frei laufen zu dürfen. Heute wollen wir noch einmal in das nette kleine Restaurant “Alivu” (das heißt auf korsisch “Olivenbaum”) in Galéria, wo wir am 6. August den ersten Jahrestag unserer Reise gefeiert haben, und wo man günstig und gut essen kann und wunderschön, eben unter Olivenbäumen sitzt.

  • Boot weg? Nein danke!

    Samstag, 29. August 2015, Baro 1016, sonnig mit ein paar Wolken am Morgen, warm, Wind O um 4, später mehr aus NW
    Liscia-Bucht von Porto Pollo 10:00 – Îles Sanguinaires vor Ajaccio 19:45, 65 sm

    rechts Meer, links Lagune
    rechts Meer, links Lagune

    Volker hat gestern Abend beim Hundespaziergang entdeckt, dass hinter dem endlosen Sandstrand eine kleine Lagune ist, und am Morgen gehen wir mit dem Beiboot noch einmal dahin zum fotografieren. Es ist wunderschön, der Strand ist endlos (wie wir noch mit Schrecken später feststellen werden) und hintendran ist die schönste Landschaft.

    Morgendliches Bad für den Hund
    Morgendliches Bad für den Hund

    Man hört in der Ferne leise Glocken wie von Kühen, aber es ist nichts zu sehen. Zu der frühen Zeit ist auch noch niemand am Strand, aber so ab 09:30 Uhr kommen die ersten mit Sonnenschirmen und Strandtaschen.

    Die Schuhe liegen am Strand, wo ist Volker, fragt Nico sich?
    Die Schuhe liegen am Strand, wo ist Volker, fragt Nico sich?

    Als wir an den Strand zurückkommen, ist der Schreck groß: Da hinten in der Bucht treibt unser Beiboot! Das haben wir wohl nicht hoch genug an den Strand gezogen, der fällt aber auch steil ins Wasser ab!

    Der Held krabbelt ins Beiboot
    Der Held krabbelt ins Beiboot

    Volker rennt los, und der Strand ist soooo lang, man läuft nicht so schnell in dem schweren Sand hier, der aus relativ großen Sandkörnern besteht. Als er die geschätzt kürzeste Entfernung zum Boot hat, springt er ins Wasser und krault und krault und krault… und ist bei dem Boot. Ein Held! Mit Kraft zieht er sich hinein, und kommt zurück zum Strand, um Nico und mich abzuholen. So ein Schreck am frühen Morgen!

    Wir verabschieden uns von Liz und Kevin, die werden demnächst die Ostküste von Sardinien bis nach Cagliari runter segeln. Frisch den Anker aufgeholt und die Segel gesetzt und schon bläst uns ein achterlicher Wind mit gut 16 Knoten Richtung Korsika. Es ist richtig heiß, und hier ist es natürlich auch wieder leerer auf dem Wasser. Am Cap dauert es keine zehn Minuten, dann lässt der Wind nach und verschwindet erstmal ganz, die Wellen leider nicht, wir müssen tatsächlich ein Stück motoren, ehe der Wind wieder auf neun Knoten auffrischt, allerdings leider von vorne. Das macht uns aber gar nix aus, wir segeln schön erstmal hoch am Wind in die Bucht von Propriano hinein, um festzustellen, dass der Skipper hier doch nicht ankern will – dann gewendet – wieder hinaus.

    Und dann kreuzen wir und wenden und wenden und wenden… bis kurz vor Sonnenuntergang haben wir es endlich geschafft, der Anker ist gefallen auf neun Meter Tiefe direkt vor der Insel Île de la Grande Sanguinaire. Schnell das Beiboot fertig gemacht, Abendessen für den Hund und ich fahre mit ihm zum Land. Was für eine goldische Insel! Auf dem Hügel steht der Leuchtturm, überall sind Wege, Ruinen einer alten römischen (?) Befestigung, eine kleine Kapelle. Morgen werden wir das alles besichtigen, ich steige nur noch einen Pfad weiter hoch, und sehe noch, wie ein kleines rotes Rund der Sonne im Meer versinkt, während auf der anderen Seite der riesengroße Vollmond hinter den Bergen der Insel aufgeht. Kribbel, kribbel!

