Kategorie: Leben an Bord

  • Zurück im Frühling Tag 1

    Schneeregen und 2 Grad, am Frankfurter Flughafen

    Die lange Blogpause ist vorbei, wir sind wieder an Bord. Bei Schneeregen und 4 Grad Lufttemperatur in Frankfurt am Flughafen fiel der gestrige Abschied nicht ganz so schwer. Obwohl man ja irgendwie immer etwas vermisst. In unserem Fall, ganz konkret, sind es vor allem die Enkelkinder, an denen wir doch sehr hängen, und die so schnell Fortschritte machen, die man dann, trotz regelmäßiger Videocalls, nicht so im vollen Umfang mitbekommt wie bei den wöchentlichen Besuchen. 

    Abschied von deutscher Kälte

    Ganz toll bei diesem Heimataufenthalt  war, dass die große Enkeltochter. Zoey, eine komplette Woche mit uns verbracht hat, und dass alle unsere Kinder an Ostern bei uns waren. Schöne unvergessliche Tage. Es bleibt ein illusorischer Gedanke, in der Zukunft alles, was uns wichtig ist – Boot, Meer, Reisen, Kinder, Enkelkinder und Mutter – auf einmal beieinander zu haben. In den zurückliegenden neuneinhalb Segeljahren ist uns der Spagat zwischen familiärer Nähe und dem Reisen ganz gut gelungen. Wie so vieles im Leben ein Kompromiss, der zu jedem individuell passen muss. 

    Apropos Frankfurt: Ein Versuch, gestern Abend eine Frankfurter Spezialität zuzubereiten, ist mir leider nicht gelungen. Wer in Frankfurt oder Umgebung schon mal essen war, hat vielleicht Tafelspitz mit Salzkartoffeln und der berühmten Frankfurter Grünen Soße probiert. Die grüne Soße oder Grie Soß, im hessischen Dialekt, besteht aus sieben verschieden Kräutern, die ich hier aufzähle: Petersilie, Kresse, Schnittlauch. Pimpinelle, Borretsch, Sauerampfer, Kerbel.

    Die Kräuter werden ganz fein gehackt,, dazu wird eine Sauce aus saurer Sahne, Naturjoghurt, Senf, Salz und Pfeffer und Eiern, hartgekocht angemischt (Cornelia nimmt nur das rohe Eigelb). Leider habe ich wohl beim Kleinschneiden der Kräuter nicht genug Sorgfalt walten lassen, womit ich dann ein bisschen in Ungnade bei meiner geliebten Frankfurter Capitania gefallen bin. Fleisch war gut, Kartoffeln waren gut, Die Grie Soß ausbaufähig.

    Zurück zur Segelei, der defekte Autopilot hat seine Reise zum Hersteller, Lecombe & Schmitt in Frankreich, gut überstanden und kam repariert zurück. Heute wird er hoffentlich eingebaut. Es gibt noch ein paar kleinere, rein kosmetische Gelcoat- und andere Wartungsarbeiten zu erledigen. 

    Ansonsten wären wir und die Hexe reiseklar, nur der Wind ist es nicht. Auf der atlantischen Tiefdruckautobahn, zwischen Amerika und Europa, ist noch einiges los. Ein Tief reiht sich an das nächste. Das wohlbekannte Azorenhoch ist komplett verdrängt, kein anomales Phänomen im Frühjahr. Wir müssen geduldig sein, was wir im Laufe der Segeljahre ja auch zur Genüge gelernt haben. Jetzt müssen wir versuchen, die Götter des Windes gnädig zu stimmen, mit Trinkritualen, Kerzen in der Kirche anzuzünden oder Neptun zu huldigen. Wir freuen uns schon sehr auf die bevorstehende Segelreise nach Madeira, zu den Azoren und hoffentlich nach Irland.

  • Rückblick auf Teneriffa

    Die Aidas stoßen nicht ganz so viel Dreck in die Luft

    Bevor ich im folgenden Text die Highlights unserer Erlebnisse in Teneriffa beschreibe, komme ich leider nicht umhin, ein paar negative Worte zur Situation im Yachthafen von Santa Cruz abzugeben. Über den Ruß und den Ausstoß der Schiffe haben wir ja schon geschrieben. Dass in den Abgasen der Fähren und Kreuzfahrtschiffe auch Metalle drinnen sind, zeigt sich im Nachhinein an unserem weißen Deck und den Aufbauten. Über das ganze Schiff verteilt, finden sich kleine Rostpunkte, die sich mit dem üblichen Reinigungsmittel nicht beseitigen lassen. Jeder der unzähligen Rostpunkte wurde daher mit einem speziellen Rostlöser betupft, eine Aufgabe, die mich nun schon seit unserer Ankunft auf Lanzarote täglich beschäftigt. Das war daher auch unser letzter Aufenthalt in der Marina Santa Cruz, sowas brauchen wir nicht mehr.

    Doch Schluss jetzt mit der Meckerei, wir haben soviel Schönes auf der großen Insel erlebt, die neben verschiedenen Klimazonen einiges bietet.

