Autor: Skipper Volker

  • Schneeflöckchen

    Winterwonderland

    Man kann ja sagen. was man will zum bisherigen deutschen Winter, der, zumindest in Darmstadt, die Bezeichnung “Winter” bis heute garnicht verdient hatte. Seit wir hier sind, und das sind nun schon geschlagene drei Monate, hatten wir ein paar schöne Sonnentage, einige Regenperioden und ganz viel Grau, nur hin und wieder richtig winterlich kalt, mit Temperaturen unter null Grad, gab es kaum.

    Hexe mit Hund im Schnee

    Heute kam dann die Totalüberraschung, Wintereinbruch mit starkem Schneefall seit dem Nachmittag. Im Moment schneit es noch weiter und verwandelt die ganze Stadt in ein einheitliches Weiß.

    Ich mag die weißen Flocken sehr, die ruhig und sacht vom Himmel fallen.

    Vergesst die meckernden Autofahrer, die schneebedingt im Stau stehen, auch die fluchenden  Radfahrer in der Stadt, die schlingernd ihren Weg suchen, mir egal, mein Herz schlägt schneller wenn es draußen schneit.

    Auf unserem Rückweg waren hier schon rodelnde Kinder unterwegs

    Wir haben unserem Samy das Wintermäntelchen angezogen, uns selbst dick und warm eingepackt und sind erstmal hoch zur winterlichen Mathildenhöhe gestiefelt und haben die schneeweißen Parkanlagen, Denkmäler und historischen Gebäude bewundert.

    Es war zunächst noch sehr nasser Schnee, der sich aber großartig zum Bauen von Schneemännern aller Größen eignete. Deshalb sieht man schon die ersten Kinder große Bälle rollen für ihre  Schneemänner, andere probieren es schon mit den Schlitten, oder lassen sich im Schnee den Abhang hinunter rollen.  Viele Spaziergänger haben ein seliges Lächeln im Gesicht und erfreuen sich wie wir am “Winterwonderland”.

    Denker im Schnee
    Stumm schauen die Löwen vom Tor auf das Weiß
    Hochzeitsturm in Xmas-Deko
    kleiner Schneemann

     

     

     

     

    Das sieht eher weihnachtlich aus!

     

    Spontan kommen mir ein paar Weihnachtslieder, die sich um das Schneethema drehen, auf die Lippen und auch wir bauen einen kleinen Weihnachts-Schneemann.

    Weiter geht es durch den schweren feuchten Schnee zur Rosenhöhe, die ebenfalls von einigen fotografierenden Menschen besucht wird.

    Lange wird die spätwinterliche Freude wohl nicht währen, denn am Samstag soll es mit vorhergesagten 14 Grad wieder frühlingshaft warm werden. Aber wir haben ja gelernt, dass vor allem der Moment zählt, und der ist wunderbar

    Jetzt kommt die kurze winterliche Abhandlung zum Ende, bei dampfendem Ingwertee wärmen wir uns auf.

    Segeln steht leider noch nicht auf dem Programm, es gibt daher keine Berichte von abenteuerlichen Segelreisen, aber das wird sich auch irgendwann wieder ändern. Wie uns Bilder und Zeilen von lieben Freunden verraten, liegt die Hexe gut an ihrem Platz, hat den Sahara-Sandsturm vom letzten Wochenende gut überstanden und erstrahlt, dank Pedros Hilfe, in glänzendem Weiß.

  • Ganz nah am Wasser

    Die Elbphilharmonie: eine gigantische Welle

    Im Moment kann man uns getrost als Landratten bezeichnen, denn zu viele Themen halten uns hier noch für eine ganz schön lange Weile gefangen. Wie sagt Ralf von der Segelyacht “Mal Wieder” so richtig; “Die Gesundheit ist das Wichtigste “, damit hat er natürlich Recht. Bei der Capitania ist noch einiges abzuklären und das geht leider untersuchungstechnisch nicht auf den Kanaren, jedoch auch nicht in Darmstadt, sondern nur in Hamburg. Und weil wir die Stadt an der Elbe sehr mögen, haben wir das Nützliche mit dem Angenehmen verbunden und einen Kurzurlaub in der Elbmetropole verbracht.

