Kategorie: Leben an Bord

  • Mal wieder im Warmen, mal wieder auf Lanzarote

    Nach einem etwas umständlichen Flug, über Gran Canaria, sind wir am Donnerstag heil auf „unserer“ Insel gelandet. Wir schon, aber leider unsere große Tasche nicht. Ja, genau die, in die wir alle wirklich wichtigen Sachen fürs Boot und für unsere geplante Überfahrt hineingepackt hatten. 

    Schon als wir in Lanzarote aus der netten Propellermaschine von Binter, der kanarischen Fluggesellschaft, ausgestiegen waren, konnten wir auf dem Gepäckwagen mit den bereits ausgeladenen Stücken nur unseren kleinen lila Koffer sehen,  nicht aber die große blaue Tasche. Auch mein Airtag, das in einem Fach dieser Tasche wacht, hatte behauptet, dass es sich noch 207 km weit weg, nämlich in Gran Canaria befindet. So weit war sie also mitgekommen, immerhin. Offensichtlich hatte Condor diese Tasche nicht durchgecheckt in die Binter-Maschine nach Lanzarote, sondern sie in Gran Canaria einfach ausgeladen.

    Aber die freundliche Dame am Binter-Schalter in Terminal 2 des Airports hier nahm unsere Beschwerde mit einem Lächeln zur Kenntnis, wir füllten ein kleines Formular aus, und sie versprach, uns noch heute Abend oder spätestens morgen früh anzurufen, wenn die Tasche wohlbehalten am Airport eingetroffen sei. Tatsächlich erhielt ich noch am selben Abend den Anruf, und am nächsten Morgen, noch vor zehn Uhr, konnten wir sie unversehrt in Empfang nehmen. Direkt danach holten wir Larissa und Johannes vom Flughafen ab, die eine Woche Urlaub mit uns machen möchten, kauften alle Köstlichkeiten für ein ausgedehntes Frühstück, und fuhren vollbepackt zurück nach Puerto Calero.

    Ohne Worte: Wie kommen die Streusel in das verschlossene Glas?

    Dort wurde die Tasche natürlich gleich ausgepackt, dabei allerdings stellte sich heraus, dass sie zwar äußerlich unversehrt geblieben war, aber leider hatte sich im Inneren eine Packung Schostreusel entleert, mit verheerenden Folgen. Durch die hiesige Wärme war die Schokolade natürlich inzwischen geschmolzen und hatte sich über den gesamten erreichbaren Inhalt der Tasche verteilt. Alles musste abgewaschen werden, die Gläser mit der selbstgekochten Quittenmarmelade waren mit Schokoladenkrümeln verschmiert, die getrockneten Pflaumen teilen sich jetzt den Platz im Glas mit einigen Schokokrümeln, und selbst in ein eingeschweißtes Buch hatten die kleinen Dinger ihren Weg gefunden. Nächstes Mal werden die Schokostreusel in einen eigenen Plastikbehälter eingepackt.

    Aber inzwischen ist alles wieder sauber und verstaut, wir genießen die angenehme Wärme und werden die kommende Woche mit Ausflügen über die Insel und kleinen Segelausfahrten füllen, ehe wir am nächsten Freitag nochmal einen Abstecher in das deutsche Nieselwetter machen.

    Die Feigen vom heimischen Strauch haben den Flug gut überstanden
  • Am Sonntag will mein Süßer …

    So schön sieht der Code Zero aus

    Sonntag, 15. September 2024,  Puerto Calero 11:30 – 14:30 Ankerplatz vor Papagayo, 17 sm
    Baro 1014, Wind N um 4, sonnig, warm, die See 0,5 m

    Noch im Hafen ziehen wir den Code Zero hoch, damit sind wir vorbereitet auf unseren heutigen Segelausflug. Nach der Hafenausfahrt müssen wir erst um das Opti-Feld herum motoren, dann kommt das Großsegel hoch und der Code Zero wird ausgerollt. Bei zunächst leichtem südlichem Wind sind wir so schnell, gleich stehen über zehn Knoten auf der Logge. Da geht es richtig zur Sache, die Hexe fliegt quasi übers Wasser.

    Vor Puerto del Carmen ändert sich der Wind komplett, wir drehen mit und segeln Kurs Süd, denn wir haben kein wirkliches Ziel heute, wir wollen nur gerne mal das schöne Segel ausprobieren. Schließlich hatten wir es erst einmal vorher hoch gezogen. Volker ist sehr froh damit, wie weit man mit dem großen Vorsegel anluven, aber auch abfallen kann. 

