von Cannes waren wir im Port Canto und auf der anderen Seite von Juan-les-Pins wollen wir heute Nacht ankern.
Die gute Nachricht am Freitagmorgen kommt von dem netten Hafenmeister von Port Canto in Cannes: Wir können noch eine Nacht auf unserem Platz bleiben, ob er allerdings danach bis Sonntag oder Montag einen Platz hat, kann er erst Samstag Morgen sagen.
Das gibt uns die Chance, mit dem Auto einen großen Bunker-Einkauf zu machen, allerdings macht es am Freitagmittag in dem Casino-Supermarkt keinen Spaß, der ist, schon auf dem Parkplatz, dermaßen überfüllt, dass man nur mit Mühe an all die Sachen kommt, die sich in den Regalen stapeln. Und das nicht so teure Bier ist bis auf wenige Dosen ausverkauft, aber Wasser und Wein und Yoghurt und Fisch, Fleisch, Obst und Salat finden ihren Weg in den Einkaufswagen und in unser Auto.
Also alles im Boot verstaut und noch ein Ausflug zum Carrefour in der Stadt, wo Volker doch das begehrte Bier ergattert. Leider hat der Supermarkt keine Parkplätze, also muss ich anderswo warten. Ich stehe auf dem Bürgersteig am alten Hafen, wo wir auch schon mal ausgeladen haben, als ichdrei Stadtpolizisten auf mich zukommen sehe. Die haben keine guten Absichten, das sehe ich ihnen an. Also höre ich schnell mal bei Volker nach, ob er noch weit ist, nein, er ist gleich da. Aber die Stadtpolizisten sind schneller, ich höre mir die Predigt an, sage, ich hätte nur auf meinen Mann gewartet, und sie entlassen mich mit einem: “depechez-vous!” (Beeilen Sie sich). Grad nochmal Glück gehabt!
Ein weiteres Mal die Croisette entlang fahren, die jetzt sehr voll ist. Vor den großen Hotels wie dem Martinez oder dem Grand Hotel oder dem Marriott stehen Kuwaitische Porsches oder Rolls Royces oder Bentleys aus Dubai. So ‘ne S-Klasse ist hier vielfach vertreten, große Audis und BMWs an der Tagesordnung. Wahrscheinlich fällt man mit einer grünen Ente hier mehr auf.
Nachdem ich den Wagen weggebracht habe, laufe ich den Weg vom alten Hafen zurück zum Port Canto, gehe durch die große Einkaufsstraße, auch die ist jetzt überlaufen, erst in der zweiten Hälfte, wo die nicht ganz so populären Läden ansässig sind, wird es leerer. Ich finde noch einen Hundeausstatter (wir hatten hier schon mal einen entdeckt und davon berichtet), diesmal mit ausgefallenen Kleidchen für den kleinen Liebling.
Beim Port Canto ist zu beiden Seiten ein wirklich sehr schöner gepflegter Park, mit Rosarien und Bänken zum Ausruhen. Dorthin gehen wir auch nach dem leckeren Grill-Abendessen (na, was denn sonst am ersten Abend an Bord?!), zum Abendspaziergang, schlendern nochmal auf der Croisette an den Porsches und Bentleys vorbei und hören, als Zaungäste, den musikalischen Darbietungen für die Gäste in den Strandrestaurants zu. Ein schönes Detail: An der ganzen Strandpromenade stehen Stühle, die beliebig zusammengestellt werden können, auf denen Familien oder Pärchen den Abend verbringen und dem Vollmond zuschauen können.
Heute Morgen haben wir uns aufgemacht, Diesel getankt, und Kurs auf die Bucht direkt vor Juan-les-Pins genommen. Dort ankern nämlich die “Hope” mit Barbie und Wayne aus Cairns in Australien und die “Black Velvet” mit Liz und Kevin aus England. Die vier haben wir zuletzt in Cartagena gesehen und wir freuen uns sehr auf ein Wiedersehen.
Wir können dorthin segeln, hoch am Wind kommen wir bei 10 Knoten Wind mal wieder zu langsam voran, wahrscheinlich ist wieder der Rumpf oder zumindest der Wasserpass voller Muscheln! Die “Hope” erkennt Volker schon von Weitem, doch die Enttäuschung ist groß: Beide Boote sind leer und verschlossen, da muss die Besatzung wohl gerade bei einem Einkaufsbummel an Land sein. Und richtig, nach einer Viertelstunde sehen wir ein Schlauchboot auf uns zu kommen, auch sie haben die “Hexe” schon gesehen, und wir können das Wiedersehen feiern. Da viele von uns in der letzten Zeit Geburtstag hatten, schlägt Liz vor, wir sollten einfache ein Datum als Geburtstag festlegen, an dem wir uns alle feiern. Der 1. August ist doch ein gutes Datum, das kann man sich merken!
18. Juli 2015, Samstag, Baro 1012 – 1008, sonnig, sehr warm, Wind SW 12-18 kn
Cavalaire 12:00 – Canebiers 15:00 – St. Tropez 17:00, 18 sm
Mit dem schönsten Wind legen wir ab, kurz nachdem der Startschuss für die hiesige Regatta gefallen ist, segeln an den schönen Buchten vorbei, und versuchen, ein bisschen weiter aufs Meer hinaus zu kommen, weil nahe der Küste ein unglaublicher Verkehr herrscht. Klar, es ist einerseits Ferienzeit und auch noch Samstag, und sehr heiß, da geht alles aufs Wasser, was nur halbwegs schwimmen kann. Das Meer ist regelrecht aufgewühlt, die großen Motorboote machen auch echt hohe Wellen. Leider, in diesem Falle wirklich leider, ist es für uns ein Vorwindkurs Richtung St. Tropez, wo wir Monika und Karl und Sven von der Eos nochmal treffen wollen. Bei diesem Vorwindkurs haben die Segel und der Großbaum weniger Stabilität und wir müssen mehrfach an den Baum springen, um ihn festzuhalten, wenn die hohen Wellen kommen.
Wir lassen es uns nicht nehmen, und machen für einen kurzen Landausflug mit dem Hund und einem Badestopp in der “Brigitte-Bardot-Bucht” fest, wie dieBay des Canebiers im Volksmund heißt. Sie hat mit ihren Eltern in St. Tropez gewohnt, und war wohl oft hier am Strand und auf dem Wasser. Da sind wir zwar auch nicht allein, aber es ist genügend Platz für alle Boote da. Nico legt sich am Strand erstmal eine Viertelstunde ins Wassser, das kühlt den kleinen Hundebauch ab. Auch ich schwimme ein paar Runden um die Hexe, um mich abzukühlen.
