Autor: Skipper Volker

  • Der Hund – leichter Hoffnungsschimmer

    Nachdem vor zwei Tagen eine akute Pankreatitis bei Samy diagnostiziert wurde, und sich sein Zustand permanent verschlechtert hat, sank auch unser Mut und unsere Zuversicht in den emotionalen Keller. Abends sind wir dann nochmals mit Samy zu Jane aufgebrochen, weil es uns unmöglich erschien, ihm die Antibiotikatabletten oral zu verabreichen, da er eh sofort alles Aufgenommene erbricht. Jane erklärte uns, wie wichtig die Antibiotikaspritzen seien, auch wenn im großen weiten Internet, bei akuter Pankreatitis, dazu andere Meinungen existieren.

    Außerdem erzählte sie uns von ihren nächtlichen Nachforschungen zum Thema Pankreatitis, auf tiermedizinischen Fachseiten und einem Telefonat mit ihrer Tochter, einer Humanmedizinerin, weil ihr „der Fall Samy“ keine Ruhe gelassen hat. Aber auch ihre Kernaussage zu einer möglichen Genesung war verhalten pessimistisch. Das klare Credo war jedoch, dass jetzt erstmal Antibiotikum verabreicht und um das Leben von Samy gekämpft wird.

    Dazu gehört auch, dass wir einmal morgens zu ihr kommen, es eine Infusion mit Flüssigkeit gab, jeweils abends um 18 Uhr Anitbiotikum- und Penizillinspritzen, und ich ihm zur Nacht hin eine Infusion mit Kochsalzlösung anlegen soll. Samy ist super tapfer und lässt die ganzen Prozeduren klaglos über sich ergehen, was für ein Hundeheld!

    Gestern kamen Ralf und Inge-Lore wieder zu uns, um uns wie jeden Tag beizustehen und abzulenken, auch Ulrike kam mit Samys Hundefreundin Nelly vorbei, es ist schon erstaunlich, wie sensibel unsere Vierbeiner sind und merken, dass was nicht stimmt. Abends gesellten sich dann noch unsere neuen Segelfreunde Solvey und Achim von der Segelyacht Jojo dazu. Ständig wurde Samy gestreichelt, angesprochen und umtüddelt.  Dann gab es spätabends das berühmte Hoffnungslicht am Ende des dunklen Tunnels,  der Hund wurde etwas munterer und noch wichtiger, er spuckte die paar Schlucke Wasser, die er trinken durfte, nicht mehr direkt aus.

    Bei dem anschließenden 200 Meter Spaziergang lief er zudem stabiler und weniger schwankend. Nachts schlief er fast durch, heute morgen ging ich um 6 Uhr mit ihm ’ne kleine Runde, Cornelia um 10 Uhr ebenfalls ein Stück spazieren, und Samy hat jeweils Urin abgesetzt. Wenn er jetzt was trinkt, bleibt es auch weitgehend drin.

    Wir haben wieder Hoffnung geschöpft, dass der vierbeinige Kämpfer diese schwere Krankheit überstehen wird.

    Wir danken nochmals für die liebevolle, zahlreiche und mutmachende Zuwendung unserer Leserschaft, egal ob per Mail, Telefon, Kommentar, WhatsApp, sowie für den Zuspruch hier vor Ort, herzlich Dank an euch alle!!!

    Samy hat einen PC-Ventilator für die Kühlung dank Ralf und Inge-Lore
  • Der Hund

    Samy leidet still…

    Samy hat anscheinend irgendwo verdorbene Lebensmittel gefunden und gefressen und erbricht seit heute morgen immer wieder. Wir haben notfallmäßig Jane the Vet, die Tierärztin aufgesucht. Sein Bauch ist hart und gebläht wie ein Brett, jede Bewegung tut ihm sichtbar weh, und er hat erhöhte Temperatur. Jane hat uns erklärt, dass die verdorbenen Lebensmittel wohl in ihm richtiggehend gären, dass er aber kein Gift gefressen hat, sonst wäre das Zahnfleisch fast weiß, mehr Schaum im Mund, und man würde etwas riechen. Wir haben ja schon früher geschrieben, dass unser Hund gerne die Straßen von organischem Müll befreit, unbezahlt und unaufgefordert versteht sich, wenn es in sein Beuteschema passt. Und da passt viel zu viel rein. Nur bisher ging alles gut, oder besser gesagt, dem Hund nicht so schlecht. Cornelia hat beim Gassigehen gestern Abend auch nix davon bemerkt, dass Samy Essbares gefunden hätte.

