Back to Europe Tag 5

Was gestern Abend noch so passiert ist ….

Um 20 Uhr steht wieder die Kurzwellen-Funkrunde mit Bernd von der Hullu Poro an, Rainer und er wollen, wenn die Wettervorhersage stimmt, ebenfalls zu den Azoren aufbrechen, von Bermuda aus. Diesmal ist auch Jan von der Sutje mit von der Partie, aber heute scheinen die Ausbreitungsbedingungen sehr schlecht zu sein, Bernd kann ich fast gar nicht verstehen. Ich höre nur seine Stimme im Rauschen, Jan kommt besser durch, aber auch er ist nicht klar aufzunehmen. Wir verabreden uns für morgen, eine Stunde früher, 23 Uhr UTC.

Ich weiß noch, wie oft ich geflucht habe, weil ich keine Verbindung bekommen habe, doch dringend einen Wetterbericht haben wollte, oder der Download desselben so lange Zeit brauchte, dass entweder, wie bei den Stationen von Winlink, meine Minuten verbraucht waren, oder es über Sailmail so lange währte, dass entweder eine Time-out Meldung kam, oder meine Geduld erschöpft war. Aber eigentlich ist es ein tolles Hobby, wenn man über Funk mit Menschen aus anderen Teilen der Welt kommunizieren kann.

Unser icom Funkgerät

Anschließend nimmt Volker sein Telefon zur Hand, wählt erst Jan, später auch Bernd an, mit glasklaren Verbindungen, dank Starlink. Das Telefonat mit Bernd mussten wir etwas abrupt beenden, der Wind hatte wieder zugenommen. Um 20:45 Uhr haben wir Reff 1 ins Großsegel gebunden.

Tag 5 Sonntag, 30. April 2023
Baro 1016, sonnig mit Wolkenfeldern, Wind ONO 7-10 Knoten
Etmal um 09:20 159 sm, deutlich besser als die letzten beiden Tage

Heute Morgen, auch gestern Abend schon, war es etwas kühler, man kann ein Langarm-Shirt durchaus brauchen. 

Um 05:00 übernehme ich die Wache, Volker muss jetzt mal länger als immer nur 15 Minuten schlafen, die Nacht war anstrengend, obwohl wir am späten Abend das Großsegel gerefft hatten. Er musste häufig den Kurs korrigieren, weil der Wind gerne mal ein paar Grad raumte oder wieder weiter von vorne kam. Manchmal frischt es auf, dann muss die Genua ein kleines Stück eingerollt werden und wieder ausgerollt, wenn es wieder weniger wird. Kurzfristig ist der Wind so schwach, dass der Motor mitschieben muss, die leichte Brise kommt genau von vorne. Erst ab ca. 04:00 Uhr ist es beständiger, Volker kehrt zu seinem 15-minütigen Schlafpausen zurück, bis ich ihn um 05:00 Uhr ablöse. 

Sonnenaufgang

„Wenn die Sonne, bezeichnenderweise im Osten und rot hinter Wolken aufgeht“ (das war ein Zitat aus derErschröcklichen Moritat vom Kryptokommunisten“ von  Dieter Süverkrüpp, das ich in meiner rebellischen Jugend gerne gehört habe, können die Navigationslichter aus,  die kleine Solar-Flammenlampe und die Solar-Powerbank müssen auftanken und werden an die Südostseite des Bootes gestellt, und ich bekomme einen Kaffee.

 Als der Skipper erwacht, gegen 07:00 Uhr, wird erst einmal ausgerefft, aber der Motor  bleibt an, denn der Wind ist schwach, und wir sollten bis heute Abend 19 Uhr 75 sm geschafft haben. Jetzt kann auch die Heizung ausprobiert werden, falls es auf den Azoren noch richtig kühl ist, müssen wir nicht frieren, denn sie läuft einwandfrei. Bald danach kann der Motor ausgeschaltet werden und wir segeln gemächlich, mit sechs Knoten Fahrt bei sieben bis acht Knoten Wind über das heute flache Meer.

blau, wohin man schaut

Man soll es ja nicht beschreien, aber heute ist einer der entspanntesten Segeltage überhaupt. Wind zwischen sieben und zehn Knoten, Windeinfallswinkel zwischen 100 und 120 Grad, Sonne, glattes Wasser. Dabei läuft die Hexe mit guten sieben bis acht Knoten Fahrt. Von uns aus könnte das so bleiben bis zu den Azoren. Ich fürchte nur, dass das Wunschträume sind.

Gerade haben wir einen neuen Wetterbericht geholt, es sieht immer noch sehr gut aus für uns, die Winde scheinen uns gewogen, sie sollen uns mit zuweilen bis zu 20 Knoten von achtern anschieben.

Seit über zwei Stunden beobachte ich einen Tanker, der auf Kollisionskurs zu uns von Backbord ankommt. Zwanzig Minuten, bevor wir uns wirklich zu nahe kommen, rufe ich die „Golden Ray“, sie ist auf dem Weg nach Antwerpen, der freundliche Mensch am Funk verspricht sofort, ein Auge auf unsere Route zu haben, und dreht schnell ab, um hinter uns statt vornedran durch zu gehen. 

Inzwischen sind wir tatsächlich so schnell geworden, denn seit 15:50 steht der Gennaker  und zieht uns bei elf Knoten wahrem Wind mit über acht Knoten Geschwindigkeit übers Meer. So werden wir bis zur  Dunkelheit weiter fahren, in der Nacht segeln wir lieber etwas konservativer, denn mit dem großen Segel können wir zwei nicht so schnelle Manöver ausführen. 

Veröffentlicht unter Logbuch | Schreib einen Kommentar

Bocksprünge am 4. Tag

unserer atlantischen Überfahrt, heute ist Samstag, der 29. April 2023

Seit ein paar Wochen haben wir Starlink an Bord und dank der mittlerweile 3.000 Satelliten, die Elon Musk ins nahe Weltall geschossen hat, sind wir in der Regel permanent mit dem weltweiten Netz an Bord verbunden. Für die Traditionalisten unter den maritimen Liebhabern ist das sicher ein Grauen, immer erreichbar oder online zu sein, für uns ist es ein Segen, um es leicht überspitzt auszudrücken.

Können wir doch endlich, immer und jederzeit Wetterberichte mit allen erdenklich wünschenswerten Inhalten abrufen. Ein wahrer Quantensprung für das tägliche Wetterrouting und die gesamte Törnplanung, zumindest für uns normalsterbliche Segler ohne meterologisches Hintergrundstudium.