    Um 14:30 fällt der Anker nach 17 sm vor Papagayo. Am Nachmittag schwimmen wir und putzen dabei den Rumpf, um den sich trotz Coppercoat doch immer wieder ansetzenden Schleim und kleinere Bewachsungen abzutragen. Mir ist danach so kalt, dass ich mich erst einmal eine Stunde in der Sonne aufwärmen muss. 

    Der stolze Gennaker

    Montag, 16. September2024, Ankerplatz vor Papagayo 11:30 – 14:00 Ankerplatz vor Playa Quemada, 17:30 Marina Lanzarote, 17 sm
    Baro 1013, Wind NW um 4, sonnig mit leichten Wolkenfeldern, die See ruhig.

    Um 11:30 Uhr wird der Anker hoch geholt, das Großsegel gesetzt, und wir motoren Richtung Marina Rubicon. Um 12:10 steht der Gennaker, denn den wollen wir heute ausprobieren. Beim letzten Mal hat er sich nicht richtig ausgedreht, und wir wollen doch sicher sein, dass wir neben dem Code Zero, den wir ja gestern zur großen Zufriedenheit ausprobiert haben, auch ein super Leichtwindsegel haben für die Reise in die Karibik. Die Hexe fliegt bei 12 Knoten Wind und einem Windeinfallswinkel von ca. 120° mit über zehn Knoten dahin, das sieht vielversprechend für den langen Törn aus.

    Wir halsen, und rollen das bunte Segel auf der anderen Seite aus, dort aber zickt der Roller, wir probieren es noch einmal, es geht zwar, aber irgend etwas ist nicht in Ordnung. Nun haben wir – wohl eher Volker – was Neues zum drüber Nachdenken.

    Um 13:20 Uhr ist Schluss mit der Ausprobiererei, es wird erneut gehalst, und wir nehmen Kurs auf den Ankerplatz vor Playa Quemada. Um 13:20 frischt der Wind plötzlich auf, es sind 20 Knoten, nun fliegt sie wieder – mit über zwölf Knoten!  Zwanzig Minuten später sind wir in der Inselabdeckung, der Windmesser zeigt nur noch acht bis neun Knoten an.

    Um 14:00 Uhr fällt der Anker am Strand vor Playa Quemada, in den Hafen fahren wir erst heute Abend. 17:30 Uhr sind wir am Liegeplatz in Puerto Calero nach wiederum 17 sm.

    Wunderschön dekorierte Sushi-Platte

    Noch ein kleiner Nachtrag zu Samstag: Nachdem schon wieder einige Punkte auf Volkers To-Do-Liste erledigt worden sind, haben wir uns am Abend das Vergnügen gegönnt, zu Volkers Lieblings China-Restaurant „Asian Sunshine“ in Puerto del Carmen zu gehen. Dort werden wir immer wie Freunde begrüßt, und meine Sushi-Platte war so schon dekoriert, dass ich das Foto unseren Blog-Freunden nicht vorenthalten wollte.

  • Schnelle Fahrt

    Nachtrag zum Logbuch:
    Sonntag 8. September 2024
    Auf See, Wind NO 13 – 18 Knoten, sternenklar, die See weiterhin 1,5 – 2 m
    Etmal um 05:30 210 sm: In 24 Stunden sind wir 210 sm gesegelt, das ergibt einen Schnitt von 8,75 sm/h. Damit ist auch der Kapitän zufrieden. 

    Windvorhersage

    Die Nacht verlief im Wesentlichen unspektakulär. Zunächst hat sich der Wind relativ gleichmäßig verhalten, es sind 13 – 15 Knoten bei einem Windeinfallswinkel von 110 bis 125 Grad. Nach 02:00 Uhr fiel es ihm dagegen plötzlich ein, auf 150 Grad zu drehen, dabei zwar zuzunehmen, aber die Geschwindigkeit des Bootes geht dann doch ein bisschen nach unten. Erst nach 04:00 Uhr wurde es wieder besser, wieder 13 – 15 Knoten aus 120 Grad, seit 06:00 Uhr sind es eher 105 Grad bei unveränderten 15 Knoten, da haben wir die Genua ein bisschen eingedreht. Jetzt löse ich Volker ab, er kann durchschlafen und ich werde mir immer mal wieder ein kleines Nickerchen  gönnen und meinen Timer auf 20 Minuten stellen, um kurz die Lage zu checken.

    Ab sechs Uhr beginnt das erste schüchterne Licht am Horizont zu erscheinen, um sieben wird es hell, und um 7:40 Uhr soll de Sonne aufgehen. Das wird heute bestimmt sehr schön, weil es nur ein dünnes Wolkenband im Osten direkt am Horizont gibt, ich bin gespannt. Und natürlich lässt kurz vor Sonnenaufgang der Wind nach, aus den 15 Knoten sind jetzt nur noch elf bis zwölf geworden, das bringt den Durchschnitt runter! Aber glücklicherweise wird der Windwinkel spitzer, das gleicht die fehlenden Knoten ein bisschen aus. Außerdem schläft der Skipper, und kann sich nicht darüber ärgern.