    Jetzt müssen wir uns gedulden, die zwei Spritzen, die er verabreicht bekommen hat, sollen nach 10-12 Stunden wirken, morgen will die Tierärztin unseren Samy noch einmal zur Nachkontrolle sehen. Die Stimmung an Bord ist deshalb auch gerade gedrückt, und ich habe vor lauter Gedanken an den Hund den frischgeschnittenen Knoblauch in den Müll statt in die Pfanne geworfen – geht’s dem Hund schlecht, leiden die Besitzer.

    Eigentlich wollten wir einen großen Bericht von den vielen schönen Dingen, die wir in der Woche erlebt haben, schreiben, aber irgendwie fehlen die positiven Gedanken dazu…

  • Gestrichen

    Die Tage hier in Puerto Calero rasen nur so dahin und sind angefüllt mit vielen schönen Momenten. Wir haben zum Beispiel Mareike Guhr getroffen, die mit ihrer Crew und ihrem Katamaran “Moana” hinter uns angelegt hat. Mareike ist wohl eine der bekanntesten deutschen Weltumseglerinnen, mittlerweile auch Buchautorin, ebenso Initiatorin von Hilfsprojekten für die haitianische Bevölkerung und wurde folgerichtig mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Eine tolle und ebenso unterhaltsame Frau, die sich gerade wieder anschickt, den Atlantik im Rahmen der ARC zu überqueren und im weiteren Verlauf, mit zahlenden Gästen an Bord, erneut in den pazifischen Ozean aufzubrechen.

    Auch die Freundschaft zu Susanne und Michael hat sich gefestigt, die zwar (noch) nichts mit der Segelei am Hut haben, aber dafür so in Lanzarote vernarrt sind, dass sie sich schon mal für einen späteren Ausstieg aus dem deutschen Alltag eine Wohnung in Arrecife gekauft haben. Und nicht nur das, selbst Susannes Eltern wollen dann mit nach Lanzarote ziehen.

    Nelly ist müde nach dem Morgenspaziergang

    Ulrike sehen wir fast täglich, jetzt am Wochenende haben wir ihre süße Hündin Nelly für zwei Tage zur Pflege an Bord, weil Frauchen zum Cirque du Soleil nach Gran Canaria geflogen ist.

    Auch Ralf und Inge von der “Malwieder”treffen wir täglich, in der nächsten Woche wollten wir ja, wie berichtet, gemeinsam nach Madeira segeln. Doch mehrere Sturmtiefs die im nördlichen Atlantik wüten, schicken so hohe Wellen aus nordwestlicher Richtung, also genau von vorne, zu uns, dass aus dem Vorhaben nichts wird. Wir überlegen im Moment gerade Alternativziele für ein paar gemeinsame Segeltage. Das Schiff ist abfahrbereit und bis auf eine Ausnahme funktionieren alle Systeme an Bord fehlerfrei, worüber wir mehr als happy sind. Der Wassermacher zickt trotz Austauschs der Hochdruckmembrane noch rum, und der lokale Spezialist Jean-Michel, will sich am Montag nochmals darum kümmern.

    Die “Suver” fährt unter spanischer Flagge

    Gestern kam eine spanische Megayacht in den Hafen und hat neben uns festgemacht. Doch leider funktioniert der bordeigene Landstromanschluss nicht, so muss der Stromgenerator mit entsprechendem Lärmpegel ständig laufen. Wir haben uns nach Rücksprache mit der Marinaleitung kurzfristig in eine andere, stillere Ecke des Hafen verlegt. Gestern Abend haben wir Michaels Geburtstag gefeiert und Cornelia hat leckere Pizza gebacken.

    Bei sommerlichen Temperaturen so um die 30 Grad lockt das tägliche Bad im Atlantik. Wir wünschen einen schönen Sonntag!

