Autor: Skipper Volker

  • Die Wüste lebt,

    Der Regen kommt, und eine Wasserhose bildet sich

    oder besser gesagt, sie breitet sich aus, zumindest was den Sand angeht, denn der ganze Kat ist sandmäßig rot eingefärbt. Nach dem Regen der letzen Nacht haben sich heute Morgen wieder dunkle Gewitterwolken über Puerto Calero zusammengebraut und über dem Hafen abgeregnet, noch mehr rot an Bord. Wir waren zu dem Zeitpunkt gerade oberhalb des Hafens, mit Samy bei der lokalen Tierärztin, die hier auf Lanzarote nahezu jeder kennt, und die liebevoll „Jane the Vet“ genannt wird, der Hund hat immer noch Ohrenprobleme. Jedenfalls hatten wir von der Höhenlage aus einen guten Blick auf das Naturspektakel und unter einer Wolke bildete sich sogar eine kleine Wasserhose.

    Vor zwei Tagen kamen Peter und Kathrin mit ihrem Schiff Florentine nach Puerto Calero, wenn auch nur leider für eine Nacht. Im letzten Winter haben sich unsere Wege immer wieder gekreuzt, und wir haben mit dem sympathischen Paar jede Menge Zeit verbracht. Jedenfalls ging es nach dem Anlegemanöver und einem Begrüßungsgetränk bei uns an Bord  ins Pub, um dort das Fußballspiel Deutschland-Holland anzuschauen. Horst, Erik und Doris kamen auch noch mit dazu, so standen wir da in einer sehr fröhlichen siebener Runde und sahen uns das Match gegen die holländischen Freunde angeschaut. Das Ergebnis nach 90 Minuten hat uns natürlich noch fröhlicher gestimmt, und dass der Wirt dazu eine fast halbvolle Flasche Limoncello spendiert hat, sorgte für noch mehr Erheiterung. Irgendwann war dann Schluss, schließlich wollten Kathrin und Peter am nächsten Morgen in aller Herrgottsfrühe in Richtung Marokko aufbrechen.

    Doch wir waren schon vor dem Wecker wach, fremd-reisegefiebert, sozusagen. Ein letztes Drücken, ein letztes Winken und dann warfen wir den beiden die Leine los, wünschten Ihnen Farewell und schon verschwand die Florentine hinter der Hafenausfahrt.

    Kurz darauf kam Wes von Catlanza, um unsere Vorsegelrollanlage zu demontieren, die auf der Überfahrt reichlich Metallstaub verloren hatte, was ja kein gutes Zeichen ist. Die Wanten wurden gelockert, der Mast nach vorne mit Gennakerfall und dem Kutterstag gesichert, schon konnte die Rollanlage demontiert werden. Welches Problem genau den Metallabrieb verursacht hat, scheint klar zu sein. Der Vorstagspanner hat an einer zu tief eingedrehten Sicherungsschraube vom Rollmechanismus geschliffen; soweit die Expertenmeinung im Moment.

    Morgen sollten wir mehr dazu hören. Es gibt  noch ein paar andere Baustellen, die Schiebetür zum Salon schleift, auch dort reibt Metall auf Metall; es muss ein neuer Elektrostecker für den Watt& Sea und ebenso ein neuer Plastikstecker für den Hydraulikanschluss besorgt werden. Wir warten auch noch auf ein Signal aus Arrecife, wann die Hexe dort an Land gekrant werden kann, um neue Antifoulingfarbe zu streichen.

     

  • Klasse war’s

    Die Capitania hat es am Ende ihres letzten Blogbeitrags schon passend zusammengefasst, dass wir insgesamt einen super Segeltörn hatten.

    Wenn wir unserer kleinen Atlantikpassage von Gibraltar nach Lanzarote nach dem klassisch-deutschen Schulsystem eine Note geben wollten, wäre es eine glatte Eins. Das aus mehreren Gründen: Der Wind war von Anfang an so konstant, sogar nachts, dass abgesehen von ein paar Knoten mehr oder weniger, man durchaus von perfekten Segelbedingungen sprechen kann. Aber nicht nur der Wind war auf unserer Seite, der Vollmond hatte ebenso seinen Anteil an dem schönen Segelerlebnis. Eine mondhelle Nacht auf dem Meer fühlt sich rein subjektiv für uns sehr positiv an, mehr Horizont, weniger bedrohlich-dunkel erscheinendes Meer, mehr Orientierung.