Halb fünf holen wir den Anker hoch, um rechtzeitig um fünf Uhr an der Hafeneinfahrt zu sein, denn Monika hat uns einen Platz reserviert, den wir ab fünf Uhr besetzen können. Das klappt auch vorzüglich, ich melde mich auf Kanal 9 bei dem “Port de St. Tropez”, sage, dass ich die Hexe bin, und unsere Freunde uns einen Platz reserviert haben, und schon haben wir Steg A, Platz 61, den gleichen, wie vor sechs Wochen mit Eric und Nany.
Es folgt ein Begrüßungsbier mit Sven, der zufällig auf unseren Steg herumgeschlendert ist, eine ausgiebige Dusche für die Hexe und für uns, päter sitzen wir bei der Eos im Cockpit und schlendern, an den Megayachten vorbei zum späten Abendessen bei Bruno, leider waren in der Pizzeria draußen alle Tische besetzt, aber direkt beim Pizzaofen gab es noch einen. Da mussten wir wenigstens nicht frieren.
Monika und Karl kennen hier alles, sie entführen uns noch in eine schöne Bar, Sven verabschiedet sich früher, um ein paar Freunde zu treffen, und ist auch erst heute morgen um viertel vor sieben ins Bett gegangen, ja, wenn man jung ist…
14. Juli 2015, Dienstag, französischer Nationalfeiertag, Baro 1009, morgens bewölkt, dann wieder sonnig und warm, Wind SO 3-2 Cannes 10:30 – Cannes 17:30 Uhr, 18 sm
Zum ersten Mal werde ich morgens ermahnt, den Hund doch bitte an die Leine zu nehmen, klar, heute ist ja der 14. Juli, und vor dem Rathaus stehen Absperrungen und Stühle und ein Mikrophon, das gibt später bestimmt einen offiziellen patriotischen Akt. Die freundliche Polizistin, die mich angesprochen hatte, gibt auch Auskunft: “Ja, um 10:30 Uhr geht es los!”
In der Stadt merkt man aber nichts vom Feiertag, der Metzger und die Bäcker und der Spar-Supermarkt haben ganz normal geöffnet und auf dem Markt herrscht – wie immer – geschäftiges Treiben. Zu dieser Jahreszeit ist es wirklich eine Augenweide, an den vielen Obst- und Gemüseständen vorbeizuschlendern. Da liegen Fenchel, Paprika, Auberginen, Zucchini, und alle Formen von Tomaten neben den ganz großen Artischoken, die leider ein schlechtes Gemüse für die Bordküche sind, weil man sie so ewig lange kochen muss, dabei das Boot aufheizt und viel Gas verbraucht. Am nächsten Stand gibt es ganz frischen Spinatsalat, davon muss ich was mitnehmen, und Koriander und Petersilie und Basilikum und Schnittlauch, alles riecht so gut. Die dicken gelb- und weißfleischigen französischen Pfirsiche liegen neben den leckeren Aprikosen, es gibt kleine Schälchen mit Brom-, Him-, Stachel- und Johannisbeeren, sündhaft teuer, und nicht zu vergessen, die fast schwarzen süßen Kirschen.
Zurück auf dem Boot hat der Skipper festgestellt, dass ausnahmsweise mal der Wind weht, also heißt es: geschwind ablegen, Segel hoch und los geht es. Beim traditionellen Segelfrühstück, das bedeutet, dass wir unten Brote zubereiten, und sie dann im Cockpit verzehren, philosophiere ich darüber, wie viel angenehmer es ist, hier, im warmen Mittelmeersommer Nutellabrote zu schmieren als in den kalten nördlichen Gefilden, wo man immer mit der Butter känpfen muss, bis sie sich gleichmäßig auf das natürlich hier auch viel leckerere Baguette streichen lässt. Sogar die Nutella muss in den Kühlschrank!
Zweieinhalb Stunden Halbwindkurs bei leichtem Wind, um 13:00 dann die Wende, und bei leider abnehmendem Wind wieder mit Halbwind zurück. Kleiner Badestopp, d.h. eigentlich kein Stopp, unter Segeln halten wir uns an der Badeleiter fest und lassen uns vom Boot nachziehen, natürlich immer nur einer, der andere bleibt an Bord.
An der Nordseite von Ste. Marguerite ankern wir für einen kleinen Landausflug, der Hund muss dringend mal spazieren gehen, das macht auf der Insel viel mehr Spaß, als in dem kleinen Park in der Stadt. Wir gehen nochmal schwimmen, halten Ausschau nach Quallen und Fischen, bevor wir gegen sechs in den Hafen zurück fahren, damit wir für das große Feuerwerk einen guten Platz ergattern können.
Die Franzosen feiern ja bekanntlich am 14. Juli einerseits den Sturm auf die Bastille im Jahr 1789, sozusagen den Beginn der französischen Revolution, als die Bürger von Paris wegen der ins astronomische steigenden Brotpreise sich gegen absolute Monarchie erhoben. Der Marie Antoinette, Ehefrau von Louis XVI. und damit Königin von Frankreich zugeschrieben Spruch: “Wenn die Leute kein Brot haben, warum essen sie dann keinen Kuchen?”, stammt wohl nicht von ihr, aber die Monarchie war durch unglaubliche Prunk- und Verschwendungssucht so weit von der bürgerlichen Menge entfernt, dass die Revolution erst möglich wurde.
Auch das Föderationsfest, abgehalten am 1. Jahrestag des Sturms auf die Bastille, bei dem der König einen feierlichen Eid auf die Nation ablegte, konnte die Revolution nicht aufhalten. UndNapoleon hat diese dann sowieso wieder für seine Machtzwecke missbraucht, wie der Lauf der Geschichte halt so geht. Übrigens sind wir bei unserem kleinen Landausflug von Grasse aus auf der “Route Napoleon” gefahren, eben jener Straße, die Napoleon nahm, als er von Elba ausgerissen war, um nach Paris zurückzukehren, um dann sein “Waterloo” zu erleben…
Das Feuerwerk war von asserbeidschanischen Pyro-Experten gestaltet worden und wunderschön.
war bei meinen Eltern ein ganz großes Thema. Zivilcourage zeigte man, wenn man den Mund auch in unangenehmen Situationen aufmachte, wenn man sich traute, gegen den Strom zu schwimmen, oder einfach nur keine Ungerechtigkeiten unbeachtet ließ. Heute hat Volker genau diese Zivilcourage bewiesen, und großes Lob von ganz vielen Leuten eingeheimst, von Franzosen, Italienern und Engländern, und natürlich von mir.