    Wusstet Ihr, dass unser letzter Hund, der Samy, aus einem Tierheim von Teneriffa den Weg zu uns gefunden hat? Natürlich sind wir, sobald wir ein Auto hatten, wieder jeden Tag fleißig zum Tierheim gefahren und mit insgesamt sechs Hunden, bei zwei Gassirunden, durch die Gegend spaziert. Das Tierheim ist in Los Realejos und heißt Refugio Internacional de Animales, kurz RIA. Wir unterstützen auch weiterhin gerne ihre Arbeit, und wer weiß, ob wir nicht wieder einen Hund von dort adoptieren werden, sobald wir mal weniger reisen werden.

    Jetzt nenne ich mal, in beliebiger Reihenfolge, die Städte-Highlights auf Teneriffa die wir besucht haben, mit ein paar kleinen Anmerkungen.

    Garachico mit der historischen Altstadt, der schönen Promenade am Meer. Hier findet sich auch die ehemalige Frachtverladestation (direkt gegenüber davon gibt es super leckeres Eis) und der leider verschlossene, kleine Stadtpark.

    La Laguna, die Stadt der großen Fiugängerzone, den besonderen Restaurants, wie beispielsweise das „Casa del Mago“, in dem wir mit dem „mhhmmm“ gar nicht mehr aufhören konnten,  und den historischen Bauten aus dem 18. Jahrhundert, dem Kloster, sowie einigen weiteren kulinarischen Höhepunkten die man am besten googeln kann.

    Candelaria, mit seiner wunderschönen Basilika und den Stadtstränden.

    Puerto de la Cruz hat ein bunte Innenstadt, mit kleinen Fischerhäusern, dem alten Hafen und viele Geschäfte, sowie ein Restaurant unter deutscher Leitung mit sehr guter deutscher Küche, das „Berliner Country Café“.

    Aus dem Museum in Orotava:

    La Orotava, dort gibt es eine tolle große Altstadt mit einem eintrittsfreien Museum, dem Museo de Artesanía Iberoamericano, und einem wunderbaren Restaurant, mit außergewöhnlicher Küche, das „Tasca Villera“.

    Callao Salvaje, ein Touristenort im Süden der Insel, mit ansprechenden Cocktailbars und dem hervorragenden deutschen Restaurant „Little Germany“.

    Natürlich darf auch ein Rundgang in Playa de las Americas, dem Haupttouristenort, nicht fehlen. Es gibt dort schöne weiße Strände, eine große Promenade, mit zahlreichen Restaurants, Bars, Malls, Souvenirläden, und einem riesigen Hard Rock Café.

    Abades ist ein kleiner Ort im Südosten von Teneriffa und beherbergt eine leerstehende Geisterstadt. Diese Geisterstadt war eine geplante Quarantänestation für Lepra-Kranke auf den Kanaren, aber als sie fertiggestellt war, war diese schreckliche Krankheit besiegt. Zudem hat der Ort zwei idyllische und brandungsfreie Sandstrände. Dort wurden wir bei einem kleinen italienischen Restaurant, dem „Buena Vista“, kulinarisch verwöhnt.

    Güimar ist ebenfalls ein sehr schöner Ort, eine touristische Attraktion sollen die Pyramiden sein, die aus mörtelfrei geschichteten Steinbrocken erbaut sind. Wir schenken uns den Besuch, schon wegen der völlig überhöhten Eintrittspreise und flanieren lieber auf den schönen Plätzen und besuchen die grandiose Kirche, die dem Apostel Petrus gewidm

    Natürlich ist auch ein Ausflug zur weltberühmten Mascaschlucht ein absolutes Muss, Bilder sagen da mehr als viele Wort, und das Wort Schlucht lässt ja schon vieles erahnen.

    Wir sind viel gelaufen, haben sehr gut gegessen und noch mehr gesehen, Teneriffa ist eine wunderschöne und interessante Insel.

    Mittlerweile ist das Boot wieder auf Lanzarote, und es gibt mal wieder etwas zu reparieren. Der Autopilot mit der neuen Dichtung leckt wieder, der Fehler ist offensichtlich. Auf der Schubstange ist eine mechanische Beschädigung, ein kleiner Kratzer, mit Grat. Dieser beschädigt wiederum die Dichtung am Ende des Hydraulikzylinders. Der Autopilot ist schnell ausgebaut und schon auf dem Weg zu seinem Hersteller, der Firma Lecombe & Schmitt in Frankreich.

    Die ersten Calima-Tage für 2024, mit Temperaturen um die 30 Grad und Sandwolken, liegen auch schon hinter uns. Zur Zeit regnet es so viel, dass Lanzarote wahrscheinlich in den nächsten Wochen zur relativ grünen Insel mutieren wird. Wir sind gespannt, kennen wir dieses Phänomen doch nur aus Erzählungen und Bildern.

    Die anstehenden Ostertage werden wir in Deutschland verbringen, wir freuen uns sehr auf die Zeit mit der Familie.

  • Vielfalt

    Ruß, überall auf dem Boot

    Angekommen, vor sechs Tagen, haben wir nach einer leicht ruppigen jedoch schnellen Überfahrt mit zum Teil überkommenden Seen, unsere Leinen im Yachthafen der Inselhauptstadt von Teneriffa, Santa Cruz, für eine voraussichtlich längere Zeit, festgemacht. Sechs Jahre sind es nun schon her seit wir hier waren. Auf den ersten Blick hat sich im Umfeld des Hafens nicht viel verändert.