    Mond an Bord

    Der nächste positive Punkt ist das Boot selbst. Wir haben relativ früh in der Passage ein Reff ins Großsegel gebunden und es auch bis zum Ende drin gelassen. Bei Windgeschwindigkeiten von 18-33 Knoten waren wir damit perfekt unterwegs. Die Windschwankungen haben wir mit der Rollgenua ausgeglichen, mal mehr, mal weniger Vorsegelfläche. Nichts geht schneller, als das Rollvorsegel zu reffen. Das Boot lief dabei wie auf den buchstäblichen Schienen, stoisch-ruhig. Das hat wiederum einen weiteren schönen Effekt, an den man zuerst so garnicht denken mag. Bei einem gut ausbalancierten Schiff verbraucht der Autopilot weniger Strom, da nur kleine Kurskorrekturen notwendig sind. Dadurch gibt es auch weniger Querbeschleunigungen, die Mann/Frau gerne als besonders unangenehm empfindet. Zudem konnten wir wegen des guten Winds ohne großen Aufwand eine schnelle Durchschnittsgeschwindigkeit erreichen.

    Der einzige Negativpunkt der Reise war, falls man denn davon reden will, dass die Delfine sich nicht blicken liessen, und das kennen wir so garnicht. Normalerweise kommen jeden Tag, besonders auf dem Atlantik, ein paar fröhlich-spielende Delfine angeschossen und schwimmen mit unserem Schiff um die Wette.

    Vogel auf Schwert

    Unser tierischer Ausgleich kam aber in Form einer Seeschwalbe, exakt kitschig-romantisch zum Sonnenuntergang, die es sich auf unserem Leeschwert bequem gemacht und trotz Rauschefahrt dort fast eine Stunde verbracht hat. Es hat mich total berührt, dass so ein Vogel, der sonst in den Weiten des Atlantiks seinen Lebensmittelpunkt hat, bei uns an Bord einen Rast- oder Ruheplatz, wenn auch nur für kurze Zeit, gefunden hat.

    Zudem haben wir innerhalb eines vollen Tages gut acht Stunden schlafen können, nicht am Stück, jedoch über den Tag verteilt. Auch kürzere Schlafsequenzen reichen wohl vollständig aus. Dadurch haben wir uns zu keinem Zeitpunkt der Reise gestresst oder ermüdet gefühlt. In den 48 Stunden nach unserer Ankunft in Puerto Calero haben wir das Boot komplett entsalzen, einige Waschmaschinenladungen gewaschen, alles komplett durchgesaugt. Wir waren mit Evelyn und Horst italienisch essen, haben unsere Lieblingsteinbucht besucht, ich habe meine ersten Runden  2019 mit dem Stand-up-Paddle-Board gedreht. Samy hat seinen wohlverdienten Auslauf erhalten, wir hatten einen schönen Pubabend mit Doris und Erik und einiges mehr.

    Samy schnuffelt Landluft

    Wir sind sehr froh, auf Lanzarote zu sein, irgendwie geht von diesem kleinen atlantisch-vulkanischen Eiland ein besonderer Reiz aus.Wir werden sicherlich ein paar Wochen hier auf der Insel verbringen, zumal es ein paar Punkte an Bord zu reparieren gibt, bevor wir weiter segeln können. Dazu jedoch mehr im nächsten Blogbeitrag…

  • Warm

    Die Überschrift sagt eigentlich schon alles. Der Frühling ist hier an der Südspitze von Spanien, bzw. in der englischen Kolonie Gibraltar vollends ausgebrochen, tagsüber klettert die Quecksilbersäule auf behagliche 22 Grad  und nachts muss man (n), oder eher gesagt frau bei kuscheligen 14 Grad Minimaltemperatur nicht mehr frieren. Die Heizung, egal ob Diesel oder elektrisch, bleibt aus. Anderes Thema.

    Park mit Teich in der Abendsonne

    Wer schon mal hier war, weiß, Gibraltar ist, um es kurz zu beschreiben, eine einzige dicht besiedelte Betonwüste, überwiegend gepflastert mit zehn Stockwerk hohen Gebäuden an der Wasserfront und flacheren Häusern in den hinteren nachfolgenden Reihen sowie einer langgezogenen Fußgängerzone mit jeder Menge Duty Free Shops, also Mehrwertsteuer-freien Elektronikläden. Nur die Steilhänge des Bergrückens sind teilweise unbebaut. Wer mit offenen Augen durch das Straßengewirr läuft, bekommt aber auch erstaunlich Hübsches zu sehen: kleine Parks mit Teichen, die Knight-Bastion, englische Telefonzellen und Briefkästen wie aus dem Schulbuch, die Seilbahn hoch zum Affenfelsen und ein ausgeklügeltes Tunnelsystem.

