Autor: Skipper Volker

  • Schluckspecht

    Schneefall bei Heidelberg
    Sonne hinter der französischen Grenze

    Gestern war es soweit, unsere unbeabsichtigt verlängerte Wintersegelpause ging zu Ende und nach einer achteinhalbstündigen Autofahrt, die, abgesehen von ein paar Schneeschauern im badischen Verkehrsraum, ereignislos verlief, standen wir endlich wieder vor unserem Boot. Unser erster Blick galt natürlich dem neuen Antirutschbelag und gleich beim ersten Anbordsteigen war der berühmte Vorher-Nachher-Unterschied mehr als deutlich spürbar. Die Sandkörnung ist jetzt so aggressiv, dass ein unbeabsichtigtes Ausrutschen an Deck eigentlich ausgeschlossen werden kann.

    Wintersonne über der Bucht von Aigues Mortes

    Hellweiß blinkt der neue Decksbelag in der Sonne, denn nach den grauen Tagen in Darmstadt scheint hier im Süden endlich die Sonne von einem superblauen Mittelmeerhimmel. Das Autothermometer zeigte kurz vor der Ankunft wärmende 10 Grad, nicht schlecht. Noch besser als das Wetter war die Einladung der Lunaracrew zum Abendessen. Und Überraschung, nicht nur Martin und seine Frau Susanne waren an Bord ihrer “Lunara“, sondern auch Sylvia und Jürgen von der “Graskarpfen” fanden sich bald ein. Die beiden hatten wir mehr als ein Jahr nicht gesehen und entsprechend groß war die Wiedersehensfreude.

    Heute hat mich eine innere Unruhe irgendwie schon um 6.30 Uhr geweckt und um 8 Uhr hielt mich nichts mehr im Bett. Zuviel galt es zu erledigen, wir wollten noch vom glücklichen Umstand des Mietwagens profitieren. Also ging es mit einer Wasserpumpenzange gleich in die vordere Backskiste, um zwei von den drei großen 13-Kilogramm-Butangasflaschen auszubauen. Einer der Spanngurte zum Fixieren war so korrodiert, dass nur der finale Schnitt mit dem scharfen Messer die Gasflaschen freigab.

    Hundespuren im Sand

    Auch der Dieselvorrat im Steuerbordtank war ziemlich im Keller, ich tanke gerne, wann immer möglich, mit den Reservekanistern von der Autotankstelle, den Dieselkraftstoff ohne Bioquotenpflichtanteil (das ist der teurere Diesel!). Der Vorteil liegt dabei auf der Hand, dieser Diesel der DIN En Norm 590 neigt deutlich weniger zur Algen-, bzw. Bioschlammbildung im Tank als der normale Diesel. Das macht beim Auto nix aus, da das Zeug so schnell verbraucht wird, dass sich keine schädliche Biosuppe bildet. Jedenfalls haben wir 190 Liter in Kanistern rangekarrt und eingefüllt, war auch gleichzeitig ein Krafttraining, gell.

    LGM hat uns wieder

    Die frisch gefüllten Gasflaschen, stehen wieder an ihrem Platz, gesichert mit einem neuen Spanngurt mit Edelstahlschließe!!! Wenn so ein Arbeitstag mal anfängt und die Motivation da ist, macht man weiter. Sechs Stunden lang haben wir Gelcoat poliert, den Salon grundgereinigt, die Eignerkammer komplett gestaubsaugt, die Betten frisch bezogen, und das Leihauto am Flughafen abgegeben.

    Dazu noch ein Wort, wir hatten einen Ford Kuga, Benziner, mit Allradantrieb und Automatikgetriebe. Dieser kleine SUV hat mehr als 10 Liter im Durchschnitt verbraucht und das bei ruhiger Autobahnfahrt, wie “en France” üblich mit 130 km/h. Ich hab das Suv gleich mal in Suf(f) umgemünzt. Mein alter Mercedes Diesel mit Achtzylindermotor, der bald nicht mehr alle Straßen in meiner geliebten Heimatstadt befahren darf, verbraucht bei ruhiger Fahrt nicht mehr als acht Liter im Schnitt. Wo ist der Fortschritt?

