Auf nach Süden Tag 12

24. November 2022, auf See
Baro: 1010 Hektopascal, Etmal 12:00 Uhr 145 Seemeilen, sonnig mit Wolkenfeldern, Wind OSO 14-24 Knoten, Position um 13:30 19°34.785N, 64°38.926W
Cornelia hat mich gebeten, den gestrigen Tag von ereignislos auf einen Tag mit einzelnen Ereignissen umzuschreiben.
Die Fernbedienung vom Autopilot wollte am späten Nachmittag nicht mehr mit ihrer Basisstation kommunizieren, also haben wir uns als Gegenmaßnahme einen kompletten Shutdown der Navigationselektronik erdacht. Ich steuere das Schiff von Hand und die Capitania, ganz in ihrem Element, schaltet die besagte Elektronik nach und nach aus. Beim wieder Hochfahren zeigt das Instrumentarium keine Winddaten mehr. Es dauert eine ganze Weile mit ausprobieren, bis wir kapieren, dass nur der wahre Wind nicht mehr angezeigt wird, weil wahrscheinlich das System erst jetzt erkannt hat, dass die Logge schon seit Tagen kaputt ist, das soll man mal verstehen. (Wahrscheinlich hatten wir es seit dem nicht mehr ausgemacht, so merkte die Windanzeige erst jetzt, dass nur der scheinbare Wind angezeigt werden kann.) Der scheinbare Wind wird, Gott sei Dank, mit Stärke und Richtung tadellos angezeigt. Nach dem Schreck mache ich einen meiner täglichen Kontrolltrollgänge rund ums Boot und sehe, dass die Niederholerleine vom Hydrogenerator gerissen ist, und dass der pinnenähnliche Schenkel mit dem Propeller halb oben schwimmt. Schwimmweste und Lifeline werden angelegt und ab geht es auf die, mal immer wieder von Wellen geflutete Badeplattform. Kurze Zeit später ist der Wassergenerator im geschützten Cockpit, und die defekte Niederholerleine gegen eine neue ausgetauscht, fröhlich surrend lädt er bald danach wieder unsere Bordbatterien. Da in den letzten Beiträgen leider wegen Vergessens, hier die noch nicht niedergeschriebenen Abendessen:
Vor drei Tagen gab es angebratene Chorizowurst mit Weißkohl, Paprika und Fenchel, in einer Wein-Sahne-Soße gekocht, ein neu ausprobiertes Gericht, das es nun immer wieder mal geben wird. Vor zwei Tagen gab es einen Klassiker, Bratwurst, Bratkartoffeln und in Brühe gekochter Blumenkohl, ein Hoch auf die deutsche Küche. Gestern, wegen zuviel gekauften Blumenkohls, köchelte eine Ingwer-Kartoffel-Blumenkohl Suppe in unserem großen Topf, die Capitania war begeistert.
So langsam sieht man auch wieder den Boden in unseren großen Auszugfächern vom Kühlschrank. Wir waren anscheinend sehr hungrig, als wir für diese atlantische Segelreise eingekauft haben.
Doch nun zur wichtigsten Nachricht, Cornelia geht es wieder deutlich besser und ihr Wach-Schlaf-Rhythmus ist fast wieder normal. Richtiggehend Pech hatte vorhin ein fliegender Fisch, der wohl den Katamaran als einen bösen Feind identifiziert hat, dem man, koste es was es wolle, ausweichen muss. Nur die Flugshow ging leider nach hinten los und endete für das Fischlein tödlich. Denn er prallte zuerst auf dem Vordeck, gegen das Kutterfall, dann gegen den Mast und dann auf das Gangbord an Steuerbord. Es tut mir immer sehr leid, wenn ich diese wunderbaren Fischwesen tot an Deck finde.
Es sind jetzt noch 130 Seemeilen bis zum angepeilten Ankerplatz in Saint Martin, in der Marigot Bay, der Wind weht immer noch aus Ost, mit einer kleine Tendenz nach Südost. Wir segeln so hoch am Wind wie es geht und steuern jeden Winddreher zu unserem Vorteil aus. Ziel ist es eine m
Es sind wie seit Tagen keine Schiffe um uns rum, genauer gesagt seit der Querung des Golfstromes, nur selten taucht mal eins in weiter Entfernung als AIS-Signal im Kartenplotter auf. Wir leben einsam, wie in einer menschenleeren Welt in unserem kleinen segelnden Kokon, nur wir, das Schiff und der Atlantik. Nachrichten und Ereignisse, bleiben außen vor.
Veröffentlicht unter Logbuch | 3 Kommentare

