Autor: Skipper Volker

  • Wir sind bei Euch

    Wo seid Ihr?

    Unsere Gedanken gehen heute raus auf den Atlantik zu Petra, die bereits vorgestern als Crew auf der Magic Star, einer Jeanneau 53 von Barbate/Spanien nach Madeira unterwegs ist, und zu Ralf und Inge-Lore, mit mit ihrer 36 Fuß langen Stahlsegelyacht “Malwieder” nach La Palma/Kanaren unterwegs sind, um von dort aus ihren Törn bis nach Neuseeland zu wagen.

    Mit letzteren hatten wir vor einer Stunde eine gut-verständliche Unterhaltung über die Kurzwellenfrequenz 14.313 Kiloherz, fast 2000 Kilometer entfernt. Wir wünschen allen Dreien eine gute Überfahrt und trotz schwachem umlaufenden Wind viel Freude bei der atlantischen Segelreise.

    Les Embiez

    Wir sind gestern von Porquerolles aus nach Les Embiez aufgebrochen, zu der Insel, die den Erben von Paul Ricard gehört, und die uns bei früheren Besuchen schon ein bisschen an Herz gewachsen ist. Weil sich Hafenverwaltung stur angestellt hat und uns nur einen Liegeplatz an der Mauer der schwelligen Hafeneinfahrt geben wollte, haben wir es vorgezogen  davor zu ankern. Nichts desto trotz sind wir gleich zu der rund sieben Kilometer langen lnselumwanderung aufgebrochen und haben uns an der Pflanzendiversität und den schönen Aussichten aufs Festland und die kleineren Nachbarinseln erfreut. Im Gegensatz zu Porquerolles mit dem üppigen Wald und hoch wachsenden Bäumen, besticht Les Embiez mit seinen überwiegend niedrig wachsenden aber oft immer noch blühenden Bodendeckern und Sträuchern.

    Dornenkrone

    Abends haben wir uns dann vor den Hafen von Le Brusc verholt, weil auf Les Embiez die alte Hafenkneipe im Umbau oder Abriss befindlich ist, wir wissen es nicht exakt. Nur zu ist zu und damit ist auf der Insel tote Hose. In Le Brusc steppt zwar nicht der Bär, aber es gibt ein angenehmes Hafenleben mit Kneipen und gut bewerteten Restaurants. Wir haben im Pinocchio ausgesprochen lecker zu Abend gegessen. Kaum zurück an Bord der Hexe haben wir die hell erleuchteten Masten des Segelkreuzfahrtschiffes “Sea Cloud,“ die nur eine halbe Meile entfernt von uns ankerte, erspäht. Was für ein herrlicher Anblick! Und heute morgen gab es einen kurzen Ausblick auf die drei Masten der (eigentlich hässlichen) Segelyacht „A“.

    Ile Maire vor Marseille

    Jetzt liegen wir nach einem wind- und ereignislosen Motortag auf See in der Bucht vor Carro vor Anker. Morgen sind es noch einmal 47 Seemeilen bis La Grande Motte. Gestern hat uns Outremer darüber in Kenntnis gesetzt, dass der vorgesehene Werfttermin zur Erneuerung des Antirutschbelags aus organisatorischen Gründen um 15 Tage nach hinten verschoben werden muss. Wir müssen trotzdem mit der Hexe nach LGM, zum einem, wegen des angekündigten schweren Mistralsturms ab Montag und weil wir rechtzeitig zu der Hochzeit von Allegra und Christian ab Ende Oktober in Deutschland sein wollen. Morgen geht es früh ankerauf, die Windvorhersage verspricht schon für den Nachmittag die ersten Windkapriolen.

  • Schutzhafen

    Es heult, brummt und kreischt der Sturmwind in den Masten, Wanten und Stagen der umliegenden Yachten. Ein Gratis Hafenkonzert, wenn man so will, vom Hauptakteur des Tages. Die elektronische Nadel des  Windmesser zeigt oft über 30 Knoten an, einzelne Böen bringen es auf über 35 Knoten Wind.