    Die anlegenden Fähren und Kreuzfahrtschiffe rußen noch immer immer die Gegend und unser weißes Deck voll, eine Landstrom-Lösung für diese Stinker gibt es anscheinend noch immer nicht. Die super freundliche Chefin des Hafenbüros hat sich sichtlich gefreut, dass die Hexe mal wieder zu Besuch ist, und nach einigen Tagen Warten haben wir endlich, wenn auch zu einem überteuerten Preis, ein Mietauto ergattert.

    Seitdem sind wir auf Erkundungs- und Besuchstour, doch bevor wir davon berichten, gibt es erstmal ein Sicherheitshinweis für Santa Cruz. Hier haben sich leider im Laufe der letzten Jahre ein paar dreiste Geldbeutelräuber niedergelassen. So ist nicht nur der Capitania der Geldbeutel mit unseren Pässen, meinem Führerschein und Debit- und Kreditkarte aus der Handtasche gestohlen worden, sondern auch das überfüllte Polizeirevier war voll mit bestohlenen Touristen. Schade, dass sich diese unschöne Unsitte in der ansonsten so vielseitigen und quirligen Metropole etabliert hat. 

    Die Skyline von Santa Cruz de Tenerife

    Seit dem Vorfall verrammeln und verriegeln wir das Boot bei jeder noch so kurzen Abwesenheit. Nachts sichern wir den Eingang sogar von Innen, da die Eingangstür ohne Aufwand für jeden zu umgehen ist. Mir graut nur jetzt schon vor der Ersatzbeschaffung der geklauten Papiere, da dieser Verwaltungsakt in unserer Heimatstadt, bezüglich Terminvergabe, unnötig verkompliziert wurde.

    Kirche in der Innenstadt

    Aber jetzt mal weg von den negativen Aspekten, hin zu den schönen Erlebnissen. Santa Cruz de Teneriffe ist nicht nur die Inselhauptstadt, mit mehr als 200.000 Einwohnern, sondern bietet auch so eine Vielfalt an unterschiedlichen architektonischen, geschichtlichen, musealen und innerstädtischen Highlights, dass man sich für Tage allein in dieser Stadt rumtreiben kann und immer wieder Neues entdeckt. Alleine die Fussgängerzone, daneben die weit verzweigten Nebenstraßen mit zum Teil einzigartigen Geschäften, wollen mit viel Zeit entdeckt werden.

    Das schöne Opernhaus

    Ebenso zahlreiche Kirchen, die der in Sydney/Australien nachempfundene Oper, die Altstadt, die Markthallen und den bisher noch nicht besuchten riesigen Innenstadtpark, das Cesar-Manrique-Freibad, der Palmengarten, das Naturkundemuseum, man weiß eigentlich garnicht, womit man anfangen oder aufhören soll. Jedenfalls haben wir allein schon in Santa Cruz in den letzten Tagen mehr als 18 Kilometer zu Fuß zurückgelegt. 

    Außerdem haben wir vor zwei Tagen eine ganztägige Autotour durch das Anaga-Gebirge gemacht, das sich auf der Ostseite der Insel von Igueste bis zur Westseite nach Taganana und in den Süden bis hin nach Los Mercedes erstreckt. Unzählige Höhenmeter, viele Kurven und zahlreiche Fotostops, auch einige schöne Orte standen auf dem Plan. Und wie so häufig auf solchen Ausflügen, spielte die schöne Natur mit ihren Gesteinsformationen und der Vegetation die verdiente Hauptrolle. Aufgewühlt vom starken Wind präsentierte sich das Meer, das donnernd und rauschend an die Steilküste und die Strände brandete. 

    Igueste de San Antonio ist das nordöstliche Eingangstor zum Anaga Naturpark, dort beginnt unser Ausflug. Die Straße, von Süden kommend endet in Igueste, der Ort ist eine Sackgasse, wer weiter gehen will, muss wandern. Das haben wir getan, nachdem das Auto geparkt war. Zuerst durch den Barranco, an dem, links und rechts, zahlreiche Kleingärten liegen, dann weiter durch das östliche Ortsende von Igueste, mit der Kirche und dem dazugehörigen Kirchplatz, dann der Steigung folgend zum außerhalb liegenden Friedhof, der Endstation, in mehrerer Hinsicht. Von dort geht es im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr weiter. Nach ein paar besinnlichen Minuten, bei denen wir auch den lokalen Surfhelden am tieferliegenden schwarzen Strand zuschauen konnten, geht es zurück zum Auto. 

    Der Friedhof am Ende des Weges

    Von San Antonio schlängelt sich eine der Zugangsstraßen, langsam aber beständig ansteigend, bis hoch auf 800 Meter über dem Meeresspiegel, zum Zentrum des Anagagebirges. Von dort geht es abwärts bis auf Meeresniveau, zum nächsten Sackgassendorf, nach Benijo. Unterwegs bewundern wir die gewaltige Brandung. Einige  exponierte Fußgängerwege zum Meer sind wegen der hohen Wellen mit Flatterband und provisorischen Holztüren abgesperrt. In Benijo gönnen wir uns eine kurze Mittagspause und ein verspätetes Frühstück.

    Ein Muss ist es quasi, auf dem Rückweg, in Taganana anzuhalten und die Ruhe des Ortskerns, rund um die Kirche, sowie die fast grenzenlose Aussicht aufzunehmen. Das Leben rund um den Ortskern scheint still zu stehen.