Aber trotz aller verfügbaren Informationen und der Planbarkeit dank der „schönen neuen Welt“, hält das Wetter immer noch ein paar Überraschungen für den Segler bereit. Manche davon leicht genießbar, weil erfreulich, andere, die zum K(r)ampf mit den Elementen führen. Gestern hatten wir die bevorzugte Variante aus der ersten Kategorie…. Es gab den ganzen Tag über einen wunderbar leichten, segelbaren Wind an der Stelle, wo absolute Flaute herrschen sollte. Der Gennaker stand den ganzen Tag am hohen Karbonmast und zog uns immer weiter nach Nordosten, genau dahin, wo wir hin wollen.

Durch die moderatere Fahrweise erhöht sich der Radius, den wir mit dem Volvo zurücklegen können, auf sagenhafte 1.390 Seemeilen erhöht, unter Einbehaltung einer Notreserve von 100 Litern, wenn die beiden Dieseltanks und alle Reservekanister bis oben hin gefüllt sind. Ich war selbst von dem Rechenergebnis überrascht.

Nur in der Nacht verabschiedete sich der Wind. Unsere neue Strategie ist es, bei Flaute mit nur noch maximal 5 Knoten Fahrt und einem Motor, statt wie bisher mit 6 Knoten Geschwindigkeit zu fahren. Der Vorteil ist, dass sich der Verbrauch unseres 75 PS Motors glattweg von 5 Liter pro Stunde auf 2,5 L/h halbiert. Und das bei nur einem Knoten Geschwindigkeitsverlust.

Seit heute früh heult der Wind wieder um den Mast, er kommt aus Ost-Nord-Ost, mit einem Reff im Großsegel und zwei Reffs in der Genua, geht es in Bocksprüngen über die Wellen, weiter nach Norden. Der stampfende Rumpf schreckt die fliegenden Fische auf, denen ich bei ihren akrobatischen Flugstunts stundenlang zuschauen kann.

Ein kleiner fliegender Fisch lag unter dem Steuerrad

Bedingt durch die Windrichtung and den Amwindkurs ist es auch gefühlt kühler an Bord, die Langarmshirts werden ausgepackt, Cornelia zieht sich eine dünne Daunendecke in den Bettbezug ein, und die Füße werden in wärmende Socken gepackt.

Heute ist für uns  ein besonderer Tag, wir segeln, unter dem nördlichen Wendekreis der Sonne durch, den diese am 21. Juni erreicht, dem Tag der Sommersonnenwende, der zugleich den Sommeranfang markiert und der, auf der Nordhalbkugel der längste Tag des Jahres ist. Man merkt schon an der Menge der Informationen, die im letzten Satz stecken, wie wichtig der 23,26te Breitengrad, der Wendekreis des Krebses, ist.

Und weil Cornelia in jeden Beitrag reinschreibt, was es am Vorabend zu essen gab, will ich das ebenfalls nicht unterschlagen. Gestern Abend haben wir leckeres Ratatouille mit selbstgemachten Hackfleischbällchen und Reis genossen.

Hier noch ein Ausblick auf das Wetter der kommenden Nacht und für den morgigen Sonntag; schwacher Wind, aus östlichen Richtungen, langsam Südost drehend. „Vamos a ver, schaun mer mal!“ sagt die Capitania dazu.

Sonnenuntergang nach dem Abendessen gestern
Veröffentlicht unter Logbuch, Uncategorized | Ein Kommentar

Back to Europe Tag 3

Tag 2 continued

Der Gennaker steht

Gerade als wir den Gennaker ausrollen wollen, erblickt Volker am Horizont einen Squall mit Regen. Da warten wir lieber, ehe wir nachher unser schönes buntes Segel schlagartig wieder einrollen müssen, damit es nicht nass wird. Wir fahren ja keine Regatta.

Irgendwann ist es dann doch soweit, der Gennaker steht und zieht das Boot für vielleicht eine halbe Stunde, doch gegen 16:00 Uhr wird der Wind so schwach, dass wir motoren müssen.

In der Intermar-Runde um 16:30 UTC habe ich leider gar nichts gehört, nicht einmal ein fernes Murmeln, das scheint im Moment noch nicht zu funktionieren. Aber Bernd von der Hullu Poro, DL9BS konnte ich auf den Frequenzen  12.353,
und 16.528 hervorragend empfangen, und er konnte mich auch klar aufnehmen.

Nach dem Abendessen, Nudeln mit Gulasch, lecker, wurde dann doch der Motor ausgeschaltet, es sind um fünf Knoten Wind, das Boot fährt bei einem Einfallswinkel von um 90 Grad knapp unter Windgeschwindigkeit, nach dem Motto: „Besser gut gesegelt, als laut motort“.

In der Nacht sieht Volker ein anderes Segelboot in 12 Meilen Entfernung

Halbtagesetmal um kurz nach 21 Uhr: 74 sm, vier mehr als gestern, der gute Wind von heute Vormittag hat das Ergebnis verbessert, der heutige Abend jedenfalls nicht.

Tag 3, 28. April 2023

Baro 1012,  sonnig-bedeckt, Wind um 09:00 WSW um 2-3
Position um 09:00: 21° 25’N / 59° 51’W
Etmal um 09:15 – 130 sm

Die Nacht verlief ruhig, meist unter Motor, einen Teil mit Segel, insgesamt war es eher schwachwindig. Gegen Morgen wurde auch die Höhe der atlantischen Dünung geringer.

Wettervorhersage für morgen

Am frühen Morgen habe ich während meiner Wache verschiedene Wetterberichte herunter geladen. Natürlich unterschieden sie sich deutlich von den gestrigen  Vorhersagen, aber leider auch waren sich die verschiedenen Wetterfrösche nicht einig über die Aussichten für die nächsten Tage.

 Wir führen einem längeres Telefonat mit Matthijs, dem Regatta erfahrenen Freund aus den Niederlanden, er ist einer unserer Wetterberater, die anderen beiden, zwei Uwes aus der Intermar Funkrunde,  kommen erst später über die Kurzwelle durch. Wir  beschließen als heutige Strategie, zunächst unseren Kurs ein bisschen weiter östlich zu fahren, unter Gennaker geht das mit fast sechs Knoten Geschwindigkeit, später oder morgen dann nördliche Richtungen einzuschlagen.