    Sonnenuntergang über dem Hafen

    Gestern früh haben wir uns vom Ankerplatz in den Hafen von Porquerolles verholt. Die Wetterprognosen bis Mittwoch wurden immer ungünstiger und als sich dann zur Sturmvorhersage noch Starkregen dazu gesellte, war die Entscheidung schnell gefallen. Wir können es gut und gerne ein paar Tage ohne Landgang auf dem Schiff aushalten, für Samy sieht das anders aus, der will  natürlich dreimal am Tag an Land geführt werden, wenn es denn da ist. Aber letztendlich ist es auch für uns bei schlechtem Wetter viel komfortabler, im sicheren Hafen zu liegen, ohne aktivierten nächtlichen Ankeralarm seelenruhig durchschlafen zu können.

    Der supernette Hafenchef von Porquerolles hat uns einen bestens geschützten Längseitsliegeplatz im Hafen zugewiesen, mit Klampen auf dem Steg, die auch ein 100 Tonnen schweres Schiff im ärgsten Sturm sicher halten würden. Gestern, einmal im Hafen angekommen, ging es gleich an die Arbeit, denn durch die “Urlaubsegelei” der letzten Woche gab es einen zum Teil sichtbaren Unterhaltsrückstau an Bord. Rostanflug bedeckte so manches Edelstahl, die eine oder andere Gelcoatfläche schimmert nur noch matt und das Schiffsinnere musste mal gründlich entstaubt werden.

    Hier ging es noch gerade

    Am späten Nachmittag war schon viel getan und wir holten seit langem mal wieder die Fahrräder aus der vorderen Backskiste heraus. Porquerolles ist ein Eldorado für Fahrradfahrer, im Ortskern gibt es daher gut und gerne zehn Fahrradverleiher. Wir haben unsere Räder zum Glück dabei, die erste Fahrradtour führte uns raus aus dem Ortskern, am Weingut Perzinsky vorbei,  durch mediterrane Kiefernwälder und die edle Hotelanlage des Mas de Langoustier, bis wir schließlich nach 30-minütiger Fahrt in der schönen Bucht Anse du Parfait angekommen sind.

    La baie des langoustiers

    Auf der anderen Seite der schmalen Landzunge liegt die Bucht Baie du Langoustier, wo wir vor über drei Jahren schon it unserer alten Hexe geankert haben. Für die Rückfahrt haben wir dann einen küstennäheren Weg gewählt und den ein oder anderen hübschen Ankerspot entdeckt, das war ganz schön anstrengend, auf klapprigen Wegen die Hügel hoch, und naja, auch wieder schön runter zu fahren.

    La calanque du Maure, super geschützt bei Ostwind

    Nach eineinhalb Stunden haben wir Samy vom Alleinsein erlöst, uns die Boulekugeln geschnappt und mitten auf dem Dorfplatz, heute ganz allein, ein paar schöne Runden gespielt. Danach gab es noch einen Sundowner mit Appetizer „Panisse“ (eine Spezialität aus Marseille, in Nizza heißt sie Socca), aus Kicherbsenmehl, frittiert, mit einem leichten Tomatencoulis, sehr lecker. An Bord gab es Abendessen mit anschließendem Schwarzweißfilm aus den sechziger Jahren, den Cornelia noch von früher kannte, „Die Gentlemen bitten zur Kasse”

    Regentropfen, die an mein Fenster klopfen

    Heute morgen gingen die Polierarbeiten weiter, bis der Regen einsetzte. Im Moment ist draußen alles grau in grau und außer den großen Fähren hat heute noch kein Schiff den sicheren Hafen von Porquerolles verlassen. Zum Hundespaziergang ziehen wir Ölzeug an…

  • Capraia

    ist eine von sieben Hauptinseln, die das toskanische Archipel bilden, sie befinden sich genau gegenüber der toskanisch-italienischen Küste. Dazu gehören: Elba, die größte und bekannteste Insel des gesamten Archipels, daneben Giglio, die Insel, neben der Kapitän Schettino die Costa Concordia auf Grund gesetzt hat, Montechristo, wo die berühmte Geschichte des dazugehörigen Grafen von Daniel Defoe zu Papier gebracht wurde, Pianosa, die unter Naturschutz steht und von Seglern nur im Notfall angelaufen werden darf, Gorgona und Giannutri, die jeweils nur aus einer Gemeinde bestehen und  Capraia, die Ziegeninsel, auf der wir uns zur Zeit befinden. Daneben gibt es noch einige kleinere überwiegend unbewohnte Inseln. Das gesamte toskanische Archipel umfasst eine Fläche von ca. 60.000 Hektar, die Eilande werden auch die tyrrhenischen Inseln genannt. Dieser Name entspringt einer Legende, wonach die tyrrhenische Venus dem Meer entstieg und dabei ihren Perlenschmuck verlor, der dabei in Splitter zerbrach, diese Splitter wurden zu den heutigen Inseln. Soweit und so schön die Legende, Tatsache ist wohl, dass der kleine Fleck Capraia und die anderen Inseln auch in der Folge von Vulkaneruptionen vor ca. 1 – 3 Millionen Jahren entstanden sind.