    Chicken WIngs…
    Pulled Pork Brötchen
    … und Gravy

    Für alle Freunde des Biergenusses gibt es natürlich jede Menge wunderbare Pubs, mit einer Inneneinrichtung, wie man sie sonst nur in England findet. Etwas Besonderes ist auch der englische Supermarkt “Morrison” für uns, neben einer endlos langen Fleischtheke gibt es ein riesiges “Gravy”-Sortiment, also dunkle braune dickflüssige Bratensaucen, leckere Fastfoodgerichte aus der Tiefkühltheke, eine große Auswahl an indischen Gewürzen und endlos lange Süßwaren- und Chipsregale mit kalorienreichen Versuchungen.

    Aussichten
    alter Kran
    Speicherhäuser

    Gestern sind wir, ich weiß eigentlich garnicht warum, mal durch das angrenzende Industriegebiet gebummelt. Da waren wir noch nie, und wenn doch man genau hinschaut, gibt es auch dort Sehenswertes zu bestaunen. Die alten Lagerhallen zum Beispiel oder der schon fast historische Industriekran, oder die verfallenden Betonstraßenlaternen.

    Aussicht von unserem Liegeplatz

    Eigentlich wollten wir Gibraltar schnell hinter uns lassen, raus auf den Atlantik und rüber nach Lanzarote segeln, doch die Wellenvorhersagen halten uns davon ab. Das Tiefdruckgebiet, das die nächsten Tage Sturm nach Deutschland bringt, hat auf dem Atlantik im Bereich der Biskaya die Wellen mächtig aufgetürmt. Diese Wasserberge wandern jetzt südlich, wir müssten mit 4-5 Meter hohen Wellen von Mittwoch Abend an rechnen. Wollen oder müssen wir uns das wirklich antun? Die Antwort fällt ebenso knapp, wie eindeutig aus…

    Der Affenfelsen

    Neuer geplanter Abfahrtstag ist der Samstag, alle Wettermodelle sehen bisher verheißungsvoll aus, ist noch ein paar Tage bis dorthin und daher mit einer gewissen Unsicherheit verbunden. Bis dahin genießen wir die Annehmlichkeiten derQueensway Quay Marina. Immerhin haben wir von unserem Liegeplatz aus eine super Aussicht auf den Berg, oder besser gesagt „The Rock“, wie der Fels auch liebevoll genannt wird.

  • Samba

    Highly decorated

    Alle bewegen sich im Sambaschritt, einige hundert Fuß-, bzw. Tanzgruppen, wie ein Lindwurm zieht sich der Karnevalsumzug durch die gesamte Innenstadt von Cartagena. Vier volle Stunden lang, wiegend zur Sambamusik, rechter Fuß vorwärts, linker Fuß vor, rechter Fuß nach rechts, linker Fuß nach links. Kinder, Eltern, ältere Semester, alle vereint im Sambaschritt, mit glamourösen Kostümen und einer für uns fast übermenschlichen Kondition, ein echter Tanzmarathon.

    Bunte Karnevalshamburger

    Wir schauen uns das bunte Treiben staunend an, gehen zwischendrin in ein Restaurant, um ein paar Tapas zu vertilgen und danach wieder zum Umzugsspektakel.  Die Straßenränder sind gesäumt mit Menschenmassen, Zuschauern, Verwandte und Freunde der Tänzerinnen und Tänzer und Touristen wie wir. Es ist Samstag Abend und die ganze Stadt ist auf den Beinen. Im Restaurant kommen zur Freude der Kellner leicht bekleidetet Tänzerinnen herein, die es schon bis zum Ende geschafft haben, dann verschwinden sie auf der Damentoilette und setzen sich anschließend in Jeans und Pullover zu ihrer Familien an den Tisch. Unsere Freunde aus Holland sind begeistert vom Karneval in Cartagena.

    Der Hafenmeister von Hoorn auf dem Mittelmeer
    Boris an der Pinne

    Tagsüber waren wir ein paar Stündchen segelnd unterwegs und haben die weißen Tücher in den Wind gehalten, stellenweise konnten wir mit guten acht Knoten übers blau-silber schillernde Mittelmeer rauschen und dann war der Wind auch schon wieder weg, nix mehr mit segeln, absolut nada.