    Ganz viele junge Leute laufen über die Insel, ich überlege noch, wie die alle wieder wegkommen, dann fällt mir ein, dass am Hafen noch ein großes Boot lag. Als ich runtergehe, höre ich Musik, schöne, aber fremde Klänge, die Disco-Beleuchtung ist an, und ein paar junge Menschen stehen an Deck mit Drinks in der Hand. Ich wünsche noch einen schönen Abend, steige mit Hund  in mein kleines Dingi und fahre zurück zur Hexe.

  • Die letzten Tage auf Sardinien

    27. August 2015, Donnerstag, Baro 1013, sonnig, warm, leichter Ostwind
    Capo Coda Cavallo 10:30 – Olbia 12:40 – Olbia 15:30 Baro 1010 – Caprera, 35 sm

    Der Teig ist gegangen und der Ofen ist bereit
    Der Teig ist gegangen und der Ofen ist bereit

    Heute ist Larissas Abflugtag. Nachdem wir gestern Abend nicht bis Olbia gesegelt sind, sondern es vorgezogen haben, uns noch einmal bei Johannes und Co. zum Pizzaessen einzuladen (zum letzten Mal, =(( – und das war wieder so köstlich, vielen Dank, Johannes!), mussten wir heute morgen eher früh raus. Schnell noch mit dem Nico Gassi gehen, und schon gehen der Anker und die Segel hoch. Der Wind ist leicht, aber wir schaffen es, so rechtzeitig in Olbia zu sein, dass wir noch einen kleinen Imbiss nehmen und dann Larissa mit dem Taxi zum Flughafen fahren können.

    Ade, Tavolara (i una Coca Cola?)
    Ade, Tavolara (i una Coca Cola?)

    Wir legen danach gleich wieder ab, sodass wir schon auf dem Wasser sind, als Larissas Swiss-Maschine direkt über uns fliegt. Wir haben schönen Wind, das ist auch gut so, denn hier sind wieder alle großen Motorboote unterwegs und wühlen die See auf.

    Motorboot-Fuzzis
    Motorboot-Fuzzis

    Volker ist davon auch ordentlich genervt, und will nicht in einer der Buchten der Costa Smeralda bleiben, sondern hoch ins Maddalena-Archipel. Mit dem letzten Tageslicht schaffen wir es, den Anker in der Bucht vor Caprera fallen zu lassen, morgen wollen wir die Ruinen dort besichtigen.

    Freitag, 28. August 2015, Baro 1012, sonnig, warm, Wind O um 3
    Caprera 11:00 – Porto Liscia, 12:30, 9 sm

    Der jüngere Fort-Teil
    Der jüngere Fort-Teil
    Schienen führen zum Wasser
    Schienen führen zum Wasser
    Was war das wohl mal?
    Was war das wohl mal?

    Mit dem Beiboot fahren wir zu den Ruinen des Forts von Punta Rossa. Es besteht aus zwei Teilen, die aus unterschiedlichen Epochen zu stammen scheinen. Wir laufen an den verfallenen Häusern vorbei, versuchen zu deuten, was was gewesen sein könnte. Der untere Teil stammt aus neuerer Zeit, und ist wohl noch bis nach dem zweiten Weltkrieg im Einsatz gewesen. Aber jetzt fallen die Häuser ein, und die Natur überwuchert sie.

     

    Das Waschhaus
    Das Waschhaus
    Die Küche mit Backofen
    Die Küche mit Backofen
    Ein Kanonensattel
    Ein Kanonensattel

    Interessanter ist der obere Teil des Forts, der auch wesentlich älter sein muss, die Wände sind aus geschichteten Steinen, hier waren auch die Unterkünfte der Soldaten. Eine Italienerin, die mit uns entlang läuft, erklärt ein paar Sachen, sie ist schon öfter hier gewesen. Wir finden das Waschhaus, die Küche mit dem großen Herd, viele Treppen aus solidem Granit, die irgendwohin führen, und ganz vorne, an der Punta Rosa eben, müssen einst riesige Kanonen gestanden haben, man sieht noch die Verankerungen im Boden.

    Die Segelschule segelt die Freitags-Abschluss-Regatta
    Die Segelschule segelt die Freitags-Abschluss-Regatta

    Durch die Schießscharten hat man einen großartigen Blick auf die Bucht, in der die Segelschule gerade eine Regatta segelt.