    Der große Saal in der “Elbphi”, auf jedem Platz eine optimale Akustik

    Wir hatten zudem noch Buchungsglück und konnten für adäquates Geld ein Zimmer im “Westin”,dem Hotel in der Elbphilharmonie, mit sagenhaftem Elbeblick buchen. Die Capitania hat noch eine Führung durch die Elbphilharmonie am Ankunftstag buchen können, leider nur für sich, da diese Führungen manchmal auf Wochen hin ausverkauft sind.

    Die etwas andere Toilettenbeschriftung

    Nach gemütlichen und staufreien fünf Stunden Autofahrt sind wir am Sonntag in Hamburg angekommen. Das Wetter zeigte sich nicht von seiner besten Seite, neblig-grau begrüßte uns die Hansestadt, nur dass das erste, für uns reservierte Zimmer im Hotel, zwar die versprochene tolle Aussicht hatte, doch dafür eine defekte Fensterdichtung, sodass der Generatorenlärm des gegenüber liegenden Frachters samt dem Lärm der angrenzenden Fabrik für industrielle Gase herein drang.

    Die größte der fünf (!) Orgeln von St. Michaelis
    Das Wahrzeichen Hamburgs: der Michel …
    … mit dem wunderbaren Barock-Interieur

    Die Empfangsdame bemühte sich, so wurde uns ein anderes Zimmer zugesagt, das jedoch noch nicht übergabeklar war. Wir nutzten die Zeit bis zum neuen Zimmer für einen Spaziergang durch die Speicherstadt und zur Michaelis Kirche, die  wohl umgangssprachlich besser als “der Michel” bekannt ist. Wir waren sehr beeindruckt von dieser wunderschönen Barockkirche Auch dem City Sportboothafen haben wir einen Besuch abgestattet und es gibt dort immerhin trotz des nordischen Winters zwei bewohnte Katamarane. Am nächsten Morgen ging es früh zur Klinik.

    Die Rickmer Rickmers im Hamburger Hafen

    Der Nachmittag hat dann wieder uns gehört, wir haben den schönen Hotelpool ausgiebig genossen. Abends ging es am Hafen entlang, an der Dreimastbark Rickmer Rickmers vorbei, zum Brauhaus. Dabei nieselte es leicht, aber in Hamburg ist das kein Regen, sondern einfach “Wetter”! Die Capitania liebt nicht nur das Meer, sondern auch dessen verzehrbaren Inhalt und war von ihrem appetitlich angerichteten Käptn’s Teller mehr als begeistert.

    Das rote Feuerschiff LV14
    vor dem blauen Ausflugsboot

    Auf dem Rückweg haben wir spontan noch einen Stop auf dem historischen Feuerschiff eingelegt und sind aus rein glücklichen Zufall mitten in eine Jazz Jamsession reingestolpert. Jeden Montag treffen sich dort verschiedene Jazzmusiker im Maschinenraum des historischen Bootes und spielen für das begeisterte Publikum bekannte und unbekannte Lieder in immer wechselnden Besetzungen. Und es wurden immer mehr Künstler auf und neben der Bühne.

    Begeisterte und begabte Jazzer spielen montags im Feuerschiff
    Vorne Klarinette und zwei Saxophone, hinten Bass, Klavier und Schlagzeug, links die letzten Zugänge: zwei Trompeter und ein Posaunist

    Was für ein schönes Erlebnis!