Die Logge zeigt nichts mehr an, das bedeutet, dass sich in dem kleinen Rädchen, das die Geschwindigkeit des Bootes durch das Wasser misst, irgendwelcher Dreck oder Kraut sitzt. Es bedeutet aber auch, dass die Anzeigen von wahrer Windgeschwindigkeit und -winkel nicht mehr stimmen, was uns bei der Navigation irritiert, da wir nicht nach den scheinbaren Wind navigieren. 

Volker zieht in der SB Vorschiffskabine die Logge raus, dann muss ganz schnell der Blindstopfen rein, der erstmal mit Fett eingerieben wurde, das Rädchen wird gesäubert. Volker probiert aus, es zu drehen, und siehe da, die Anzeige am Kartentisch zeigt wieder die Geschwindigkeit durchs Wasser an. Dann geht der Prozess wieder rückwärts, Blindstopfen raus, Logge rein, und schon stimmt alles wieder!

Wolkenpanorama

Seit dem Vormittag segeln wir unter Gennaker, der Wind ist viel besser als vorhergesagt, wir erreichen zuweilen zehn Knoten Geschwindigkeit, so kann das weiter gehen. Aber leider dreht der Wind soweit, dass wir den Kurs nicht mehr halten können, der Gennaker muss weg. Außerdem bauen sich am Horizont dunkle Wolken auf, bei denen man nicht weiß, was sie mit sich führen, ob darin viel Regen oder heftige Böen lauern.

So geht das weiter bis zum Abend, seit 16:00 Uhr fahren wir mit der Genua. Bei leichtem Wind erreichen wir immer zwischen fünf und sieben Knoten Fahrt. Hoffen wir, dass das die Nacht über durchhält, dann kann der Motor ruhen, und wir abwechselnd auch.

Veröffentlicht unter Logbuch | 3 Kommentare

Back to Europe Tag 2

Logbuch von Tag 1 continued:

Unter vollen Segeln …

Tatsächlich konnte der Motor seit Anguilla viel ruhen, nur das blöde Sargasso-Gras, das hier leider in großen Teppichen vorkommt,  den gemeinen Segler plötzlich abbremst. Das Boot lässt sich nicht mehr steuern und die Geschwindigkeitsanzeige fällt ins Bodenlose. Dann muss der Motor her, mal Vollgas voraus, zur Seite oder nach hinten, anschließend ist es wieder für eine Weile in Ordnung, und wir können segeln.  Bis zum nächsten Mal.

Inzwischen hat auch der Wind zugenommen, der wahre Wind bläst mit 10-14 Knoten ausOstnordost, der scheinbare Wind ging sogar auf über 17 Knoten, sodass wir für die Nacht die Genua ein bisschen gerefft haben.

In der Pantry wird fleißig geschnippelt und eingekocht

Volker hat den ganzen Nachmittag in der Küche gestanden und aus dem gestern gekauften frischen Hackfleisch Bolognese und Albondigas, kleine Hackbällchen in Ratatouillesauce, zum Einwecken gekocht. Aus dem Rindfleisch wurde Gulasch gemacht, ebenfalls in Gläser abgefüllt, um es haltbar zu machen, und für morgen steht u.a.noch Schweinegeschnetzeltes auf dem Plan. 

Kleine Überreste, die nicht mehr ins letzte Glas passten, durfte ich kosten, und es war sehr lecker. Nur die Küche sah hinterher aus, als hätte der rote Blitz eingeschlagen, aber wir hatten ja durch die Motorstunden ausreichend warmes Wasser zum Spülen und Putzen.

Um 18:30 wird gegrillt, ja, das machen wir auch gerne an Bord, wenn es nicht zu ruppig ist, eingelegte Schweinesteaks und Cevapcici, dazu einen netten Eichblattsalat, damit wir – wie gesagt – dem Skorbut vorbeugen.

um 19:30 ist es stockdunkel, nur der noch nicht halbe Mond lächelt freundlich vom Himmel. Bis 00:30 wird er noch zu sehen sein. Wir freuen uns schon auf den Vollmond am 5. Mai.

Der Wind frischt um 21 Uhr immer weiter auf, es muss ein weiteres Reff in die Genua, aber jetzt geht es ein bisschen flotter voran. Das Zwölf-Stunden-Etmal beträgt 70 sm.

Jetzt kommt Tag 2

Baro 1011, am Horizont ist eine umlaufende Wolkenschicht, Wind um 3 Beaufort
Tagesetmal um 09:15: 148 sm

Alarm für gefährliche Ziele ist eingeschaltet

Volker hat um 23:30 Uhr die Wache übernommen, alle 20 Minuten ruft ihn der Wecker seines Telefons zur Pflicht: Einmal schauen, ob alles in Ordnung ist, der Windwinkel zum Segel stimmt, keine gefährlichen Schiffe in der Nähe sind. Sollten andere Boote in unserer Nähe auftauchen, würden sowohl das AIS als auch das Radar dieses mit lauten Geklingel vermelden. Auch die Genua wird in der Nacht wieder ausgerefft, als der Wind abgenommen hatte.

Um 05:00 löse ich den Skipper ab, jetzt kann er ohne Unterbrechungen schlafen. Inzwischen ist es nicht mehr stockdunkel, die Dämmerung zeigt sich am Horizont. Um 05:40 geht die Sonne auf, aber noch ist sie zu schräg, um mittels unserer Solarpaneele die Batterien aufzuladen. Der Autopilot, das Radar, und die vielen Instrumente verbrauchen in diesen Nächten natürlich sehr viel mehr Strom als in unserer Zeit vor Anker.

Der Skipper darf auch mal schlafen

Eine angenehme atlantische Dünung mit ihren Wellentälern und -bergen hebt und senkt die Hexe sanft, manchmal lässt der Wind auf acht Knoten nach, dann werden wir langsamer, wir machen nur noch um die 6 Knoten Fahrt, sonst läuft das Boot um die sechseinhalb bis sieben Knoten. Zwei fliegende Fische haben heute Nacht zur „Freude“? des Skippers ihren Weg auf unser Vordeck gefunden. 

Ab 07:30 frischt der Wind auf 11-13 Knoten auf, der Windeinfallswinkel dreht auf 90-100 Grad, nun läuft die Hexe mit 8-9 Knoten Fahrt. Das hält sich so bis zum Frühstück um 10:30 Uhr, dann flaut die Brise wieder ab. Mal sehen, was die nächsten Tage so bringen …

flott unterwegs

Tag 2 continued kommt morgen.