    Von Taganana aus geht es weiter auf dem Anaga Höhenkamm in Richtung Süden nach Los Mercedes. Man kommt dabei an Aussichtsstellen vorbei, die einen freien Blick sowohl auf die östliche Atlantikseite, als auch auf die westliche Küste von Teneriffa bieten. Diese Flaschenhals ähnliche Einbuchtung der Insel bietet einen Ausblick für die Götter. 

    Danach erreichen wir mit gut 1.000 Meter Höhe den höchsten Punkt unserer heutigen Tagesreise und befinden uns auf einmal im sogenannten Regenwald der Insel. Das waldige Feuchtgebiet mit seinen verknorzten, verwurzelten und weit verzweigten Bäumen gibt es nur, weil die Luft in dieser Höhe so kühl ist, dass die Feuchtigkeit aus den Wolken kondensiert. Es wachsen neben den Bäumen verschiedene Farnarten, Gräser und Distelgewächse. Nachdem uns ein letzter Regenschauer auf einer weiteren Aussichtsplattform erwischt hat, fahren wir durch das agraische Hauptanbaugebiet aus der bergigen Region hinaus. Der Nieselregen verschwindet, die Temperaturen steigen von 12 Grad wieder auf behagliche 23 Grad, und die Sonne lässt sich ebenfalls wieder blicken.

  • Gegensätze

    Fünf Tage GranCanaria liegen nun hinter uns, wir hatten einen royalen Liegeplatz in Pasito Blanco, einem kleinen Wohnresor mit angegliedertem Hafen.

    Diesmal, entgegen unseres letzten Aufenthalts auf der kugelrunden Ferieninsel, haben wir für zwei Tage ein Auto geliehen  und unzählige Haarnadelkurven, Serpentinen und Höhenmeter, sowie über 400 Kilometer abgespult. Steile schroffe Berge, die an die Alpen erinnern, tiefe Schluchten, bei denen man sich im Grand Canyon wähnt, dazu Kiefernwälder wie in den Rocky Mountains und tiefgrüne Täler mit einer üppigen Vegetation empfangen den Touristen im Landesinnern. 

    Dazu gibt es ein paar historische Dörfer, die je nach Gebiet nicht unterschiedlicher sein könnten. Insgesamt eine abwechslungsreiche Insel, vor allem im Inselinnern. Der Süden mit seinen Steilküsten und der Dünenlandschaft im Osten ist von unzähligen Hotelbauten für den Massentourismus geprägt. Nichts, was uns unbedingt abschreckt, aber ein krasser Gegensatz zu der Schönheit der Natur in der Mitte von Gran Canaria.

    Da dies kein Wort-, sondern ein Bildbeitrag werden soll, hört hier der Text schon auf.

    Beim Roque Nublo, eine beeindruckende Formation

    Kakteen am Weg

    In der Nähe vom Pico de las Nieves

    Auf dem Rückweg von Tejeda

    Am Wegesrand

    In Agüimes

  • Seelen-Striptease

    Eigentlich weiß ich garnicht so recht, an welcher Stelle der Ereignisse der zurückliegenden Wochen ich jetzt  für diesen Blogbeitrag sinnvoll anknüpfen kann. 

    Es fing mit einem unbestimmten Gefühl bei mir an, das natürlich der Capitania aufgefallen ist. Sie kennt mich ja nun schon einer Weile, und mein zögerliches und ausweichendes Verhalten weckte ihre Aufmerksamkeit. Wir waren noch in Deutschland zu dem Zeitpunkt, der Rückflug war gebucht, der Starttermin für die Atlantikpassage gesetzt, und die Hexe lag bekanntermaßen startklar auf Lanzarote. Nur mir fehlte die Motivation, schon seit Tagen spürte ich keine Lust auf den Rückflug und das bevorstehende Segelabenteuer. Irgendwann offenbarte ich dann meine diffusen Empfindungen gegenüber Cornelia und versuchte alles, was in meinem Kopf vorging, in passende Worte zu fassen: 

    • Der nahende, manchmal schmerzhafte Abschied von den Enkelkindern, 
    • die immer noch außergewöhnlich schlechte Windsituation auf dem Atlantik, die sich auch auf lange Sicht nicht zu ändern schien, 
    • die nur kurze verbleibende Zeit bis in der Karibik bis zum offiziellen Beginn der nächsten Hurrikansaison
    • und last but not least, eine gewisse Reisemüdigkeit. 

    Irgendwie habe ich mit dem, was ich ausdrücken wollte, bei Cornelia offene Türen eingerannt, denn auch bei ihr hat das Verlangen nach dem karibischen Abenteuer nur auf Sparflamme gebrannt. 

    Zumba zum Mitmachen für alle, in Playa Honda

    Damit stand es einstimmig 2:0 gegen die Karibik. Während weiterer Gespräche haben wir uns zunächst für ein alternatives Reiseschema und neue Reiseziele für die Segelsaison 2024 entschieden.

    Der Renntrimaran Maserati, der zahlreiche Rekorde gebrochen hat, steht zum Verkauf. Der Ex- Skipper Giovanni Södini, bekommt vom neuen Hauptsponsor Ferrari einen neuen segelnden Untersatz gesponsort. Das sind auch alternative Reisepläne, aber nicht für uns.