  • 3. Advent

    Ein Traum von Weihnachtsbaum

    Cornelia hat ihre gesundheitlichen Probleme hinter sich gelassen und ist wieder vollkommen hergestellt, Weihnachten kann jetzt kommen, wie meine Mutter kommentierte. Da ich eine gewisse Leidenschaft für das ganze weihnachtliche Treiben nicht verhehlen kann, geben wir uns diesem auch ganz hin. Wir besuchen, so oft wir können, den Darmstädter Weihnachtsmarkt, wir treffen fast täglich liebe Freunde zum gemütlichen Beisammensein,. Außerdem sind wir vorbereitet, rechtzeitig wurden die Adventskalender für die Kinder verpackt und versandt oder abgeliefert, wir haben so gut wie alle Weihnachtsgeschenke für das Fest besorgt, und seit einer Woche verströmt eine Odenwälder Nordmannstanne ihren nadeltypischen Duft in unserer Wohnung. Vor vier Tagen konnten wir uns nicht mehr beherrschen und haben den Christbaum fix und fertig geschmückt. Irgendwie tue ich mir bei dem Gedanken schwer, Weihnachten in karibischen Gefilden zu verbringen. Hier, das traditionelle deutsche Weihnachten, mit den vorweihnachtlichen Wochen, der Kälte, der frühen nachmittäglichen Dunkelheit und all den gelebten Traditionen, die dazu gehören, das ist genau nach meinem Geschmack.

    Natürlich ist das Thema Segeln trotz aller vorweihnachtlicher Romantik nicht ganz vom Tisch. So erörtern wir seit Tagen, welchen Mann-über-Bord- Sender, zum Anklippen an die Schwimmweste, wir anschaffen sollen. Fest steht, dass es ein AIS-Sender werden soll, mit dem man auf dem Plotterbildschirm am Naviplatz einen Signalpunkt sehen kann, wenn der Sender durch den Wasserkontakt bei einem möglichen Überbordgehen automatisch ausgelöst wird. Ein massives Sicherheitsplus, so ein Sender, wie wir finden. Es gibt grundsätzlich zwei Typen von AiS- Sendern, Die „günstige“ Variante schickt das Signal „nur” an bis zu acht, vorher einprogrammierte Schiffe, die andere Variante, das AIS-SART sendet zudem einen Notruf im DSC-Verfahren an alle Schiffe, so sie sich denn in der Umgebung befinden. Denn, und das muss man wissen, die Reichweite ist bei den Geräten mit ein bis zwei Watt Leistung limitiert, und wird mit 8-16 Seemeilen angegeben. Das sind Idealwerte, da die Antenne sich auf Schwimmwestenkragenhöhe, also nur ca. 25 Zentimeter über der Wasseroberfläche befindet. Bei Wellen kann man von realistischen 2-4 Seemeilen Reichweite der kleinen UKW-Sender ausgehen. Aber es ist unserer Ansicht nach tausendmal besser, einen von Bord aus ortbaren Sender an der Schwimmweste zu haben,als garnichts, wenn es denn zum Worst-Case-Szenario kommt.

    Der gravierendste Unterschied zwischen den beiden AIS-Sendertypen ist jedoch die Größe, denn der kleine Sender der nur den eigenen Plotter alarmiert, ist so klein, dass man ihn in die eigene Schwimmweste integrieren bzw. daran befestigen kann. Der Sendertyp der auch die umliegende Schifffahrt alarmieren kann, ist so dick und doppelt so schwer, dass er leider nicht in die Schwimmweste integrierbar ist, auch wenn er bessere Funktionen hat und damit mehr Sicherheit bietet.

    Wenn jemand ins Wasser fällt und situationsbedingt aus irgendeinem Grund nicht bei Bewusstsein ist, für den ist der kleine fest integrierte, automatisch auslösende Sender dem AIS-SART-Sender klar überlegen. Ist jedoch der Überbordgegangene bei Bewusstsein und er/sie trägt den AIS-SART-Sender beispielsweise in einer Segeljacke bei sich, hat er die Gewissheit, dass neben dem eigenen auch in der Nähe fahrende Schiffe im Fall der Fälle alarmiert werden. Irgendwann vor dem Rückflug nach Lanzarote müssen wir uns für eines der Systeme entscheiden. Bis dahin werden wir uns durch alle Testberichte, Youtubebeiträge und Internetforen wühlen.