Veröffentlicht unter Logbuch | Schreib einen Kommentar

Back to Europe Tag 1

Mittwoch, 26. April 2023
Baro 1011, sonnig mit einzelnen Wolkenfeldern, Wind um 3 Beaufort, die See ist flach

Bye bye St. Martin

Volker ist früh morgens noch einmal an Land gefahren, weil eine unserer Einkaufstaschen vom gestrigen Großeinkauf verschwunden ist. Und das Obst, das da drinnen war, brauchen wir ja unbedingt gegen den Skorbut auf unserer mindestens 14-tägigen Reise über den Atlantik.

Dort, wo die Windpfeile Richtung Osten zeigen, wollen wir hin, um schneller zum Ziel zu kommen

Um 09:06 geht der Anker auf, acht Minuten später wird das Großsegel gesetzt. Leider müssen wir noch motoren, der Wind ist so schwach, und kommt aus der falschen Richtung. Der direkte Kurs zu den Azoren wäre 60 Grad, aber wir werden anfangs versuchen, etwas weiter nach Norden zu halten, um möglichst schnell an den unteren Rand des Tiefs zu kommen, ab dort schiebt der Wind uns in die richtige Richtung.

Letzte Landsicht vor den Azoren oder den Kanaren, die Nordspitze von Anguilla

Ab der Nordspitze von Anguilla wird der Motor wird ausgeschaltet, um 12:27, ab jetzt wird gesegelt. Wir müssen Diesel sparen, denn es kann gut sein, dass wir die letzten drei Tage keinen Wind mehr haben werden, und der Motor wieder die Aufgabe der Segel übernehmen muss.

Wer unsere Reise verfolgen will, kann das auf folgenden Internet-Seiten tun:

https://forecast.predictwind.com/tracking/display/syHexe/

Vom roten Punkt aus geht unsere Reise los

oder

https://my.yb.tl/syHexe5x

Das ist unsere bisherige Route seit Januar 2022, hier sind wir der gelbe Punkt

Wir werden möglichst täglich neue Berichte in unseren Blog stellen, damit unsere Freunde und Follower wissen, wie es uns in den Weiten des Atlantiks ergeht. 

Veröffentlicht unter Logbuch | 5 Kommentare

Wartezeit

Viel zu schnell gingen die wunderbaren Tage mit Larissa und Johannes vorbei, und ehe wir uns versahen, war es an der Zeit, die beiden zum Flughafen in den holländischen Inselteil zu bringen und zuzuschauen, wie sie im flughafentypischen Menschengewusel verschwanden.

Abschied ist jetzt keine Paradedisziplin von mir, obwohl ich es schon so oft exerziert habe.

Nachbau einer chinesischen Dhau, am Ankerplatz

Montags haben wir uns dann mal die Wetter- und Windsituation auf dem Atlantik zu Gemüte geführt. Viel Unterstützung erhielten und erhalten wir bei der Wetterplanung von unserem holländischen Freund Mattijs, der uns auf eine gute Wettersite aufmerksam gemacht hat, hier der Link für alle interessierten Segler:

https://www.woweer.nl/cgi-bin/expertcharts?LANG=nl&MENU=0000000000&CONT=noat&MODELL=gfs&MODELLTYP=1&BASE=-&VAR=pslv&HH=192&ARCHIV=0&ZOOM=0&PERIOD=&WMO=

Cornelia hat die Isobarenkarten für die folgenden acht Tage ausgedruckt und unsere Reiseroute darüber gelegt, das Gleiche haben wir mit den Windvektoren getan. Anschließend haben wir ein voraussichtliches Etmal von 170 gesegelten Seemeilen angenommen, nur um kurz darauf zu merken, dass wir keine Chance haben werden, das vorbeiziehende Tiefdruckgebiet auf 28 Grad Nord und 50 Grad West zu erreichen.

1.000 Seemeilen in fünf Tagen schaffen wir unter Idealbedingungen, aber nicht bei einem Mix aus Amwindkurs und ausgebreitetem Flautengebiet, bedingt durch eine Hochdruckbrücke, zwischen den Azoren und Bermuda.

So wiederholt sich der Blick aufs Wetter Tag für Tag, bisher ist da aber keine Änderung der Wettersituation in Sicht. Wir sind abfahrtsklar, das Schiff ist abfahrtsklar, irgendwann wird es schon passen.

Cornelia und Wolfgang im Lagoonies

Nach fast einem Jahr, kreuzen sich auf Saint Martin wieder die Wege mit unserem Freund Wolfgang und das wird kräftig gefeiert. Mal im Lagoonies in der holländischen Lagune, wo sich viele Segler zum Abendessen und Live-Musik hören einfinden, ein anderes Mal im Le Plongeoir in Marigot, oder im Sint Maarten Yachtklub, dem Seglertreffpunkt bei der holländischen Brücke. Wolfgang und Segelfreund Ralf sind beide begeisterte Foilsurfer, egal ob mit Kite-, dem Wing- oder dem Surf-Foilboard.

Auf jeden Fall sprachen die beiden so voller Euphorie von dem Fliegen über dem Wasser, dass sich der Foilvirus auch Stück für Stück bei mir einnistete. Beide ermunterten mich, das Foilen einmal auszuprobieren und boten sich als versierte Instruktoren an. Der Plan ist es, es erstmal sitzend auf einem Foilsurfbrett, das von einem Dinghy gezogen wird, auszuprobieren. Es folgten einige klar strukturierte Erklärungen, denn der Foil verzeiht nur kleinste Fehler und reagiert schnell und sensitiv auf gewichtsmäßig falsch platzierte Körperteile. So reicht es schon beispielsweise, nur das linke Bein ein wenig anzuheben und schon geht das Foilbrett in eine Linkskurve. Ralph macht alle Übungen für mich auf dem Foilbrett vor und dann ist es schon im wahrsten Sinne des Wortes an der Zeit, ins nicht ganz so kalte Wasser der Lagune zu springen.

Der erste Absturz vom wackligen Board erfolgt kurz nach dem Aufstieg, doch beim zweiten Versuch klappte es schon, erst in Gleitfahrt und dann hebt sich das Brett aus dem Wasser und ich foile zum ersten Mal in meinem Leben. Es folgten natürlich noch ein paar stuntartige Abstürze, doch nach einer guten dreiviertel Stunde genieße ich das Schweben auf dem Board, das ich sofort mit dem berühmten fliegenden Teppich assoziiere.