    So segeln wir in den Tag, um 11:30 kann ich die Herren überreden, mit mir zu frühstücken. Vor Lanzarote dreht der Wind nochmal ordentlich auf, zwischen Fuerteventura und unserer Insel legt er noch ’ne Schippe drauf. 

    Um 13:30 fällt der Anker vor Playa Blanca nach 280 Seemeilen. Wir sind 32 Stunden lang gesegelt, weniger als ursprünglich geplant, und haben einen Schnitt, wie bis zum 24-Stunden-Etmal gehalten: 8,75sm/h!

    Auf der Insel:

    Inzwischen sind wir schon eine Weile wieder in Puerto Calero angekommen, nach einer Nacht vor Anker bei Papagayo. Wir sind mit Lukasz einen ganzen Tag über die Insel gefahren, um ihm die Vulkanlandschaft und die Strände und die Aussichten zu zeigen. Wir haben ganz viele Freunde wieder getroffen, und ganz viele Arbeiten am Boot durchgeführt.

    Begonnen haben die Herren mit der Erneuerung des Silikons und dem Abdichten der Luke in der hinteren Gästekabine. Es war eine schweißstreibende Sauerei, denn das alte Silikon musste heraus geschnitten und gekratzt werden, bevor die neue Schicht Silikon aufgetragen werden konnte. Aber Dank der professionell tatkräftigen Hilfe von Lukasz, der guten Idee von Freund Uli und der allgemeinen Oberaufsicht vom Skipper war auch diese Aufgabe rechtzeitig gelöst, um Lukasz „Just in Time“ zum Flughafen zu bringen.

    Der Stecker vom Hydrogenerator musste neu befestigt werden, und der Mantel vom Steuerrad wurde unter lautem Fluchen mit einer runden Nähnadel wieder zusammen genäht.

    Natürlich wurde das Boot komplett gereinigt, dazu gehörte auch, die Bilgenabteile auszuräumen und auszuwischen, die Klamotten aus dem Kleiderschrank zu lüften, und die seit Ewigkeiten nicht mehr getragenen Faserpelze und Funktionskleider zu waschen.

    Volker mit Mädelsübermacht im UpperDeck

    Außerdem haben wir noch ein bisschen Hygieneartikel und haltbare Lebensmittel für die kommenden längeren Törns eingekauft und verstaut.
    Wenn wir von unserem Heimataufenthalt zurück kommen, sind wir bereit zur Abfahrt.

    Das UpperDeck haben wir auch zurück erobert.

  • Urbane Kunst

    Das haben wir nicht erwartet: Nachdem wir unser Beiboot in dem kleinen Fischerhafen von Camara de Lobos festgemacht hatten, standen wir mitten in der Kunst. Street Art, eigentlich. Der kleine Ort ist an sich schon bezaubernd, es gibt Gemüsehändler und Bäckereien, und einen erstaunlich großen gut sortierten Pingo Doce Supermarkt. Daneben sind im Hafenviertel unzählige kleine Restaurants und Bars, die am frühen Abend, als wir durch den Ort geschlendert sind, gut besucht waren.

    Zur Kunst: Die Straßen und Gassen der kleinen malerischen Innenstadt haben Baldachine, aus „Wegwerfsachen“, Müll als Kunstform. Das Motto des „Festival Giratorio“ , eigentlich das „Festival des Drehbaren“, bedeutet, die Straßen der Stadt mit Objekten zu schmücken, die bereits vorhanden waren und nicht mehr gebraucht wurden,  Dinge wieder zu verwenden, die ansonsten wertlos sind. Der Event ist von der EU ins Leben gerufen unter dem Motto „Intelligent Cities Challenge“, es geht um die Vermeidung von Müll, und richtet sich an ausgesuchte europäische Städte 2023 – 2025. In Deutschland stehen Heidelberg, Bamberg und Gelsenkirchen auf der Liste der ausgewählten Städte.

    Hier in Camara hängen Ketten aus lauter bereits gebrauchten Gegenständen über den Köpfen der Fußgänger, rosa gefärbte Bettücher, leere Plastik- und Glasflaschen, blau angemalte CDs. Wir sehen einen Straßenzug mit aus alten Stoffen zusammengenähten Meeressymbolen, woanders hängen Puschel aus weißen oder durchsichtigen Plastiktüten, es klappern Windspiele aus kleinen Holzstückchen und ein Baldachin aus angemalten Rohrisolierern spendet Schatten.