  • … ein Lichtlein brennt

    Fanaktion zum 100. Jahrestages der Gründung des SVD, auf Leinwand gemalt

    Wenn ein fußballerisches Heimspiel gewonnen wird, ist es ein leichtes, der Heimmannschaft zu applaudieren. Doch wenn das Spiel verloren geht, obwohl die heimischen Fußballer jeden Angriff, jede Torchance und all ihre spielerischen Möglichkeiten genutzt haben und dann unglücklicherweise sieglos bleiben, sollte man, sprich die Fans, nicht zu kritisch sein und trotzdem den Spielern am Spielende zujubeln. Für mich als Gelegenheitsstadionbesucher war das heutige Heimspiel trotzdem ein gutes Fußballspiel, auch wenn keine erhofften drei Punkte aufs Tabellenkonto gingen, zumal wenn die Lilien gegen den momentan Tabellenführenden die Punkte verloren haben.

    Der lange Ludwig erstrahlt im Lichterglanz

    Bereits seit neun Tagen sind wir in der Heimat, also in Darmstadt. Wir haben uns akklimatisiert und die einstelligen Temperaturen können uns nicht mehr schrecken. Die Eröffnung des Weihnachtsmarktes haben wir live auf dem Marktplatz verfolgt und die Ansprache unseres Oberbürgermeisters, der gegen Hass und Hetze und für ein verständnisvolles Miteinander geworben hat, wissen wir als weltoffene Bürger, besonders in der heutigen Zeit sehr zu schätzen.

    Wenn wir keine anderen abendlichen Verabredungen haben, gehen wir gerne am frühen Abend für einen Glühwein auf dem Darmstädter Weihnachtsmarkt vorbei, und sind dabei nicht allein. So viele junge und ältere Menschen finden sich allabendlich vor den zahlreichen Glühweinbuden und anderen Trinkständen ein, dass man sich fragt, was haben die alle gemacht bevor der Weihnachtsmarkt eröffnet wurde. Bei den anderen Verkaufsständen hingegen kann man nur hoffen, dass sie tagsüber bessere Geschäfte machen.

    Advent, Advent

    Laut Wetterbericht sollen gleich ein paar Schneeflocken vom Himmel herab fallen, die erste Kerze am Adventskranz brennt stimmungsvoll und die Capitania backt Weihnachtsplätzchen. Wenn es jetzt noch ein Meer vor der Haustür gäbe…

  • Zum Zerreißen

    Noch ein paar Leinen sind ausgelegt

    sind meine Nerven angespannt und die Festmacherleinen, die unsere Hexe an ihrem Stegplatz halten. Seit Freitag weht es mit Böen bis 35 Knoten aus nordöstlicher Richtung, meterhoch branden die Wellen an die Ostküste. Doch was heute hier geboten wird, ist ein bisschen „too much“, wie man heutzutage gerne sagt. Böen bis 50 Knoten fallen von den Hügeln in den Hafen ein, ein Kreischkonzert der besonderen Art, wenn der Wind um die Masten pfeift.

    Beim Nachbarn werden die Fender gedrückt

    Weit draußen auf dem Meer muss es leider stellenweise dramatisch zugehen. Bereits vor drei Tagen ist ein Flüchtlingsboot an der Ostküste nahe bei Costa Teguise gestrandet und 12 der 16 Insassen sind trotz sofortig eingeleiteter Rettungsmaßnahmen ertrunken. Nur vier junge Männer haben das Bootsunglück überlebt, die Ostküste Lanzarotes ist sehr felsig und schroff, wer da strandet, hat wenig Überlebenschancen.

    Heute Mittag gab es das nächste Drama auf See. Ein Segelschiff mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern an Bord hat Mayday gefunkt und gilt seitdem als vermisst. Eine Hubschrauberstaffel sucht nach den Verschollenen, ich bin geschockt, noch gibt es keine neuen Erkenntnisse. Die Besatzungen von zwei Booten, die gestern mit zerfetzten Segeln in den Hafen gekommen sind, berichten von enorm hohen Wellen, die acht Meter und mehr erreichen.

    Die Bavaria hat es voll auf den Steg gedrückt

    Dieses Szenario war bei keinem Wetterbericht vorhergesagt. Der Atlantik ist voll mit Segelbooten, die von Europa aus zu den Kanaren segeln wollen. Das Meer draußen ist weiß gefärbt, soviel lässt sich auch von hier aus erkennen, da will keiner sein, der das Meer kennt. Bis Samstag soll das um diese Jahreszeit ungewöhnliche Wetterphänomen anhalten. Auch die Nerven der Hafenmeister und Marineros sind bis zum Zerreißen angespannt.