    Das neue Reiseschema bedeutet nichts anderes, als dass wir einfach zwischendrin mal öfter nach Hause fliegen, um Kinder und Enkel zu sehen. Damit das leichter zu bewerkstelligen ist, bleiben wir im europäischen Raum.

    Zu Besuch bei Freunden in La Asamoda, in der Ferne ist Fuerteventura zu sehen

    Etwas präziser: Zuerst steht eine Kanarenrundreise an, bei der wir auf jeden Fal, La Palma anlaufen werden. Ab Mitte Mai stehen dann die Azoren und Irland auf dem Plan. Wir freuen uns ganz besonders auf die Reise durch Irland, da wir das schottische Gegenüber von früheren Segelreisen ganz gut kennen und schätzen gelernt haben.

    Seit heute ist die Hexe auslaufklar, wir haben Lebensmittel für die nächsten Wochen gebunkert, falls es auf den anderen Kanareninseln nix zu Essen gibt 😉 

    Die Kanaren zeigen sich ingesamt noch immer sehr frühlingshaft, mit angenehmen Tagestemperaturen um die 24 Grad, von kühleren Wintertagen kann keine Rede mehr sein. Nur der erhoffte Regen bleibt den Inseln verwehrt und die allgegenwärtige Trockenheit ist weithin sichtbar. Selbst die kleinen, ansonsten immergrünen Büsche oder Bodendecker sind vertrocknet. Es hat jetzt seit 13 Monaten nicht mehr richtig geregnet. 

    Die Wüste lebt, Massen von Sand ziehen über die Kanaren, ein seltenes Phänomen im Winter

    Morgen werfen wir die Leinen los und segeln erstmal in den Süden von Fuerteventura, dann im Laufe der Woche weiter nach Gran Canaria, Teneriffa und schließlich nach La Palma. Von unterwegs werden wir sicherlich den einen oder anderen Blogbeitrag schreiben.

  • Rennfieber

    „Ein Bild (oder auch ein Video) sagt mehr als tausend Worte.“

    Deswegen ist es uns eine besondere Freude, endlich mal wieder, ein neues Hexevideo zu präsentieren.

    Am vergangenen Sonntag ist in Arrecife das RORC Transatlantik Race von Lanzarote nach Grenada in der Karibik gestartet. 

    Hier der Link für Youtube, wir wünschen viel Spaß beim Anschauen!

  • 2 minus 2 = 0?

    Schön gefeiert, an Sylvester

    Seit dem frühen Vormittag heult der Wind in den Masten und Stagen. Die bekannt-vertraute Hafenmusik, die jeder Segler kennt, war in den letzten Tagen komplett verstummt. Absolute Windstille, kein Hauch hat den Atlantik gekräuselt oder gar in Bewegung gebracht, dafür gab es einen makellosen, sattblauen Himmel und spätsommerliche Temperaturen zwischen 24-26 Grad. Und auch das kühle Nass wartet noch mit angenehmen 21 Grad auf und lädt zum Schwimmen ein. 

    Der Passatwind ist weg, dafür Gegenwind aus dem Tiefdruckgebiet

    Aber das Wetter, und mit ihm speziell der Wind, werfen sowieso gerade unsere ambitionierten (Segel-)Pläne wieder einmal komplett über den Haufen. Denn auch wenn es heute ein bisschen weht, hat der Passat aufgrund der großen atlantischen Tiefdrucksysteme und dem zurückgedrängten Azorenhoch seinen Dienst für die nahe Zukunft komplett eingestellt. Es geht sogar noch weiter, in der kommenden Woche wird sich eines dieser Tiefdruckgebiete, zwei weitere atlantische Tiefs einverleiben und sich so weit nach Süden ausdehnen, dass der Kern dieser Wetterbombe knapp über den Kanaren liegen wird, was zu tagelangen südwestlichen Winden führt. 

    Gleichzeitig wird sich jedwede normalerweise vorherrschende nördliche Windströmung zwischen den Kanaren, den Kapverden und weitere 800 Seemeilen in Richtung der Karibik komplett einstellen. Dazu wird es, befeuert von dem Tief, außergewöhnlich hohe Wellen aus nordwestlicher Richtung geben, die dann gegen die südwestliche Windströmung anlaufen. 

    Abfluss und Abflusschlauch

    Der ausbleibende Passatwind ist schon Grund genug , dass wir wohl noch eine längere Zeit auf Lanzarote bleiben werden, hohe Wellen und Gegenwind sind ein weiterer KO-Faktor. Aber an Bord, beziehungsweise am Boot gibt es ja immer was zu tun, jedoch zum Glück nur der normale Unterhalt und keine großen Reparaturen. 

    Die überarbeitete Fallentasche

    Gestern hat Cornelia einen Teil der Steuerbord Fallentasche nachgenäht, unsere Nähmaschine ist ein sehr nützlicher Gegenstand an Bord. Bereits vor einigen Tagen haben wir beim reparierten Autopilot das endlich eingetroffene Hydrauliköl aufgefüllt. Heute waren dann der Abfluss und der Abwasserschlauch unseres Waschbeckens in dem Eignerrumpf dran. Bedingt durch die geringe Neigung und Führung des Schlauches muss hier doch häufiger für einen barrierefreien Durchfluss durch entsprechende Reinigung gesorgt werden. 

    So ganz unglücklich sind wir jetzt nicht, dass sich die Abfahrt noch ein bisschen verschiebt, da es uns ja bekanntermaßen auf unsererLieblingsinsel gut gefällt. 