    Soweit zum Archipel allgemein, nun zu Capraia im Besonderen. Der Ankergrund vor der Hafeneinfahrt ist nahezu vollständig mit Seegras bewachsen, und unser Anker hat trotz viel Geduld und mehrerer Eingrabungsversuche keinen Halt gefunden. Danach haben wir uns entschlossen nach Ankunft in den Hafen zu verholen. Hier sind wir jetzt seit vorgestern und haben bereits zwei größere Ausflüge zu Fuß unternommen und uns an der reichhaltigen Natur und dem hoch über dem Hafen thronenden alten Ortskern sehr erfreut.

    Im Ort selbst herrscht fast eine gespenstige Stille, die meisten Häuser sind verwaist, da die Saison schlichtweg vorbei ist. In dem Ortsteil am Hafen sind die Kneipen, Restaurants, der Tauchexkursionsanbieter und der Supermarkt noch geöffnet, man hat das Gefühl, dass das Inselleben hier pulsiert und nicht im Oberdorf. Es kommen mal mehr oder weniger Chartersegelschiffe an, die dann den Hafen für eine Nacht bevölkern.

    Wir hatten mit dem Schweizer Ehepaar Benno und Margit das Glück, zwei sehr nette Liegeplatznachbarn für zwei Tage zu haben, die zudem schon die Welt von 2003 – 2006 umsegelt hatten und mit ihren über 80 Lebensjahren über eine unglaubliche körperliche und geistige Konstitution verfügen. Die beiden segeln jetzt noch anspruchsvolle Törns im Mittelmeer und sind beim gemeinsamen Klönschnack ein Quell an Geschichten, sehr schön!

    Eine Quelle des Ärgernisses ist die allabendliche Beschallung durch eine mehr als provinzielle Dorfdisko in der äußeren südöstlichen Hafenecke, die den gesamten Hafen mit ihrer Musik nervt, auch wenn kein Mensch mehr dort ist. irgendwie muss der alternde Besitzer dieses Etablissements ein gestörtes Verhältnis zu den Hafenbewohnern haben. Wir sind jedenfalls von der allabendlichen/allnächtlichen Zwangsbeschallung reichlich genervt und können deswegen den Hafen für ruheliebende Segler leider nicht empfehlen. Wie man als Inselverwaltung so einen Bullshit auf einer sonst so ruhigen und wunderbaren Insel genehmigen kann, ist uns absolut nicht verständlich. (Ich würde sie trotzdem empfehlen, es ist eine wunderbare Insel, Heimat sozusagen, dann muss man eben abends eigene Musik anmachen!)

  • Facettenreich

    Johannes, mit dem SuP unterwegs

    Zum Ausprobieren gab es zahlreiche Gelegenheiten, egal ob beim Zwischenstop oder in der Lacona-Bucht. Immer ging unser neues Stand-Up-Paddleboard, kurz SuP genannt, direkt nach dem Ankern zu Wasser und wurde von Larissa, Johannes, der Capitania oder mir für ausführliche Buchtenerkundungen oder einfach nur zum Spaß genutzt. Die neue Trendsportart ist die am schnellsten wachsende Wassersportart, im Stehen zu paddeln hat  bei uns an Bord nun Einzug gehalten. Zuerst mit schlotternden Knien ums Gleichgewicht bemüht, speziell bei Wind und Wellen, hin und wieder kniend, doch dann fast elegant, waren wir alle auf dem aufblasbaren SuP unterwegs. Mit zunehmender Begeisterung wurde das neue Brett von allen angenommen, selbst Samy fährt mit, wenn man kniet.