    In der Manrique-Ausstellung

     Wir haben seit Freitag Peter und Irene an Bord, die extra für ein paar Tage Segeln aus München angereist sind, um mal zu erfahren, wie es ist, mit so einer Outremer zu segeln. Doch mehr als ihnen die Schönheiten Lanzarotes zu zeigen und viele Fragen zu beantworten, die ihnen unter den Nägeln gebrannt haben, ist nicht drin, die Natur gibt den Rhythmus vor, da haben wir nix zu melden.

    Ab morgen sind wir wieder allein an Bord, nur der Wind bleibt bis Samstag bei uns, besonders am Mittwoch ist wieder „Blanker Hans“, obwohl der Ausdruck sich eigentlich nur auf die Nordsee bezieht.

    Vorhin lief Pink Floyd  und da habe ich das Radio mal so laut gedreht, bis ich nichts, aber absolut gar nichts mehr von dem Windgekreische gehört habe. Das Geräusch kann  einem (in dem Fall, mir) nämlich ganz schön auf den Wecker gehen.

    Der Wind bringt nicht nicht nur die Geräusche, sondern auch Sand und Staub von der Insel, und der setzt sich in jede noch so kleine Ecke auf dem Boot und den Menschen, in Ohren, Nasen und Augen.

    Holt uns raus hier ;-))

  • Stress an Bord

    Jens und Barbara, die seit letzten Mittwoch zu Gast bei uns an Bord waren, sind seit Samstag wieder auf Teneriffa. Die beiden hatten wir zu Beginn unserer Reise im November 2014 in Lagos getroffen. Jens war damals mit seinem Acht-Meter-Boot einhand von Deutschland über die Biskaya, Portugal, Spanien bis ins Mittelmeer nach Frankreich unterwegs, und von dort aus über Kanäle bis nach Berlin zurück. Eine spannende Reise in einem kleinen Boot. Seitdem haben wir uns fast aus den Augen verloren, aber manchmal Meinungen zum Fußball per SMS ausgetauscht. Umso mehr hat es uns gefreut, als wir gehört haben, dass die beiden ihren Urlaub auf den Kanaren verbringen wollten, und sogar ein paar Tage bei uns an Bord bleiben würden.

    Die schöne alte Brigg ist mit uns aus dem Hafen gefahren

    Es gibt Segeltage, die besonders schön sind, und an die man gerne zurückdenkt, gestern war so einer. Sonnenschein, der Wind ablandig, deswegen gab es keine Wellen, der Wind wehte zwischen 12 und 19 Knoten, die Hexe läuft schnell. Dazu Solvey und Achim von der Jojo, sowie Ulrike mit Hündin Nelly aus Arrecife an Bord. Gemütlich haben wir 30 Seemeilen abgesegelt, vor den Papagayostränden geankert, geschwommen, Lunch gegessen. Seglerherz was willst du mehr?

    Okay, das Ankerauf-Manöver bei Strömung und Wind ist total misslungen, schlechte Kommunikation zwischen Skipper und Capitania. Die Folgen, dicke Luft an Bord und eine unschöne Macke im Boot, beides ärgerlich und vermeidbar.

    Paco testet die Elektronik

    Dann das nächste Problem, diesmal technischer Natur, der Backbordmotor bzw. der Fehler in der schon mehrfach ausgewechselten Elektronik-MDI-Box, sorgt dafür, dass der normal auf standby stehende Motor ständig von sich aus starten will. Das Bauteil wurde im Rahmen einer Rückrufaktion von Volvo Penta gerade mal vor 13 Motorstunden getauscht.

    Zumindest dachte ich bis vorhin, dass es wieder die verflixte MDI-Box ist. Gerade war Paco, der regionale Volvo-Penta-Mechaniker an Bord, hat mit einem speziellen Prüfgerät das Bedienpanel getestet und dabei festgestellt, dass die An-/Ausschalttaste einen Fehler hat. Reparieren kann man da nix, weil fest in Kunststoff gegossen. Dankenswerterweise hat er, auch ohne Garantiezusage von Volvo Penta, einfach ein neues Austauschteil eingebaut.