    Daneben hängen Bilder von Fischen, eine große Wand am Hafen ist bemalt mit Robbie, an den Seiten finden sich Figuren in Trachten, und natürlich malen Künstlerinnen und Künstler an die Wände und Türen leerstehender Häuser schöne Bilder. Jemand hat eine bereits bestehende Plastik benutzt, um ganz viele rote Fäden drum herum zu spannen.

    Es hat so viel Spaß gemacht, durch die Straßen und Gassen zu schlendern, wir nehmen die vielen Bilder in unseren Köpfen mit und zeigen Euch hier eine Auswahl!

    Um 05:30 sind wir heute Morgen Ankerauf gegangen, eine Viertelstunde später standen Großsegel und Genua, und wir machten uns auf den Weg nach Lanzarote, an den Ilhas Desertas vorbei, danach gibt es nur noch das Blau des Meeres und den Himmel mit kleinen Wolken. Von der Überfahrt werden wir morgen berichten, wenn wir angekommen sind.

  • Der erste Schlag zu dritt

    Wir haben ein neues Besatzungsmitglied, Lukasz Blaszczyk ist gestern Abend mit dem Flieger aus Frankfurt angekommen und wird mit uns nach Lanzarote segeln. Wir haben die letzten beiden Tage vor dem malerischen Ort Camara de Lobos gelegen, mehr darüber folgt in unserem nächsten Blogbeitrag.

    Nach dem ersten Kaffee fahren wir unter Motor aus der ruhigen Bucht vor der Praia Formosa nach Funchal. Dort wollen Lukasz und ich einen Stadtbummel machen, ich möchte ihm die Schönheiten der madeirianischen Hauptstadt zeigen. 

    Volker widmet sich derweil dem Putzen der Hexe, denn in den vergangenen Tagen wurde die Asche der Waldbrände, die auf Madeira gewütet haben, von dem Wind hinaus aufs Meer getragen. Und natürlich haben sich Tag für Tag kleine schwarze Aschepartikel auf unserem schönen weißen Boot abgelagert, wir kamen mit dem Putzen nicht mehr nach. Erst seit gestern Abend hat der Ascheregen aufgehört, außerdem sind wir heute früh eine Bucht weiter von den Brandherden weg gesegelt, nun ist einfach das gründliche Putzen dran. Und dabei möchte Volker niemand anderes auf dem Boot haben.

    Unterwegs mit dem Dinghy

    Lukasz und ich begeben uns also mit dem Dinghy zu der Marina für das Sightseeing-Programm. Wir beginnen auf den repräsentativen Ramblas mit dem Ritz Café, den vielen Andenkenläden und den Niederlassungen aller großen Marken der Welt, hier findet man auch H&M, Zara, etc. Wir drehen eine erholsame Runde durch den mit immer noch blühenden Bäumen und Sträuchern geschmückten Park, ehe wir uns in die Straßen mit Apotheken, Friseuren, Gemüsehändlern und der Markthalle stürzen und auf dem Rückweg zum Hafen durch die Gassen mit den zahlreichen kleinen Restaurants und Cafés schlendern.

    Lukasz steuert gern

    Als Einstimmung für Lukasz wollen wir heute zur nordöstlichsten Spitze Madeiras segeln, das erste Stück wegen Windmangels unter Motor, dann zehn Seemeilen gegen den Wind. Natürlich ist es ab der Ponta da Oliveira, anders als vor Funchal, viel windiger, und natürlich kommt er genau von vorne. Aber die Hexe kann auch gut kreuzen, obwohl das nicht gerade die Paradedisziplin eines Katamarans ist. Es sind ja nur zehn Seemeilen, gekreuzt waren es dann fünfzehn.

    Mit Reff 2 in Groß und Genua fahren wir immer noch zwischen sieben und acht Knoten. Schlag eins geht nach draußen aufs Meer, um 14:35 wird gewendet. Lukasz ist voll eingebunden, er musste schon vorhin das Beiboot hochwinschen, nun steht er am Ruder, muss steuern, die Genuaschot dicht holen, Volker hat einen gelehrigen Schüler.

    15:05 Uhr zweite Wende, wieder ein Schlag nach draußen. Der Wind nimmt manchmal ein bisschen zu, es kommt die dritte Wende um 15:35, danach nimmt der Wind auf 13 – 14 Knoten ab. 15:55 Uhr folgt die nächste Wende, und schon sind es wieder 16 – 17 Knoten Wind.

    Um kurz nach vier Uhr fällt der Anker, genau an der gleichen Stelle, an der wir vor ein paar Tagen geankert haben. Kurz darauf ist das Dinghy im Wasser und die Herren fahren los, die zahlreichen Höhlen in den Lavafelsen hier zu erforschen.