    Zum Schluss gehen noch ganz schnell herzlichste Grüße von uns an die Vereinsmitglieder des Segel-Club-Saar und des Yachtclub Saarbrücken, die heute ihren gemeinsamen Jahresempfang feiern, wozu wir ganz viel Spaß und Erfolg aus LGM wünschen.

  • Prost Neujahr!

    Bevor wir jetzt an dieser Stelle der gesamten Familie, all unseren ( Segel)-Freunden und Bloglesern einen guten Start ins neue Jahr 2019 wünschen, will ich erst noch einmal die letzten paar Tage Revue passieren lassen. Wir hatten ein sehr schönes Weihnachtsfest mit unseren Kindern, mit vielen glücklichen und unvergesslichen Momenten. Unsere Bescherung beispielsweise, das traditionelle Familienraclette und viele Stunden, die wir zusammen waren, die uns an die Zeit erinnern, in der die Kinder noch kleiner waren und das tägliche Zusammensein mit ihnen Alltag war.

    An den Tagen nach Weihnachten haben Cornelia und ich unsere neue Kameradrohne ausprobiert und erste Filme mit diesem coolen Fluggerät gemacht. Der Spagat ist jetzt am Anfang noch, die Drohne sicher zu fliegen und gleichzeitig am Handybildschirm, das an die Fernbedienung angeklemmt ist, die Kamera zu steuern und Sonderfunktionen des Quatrokopters abzurufen. Multitaskingfähigkeiten sind gefragt, das klappt mal besser und mal schlechter, wir üben weiter. Bis wir mit der Drohne vom segelnden Schiff aus filmen können, muss noch einiges an Knowhow erworben werden, auch wenn wir bis jetzt crashfrei mit dem Ding unterwegs waren.

    Vor zwei Tagen war für mich Wandertag, wir sind zu viert von Beedenkirchen zur Darmstädter Fischerhütte gewandert. Vorbei ging unser Weg an bekannten Ausflugszielen wie der Kuralpe, den beschaulichen Odenwalddörfern Neutsch und Frankenhausen hinein ins Mühltal, am Ende des Nachmittags standen über 18 gelaufene Kilometer auf dem Handydisplay. Herzlichen Dank an Jörg, Thomas und Christian, dass ich bei diesem tollen Erlebnis dabei sein durfte, auch wen ich gestern einen ordentlichen Muskelkater hatte.

    Silvester habe wir zuhause mit lieben Freunden verbracht und ab Mitternacht das Feuerwerk auf der Mathildenhöhe mit einigen Metern Sicherheitsabstand betrachtet. Jedes Jahr pilgern Menschenmassen dorthin und verpulvern, was der Feuerwerkshandel so her gibt. Das ganze Rumgeballere ist allerdings nicht mein Ding, ich bin nach ein paar Minuten zu Samy in die Wohnung zurück. Der Hund hat tatsächlich die Ruhe weg und reagiert selbst bei Megaböllern, die neben dem Haus explodieren, nicht und bleibt ruhig in seinem Körbchen liegen, oder zernagt seelenruhig das Hundeleckerli (Samy hat seine Chance gewittert und lag auf dem Bett, als Volker in die Wohnung kam!).

    Wann genau es zurück zum Schiff geht, lässt sich, Stand jetzt, nicht so genau vorhersagen, es kann vielleicht noch ein bisschen dauern. So, aber jetzt zum Schluss wünschen wir allen Freunden alles erdenklich Gute zum neuen Jahr, Glück, Gesundheit und Zufriedenheit!

  • Advent Advent

    Der OB neben der Glühweinkönigin

    Nachdem wir in der vergangenen Woche unserem Oberbürgermeister bei seiner Rede zur Eröffnung des Darmstädter Weihnachtsmarktes zugehört, und die Schönheit der diesjährigen Glühweinkönigin bewundert haben, haben wir uns an den Folgetagen so richtig weihnachtlich eingegroovt.