Auf nach Süden Tag 11

Mittwoch 23. November 2022, auf See
Baro 1013, sonnig, Wind OSO 18-27 Knoten, die See ruppig bis 2,5 mNach einer wieder sehr unruhigen Nacht, in der wir mehreren Squalls begenet sind, und wir auf jede kleinste Winddrehung qufgepasst haben, weil wir ja möglichst schnell zum Ziel kommen möchten, außerdem muss man höllisch auf die Wellen aupassen, die bei einer geschätzten und vorausgesagten Höhe von zwei bis drei Metern, je nach Periode ein kräftiges Auf und Ab der Hexe verursachen oder – schlimmer – sie mit lautem Krachen in das Wellental fallen lassen.
Die Squalls sehen wir im Radar, weil sie fast immer auch Regen in sich bergen und der wird von dem Radar dargestellt. Unseres dreht alle 10 Minuten, und hat eine von mir eingestelle Gefahrenzone, die, wenn ein Boot oder eben auch eine Regenfront in diese Zone kommt, der Bildschirm unseres Plotters einen unüberhörbaren schrillen Ton abgibt, das würde selbst aus dem tiefsten Schlaf wecken.
Nun, wir haben es überlebt, seit 06:00 Uhr sind wir wach, kümmern uns um die kleinen Angelegenheiten des Bordalltags, zumindest bei mir geht das nicht so schnell, weil die Bootsbewegungen doch sehr ruppig sind.

Die Wellen sind, wenn man es von dem Spaß-Standpunkt aus betrachtet, eigentlich ganz schön, mit ihrem azurblauen Wasser. Das Meerwasser kommt manchmal über die hintere Badeplattform und die Stufen hoch fast bis zum Cockpit, deshalb haben wir uns da einen Schutz machen lassen, damit das Cockpit nicht geflutet wird; jedenfalls sehen die Wellenspiele gigantisch aus.
Der Tag vergeht ereignislos, mit Schlafen, Lesen, Rätseln, fast.
Wieso fast? Das erzählen wir morgen, auf jeden Fall ist der Windeinfallswinkel sehr günstig, und die Hexe fliegt ihrem Ziel entgegen, der Skipper ist froh!

Veröffentlicht unter Logbuch | Schreib einen Kommentar

Auf nach Süden Tag 10

Dienstag 22. November 2022, auf See
Baro 1018, sonnig, Wind OSO 18-27 Knoten, die See ruppig

Nur zäh fließend vergeht die Zeit, besonders die langen Nächte ziehen sich dahin wie Kaugummi. Sind wir zu sehr aufs Ankommen fixiert? Jedenfalls verschließt sich mir bei diesem Törn der Zauber der See. Diese tiefe innere Ruhe und Zufriedenheit, wie bei unseren vorhergehenden Segeltörns, stellt sich bei diesem, insgesamt 1700 nautischen Meilen langen Seeweg, partout nicht ein.
Anstatt die Zeit mit und und auf dem Meer zu genießen, beobachte ich mich dabei, wie ich alle paar Minuten nach dem Loggestand schiele und im Kopf kalkuliere, wie lange wir noch unterwegs sein werden. Mir fehlt die Leichtigkeit, die Leichtigkeit und die Gewissheit, mit der wir in Lanzarote im Januar 2022 aufgebrochen sind. Ich glaube schon, dass mein negatives Empfinden mit der Wetter-, oder viel mehr der Windsituatuion zusammenhängt. Es sind die Strapazen der Awindsegelei und Kreuzerei, die mir nicht behagen, diese abgehackten Bewegungen des Schiffes, wenn es in die heranrollenden Wellen fällt, oder darüber hinwegfliegt.
Das Bewusstsein über die latente Gefahr eines möglichen Defektes, bedingt durch das ewige Auf und Ab des Bootes sitzt tief. Ein Fall könnte reißen, oder eine Schot könnte brechen, die Lasten auf den Leinen sind immens, wenn der Kat beschleunigt, oder abrupt abgebremst wird. Gerade jetzt können wir auch den direkten Kurs nicht halten, der uns nach Saint Martin führen würde, weil der Wind immer weiter vorlicher einkommt.
Kopfzerbrechen bereitet ebenso die Segelführung, ungerefft sind wir heillos übertakelt, bei Böen reicht selbst Reff 2 im Großsegel kaum aus, und wenn wir zu wenig Segelfläche am Wind stehen haben, kommen wir nicht nach Luv. Intensiviert wird das Segeldilemma durch die zahlreichen Squalls mit ihren ungewissen Mitbringseln, wie Starkregen, Windrichtungsänderung und heftigen Böen. All diese kleinen Faktoren sorgen für eine ziemliche innere Anspannung.