    Zurück an Bord machen wir uns auf, Liz und Kevin von der “Black Velvet“ zu treffen, sie haben in einer Mail geschrieben, sie seien in der Bucht von Liscia. Das ist keine zwei Seemeilen weg, allerdings in die falsche Richtung, aber wir Motoren mal hin. Ich lasse mir die Koordinaten geben, wo sie vor Anker liegen, und bin verblüfft: Das ist ganz  woanders! Trick der Italiener: „Liscio“ heißt „glatt“ und es scheint mehrere „glatte“ Buchten zu geben. Also, umgedreht, Segel gesetzt und die neun Meilen schön hingesegelt. Die Bucht bei Porto Pollo ist entzückend, es sind auch ein paar Segler und Motoryachten da, aber sie liegt gut geschützt und ohne Schwell.

    Viele Surfschüler üben
    Viele Surfschüler üben

    Ein Nachmittagsspaziergang führt uns zum Campingplatz, dort gibt es Mohrrüben für abendliche Gulasch. Nur eine kleine Landzunge trennt die Porto-Pollo-Bucht von der Porto-Puddu-Bucht, und auf beiden Seiten ist der schönste Sandstrand. Ganz viele Windsurfer sind auf dem Wasser, das st praktisch mit den zwei Buchten, da kann man mit Anfängern immer dort surfen, wo sie im Zweifel zum Land zurück geweht werden.

  • In San Teodoro

     

    Ein sehr schön dekoriertes Haus in San Teodoro
    Ein sehr schön dekoriertes Haus in San Teodoro

    Heute sind wir aus unserer schönen Ankerbucht nach einer viel ruhigeren Nacht aufgebrochen, um in der Marina von Puntaldia Benzin für den Außenborder, Diesel für windschwache Tage und Wasser für die Tage vor Anker zu bunkern, eventuell auch in dem kleinen Supermarkt, von dem Johannes erzählte, Fleisch, Gemüse und Obst einzukaufen. Die ersten drei Ziele haben wir erstklassig erreicht, der Supermarkt ist gescheitert, weil es keinen Platz im Hafen gab, wo wir mal für eine Stunde festmachen konnten. Alle freien Plätze seien Eignerplätze, sagte der freundliche Tankwart, deswegen könnten wir dort nicht festmachen. Wir sollten draußen ankern, und dann mit dem Dingi zurückkommen.

    Nee, das wollten wir nicht, da sind wir die drei Meilen nach San Teodoro gesegelt, das soll ein hübsches Städtchen sein, da gibt es auch einen Supermarkt. In der Nähe der vor zwanzig Jahren begonnenen und nie fertig gestellten Marina finden wir nach einem gescheiterten Versuch einen guten Ankerplatz im weißen Sand. Erstaunlicherweise gibt es hier ganz viele ganz rot-gelbe Quallen, so viele, dass Volker nach dem zweiten Tauchgang zu unserem Anker lieber zurück an Bord schwimmt. Mit den Medusen in diesen Farben ist nicht zu spaßen, das gibt Verbrennungen, wenn man ihnen zu nahe kommt. Leuchtend gelb schillern die Tentakel.
    Volker bringt Larissa und mich an den Strand, damit wir ins Städtchen zum Einkaufen gehen können, er möchte das Dingi nicht so gerne alleine hier zurücklassen. Wenn das mal geklaut würde, hätten wir ein echtes Problem: Vom Ankerplatz aus ist es unser Kontakt mit der Außenwelt, für Nico die einzige Möglichkeit zum Gassi gehen, das darf nicht wegkommen.
    Das aufblasbare Zelt vor der Kirche
    Das aufblasbare Zelt vor der Kirche

    In der Mittagshitze machen wir uns auf den Weg, das ist aber nicht schlimm, denn der Weg ist gesäumt mit sehr schönen Häusern, hier wohnen laut Sabines Handbuch die wohlhabenderen Italiener, die ihre Ferienwohnungen auf Sardinien haben. Sehr schön, alle mit überdachten Veranden oder Loggien, schön angelegten Gärten, auch mal mit Pool. Im Supermarkt finden wir – außer Fleisch – alles, was wir brauchen, Fleisch gäbe es – laut Verkäuferin – im Ortszentrum, ca. 10 Minuten weiter. Wir bezahlen unsere Einkäufe und lassen sie in der Obhut der Angestellten, damit wir das alles nicht hin- und wieder zurücktragen müssen.