Das kam so: Nach einem fleißigen Tag, Volker mit Politur und Wachs und ich am Computer, haben wir am späten Nachmittag beschlossen, uns noch eine Stunde am Strand und ein Bad im nicht mehr kühlen Mittelmeer zu gönnen. Ich springe auch immer gleich ins Wasser, sowie wir am Strand angekommen sind, und Volker spielt David (H), während er erst kurz vor dem Heimweg schwimmt und ich die Pamela gebe.
Als ich zurückkomme vom Schwimmern, hat Volker schon ein italienisches Ehepaar auf dem Kieker, das ganz unten am Wasser lag, man konnte sozusagen nicht anders, als sie beim Blick aufs blaue blaue Meer wahrzunehmen. Zuerst schrie die Mutter ziemlich hysterisch in ihr Telefon, daraufhin kam wohl die (fast erwachsene) Tochter von irgendwoher angetrabt. Als Begrüßung hat die Mutter der Tochter zunächst mal eine schallende Ohrfeige gegeben. Als sie aber dann fortfuhr, und die Tochter mit ihren Schlappen schlug und schließlich auch noch boxte, wurde es Volker zuviel.
Er stand von seinem Handtuch auf, ging zu der Familie und schrie die Mutter auf englisch an, dass sie gefälligst aufhören solle, ihre Tochter hier in der Öffentlichkeit vor allen Augen zu schlagen, das sei unerhört. Die Mutter wurde noch wütender und schrie zurück, er solle sich zum Teufel scheren, und das ginge ihn gar nichts an. „Das geht uns sehr wohl etwas an, wir müssen ja alle hier zusehen!“, erwiderte Volker, und der Vater, der bisher eher teilnahmslos dabei gestanden hatte, pflichtete Volker auch noch bei. Die Tochter wirkte, als sei sie solches durchaus gewöhnt, was die ganze Situation natürlich nicht besser machte.
Nun kamen schon Stimmen von den anderen Sonnenbadenden, die zu Volker sagten, wie Recht er habe, und dass das unmöglich sei. Schließlich waren hier auch viele Kinder am Strand, die das mit ansehen mussten. Schlussendlich hat die Mutter aufgegeben, die Familie hat ihre Sachen gepackt und ist vom Strand weggegangen. Mehrere Leute kamen daraufhin bei Volker vorbei und haben ihn ob der Aktion gelobt, wie gut er das gemacht habe. Selbst als wir nach dem Strand im Lieblingspub noch ein Bier getrunken haben, kam eine Familie vorbei, reckte die Daumen in die Höhe und meinte: „Richtig so!“
Der Werner, mein Vater, hätte es Zivilcourage genannt.
28. Juni 2015, Baro 1010, sonnig, warm, Wind SO um 3 Beaufort Cannes 10:30 – Juan-les-Pins 14:00, 15 sm
Sonntag Morgen verlassen wir Cannes und machen uns erneut auf den Weg nach Osten. Für heute Nacht wollen wir uns eine schöne Ankerbucht suchen, wie weit wir segeln werden, hängt ganz davon ab, ob der Wind durchhält oder zu früh schlafen geht, denn weit motoren mögen wir nicht.
Die Hexe, jetzt aus Darmstadt, mit Hexenschatten
Vorher bekommt die Hexe einen neuen Heimathafen. Die “Hexe aus Hoorn”, das klang zwar nett, aber wir segeln ja jetzt nicht mehr von Holland aus los, da haben wir wohl vor zehn Monaten angefangen, aber unsere aktuelle Heimat ist natürlich Darmstadt. Also muss der Schriftzug Hoorn ab, das macht Volker ganz schnell, und ich klebe anschließend die mitgebrachten Klebebuchstaben “Darmstadt” auf. Und weil Darmstadt ja nun in der ersten Liga mitspielt, kommt auch eine blaue Lilie aus dem Fanshop mit zur Stadt, zufällig in dem gleichen Blau wie unser Schriftzug.
Wieder fahren wir an St. Honorat vorbei, der Mönchsinsel mit Kirche und Kastell direkt am Wasser. Heute, am Sonntag, sind natürlich viele Menschen unter, auf und über dem Wasser unterwegs. Die Tauchboote machen an den Bojen vor interessanten Felsen oder Wracks fest, in den Buchten sind Schnorchler unterwegs, um die Unterwasserwelt zu erkunden. Auf dem Wasser ist es eher eine Zeit für Motorboote, der Wind ist eigentlich nur eine thermische Brise, kommt am Vormittag und stirbt gegen Mittag. Trotzdem sind auch viele Segelboote unterwegs, denn auch die haben ja Motoren. Und natürlich Wasserskifahrer und Paddler und Jetskis (lärmig). Über dem Wasser fliegen Helikopter und kleine einmotorige Flugzeuge ihre Rundflüge, und am Nachmittag bis zum späten Abend, nahe bei Nizza, sieht man eben auch die großen Verkehrsflugzeuge starten und landen.
Überm Wasserauf dem Wasser gibt es viele SpielzeugeHubschrauber-Rundflüge
Wir bleiben standhaft und machen den Motor nicht an, obwohl sich vor allem der Skipper maßlos ärgert, dass sich offensichtlich schon wieder Muschelbewuchs unter der Hexe angesiedelt hat, und sie für seine Begriffe viel zu langsam segelt. Aber wir fahren auch nicht so weit, in einer wunderschönen Bucht auf der Ostseite von Juan-les-Pins fällt der Anker. Beim Schwimmen raspele ich mit der Spachtel, so gut ich kann, den Muschelbewuchs unterm Boot weg, vielleicht ist der Skipper dann beim nächsten Segeln glücklicher…
Bei Juan-les-Pins denke ich immer an dieses unvergessliche Lied von Peter Sarstedt: “Where do you go, my lovely?” Die Zeilen über den Urlaub in St. Moritz und Juan-les-Pins kenne ich auswendig:
“When you go on your summer vacation, you go to Juan-les-Pins,
With you carefully designed topless swimsuit
You get an even sun tan, on your back and on your legs…”
Als wir in Cannes Peter aus England getroffen haben, und er meinte, er müsse unbedingt auch eine Nacht in Juan-les-Pins verbringen wegen des Liedes, haben wir es alle zusammen gesungen. Auch ein bisschen Gänsehaut-Feeling.