  • Technik News

    Die Hexe in der Morgensonne am Ankerplatz bei Windstille

    Am Wochenende  sind wir ein paar Meilen mit Ulrike an Bord gesegelt und haben vor der Marina Rubicon auf sandigem Untergrund geankert, obwohl gerade der nicht so leicht zu finden war. Da merkt man mal wieder, dass Lanzarote eine steinige Vulkaninsel ist, die zwar ein paar Sandstrände hat, die aber auch meistens mit Steinen durchsetzt sind. Vier Ankerversuche und zwei Kontrolltauchgänge später liegt der Anker gut eingegraben und gut haltend im Sandgrund. Zeit für einen Landgang, nachdem das Beiboot aus dem Stauraum gekramt und aufgepumpt war.

    Die Malwieder mit Ralf und Inge-Lore

    Zeit endlich auch für ein Wiedersehen mit Ralf und Inge-Lore von der „Malwieder“, die aus Teneriffa rübergesegelt sind. Über 17 Monate lang haben sich unsere Kurse leider nicht gekreuzt, jetzt werden wir die nächsten paar Wochen viel Zeit miteinander verbringen können. Eventuell wollen wir sogar in der nächsten Woche gemeinsam auf unserem Kat nach Madeira segeln, wenn die Windvorhersage so bleibt wie vorausgesagt.

     

     

     

     

    Jetzt für die technikbegeisterten Leser ein paar kurze Updates.

    Backbordlicht
    Hecklicht
    Steuerbordlicht

     

     

     

     

    Die neuen Led-Positionslichter auf Deckshöhe sind angebaut und funktionieren. Wir haben damit endlich regelkonforme Navigationslichter an Bord, in unserem Fall von Aquasignal mit BSH-Zulassung und einer Nenntragweite von über zwei Seemeilen.

    Der neue Racor-Filter

    Ein weiterer Punkt, den wir verbessert haben, betrifft das Filtersystem unseres Dieselmotors. Die alten Dieselfilter von Vetus wurden gegen Filter von Racor ausgetauscht. Racor Dieselfilter sind weltweit verfügbar, leicht zu tauschen – ohne dass man danach das Dieselsystem entlüften muss, und in Windeseile gereinigt. Zudem hat das Installationsteam, bestehend aus David und Jean-Marc, die beide für Catlanza arbeiten, den Dieselfilter an der Steuerbordseite zwecks besserer Erreichbarkeit an anderer Stelle montiert. Alles ist pottendicht, kein Tropfen Diesel leckt, wir sind sehr zufrieden.

    Kurz vorm Heimflug ging noch Cornelias Leselampe in der Koje kaputt. Da bei den neuen Led-Lampen die Birnen nicht mehr austauschbar sind, haben wir in Deutschland neue Leselampen „Made in Germany“ von Prebit mit Dimmer bestellt. Die haben gegenüber den vorherigen den entscheidenden Vorteil, dass sie ein sehr schönes warmweißes Licht verstrahlen.

    Am Freitag mach ich mich mit Ralf daran, die Heizung bzw. alle Heißwasserleitungen, das Auspuffrohr, die Schlauchverbinder, die Entlüfter, usw. zu überholen, damit das Sorgensystem „Heizung“, dann hoffentlich fehlerfrei funktioniert. Outremer hat dafür, trotz abgelaufener Garantie, ein großes Ersatzteilsortiment nach Lanzarote geschickt, danke dafür.

  • Es stinkt Teil 1 und 2

    Ulrike empfängt uns mit Cava am Flughafen

    Unsere Sommerpause in Darmstadt ist seit gestern beendet, und der Ferienflieger von Condor hat uns wohlbehalten zurück nach Lanzarote gebracht. Der Empfang, von unserer Freundin Ulrike am Flughafen in Arrecife war fulminant und sehr herzlich, wir wurden mit Willkommenschild und Sekt begrüßt. Auch Samy hatte seinen Spaß weil seine Hundefreundin Nelly mit von der Partie war. Vom Flughafen ging es zur Autovermietung ins Industriegebiet von Playa Honda und von dort aus zu unserer Hexe nach Puerto Calero.