    Morgen früh geht es los, es warten 280 Seemeilen auf uns bis zum Strand vor Papagayo im Süden von Lanzarote. Die Windvorhersage ist gut 12 – 15 Knoten Wind aus 110 Grad, besser geht nicht.

  • Bildhübsch

    Menschenmassen wuseln durch die Altstadtgassen, Restaurants reihen sich aneinander und alle bekannten Innnenstadt-Markengeschäfte sind in Funchal vertreten. Wir haben gestern den geruhsamen Inselnordosten verlassen, den Anker hochgeholt, das Vorsegel ausgerollt. Der kräftige Rückenwind hat uns dann nach zwei Stunden schönstem Panoramasegeln entlang der Küste von Madeira nach Funchal gepustet.

    Eine Korrektur noch, so einsam ist der Nordosten von Madeira nicht. Laut Wikipedia begeben sich täglich fast 1.00 Menschen auf den Wanderweg zur Oase, einem Ausflugsrestaurant, und zum Mirador Ponta do Furado, dem bekanntesten Aussichtspunkt der Insel. Schon im Dunkeln reihen sich Stirnlampenlichter am Bergkamm aneinander und selbst nach Einbruch der Dunkelheit sind noch leuchtende Wanderer unterwegs. Wir haben da die Abkürzung übers Wasser genommen, mit dem Beiboot und dem Stand-Up-Paddle sind wir zur Badestelle gefahren. Der kleine Felsstrand mit dicken Kieseln im Wasser liegt knapp unterhalb der Oase und damit auch unterhalb des höchsten Aussichtspunktes. Wir haben uns dort in die Trails der Wanderfreunde eingereiht, sind allerdings vorm Hochpunkt schon wieder umgedreht. 

    Steile Felswände umrahmen die Marina

    Abends ging es mit dem Dinghy in die nahegelegene Marina, Quinta do Lorde, die nicht nur ein Yachthafen für Segler ist, sondern auch eine Ferienanlage und Hotel, mit vielen Gebäuden. Hotel und Ferienanlage waren nun mehrere Jahre geschlossen. Die Hyatt-Gruppe hat schlussendlich das Gesamtensemble gekauft, und sichtbare Renovierungsarbeiten sind am Gange. Für den 1. Oktober ist die Wiedereröffnung geplant. 

    Blick aus einer Höhle

    Eine Höhlentour mit Beiboot war am letzten Tag der krönende Abschluss unseres Ausflugsprogramms. 

    Am nächsten Morgen sind wir nur unter Vorsegel bis Funchal gefahren und haben nicht zu weit vom Hafen entfernt geankert. Die Innenstadt von Funchal haben wir bei zwei Ausflügen ausgiebig besichtigt. Am besten haben uns die drei Parks und die kleine Rambla gefallen. 

    Vorhin sind wir, wegen unnötigen Gedränges durch einen neu hinzugekommenen, saudepperten Ankerlieger, ankerauf gegangen und haben uns vor die Praia Formosa, einem bildhübschen Strand (so die Übersetzung), anderthalb Seemeilen entfernt von Funchal verholt. Hier liegen wir als einziges Boot, der Blick auf den Strand und die angrenzenden Berge ist famos. (Man darf nur nicht direkt nach Norden, zu den Hochhäusern der Außenbezirke Funchals schauen, der Rest ist wunderschön.)

    Der Ankergrund ist bestens, aus Sand, der Anker ist tief eingegraben. Selbst wenn beide Motoren mit Volllast rückwärts laufen, hält das Grundeisen bestens. Es ist hier wunderbar ruhig und wir freuen uns auf eine entspannte Nacht.

  • São Miguel erkundend

    Die Hitze der vergangenen Tage ist Geschichte, es wurde sogar ein neuer Temperaturrekord für die Azoren, bis zu 32 Grad warm, erreicht. Doch seit dem Regen der vergangenen Nacht , einhergehend mit einer Richtungsänderung des Windes nach Nordost, ist es wieder kühler geworden. Angenehme 27 Grad sind auch eher das, was man hier gewöhnt es, da muss keiner mehr „leiden“. 

    Unter dem Wasserfall

    Wir haben, ungeachtet der vorübergehenden Hitze, einmal mehr ein Auto gemietet und können jetzt sagen, dass wir São Miguel einmal und komplett umrundet haben. Besonders der Inselnorden und der Osten bieten einzigartig schöne Ausblicke, dicht bewachsene Wälder, Berge wie im Allgäu, einige Wasserfälle, tolle Picknickplätze und unzählige Wanderwege. 