    Sehr kommoder Beichtstuhl
    Sehr kommoder Beichtstuhl

    Der Weg in die Innenstadt ist keine 10 Minuten weit, das Zentrum wirklich sehr klein, aber hübsch. Wir besichtigen die eher karge Kirche mit den sehr kommoden Beichtstühlen. Draußen wird ein aufblasbares Zelt aufgebaut, wofür auch immer, wir setzen uns auf einen Milkshake und ein Bier in die sehr schöne Bar und genießen die Atmosphäre des süditalienischen Ferienortes. Wir finden einen noch viel größeren Supermarkt, der hervorragendes Fleisch anbietet, wir kaufen Koteletts vom sardischen Landschwein, das uns abends auf dem Feuer hervorragend mundet.

    Kleiner Snack beim Lady's Ausflug
    Kleiner Snack beim Lady’s Ausflug

    Zurück am Meer rufen wir unser Wassertaxi, Volker und Hund kommen, bringen die Beute und uns zurück auf die Hexe, nach einem kleinen Snack lichten wir den Anker, und segeln zurück in die Bucht, aus der wir heute morgen aufgebrochen sind. Heute Nacht kann es sein, dass ein starker Südostwind kommt, da sollten wir hier wunderbar geschützt sein.

    Darmstadt 98 hat am heutigen Spieltag gegen Schalke 04 unentschieden 1 zu 1 gespielt.. Super Ergebnis für den Bundesliganeuling!!!
  • Die Jagd nach den Megabytes

    Der kleine Zauber-Domino
    Der kleine Zauber-Domino

    Montag Abend haben wir in Ajaccio – leider erstmal vergeblich – versucht, eine französische Internetkarte für das IPad zu bekommen. Im Orange-Laden war man sehr freundlich und professionell, sie sagen, man muss es mit dem Gerät ausprobieren, weil manche IPads aus dem Ausland mit französischen Simkarten nicht zurecht kommen. Also läuft Volker zum Boot zurück, um das IPad zu holen, und ich gehe die große Einkaufsstraße weiter entlang, ohne einen Blick in die Boutiquen zu werfen, auf der Suche nach anderen Mobilfunkanbietern. Ich finde einen SFR-Laden, frage nach dem Preis, der ist ähnlich wie bei Orange, aber die Mädels scheinen mir von ihrem Job überfordert und nicht halb so professionell. Also probieren wir es bei Orange im arg frequentierten aber netten Servicebereich, doch das Pad will nicht mit der Karte ins Internet. Pech gehabt, wir fragen nach anderen Möglichkeiten, ja, die gibt es, aber da müssen wir uns wieder vorne bei den Verkäufern anstellen.

    Unsere Geduld machte das aber nicht mehr mit, und so sind wir schnell in den – leeren – SFR-Laden gelaufen. Dort verstand man gar nicht, dass wir die Karte ausprobieren wollten, das würde auf jeden Fall klappen. Wir bestehen aber auf der Probe, und nach einigem Hin und Her mit dem Chef holt die eher zurückhaltend-freundliche Verkäuferin eine Simkarte, und siehe da, es klappt nicht. “Ja,” meint der Chef, “da muss man die APN-Einstellungen ändern!” O.k., wir stellen erstmal die Sprache des IPad auf Französisch ein, damit der Chef auch weiß, was er antippt, dann ändert er die APN-Einstellungen, aber es funktioniert trotzdem nicht. Ja, das könne zwei Stunden dauern, aber sie würden jetzt schließen. Wir lassen die nicht funktionerende Karte im Laden und vertagen das Ganze auf Morgen. Dann sollte es funktionieren.

    Am Morgen geht die Jagd auf die Megabytes weiter. Diesmal mache ich mich alleine auf, versuche zuerst mein Glück bei Orange, da will ich es auch mit den APN-Einstellungen nochmal probieren. Außerdem liegt der Laden als erstes auf meinem Weg. Leider hat sich am Servicepoint schon eine Schlange gebildet, und es ist nur ein Techniker im Einsatz. Eine uralte Dame bekommt ihr Telefon neu eingestellt, das scheint nicht so einfach zu sein, der Techniker telefoniert wild in der Gegend rum. Außerdem warten noch zwei Männer vor mir, und einer stellt sich hinter mir an, ganz erschrocken über die Länge der Schlange. Dabei hat er nur ein Problem beim Übertragen eines Fotos von einem Handy auf das andere. Er fragt mich, ob ich was davon verstehe, ich empfehle ihm, das Bild zuerst auf einen Computer und dann auf das zweite Handy zu übertragen, falls die beiden Mobiltelefone nicht miteinander kommunizieren. Er ist glücklich und geht.