Anschließend läuteten wir die nächsten Stufe ein, ich will, stehend auf dem Brett, foilen. Doch das ist schwerer als es aussieht und der Fortschritt ist ein wenig schleppend. Am Schluss, und da habe ich schon reichlich Salzwasser geschluckt, stehe ich doch ganz passabel auf dem Brett. Nach anderthalb Stunden war mein sportliches Soll erfüllt. Vielen Dank an euch beide für kompetente Erklären und fürs Fahren vom Dinghy. Cornelia wollte leider nicht mit zum Foiltermin, deshalb gibt es da auch keine Fotos.

Das Ganze schreit natürlich nach Wiederholung, so viel Spaß hat das gemacht. Wolfgang und Ralph sind sich einig, dass ich beim nächsten Mal das Kitefoilboard ausprobieren soll, ich bin gespannt, wie das wird.

Champagne Friday mit Freunden

Gestern hatten wir eine schöne und traditionelle Champagne-Friday-Feier bei uns an Bord, mit einer dänischen Familie mit zwei Kindern, einem holländischen Segelpaar mit Sohn, Ralph, Wolfgang und Lars waren auch mit von der Partie.

Heute früh war Seglerflohmarkt im holländischen Inselteil im Lagoonies. Da wir aber nach nix speziellem gesucht haben, blieb umso mehr Zeit, sich mit den ausstellenden und schauenden Seglern zu unterhalten, eine sehr gesellige Veranstaltung.

Wir hoffen weiter auf einen günstigen Wind, um zu den Azoren zu segeln, so richtig eilig haben wir es jedoch auch nicht, es ist ja noch früh im nordatlantischen Jahr.

Veröffentlicht unter Leben an Bord | Schreib einen Kommentar

Drachen auf Antigua und Hummer auf Barbuda

Nach unserer etwas ruppigen Überfahrt nach Antigua blieben uns noch drei Tage Zeit auf der Insel, denn Volker und Bernd hatten für Dienstag einen Termin bei „meinem“ Zahnarzt in St. John bekommen, beide vor allem deswegen, damit sie nicht auf der längeren Überfahrt wegen eines Zahnes schreckliche Schmerzen haben. „Meinem“ Zahnarzt deswegen, weil Dr. Moursy mir bei unserem letzten Antigua-Aufenthalt einen Zahn gezogen hat, der wegen einer Entzündung schreckliche Schmerzen machte. Und es hat überhaupt nicht weh getan! Das war auch der Grund, dass Volker, der bei Zahnärzten ganz klein wird, seinen schmerzenden Zahn dort behandeln lassen wollte. Es ging auch alles gut, „er hat überhaupt nicht gebohrt“!

Wir nutzten die Zeit, Larissa und Johannes etwas von der Insel zu zeigen. Dazu liehen wir am Ostermontag Morgen ein Auto bei Titi Car, bei denen wir schon während unseres letzten Aufenthalts auf Antigua einen Wagen ausgeliehen hatten. 

Und wir haben sooo ein Glück! Als wir zur Teufelsbrücke kamen, das ist eine der Hauptsehenswürdigkeiten von Antigua, eine natürlich entstandene Felsformation, die sich als Brücke zwischen zwei größeren Landflächen spannt. Durch den Nordost-Passat wurde der Sandstein immer weiter ausgewaschen, nur der obere Teil blieb bestehen. Durch viele Höhlen schießen bei stärkerem Wind und welligem Meer wilde Wasserfontänen nach oben, ein gigantisches Naturschauspiel, das wir bei unserem ersten Besuch ausgiebig bewundern konnten.

Diesmal haben wir uns bei der Anfahrt gefragt, warum so viele Autos hier parken, wir hatten Glück, überhaupt noch einen Parkplatz gefunden zu haben, mindestens einen Kilometer weit weg von dem Meer.

Schon beim Laufen sahen wir ganz viele Drachen am Himmel stehen, und als wir zu dem eigentlichen Ort kamen, waren es hunderte bunter Flieger, die mehr oder weniger hoch am Himmel standen. In bunten Farben und Formen, viele selbst gebaut, es gab unzählige Kinder, die stolz ihre Flieger führten, so ein schönes Schauspiel! Deshalb hier Bilder statt weiterer Worte:

Am Mittwoch sind wir früh losgefahren nach Barbuda, denn wir wollten am Nachmittag noch zu der Fregattvögeln. Hier ist die größte Kolonie in der westlichen Hemisphäre. Auf Vermittlung des Wirtes von Shak-A-Kai (siehe weiter unten) holte uns Francis mit dem Taxi ab, und fuhr mit uns über staubige Straßen in die Hauptstadt Codrington. Francis erzählte viel über die Insel, die ihm sehr am Herzen laiegt, war er doch von Antigua gekommen, um hier die Ruhe und Sicherheit zu genießen. „There is zero crime on Barbuda“, hier gibt es keinerlei kriminelle Aktivitäten. So konnten wir unseren eher zwiespältigen Eindruck unseres letzten Besuches immer weiter revidieren.

Francis setzte uns am Hafen ab, wo George schon wartete, ein über siebzigjähriger Fischer, der mit seinem Boot auch Touren für Besucher der Insel zu eben jener Fregattvögel-Kolonie anbietet. Und er ist ein großer Geschichten-Erzähler. Mit Stories aus seinem langen Leben und vielen interessanten Details von den Vögeln und ihren Nistplätzen hat er uns über anderthalb Stunden unterhalten.

Der ursprüngliche Nistplatz in den Mangroven der Lagune wurde vom Hurrikan zerstört, aber die Vögel kamen wieder und suchten sich einen neuen Platz in den dichten Mangroven. Obwohl die Menge durch den Hurrikan Irma in 2017 deutlich dezimiert wurde, sollen es jetzt wieder an die 20.000 Tiere sein, die hier brüten und ihre Jungen großziehen. George brachte uns bei, wie man Männchen von Weibchen unterscheidet, und wie die noch nicht erwachsenen Tiere aussehen. Die männlichen Tiere haben diese orangefarbenen Kehlsäcke, die sie zur Brutzeit beeindruckend aufblasen können, die Weibchen sind größer und schwerer und haben eine weiße Brust. Die juvenilen Vögel zeigen einen weißen Kopf und tiefdunkelblaue Augen, während die erwachsenen Tiere alle schwarze Augen und Köpfe haben.