    Nikoläuse, Lichterketten, Weihnachtssterne und anderer vorweihnachtlicher Dekoschmuck wurde aus tiefen Kellerräumen hervorgekramt und an exponierter Stellen in unserer Wohnung drapiert. Doch das war nur der erste Schritt beim Zünden der Vorweihnachtsrakete.

    Für uns…
    … für Larissa
    … für den Friedhof

    Massen von Tannenzweigen wurden besorgt, Stumpenkerzen in der Drogerie gekauft und Wickeldraht im Baummarkt erworben. Vorgestern war es soweit, und in einem mehrstündigen  Arbeitseinsatz habe ich aus dem Material drei komplette Adventskränze gewickelt und dekoriert. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

    Viele Englein

    Gestern haben wir das regenfreie Wetterfenster genutzt und sind zusammen mit Larissa zum kunsthandwerklichen Weihnachtsmarkt nach Altsaarbrücken aufgebrochen, der dort bereits 44 mal, wie üblich am ersten Adventswochenende stattfand. Engel aus Metall und Schwemmholz, weihnachtliche Gestecke, Schickes in Strick, Silber sowie Silberschmuck werden ausgestellt und angeboten. Auch saarländisch-kulinarische Highlights wurden an den Buden im historischen Altsaarbrücker Ortskern präsentiert. Heute Abend treffen wir uns mit unseren Freunden aus der Allee zum alljährlichen Gänse- und Entenessen in der Linzer Stube.

    Viel Neues vom Boot, bzw. von Outremer gibt es nicht, wir haben nur erfahren, dass es einen Schaden am Masttop gibt, der repariert werden muss, nur bei der Garantiefrage gibt es bis jetzt noch keine Einigkeit. Wir sind der Meinung, dass der Schaden durch den Großfallblock entstanden ist, nachdem der Lümmelbeschlag auf dem Atlantik gebrochen war. Lorimar, der Mastenbauer, verneint dies und will die Sache auf uns abwälzen, weil wir das Vorliek des Segels bei der provisorischen Reparatur nicht tief genug festgebunden hätten. Diese Argumentation finden wir sehr fragwürdig, da wir ja aufgrund eines Materialfehlers des Lümmelbeschlages, der zudem bekannt war, zu dieser Notreparatur gezwungen wurden. Wir werden zeitnah berichten. wie diese Sache ausgeht.

  • Abgetakelt

    Im Salon der Hexe fehlen schon die Deckenpaneele.

    Der Winter streckt jetzt seine kühle Hand auch in den Süden Frankreichs aus, mit Tageshöchstwerten von 13 Grad und Dauerregen deutet sich ein Wetterumschwung an. Der Wind weht  aus dem nördlichen Quadranten, die Warmluftzufuhr aus südlicher Richtung ist auf längere Sicht blockiert. Gestern gab es nochmal so etwas wie ein spätsommerliches Intermezzo und Cornelia und ich haben die Neoprenanzüge angezogen und sind übers azurblaue Meer stehend  gepaddelt.

    Seit heute Nacht regnet es und der Himmel ist grau, seit heute Morgen läuft die Webastoheizung, und schickt ihren willkommenen trocken-warmen Luftstrom durchs ganze Schiff.

    Gestern war außerdem ein großer Tag für unsere neuen australischen Freunde, Graham und Anna, sie haben ihren neuen Outremer Katamaran, der auf den schönen Namen „Cara Mia“ getauft wird, erhalten. Susanne von der Lunara hat für uns alle ein 3-Gang-Menü gekocht, in großer Runde haben wir das freudige Ereignis ausgiebig gefeiert. Anschließend sind wir noch mit Tam, einem weiteren Australier und Freund von Anna und Graham, in der lokalen Hafenbar gestrandet und erst in den frühen Morgenstunden mit einem leicht schlingernden Kurs aufs Schiff zurück gekommen.

    Was fehlt denn hier?