    Jetzt noch kurz zur Überschrift. Als wir am Flughafen ankamen, hatten wir noch 2 Akkupacks, um unsere Handys und das IPad zu laden. Jedoch bemerkte Cornelia gleich nach dem wir das Gepäck am Schalter der Fluggesellschaft aufgegeben haben, dass sich ein Akkupack im aufgegebenen Gepäck befinden muss. Das ist in sofern schlecht, da Lithium-Ionen-Batterien nur im Handgepäck transportiert werden dürfen, wegen der Gefahr, dass sich diese nützlichen Helfer auch mal selbst entzünden können. Und tatsächlich hat der Sicherheitscheck das Akkupack gefunden und folgerichtig aus dem Gepäck entfernt. Als dann unsere Tasche in Lanzarote ankam, war ein entsprechender schriftlicher Hinweis in der Tasche hinterlassen worden, dass die Akkubank eingezogen worden ist. Der Wert ist so marginal, dass wir es auch nicht zurück fordern können.

    Vier Tage später steigt die Capitania abends mit offenem Rucksack über die Bordleiter, als etwas mit einem lauten Platschen im Wasser landet. Wie sich kurz danach herausstellte, war das die zweite Akkubank. Salzwasser und Batterien vertragen sich garnicht. Am Folgetag habe ich dann einen kleinen Tauchgang eingelegt und die Powerbank aus Umweltgründen geborgen. Zum Glück gibt es seit kurzer Zeit einen gut sortierten Mediamarkt auf Lanzarote der eine Auswahl an Akkupacks hat, bei dem wir den Nullbestand, wieder auffüllen konnten.

    „Olé, olé, Holanda ya se ve“ „Olé, Holland ist schon zu sehen“, so klingt es in dem Lied, mit dem die Heiligen Drei Könige in ganz Spanien begrüßt werden, wenn sie am Mittag des 5. Januars in den Städten eintreffen. Was genau Holland dabei zu tun hat, ist eher geheimnisvoll, fest steht, dass die Drei Könige nach einer langen und abenteuerlichen Reise eintreffen.

    So auch hier auf Lanzarote, in allen Städten und Städtchen gibt es Umzüge mit Wagen, ähnlich unseren Karnevalsumzügen, darauf Kaspar, Melchior und Balthasar, die Bonbons (bei uns „Kamelle“) um sich werfen und die Wunschzettel der Kinder einsammeln. 

    Nach den oft Stunden andauernden Umzügen gehen die Familien nach Hause, dort folgt die eigentliche Bescherung, nicht an Heiligabend wir bei uns. Entweder werden die Geschenke am Abend verteilt, oder die Kinder stellen ihre Schuhe raus, und die Könige haben die Wunschzettel gelesen und die Geschenke in der Nacht verteilt. Böse Kinder allerdings bekommen nur ein Stück Kohle …

    Danach ist auch hier die Weihnachtszeit vorbei, und die Weihnachtsdekoration wird für nächstes Jahr verstaut. Und wahrscheinlich erscheinen in den Regalen der Supermärkte bald die ersten Ostereier.

  • Happy New Year!

    Cornelia hat es schon in den letzten paar Zeilen richtig ausgedrückt, wie froh wir sind,  dass unser Internetauftritt endlich wieder sichtbar und vollständig ist. Das Problem dahinter war, dass unser Provider ein angeblich besseres Gesamtpaket versprochen hat, was sich im Nachhinein als Irrtum rausgestellt hat. Der Umzug ins neue Datenpaket wurde als einfach und unkompliziert beschrieben, was es im eben nicht war, im Gegenteil und so wurde Cornelia und Christian, vor und während der Weihnachtszeit, unendlich viel Arbeit beschert, ein kleines Drama. Bei der Gelegenheit fällt einem sofort der Spruch ein, „never change a running system“, an den wir uns wohl besser gehalten hätten, doch Ende gut alles gut. 

    Das neue Fenster ist eingebaut
    Der neue Code Zero… bei einem kurzen Probeschlag

    Aber nicht nur unsere Website hat uns auf Trab gehalten, sondern einmal mehr unser Frontfenster vom Boot. Denn kaum waren wir am 8. Dezember in Deutschland angekommen, traf auch das lang ersehnte Fenster dort ein. Damit wurde es Zeit für mich, abermals einen Flug nach Lanzarote zu buchen um das wichtige Ersatzteil zu unserem Boot zu bringen, damit das letzte Puzzlestück unseres Reparaturmarathons, eingebaut werden kann. Zum Glück waren gerade zwei Monteure von Outremer, mit entsprechender Fachkompetenz, vor Ort in Lanzarote, die unser Frontfenster einbauen konnten. 

    Damit ist unsere Hexe nun abfahrtklar und bereit für neue Segelabenteuer. Wir sind es auch und sind aus dem winterlich-grauen Deutschland wieder zurück zu unserer Lieblingsinsel geflogen. Jetzt werden wir die letzten Vorbereitungen zur Segelreise in die Karibik abschließen. 