    Die Hexe am Anker

    Wir haben uns dann ankernd in die Cala Salitrona verzogen, das klare Wasser und die interessanten Felsformationen mit ihrem Querschnitt durch die Geschichte bewundert. Das Beiboot kam auch erstmals in 2019 zu seiner Geltung, ich bin mit Samy ans Ufer gerudert und durch einen Canyon gestiegen, bis es nicht mehr weiter ging. Von Land aus hatten wir einen schönen Blick auf die am Anker schwojende Hexe, Samy hat sich auf jeden Fall sehr über den Strandspaziergang gefreut.

    Samy chillt mit Sommerschnitt
    Die Cala Cortina mit Bandenden

    Gestern war es soweit, wir haben Samy endlich einen frischen Sommerhaarschnitt verpasst, er fühlt sich sichtlich wohler und kratzt nun nicht mehr im alten, stellenweise verfilzten Winterfell rum. Und weil es so sonnig war, sind wir mit Grill, Strandstühlen, leckerem Essen und der Drohne zur Cala Cortina gewandert, bzw. ein Teil der Bemanning mit dem Auto gefahren.

    Das erste Mal in 2019!

    Im Windschatten war es so schön warm, dass auch erste Schritte ins kühle Nass gewagt wurden. Den Lotusgrill hatten wir mit, bald brutzelten leckere Bratwürste auf dem Grillrost. Mit leicht sonnengeröteten Gesichtern ging es am späten Nachmittag wieder zurück zum Schiff.

    Karnevalsdeko

    Abends sind wir noch einmal zu unserer Lieblingstapasbar in die Altstadt gepilgert, haben den zweiten Gang Tapas sitzen im Tambalache verbracht.

    Morgennebel über Cartagena

    Heute früh hieß es schon wieder Abschied nehmen. Es geht für unsere drei Freunde zurück nach Holland, mit ein paar touristischen Zwischenstops, diesmal auf der westlichen Route über Nordspanien am Atlantik vorbei.

  • Gute Stimmung

    Die Freunde sind da

    Seit gestern sind sie da, über 2.200 Kilometer mit dem Auto liegen hinter ihnen und jetzt feiern wir zusammen ausgelassen unseren zweiten Abend an Bord. Die Rede ist von unseren langjährigen Freunden, dem Winterhafenmeister aus Hoorn, vom WSV Hoorn, nördlich von Amsterdam, die uns für 4-5 Tage hier in Cartagena besuchen. Die Idee, uns zu treffen, ist wohl relativ kurzfristig entstanden, obwohl 24 Stunden Autofahrt auch kein Pappenstiel sind. Wir freuen uns natürlich riesig und entsprechend enthusiastisch fiel das Wiedersehen mit Gre, Kees und Boris aus. Wir kennen uns jetzt mehr als 20 Jahre und haben uns seit zwei Jahren nicht mehr gesehen. Nach einem späten Grill-Abend  haben wir gestern noch ein bisschen die Altstadt von Cartagena unsicher gemacht und ein paar Mal auf unser Wiedersehen angestossen.

    Oliven am Markt

    Heute früh schien die Sonne für unsere holländischen Freunde (und uns) und die Temperaturen kletterten so schnell nach oben, dass wir ein ausgiebiges Frühstück im Cockpit geniessen konnten. Windmäßig war in den frühen Tagesstunden absolut nicht los und darum gingen Gre, Cornelia und ich erstmal zum lokalen Markt, um lecker einzukaufen. Lammkoteletts, Rosenkohl, Oliven und schöne große dunkelrote Erdbeeren wanderten in den mitgebrachten Rucksack.

    Nebel am Hafen

    Leider hat sich zum Nachmittag  hin das Wetter verschlechtert, Seenebel zog auf und ein kühler Wind wehte vom Meer her.

    Den Plan, gemeinsam in eine schöne Badebucht zu gehen, warfen wir schnell über den Haufen und entschieden uns dazu, gemeinsam dem römischen Museum einen Besuch abzustatten. Bilder sprechen hier mehr als Worte, ich glaube, es gibt keinen Ort zwischen Italien und Gibraltar, an dem die alten Römer nicht gewesen sind. Trotzdem beeindruckend, was die italienischen Vorfahren alles so gebaut, respektive architektonisch hinterlassen haben.