    Nach gefühlten Stunden bin ich endlich dran, wir probieren es mit den APN-Einstellungen: wieder nix! Der Techniker empfiehlt, einen Domino zu kaufen, das ist eine Station, die mittels einer Telefonkarte ein Wlan-Netz aufbaut, in das bis zu zehn Geräte können. Das mache ich, da gibt es auch ein Sonderangebot, da bekommt man zwei Gigabyte dazu geschenkt, ich verlasse den Laden, und nach ein paar kleinen Anlaufschwierigkeiten funktioniert es auch tadellos an Bord. Freies Internet für freie Segler!

  • Steil nach oben

    07. August 2015, Freitag, Baro 1009, sonnig, warm, leichter Nordwind um die Mittagszeit, nachmittags bis 17 Knoten
    Galéria 10:00 – Scandola – Cargèse 15:30 26 sm

    Gemeinsam unternehmen wir morgens beim Hundespaziergang einen Ausflug zum Supermarkt, um für heute Abend einzukaufen, dann schnell zum Boot, nochmal kurz ins Wasser hupfen, und ab nach Süden. Mit Großsegel, aber unter Motor kommen wir zu den roten Granitfelsen von Scandola, aus der Ferne sagt Volker noch: “Na, was an denen da so besonderes sein soll?!”, aber als wir nahe genug sind, sehen wir uns doch tief beeindruckt von den Gesteinsformationen, den Schluchten und der großartigen Unterwasserwelt. Ankern ist hier verboten, wir lassen uns treiben, denn die Felsen gehen tief ins Wasser hinunter, sodass man quasi bis auf ein paar Meter an die Steinwände heran kann. Wir sind hier auc hnicht alleine, alle Nase lang erscheinen große Ausflugsboote und viele Leute sind einfach mit ihrem Dinghy hierher gekommen. In einer Schlucht gibt es einen richtigen Stau, weil die Gummiboote dem größeren Ausflugsboot keinen Platz machen wollen. Es gibt ein wildes Gehupe, dann ist das auch geregelt. Wir fahren zwischen den Felsen hindurch, sehr beeindruckend, halten an einem kleinen Felsen, und tauchen einmal rundherum, mit Hunderten von kleinen Fischen, die sich hier im Schutz des Steines aufhalten.
    Dann setzen wir Segel, und weil es so schön läuft, schauen wir uns die vielgerühmte Girolata-Bucht nur aus der Ferne an, da sind auch schon ein paar Boote am Anker, aber es ist noch nicht überfüllt. Die Scandalo-Felsen waren so beeindruckend, dass wir jetzt nicht schon wieder Highlights brauchen. Wir können sogar den Spinnaker setzen, und Volker beginnt ein Rennen mit einer anderen Dehler(?), die allerdings kein Beiboot nachzieht und sich leider nicht einholen lässt.
    Am Nachmittag lassen wir den Anker vor dem Hafen von Cargèse fallen, führen den Hund aus und schnorcheln immer wieder in dem kristallklaren Wasser, umgeben von Fischen, insbesondere kleinen und mittleren Doraden, aber auch einer dunkleren Art mit einer zweigeteilten Schwanzflosse und Volker sieht noch andere Fische mit orangefarbenen Augen.

    Wunderschön ist auch die Landschaft, vor der wir liegen: Hier unten der Hafen und eine steinige Küste, hintendran mit Macchia bewachsen, darüber thront der Ort Cargèse mit seinen zwei Kirchen. Griechische Einwanderer hatten hier Mitte des 17. Jahrhunderts eine Zuflucht vor der türkischen Invasion der Peloponnes gefunden, und konnten später eine griechisch-orthodoxe Kirche bauen, die genau wie die römisch-katholische am gleichen Platz im klassizistischen Stil errichtet wurde. Beide Kirchen sind in einem für hiesige Verhältnisse guten Erhaltungszustand, in der katholischen fallen die steinernen Deckenverzierungen und die bunten, sehr weit oben angebrachten Fenster auf, in der orthodoxen natürlich die goldgrundierten Ikonen, die das Kircheninnere dominieren.