    Schnee auf den Pyrenäen haben wir auf dem Rückflug gesehen

    Leider wehen die Passatwinde noch nicht so wie wir das wollen, es gibt zahlreiche Windlöcher auf dem Atlantik. Aber zum Ende des Vorhersagezeitraums, um den 5.-6. Januar, scheint der flaue Passat ein bisschen an Fahrt aufzunehmen. Daher steht ab jetzt ein Blick auf den Atlantikwind ganz oben auf unserer täglichen Prioritätenliste. Wir freuen uns auf das Ende der langen, fast segelfreien Zeit und sehnen uns sehr nach den endlos langen atlantischen Weiten und nach dem tiefen Blau dieses Ozeans. 

    Ab Mitte nächster Woche sieht es besser aus

    Den Jahreswechsel wollen wir mit Freunden bei uns an Bord feiern, mit einem ausgiebigen Brühefondue, als kulinarischen Höhepunkt.

    Von hier aus geht dann mal ein herzliches Dankeschön an alle unseren Blogleser raus. Euer Feedback und Eure Kommentare sind das berühmte Salz in der Suppe, auf das wir uns auch in 2024 sehr freuen.

    Und nun wünschen wir allen Lesern ein glückliches neues Jahr 2024!

  • Für Leib und Seele

    Ein Gambaspieß für kleine Teufel

    Am letzten Wochenende im November fand auf Lanzarote ein großes Food Festival statt, die „Saborea“. Auf dem Freigelände rund um die Kirche von Teguise, stellten mehr als 90  Aussteller ihre Produkte vor. Laut Schätzungen sollen es Samstag und Sonntag ungefähr 40.000 Besucher gewesen sein, es war ganz schön voll auf dem Markt. Für den Weg dorthin mussten wir, Elke, Petra, Cerstin, Rolf, und ich ganz schön weit draußen parken, weil fast alle Besucher mit dem Wagen ankamen. Eigentlich war das gut so, denn wir hatten zwar nicht gefrühstückt, aber so kamen wir wirklich mit einem Bärenhunger an, und es dauerte nicht lange, bis wir an einem der ersten Stände deren Köstlichkeiten probieren konnten.

    Ein Saucen-Brunnen

    Die Aussteller zeigten Waren aus ganz verschiedenen Bereichen, die Bodegas stellten ihre Weine vor, verschiedene Käsereien boten Proben ihrer Kunst an, und zeigten, wie ihre Käse gemacht werden, Spezialisten für die „Süße Küche“ waren ebenso dabei, man konnte die vegane Küche auf die Probe stellen, oder einfach bei über 40 lokalen Restaurants und Gastro-Hotels ihre Spezialitäten probieren.

    Daneben gab es ein umfangreiches Programm: Verschiedene Küchenchefs, nicht nur aus Lanzarote, sondern auch aus Portugal und sogar von Island, boten Show Cooking an. Es gab Seminare für die Käseproduktion, „Wie wird Wein angebaut und verarbeitet“, Alternativen für die vegane Küche, etc.. Es wurden Vorführungen abgehalten, z.B. wie man am besten welchen Fisch kocht, oder was man beim Fleischkauf beachten sollte.

    „Every Day has a Story“ Foto von Dmytro Schnaider

    Auch das Kulturprogramm kam nicht zu kurz. Für die kleinen Gourmets gab es einen Geschichtenerzähler, eine Talkshow in Verbindung mit den besten Bodegas von Lanzarote. Bei einem Fotografen, der seine Werke auf große Formate gedruckt anbot, wurde unsere Freundin Elke schwach, und erstand ein sehr besonderes Motiv der Insel aus der Höhe fotografiert. Ich hadere noch mit mir, ob ich nicht ebenfalls ein solches Bild erstehen will, die Motive sind schon sehr besonders.

    Das Konzept war unkompliziert: An zahlreichen Stellen rund um die Kirche konnte man Tickets kaufen, für einen Euro pro Ticket, und mit diesen dann an den jeweiligen Ständen bezahlen.

    Einfache, kleine Essen wie kleine Scheiben Brot mit köstlichem Belag zwischen einem und zwei Tickets, ausgefallenere Häppchen mit bestem Rindfleisch, Fisch, Meeresfrüchten eher drei Euro. Ebenfalls drei Tickets brauchte man für ein Glas Wein, gut eingeschenkt, und für zwei weitere Euro konnte man das Glas mitnehmen, entweder nur bis zum nächsten Stand, um dort zu probieren, oder auch zum Mit-nach-Hause-nehmen. Wir haben jetzt drei neue Gläser!

    Wir haben uns jedenfalls den Bauch voll geschlagen, und zum Abschluss bei zwei Bodegas deren Weine probiert, gut dass Rolf, der Biertrinker uns zum Boot zurück gefahren hat.

    Und hier ein paar Fotos, die Cerstin uns zur Verfügung gestellt hat. Danke, Cerstin!

  • Schwarzer Freitag?

    Cornelia war gestern mit Petra, Cerstin und Ulrike auf Shoppingtour, geeint in dem Gedanken, ein paar Schnäppchen zum Black Friday zu ergattern, der neben Halloween auch über den Atlantik rüber geschwappt ist und sich fest im spanischen (Geschäfts)-Kalender etabliert hat.

    Die Spareribs schmecken, und die Currywurst danach weckt Begeisterung

    Währenddessen bereitete ich in Ruhe den traditionellen Champagne Friday vor, den wir gestern mal wieder an Bord der Hexe gefeiert haben. Als Snacks gab es ausgelöste und im Ofen gegarte Spareribteilchen sowie Currywurst nach saarländischer Art, also mit Bratensoße und selbst gemachtem Curryketchup. Unser neuer Freund Jörn, der mit seinem Boot in der Marina Rubicon liegt, hat den Abend mit seiner gut gestimmten Gitarre und einer sehr angenehmen Stimme musikalisch untermalt.