Cornelia: Auch die Nächte sind anstrengend, weil Volker mich wegen meines anhaltenden Hustens und der damit verbundenen Schlappheit oft nicht weckt, wenn es doch meine Wachperiode ist. Natürlich bin ich dankbar, aber gleichzeitig habe ich doch ein schlechtes Gewissen.

Heute Nachmittag aber war die Stimmung besser, der Wind hatte ein bisschen zu unseren Gunsten gedreht, sodass wir schnell und auf Kurs segeln konnten. Trotzdem haben wir für die Nacht Reff 2 eingebunden, die Wellen werden immer höher, und der Wind lässt auch nicht nach. Laut Wetterbericht bis morgen Abend…

Veröffentlicht unter Logbuch | Ein Kommentar

Auf nach Süden Tag 9

Montag. 21. November 2022, auf See
Luftdruck 1015, sonnig, Wind im wesentlichen aus Ost
Tagesemal um 12 Uhr 148 sm, Rest bs St. Martin 565

Von wegen ereignislos!
Es fing in der Nacht an. Volker hatte keine Lust mehr auf den ewigen Lärm des Motors, und wir müssen ja auch aufpassen, dass wir nicht den ganzen Diesel verbrauchen. Der Wind hatte ein bisschen aufgefrischt, so konnten wir es wagen, mit vollem Groß und Genua los zu segen. Es dauerte nicht lange, da wurde die Genua gerefft, und kurz vor Mitternacht, wir hatten schon abwechselnd geschlafen, musste auch ins Großsegel Reff 1 eingebunden werden. Um 02:30 Uhr wurde die Genua wieder ausrefft. So ging das die ganze Nacht, das Vorsegel muss kleiner werden, die Genua muss noch kleiner werden, das Vorsegel kann wieder ganz stehen, sollen wir das Reff im Großsegel ausschütten, etc.
Am Morgen kamen erste kleine Squalls dazu, wir fuhren mitten in eine Böenwalze hinein, man konnte den Regen fallen sehen, aber glücklicherweise hatte sie sich aufgelöst, ehe wir wirklich drin waren.
Es ist ein stracker Amwindkurs, den wir jetzt zum Ziel fahren müssen, die Wellen werden immer höher und unruhiger, sodass das Bewegen an Bord zu einem Hochseilakt wird, und die Hexe mit lautem Krachen in die Wellentäler fällt .Wieder wird ein kleines Stückchen Genua weg gedreht, aber zuviel oder gar Reff 2 darf es auch nicht sein, denn dann können wir keine Höhe mehr laufen, sprich, auf unserem Kurs bleiben.
Für eine Weile steuert Volker das Boot von Hand, meist übernimmt das ja der Autopilot. Volker macht das leider viel besser, das Boot fällt nicht mehr so in die Wellen, vielleicht sollte er dem Autopiloten mal eine Unterrichtsstunde erteilen. Eigentlich sieht die See gar nicht so hoch aus, es sind wohl nur einzelne Wellen, die solches Fallen in die Täler verursachen.
Leider sieht es auch so aus, als müssten wir mit diesem Kurs und der Windgeschwindigkeit bis zum Schluss rechnen, wenn es nicht sogar noch spitzer wird.
Dabei ist es richtig schön warm, und auch wenn unsere Leser im kühlen Deutschland das sicher nicht so richtig nachvollziehen können, wir bedauern, dass wir die Fenster im Salon nicht aufmachen können, um ein wenig frische Luft herein zu lassen, weil natürlich eine Menge Spray und Wellen überkommen.
Inzwischen haben wir doch Reff 2 eingebunden, von Osten kommen lauter Böenwalzen und Squalls, wen das nicht besser wird, sollte es eine anstrengende Nacht werden.
Heute Abend werde ich einen neuen Wetterbericht über die Kurzwelle holen, aber man müsste schon an Wunder glauben, wenn sich da etwas Gravierendes geändert haben sollte.