    Alles voller Sand…

    Blitzblank und makellos geputzt von Pedro, dem besten Bootspfleger der Kanaren, lag unser Schiff schön vertäut, genau so, wie wir es verlassen hatten, in seiner Box, zwischen zwei Stegen. Nur im Hafen, direkt vor uns, hat sich einiges getan, dort ist ein temporärer Beachclub errichtet worden, für den extra über 300 Tonnen Sand angekarrt wurden, und am Wochenende soll basshaltige Technomusik sehr laut aus den Lautsprecherboxen bis tief in die Nacht dröhnen. Da sind wir natürlich nicht so von begeistert und segelnd wollen wir am Freitag die Flucht ergreifen und entweder vor Corralejo ankern oder in die Marina Rubicon flüchten.

    Nun mal weiter im Text… Nach dem Ankommen an Bord schlug uns ein ziemlich schlechter Geruch aus dem Schiffsinneren entgegen, und wir rissen erst mal alle Luken und Fenster auf, um das Boot zu durchlüften. Aber auch abends im Bett trotz voller Durchlüftung roch es irgendwie unangenehm säuerlich und selbst die Bettwäsche hatte nichts vom werbemässigen Lenorduft.

    Früh morgens fing ich gleich an, alle Bilgeabteile im Backbordrumpf zu kontrollieren, und statt Übelriechendem fand ich mal wieder ausgelaufenenes Glykol aus unserer Webasto Warmwasserheizung. Einige Minuten und Flüche später fand ich die Quelle der Undichtigkeitkeit, ein Entlüftungsventil war einmal mehr die undichte Stelle.

    Ich arbeitete mich vom Heck zum Bug durch und in der Schiffsmitte kam mir beim öffnen der Bodenklappe ein übler Geruch entgegen. Der Übeltäter war schnell ausgemacht, eine Sahnetüte war in unserer Lebensmittelvorratsbox, warum auch immer, geplatzt, weitläufig ausgelaufen, die ausglaufene,Sahne hat dann, natürlich, im Laufe der letzten zwei Monate Schimmelkulturen angesetzt. Der Geruch erinnerte uns daran, wie es ist, wenn ein gerade gestilltes Baby, ein sogenanntes “feuchtes Bäuerchen” macht.

    Der Rest des Tages ging mit weiteren Aufräumarbeiten schnell voran, abends sind wir dankbar und sehr gerne der Einladung von Ulrike zum Rouladenessen gefolgt und nach Arrecife gefahren. Ich hatte so einen Heißhunger, dass ich gleich zwei Rinderrouladen verdrückt habe.
    Zurück an Bord habe ich das eingekaufte Hundefutter in der Backskiste im Cockpit verstauen wollen, und beim Offnen des Deckels kam mir auch von dort eine übler Geruch entgegen. Wir hatten schlicht und einfach ein paar Kilo Kartoffeln und Zwiebeln vor der Abfahrt darin vergessen und die hatten in der sommerlichen Hitze genug Zeit zu faulen. (Wir wolltem auch nur drei Wochen bleiben, nicht zehn Wochen, das hätten die Kartoffeln, denn die waren die Bösen, locker mitgemacht!)
    Bilder zum Bei trag folgen morgen.

  • “Husten, wir haben ein Problem”

    Nachdem ich den letzten Blogeintrag der Capitania auf unserer Website gelesen habe, kann ich mich nicht des Eindrucks erwehren, dass sie etwas spöttisch oder ironisch über meinen tatsächlich vorhandenen  Infekt schreibt. Da fühlt man(n) sich nicht ernst genommen… (Der arme Man(n)!)

    Jedenfalls hat mich in den letzten drei Nächten ein trocken-unproduktiver Reizhusten ganz schön auf Trab gehalten und vom Schlaf und um einige Stunden Schlaf gebracht, tagsüber geht es mir übrigens tiptop. Jetzt inhaliere ich vier mal täglich, nehme schleimlösende Medikamente, trinke Thymiantee und meide alkoholhaltige Erfrischungsgetränke. Und siehe, seit heute kottert die Capitania auch rum, wird sich ja am Ende hoffentlich nicht angesteckt haben, die Arme.

    Eigentlich wollten wir gestern nach Frankfurt fliegen, das haben wir aber wegen der angekündigten, offensichtlich eingetretenen Hitzewelle in Deutschland, Gott sei Dank rechtzeitig umgebucht. Allein die Vorstellung, dass der arme Samy in seiner Hundebox bei der Hitze der letzten Tage in Frankfurt länger auf dem Gepäckwagen steht, hat uns im Vorfeld ganz schön zu schaffen gemacht. Jetzt fliegen wir, wenn es kühler ist.