    Unterwegs zum Strand mit dem Dinghy

    Wenn die Hexe in einer wunderbaren Bucht  vor Anker liegt, gibt es noch viel mehr Wassersportaktivitäten denen man je nach Gusto nachgehen kann. Ich guck gerne den Fischen zu und kann ewig lang an einer felsigen Küste schnorcheln und die Unterwasserfreunde beobachten, Larissa schwimmt auch mal weite Distanzen zwischen Ankerplatz und Strand, Cornelia dreht mit Vorliebe ihren Runden ums Boot und Johannes hat sich mit dem Windsurfvirus infiziert und bereits am ersten Tag enorme Fortschritte gemacht.

    Lehrer und Schüler

    Wassersport ist so facettenreich, besonders vom ankernden Schiff.

    Mittlerweile sind wir wieder zu zweit allein an Bord. Larissa und Johannes haben gestern den langen  Heimweg angetreten. Wir haben den Tag im Hafen abgewettert und dessen Annehmlichkeiten genossen, weil es fast den ganzen Tag regnet.

    Seit heute, Sonntag Morgen 09:30 Uhr sind wir wieder unterwegs, leider unter Motor, Richtung Livorno.

    Nana und Nico haben ihre eigene Sportart – Tauziehen!
  • Inselrundfahrt, oder Cornelias Wille geschehe.


    Sie wollte, ich wollte nicht unbedingt, der Nachwuchs war indifferent. Schon seit ein paar Tagen liegt mir Cornelia damit im Ohr, dass sie gerne mal das Inselinnere von Elba mit dem Leihwagen erkunden möchte, ein paar Bergdörfer besichtigen, auf den Monte  Calamita, den höchsten Berg von Elba mit der Seilbahn fahren, und in einer Töpferei, wo sie früher schon mal war, nach einer ganz besonderen Kaffeetasse suchen. Ich finde Elba einmalig schön, sogar so schön, dass ich es für irgendwann mal, als einen Zweitwohnsitz durchaus in Betracht ziehen könnte. Aber muss ich dafür unbedingt einen Tag in einem kleinen Fiat Panda rumsitzen und auf den touristisch vollgestopften Inselstraßen rumgurken? Die Frage ist ganz klar mit nein zu beantworten, aber der stete Tropfen aus Cornelias Umstimmungsrepertoire zeigt sein Wirkung. So haben wir uns auf einen halben Autofahrtag geeinigt, nur am Panda ging leider kein Weg vorbei.

    Erstes Ausflugsziel war das historische, am Berg gelegene Capoliveri, das mit einem wunderbaren Rundumblick und einer sehr hübschen Altstadt punkten konnte. Abseits der Piazza Garibaldi, auf der hauptsächlich deutsch gesprochen wird, sind nicht viele Touristen unterwegs in dem kleinen Städtchen, so können wir in Ruhe alles bestaunen und fotografieren.

    Die Buchten des Inselsüdens sind von dort aus ebenso sichtbar, wie Portoferraio im Norden und die höher gelegenen Ortsteile von Porto Azzurro. Das nächste Etappenziel führte uns, einmal fast das gesamte Inselinnere durchquerend nach Marciana Marina und von dort ging es in einigen Serpentinen hoch ins Bergdorf Poggio. Auf der Fahrt dorthin fiel uns einmal mehr auf, wie grün Elba ist.

    Summa summarum muss Man(n) sagen, dass eine Inselrundfahrt mit Leihwagen zum unbedingten Pflichtprogramm gehört. Der zweitägige Hafenaufenthalt in Portoferraio, war den Windvorhersagen geschuldet, die vor einem stürmischen Nordostwind n Verbindung mit Gewitter und Starkregen gewarnt haben. Diesmal trafen die Negativvorhersagen auch zu und ich war in der Nacht vom Montag auf Dienstag nicht der einzige Skipper, der wachend um zwei Uhr nachts an Deck stand und Leinen und Fender kontrolliert hat. Zumindest so lange, bis der Regen mich zurück in Koje zwang.

    Heute präsentiert sich der Himmel und das Meer wieder in einem tadellos strahlenden Blau und wir sind einmal mehr in den Inselsüden aufgebrochen. Nun liegen wir wieder vor Lacona Beach, herrlich!

    Bilder folgen!

  • Starkwind ade

    Der Skipper versucht, dem Hund die Krallen zu feilen…

    Seit dem gestrigen Tag flaut es beständig ab, mit dem nachlassenden Wind steigt der zuvor stark  gesunkene Luftdruck wieder nach oben, fast so weit wie bei einem nordischen Sommerhoch. Nur merklich kühler ist es durch den tagelang anhaltenden Nordwind geworden, besonders in der Nacht. Heute morgen um sieben Uhr waren es kühle elf Grad draußen, die Dieselheizung kam seit Langem mal wieder zu einem Einsatz und wir freuen uns, dass sie tadellos funktioniert.