    Die Vorbereitungsarbeiten für die anstehenden Lackierung gehen zügig voran. Nach zwei Arbeitstagen, mit zum Teil vier Outremer-Mitarbeitern ist bereits ziemlich viel demontiert und das Deck sieht ungewohnt leer aus – die Bug- und  Heckkörbe, sowie alle Umlenkblöcke, der Scheuerschutz, die Steuerbänke, die Vorschiffswinchen sind abgebaut. Im Inneren des Bootes fehlen überall die Deckenpaneele, und ohne die Relingsstützen mit ihren schützenden Relingsdrähten muss man draußen gut aufpassen, wo man hin läuft.

    Die Rigger bei der Arbeit

    Die Segel sind abgeschlagen, wobei die Rigger, besonders beim Großsegel echt harte Arbeit leisten mussten, über 100 Kilo wiegt das Segel und es wurde trickreich, sozusagen als zusammen geschnürte „Wurst“ mithilfe des Großfalls vom Großbaum aufs Vorschiff verfrachtet. Dort wurde es dann in üblicher Manier zusammengelegt (in Bahnen gefaltet) und anschließend unter Aufbietung aller Kräfte ins Cockpit geschleppt, gerollt, getragen und gezogen.

    über 100 Kilo Segel

    Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern unseres Blogs einen schönen frühwinterlichen Sonntag.

  • Surfing LGM

    Vorgestern war Feiertag, nicht bei den Franzosen, sondern für Martin. Der hatte Geburtstag und das musste natürlich standesgemäß zelebriert werden. Ich sag jetzt auch nicht, wie alt er wird, nur Udo Jürgens sang da irgendwie sowas, dass ab dann das Leben richtig anfängt. Es gab auch ein Gericht, das Martin besonders gern mag, das wir jedoch so nicht kannten und das mir sehr gut geschmeckt hat. Senfeier, das sind hartgekochte Eier, dazu wird apart eine Mehlschwitze mit Senf angerührt, fertig ist die Lauge… Schmeckt klasse und geht schnell, für mich als Fleischliebhaber, da hat der Rest der Runde zugestimmt, kann man das auch mit Tafelspitz zusammen in Kombination essen.

    Gestern waren früh morgens Raphael vom Outremeraftersalesservice und Julienne, der Chef der Lackierhalle an Bord um festzulegen, welche Beschläge, Relingssegmente, Winchen, Cockpitzeltbefestigungen etc. vorm Antirutschbelagspritzen abgebaut werden müssen. Heute morgen kam François, der für den Bereich “Accastillage”, also Decksanbauten und Beschläge verantwortlich ist, um noch einmal die Details zu besprechen. Morgen früh kommt er mit seinen Mannen und beginnt mit den Vorbereitungsarbeiten. Wir werden in den nächsten Tagen immer wieder mal berichten, was an Bord passiert.

    Gestern Mittag ging es mit dem Stand-Up-Paddleboard raus aufs Meer zum Wellenreiten. Die Stürme der letzen acht Tage haben eine schöne Dünung mit coolen Wellen zum Runtersurfen hinterlassen. Da ich das noch nie gemacht habe, habe ich mich auf das Board gekniet und trotzdem haben mich die Wellen das eine oder andere Mal hinunter gespült und ordentlich durchgewirbelt. Der Ziel ist es, heil durch die brechende Brandung, ob kniend oder auf dem Brett liegend zu paddeln und dort draußen auf die richtigen Wellen zu warten, um sich dann aufzustellen und so richtig los zu surfen. Wie oft haben wir den Wellenreitern schon zugeschaut, besonders auf dem Atlantik. Doch Selbermachen ist gar nicht so einfach! Eine Stunde lang habe ich es kniend probiert und ein paar mal bin ich in einem gefühlt „entfesselten Surf“ bis zum Strand zurück gesurft. Coole Geschichte mit Suchtpotenzial.