Wir haben die Nester bewundert, den Vögeln beim Fliegen zugeschaut.  Fregattvögel haben eine Spannweite von 177-240 cm, gut sichtbar ist auch der fächerartige Schwanz, und die unglaublich elegante Art, durch die Lüfte zu schweben. Von so einem Schweber hat Larissa einen kleinen „Glücksschiss“ auf den Kopf bekommen. Auch hier sprechen die Bilder:

George und sein Ausflugsboot

Dann hat George uns zurück zum Hafen gefahren, dort wartete Francis wieder mit seinem Bus, und nach einem kurzen Besuch im hiesigen Supermarkt, wo Volker für alle Bier oder wahlweise alkoholfreie Getränke spendierte, fuhr Francis uns zurück zum Strand.

Für unser Abendessen hatte ich bei Enoch vom Shak-A-Kai, dem legendären Hummer-Griller am Strand, zweimal Hummer und zweimal Hühnchen bestellt. Im Shak-A-Kai sollten wir schon vor über einem Monat mit Freunden drei Geburtstage feiern. Die Feier wurde wegen zu starken Seegangs an der Anlegemöglichkeit am Strand abgesagt, aber diesmal war die See ruhiger und wir trauten uns. Nur der Weg dorthin ist mit einigen Riffen gepflastert, die bis kurz vor die Wasseroberfläche reichen, deshalb habe ich bei unserer Fahrt im Hellen einen Track erstellen lassen, sodass wir im Dunkeln wussten, welche Stellen zu meiden waren. Aber Volker hatte das natürlich schon in seinem Kopf abgespeichert.

Larissa und Johannes bei Shak-A-Kai

Nach einem kurzen Ausruhen an Bord ging es zum Strand zurück, dort ist es trotz flacheren Wellen immer noch ein Abenteuer, ohne nass zu werden aus dem Boot zu steigen, und eine ziemliche Anstrengung, es hoch auf den Strand zu ziehen, damit keine Wellen es wegtragen können.

Vorher: Auf dem Grill

Die Kartoffeln glänzten in der Alufolie, die Hummer lagen halbiert auf dem Grill, und die Hühnchenbeine bruzzelten ebenfalls. Den Sonnenuntergang beobachteten wir wieder mal vom Strand aus, (ich erspare mir – und unseren Lesern – hier das fünfhundertste Bild im weltweiten Netz).

Dann kamen auch noch Nicole und Pierre von der Outremer 45 Te Reva. Volker hatte das Boot, das sich auf Dominica von der Mooring los gerissen hatte und durch das Ankerfeld trieb, ja damals gerettet, und heute wieder rette er die beiden beim Anlanden vor dem Bad im Meer.

Am Tisch
…danach

Und diese Hummer waren köstlich, köstlich, köstlich! Jeder bekam zwei Hummerhälften vom Grill, wir konnten schlemmen, bis unsere Bäuche rund waren. Larissa und Volker bekamen Hühnerbeine, die wohl auch sehr lecker waren, aber natürlich nicht so sensationell wie unser Hummerschlemmen!

Den ganzen Tag, 75 Meilen, mit dem Gennaker

Heute, am Donnerstag, sind wir auf dem Weg nach Saint Martin. Bei leichtem Seegang und vollem Großsegel steht der Gennaker, wir segeln fast vor dem Wind, die Hexe zieht uns beständig und ruhig nach St. Barth, wir sind alle glücklich und der Skipper zufrieden mit der Performance seines Bootes.

Veröffentlicht unter Leben an Bord | Schreib einen Kommentar

Ein wilder Ritt – Logbuch von Ostersonntag

Deshaies Sud 07:00 – 11:40 Falmouth Bay, 43 sm
Baro 1014, bedeckt, manchmal Sprühregen, Wind Ost 6-7 Beaufort, die See um 2 m

Um sieben Uhr geht der Anker auf in der Bucht südlich von Deshaies, wo wir heute Nacht ganz alleine waren. Um 07:25 waren die Segel gesetzt.

Im Schatten der Insel sind Wellen und Wind noch human, 1,5 m Höhe und 18 Knoten Wind. Aber als wir aus der Abdeckung raus sind, in derPassage zwischen Guadeloupe und Antigua frischt der Wind auf, ganz schnell sind 30 Knoten auf der Logge, die Wellen werden ruppiger. Erst kommt Reff 2 in die Genua, dann Reff 3, anschließend Reff 2 ins Groß. Das erste Reff im Großsegel haben wir schon seit längerem nicht mehr ausgeschüttet. 

Bei einem Einfallswinkel von 90 Grad und 24 bis über 30 Knoten Wind fliegt die Hexe mit 11 bis über 13 Knoten ihrem Ziel, der Bucht von Falmouth bei English Harbour entgegen. Das Boot ist komplett versalzen, denn immer wieder spritzt die Gischt durch das Trampolin und ruppige Wellen erschüttern das Boot. 

Ich habe Mühe, beim Schreiben die richtigen Tasten zu finden, immer wieder muss ich vertippte Wörter korrigieren.

Im Bad haben die Bierdosen-Paletten – der Schwerkraft geschuldet – ihren Platz unter dem Waschtisch verlassen.

Auch die Kakteen haben sich diesmal den Tatsachen ergeben,

und sogar die kleine Hulla-Tänzerin hat ihren Platz am Backbord-Fenster verlassen.

Nur die Agave und die Orchidee sind standhaft geblieben.

 Ab 09:30 lässt der Wind ein bisschen nach, es sind nur(!) noch um die 20 Knoten, allerdings sinkt damit auch die Geschwindigkeit und wir segeln gerade mal mit 10 Knoten ;-). Auch die Wellen sind niedriger geworden. 

Nur die vorderen 2 Boote müssen noch überholt werden, die anderen haben wir schon im Kielwasser.

Ab 10 Uhr wird es mit um 18 Knoten fast schwachwindig, der Skipper wird nervös, wir brauchen mehr Segelfläche. Es war mir schon klar, dass das zu einer Regatta ausartet, denn bekanntlich sind zwei Boote bereits eine Regatta.  Und hinter uns segelt eine – zumindest während der Zeit der großen Böen – übertakelte, neuere Outremer 51 mit Foliensegeln, die uns, nachdem der Wind nachgelassen hatte, immer näher kam. Das geht natürlich nicht! Nun muss definitiv ausgerefft werden. „Das Boot lief doch nicht mehr, hast Du das nicht gemerkt?!“. Ab dem Zeitpunkt kommt der Skipper alle fünf Minuten zur Navigation, um zu schauen, wie weit die „Kalyma“, so heißt der Konkurrent, von uns entfernt ist, ob wir Strecke gutmachen oder verlieren. Nach dem Ausreffen wurde der Abstand zu Kalyma wieder größer, zur Freude des Skippers. Zwei Boote, eine Regatta! Lange vor dem Konkurrenten treffen wir in English Harbour an, Volker ist zufrieden.