    Eine von drei Halterungen des Bugkorbs mit neuer Bohrung in der Mitte für das Kabel

    Trotz Megaerkältung bin ich in den letzten Tagen mit den anstehenden Arbeiten am Boot wieder ein Stück weitergekommen. Nachdem wir ja bereits vor einiger Zeit für die neuen Navigationslichter vorverkabelt haben, sind seit heute die Halterungen für die Positionslichter am Bugkorb angeschweißt und die Lampen sogar final montiert. Der Job wurde von David und Wes erledigt und das Ergebnis kann sich, wie ich ich finde, wirklich sehen lassen, tolle Schweißnähte, good job! Wenn alles gut geht, kommt morgen das Hecklicht an unseren Geräteträger dran, die Bugkörbe wieder an ihren angestammten Platz und vielleicht wird auch noch alles zusammen- und am Schaltpanel angeklemmt. Damit wäre schon wieder ein Punkt auf der Liste abgearbeitet.

    Backbord-Navigationslicht

    Am Wochenende wollen wir segeln gehen. An der Stelle möchte ich die, wie ich finde, bedeutende Frage von Martin gerne weitergeben, die er mir gestern gestellt hat: „Kann der Meeresspiegel zerbrechen, wenn man in See sticht?“ Da sollte jeder mal drüber nachdenken, wie wir finden :-)) Wir erklären uns dazu bereit, die Antworten auf die Frage zusammen zu tragen. Jetzt höre ich auf mit dem Schreiben und werde werde mal die Capitania fragen, ob sie einen Thymian- oder Salbeitee will, damit sie bald wieder auf dem Damm ist. (Bäh, wer trinkt denn so was?)

  • Lanzarote News

    Position der Pohlaris heute Abend

    Nachdem bei Pohlaris, dem Kat mit dem Saildriveproblem (wir berichteten), das komplette Getriebe gewechselt wurde, war es gestern für Harald und seine Crew endlich soweit, dass sie die Leinen loswerfen konnten. Als nächstes Ziel stehen die 900 Seemeilen entfernten Kapverden auf dem Programm, von dort aus soll es weiter in die Karibik nach Trinidad gehen. Bei den Windvorhersagen hat die 3er Crew gleich doppelt Glück, sowohl die Windrichtung als auch die Windstärke sind ideal, um nach Südwesten zu fahren, zudem gibt es keine hohen Wellen. Champagnersegeln dürfte für die nächsten Tage angesagt sein. Wir wünschen eine tolle und sichere Überfahrt.

    Glück gehabt!

    Glück im Unglück hatte gestern ein Fahrtensegler ,der mit seinem Aluschiff seit geraumer Zeit hier im Hafen liegt und vergessen hatte, bei seinem abgestellten Leihauto die Handbremse anzuziehen. Unglück deshalb, weil das Auto los rollte, über die Kaikante hinaus und mit dem vorderen Teil auf den Steg kippte. Glück deshalb, weil gerade Hochwasser und der Steg weit oben war, das Auto so nicht weiter auf das Segelschiff kippen konnte. Er hat noch versucht, mit einem Fall das Auto nach oben zu seinem Mast zu sichern, aber dabei wurden die Kotflügel eingedrückt und beinahe eine Saling beschädigt, um die das Fall gewickelt war. Zudem war die Handbremse noch immer nicht angezogen. Ich hab dann mit ihm das Fall klariert und im Auto die Handbremse angezogen. Irgendwann kamen professionelle Berger…

    Gestern war, man muss nur hoch zum Himmel schauen, mal wieder Vollmonddisco bei Jürgen und Marianne, die mitten in einem Gebiet aus erstarrter Lava wohnen. Was für eine einzigartig tolle Kulisse, und so viele super nette Menschen.