    Wir erforschen den Ort noch ein bisschen weiter, kommen zu der belebten Piazza, dabei hören wir immer wieder Musik, es klingt nach Soundcheck. Natürlich gehen wir dem nach und finden, neben einem großartigen Blick über die neben gelegene Bucht und das weite Meer, eine Bühne, wo heute und Samstag Abend ein großes Festival stattfindet, für 25 Euro pro Abend oder 40 für zwei Abende. In der orthodoxen Kirche gibt es auch Musik, polyphone Gesänge, das hatten wir schon in allen Orten auf der Insel gesehen, dass am 7. August in ganz vielen Kirchen solche polyphonen Gesänge dargeboten werden. Muss irgendetwas zu bedeuten haben…

    Ein letzter Blick über die Bucht, dann der steile Heimweg. Der Ort liegt 100 m über dem Meer, und der Weg, den wir gewählt haben, ist kurz und eben extrem steil, auf dem Rückweg geht das gut, der Hinweg war anstregender. Jetzt hat es ein bisschen abgekühlt und wir grillen unsere Supermarktbeute von heute Morgen.

  • Anker auf!

    03. August 2015, Montag, Baro 1014, sonnig, warm, Wind S 13 Knoten, am Ankerplatz zwischen den Isles des Lérins

    Am Morgen unternehmen wir mit Liz und Kevin und Barbie und Wayne einen ausgedehnten Inselrundgang um St. Honorat, besichtigen die renovierte Festung, die sehr schön ist, aus drei verschiedenen Bauzeiten stammt, dem 13., 15. und 16. Jahrhundert, zum Teil aus noch viel älteren Steinen und Säulen aus der Römerzeit errichtet, dort sind freiwillige Führer unterwegs und erklären den Besuchern alles. Da England und Australien kein französisch sprechen, versuche ich ein paar Brocken aufzufangen und ihnen zu übersetzen. Bilder folgen, sobald wir Wlan haben.