    Teatro Romano
    The actors on stage
    Kees und Cornelia auf der Rolltreppe

    Abends fanden die leckeren Lammkoteletts ihren Weg auf den Grill, dazu gab es Bohnen, Rosenkohl und Kartoffelpüree. und ich will mich ja nicht selbst loben, aber es war soooo lecker.

    Die ganze Runde

    Morgen werden wir ein paar Stündchen segeln gehen, abends bummeln wir dann zum großen Karnevalsumzug in die Innenstadt. Den kennen wir von früher her und freuen uns schon jetzt auf die große stundenlange Parade der unzählig vielen Karnevalsgruppen.

  • Schlussendlich

    Nachdem ich im letzten Blogbeitrag die Gesamtereignisse rund um unsere Batteriebank zusammengefasst hatte, will ich in diesem Beitrag auslegen, wie es denn jetzt weiter geht. Am Freitag hat uns Outremer mitgeteilt, dass sie keine Garantie für die defekten Batterien übernehmen werden, weil durch das Reset in der Batterieüberwachung die Historie nicht mehr nachvollziehbar ist. So kann man denken und argumentieren, man bzw. Outremer könnte aber auch kulanter sein, zumal nach den ganzen Problemen der letzten Wochen…

    Aber es muss ja irgendwie weitergehen, heute morgen hat die Capitania bei autosolar.es vier neue AGM-Batterien mit je 250 Amperestunden bestellt, die exakt dieselben Abmessungen wie unsere kaputten Victronbatterien aufweisen. Wir haben dann noch überlegt, die Energiespeicher in Valencia beim Onlinehändler direkt mit einem Mietauto abzuholen, haben uns aber schlussendlich doch dagegen entschieden, weil die Mietautopreise für nur einen Tag viel zu hoch ausfallen und uns zudem von Autosolar versprochen wurde, dass die Batterien bis Mittwoch hier in Cartagena eintreffen sollen. Das ist uns zeitig genug, wir können dann direkt zusammen mit Bernhard den Einbau starten.

    Vielfalt auf dem Segler-Grill

    Gestern war ein besonders schöner Tag. Nachmittags haben wir am wöchentlichen Grillevent mit den anderen Dauerliegern hier im Hafen teilgenommen und dabei zahlreiche andere Segler kennengelernt und einige interessante Geschichten gehört. Jeder brachte sein Grillgut selbst mit, und auf drei Grills wurde kräftig gebruzzelt. Nach dem vergnüglichen nachmittäglichen Grillen sind wir zusammen mit Sven und Michaela der Empfehlung der dänischen Segelfraktion gefolgt, und zu einer kleinen Bodega aufgebrochen, wo ein Flamencoabend stattfinden sollte.

    Das war auch echt die Attraktion schlechthin: Kleine Kneipe, regionales Essen, super liebe Spanier und ein Gitarrist und Sänger in Personalunion mit einer Wahnsinnsstimme, das war dann die Zusammensetzung für eine coole Party. Die Stimmung war top, wir wurden so in den Kreis der singenden und tanzenden Spanier integriert und die Zeit, sie flog nur so dahin. Sowas haben wir noch nie erlebt, muy fantastico!

    Jetzt heißt es einfach abwarten und hoffen.

  • Dauert noch

    Herausfordernd, anspruchsvoll und zugleich seglerisch richtiggehend interessant war der Trip von Denia nach Cartagena, obwohl er mit 100 Seemeilen nicht wirklich lang war. Los ging es erstmal mit kräftigem Schiebewind von hinten mit dem Großsegel im ersten Reff, der uns aber nur drei Seemeilen bis zum Cabo de la Nao treu blieb.

    Die Skyline von Benidorm

    Danach war null Wind, und der Motor musste mit dazugehöriger Geräuschkulisse in seiner Motorkammer für den nötigen Vortrieb sorgen. Zwei Stunden später dreht der Wind genau auf vorne und frischte auf. Cornelia wollte für die Nacht, windgeschützt hinter einem Kap, den Anker werfen und auf die vorhergesagte Winddrehung warten. Ich wollte weiter, kreuzen hoch am Wind.