Schöne Anwesen in Juan-les-Pins
Jetzt liegen wir hier in der Bucht, vorne am Cap war so eines von diesen wundervollen Häusern, aber auch die hier im Ort sind nicht zu verachten. Wenn man in dem Restaurant “Keller Plage” am Strand essen mag, wird man von einem schwarzen Bootsmann mit Motorboot abgeholt und nach dem Essen wieder zurück gefahren.
Hühnergötter am Baum
Gegen Abend (es ist Sonntag) wird es leer in der heute Mittag noch prallvollen Bucht, alle Motorboote mit den hübschen Mädels, aber auch viele Segler machen sich auf den Heimweg nach Antibes. Nach Sonnenuntergang sind nur noch sieben Boote in der Bucht geblieben.
Alles voller Pinien
Nach dem Abendessen fahren wir mit dem Dingy zum Land, dort ist ein kleiner Anlegesteg für die Beiboote der Ankerlieger. Wir gehen an den Felsen entlang, über einen extra angelegten Weg mit Geländer, schauen in Buchten mit wilden Steinformationen. Auf einem Wegweiser erfahren wir, dass die Villa am Cap, die wir von See aus gehen und fotografiert haben, “Villa Eilenroc” heißt. Da werde ich sofort hellhörig, denn das ist mein Anagramm, nur schriebt man es bei mir “Ailenroc”.
Die Villa Eilenroc
Im Internet finde ich heraus, dass meine Vermutung richtig ist: In den 1880er Jahren verbrachten die wohlhabenden Nordeuropäer die Winter gerne an der Riviera. Ein schwerreicher Holländer hat die Villa 1867 bauen lassen und nach seiner Frau benannt. Nachfolgende Besitzer haben junge Künstler unterstützt, und die Innenräume von ihnen renovieren und dekorieren lassen. Heute gehören die Villa und die dazugehörigen Gärten der Stadt Juan-les-Pins, und können besichtigt werden.
A
Am nächsten Morgen liegt ein sehr großes (hässliches?) Motorboot mit Namen”A”. Das Internet weiß, dass sie einem russischen Milliardär gehört, von Philipp Stark gezeichnet und 2008 bei Bloom und Voss in Kiel gebaut wurde.
Von zwei Allein-Ausflügen will ich berichten. Zuerst bin ich nach Cap d’Agde gefahren, um unser Auto abzuholen, und etwas näher zum Schiff zu bringen. Das sollte von Cannes aus kein Problem sein, wir haben – gemeinsam mit Nany und ihrem Ipad – Bahnverbindungen herausgesucht und verglichen, und ich habe mich dann für die schnellste entschieden, 09:30 Uhr ab Cannes Hauptbahnhof, nach gut zwei Stunden umsteigen in Marseille, mit 20 Minuten Zeit, 11:50 Uhr Abfahrt nach Agde, und um 14:25 sollte ich in dort ankommen. Dann mit dem Taxi weiter nach Cap d’Agde, weil der nächste Bus erst 16:15 Uhr fährt, dort am Hafen in das Auto steigen und die 350 Kilometer zurück nach Cannes fahren, damit ich rechtzeitig zum Abendessen wieder da bin. Soweit die Planung.
Am Abfahrtstag, der Computer ist voll geladen und im Rucksack, ich will die Zeit in der Bahn nutzen, um ein bisschen zu arbeiten. Ich liebe das, da hat man Ruhe und, wenn man Glück hat, sogar einen Tisch, und muss den Laptop nicht auf dem namengebenden Schoß haben. Beide Züge sind TERs, also so etwas wie unsere Regionalzüge, keine Intercitys und auch keine TGVs, aber die Fahrt ist relativ günstig, für über 350 Kilometer kostet die Fahrt 57 €.
Die erste Bahn ist gut besucht, ich wandere nicht ewig umher auf der Suche nach einem Großabteil mit einem freien Tisch, sondern nehme den freien Platz in einem Achter-Abteil, in dem, neben einem jungen Quotenmann neben mir, nur Frauen jeglichen Alters sitzen, mit ihren Koffern vor und um sich herum. Der junge Mann beginnt ein Telefonat mit einem Freund oder einer Freundin, sie unterhalten sich über die Ereignisse der letzten Tage und offensichtlich die Planung des heutigen, bis er plötzlich unterbricht wegen eines anderen Anrufs. Das war die Mama, die geht vor, wird auch direkt zurückgerufen, auch hier werden Vergangenes und Zukünftiges ausgetauscht. Noch mit dem Telefon am Ohr steigt er aus, allerdings ist jetzt wieder der erste Anrufer dran. Ein junges Mädchen mit einem ausgesprochen schönen Gesicht sitzt mit angezogenen Beinen und Kopfhörern, schräg in den Sitz eingeknuddelt, am Fenster, ihr gegenüber zwei Frauen eher marokkanischer Herkunft, die gerade ihr Frühstück teilen, daneben besagter junger Mann. Neben dem zusammengefalteten Mädel sitzt noch eine Frau, die allerdings bald aussteigt, daneben stehen einige Koffer, die in den Kurven ein Eigenleben entwickeln und herumrutschen. Mir gegenüber eine Frau in meinem Alter, die immer mal ihr Handy zu Rate zieht, um die anschließenden Zugverbindungen zu checken. Sie ist es auch, die verkündet, dass der Anschlusszug nach Narbonne eine Stunde Verspätung haben wird. Dann wird das auch mit dem Abendessen etwas später werden. Tatsächlich warten wir noch länger auf Marseilles Bahnhof, bis der Zug endlich einfährt. Es hatte in der Nacht heftige Gewitter mit Starkregen gegeben, der wohl auf der Bahnstrecke Bäume entwurzelt hat und Gleise unterspült.