    Farbenfroh und schöner Stand

    In den letzten 14 Tagen haben wir immer mal wieder ein paar Nächte außerhalb des Hafens verbracht und vor den wunderschönen Papagayostränden, die im Südwesten von Lanzarote gelegen sind, geankert. Doch nicht nur das Ankern hat uns erfreut, sondern endlich das zu tun, was der Hexenkat schlichtweg am besten kann, nämlich schön zu segeln. Wir haben nicht nur schön gesegelt, sondern auch unser neues buntes Vorsegel ausprobiert. Das steht wie eine Eins und wird uns hoffentlich noch viel Freude auf den zukünftigen Reisen bereiten. Nicht nur der fehlerfreie Stand des Segels macht Lust auf mehr Seemeilen, gleichermaßen begeistern uns dessen kräftige Farben.

    Und nicht nur an dem Punkt schlägt das Freudenbarometer ungewöhnlich weit nach oben aus. Der teilrevisierte Motor auf der Steuerbordseite lief bei den Testfahrten anstandslos und die Kupplung am Backbordmotor wurde ebenfalls erfolgreich ausgetauscht. Jetzt entfaltet sich der Propeller wieder planmäßig und das sorgt damit nicht unerheblich für entspanntere Anlegemanöver.

    In den letzten Wochen wurden wir alle paar Tage zu einem neuen Liegeplatz im Hafen geschickt, weil unsere eigentliche Liegeplatzreservierung nur bis Ende Oktober ging, mit der defekten Kupplung war das kein Spaß. Seit sechs Tagen haben wir nun einen festen Platz am Katamaran-Steg. 

    Das Regatta-Feld auf dem Weg in die Karibik

    Außerdem können wir uns noch mit einer guten Tat rühmen. Als wir am letzten Wochenende für ein paar Stunden vor den Los Lobos Inseln geankert haben, kam der Anruf, dass ein Schwesterschiff von uns in Gran Canaria dringend ein neues Ruderlager braucht, da das alte versehentlich beim Wiedereinsetzen des Ruders zerstört wurde. Wir haben seit dem Werftaufenthalt ein Ruderlager als Ersatz an Bord. Also sind wir sofort Anker auf gegangen und haben unseren Kurs in Richtung der Marina Rubicon abgesetzt. Währenddessen ist ein Crewmitglied der Outremer 5X „Swan“ zum Flughafen in Gran Canaria geeilt, hat den Abendflieger nach Lanzarote bestiegen und ist nach Arrecife geflogen. Die super hilfsbereite Mitarbeiterin von der Marina Rubicon hat das Ruderlager von uns in Empfang genommen, es nach Arrecife gefahren und dort dem Mitsegler von der Swan in die Hand gedrückt, der dann mit dem nächsten Kanarenflieger wieder zurückgeflogen ist. Am nächsten Tag hat die Mannschaft der Swan das Ruderlager eingesetzt, die Ruderquadranten und den Autopiloten neu fixiert und adjustiert. Nun sind sie unterwegs in die Karibik.

    Am Folgetag, dem Sonntag, war der Start zur Atlantic Rallye for Cruisers, kurz ARC, bei der die Outremer dann zu ihrer Atlantiküberquerung gestartet ist. Wir sind so zwar selbst noch nicht auf unserer atlantischen Überfahrt, aber immerhin unser Reserveruderlager.

    Inzwischen sind unsere Freunde, Rolf und Cerstin, gut mit ihrem Wohnmobil auf Lanzarote angekommen. Die Fähre brauchte 27 Stunden von Cádiz auf dem spanischen Festland bis nach Arrecife. Die beiden wollen jeweils ein paar Wochen auf vier verschiedenen Kanareninseln verbringen, bevor sie wieder mit der Fähre nach Spanien zurückreisen werden. Für alle, die gerne fernab von organisierten Campingplätzen mit dem Wohnmobil reisen, sind die Kanaren sicherlich ein spannendes Reiseabenteuer.

    Es ist fast schon weihnachtlich in der „Open Mall“

    Von den Temperaturen her hat sich wohl so ein Wetter eingestellt, das sich am treffendsten als Frühherbst umschreiben lässt. Tagsüber ist es mit 24 Grad angenehm warm und nachts mit 18 Grad angenehm kühl. Nur damit nichts schiefgeht, und wenn die Capitania doch mal ein bisschen frieren sollte, habe ich vor zwei Tagen mal die Dieselheizung zum Laufen überredet. Sie hatte drei Starversuche nötig, aber jetzt ist jegliche Feuchtigkeit aus dem Auspuffrohr raus, und falls sowas wie der kanarische Frühwinter Einzug hält, sind wir gerüstet.

    Dass wir uns langsam dem Weihnachtsmomat Dezember nähern, sieht man nicht nur am Süßwarensortiment im Supermarkt, sondern auch an der hundertfach installierten Weihnachtsbeleuchtung in den Straßen und auf den Plätzen, die diese bald im bunten Lichterglanz erstrahlen lassen werden. Wir freuen uns schon sehr darauf!