    Sunset

    (Aus Cornelias Logbuch: Am Ende der Bucht von Benidorm gibt es einen Ankerplatz in 4 – 6 Meter Wassertiefe, der bei dem angesagten Westwind guten Schutz bietet, das ist unser heutiges Etappenziel, da können wir schlafen und „…müssen uns nicht noch eine Nacht um die Ohren hauen…“ (O-Ton Skipper). Nach Benidorm darf der Motor schlafen, wir fangen an zu kreuzen, machen den ersten (und einzigen) Schlag aus der Bucht heraus. „Da vorne, in ca. einer halben Stunde, wenden wir.“  … „Wenn noch 8,5 sm bis zum Ziel da stehen, dann wenden wir.“ …  „Schau mal, der Kurs wird immer besser, bei 7 Seemeilen wenden wir.“ … „Wenn wir jetzt auf Kurs Richtung Cartagena gehen, müssen wir gar nicht mehr wenden, und werden ganz schnell!“ (Was geb ich auf mein Geschwätz von vorhin!)

    Geschwindigkeitsrausch in der Nacht

    Aus Zickzacksegeln gegen den Wind wurde ein Anliegerkurs, der uns auf direktem Weg nach Cartagena führte. Nur der Wind war dabei so wenig konstant, dass wir alle paar Minuten das Vorsegel bei auffrischendem Wind ein- und bei nachlassendem wieder ausreffen mussten. Das ging im Prinzip die ganze Nacht so, zudem wurde oftmals das Schiff so schnell, dass es regelrechte Bocksprünge durch die kabbelige See vollführte und dass sich Kaskaden von Meerwasser an den Salonfenstern brachen. An Schlaf war dabei nicht zu denken.

    Alarm

    Mitten an der Nacht schrillte auf einmal der Batteriealarm los und am Batteriemonitor konnten wir ablesen, dass unsere Spannung auf unter 24 Volt gesackt ist – absolut leere Batterien! Wie kann das sein, wir haben aus der 440 Amperestunden großen Batteriebank gerade einmal nur 17 Amperestunden entnommen? Nutzt aber nix, die Voltzahl muss erstmal wieder nach oben, damit sich nicht alle Systeme abschalten, also Motoren an. Ladestrom fließt in die Batterien, nach einer Weile machen wir einen neuen Versuch und schalten die Motoren aus. Nach nochmals genau 17 verbrauchten Amperestunden, ca. drei Stunden später, geht der nächste Alarm los. Wieder Unterspannung, zeitgleich schläft der Wind ein, wir entscheiden uns, die restlichen 10 Seemeilen bis Cartagena motorend zu bewältigen. Um 5 Uhr in der Früh sind die Leinen im Hafen fest und wir verziehen uns für ein paar Stunden Schlaf in die Koje.

    Der Batteriemonitor ist völlig verstellt

    Ein sonnig-blauer Himmel und unsere Freunde Beate und Bernhard begrüßen uns um 10 Uhr, wir frühstücken und klönen erstmal gemeinsam, es gibt viel zu erzählen. Ab dem Nachmittag wagen wir uns, zusammen mit Bernhard, an das Batterieproblem heran und führen verschiedene Tests durch. Zudem wird noch der Hafenelektriker involviert und engagiert. Es sieht so aus, als ob die gerade nur ein Jahr alten AGM-Batterien schon kaputt sind, das heißt, sie halten ihre Ladung nicht. Während des Testens mache ich wohl aus Versehen noch einen Totalreset des Batteriemanagementsystems mit der Folge, dass der Batteriemonitor nun nix Verwertbares mehr anzeigt. Nach zwei Tagen unermüdlichen Ausprobierens, Versuchens und Testens sind wir soooooo genervt.

    Cartagena mit Festung im Hintergrund

    Gestern gelang es dann Cornelia, zusammen mit dem Aftersale Service von Outremer, nach stundenlangem Ausprobieren, endlich wieder den Batteriemonitor zum Leben zu erwecken, sodass wir endlich wieder verwertbare Messdaten hatten. Ein letzter Test zusammen mit Outremer, die per Teamviewer auf unser Batteriesystem zugreifen konnten, bestätigten, dass die Batterien definitiv kaputt sind. Jetzt müssen wir mal abwarten, wie die Garantieentscheidung von Outremer aussieht. Wir hoffen für uns das Beste, damit wir  vier neue AGM-Batterien im Internet nach Cartagena liefern lassen können. Wir bleiben also noch ein paar Tage hier.