    Und last but not least waren wir heute bei der Segelfamilie mit den beiden Kindern zum nachmittäglichen Essen in Playa Blanca eingeladen. Deren Boot wird erstmalig mit einem komplett biozidfreien Antifouling auf Silikonbasis gestrichen. Dazu sind zwei Primer- und zwei Antifoulinganstriche notwendig. Das Prinzip ist so spannend wie simpel. Das Silikon soll eine dem Wasser entsprechende Struktur aufweisen, auf Wasser siedelt sich ja kein Bewuchs an. Der Anstrich soll drei Jahre vor Pocken, Muscheln und allem, was sich an den Rumpf ansetzen will, bewahren. Nach drei Jahren soll man nur eine neue Lage streichen  müssen. Wir sind fasziniert von der Idee und sehr auf das Langzeitergebnis gespannt, wäre doch klasse für uns Segler, wenn dieses giftfreie Prinzip funktionieren würde!

  • Ganz schön was los hier

    The artist himself

    Wir drehen jetzt mal ganz schnell für diesen Beitrag die Zeit um ein paar Tage zurück und befinden uns in der vergangenen Woche, am Donnerstag.

    An dem Wochentag gibt es in Costa Teguise, in der Gaststätte “Number One“, eine Fakir- und Transvestitenshow. Da wir beide Showvarianten vorher noch nicht live gesehen hatten, staunten wir nicht schlecht, was uns da so dargeboten wurde.

    Fakir auf Nägeln

    Beispielsweise stand der Fakir auf einem Scherbenhaufen oder er lag mit nacktem Oberkörper auf denselben schrecklich spitzen Glasscherben, oder auf einem Nagelbrett mit langen, wirklich scharfen Nägeln, die er das Publikum testen lies. Zusätzlich stand noch ein ca. 100-Kilo-Mann auf seinem Rücken. Oder er spielte mit und verschluckte brennende Fackeln, ohne sich zu verbrennen, versteht sich.

    oder Liza Minelli
    Als Tina Turner…

    Die Transvestiten-Show war ebenfalls vom Feinsten mit einer gelungenen Musikauswahl und aufwendig gestalteten Kleidern, man musste schon genau hinschauen, um in dem Outfit einen Mann zu erkennen.

    Noch schöner an diesem Abend aber war, dass wir zahlreiche deutsche Inselbewohner kennengelernt haben, das Treffen war von von Christian und Sabine von der Facebook Gruppe “Montefuego TV” initiiert.

    Freitag früh ging es dann mit Ulrike, Wolfgang, Aisling und Moira zur Weinprobe, zu dem uns bekannten Weingut „Guiguan”, sehr empfehlenswert. Den Freitagabend haben wir uns, was man schon fast als traditionell bezeichnen kann, mit den Teilnehmern der Freitagabendregatta im Upperdeck getroffen. Am Samstag Abend hatten wir Simon und Christiane sowie deren Kinder, Cedric und Miriam zum Abendessen an Bord. Die Familie lebt derzeit als „Projekt“ für zwei Jahre hier auf Lanzarote. Vor fünf Jahren hatten sie für eineinhalb Jahre einen Kat in der Südsee gechartert, von einem Anbieter, der sich auf Langzeitcharter für Blauwassersegler spezialisiert hat. Bei der Variante entfällt die lange Anreise auf eigenem Kiel und man kann direkt in dem beliebten pazifischen Revier losschippern. Die Flotte des Anbieters ist innerhalb von ein paar Jahren, wegen der großen Beliebtheit, von zwei auf mittlerweile 17 Katamarane angewachsen.

    Und noch gar nicht erwähnt haben wir, dass wir eine deutsch/irische Fahrtenseglerfamilie (siehe Teilnehmer der Weinprobe)nun schon mehrfach getroffen und auch viel miteinander unternommen haben. Sie wollen mit ihrer vierjährigen Tochter Cuisla und dem einjährigen Sohn Oisin, auf ihrer Hanse um die Welt segeln (hoffentlich stimmt die Schreibweise der irischen Namen!). Hier auf Lanzarote bereiten sie das Boot für die Atlantiküberfahrt im Rahmen der ARC vor.

    Gestern Abend waren wir dann zu Christiane und Simon nach Hause eingeladen und haben noch eine weitere Seglerfamilie kennengelernt, die mit ihrer Outremer vor ein paar Jahren von Frankreich bis in die Südsee gefahren sind. Es gab viel zu erzählen, zumal Johan, der Familienvater, der neue Racedirektor von „The Ocean Race”, der Nachfolgeregatta des legendären „Volvo Ocean Race“ ist. Das Abendessen war der Knaller, vielen Dank dafür und für Eure Gastfreundschaft.