    Friedliches Ankerfeld

    Tadellos hat auch der Anker in den letzten Tagen gehalten, sich im Starkwindeinsatz bei bis zu 30 Knoten Wind bestens bewährt. Wir hatten reichlich Kette gesteckt, gut und gerne das sechsfache der Wassertiefe, 45 Meter Ankerkette, um genau zu sein. Die Zwölf-Millimeter-Kette wiegt über  drei Kilo pro Meter, der Anker 44 Kilogramm, das hohe Gewicht bringt ausreichend Dämpfung bei einfallenden Böen, sodass wir kein Rucken im Schiff verspüren. Aber uns ist aufgefallen, dass der Katamaran sich immer mal wieder richtungsmäßig anders dreht als der Monohull. Entweder liegt das an der langen Bridle, dem langen Hahnepot, oder schlicht daran, dass wir keinen bewegungsbremsenden Kiel durchs Wasser schleifen. Zusammenfassend würde ich sagen, der Kat bewegt sich bei Winddrehern mehr hin und her als ein Einrumpfer.

    Verlassener Steinbruch

    Heute war endlich mal wieder der Versuch eines Segeltages, mit einem schönen achterlichen Schiebewind konnten wir aus der Lacona-Bucht raus segeln. Der Wind schlief jedoch schnell wieder ein, motorend ging es nach der Umrundung vom Capoliveri nordwärts in Richtung Porto Azzurro. Wir haben dabei zwei überirdische, mittlerweile zerfallene Steinbrüche gesehen, in denen Eisen aus dem Stein gewonnen wurde. Der hohe Eisengehalt im Stein würde auch erklären, warum unserer elektronischer Kompass bei der Kapansteuerung so eine hohe Abweichung zum geplotteten Kurs hatte.

    Bildschöne Buchten südlich von Porto Azzurro laden zum Baden ein

    Bei einem mittäglichen Ankerstop in der wundervollen Cala Nova lernten wir Massimo und seine sehr sympathische, amerikanisch-deutsche Familie kennen, wir ankerten neben deren hübscher X-402. Bei einem gemeinsamen Strandpicknick wurden Seglergeschichten und andere Anekdoten ausgetauscht. Am späten Nachmittag gingen wir ankerauf und liegen jetzt fast genau auf der gleichen Ankerposition wie bei unserem letzten Besuch in Porto Azzurro. Jetzt weht es auch wieder mit guten 16 Knoten und gleich geht die Sonne unter.

    Sunset vor Porto Azzurro

  • Versteckspiel

    Vorhersage für Montag Abend

    Zeitgleich mit dem Durchzug von Sturmtief Knud an Nord- und Ostsee kündigt sich auch im tyrrhenischen Meer eine herbstliche Turbulenz an und lässt uns seit ein paar Tagen sehr gespannt alle möglichen Windvorhersagen beobachten. Jedoch, alle Wettervorhersagequellen sind sich einig, es wird ordentlich zwischen Montag früh und Mittwoch Nachmittag kacheln. Windspitzen von über 70 Stundenkilometern sind vorhergesagt und und so stellt sich bei uns die Frage, Quo Vadis – wohin?

    Heute Mittag schaukeln die Boote friedlich in den Wellen

    Wie schon beschrieben hat Elba alle paar Meilen eine gut geschützte Ankerbucht parat, doch bei wechselnden Windrichtungen wird es schwierig. Der angesagte Sturmwind soll im Laufe seines Herannahens so die Richtung ändern, dass er aus nahezu jeder Himmelsrichtung weht. Los geht es am Montagmorgen mit südlichen Winden, die schnell nach West eindrehen und sich bis Dienstagabend auf nord- bis nordöstliche Richtungen einpendeln. Die stärksten Böen sollen aus dem nördlichen Quadranten kommen, deshalb haben wir uns für die Lacona Bucht im Süden von Elba entschieden, die einen guten Schutz vor West- über Nord- bis Ostwinden bietet. Lediglich nach Süden hin ist die tief eingeschnittene Bucht offen, die wehen heute Nacht, aber noch mit milden 10 – 15 Knoten. Die umliegenden Berge scheinen nicht so hoch zu sein, dass man vor Fallwinden keine Angst haben muss.