    Einen Wasserfall haben wir intensiv erkundet. Wir sind dem Wasserlauf auf einem unbefestigten Trail, zum Teil kletternd, fast bis zum Punkt gefolgt, wo das Wasser kaskardenartig aus 25 Meter Höhe herunterfällt. Ein anstrengendes und schönes Erlebnis.

    Innerlich fühlen wir uns mittlerweile sehr mit San Miguel verbunden, eine Insel die per se schon viel bietet, garniert mit vielen Annehmlichkeiten seitens der Inselverwaltung, die wir so aus Deutschland leider nicht kennen.

    Doch so langsam ist es an der Zeit, dass wir ans Abschied nehmen denken, unser Liegeplatz in Lanzarote wartet ab dem 15. September auf uns, und bis dahin ist nicht mehr viel Zeit, um die insgesamt 800 Seemeilen lange Strecke zu segeln. 

    Vorgestern haben wir, also eher Cornelia, vom fischenden Liegeplatznachbarn einen wunderbaren Bonito geschenkt bekommen. Die Capitania freut sich sehr und gestern haben wir zusammen Jens und Martina von der Maje gegrillt. Für mich gab es natürlich eine fleischige Variante, und für alle gemeinsam den leckeren Kartoffelsalat von Cornelia. 

    Diese Woche hatten wir noch zum Aperitif, Hans-Georg, Stefan, Dagmar, Volker, Ellen, Martina und Jens zu Gast. Ein Wahnsinn, wie schnell die Zeit in geselliger Runde verfliegt. Fast hätten wir den reservierten Tisch im Chinarestaurant verpasst, vor lauter „Schwätzerei“.

    Für die, die mal nach San Miguel kommen, man kann wunderbar, passendes Meereswetter vorausgesetzt, an den Stränden von Praia Pópulo, Praia Santana und Praia Mosteiros baden. Dazu sollte man die Naturpools (Piscinas Naturais) umgeben von Felsen in Vila Nordeste, Mosteiros, Santo Antonia und Ferreira einmal besuchen.

    Heute Nachmittag waren wir in der Nähe von Ribeira Grande an einem weiteren felsigen Strand, von dem aus Jens und Volker den anwesenden Jugendlichen Applaus abgelockt haben mit ihren akrobatischen Mutsprüngen.

    Heute Norgen aber haben wir die Schablonen ausprobiert, die Johannes Brockhaus für uns in Darmstadt geschnitten hat, damit wir unsere Hexe auf den Hafenmauern des Atlantiks verewigen können.

  • Fünf kurze und ein langer Ton erklingen aus dem Schiffshorn der Seacloud Spirit, dem Kreuzfahrtschiff unter Segeln, das für einen Tag im Hafen von Ponta Delgada festgemacht hat. Alle Passagiere spazieren ganz brav mit ihren Schwimmwesten aufs Achterdeck, die Sicherheitseinweisung steht auf dem Einführungsprogramm, das sich wohl so auf allen Kreuzfahrern ähneln wird. 

    Die Seacloud Spirit

    Spät am Abend gehen dann Schiff, Mannschaft und Passagiere auf die geplante Azorenrundfahrt, die in Madeira enden wird. Mit der Romantik unter Segeln  wird das wohl in dieser Woche nix, Flaute ist angesagt, aber die Seacloud hat einen starken Motor und fährt ja schließlich nach Termin. Ganz billig ist so eine Segelkreuzfahrt auch nicht, knapp 8.000 Euro kostet die Doppelkabine, alles hat halt seinen Preis.

    Wir sind seit gestern wieder zurück an Bord und hatten eine wunderbare Zeit in Deutschland, nicht nur mit den Enkelkindern. Besonders schön war das leckere Verwöhn-Abendessen von unser Nachbarin Angela und die Einladung nach dem Ankommen auf São Miguel von Volker und Ellen und Reinhard zum Grillen. Tolle Momente von und mit Freunden, ein wichtiger Teil des Lebens und der Segelei im Besonderen. 

    Die Hexe lag wohlbehalten an ihrem Liegeplatz, war zwar ein bisschen eingestaubt, aber nach einer gründlichen Schiffswäsche glänzt sie jetzt wieder. Heute früh habe ich die neue Scheuerbürste und den neuen abgewinkelten Besenstiel zum Rumpfreinigen zum Putzen des Unterwasserschiffes genutzt, was prima funktioniert hat; es war eine lohnende Investition.

    Außer kosmetischen Arbeiten gibt es im Moment keine anstehenden Reparaturen an Bord. Daher können wir in der nächsten Woche die freie Zeit nutzen, um uns ein Auto zu leihen, um die noch unbekannten Flecken und Dörfer der Insel zu entdecken. Dabei wollen wir dem äußersten Insel-Westen und -Norden einen Besuch abstatten.