Wir schaffen es tatsächlich, an der gleichen Stelle wie vor 14 Tagen zu ankern. Es waren 43 sm in viereinhalb Stunden, mit Reffen und Ausreffen und Segel setzen und bergen. Ein guter Schnitt, wir sind stolz auf unsere Hexe und ihre Performance.

Veröffentlicht unter Logbuch | Ein Kommentar

Erfahrungen in Barbuda

Am Mittwoch war es dem Skipper  – mit dem Gedanken an die nächsten vier Tage vor Jolly Harbour – langweilig. Eine Lösung dieses schwerwiegenden Problems wäre es, wenn wir am nächsten Tag rund Antigua segeln würden. Zuerst 9 Meilen bei halbem Wind zu der nordwestlichsten Spitze der Insel, dann 10 Meilen kreuzen bis zur nordöstlichen Spitze. Von dort aus könnten wir – bei einem angenehmen Halb- bis Raumwindkurs – bis zur südöstlichen Ecke „brettern“, wie Volker es nennt. Schließlich ginge es – je nach Uhrzeit – direkt vor dem Wind entweder bis English Harbour oder wieder zurück nach Jolly Harbour.

Antigua ist auch rund

Aber Donnerstag Morgen um sechs Uhr, direkt nach dem Aufwachen, meinte Volker: „Wir könnten doch auch heute nach Barbuda segeln, und Samstag zurück nach Jolly Harbour?!“ Barbuda ist die zu Antigua gehörende kleine Insel im Norden. Klar, am Montag könnten wir dann in Antigua ausklarieren, und in die Bucht von Malendure auf Guadeloupe segeln. Dort werden wir, zusammen mit Bernd von der Hullu Poro, auf Segelfreund Rainer am Dienstag sowie auf Larissa und Johannes am Karfreitag warten.

„Also dann los!“ Der Skipper macht die Motoren an, das Großfall klar, unser improvisiertes  Ankerlicht wird von der Lazy Jack-Aufhängung geholt, Zähneputzen kommt später. Zehn Minuten danach ist der Anker gelichtet, und wir fahren langsam aus der Bucht, in der ebenfalls einige Segler bereits an Deck sind.

„Guten Morgen“, unser Nachbar  hat eine deutsche Flagge am Heck. „Goedemorgen“ grüßt Volker den Skipper des kleinen Bootes dahinter, ein Holländer. „Good Morning“ heißt es ein bisschen weiter draußen, dort ankern zwei englische Einrumpfer und ein amerikanischer Katamaran nahe beieinander. Kurz vor dem Segel setzen noch ein „Bonjour“ an den dort vor Anker liegenden französischen Kat. Spanische und italienische Boote haben wir an diesem Morgen nicht gesehen, sie sind aber durchaus vorhanden, ebenso wie zahlreiche Dänen, Norweger und Schweden. Noch viele andere Nationen werden durch die Flaggen am Heck der Boote repräsentiert. So international ist des Seglers Leben in der Karibik. Wir genießen es sehr.

Wir segelten unter Vollzeug mit einem Windeinfallswinkel von 90 Grad über die nordwestliche Inselspitze raus Richtung Barbuda, das schon am Horizont gut erkennbar ist. Im Osten zeigen dicke Wolken an, dass in ihnen sicher mehr Wind und vielleicht Regen, lauert, als die angenehmen 17 Knoten, die zuerst unsere Segel füllen. Tatsächlich frischt es auf bis über 25 Knoten Wind. Zuerst muss die Genua ein Stück gerefft werden, dann kommt wieder mal Reff 1 ins Großsegel.  Nun kann Volker durch Ein- und Ausreffen der Genua die optimale Balance halten zwischen Komfort und Schnelligkeit. 

Überhaupt Speed: Mit gerefftem Groß und verkleinerter Genua standen auf der Logge 14,7 Knoten!  Beinahe 11 Knoten Durchschnitt für unsere gesamte Fahrt. Volkers Mundwinkel ziehen sich – trotz der frühen Stunde – ganz nach oben. Diese Fahrt wird in unsere Segelgeschichten einfließen.

Die 33 Meilen bis Barbuda vergingen schnell, sodass wir bei der Ankunft nach einer Katzenwäsche  für die von den überkommenden Wellen versalzene Hexe, unser Frühstück einnehmen konnten.

Jetzt unser Eindruck von Barbuda: Auf meinen Wunsch sind wir nach Codrington gefahren, das ist die Hauptstadt der Insel, und der einzige Ort. Meistens gehen die Segler vor dem südwestlichen Strand mit rosa Sand vor Anker, dort befindet sich ein legendäres Restaurant, Shak a Kai, wo Enoch, kalte Drinks serviert, und die Hummer auf Bestellung frisch aus dem Meer holt. Wir haben uns das für unseren nächsten Besuch aufgehoben, weil ich mir unbedingt ein Bild von der Stadt machen wollte, in der fast alle der 3.000 Einwohner der Insel leben.

Wir ankerten am südlichen Ende der Low Bay,  nicht weit von der Einfahrt in die Lagune. Die Fahrt  nach Codrington wurde zu einem wilden Ritt, die Wellen in der Lagune sind ganz schön ruppig, aber irgendwann waren wir am Steg angekommen. Ich hatte ja nichts wirklich Besonderes erwartet, aber was wir in dem kleinen Ort vorfanden, hat uns sehr schockiert. Wir liefen durch die Straßen, wo große verblichene Plakate hängen, dass Barbuda wieder aufgebaut und zu neuer Blüte gebracht werden soll. Das ist wohl nicht passiert. Die Häuser sehen immer noch aus, als sei der letzte Hurrikan, der die Insel getroffen hat, ein paar Monate her, nicht einige Jahre.

Die Kita

Es gibt einen kleinen Supermarkt, der ziemlich gut bestückt ist, denn er ist der größte auf der Insel. Es gibt eine Kita für Kinder von drei Monaten bis zu drei Jahren. Dort sieht es auch ganz ordentlich aus.