    Das Tastenpanel, der kleine Bösewicht

    Aber wenn Volvo bei elektronischen Bauteilen Probleme hat, sollten sie die einfach weglassen, man kann einen Motor auch mit Zündschlüssel starten statt mit einem Bedientastenteil. Das wäre dann, das Boot betreffend, gleichzeitig auch ein effizienterDiebstahlschutz, wenn so ein Zündschlüssel, wie beim  Auto beispielsweise, abziehbar wäre.

    Das richtig heiße Spätsommerwetter neigt sich wohl endgültig dem Ende zu, dunkle Wolken bedecken zuweilen den Himmel, morgen soll es regnen und ab Freitag sind knackige 8 Beaufort Wind angesagt, nachts soll die Temperatur sogar auf frostige (!) 15 Grad fallen. Das einladend-kühle Nass des Atlantiks hat derzeit noch immer angenehme 23 Grad, wir schwimmen täglich rund ums Boot oder in der kleinen steinigen Badebucht gleich nebenan. Vamos a ver.

  • Ganz schön was los!

    Axel ist gestern nach einer Woche an Bord zurück nach Hause geflogen, sieben Tage gehen so schnell vorbei. Es war eine super Zeit mit ihm,  bei der auch wir noch einmal die Schönheiten von Lanzarote für uns entdecken konnten. Es ist doch immer wieder ein Erlebnis für uns selbst, wenn wir einem Freund oder netten Menschen Schönes aus unserer Umgebung, mit einer Mischung aus Stolz und Bewunderung, zeigen können.

    Seit gestern Nachmittag bringen wir die Hexe mal wieder optisch auf einen besseren Stand, der durch die kleinen morgendlichen Regenschauer, die reichlich Sand mit sich gebracht haben, nicht mehr unseren Maßstäben von einem gepflegten Schiff entsprochen hat. Waschen – Trocknen –Polieren – Wachsen. Was sich schnell liest, braucht doch länger bei so einem Zweirumpfer, so war das heutige Morgenprogramm vorprogrammiert.

    Der Charco in Arrecife, hier gab es Mittagessen

    Pünktlich zur Mittagszeit sind wir mit unseren neuen französischen Freunden, Marie und Paul, nach Arrecife zum Lunch aufgebrochen. Ich weiß nicht mal mehr, wie diese Idee entstanden ist, doch ein leckeres Mittagessen ist schon etwas Besonderes. Erinnert es mich doch immer auch ein bisschen an die sonntäglichen familiären Ausflüge meiner Kindheit zu einem Restaurant, sehr schön.

    Am späteren Nachmittag kam Gerd, den wir bei den Treffen von Montefuego-TV kennengelernt haben, mit reichlich leckerem Kuchen zu uns an Bord (danke dafür!), und bei eben diesem gab es einiges zu erzählen. Spät abends gab es eine riesige Überraschung, als wir Jean-Piere, unseren ehemaligen „Katamarantrainer“ völlig unerwartet im lokalen italienischen Restaurant entdecken.

    Jean-Pierre hat uns in La Grande Motte äußerst geduldig und kompetent gezeigt, wie man so einen großen Katamaran sicher beherrscht, anlegt und segelt. Zusammen mit den neuen und stolzen Eignern von “Biotrek” hat er diesen neuen Outremer-Katamaran vom Mittelmeer nach Puerto Calero gesegelt. Wir haben nach dem Abendessen gemeinsam einen Drink bei uns an Bord genommen, und auch Samy hatte dank deren Hündin mit dem Namen „Tiller“ einen unterhaltsamen Abend. Tiller ist eine zehn Monate junge australische Labradoodle-Hündin, temperamentvoll und süß.