    Tapas-Speisekarte

    Gestern Abend haben uns Bernhard und Beate zu einem Stadtbummel mit Tapasbarbesuch abgeholt und so dankenswerter Weise für eine willkommene Abwechslung gesorgt. Wir haben Bekanntes gekostet und Neues ausprobiert. Zu Cartagena schreiben wir beim nächsten Mal noch ein bisschen mehr, zum Wetter jetzt. Das ist eigentlich ganz schön, tagsüber werden es 15 Grad, nachts wird es meist einstellig. Aus dem Wind raus und in der Sonne sitzend fühlt es sich schon jetzt wohlig warm an. Nur mit Wolken und im Nordwind stehend merkt man, dass der mediterrane Winter noch seine kühlen Finger ausstreckt.

    Heute morgen hat die AidaMare im Hafen festgemacht, eine deutsche Lautsprecherstimme beschreibt den Passagieren die Stadt und scheucht uns aus dem Bett. Sie ist in der Mitte einer neuntägigen Kreuzfahrt von Mallorca über Lissabon und Barcelona zurück nach Palma de Mallorca. Schöne Strecke, aber noch kühl in der Jahreszeit!

  • So ein Ärger…

    Samy im Seniorengalopp

    Sand wird am Strand vom Wind vorangetrieben, wirbelt durch die Luft und sorgt dafür, dass unser mittäglicher Strandbummel diesmal nach ein paar Minuten vorzeitig beendet wird. Sand in der Nase, Sand im Mund, Sand in den Augen, das reicht. Die Sonne lacht dazu bei einem Mix mit Wolken und blauen Himmel, großartige Lichtverhältnisse, nicht nur für Fotobegeisterte.

    leckender Anschluss am Heizungslüfter

    Wir und das Schiff sind abfahrbereit, haben wir zumindest bis gestern noch gedacht, nach dem Durchzug der Starkwindfront sollte es morgen in Richtung Spanien gehen. Doch daraus wird mal wieder nix aufgrund neuerlich austretendem Glykol von der Heizung, diesmal auf der Backbordseite, und weil Outremer schlichtweg vergessen hat, die Überlaufventile der beiden Dieseltanks und das Entwässerungsventil für die vorderen Backskisten einzubauen. Dabei wurde uns schon vor drei Wochen mitgeteilt, dass der Kat segelklar ist. Ist er aber leider immer noch nicht. Dabei haben wir, um nur mal von der Heizung zu sprechen, ausdrücklich darum gebeten, die gesamte Installation gründlich zu überprüfen, damit wir im Winter sorgenfrei heizen können, Zeit war dafür mehr als genug. „Was für ein Selbstverständnis von Arbeit und Qualität ist das, was hier an den Tag gelegt wird?“ fragen nicht nur wir uns. Wir sind jetzt endgültig genervt, entschuldigende Worte – Fehlanzeige.

    fehlendes Überlaufventil am Überlaufschlauch des Dieseltanks

    Die Krönung dabei ist, dass wir ausdrücklich darauf hingewiesen wurden, für die Hafengebühren selbst aufzukommen und das, obwohl das Schiff ersichtlich noch nicht fertiggestellt war, bzw. immer noch ist. Früher war die Werft diesbezüglich großzügig und unproblematisch. Zufriedene und vom Schiff begeisterte Kunden geht halt anders.

    Schön hingegen ist, dass wir gestern mit Richard und seiner Frau Ann, beides Outremereigner aus Kanada, schön im Marin’Sol lecker zu Abend essen waren. Zudem kommen gleich die Crews von dreo Booten zu einem Abendessen zu uns an Bord, da zudem noch netterweise das Essen mitgebracht wird, und wir deshalb nur für die Getränke sorgen werden.

  • Zwischenbericht

    Schreiben könnte ich viel, zum Beispiel davon, welche Probleme mit unserem Schiff uns, abgesehen von der Starkwindvorhersage, noch hier in La Grande Motte halten. Lust dazu habe ich eigentlich keine, denn wir würden viel lieber von tollen Erlebnissen erzählen und nicht von nervigen Defekten, die fast zwei Jahre nach der Bootsübergabe eigentlich keiner mehr erwarten würde. Aber unser Outremerkat ist anscheinend immer wieder für Negativüberraschungen gut.

    Eines von diesen Negativerlebnissen ist, dass die am Montag in Betrieb genommene Entsalzungsanlage gestern gleich an zwei Stellen geleckt hat. Die Anlage war während des zurückliegenden Werftaufenthaltes ausgebaut worden, um ein Leck im Heck abzudichten. Der herbeigerufene Monteur zog die Überwurfschrauben der Zuleitungen nach und jetzt hoffen wir, dass das Problem gelöst ist.