    Auf Julias Balkon:
    “Es war die Nachtigall…”

    Und Überraschung, Überraschung, gestern Abend stand eine Lady vorm Boot und ließ mich, erstmal erfolglos, raten, woher wir sie kennen. Was für ein netter Zufall, da stand tatsächlich Kiki ( Kirstin), die wir von Workum/ Holland her kannten und die mit ihrem Mann Christian die best erhaltene Contest 34, die ich je gesehen habe, ihr Eigen nennen. Kiki haben wir durch den Süden der Insel geführt, und bei Los Hervideros sind diese Fotos entstanden.

    Also ganz schön was los bei uns, und weil es hier so toll ist und der Wind immer weiter aus Nord ballert, haben wir mit dem Hafenmanagement von Puerto Calero einen Dreimonatsmietvertrag für unsere Hexe, der jetzt noch bis Anfang August läuft, abgeschlossen. Also nix mit viel Segeln, dafür wohnen auf dem Wasser, wunderbar hier.

  • Glücksmomente

    Über den Fischreichtum und die Artenvielfalt in der atlantischen Unterwasserwelt auf Lanzarote haben wir schon öfter berichtet. Doch immer wieder sind wir wie verzaubert , wenn wir mit Maske, Schnorchel und Flossen bestückt in Neptuns Reich eintauchen und die vielfältige maritime Fauna bewundern dürfen. Oft direkt unterm Boot, also sozusagen im heimischen Aquarium, in der kleinen Badebucht gleich nebenan, oder wie heute beim Schnorchelausflug am Riff von Playa Chica in Puerto del Carmen.

    Es war unser erster Ausflug zu dem Tauchspot schlechthin auf Lanzarote. Praktisch alle Tauchsportanbieter, die auf der Insel vertreten sind, bieten Ausflüge zu dem Riff an, das mit zahlreichen Höhlen, drei Wracks, vielen Fischarten, moderaten Wassertiefen vor der Riffkante und einem tiefen blauen Loch, dem sog, “Blue hole” aufwarten kann.

    Auch an dem kleinen Strand, dem Playa Chica, ist einiges los und nach dem Umziehgefummel unter dem Badetuch sind wir bereit, uns in die atlantischen Fluten zu begeben. Unser Ziel sind die nahen Unter-/Überwasserfelsen, nachdem wir uns ein paar Meter vom Strand entfernt haben, sind wir ganz hin und weg, von dem, was es unter Wasser zu sehen gibt.

    Ich versuche mich jetzt mal an einer Aufzählung der Begegnungen und hoffe dabei, keine Fischart vergessen zu haben: Fürst-August-Muräne, eine hier häufig vorkommende Muränenart, besonders der Nachwuchs schwimmt noch auf dem dunklen Fels herum und versteckt sich nicht in Höhlen und Nischen. Der gestreifte Knurrhahn, ihn findet man häufig an Felswänden und auf dem Grund, ebenso den Sägebarsch, wie den Schwarzschwanzbarsch, der atlantische Mönchfisch kommt an Riffen und auch im Hafen vor. Massenhaft in Schwärmen findet man den Bastard Grunzet, die Geißbrasse, die Brandbrasse, den Schermesserfisch, die Goldstrieme und den Bermuda Blaufisch, daneben haben wir heute den bunten Meerpfau, den europäischen Papageienfisch und den braunen Kugelfisch bestaunen dürfen. Zum Schluss haben wir noch zwei gut getarnte Weißaugenbutte im Meeressand versteckt, gesehen. Da unsere kleine Unterwasserkamera zur Zeit wegen defektem Gehäuse leider nicht einsatzbereit ist, empfehlen wir folgenden Link, bei dem man alle, beim 15-minütigen Schnorchelausflug gesichteten Fischarten, in Bild und in Farbe anschauen kann: https://www.diving-canary-islands.com/tauchen-auf-den-kanaren/fischlexikon/knochenfische-osteichthyes/