Veröffentlicht unter Logbuch | Schreib einen Kommentar

Auf nach Süden Tag 8

Die Daten:
Luftdruck 1018, leicht bewölkt mit Sonnenschein, heute Nacht schöner Sternenhimmel
Tagesetmal von Samstag 12:00 bis Sonntag 12;00 Uhr 148 sm, Rest Seemeilen bis St. Martin 713
Motorsegeln bis 03:00, Segeln bis 08:00, Motorsegeln bis19:30

Als Ruhetag, oder so ähnlich könnte man den heutigen Tag bezeichnen; der Wind hat eine Pause gemacht, die Wolken haben eine Pause gemacht und Wellen gab es auch nicht. Cornelia hat ebenfalls eine ausgiebige Pause gemacht und im Moment ist noch nicht absehbar, wann der Zustand endet. Denn seit gestern ist die Capitania richtiggehend erkältet, hustet nachts rum wie dolle und hat zu allem Übel noch Kopfweh. Sogar aufs Pizzabacken am heutigen Abend hatte sie keine Lust und das ist zu normalen Zeiten ihre Paradedisziplin. Daher verschläft sie 80 Prozent des Tages, so geht die Zeit dann für sie vorbei.
Zwischendrin rafft sie sich jedoch auf und holt die aktuellen Windvorhersagen. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob sie das heute nicht besser hätte lassen sollen. Denn die vorhergesagte Windrichtung passt nicht zu unserem Ziel, sondern kommt eher ziemlich genau von dort her.

Apropos Ziel, das haben wir vor zwei Tagen mal angepasst, da die Zeitplanung nach hinten raus doch sehr ambitioniert war. Denn der Flieger, fliegt hoffentlich mit uns am 9. Dezember über Paris nach Frankfurt, und das ist ja nicht mehr so lange hin. Puerto Rico, das Ursprungsziel liegt leider sehr weit im Westen und damit im Lee des ewig wehenden Passatwinds.

Jetzt wird wohl klar, worauf ich hinaus will; von Puerto Rico aus sind es genau 180 Seemeilen bis Saint Martin und Saint Martin liegt damit genau in LUV. Und lange (Warte-)Zeit auf eine Drehung des Passatwindes oder gar eine Passatstörung haben wir nicht, weil ja der Heimatflieger bald abhebt. Erschwerend für die gesamte Routenplanung kommt jetzt die vorhin schon angedeutete etwas unglückliche Windvorhersage für die kommenden Tage, hinzu. Der Ostpassat hat in den Monaten von Oktober bis Januar eine Tendenz der Richttungsänderung nach Südoste . Und genau da wollen wir hin und genau da beißt sich jetzt die Katze in den Schwanz. Das bedeutet dann für uns in der Konsequenz, tagelanges Kreuzen gegen den Wind, wenn wir an Sint Maarten als Ziel festhalten. Alternativziel ist damit wieder, wer hätte das gedacht, Puerto Rico, das liegt 10 Grad günstiger zum Wind, oder die Turks and Caicos. Nur der Flug am 9. wüde damit in Seemeilen weite Entfernung rücken. Alles nicht so einfach, wir werden berichten!
Pizza gab es dann doch, der Einfachheit halber mit fertigem Blätterteig, Mamamia, super lecker.
Unsere 5 Jahre alte Bordorchidee hat seit 2 Wochen 4 Knospen und eine davon ging heute zur vollen Blüte auf, wie schön.