    Sonnenuntergang über LGM

    Heute fand ich dann ausgelaufene Heizungsflüssigkeit in zwei Bilgenabteilungen. Da ich mir anfangs nicht sicher war, um welche Art von Flüssigkeit es sich handelt, und weil man ja als Bootsfahrer darauf konditioniert ist, den Salz- bzw. Süßwassertest zu machen, hab ich gleich meinen Finger darin getaucht und das probiert. Ich kann nun hier mitteilen, dass ich noch nie so was ekelhaft Schmeckendes im Mund hatte. Grund für die Undichtigkeit waren in dem Fall lockere Schlauchschlellen von  den Schlauchverbindern.

    Dazu gibt es noch ein paar, ebenfalls heute entdeckte, Gelcoatprobleme.

    Fazit: Samstag los segeln ist gestrichen. Martin und Susanne freuen sich, dass wir ihnen. noch ein paar Tage länger hier in LGM erhalten bleiben, folglich verbringen wir die Abende zusammen. Und daher gibt es glücklicherweise nicht nur Negatives zu berichten. Ein Highlight am heutigen Tag war, dass uns Raphael das Spleißen von Dyneema (Material, aus dem Schoten und Fallen hergestellt werden) geduldig und anschaulich erklärt hat. Wir sind sehr froh darüber, da dieses Material an vielen Stellen im Riggbereich an Bord verwendet wird und bei Verschleiss ersetzt werden muss.

    Morgen machen Cornelia und Susanne einen Ausflug nach Port du Rhône, um Silvia und Jürgen das Auto zurückzugeben. Das Schiff ist im Decksbereich jetzt komplett poliert, das erfreut mein Auge und am Wochenende sollen die Temperaturen wieder in den zweistelligen Bereich zurück klettern, das ist ja auch etwas Positives.

    In diesem Sinne wünschen wir allen unseren Lesern viele positive Momente und schon jetzt ein schönes Wochenende.

  • Eclipse of the Moon

    Wer hat sie gesehen, die totale Mondfinsternis des rötlich schimmernden Morgenmondes? Um 5:20 Uhr hab ich mich still und leise, ohne die Capitania zu wecken, winterlich warm angezogen, um das Mondspektakel an einem sternenklaren Himmel zu bestaunen. Langsam schob sich der Mond nordwestwärts in den Erdschatten bis zur völligen Mondfinsternis, es dauerte eine ganze Weile bis dahin. Die Finsternis hielt dafür auch eine gute Stunde an, um dann von dem oberen Mondrand aus langsam wieder zu weichen. Cool und kalt gleichzeitig, bei minus 1 Grad Celsius Außentemperatur, auf französisch heißt Mondfinsternis übrigens “Eclipse de Lune“.

    Die Leine fürs Seitenschwert ist kalibriert

    Heute haben wir mit Raphael, dem engagierten Aftersalesmitarbeiter von Outremer, die noch zu erledigenden Punkte auf der To-Do-Liste besprochen und heute Nachmittag, ging es gleich mit dem Abarbeiten los. Cornelia und ich waren währenddessen nicht untätig und haben die neuen Leinen die bei den Seitenschwertern installiert wurden, mit Knoten so kalibriert, dass die Schwerter auf der einen Seite bei Nichtgebrauch hoch genug  aufgewincht, andererseits auf einem Kurs gegen den Wind tief genug abgesenkt werden können.

    Samy hat mit dem ganzen Trubel nichts zu tun…

    Dann haben wir unsere Meerwassentsalzungsanlage wieder in Gebrauch genommen und den rechten Wassertank mit dem kostbaren Nass aufgefüllt – ab jetzt brauchen wir wieder keine Mineralwasserflaschen mehr zu schleppen. Später kam noch der Servicemitarbeiter von Delta Voile vorbei und hat unser Leichtwindsegel zur kleinen Nachbesserung mitgenommen. Es geht also voran an Bord.

    Nur die zukünftige Wettersituation betrachten wir mit Sorge, ab Mittwoch ist ein länger andauernder Wintersturm mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 110 Stundenkilometer aus West bis Nordwest vorhergesagt. Geduld ist gefragt, mal schauen, wann wir hier aus LGM wegkommen.

    50 Knoten Wind…