  • Der längste Tag des Lebens

    Der letzte Blogbeitrag ist jetzt leider schon ein paar Tage her, das liegt daran, dass wir seit Mittwoch mit Ute und Wolfgang langjährige Freunde aus der Heimat an Bord haben, und jeden Tag ein recht strammes Ausflugsprogramm auf der Tagesordnung steht: Der Inselsüden mit Puerto del Carmen und Arrecife, der Inselwesten mit den Salinen und El Golfo, der Kaktusgarten, die Windsurfstrände vor Arrieta, der Strand von Playa Honda und ein Abstecher nach Tías. Sportliche Aktivitäten, wie Tauchen mit kompletter Ausrüstung, Schnorcheln und ein Spaziergang um, bzw. in den Vulkan, Caldera de los Cuervos (auf Deutsch: der Krater der Raben) und eine Wanderung nach Playa Quemada sind auch noch zu erwähnen.

    Ein viel größeres sportliches Ereignis wirft zudem seit Tagen seinen Schatten im Voraus auf Lanzarote. Der 28. Insel-Ironman findet heute statt, und nachdem wir vor einer Woche mit einem ehemaligen Teilnehmer gesprochen haben, war für uns klar, dass wir als Zuschauer beim Start der Großveranstaltung mit über 1.600 Athleten und Athletinnen dabei sein wollen. Um sechs Uhr klingelte der Wecker, eine viertel Stunde später saßen wir vier im Auto und waren auf dem Weg nach Puerto del Carmen. Nachdem wir dort geparkt hatten, ging es schnellen Schritts zum Strand, wo um sieben Uhr der Start zum Ironman erfolgte.

    Tapfer: 3,8 km durchs wellige Wasser

    Die erste Disziplin bei einem Triathlon ist immer das Schwimmen, bei einem Ironman müssen 3,8 Kilometer im Wasser zurückgelegt werden. Nach dem Startschuss waren auch alle 1.651 SportlerInnen zügig im Meer und schwammen im Kraulstil durch das heute Morgen graue Atlantikwasser, Schwimmer neben Schwimmer, dicht an dicht gedrängt. Das Hauptfeld blieb relativ eng zusammen, ein paar Schwimmer gaben entkräftet bereits nach einigen hundert Metern auf. Zahlreiche Kajaks, Jetskis und Ribs sicherten das Teilnehmerfeld ab. Die ersten zwei Schwimmer erreichten schon nach 50 Minuten die sog. Transitionzone, wo sie sich für die 180 Kilometer Radfahren in Windeseile umziehen, verpflegen und, falls nötig, zur Toilette gehen können.

    Manche schieben die Räder barfuß zur Startlinie

    Das Fahrrad wurde bis zu einer neuen Startlinie im Laufschritt geschoben (zum Teil barfuß, die Schuhe steckten schon auf den Pedalen!) und ab ging es auf die wohl härteste Disziplin, bei der es einige hundert Höhenmeter zu überwinden gilt, bei Gegenwind aus Nord. Die Fahrräder sind durchweg alle Highend Räder in Vollcarbonbauweise, viele Fahrer hatten zur Energieversorgung Verpflegungssnacks und Energieriegel an den Fahrradrahmen angeklebt. Wir haben bei den ersten hundert Radfahrern direkt bei der Starlinie gestanden und sind danach zum Boot zurück.

    Ute und Wolfgang sind wohl ganz vom Ironman-, oder Ironfrau-Virus infiziert, die Stimmung im Publikum ist super, denn die beiden sind noch immer in Puerto del Carmen. Die letzte Disziplin beim Ironman ist das Laufen, absolviert werden muss eine volle Marathondistanz, also 42,195 Kilometer. Wir haben das Sportspektakel den Tag über immer wieder in der Liveübertragung verfolgt. Sehr erfreulich, aus deutscher Sicht ist, dass Christian Kramer zum zweiten Mal in Folge direkt nach dem amtierenden Weltmeister auf einem starken 2. Platz landete. Er benötigte knapp unter 9 Stunden für die drei Disziplinen. Bei den Damen konnte die deutsche Athletin Jenny Schulz einen hervorragenden 4. Platz belegen.

    Unseren Respekt haben alle “Eisenmänner und -frauen”, die zum Teil jahrelang auf so eine “unmenschliche” Anstrengung hin trainieren und den Wettkampf überstehen, allemal.