Veröffentlicht unter Logbuch | Ein Kommentar

Auf in den Süden Tag 7

Ich knüpfe mal an gestern und den frommen Wunsch des ereignislosen Tagesablaufes, der nur aus Segeln besteht, an. Was die sSegelei betrifft, gibt es aus meiner Sicht nichts zu meckern, bis um 19 Uhr blieb der bunte Gennaker oben, danach schralte der Wind, er kam also weiter von vorne. So weit so gut, mit einem Reff im Großsegel und einem Reff in der Genua ging es in die Nacht.
Dass jedoch nichts kaputt ging am gestrigen Tag, können wir leider nicht vermelden, auch wenn viele liebe Menschen dafür die Daumen drücken. Am späten Nachmittag fiel uns auf, dass die Logge, das kleine Paddelrad im Wasser, das die Geschwindigkeit durchs Wasser anzeigt, nicht mehr funktioniert. Diese Logge im Verbund mit dem Windmesser im Mast und der vom GPS gelieferten echten Geschwindigkeit, ermöglicht es, dass wir auf den Displays immer die wahre rechnerische Windgeschwindigkeit und Richtung angezeigt bekommen und nicht nur den scheinbaren Wind. Es half auch nicht, das Paddelrad, das in ein Röhrchen praktisch eingegossen ist, aus dem Rumpf zu ziehen und stattdessen das Blindrohr einzusetzten, damit wir nicht geflutet werden. Das Paddelrad, im Trockenen betrachtet, schien an sich tadellos in Ordnung zu sein, doch so sehr wir an dem Rädchen drehten, es zeigte sich nichts im Display. Damit war die Fehlersuche noch nicht beendet, wir überprüften den Anschluss am Hauptplotter, aber auch das führte zu nichts. Leider haben wir keine Reservelogge dabei, man kann auch echt nicht für alles Ersatz an Bord haben, finde ich, was sollen wir denn noch alles mit rumschippern?
Egal, dann wurde es Zeit für das zweite Reff, weil die Wellen höher wurden, der Wind noch weiter von vorne kam und noch stärker wurde. Also beide Motoren an und ab in den Wind gedreht. Pustekuchen, der Steuerbordmotor sprang kurz an und gin sofort wieder aus. Ich sprang also flott in die Motorkammer, öffnete die Entlüftungsschraube, bis etwas Diesel aus derselbigen herauskam, drückte noch ein paarmal auf die Entlüftungspumpe und drehte die Schraube wieder dicht. Ein kurzer Druck auf den Starterknopf und schon schnurrte der Motor wieder. (Nur woher kam die Luft ins System?).
Reff 2 kommt ins Großsegel, mittlerweile wehte es mit 20-24 Knoten, wir fliegen durch die Nacht, so werden die Meilen bis zum Ziel schnell weniger.
Reff 2 bleibt bis 14.30 drin, jetzt hat der Wind deutlich nachgelassen. Volles Groß und volle Genua, 7-8 kn Fahrt sind noch drin, wir segeln hoch am Wind, das Leeschwert ist ein Stück abgesenkt, ca. 40 Zentimeter, denn die See ist noch relativ unruhig, wir wollen das Schwert ja nicht abbrechen, es soll nur die laterale Abdrift verhindern.
Cornelia macht ein bisschen Statistik, damit wir wissen, wieviele Seemeilen wir pro Tag machen müssen, um Donnerstag früh anzukommen, natürlich nur rein theoretisch, und nur auf Basis der jetztigen Wetterdaten.
Zwei fliegende Fische hatten die letzte Nacht nicht überlebt und eine Bruchlandung an Deck, bzw. auf dem Trampolin gemacht. Es ist jetzt richtiggehend warm, mit 28 Grad und in der letzten Nacht war die Luft nicht mehr feucht.
Das gestrige Abendessen war ein Mix aus Tafelspitz und Rindersuppe, gekocht in einer Weißwein-Sahne-Soße mit Englischem Sellerie, Karotten, Fenchel und Kartoffeln, sehr lecker.
Irgendwann in der kommenden Nacht soll der Wind auf Süd drehen, für 12 Studen, keine Ahnung, warum das so kommt, macht auch nix aus. Alle Vorhersagmoedelle sagen es voraus, wenn uns das jemand erklären kann, dann bitte her mit der Antwort.
Die Winterkleider und Skiunterwäsche sind verstaut, die Sommerdecken sind eingezogen, die Kälte werden wir garantiert nicht vermissen, nur die lieben Menschen und Freunde in Newport, Bristol und Umgebung.
Ahoi!
Veröffentlicht unter Logbuch | Ein Kommentar

Auf nach Süden, Tag 6

Freitag 118.11. 2022, Seemeilen 12:00 Uhr 131 sm, Rest bis San Juan Puerto Rico 938
Baro 1021, bewölkt, Wind 4-8 Knoten, die See ist ruhigHeute ist es deutlich wärmer als in Rudee Inlet, aber für mich immer noch zu kalt, ich sitze mit dicker Jacke hier beim Schreiben. Wenn die Sonne allerdings durch das Fenster scheint, ist es sehr angenehm.