  • Fließend Wasser

    Fließend Wasser am falschen Ort

    Das sonst so blaue Meer ist schmutzig braun, voll mit Sediment, Sand und Schmutz. Plastikteile, zerrissene Tüten, Einwegflaschen, Kaugummihüllen und dazu allerlei Organisches, vom kleinsten Ast bis zum Baumstamm, schwimmen in der aufgewühlten Brühe. Der gestrige sintflutartige Regen hat die Kanalisation von LGM zum Überlaufen gebracht. Parkplätze, Straßen und Gehwege waren überflutet und wir hatten fließend Wasser aus dem Küchenschrank. Die Silikonabdichtung zwischen Elektrowinch und Kajütaufbau ist wohl nicht so sorgfältig gemacht, wie sie sein sollte und es tropft aus dem Küchenschrank auf die Arbeitsfläche.

    Zwei Tage zuvor haben wir schon eine Undichtigkeit an einer Klampe festgestellt, als ich Regenwasser im Motorraum gefunden habe – nicht erfreulich.

    Nix mit blau so blau!

    Heute sah die Welt und der Himmel schon wieder besser aus,  ein moderater Wind aus Südost schaufelt wärmere Luftmassen heran. Ganz klar Segelwetter, doch die Capitania hat so gar keine Lust, lässt sich aber mir zu Liebe überreden. Leinen los, die Fender weggestaut, noch vor der Hafenausfahrt gleitet das Großsegel im gleichmäßigen Rhythmus der Elektrowinch am Carbonmast nach oben. Noch schnell die Genua ausgerollt und mit einem Windeinfallswinkel von 70 Grad und 15 Knoten wahrem Wind zeigt die Logge gleich sportliche 11 Knoten Fahrt an. Die Altdünung von den vergangenen Sturmtagen und die neue Windsee versetzen den Hexenkat ordentlich in Bewegung- Rock’n’Roll ist angesagt. Gischtfahnen werden vom Bug weggerissen und Wassermassen schießen durch das Trampolin. Wasserfontänen prasseln gegen die Frontscheibe. Cornelias Gesicht spricht Bände, ich bin wie jedesmal überwältigt, wie cool das Schiff segelt. Der Wind frischt auf, wir reffen die Genua, wie es in unserer “Bedienungsanleitung” steht. Kurz danach zeigt der Windmesser 20 Knoten an, höchste Zeit, auch das Großsegel zu reffen. Mit Reff eins und komplett ohne Vorsegel sind wir immer noch mit guten 7,7 – 8,5 Knoten Fahrt unterwegs. Wir probieren, noch höher an den Wind zu gehen, das Schiff segelt so harmonisch ruhig und ausgeglichen mit dem gerefften Großsegel allein. Wieder etwas Neues übers Boot gelernt. Ich rolle ein kleines Stück Vorsegel aus, und im Eiltempo gehts weiter. Dann hebelt uns plötzlich eine besonders große Welle, die wir nicht kommen gesehen haben, aus, Wassermassen ergießen sich übers Boot und fließen sturzbachartig nach hinten, ich schaffe es noch so eben, die Salontüren zu schließen, ehe sich das Wasser über den Cockpitboden verteilt. Was war denn das? Die Capitania ist jetzt noch weniger amused (Samy auch!) und will zurück in den sicheren Hafen. Eine Stunde später passieren wir die Hafeneinfahrt.

    Die Windsurfer finden es wunderbar

    Trotz heftiger Böen legt Cornelia das Schiff souverän an den Steg, dann steht Schiffentsalzung auf dem Programm. Hätte ich nicht schon vor drei Tagen Rosen für die Liebste gekauft (die bei der heutigen Fahrt im Spülbecken stehen mussten, damit sie nicht umfallen), dann würde ich es jetzt tun:-)

  • Ausflugstag

    Hubschrauber über der Bucht

    Heute war mal, und das muss man  erwähnen, ein regen- und sturmfreier Tag, den wir genutzt haben, um ein paar schöne Segelmeilen in der Bucht von La Grande Motte abzuspulen. In netter Begleitung von Martin und Susanne, die auch mal wissen wollten, wie es sich auf einer Outremer segelt.