Ein Klavier im öffentlichen Raum
Ich nutze die Zeit, um ein paar Bilder zu machen, und eine Kleinigkeit zu essen. Da es mir ja nicht eilt, laufe ich durch den ganzen Bahnhof, schaue in alle Läden und Gastronomie-Betriebe, überlege kurz, wegen des Wifis bei MacDonalds einen Cheeseburger zu essen, entscheide mich dann aber doch für ein Sandwich in der Sonne auf der Stadtseite. Neben der Boutique mit den provenzalischen Spezialitäten steht ein Klavier, gespendet vom Bahnhof selber, für die Reisenden zum Üben oder Spielen. Beim ersten Vorbeischlendern übt dort tatsächlich ein Kind, auf dem Rückweg spielt ein junger Mann ziemlich gut Beethovens „An Elise“. Als ich nach meinem Mittagsnack zurück komme, haben sich zwei einander fremde junge Männer dort gefunden, sie spielen und singen aktuelle Songs in nahezu professioneller Manier. Was für eine schöne Idee, vielleicht sollte die Klavier- und die Musikindustrie auch mal darüber nachdenken, ob so ein Klavier im öffentlichen Raum nicht dem Musizieren an sich sehr zuträglich wäre. Den Reisenden in Marseille jedenfalls hat es gefallen, sowohl den Ausführenden als auch den Zuhörern.
Das ist noch nicht der richtige ZugIst das……der richtige Zug!
Um 12:45 Uhr steht endlich eine Gleisnummer für den Zug nach Narbonne auf der Anzeige, aber es dauert noch zwanzig Minuten, bis der Zug endlich einfährt. Natürlich ist auch der nicht ganz menschenleer, aber nachdem ich zuerst einen schönen Platz am Fenster hatte, setzte sich ein Mensch neben mich, der gerne reden wollte, aber nur sehr rudimentäres Englisch sprach, französisch gar nicht. Er lebe schon sechs Jahre in Barcelona. “Ok, dann reden wir halt Spanisch“, sage ich, aber das kann er auch nicht. Die Lautsprecherdurchsage gibt an, dass wir insgesamt mit einer Verspätung von eindreiviertel Stunde reisen. Das Arbeiten ist mir auf dem Sitz mit dem Nachbarn zu eng, ich halte Ausschau und finde noch einen freien Tisch, auf dessen anderer Seite ein junger Mann in ähnlicher Haltung wie das junge Mädchen im ersten Zug versucht zu schlafen. Später liegt er auf dem Rücken und schnarcht leise.
Ich arbeite meinen Akku leer, dann sind wir eine Station vor Agde, in Sète, der junge Mann steigt hier aus. Das lässt mich ihn fragen, ob Sète eine schöne Stadt sei. Er schaut erst etwas skeptisch, dann gibt er zur Antwort: „Für Besucher schon!“ Auf dem Rückweg aus dem Mittelmeer wollen wir hier einen Halt einlegen.
Es ist 16:12 Uhr, als ich in Agde aussteige, ich beeile mich, nach draußen zu kommen, um den 16:15 Bus noch zu bekommen, da fährt der draußen gerade los, ich bin ganz erbost… Aber er fährt nur zu der Haltestelle, um die Leute einsteigen zu lassen. Also, das wäre ja ärgerlich gewesen, wenn ich den jetzt verpasst, und mit dem viel teureren Taxi hätte fahren müssen. So bin ich um 16:40 in Agde, laufe mit meinem Laptop im Rucksack zu dem Parkplatz am Hafen, in der Hoffnung, dass der Wagen auch noch dort steht, und nicht etwa von der Hafenverwaltung abgeschleppt wurde. Nein, wurde er nicht, um fünf sitze ich im Auto, stelle das Navi ein, der Wagen springt auch direkt an und los geht es auf den Heimweg entlang der Côte, das Radio begleitet mich zuerst mit einem Beitrag über einen Romanautor, dann mit Musik und zu den zarten Klängen von Weniawskys Violinkonzert fahre ich nach Cannes rein. Gerade noch rechtzeitig zum Abendessen an der Uferpromenade.
Die Fähre und das kleine Segelboot
Mein zweiter Alleingang führte mich am Morgen nach dem Ankern zum Hundespaziergang mit dem Beiboot nach St. Honorat. So ganz mein Freund ist der Tohatsu, der kleine Außenborder an unserem Gummiboot, noch nicht. Aber er springt doch an, und fährt mich mitsamt Nico zu dem kleinen Hafen, in dem auch gerade die Fähre angelegt hat. Daneben liegt das kleine Segelboot aus Kiel mit dem älteren Ehepaar, das ist schon sehr sportlich, wie die beiden hier leben. Ich will vorsichtig sein, und kuppel den Motor zu früh aus, versuche mit der Hand bis zum Land zu paddeln. Nee, das funktioniert nicht, nochmal den Vorwärtsgang rein, nach vorne krabbeln und versuchen, mit der Leine durch den Ring zu kommen. Dabei will Nico immer an mir vorbei und schon mal an Land. Dann ist das Boot fest, der Hund an Land, ich mache den Motor aus, suche meine Schuhe und will aussteigen. Oh, Mann! Jetzt hab ich auch noch die Schuhe vergessen!
So piekselig sind die Steine
Kurz überlege ich, zum Boot zurück zu fahren und die Schuhe zu holen, aber das ist ja Mega-Quatsch. Also steige ich mit meinen zarten Seglerfüßchen (o.k. Füßen bei Schuhgröße 44) aus, und laufe tapfer über die steinigen Wege der Mönchsinsel. Nico zeigt sich nett und bleibt in der Nähe, er zeigt auch Verständnis, dass wir nicht so richtig weit gehen, sondern unten am Wasser und Sand entlang eher schlendern als laufen.
Hundespaziergang barfuß
Ein LKW kommt und fährt mit lautem Gerumpel vorsichtig auf die Fähre, ich warte lieber ab, bis diese abgelegt hat, denn sie macht ganz schöne Wirbel im kleinen Hafenbecken. Jetzt muss sich zeigen, ob der freundliche Tohatsu, fern von seinem Volker-Chef, auch bei der Capitania anspringt. Ein paar Versuche braucht es schon, ich gerate ins Grübeln, ob ich den Choke besser doch nochmal ziehen soll, aber ein erstes Motorattern zeigt an, dass der Tohatsu-Freund beim nächsten Versuch mitspielen will. Jawohl, das macht er auch, und bringt Hund und mich wieder sicher zur Hexe zurück.