    Vorhin haben wir einen Erkundungsgang an Land gemacht, um auszuloten, wo wir auch abends sicher mit dem Dinghy anlanden können, um mit Samy eine Runde zu drehen. Frische Lebensmittel haben wir in heute in aller Frühe in Marciana Marina gebunkert. Der Ankergrund wird in den entsprechenden Revierführern als sehr gut beschrieben, und wir haben extra viel Ankerkette gesteckt. Wir liegen auf 7 Meter Wassertiefe und 45 Meter Kette sind raus.

    Trotzdem ist eine gewisse Anspannung spürbar…

  • Segelbar.

    Über 10 Knoten auf der Logge

    Er war vorhergesagt, er kam auch und wir haben ihn genutzt. Der Wind, der uns in den letzten Tagen hin und wieder an der Nase rumgeführt hat und auf den wir nun mehr als eine Woche gewartet hatten, kam heute, endlich, wie vorhergesagt. Schon früh um 9 Uhr fing es an, aus Südost zu wehen und um 10 Uhr gingen wir ankerauf. Das Großsegel war schnell gesetzt, die Motoren verstummen, langsam nimmt die Hexe Fahrt auf und am Heck gluckert das Meereswasser fröhlich vor sich hin. Gleich kommt noch die Genua dazu und die Logge springt flugs auf 8 Knoten Fahrt. Wir wollen mal wieder in den Inselsüden und dazu Elba entgegen des Uhrzeigersinns umsegeln. Die Capitania programmiert einige Wegepunkte um die Insel rum und gibt die zu segelnden Kurse vor. Der Wind frischt auf, erste Böen erreichen 18 Knoten, unser Kat segelt mit 10 Knoten dahin. Freudige Gesichter an Bord.

    De felsigen Strände um S. Andrea

    Nach dem Passieren von Capo Benefola setzen wir den Kurs auf den westlichsten Zipfel von Elba ab. Plötzlich verfärbt sich in Luv das Wasser scheinbar schwarz, und weiße Schaumkronen kontrastieren damit. Starkwind ist im Anzug, wir rollen die Genua weg und drehen das Schiff in den Wind, alles klar zum Reffen des Großsegels. Keine fünf Minuten später ist das erste Reff eingelegt und selbst damit stürmt der Kat mit fast 10 Knoten dahin. 20 Minuten später heißt “rien ne va plus”, nachdem wir an Marciana Marina vorbeigerauscht sind, schläft der Wind innerhalb weniger Momente komplett ein und dreht dann um 180 Grad. Die Motoren werden zum Leben erweckt, wenn der Wind nicht so will, wie er soll, ist auf Elba der nächste Ankerplatz nie mehr als ein paar Meilen entfernt.

    Der knuffige kleine Badeort

    Ein paar Minuten später liegen wir vorm malerischen schönen Badeort Sant’ Andrea, der Anker hat sich in den sandigen Untergrund eingegraben. Wir baden bei sommerlichen 30 Grad Außentemperatur im azurblauen Meer. Nachmittags gehen wir durch den kleinen Ort, damit Samy zu seinem Gassigehrecht kommt, erklimmen einen schmalen Küstenpfad, der uns in die Höhenlage von Sant’ Andrea führt. Dort genießen wir die Aussicht über das Meer, den Strand und die signifikanten Felsformationen – ein Idyll.

    Marciana Marina im Abendsonnenschein

    Jetzt liegen wir zum wiederholten Male vor unserem Lieblingsort auf Elba vor Anker, Marciana Marina hat es uns angetan. Gleich geht es zum Aperitivo!

  • Das Gewitter kam

    Die Fortanlage mit Leuchtturm

    … wie angekündigt, um 5 Uhr morgens, wegen der umliegenden Berge hat es, wie man so schön sagt, ordentlich im Karton gerumpelt. Die Entfernung zur Hauptgewitterzelle betrug stellenweise weniger als 5 Kilometer, der Donner erfolgte unmittelbar auf die Blitze. Das uns dieses Wetterphänomen so garnicht liegt, haben wir schon öfter geschrieben, daran hat sich Stand gestern auch nix geändert. Wind gab es keinen dazu und auch der Regen fiel sehr moderat aus. Am späteren Morgen klarte es sogar auf und wir konnten mit unserem Beiboot zum gut 2 Kilometer entfernten Portoferraio tuckern. Nur auf den Fährverkehr zum Terminal muss man richtiggehend achtgeben. Stellenweise wechseln sich dort bis zu vier Fähren, die vom italienischen Festland nach Elba schippern, ab.