Und da ist eine Grundschule mit einer großen Wiese. Dass dort eine ganze Ziegen-Großfamilie seelenruhig die Blätter von den Sträuchern frisst, ist zwar für uns ungewohnt, aber durchaus in Ordnung. Nur dass dort ebenfalls große Mengen an Müll herum liegen, ist skandalös! Wie sollen die Kinder denn lernen, dass Abfälle, vor allem Plastik, nicht einfach so in die Gegend geworfen werden können! Überall finden wir Müll, am Straßenrand, auf großen Haufen, das ist wirklich sehr traurig. Trotzdem sind die Menschen dort so freundlich und hilfsbereit, sie müssten nur lernen, wo die Abfälle hin gehören.

Zerstörtes Haus am Strand

Auf der Rückfahrt aus der Lagune machten wir noch einen Abstecher ans nördliche Ende der Bucht. Auch dort sind ehemals schöne Häuser einfach so dem Verfall preisgegeben, und das auf einer Insel, die für viele Reisende ein Art Traumziel darstellt. Schade!

Veröffentlicht unter Leben an Bord | Schreib einen Kommentar

Weltkultur

Nicht nur Darmstadt kann sich, wegen  der wunderschönen Mathildenhöhe mit dem Titel Weltkulturerbe schmücken, sondern auch English Harbour auf Antigua mit dem Nelson’s Dockyard. Welcher Nelson gemeint ist, nach dem das Weltkulturerbe benannt wurde, ist wohl jedem klar. Horatio Nelson, der wohl bekannteste Admiral der englischen Navy.

Admiral Horatio Nelson

Im Jahre 1671 kamen die ersten Engländer in dem hurrikan-sicheren Hafen an, und errichteten nach und nach Festungsanlagen Wohneinrichtungen, Handwerkshäuser und Werften in English Harbour. Ab 1800 und während der folgenden Napoleonischen Kriege war English Harbour der Hauptstützpunkt von Admiral Nelson und der englischen Armada in der Karibik. 

Nach dem Ende der napoleonischen Kriege sowie dem Frieden mit Spanien, verfiel der Militärstützpunkt in eine Art Dornröschenschlaf. Es gab verschiedene Pläne zur weiteren Verwendung für den Hafen, die dann aber nicht umgesetzt wurden. 

Erst ab 1950 fand sich ein illustrer Freundeskreis zusammen, der sich die Renovierung der historischen Gebäude und der Hafenanlage auf die Fahnen geschrieben hatte. Während der Renovierung wurden zudem archäologische  Untersuchungen durchgeführt, die zahlreiche Artefakte wieder an die Oberfläche beförderten. Heute ist die gesamte Befestigungsanlage Museum und Yachthafen zugleich. 

Wir haben NelsonsDockyard natürlich einen Besuch abgestattet und waren begeistert von dem, was wir zu sehen bekamen und wie heute die historischen Gebäude genutzt werden. Ein Besuch lohnt sich also!

Und just ein Tag, bevor wir dort waren, kam auch eine junge Frau in der Marina mit ihrem Ruderboot an, die in 99 Tagen, allein und nonstopp, im Rahmen der Thalisker Atlantic Challenge, über den Atlantik gerudert ist. Respekt vor soviel Mut und Ausdauer! Das Team um die junge Heldin war gerade dabei, alle Gegenstände, die während der Überquerung in dem winzigen Ruderboot gestaut waren, auszuräumen. Trotz des knappen Platzes an Bord war alles, was man zum Leben und Überleben braucht, irgendwo verstaut: Überlebensanzug, Navigation und Kommunikation, Werkzeuge, Seenotsignalmittel, gefriergetrocknete Lebensmittel, etc.

Ausblick vom Yachtclub

Unsere Abende haben wir in der Regel im Clubhaus des Antigua Yachtclubs verbracht, der ein sehr schönes Restaurant mit großer Bar beherbergt und einen tollen Ausblick über die ganze Bucht bietet. Am letzten Wochenende führte der Yachtclub, bei reichlich Wind, eine Laser- und OptimistenRegatta mit reger Beteiligung durch. Da die Luvboje, sehr nah zu unserem Boot lag, konnten wir das Spektakel live verfolgen. Da wurden dann natürlich wieder Erinnerungen wach an meine Zeit als aktiver Regattasegler. 

Gestern hat Cornelia einen Zahn gezogen bekommen, der ihr schon lange Probleme bereitet hatte und zudem vereitert war. Sie war mit dem Zahnarzt so zufrieden, dass wir den jetzt auch mal nennen werden.

268 Dentist heißt die Praxis in St. Johns von Dr. Moursy; hoffentlich bleiben alle Blogleser von Zahnproblemen verschont, aber wenn, ist es ja gut zu wissen, „hier werden Sie geholfen“.

Und wenn wir schon mal beim Nennen von Ärzten sind, machen wir gleich mal weiter, denn es gab auch  ein kardiologisches Problem mit zu niedrigem Puls, und einer notwendigen medikamentösen Umstellung bei der Capitania. Die Ärztin, Dr. Meade,  konnte ihr sehr professionell und schnell helfen. Ihre Praxis, das Hope & Grace Cardiac Center,.ist ebenfalls in St. John’s gelegen. Auch andere Segler haben uns nur positive Rückmeldungen, bei verschiedenen Wehwehchen, zur Behandlung auf Antigua gegeben. Das Gesundheitssystem scheint vorbildlich zu funktionieren.

Wie bei fast allen ehemaligen englischen Kolonien, fährt man auf Antigua auf der falschen ;-), sprich linken Straßenseite, und bei der ersten Ausfahrt mit dem Mietwagen muss man sich schon gut konzentrieren, um nicht auf der rechten Fahrbahn als Geisterfahrer zu enden. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase ist das dann aber kein Problem mehr, zumal, wenn das Steuer auf der rechten Seite ist.

Wir haben noch ein paar touristische Highlights abgeklappert. Die spektakulärste war zweifelsfrei die „Devils Bridge“, eine natürliche Steinbrücke über dem Abgrund, wo der Atlantik anbrandet und manchmal Wasserfontänen hoch spritzen. 

Es bleibt noch anzumerken, dass die Versorgungslage auf Antigua sehr gut ist, alle Dinge für das tägliche Leben sind in Hafennähe verfügbar.

Da hab ich jetzt ziemlich viele, zum Teil unzusammenhängende Punkte in diesen Blogbeitrag reingepackt, aber manchmal ist es schwer, alle Eindrücke und Erlebnisse klar zu strukturieren. Wir versuchen jedoch gerne auch in den Beiträgen, neben schönen  oder touristischen Punkten ein paar nützliche Hinweise für die Segler zu hinterlassen, falls auch sie hinkommen, wo wir schon waren.

Veröffentlicht unter Leben an Bord | Schreib einen Kommentar