Gestern haben wir uns eine kleine Mittagsruhe gegönnt, nacheinander, um den versäumten Schlaf der letzten Nacht nachzuholen, danach war die See viel ruhiger geworden. Bis dahin sind wir der kaputten Latten wegen nur mit der Genua gefahren, denn die Wellen ließen das Boot so schaukeln, dass eine vernünftige Reparatur mit Klettern aufs Dach für mich sehr heldenhaft erschienen wäre.
Glücklicherweise segeln wir schon seit Anfang an einen Satz Segellatten spzieren, an die untere Reihe der Reling gebunden. So konnten wir zwei davon benutzen, um die völlig Zersplitterten zu ersetzen. Das Problem beim Einziehen der Latten in die Lattentaschen ist nur, dass, wenn das Segel auf dem Baum liegt, diese Lattentaschen eben nicht bis hinten hin gerade sind,. Es geht ganz gut, die Latten bis kurz vor den Mast zu schieben, aber die letzte Hürde ist der verstärkte Teil, das Futteral, denn dort gleitet die neue Latte nicht so einfach hinein. Letztlich haben wir aber gesiegt, Volker hat das Segel am Mast so gerade wie möglich gehalten, und ich habe vom Achterliek aus geschoben und gehämmert, bis die Segellatten sich wieder an ihrem Platz befanden.
Zur Belohnung gab es am frühen Abend Schnitzel mit Kartoffelbrei und Butterkarotten, dann haben wir im Wachwechsel viele Stunden Schlaf nachgeholt.

…

Heute morgen mussten wir zunächst weiter motoren, aber um 10 Uhr wurde das Großsegel gesetzt, um 11:30 kam der bunte Code D dazu, und jetzt segeln wir bei vier bis neun Knoten Wind mit sechs bis neun Knoten Fahrt dahin. Laut PredictWind erwarten uns in den nächsten fünf bis sechs Tagen bis zur Ankunft auf Puerto Rico wenige schwachwindige Phasen aus allen möglichen Richtungen, aber überwiegend segelbar, als auch drei Tage mit Halb- bis Amwindkursen bei 15-20 Knoten Wind.
Nun, es ist inzwischen fast 15 Uhr, der Code D zieht trotz leichten Winds die Hexe immer noch nach Südost, genauso schnell oder schneller als mit Motor, nur deutlich leiser. Volker hat mit dem Wasserschlauch das Boot entsalzen, den Edelstahl gepflegt und die Decks geschrubbt.

Das Wasser ist wieder so ungaublich blau wie zuletzt auf den Bahamas, wenn wir durch das Fluchtluk unter der Treppe schauen. Es gibt wieder fliegende Fische zu beobachten, diese Künstler der Luft, sind eine echte Bereicherung. Gestern im stürmischen teil der Golfstromüberquerung kamen wie aus dem Nichts riesig große Delfine und vollführten wahrhaftige luftakrobatische Stunts. Einen dieser Stunts mit zwei zugleich fliegenden Delfinen konnte Volker mit dem Handy einfangen. Wir werden es später in die Zusammenfassung der Überfahrt nach der Ankunft posten.

Mal sehen, was der Nachmittag und die Nacht noch so bringen werden; ereignislos wäre am besten, dann schlafen wir besser!

Veröffentlicht unter Logbuch | Schreib einen Kommentar

Im Golfstrom

Am frühen Donnerstag Morgen türmen sich, parallel zu beiden Rümpfen, Welllenberge mit weißen Schaumkronenspitzen auf. Das Großsegel steht stark gerefft und mit Bullenstander gesichert an Backbord. Durch einen Winddreher kommt der Wind immer weiter von hinten, bis das Großsegel durchhalst, weil im gleichen Moment der Bullenstander bricht. Mit voller Wucht schlägt das Großsegel, laut krachend, mit den oberen Segellatten in die Wanten. Der Druck des Aufpralls ist so stark, dass die 19 Millimeter dicken Glasfaserstäbe, als ob sie aus dünnem Holz wären, sogleich brechen. Ziemlich lädiert hängt der obere Teil des ansonsten weit durch die Segellatten ausgestellten Großsegels an den Mastrutschern rum.

Rückblick: Gestern um 12 Uhr haben wir nach einer ruhigen Nacht im bestens geschützten Lake Wesley, nahe Virginia Beach, den Anker aus dem modrig schwarzen Ankergrund gezogen. Bedingt durch den tiefschwarzen Schlamm, das ganze Vordeck eingesaut und wieder gereinigt und mit der Kraft von 150 gezähmten Motorpferden, ging es hinaus auf den spiegelglatten Atlantik. Dort waren wir nicht allein, fünf weitere Segelboote waren auf dem Weg südwärts. Die Flaute hielt wie vorhergesagt bis 23 Uhr abends an, der Tag plätscherte bei heiß ersehntem Sonnenschein, sehr angenehm und gemütlich vor sich hin. Flautenzeit, die Zeit zum Ausruhen, zum Vorkochen für die kommenden Tage, zum ausführlichen Wetterrouting, rundum mögen wir es sehr, wenn eine längere Seereise, so besinnlich beginnt.