    Ganz schön was los…

  • Axel an Bord

    Axel heuert an

    Während seine und unsere gemeinsame Freundin Petra eine Rundreise durch Australien macht, hat Axel für eine Woche bei uns an Bord angeheuert, auch um zu gucken, ob er seefest ist für zukünftige Segeltörns. Denn gesegelt ist Axel noch nicht, weder binnen noch buiten. Und so waren wir gestern, nebst Ulrike, Sabine und noch einem Volker, mehr als gespannt, wie der erste Segeltörn für Axel sein wird. Der Wind und der Atlantik zeigten sich kooperativ und von ihrer moderaten Seite, trotzdem stürmte die Hexe nach dem Segelsetzen mit  über 11 Knoten Speed los.

    Allen geht es gut

    Wie das dann so ist, erkundigt man sich natürlich alle paar Minuten nach dem werten Befinden der Mitsegler, doch gab es von allen keine negativen Rückmeldungen, und die Freude am Segeln spiegelte sich in den Gesichtern aller. Nach einer halben Stunde Speedsegeln fielen wir auf einen sehr tiefen Raumschotkurs ab und sofort war die Schiffsbewegung eine andere, nämlich durch atlantischen Schwell von hinten geschoben. Aber auch wie auf dem anderen Kurs erging es allen an Bord bestens, und wir genossen den warmen Schiebewind und die Aussicht auf das Licht- und Schattenspiel der küstennahen Berge.

    Die drei Hexen im Wasser…

    Nach einer Weile erschienen die hellen Sandstrände, die Playas del Papagayo vor unserem Bug, wir bereiteten den Anker vor und starteten den Motor, um das Großsegel zu bergen. Kurz darauf fiel der Anker auf neun Metern Wassertiefe und grub sich gleich haltend in den sandigen Untergrund. Schwimmend, Standuppaddelnd und sonnend auf dem Vorschiff verbrachten wir die Zeit vor Anker. Cornelia ertüchtigte die hungrige Mannschaft mit einem ausgiebigen Lunch, kurz darauf ging es, wieder segelnd, diesmal hoch am Wind, zurück nach Puerto Calero.

    Und die zwei genießen es auch

    Fazit: Alle an Bord erwiesen sich als seetauglich. In Puerto Calero hatten wir zu unserer rechten Stegseite neue Segelnachbarn, eine britische Ausbildungsyacht der Royal Airforce mit 12 Crew an Bord, hat dort festgemacht.Die Jungs und Mädels werden 14Tage bis 4 Wochen während ihrer Offiziersausbildung nautisch auf den Ausbildungsyachten geschult, dann finden Crewwechsel statt. Die Rundreise startete in England und führt in den nächsten Monaten über die Karibik, Amerika, Kanada, Grönland und Island schließlich nach England zurück. Diese seemännische Art der Ausbildung hat die deutsche Marine nahezu komplett eingestellt und in der Konsequenz die ehemaligen Ausbildungsyachten verscherbelt, schade…

  • Vor der Regenbogenbrücke umgekehrt …

    … ist unser Samy. Wir hatten alle große Angst, dass er es nicht schaffen würde, die schwere Entzündung der Pankreas, der Bauchspeicheldrüse, mit nachfolgender Leber- und Niereninsuffizienz zu überwinden, aber jetzt sieht es wirklich so aus, als hätten er und wir es geschafft. Seit gestern Abend frisst er eher wie ein Scheunendrescher, zwar keine riesigen Portionen, aber am liebsten alle paar Stunden. Und er wirkt ganz anders, lebendiger, interessiert an seiner Umwelt, er reagiert auf andere Menschen und andere Hunde, die Apathie ist verschwunden. So haben unsere Bemühungen doch Früchte gezeitigt, das nächtliche Wachen, die vorsichtige osteopathischen Anwendungen durch Nicole, die ja eigentlich Menschen behandelt, die Sonderbehandlung in der Hundeküche und die liebevolle Betreuung durch Jane the Vet haben sich mehr als gelohnt.

    Verlassen haben uns dagegen mehrere Freunde. Schon gestern haben sich Ralf und Inge-Lore von der Segelyacht “Malwieder” verabschiedet, sie sind heute vormittag aus der Marina Rubicon nach Santa Cruz de Teneriffa aufgebrochen, von wo aus sie im November über den großen Teich starten werden.