15. Juni 2015, Montag, Baro 1008, sonnig, warm, Wind SSW 2-5 Cannes 09:30 – Nizza 13:30 22 sm
Zuerst ist kaum Wind, dann 5 Knoten. Volker will zwischen die Inseln zum Ankern gehen, denn motoren wollen wir nicht. Dann kommen 12 Knoten Wind, dann Schaumkrönchen, und nachher sind es über 20 Knoten.
Eric und Nany von der Aruna wollen nach Menton, um von dort aus mit günstigen Winden, die hoffentlich bald kommen werden, nach Korsika zu segeln. Wir begleiten sie ein Stück, denn wir wollen noch ein bisschen in dieser schönen Gegend bleiben, ehe wir zu den Inseln übersetzen. Hoch am Wind fahren wir außen um St. Honorat herum, nach dem Gefahrenzeichen können wir langsam abfallen und dann geht es direkt vor den Wind mit ausgebaumter Fock. Leider bekommt Eric von der Marina in Menton eine Absage, und auch ich habe kein Glück in Cap-Ferrat, aber in Nizza sind noch zwei Plätze frei, also fahren wir dort hin.
Gewitterwolken türmen sich auf
Drei Meilen vor der Hafeneinfahrt kommt die Fähre aus Korsika, und die hat leider Vorfahrt, also müssen wir draußen abwarten, bis der Lotse an Bord gekommen, die Fähre in den Hafen gefahren ist und die Leinen fest sind. Direkt vor Nizza ist das Meer noch über 200 m tief, und dann geht es steil nach oben. Das produziert eine unruhige See bei auflandigem Wind, kurze choppige Wellen, wir lassen das Großsegel oben, damit es uns ein bisschen Stabilität verleiht. Außerdem türmen sich gerade über den Bergen riesige Gewitterwolken auf, in denen es auch blitzt und donnert.
Der Flughafen liegt direkt am Meer
Und vom Flughafen, der hier in Nizza direkt am Meer liegt (Start und Landung sind spektakulär), kommt das Heulen der Motoren. Schon ein bisschen gespenstig, das Ganze. Endlich sind die drei roten Lichter an der Hafeneinfahrt aus, und wir können reinfahren. Es ist unglaublich warm, deshalb bilden sich auch diese Gewitterwolken. Nico genießt die Kühle des Steinbodens im Marina-Office, als wir zum Zahlen gehen, und macht beim anschließenden. hundespaziergang schnell seine Geschäfte, damit er – nach einem kleinen Umweg an der Slipbahn für ein Hundebad – wieder ins schattige Schiff kommt.
Restaurant mit bunt gedeckten Tischen in Nizza
Um 18:00 Uhr hat es ein bisschen abgekühlt und wir machen uns auf den Weg in die Altstadt. Wir kennen diese schon von einem früheren Besuch, aber es ist ein wunderschönes Viertel mit ganz engen Gassen, in die zudem noch die Restaurants ihre Tische und Stühle stellen. Eric möchte nicht mitten auf der Straße essen, da könnte ja jeder kommen und von seinem Teller probieren wollen.
Ein Altar in der Kirche von NizzaBaron von Münchhausen?
Wir bewundern die provenzalischen Stoffe, die Süßigkeiten und die seltsamen Dinge in den Andenkenläden.
Zum Apéritif finden wir eine wunderschön auf “altes Brauhaus” dekorierte Bar, in der wir leckeres “König Ludwig Weißbier” trinken.
Ein Cowboy vor l’OpéraLeckere Pralinen im Schaufenster
Dann geht es weiter mit dem Sightseeing: Wir schlendern durch die Straße direkt hinter der Uferpromenade mit ihren unzähligen Restaurants, können uns aber noch nicht entscheiden, wo wir essen wollen, laufen an der Opéra vorbei, noch bis zum Ende der Altstadt, und schließlich am Meer entlang zurück zum Hafen. Denn der liegt in Nizza nicht direkt neben der Altstadt, sondern – durch einen ziemlich hohen Hügel getrennt – in der nächsten Bucht. Dort finden wir das “blaue Schiff”, dessen Küchenkapitän aus Kalabrien kommt und essen mal lecker italienisch (mit Sepia-Nudeln, wie man sieht…).
Nudeln aller ArtDie Capitania mit Lätzchen beim Spaghetti-EssenNachtischzeichnungen?
16. Juni 2015, Dienstag, Sonne-Wolken-Mix, Baro 1012, Wind SW um 3 Nizza 10:20 – vor Anker vor St. Honorat 14:10, 16 sm
Die Optis üben vor der Hafeneinfahrt
Große Abschiedsszene auf der Aruna, die beiden winken uns nach, hoffentlich haben sie morgen einen guten Wind, um nach Korsika zu segeln. Unsere Wege werden sich sicher noch mal kreuzen, hier an der Côte oder auf den Inseln.
Mit wenig Wind – wie immer am Morgen – segeln wir los. Nach einer halben Stunde und ein bisschen motoren, hat sich der Wind bei 7-8 Knoten stabilisiert, Volker hört auf, das Holz im Salon zu polieren und wir setzen den Spi. Das geht eine weitere halbe Stunde gut, dann dreht der Wind zu sehr auf die Nase, der Spi muss wieder runter und wir kreuzen bis zum Cap Gros. Unser Ziel sind die Îles des Lerins vvor Cannes, wir sind also wieder zurück nach Westen gesegelt. Die heutige Nacht wollen wir, bei angekündigt wenig Wind, zwischen den beiden Inseln Ste. Marguerite und St. Honorat vor Anker verbringen.
werden wir in Cannes bleiben. Das hat mehrere Gründe. Wie Cornelia schon im letzten Beitrag erwähnt hat, ist Cannes so etwas wie ein Etappenziel, das wir jetzt auf eigenem Kiel erreicht, oder besser gesagt ersegelt haben. Der Blick vom Schiff auf die nächtlich-festlich erleuchtete Stadtsilhouette hat was. Der Rundgang durch die Altstadt steht ebenso noch aus wie der Besuch des Irish Pub, oder der steile Aufstieg zur Notre Dame de l’Esperance mit angrenzendem Schloss und einer Kapelle und mit dem fantastischen Ausblick über die gesamte Stadt und das Meer.