Spät abends kam ein leichter segelbarer Wind aus nordwestlicher Richtung, also von der Küste in Luv von uns. Die Segel wurden gesetzt und passend zur Windrichtung getrimmt und schon waren wir schneller unterwegs, als alle Segelboote in der Umgebung, unsere Outremer spielte ihre Trümpfe gekonnt aus.

Schneller als gedacht erreichten wir das berüchtigte Cape Hatteras und von da aus segelten wir zu einem Punkt, um in den mit drei Knoten nach Nordosten fließenden Golfstrom einzubiegen, der an dieser Stelle rund 22 Seemeilen breit ist. Mit dem auffrischen Wind hatten wir schnell ein Reff ins Großsegel gebunden und die Genua komplett weggerollt, damit die Schiffsbewegungen im sehr bewegten Wasser des Golfstromes erträglich blieben. Wellenberge bildeten sich sofort beim Eintritt in den Strom, fliegende Gischt verteilte sich überall an Bord. Doch soweit so gut händelten wir das Boot, und der Autopilot bewältigte die anspruchsvolle Situation besser als erwartet. Bis zur erwähnten ungeplanten sogenannten Patenthalse (Warum die Patenthalse das Wort „Patent“ enthält, entzieht sich komplett meiner Kenntnis.)

Jedenfalls sind die alten, massiv gesplitterten Segellatten jetzt aus den Lattentaschen rausgezogen, die Reservelatten warten auf den Einbau, doch bis dahin müssen sich die See und der Wind beruhigen. Wir segeln jetzt nur mit dem Vorsegel dahin, versuchen den Schlaf der vergangenen Nacht nachzuholen, bereiten eine neue Bullenstanderleine vor und schreiben diesen Blog.

Veröffentlicht unter Logbuch | 2 Kommentare

Nach Süden Tag 2

Montag, 14. November 2022, auf See

Baro 1020, bewölkt, sehr kühl, Wind morgens 20 Knoten, mittags eher 10-13 

Nach einer sehr unruhigen Nacht mit großen Wellen, und sehr böigem starken Wind bleibt das bis zum frühen Vormittag so, dann lässt der Wind ein bisschen nach, aber die Wellen müssen sich erstmal beruhigen. Die Genua wird in kleinen Schritten ausgerefft, bis gegen 12 Uhr auch das Großsegel wieder in ganzer Pracht steht.

Zwischendurch gibt es den Rest des gestrigen Abendessens, Eintopf mit viel Gemüse und Hackbällchen, sehr lecker, den Volker in einem Topf zubereiten, und den wir aus Schüsselchen essen konnten, damit bei dem Gestampfe und Geschaukel nichts runterfält und kaputt geht.

Die Wetterberichte, die wir von Rainer und über unsere Kurzwelle bekommen, sehen nicht so gut aus. Ab Dienstag Nachmittag soll es plötzlich für ca. 24 Stunden bis zu 35 Knoten in Böen wehen, aus Südost, das ist sowohl Leeküste als auch die Richtung, in die wir wollen.

Wir überlegen hin und her, ob wir uns da durchquälen wollen, und vor allem , ob wir unserer Hexe noch so eine Nacht zumuten wollen, nach der gestrigen. Sie hat doch auch Gefühle! 

Wir werden sogar von der Segelyacht „Pescatore“ über Funk angerufen, weil wir – windbedingt – vom vorherigen Kurs abgewichen sind, ob wir neuere Wetterberichte hätten und nach Norfolk ablaufen würden, um uns vor dem Sturm zu verstecken. Auch sie dächten darüber nach, ob sie die 100 Meilen Umweg in Kauf nehmen sollten. 

Am Ende haben wir uns dazu entschlossen, irgendwann morgen Vormittag werden wir in Norfolk oder Hampton ankommen, und wenn der Sturm bei Cap Hatteras sich beruhigt hat, können wir unseren Weg fortsetzen.