    Cornelia war seit gestern, mit der hilfreichen Fernunterstützung von Ralf, damit beschäftigt, dass wir wieder Wetterberichte in Form von Gribfiles über unsere Kurzwellenanlage in Verbindung mit dem Paktormodem erhalten können. Das funktioniert folgendermaßen, man schickt eine genau vordefinierte Anfrage per Computer über Mail in einem spezifischen Datenformat über einen Einwahlknotenpunkt, den man selbst bestimmen kann, in unserem Fall, Bern, in der Schweiz. Von dort wird die Anfrage an den Gribfileprovider, wir nutzen Zygrib, weitergeleitet. Zehn Minuten später kommen Daten zurück, Wetterdaten,  die wir in mit unserem Programm öffnen und visualisieren können, wie Wind, Böen, Regen, Wellenhöhe, Gewitterwahrscheinlichkeit, etc.

    Grauer Himmel über LGM in den letzten Tagen

    Seit einiger Zeit war bei uns immer ein Fehler in der Suchanfrage und wir konnten den Datensatz, der uns zugesandt wurde, nicht öffnen. Jetzt holen wir diese Daten direkt bei Zygrib und es funktioniert viel besser. (Wer mehr darüber wissen will, soll mich einfach anschreiben.) Jedenfalls hat das Dreamteam Cornelia und Ralf den Fehler eliminiert und beim heutigen Segelschlag erhielten wir, problemlos und fehlerfrei, unsere angefragten Wetterdatensätze über das besagte Paktormodem. Der Sachverhalt hört sich sicherlich recht kompliziert an, es ist  wirklich nicht einfach für Außenstehende zu verstehen. Für uns ist es jedoch wichtig, dass dieses System der Wetterdatenbeschaffung auf längeren Passagen fehlerfrei funktioniert.

    Mit Code D nach Süden

    Die Segelei heute war sehr schön, es ging mit gemächlichen 3-5 Knoten Wind und unserem bunten Leichtwindsegel los. Im Laufe des Nachmittags drehte der Wind auf die vorhergesagte südöstliche Richtung und frischte auf 10-12 Knoten auf, perfekt Bedingungen für unsere Hexe. Martin hatte seinen Spaß an der Pinne und erfreute sich an dem guten Segeleigenschaften.

    Aigues Mortes by night

    Nach dem Anlegen haben wir die Hexe gründlich vertäut, denn das nächste Sturmtief war angekündigt und hat uns in dieser Stunde erreicht. Den Abend haben wir in fröhlicher Viererrunde in Aigues Mortes verbracht. Es ist immer wieder ein besonderes Ereignis für uns, wenn man durch das mittelalterliche Stadttor und die Festungsanlage in in den historischen Stadtkern spaziert. Wer lecker Essen gehen und Gegrilltes mag, dem mag das „Chez Coco” wärmstens ans Herz gelegt werden. Morgen soll es mal wieder den ganzen Tag regnen und stürmen, grrrrr.

    Wettervorhersage…
  • Getraut

    Das “D” kommt noch…

    Die Braut hat sich getraut, Allegra ist jetzt nicht mehr Großmann, sondern (aus dem) Schneider, die Feier fand in Trier statt mit anschließender Moselfahrt, war wunderschön und anrührend.

    Jetzt sind wir wieder in LGM. Abwartend sozusagen, wann denn nun das Schiff final aus dem Wasser und in die Lackierhalle einrückt. Segeln haben wir für heute und morgen gestrichen, ein Tiefdruckgebiet mit 50 Liter Regen pro Quadratmeter und Wind im oberen 20-Knoten-Bereich zieht über uns weg. Von ruhigem Herbstwetter wie in Darmstadt gibt es hier in Südfrankreich keine Spur.

    Am Sonntag ging es mit dem SUP durch den Hafen

    Ab Mittwoch wollen wir vielleicht für ein paar Tage durch die nähere Umgebung schippern und wieder zurück sein, wenn es hier weitergeht. Der 14-Tage-Wettertrend macht keine Lust auf weite Seereisen und sieht eher aus wie eine Vorhersage im Januar. Die Herbstferien in Frankreich sind rum, und die Bürgersteige hochgeklappt. Durch den kühlen Wind wähnt man sich beim Strandspaziergang mit Wollmütze eher an der heimischen Nordseeküste, denn im Süden Europas.