    Dunkle Wolken kündigen ein neues Gewitter an

    Unser erster Erkundungsgang führte uns durch das historische Zentrum, steil bergauf zu der mittelalterlichen Fortanlage Stella. Dort gibt es zwei Museen, eins zeigt die Residenz, in der Napoleon gelebt hat während seines ersten Exils, das andere ist die mittelalterliche Festung selbst. Beide waren jedoch gerade für die lange Mittagspause von 12-16 geschlossen. Man muss ja nicht alles von innen anschauen… Der Blick von außen, über die Dächer der Stadt, den Hafen, die umliegenden Berge und das gegenüberliegende Fort Falcone ist schlichtweg atemberaubend. Eine neue, aus Westen herannahende dunkel schwarze Gewitterzelle ermahnte uns, schnell aufzubrechen, wenn wir noch mit trockener Haut zum Ankerplatz zurückkommen wollen.

    Elbas Bienen

    Anett hat sich dann mit Cornelia auf einen Hafentag verabredet und ein paar Stunden später lagen die Hexe und Pastis friedlich Heck an Heck im malerischen Stadthafen von Portoferraio. Das Abschiedsabendessen stand an, denn die Pastiscrew will den Wind, der für die kommenden Tage vorhergesagt ist, ausnutzen, um langsam nach Südfrankreich zurück zu schippern. Heute haben sie uns noch mit einem Abschiedsgeschenk überrascht, der Nationalflagge von Elba, die flattert jetzt unter der italienischen Gastlandflagge munter im Wind, dann hieß es mal wieder Abschied zu nehmen und Farewell bis zum nächsten Wiedersehen.

    Pause!

    Wir haben uns an den Aufstieg zum Fort Falcone gemacht. Samy hat bei der Wärme und der Steigung ziemlich gelitten, seine Zunge hing fast auf dem Boden, als wir oben ankamen. Immerhin durfte er ins Fort mit rein, das wohl auch  in beiden Weltkriegen eine wichtige Rolle spielte. Doch viel schöner als der militärische Aspekt sind die weitläufigen Außenanlagen mit ihren Ausblicken und dem schönen Baumbestand. Ein Ort, an dem man wirklich fast vergessen könnte, dass es dort früher kriegerische Auseinandersetzungen gab.

    Eine gut geschützte Bucht

    Zurück an Bord kam bei uns die Crew der “Jackhammer” eine J 121, also eine schnelle Regattayacht, vorbei und beäugte neugierig unseren Kat. Gesprächsstoff, Aufklärungsbedarf über schnelles Katamaransegeln gab es genug und so haben wir uns gleich auf einen Sundownerdrink verabredet. Seefahrt und der Genuss alkoholischer Getränke hat halt eine lange TraditionApropos Tradition: Der gute alte Nelson hat Portoferraio einstmals als sichersten Hafen der Welt bezeichnet. Und er hat damit nicht ganz Unrecht, denn der tief ins Landesinnere eingeschnittene Fjord, an dessen Ende der Hafen liegt, ist bestens gegen Seegang aus allen möglichen Himmelsrichtungen geschützt. Ich kann mir nur vorstellen dass der Wind, der über die westlichen Berggipfel wehen kann, von “negativer” Relevanz sein könnte. Aber im Moment ist es hier eher ruhig.

    Und noch ein paar Impressionen vom Fort Falcone:

  • Achtundvierzig Stunden

    Hafen und Ankerplatz vor Marciana Marina, die Hexe ganz rechts außen

    Vor zwei Tagen haben wir unseren Kurs nach Elba abgesteckt und als ersten Anlaufort Marciana Marina ausgesucht. Das kleine Dorf liegt im Norden von Elba und hat uns sogleich in seinen Bann gezogen. Wir haben uns dazu entschlossen, nicht in den Hafen zu gehen, sondern davor zu ankern, was laut Seekarte auch gestattet ist. Auf acht Meter Wassertiefe fiel der Anker, der sich sogleich in das sandige Meeresbett eingegraben hat. Trotz beider Motoren auf Vollgas zurück bewegte sich die Hexe keinen Zentimeter mehr rückwärts – so kann man sicher und ruhig vor Anker schlafen.