Heute gab es Bolognese zum Abendessen, so gehen wir gestärkt in die Nacht, denn hier muss man aufpassen, hier gibt es eine Menge Frachter, und vor allem Fischer, deren Kurs sich schneller ändert, als man schauen kann. Und am Eingang der Bucht sind große Militäranlagen, die haben wir schon im Frühsommer bei unserer Fahrt in die Chesapeake Bay aus Cap Hatteras gesehen.

Veröffentlicht unter Logbuch | Ein Kommentar

Auf nach Süden, Tag 1

Sonntag, 13. November 2022
Wetter: Baro 1018, Regen, Regen, Regen, graue Wolken, kühl, Wind s.u.
Wir wollen endlich raus aus der Kälte von New England, in die warmen Temperaturen der Karibik!
Es war ein anstrengender, langwieriger Prozess, bis wir uns entschieden haben, am Sonntag dem 13. (nein, kein Freitag) zu fahren. Alle Skipper im Hafen haben darüber nachgegrübelt, denn bisher waren sie alle dazu verdammt zu warten, bis der Ausläufer des bisher letzten Hurrikans „Nicole“, der sehr viel Wind, selbst in den Hafen, gebracht hat, sich verzogen hatte.
Pünktlich um 13 Uhr hörte der Regen auf, nicht nur wir, ein paar andere waren ebenfalls aufgebrochen, wir lösten die Leinen und machten uns auf den Weg. Wir werden zunächst mal an der amerikanischen Küste entlang bis zum Cape Hatteras fahren, eventuell bei Norfolk einen Stopp einlegen, falls der Wind, wie angekündigt, aus der falschen Richtung weht.
13:30 werden die Segel gesetzt, Genua und Groß in Reff 1.
14;00 nach der Ausfahrt aus der Bucht Kurs 200° Richtung Block Island, Speed konstant um die zehn Knoten.
14;40 zwischen Block Island und dem Windmühlenpark erscheinen die „weißen Pferdchen“ auf dem Wasser, die aus den Windwellen entstehen. Die Genua soll weggedreht werden, aber leider bekomme ich einen Überläufer auf die Reffleine, so richtig schrecklich, Volker ist – zu Recht – not amused, aber mit der geballten Kraft des Käptns wird die Leine wieder frei geholt. Glück gehabt!
Kurz darauf binden wir Reff 2 ins Großsegel, denn laut neueren Wetterberichten, die wir noch empfangen können, weil wir nahe der Küste sind, nimmt der Wind heute Nacht bis 35 Knoten zu, und das auf einen Amwindkurs. Es geht auch ganz bald los, die Wellen sind eher drei als zwei Meter hoch, mit einer unangenehm kurzen Periode. Das Laufen an Bord ist nicht so einfach, man muss sich gut festhalten, um nicht zu fallen. Außerdem erzittert der Mast in den schlagenden Wellen, das macht schreckliche Geräusche, auch da Boot ächzt in den Bewegungen. So geht das die ganze Nacht.
Wir können es auch nicht ändern, außer die Genua immer und immer weiter zu reffen, bis nur noch ein Handtuchgroßes Stück Segel am Vorstag steht. Die Wellen kommen übers Bootm manche sind so hoch, dass sie übers Dach vom Cockpit gehen. Alles da draußen ist total versalzen, wir könnten kiloweise frisches Meersalz verkaufen! Volker hat den Wellengenerator abgesenkt, dabei muss er auf die Geckplattform, und hat dann voller Enthusiasmus die Wasserberge und die Gischt gefilmt.
Wir, das heißt immer der Wachhabende, schlafen im Viertelstundenrhythmus, schauen dann einmal auf den Plotter, ob keine anderen Boote unseren Weg kreuzen, ob der Windeinfallswinkel stimmt, dann legen wir uns wieder hin und schlafen, bis der Wecker nach 15 Minuten wieder klingelt. AIS- und Radaralarm sind angestellt, das Radar dreht 10 Umdrehungen alle 15 Minuten, und das AIS läuft sowieso konstant mit, beide Systeme würden einen schrecklich lauten Piepton ausstoßen, wenn ein Objekt in 12 Minuten uns näher als eine Meile kommen sollte.
So vergeht die Nacht, gegen Mitternacht erscheint der Mond, die Wolken scheinen sich verzogen zu haben, der Mond liegt auf dem Rücken, ein heller Halbkreis in dunkler Nacht.
Veröffentlicht unter Logbuch | Ein Kommentar