In der Markthalle gibt es Obst und Gemüse…Dauraden… und Fisch
Heute waren wir in der riesigen Markthalle, die neben den üblichen Gemüse-, Fleisch- und Fisch-Ständen auch regionaltypisch Köstlichkeiten bietet. Trüffel-Olivenöl, handgemachtes Gebäck, eine große Auswahl an Oliven, provenzalische Kräutermischungen, vielfältige Käsesorten und getrocknete Früchte erfreuen, liebevoll dargeboten, das Auge und die eine oder andere gekaufte Spezialität später den Gaumen. Ansonsten halten wir uns heute mal ein bisschen aus der Sonne raus und schreiben und internetten im Schatten, unter unserem Sonnensegel. Die vielen Stunden in der Mittelmeersonne, in den letzten Tagen haben ihre Spuren an uns hinterlassen. Schultern und Arme, die immer der Sonne ausgesetzt sind, sind schon ein bisschen gerötet. Die Stufe der absoluten tiefen südländischen Mittelmeerbräune haben wir noch nicht ganz erreicht. Aber wir arbeiten daran.
Ein Wetterwechsel, steht vor der Tür, die Sonne sticht, ab abends soll es Gewitter mit starken Windböen geben. Schon jetzt türmen sich riesige Wolkenberge deutlich sichtbar im Hinterland auf, der Wind nimmt langsam zu. Für die nächsten Tage gibt Monaco Radio über UKW-Funk und Meteo-France im Internet Windwarnungen aus. Die Temperaturen sollen mit rund 25 Grad denoch eher im angenehm-warmen Bereich der menschlichen Wohlfühlskala bleiben. Wir liegen gut und sicher, der Hafen ist rundum gut geschützt, so schnell wollen wir “unser Etappenziel” auch gar nicht verlassen. Obwohl es noch einige dieser „Etappenziele” in unserer Reiseplanung gibt. Niemand hetzt uns, außer wir uns selbst.
Wir genießen diese Art des Lebens und des Reisens, auf die wir solange hin geplant haben. Nach den ersten zehn Monaten können wir klar und deutlich sagen, dass unsere persönliche Erwartungen, an Länder, Menschen, guten Erlebnissen und letztendlich auch an unser schwimmendes Zuhause mehr als erfüllt wurden. Für das Mittelmeer, mit seinen zum Teil schwachen Winden, müssen wir ganz klar sagen, dass ein flott segelndes Schiff nur vorteilhaft sein kann. Das erspart letztendlich viele Motorstunden und erfreut des Seglers Herz.
Der Windglider
Noch eins zum Schluss: Als das Windsurfen, also Surfbrett mit Segel, als Wassersportart noch sozusagen in den “Kinderschuhen” gesteckt hat, war ich gerade mal 12 Jahre alt. Mein Bestreben war es derzeit, diese neue Sportart schnellstmöglich zu erlernen und das Zusammenspiel ziwschen Surfbrett und Segel zu perfektionieren. Auf jeden Fall, aus diesen Anfängen heraus wurde schnell ein regelrechter Boom. Viele berühmte Hersteller von Surfboards wie beispielsweise Ten Cate, Hifly, Mistral und Ostermann wuchsen wie Pilze aus dem Bodem. Außer Mistral hat es, meines Wissens nach, keiner der genannten Brettproduzenten wirtschaftlich in die heutige Zeit geschafft. Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich in St. Tropez ein Surfbrett aus dieser Zeit der Firma Ostermann Modell “Windglider” in einem hervorragenden Originalzustand gesehen habe. Der Windglider wurde am Anfang der achtziger Jahre vom saarländischen Küchenbauer Fred Ostermann entwickelt und gebaut.
7. Juni 2015, Sonntag, Baro 1016, sonnig, diesig, Wind O -NO um 4, später abflauend
Nach einem faulen Tag an der Boje beschließen wir beim Frühstück, Richtung St. Tropez oder Cannes weiterzufahren. Gestern Abend hatte wir Besuch von Nanni (keine Ahnung, wie man das auf französisch schreibt, aber so klang der Name, als sie sich vorstellte) und Eric von der “Aruna”, einer J109, und Eric wollte gerne mal unser Boot anschauen. Volker war wieder ganz in seiner “Profession”, und Eric sagte am Ende der Führung: “O.k., ich kaufe das Boot.” Ich habe mich derweil gut mit Nanni unterhalten. Beim Apéritif haben wir dann erfahren, dass sie, er ist Förster, für die französischen Nationalparks gearbeitet haben, er war einige Jahre Direktor des Nationalparks von Porquerolles und Port Cros.
Aruna mit Spi
Leider ist der Wind, der am Anfang mit 14 Knoten wehte, schon nach kurzer Zeit immer schwächer geworden und dann ganz weggeblieben. Das gab der viel leichteren Aruna zunächst die Chance, uns tatsächlich zu überholen, aber dann hingen sie so sehr in der Flaute vor der Insel, dass sie die Segel geborgen und den Motor angeworfen haben.
Da kommt das Eisboot
Mittags haben wir uns in der wunderschönen Baie de Briande wieder getroffen, die ist auch Teil des Nationalparks; waren schwimmen und mit dem Hund spazieren. Eine sanft einsetzende Brise verlockte uns, doch noch nach St. Tropez zu segeln, bzw. wir zu motoren, und wir machen schöne Bilder von der Aruna mit Spi.
Die Elektrokästen in Cannes sehen aus wie aus “Pirates of the Carribean”
Im Hafen werden wir freundlich empfangen, der Marinero fragt, ob wir zusammen gehören, und gibt uns zwei Plätze nebeneinander. Praktisch, denn wir werden auf einen Apéritif eingeladen, treffen dabei auch die mitsegelnde Katze, die aber zu scheu ist, um sich von uns streicheln zu lassen. Am späteren Abend gehen wir noch durch die schön beleuchtete Altstadt, zuerst vorbei an der Hafenpromenade, wo die fetten Motorboote liegen, ebenfalls schön ausgeleuchtet, zum Teil mit Unterwasserbeleuchtung. Auf Deck sitzen Familien und Freunde zusammen beim Abendessen, es hat was von Fernsehen.
Das war eigentlich nur eine kleine…Beim Gang durchs nächtliche St. TropezVon der Schaufensterpuppe bleiben nur die Hände?