    Heute Morgen haben wir unseren lieben Besuch aus der Heimat, Nicole und Harry, zum Flughafen gebracht, es war eine wunderschöne Woche mit den beiden. Gestern hatten wir, nach dem Spaziergang zur Montaña de las Cuervas, viel Spaß bei der Weinprobe im El Grifo.

    Heute mittag gab es ein kleines Abschiedsessen mit der Seglerfamilie, Aisling, Wolfgang, Cuisle und Óisin, die um 14 Uhr abgelegt haben, um nach Las Palmas de Gran Canaria zu segeln oder zu motoren, denn heute ist ganz wenig Wind. Wir hatten so viel Spaß zusammen, haben wunderschöne Abende miteinander verbracht. Cuisle war zweimal mit Volker Schnorcheln, dabei haben sie soooo viele Fische entdecken können, dass die Kleine ganz beeindruckt war. Und sie ist so tapfer bei Volker auf dem Standup-Brett mitgefahren, völlig entspannt und ohne jegliche Angst. Auch sie werden mit ihrem Boot Saoirse im November in die Karibik aufbrechen, mit der Atlantic Rallye for Cruisers und hoffentlich Mitte Dezember auf Saint Lucia landen.

    So sind wir gerade ein bisschen vereinsamt, aber glücklicherweise nicht ganz, denn Ulrike kommt morgen mit Hund Nelly, vielleicht können wir ein bisschen segeln gehen und ausprobieren, ob Samy immer noch seekrank wird. Und Freund Axel aus Darmstadt kommt nächsten Mittwoch mit Ryanair angeflogen. Es wird also nicht ganz so schlimm mit der Einsamkeit.

  • Wasserstandsmeldung

    Nachdem das mit der Segelei unserem Samy nicht so gut bekommen ist, können wir doch heute und hier von kleinen Fortschritten bei ihm berichten. Wir haben die Segelfamilie besucht, und der anderthalbjährige Sohn hat ein Nürnberger Würstchen unabsichtlich auf den Cockpitboden fallen lassen, so schnell konnte man garnicht gucken, wie Samy das verschlungen hat. Aber nicht nur sein Appetit wird wieder größer, sondern auch seine Anteilnahme am Leben um ihn herum. Andere Hunde werden wieder schwanzwedelnd begrüßt und das Lieblingsfrauchen Cornelia selbstverständlich auch. Heute Morgen hat der Hund sogar sein ganz normales Hundefressen ohne viel Federlesens vertilgt.

    Leider sind die Augen noch gelblich unterlaufen, was auf eine mögliche Leber- oder Nierenproblematik schließen lässt. Wir sind weiter fast täglich mit Jane „the Vet“ in Kontakt, es werden aber keine neuen Medikamente verabreicht, um seine Organe nicht weiter zu belasten.

    Volker mit Cuisle auf dem Standup

    Heute war ich mit Cuisle, der 5-jährigen Tochter der Segelfamilie zum zweiten Mal schnorcheln, um ihr noch weitere Schönheiten der Unterwasserwelt zu zeigen. Wir paddeln dazu mit dem Standupaddleboard aus dem Hafern raus in die Nachbarbucht, vertäuen, dort angekommen an einem Pfahl oder an der Boje das Brett und stürzen uns in die Fluten. Cuisle hat noch Schwimmärmchen an, nur zur Sicherheit, obwohl sie mittlerweile schwimmen kann. Dann schnorcheln wir so um die 20 Minuten lang die fischreichsten Stellen ab, ich benenne ihr die Fische, die es im atlantischen Wasser zu sehen gibt. Noch voll mit vielen Eindrücken ging es schnell zurück an Bord und wir haben ein großes Fischbild gemalt.

    Panorama im Norden Lanzarotes

    Mit unserem Freunden aus Darmstadt, Harry und Nicole, bin ich gestern in den Inselnorden gefahren, wir hatten einen fantastischen Blick zur Nachbarinsel La Graciosa und ein sehr gutes Mittagessen in Arrieta direkt am Meer genossen.

    Insgesamt weicht unsere innere Anspannung langsam, wir schöpfen wieder Hoffnung dass es mit unserem geliebten Bordhund weiter bergauf geht.