    Gestern Abend hatten wir eine kleine aber feine Abendgesellschaft bei uns an Bord, unsere französischen Freunde Eric und Nany von dem J-Boot Arunidevi, sowie Martin und Susanne von der Lunara zu Gast. Es gab diesmal, passend zu den Midtermwahlen in den USA, reichlich Rindfleisch in Form von Hamburgern mit allem, was dazugehört, auf dem Lotusgrill und zum krönenden Abschluss einen superleckeren und süßen Schokoladenkuchen.

    Das Deck sieht furchtbar aus

    Anderes Thema – Stare, diese kleinen Zugvögel, die jeder kennt und mag, fallen im Moment, schwarmweise in LGM ein und verschandeln nicht nur die City mit ihren massenweisen Ausscheidungen. Stellenweise werden Böller zum Verjagen eingesetzt. Lieder ist die  Mastspitze der Hexe ebenfalls ein beliebter Anflugort, dementsprechend übel sieht das Schiff allabendlich aus, aber da hilft nur schrubben.

  • Zwei zu null

    Sonnenuntergang in LGM

    Auf-und Wegräumarbeiten halten uns auf Trab und der Donnerstag als Heimreisetag kommt schnell näher. Mit Raphael zusammen, einem der After-Sales-Mitarbeiter von Outremer, erstellen wir noch eine To-Do-Liste für die durchzuführenden Garantiearbeiten an unserem Kat. Viele Punkte sind es nicht mehr und das meiste davon soll gemacht werden, wenn das Schiff ab dem 15. November auf dem Trockenen steht.

    Wir haben unser Cockpitzelt komplett gereinigt, besonders der Mückenschutz war stark verschmutzt, alle innenliegenden Bilgen kontrolliert und entstaubt, Cornelia hat die Lebensmittelschränke ausgeräumt und ausgewaschen, das Beiboot nebst Außenborder wurden entsalzen und verstaut. Ich hoffe, dass sich die letztgenannte Maßnahme  positiv auf die Lebensdauer auswirkt und muss konstatieren, dass unser Schlauchboot sich selbst nach vier Saisons im Mittelmeer noch in einem sehr guten Zustand befindet, obwohl es “nur” aus PVC und nicht Hypalon gefertigt ist. Alle Klebeverbindungen sind bis jetzt noch so, wie sie sein sollen. OK, es hat bis jetzt noch keine Zeit unter tropischer Sonneneinstrahlung verbracht, die ja um ein Vielfaches höher sein soll.

    Den letzten Abend vor der Heimfahrt nach Darmstadt haben wir mit Martin und Susanne auf deren Nautitech 46 verbracht. Beide warten in LGM darauf ,dass noch Garantiejobs an ihrem Boot durchgeführt werden, bevor sie weiter durchs Mittelmeer reisen wollen. (“Es geht de Mensche wie de Leut“)

    Superstimmung im Stadion

    Am Donnerstag sind wir sehr zeitig aufgebrochen, und nach neuneinhalb Stunden gut und wohlbehalten in Darmstadt angekommen. Am Freitag Abend ging es dann mit Axel und Gerhard zum Fluchtlichtspiel, Darmstadt 98 gegen Spielvereinigung Greuther Fürt, ins geliebte  Böllenfalltorstadion. Super Atmosphäre, gutes Spiel der Darmstädter Elf und ein verdienter 2-zu-0-Sieg krönten den Fußballabend. Noch wichtiger, es war der erste Sieg der Lilien seit sechs Spielen. Anschließend haben wir bei unserem Lieblingsgriechen “Kassandra” lecker gegessen und den Heimsieg gefeiert.