8. Juni 2015, Montag, Baro 1011, sonnig, sehr warm, Wind NO 2
Cooler Blick von der Zitadelle
Am Morgen besichtigen wir, zusammen mit Nany (jetzt hab ich erfahren, wie man das schreibt, und dass es von “Anne-Marie” kommt) und Eric die Zitadelle von St. Tropez, die auch ein sehr schönes und interessantes Marinemuseum beherbergt. Wir erfahren viel Wissenswertes über die Geschichte der Seefahrt in St. Tropez, über die verschiedenen Fischfangmethoden, über eine Akademie, die große Kapitäne ausgebildet hat, und zum Schluss genießen wir die Aussicht von ganz oben, aber da war leider die Batterie des Fotos leer.
Reusen für den FischfangAus einer Kokosnuss geschnitzte MaskeDie großen Kapitäne
Zurück auf dem Boot machen wir die Hexe und sie die Aruna klar, denn noch weht ein bisschen Wind, und wir wollen gerne heute nach Cannes segeln. Das geht auch zuerst ganz gut, aber um halb vier sind es nur noch zwei Knoten, die uns (eben leider kaum noch) antreiben, wieder muss der Motor ran. Der Sommer im Mittelmeer hat halt nicht soviel Wind wie die Nordsee. Dafür kann man zwischendurch einen Badestopp einlegen und im tiefen tiefen Mittelmeer schwimmen gehen.
Blaues Wasser
Das Wasser ist blau, so blau, wir befinden uns auf ca. 500 m Wassertiefe, auch Nico wird mal kurz erfrischt, und dann geht es weiter. Leider dreht der Wind wieder mal ganz unvorteilhaft auf die Nase, da es immer noch dreizehn Seemeilen bis Cannes sind, motoren wir wieder weiter. Es ist gefühlt ein großer Schritt, mit dem eigenen Boot nach Cannes zu kommen, nachdem wir schon oft hier waren, aber eigentlich immer auf dem Landweg. Wir freuen uns sehr auf die schöne Stadt, den Hafen, die großen Hotels an der Croisette, die Isles du Lerin, St. Marguerite et St. Honorat.
Und Nany hat Geburtstag, da gibt es heute Abend schon wieder einen Grund zu feiern, wir stoßen zuerst mit Champagne an, (danke Nany und Eric) nach dem Essen trinken Volker und Eric einen Jägermeister, der hier in Frankreich nur “Jäger” heißt, wie wie gerade erfahren haben.
Entgegen allen Wettervorhersagen kommt der Wind nicht aus Südwest, sondern genau aus Ost. Das bedeutet, dass wir wieder einmal kreuzen müssen. Aber das kann unsere Hexe ja. Es ist nur ein bisschen kälter, weil der Wind ja von vorne kommt und sich zu dem Fahrtwind addiert. Und es ist ein bisschen länger, weil man ja quasi einen Zickzackkurs fährt. Die normale Strecke bis Porquerolles sind ca. 22 Seemeilen, aber wir werden so über 30 brauchen.
und ganz charmant, le Nord d’Embiez
Gestern hatten wir einen “Lazy Sunday Afternoon”, naja, ganz so lazy war er nicht. Wir sind mit dem Beiboot rausgefahren und haben uns eine kleine Bucht gesucht, die nur von See aus zugängig war. Da sind naturgemäß weniger Menschen am Strand, und dann müssen wir nicht dauernd aufpassen, dass Nico überall nach Futter bettelt. Die Bucht nebendran, die auch sehr schön lag, war ziemlich voll, weil ein nicht ganz so steiler Pfad vom Weg herunter führte. Auf dem Wasser lagen eine Menge Boote vor Anker, viele Motorboote, aber auch ein paar kleinere Segelboote, die nicht so viel Tiefgang haben, hatten den Weg durch die von zahlreichen Felsen begrenzte Meerenge gefunden.
Der Leuchtturm auf der Île du Grand Rouveau
Nach einem Bad in dem türkisblauen Wasser, das inzwischen auch nicht mehr sooo kalt ist, machten wir uns auf, mit dem Beiboot die Insel zu umrunden. Zuerst landeten wir an der kleinen Nebeninsel “Île du Grand Rouveau” an, um zum Leuchtturm aufzusteigen. Auch hier wurden wir wieder mit großartigen Ausblicken belohnt. Die Möven begleiteten uns auf dem Weg zum Leuchtturm, neckten immer wieder den armen Hund mit ihren knäckerden Rufen und flogen im Sturzflug zu Nico hin. Der ließ sich aber davon gar nicht aus der Ruhe bringen, sondern trippelte seines Weges, roch hier und da an den wunderbaren Gerüchen, die nur ein Hund findet. Wir kamen uns ein bisschen wie Robinson Crusoe vor, ganz allein auf einer Insel, nur, dass um uns herum ziemlich viele Boote waren.
Ausblicke
Wir haben die Île des Embiez tatsächlich umrundet, sind vorsichtig an den Klippen vorbei gefahren, damit wir mit unserem kleinen Außenbordmotor nicht aufsetzen. Plötzlich waren da gelbe Bojen, auf denen nicht nur Ankerverbot stand, nein, auch segeln und mit dem Motor fahren darf man hier nicht. Also wird der Motor ausgeschaltet und die Paddel in Gang gesetzt.
noch mehr Ausblicke
Zuerst darf Volker seine Muskeln spielen lassen und ich räkele mich, so schön es mir möglich ist, am Bug. Nach Dreiviertel des Wegs tauschen wir, jetzt kann ich die Ruder eintauchen und Volker liegt mühelos wunderschön vorne in dem kleinen Gummiboot.
das war der “Nicht-so-lazy-Teil”, geschafft von dem Tag machen wir nach dem Abendessen nur noch einen zwei-Kilometer-Rundgang, bevor wir es uns mit Staffel eins der Krimiserie “Für alle Fälle Fitz” aus unserem Jahreskalender gemütlich machen (ein großer Dank an Tinka, das macht richtig Spaß und Du hast so schöne Sachen ausgesucht und unglaublich liebevoll verpackt).
klares Wasser
Inzwischen haben wir – kreuzenderweise – fast die Bucht von Toulon erreicht, vorhin war eine Fliegerstaffel mit zehn roten Düsenjägern und einem Höllenlärm über uns weg geflogen, dann zog in der Ferne ein U-Boot seine Kreise. Inzwischen ist es abgetaucht, ob es uns wohl von unten anschauen kann? Porquerolles und die daneben liegende Insel Port Cros sind schon schemenhaft zu sehen, es ist ein bisschen diesig heute, aber wunderbares Segeln.