    Mit 27 Grad Luft- und erstaunlich warmen 25 Grad Wassertemperaturen ist der Hochsommer in vollem Gange. Auch das Baden steht hoch im Kurs, fast karibisch fühlt es sich bei diesen Wassertemperaturen an.

    Bootspflege

    Zuhause in Deutschland haben wir uns mit neuen Bootspflegemitteln eingedeckt. Deckreiniger, Rumpfreiniger, Politur und Bootswachs kamen mit in den Flieger. Auch kulinarische Leckereien, wie pfälzische Fleischwurst, saarländische Bratwürste, hessische Leberwurst und Speck fanden ihren Platz in den prall gefüllten Reisetaschen.

    Ja, ich gebe es zu, besonders eine leckere Bratwurst kann meinen Gaumen beglücken und fehlt mir manchmal bei unseren Reisen. Deutsche Dosenwurst, die auch reichlich an Bord ist, dient bei Entzugserscheinungen als kulinarische Substitution.

    Vor lauter Enkelkindern haben wir ganz vergessen, unser 10-jähriges Abfahrtsdatum zu unserer Segelreise zu feiern. Das scheint aber eine gewisse Systematik bei uns zu haben, die Hochzeitstage werden ebenfalls regelmäßig vergessen.

    Cornelia schielt schon mal auf den Wetterbericht, vielleicht können wir zum Ende der Woche in Richtung Madeira aufbrechen, ob mit oder ohne Zwischenstopp auf der südlichsten Azoreninsel, Santa Maria, wird sich dabei noch rausstellen. Und, schwupps, hab ich bei dem Gedanken an Santa Maria schon wieder den Ohrwurm von unserem Roland Kaiser mit seinem Lied in meinem Kopf. „Santa Maria, Insel die aus Träumen geboren, ich hab meine Sinne verloren, in dem Feuer, das wie Fieber brennt …“

  • Hoch

    Weit gefächert hat sich das Azorenhoch ausgebildet und sorgt für ein ruhiges und stabiles Atlantikwetter. Die Tiefdruckautobahn zwischen Amerika und Europa ist voll gesperrt. Zwischen der Biskaya im Osten bis fast zu den Bahamas ist Westen herrscht gleichmäßiger Luftdruck zwischen 1020 und 1025 Hektopascal. Der Isobaren-Abstand zwischen den oben genannten Luftdrücken ist so groß, dass in dem angesprochenen Bereich nahezu kein Wind ist. Still und starr ruht ein riesiger nordatlantischer Teilabschnitt. Den Azoren beschert diese stabile Luftdrucklage ein sehr gleichmäßiges Wetter, das man spaßeshalber schon fast als langweilig oder monoton bezeichnen kann.

    Tagsüber ist es immer zwischen 25 und 26 Grad und nachts exakt 22 Grad warm. Gewitterzellen, Starkregen oder gar Sturmböen gibt es nicht. Lediglich die Bewölkung variiert ein bisschen. Wolkenlose Tage sind selten, der Himmel ist in der Regel zu 25-50 % bewölkt, manchmal regnet es ein bisschen.

    So monoton wie das Wetter ist das Sommermusik-Programm glücklicherweise nicht. Höhepunkt der musikalischen Unterhaltung und der Vielfalt, war dabei der letzte Sonntag. Nachmittags gab es anspruchsvolle klassische Musik, dargeboten von einem Sinfoonieorchester in dem ehemaligen Jesuitenkloster.

    Kurz darauf und bis 1 Uhr nachts, wurde House- und Clubmusik von einem, wie ein Derwisch tanzenden DJ mit großem Mischpult dargeboten.

    Zum Teil zur gleichen Zeit wie die DJ-Musik spielte in der Innenstadt ein lokales Blasorchester Unterhaltungsmusik. Die Aswahl der Stücke erschien uns ein bisschen missglückt, es klang zum Teil eher schräg, so sind wir alsbald weitergegangen.

    Gestern war dann wieder in der Hafenbar Livemusik angesagt.

    So sind wir jeden Tag musikalisch gut unterhalten und sehr froh, dass Jens und Martina von der Maje, auch hier im Hafen ihre Leinen fest gemacht haben. Es jährt sich jetzt beinahe zum 10. mal, dass wir uns kennengelernt haben. Wir standen damals alle vier am Anfang der jeweiligen Segelreise.

    Vor ein paar Tagen haben dann noch Helge und Asha von der Segelyacht Gegenwind uns g, bei uns an Bord besucht. Die beiden sind nach fast 10-jähriger Weltumsegelung, mit ihrer Hanseat 70, auf den Azoren angekommen, sie befinden sich nun auf dem Rückweg nach Deutschland. Auch diese beiden haben wir 2014 an der spanischen Atlantikküste kennengelernt. Wie klein ist doch die Seglerwelt. 