    Der herbstliche Platanenhain

    Cornelia hat in früheren Beiträgen schon immer mal wieder ein paar Fotos von der schönen Mathildenhöhe gepostet. Gestern haben wir das zwar kalte aber ruhige Herbstwetter genutzt, um Boule im Platanenhain zu spielen. Kaum angefangen wurden wir von zwei jungen Männern gefragt, ob wir ein Doublette mit ihnen spielen wollen. Das ist jetzt nichts Unanständiges ;-), sondern bezeichnet nur die Spielform bei Boule, wenn zwei Mannschaften gegeneinander spielen. Um es ganz kurz zu machen, wir hatten keine Chance gegen die beiden Cracks und verloren 2:0. Was Kilian und Klaus gut konnten, und woran es uns definitiv mangelt, ist das sogenannte Schießen. D.h, die Kugel in Bogenform so zu werfen, dass die gegnerische Boulekugel getroffen und dadurch weggeschossen wird. Das müssen wir mal üben.

  • Zurück in LGM

    Cornelias persönliches LGM-Wahrzeichen

    44 Seemeilen in fünf Stunden, von Carro bis zur Espiguette, dem Kardinalzeichen, das den südöstlichen Eingang zur Bucht von LGM, bzw nach Port Camarque, der Baie des Aigues Mortes markiert. Das war Flachwassersegeln vom Feinsten, bei ablandigem Wind, mal mit gerefften Segeln, mal unter Vollzeug, bei prallem Sonnenschein und herbstlich kühleren Temperaturen. Am frühen Nachmittag machen wir vor der Capitainerie für eine Nacht fest. Es herrscht ein Treiben auf dem Wasser, vor der Hafeneinfahrt, im Hafen selbst wie zur Hochzeit im Sommer, später erfahren wir, dass in Frankreich die Herbstferien begonnen haben.

    Es ist viel los auf dem Wasser und an Land, alle Restaurants und Bars sind gut bevölkert, berichtet Cornelia nach ihrem Mittagsspaziergang mit Samy. Unser vierbeiniger Freund hat uns in der frühmorgendlichen Dämmerung ganz schön geschockt. Normal ist Samy ja der bravste und ausgeglichenste Hund, den man sich so vorstellen kann, doch an diesem Sonntagmorgen lief irgendwas in seinem Hundehirn nicht ganz rund. Unmittelbar nachdem der Anker oben war, haben wir, etwas unorthodox, auf einem Amwindkurs mit gefierter Großschot das Großsegel gesetzt. Da kam gleich ein bisschen Druck ins Segel, deswegen musste die Elektrowinsch mehr arbeiten und das Großfall hat heftig geknarzt.

    Anschließend ist der Hund völlig erschöpft eingeschlafen

    Ein unangenehmes Geräusch, das den Hund irgendwie in Unruhe versetzt hat, ohne dass wir es bemerkt hätten. Ich schaue irgendwann nach hinten und da steht Samy, bei über 10 Knoten Fahrt auf dem hintersten Ende der Backbordbadeplattform. Ich glaubte meinen Augen kaum und hab ihn schnellstens von dort eingesammelt, während das Schiff weiter voranstürmt. (Er ist sicher auf die Badeplattform gegangen, weil wir von dort aus immer ins Beiboot steigen, er wollte desertieren, nur dass da kein Beiboot mehr war!) Da gab es erstmal ein paar Streicheleinheiten für den Hund und ein Leckerli zur Beruhigung dazu. Nochmal alles gut gegangen! Was lernen wir daraus? Bei den nächsten Segelmanövern wird Samy im Cockpit angeleint, das brauchen wir nicht mehr!

    Sonnenaufgang unter Segeln

    So, noch ein kleines Fazit, nach über sechs Wochen segeln. Weitere 815 Seemeilen liegen in unserem Kielwasser, mit der Outremer zu segeln macht richtig viel Spaß, zumal wenn nix neues kaputt geht, Elba ist wunderschön und im Herbst gibt es im Mittelmeer doch an vielen Tagen Wind, um mit Segeln unterwegs zu sein, aber ohne Dieselmotorstunden geht es dann eben doch nicht. Wir hatten eine richtig gute Zeit…