    Um 13:00 Uhr haben wir abgelegt, bei schönstem Wind, strahlendem Sonnenschein nehmen wirKurs auf die Insel Korsika. Irgendwann morgen ganz früh werden wir hoffentlich in Calvi sein, und dann gibt es einen weiteren Bericht.
    14:00 Uhr: Der Wind frischt auf gute 14 Knoten auf, und raumt ein kleines bisschen, wir machen 6,8 Knoten.
    15:00 Uhr: Der Skipper geht schlafen, wir segeln mit Halbwind und ca. 11 Knoten über 7 Knoten schnell. Vorhin ist uns ein Segler entgegengekommen, der offensichtlich nur auf einem Tagestripp war, denn er war vorher Richtung Korsika gesegelt. Ein schnelles Motorboot kommt entgegen, und verschwindet Richtung Cannes.
    16:00 Uhr: Der Wind kommt immer noch aus 90 Grad, hat aber ein bisschen nachgelassen auf 9 Knoten. Noch 75 sm, wir machen 6,4 Knoten über Grund.
    18:00 Uhr: Der Wind kommt mit 9-10 Knoten aus 110 Grad steuerbord, wir segeln mit 6,5 Knoten in der schönsten Sonne auf flachem Wasser. Leider lassen sich auch keine Wale oder Delfine blicken, keine Schiffe oder Fähren, nur zwei kleine Messbojen können wir erkennen.
    18:30 Uhr: Beim Versuch, den Spi zu setzen, müssen wir leider feststellen, dass er nicht ordentlich gepackt ist. Letztes Mal haben wir ihn einfach nur so in denSack getan, ohne ihn so zusammenzupacken, dass er beim nächsten Mal ohne Probleme zu setzen ist.
    19:00 Uhr: Der Spi steht, die Geschwindigkeit steigt sofort auf über 8 Knoten. Der Wind raumt immer weiter, und nimmt weiter ab. Ich will Frikadellen braten und schütte aus Versehen mindestens zwei Esslöffel Pfeffer dran, kann es aber gerade noch retten, indem ich mit einem Kaffeelöffel möglichst viel davon wieder abkratze. Dann halte ich mich mit dem weiteren Würzen zu sehr zurück, sodass Volker nachsalzt! Das mache normalerweise nur ich.
    20:00 Uhr: Bullenstander gesetzt (damit der Baum nicht aus Versehen auf die andere Seite schwingen kann, das wäre eine “Patenthalse” und sehr schlecht u.U. für Mensch und Material, wenn so ein Baum mit dem großen Segel dran voller Wucht umschlägt).
    Ein kleiner fliegender Fisch schwimmt vorbei, neben einer verirrten Libelle, die uns lange Zeit begleitet, das einzigeTier, das wir bisher gesehen haben.
    20:47 Uhr: Die Sonne ist am Horizont untergegangen, ein Motorboot kommt von hinten auf, der Wind hat sich wieder stabilisiert. Der korsische Mohr flattert als neue Gastlandflagge fröhlich unter der Steuerbordsaling. Noch 43 Meilen. Volker macht sich bereit für die erste Nachtwache, es wird so feucht, dass wir die Segelkleider anlegen, Gummihose und -jacke, die Taschenlampe kommt in die Jackentasche, Schwimmweste und Life-Leine liegen bereit. Jetzt noch ‘ne Flasche Wasser dazu, und fertig ist er für die Nacht.
    22:30 Uhr: Der Mond geht auf. Wie ein großer roter, oben rechts stark angenagter Ball steigt er am östlichen Horizont aus dem Wasser. Der Wind hat sich nach einer kurzen Schwächeperiode wieder stabilisiert. Speed 5-5,5 Knoten. Noch 33 Meilen.
    Es haben sich lauter Wolken gebildet, über der Küste von St. Tropez sind dicke Wolken, auch über Korsika sind Wolken an den Himmel gezogen, hoffentlich verdecken sie nicht den Mond.
    04.08.2015, 01:00 Uhr: Der Spi muss runter, der Wind hat auf unter 6 Knoten abgenommen. Der Spi ist so pitschnass, dass wir ihn direkt in den Sack stopfen und im Beiboot vertäuen, auch ich muss zu Wache die Gummihose drüberziehen. Volker geht schlafen.
    01:15 Uhr: Der Motor ist an und wir müssen gleich dem Passagierschiff Europa2 ausweichen, das nach St. Tropez fährt. Noch 20 sm.
    Die Wolken haben sich komplett verzogen, es ist sternenklar und ein heller Mond steht am Himmel. Die Cassiopeia kann ich erkennen, bei den anderen hilft mir meine Sternen-App. Am südlichen Himmel wieder dieser komische Schlangenträger, üner den habe ich mich schon mal in einer Nachtwache gefreut.
    02:16 Uhr: Die Athara, ein italienisches Passagierschiff mit Ziel Genua gleitet majestätisch und überreichlich beleuchtet in einer Seemeile Entfernung vorbei. Voraus sieht man schon die Lichter von Calvi und von einer Stadt, die oben auf einem Berg liegen muss. Geschwindigkeit unter Motor um die 5,5 Knoten. Noch 15 sm.
    Zwei große italienische Passagierschiffe mit Ziel Porto Torres ziehen hinter der Hexe durch, von rechts kommt ein Boot ohne Namen, das nur 5,4 Knoten fährt, und das wir erst in anderthalb Stunden treffen werden. Bestimmt auch ein Segler.
    03:30 Uhr: Der Wind hat gedreht, er kommt jetzt von backbord vorne, ich muss zum Bug und den Bullenstander losmachen, damit das Großsegel auf die andere Seite kann. Das weckt natürlich Volker, wenn irgendetwas am Boot passiert, aber er legt sich nochmal hin, es sind ja noch über 8 sm. Der Felsen der Rebellata ist schon gut zu sehen, den Leuchtturm darauf habe ich schon seit mehreren Stunden erblickt.
    05:15 Uhr passieren wir die Citadella und machen erst einmal in der Marina fest, um dem Nico die Gelegenheit zu einem Spaziergang zu geben. Leider hat der Boulanger noch geschlossen, sonst hätten wir uns ein schönes Baguette gekauft. So muss nachher die “Levure du Boulanger” mal zeigen, was sie drauf hat, dann backe ich eben Brot. In den Straßen sind noch ein paar Nachtschwärmer, und die ersten Müllmänner sammeln den Dreck des vergangenen Tages ein. Langsam wird es hell, die Wolken lila, und wir verziehen uns auf einen Ankerplatz. Neben dem Anker liegt ein Seestern, dass kann man gut erkennen in diesem unglaublich klaren Wasser, trotz 5 Meter Wassertiefe.

    jetzt gute Nacht!