    Glück hatte nicht nur Cornelia beim Rausgehen vom Steg zu einem kleinen Abendspaziergang. Da haben wir nämlich ein junges Paar von hier kennengelernt und die haben uns mit reichlich fangfrischen Makrelen beschenkt. Ein Leckerbissen, für Jens, Martina und Cornelia auf dem Lotusgrill.

    Ansonsten sind wir dabei, unsere Hexe außen aufzuhübschen. Stück für Stück polieren und wachsen wir den kompletten Aufbau. Leider verzögert, bzw. verlangsamt ein Erkältungsvirus, das mich seit zwei Tagen im Griff hat, die Arbeiten.

    Mehr gibt es im Moment noch nicht zu berichten und deswegen endet dieser Blogbeitrag hier.

  • Inspirierend

    Angra do Heroísmo

    1470 startete die Besiedlung der azoreanischen Inseln durch die Portugiesen. In den folgenden Jahrhunderten gab es dann immer wieder kriegerische Auseinandersetzungen mit den Spaniern, die dann zu Machtwechseln, auf den Azoren führten. Ein Schwerpunkt dieser Kämpfe war die Stadt „Angra do Heroísmo“, deren strategische Bedeutung durch zwei natürliche weitläufige Ankerbuchten, die bei allen Windrichtungen Schutz boten, für die Galeeren kriegsentscheidend war.

    Das Fort

    Die Spanier beispielsweise errichteten ein großes Fort an der Ostseite von Angra und einen vier Kilometer langen Befestigungswall an der gegenüberliegenden Seite der Bucht. So konnten feindliche Schiffe von beiden Seiten beschossen und vertrieben werden.

    Angra de Heroísmo entwickelte sich prächtig, so prächtig, dass es sogar im Laufe seiner Geschichte zweimal die Hauptstadt von Portugal wurde und einmal die Hauptstadt der Azoren. Doch die Bedeutung von Angra für Portugal, und Lissabon im Speziellen, geht noch weiter. Die Straßenzüge und die Anordnungen der Häuser in der Altstadt sind in Rechtecke aufgeteilt und die Straßen verlaufen, ausgehend vom Hafen, alle parallel zu einander. Genau diese clevere Anordnung wurde bei der Stadtentwicklung von Lissabon übernommen. Das Zentrum von Angra ist als Weltkulturerbe von der Unesco eingestuft worden. Vasco da Gama, der als erster den Seeweg, am Kap der guten Hoffnung vorbei, nach Indien gefunden hatte, ist in Angra, in einem neu errichteten Hospital für Seefahrer, verstorben und in der Stadt beigesetzt worden.

    Angra de Heroísmo ist bis heute eine blühenden Stadt, mit zahlreichen Museen, einem hübschen botanischen Garten, 8 Kirchen und 14 Kapellen, von denen die meisten dem Heiligen Geist gewidmet sind. Zudem gibt es, nicht nur im Sommer, kostenlose Konzertreihen in den Gassen der Altstadt, in den Kirchen, oder am Hafen. Genau wie auf São Miguel wird auch auf Tereira Kunst und Kultur groß geschrieben.

    Vom Monte Brasil aus, dem Hausberg von Angra, hat man eine tolle Aussicht auf die Stadt und die Umgebung. Gut beschilderte Wanderwege führen zu den Nachbarorten. Dreieinhalb Seemeilen südlich von Angra liegen zwei Felseninseln im Meer, die durch einen unterseeischen Vulkanausbruch entstanden sind, und mit ihren Höhlen zu einem Ausflug mit dem Beiboot einladen. 

    Wir haben uns eine inspirierende Städtetour mit José und seinem Tuktuk gegönnt und bei der zweieinhalbstündigen Rundfahrt viel über Angra und seine nähere Umgebung erfahren. Man merkt José deutlich an, wie sehr er seine Stadt und seine Insel liebt. Er war in seinem mittlerweile doch recht langen Leben noch nie länger als drei Wochen weg von Terceira, und selbst das sei ihm schon zu lange gewesen, sagt er….

    Der Abschied von Angra fällt auch uns schwer, so gut hat es uns dort gefallen, so schön ist die Stadt und das direkte Umfeld.

    Doch heute früh um 5.30 Uhr hieß es „Anker auf“ und mit prall geblähten Segeln und Rauschefahrt haben wir uns auf den Weg nach Ponta Delgada gemacht. Mit über 10 Knoten Fahrt segeln wir unserem 90 Seemeilen entfernten Ziel, bei Idealbedingungen, entgegen.