    Der abendliche Marktplatz in MM

    Nach unserer Ankunft ging es mit dem Beiboot gleich in den Ort, wo wir direkt von der Pastis Crew in Empfang genommen wurden und zu einer kleinen Aperitifkneipe aufgebrochen sind, um ein erstes alkoholisches Getränk zu uns zu nehmen. Den beiden war es auch zu verdanken, dass wir nach einem kleinen Ortsrundgang im direkten Anschluss in ein hervorragendes Restaurant auf dem super idyllischen Marktplatz eingefallen sind. Dort hat sich unsere kleine Truppe auf sechs Personen erweitert, wir haben am Abend zuvor, noch in Bastia, das sehr sympathische schweizerische Seglerpaar Jules und Gloria kennengelernt, die mit ihrer Hallberg Rassy für gewöhnlich durch das italienische Mittelmeer inklusive der ganzen Inselwelt schippern. Wir haben geklönt, erzählt, geschnackt und dazu hervorragend gegessen.

    Ein Laden voller verrückter Deko

    Man muss wissen, dass ein normales Abendessen in Italien eigentlich aus vier Gängen besteht. Man startet mit den Antipasti, in der Regel eine kalte Vorspeise. Der zweite Gang, “Primo Piatto” , das können Spaghetti mit allen möglichen Soßen sein, Muscheln, oder andere Meeresfrüchte. Der Secondo ist die eigentliche Hauptspeise, also Fleisch, Fisch oder anderes. Zum Secondo müssen die Beilagen (Contorni) in preislicher Hinsicht apart geordert werden. Der vierte Gang sind dann die süßen Leckereien, die Dolci. Wir 6 haben nur die mittleren zwei Gänge geordert und wurden bestens versorgt. Der Wein floss, Bier gab es ebenfalls zur Genüge und der Abend schritt schnell voran. Cornelia und ich sind noch zu fortgeschrittener Stunde eine letzte Runde mit Samy gegangen. Was für ein toller Abend!

    Haus in Marciana Marina

    Am nächsten Morgen sind wir früh aus den Federn raus und ich mit voller Tauchmontur ab ins 25 Grad warme Mittelmeerwasser. Ich hatte vor einigen Tagen gesehen, dass die Opferanoden von unseren Bronzepropellern total aufgebracht, bzw. schon abgefallen sind. Der Bootsausrüster in Bastia/Korsika hat einen Satz neue Anoden per Express aus dem französischen Mutterland bestellt. Super Service, vielen Dank.

    Kunst im Gehsteig

    Nach 45 Minuten Tauchzeit, war der Austausch erfolgreich abgeschlossen und die große Entsalzungsaktion mit der Süßwasserheckdusche für die gesamte Tauchausrüstung folgte.

    Jetzt auch Hexen-Fans: Gloria und Jules

    Danach hatten wir eine nette Plauderstunde mit Jules und Gloria bei uns an Bord und dann war es an der Zeit für ein spätes Frühstück, Tauchen macht soo hungrig… Nachmittags sind wir mit geliehenem Lastenroller und leerer Tauchflasche zum örtlichen Tauchcenter aufgebrochen, das einige hundert Meter außerhalb von Marciana Marina liegt.

    Eine Ecke schöner…

    Abends gab es ein hervorragendes dreigängiges Abendessen an Bord bei unseren neugewonnenen Schweizer Freunden, die heute zum italienischen Festland zurückgesegelt sind. Cornelia und ich haben noch eine letzte Runde mit Samy durch den wundervollen Ort gedreht.

    … als die andere

    Danach sind wir in Ermangelung von Wind ganze acht Seemeilen weiter motort. Jetzt liegen wir vor Portoferraio, der Inselhauptstadt von Elba, in unmittelbarer Nähe zur “Pastis” vor Anker. Für Morgen soll das ewige Blau des Himmels einem gewittrigen Grau weichen. Elba ist landschaftlich sehr schön, sehr grün, sehr bergig und sehr abwechslungsreich, wir genießen es sehr.

    Zwei Felsen laden Volker zum Tauchen ein
    Die kleine Insel Scoglioletta vor Portoferraio