Mit dem Wind geht’s leichter

12. Oktober 2016, Mittwoch, Baro 1011, bedeckt, Wind O um 4
Marseille 04:15 – LGM 13:00, 60 sm

Nachdem wir gestern gescheitert sind mit dem Weiterkommen, probieren wir es heute ganz früh. Der Hund weckt und um 02:00 Uhr, weil er raus muss, um 03:30 können wir dann nicht mehr schlafen, und Volker sagt: “ich möchte jetzt fahren, ich bin sowieso wach. Ist das o.k.?” Klar, ich bin auch schon wach, gehe nochmal mit Nico, dann kegen wir leise ab, um die Nachbarn nicht zu stören.

Der Wind ist günstig, achterlich, mit 12-14 Knoten, wir segeln mit vollem Groß und ausgebaumter Fock durch die Nacht. Auf dem AIS sehe ich, dass uns ein vierzehn Meter langes französisches Segelboot folgt, fast im gleichen Abstand, es holt nur ganz langsam auf.

Spannend wird es bei dem Verkehrstrennungsgebiet vor Port St. Louis du Rhône, ein großer Frachter kommt in der Fahrrinne auf uns zu. Klar, der hat Vorfahrt, wir queren das Gebiet, wie vorgeschrieben, fast rechtwinklig. Sollen wir den Kurs ändern? Jetzt? Ja, Volker ändert den Kurs um 10 Grad zu ihm hin, es bleibt spannend. Das Problem ist, dass wir mit ausgebaumter Fock und durch den Bullenstander gehaltenem Großsegel fahren, sodass wir nicht bedingungslos wilde Kursveränderungen vornehmen können. Am Ende geht er keine 200 Meter vor uns durch, puh!

Danach hat uns der motorende Franzose eingeholt, und beginnt, in Luv von uns die Segel zu setzen. Damit deckt er die Hexe ab, und obwohl wir eigentlich schneller sind, kommen wir aus seinem Windschatten nicht heraus. Da nimmt Volker kurzerhand den Baum an der Fock weg, fährt um das Heck der Oceanis herum, sodass wir in Luv von ihr sind, und, schwupps, haben wir sie wieder überholt. Die bleibt jetzt hinter uns, es sei denn, der Skipper wirft wieder seinen Motor an, aber selbst dann wird es schwierig, weil die Hexe jetzt bei 11-12 Knoten Wind raumschots mit 6-7 Knoten dahin gleitet.

Je weiter wir kommen, umso schneller geht es voran, die Oceanis von heute morgen bleibt immer im fast gleichen Abstand, klar, die ist anderthalb Meter länger, Länge läuft, aber als wir auf einen Amwindkurs in die Bucht von La Grande Motte abbiegen, hat sie keine Chance mehr. Volker triumphiert!

Rchtzeitig vor Regen, Starkwind und Gewitter haben wir die Leinen fest an unserem Liegeplatz, jetzt kann der Sturm kommen.

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Marseille

10. Oktober 2015, Montag, Baro 1012, bedeckt mit sonnigen Abschnitten, Wind umlaufend, später NNW um 4
Porquerolles 09:15 – Marseille 17:00, 50 sm

Der Abschlussfelsen der Calanques

Der Abschlussfelsen der Calanques

Frohgemut sind wir früh gestartet, es waren nördliche Wind, bis Toulon kommen wir gut voran, dann lässt der Wind nach, und ich will noch nicht mal das Logbuch mit den Motorstunden danach langweilen. Das gibt uns natürlich genügend Zeit für Überlegungen und Planungen, aber segeln ist besser.

Fantastischer Blick vom Hügel über die Bucht von Marseille

Fantastischer Blick vom Hügel über die Bucht von Marseille

Erst ab der Bucht von Marseille kommt der Wind zurück, und wir segeln immerhin noch sechs Meilen, schauen einem großen Katamaran beim Foilen, also beim Schweben auf Flügelchen zu. In der Société Naval de Marseille gibt es einen Liegeplatz für uns, schön, wieder in Marseille zu sein, wir lieben diese Stadt!

Nur ein einziges Exemplar lag im Schaufenster

Nur ein einziges Exemplar lag im Schaufenster

Wir machen am frühen Abend einen ausgedehnten Spaziergang, freuen uns, bekannte Plätze wieder zu treffen, finden neue Ecken und Geschäfte. In einem Buchladen ist eine Lesung, die Autorin sitzt vorne, und mit Mühe können wir den Titel des Buches entziffern: „Les sorcières de la République“, die Hexen der Republik, wenn da nicht alle Zuhörer gerade gebannt lauschen würden, hätten wir ein signiertes Exemplar erstanden!

Wir würden sicher auch noch ein bisschen länger durch die Straßen schlendern, aber es ist – vor allem mit dem nordwestlichen Wind – saukalt. Glücklicherweise ist das Pub geheizt oder nur von den vielen Menschen aufgewärmt, die sich – auch an einem Montag – zur Happy Hour treffen.

11. Oktober 2016, Dienstag, Baro 1010, bedeckt, NNW 4 zu Beginn
Marseille 10:30 – Marseille 12:00, 9,5 sm

Noch sieht es gut aus

Noch sieht es gut aus

Guten Mutes verlassen wir den schützenden Hafen, wollen den Nordwind ausnutzen, um entweder bis zum Cap Couronne mit der Stadt Carro, oder, falls der Wind günstig dreht, auch die 60 sm bis LGM zu segeln. Draußen empfängt uns eine unangenehme Welle, schon das Setzen des Großsegels wird zur Herausforderung, der Baum schlägt hin und her, und ist von mir fast nicht zu halten. Schließlich ist das Segel oben, der Hund mit den Nerven am Ende, ich hole ihn raus, er legt sich auf dem üblichen Platz in sein Körbchen und ich decke ihn mit Volkers Fließjacke zu. Fast hoch am Wind geht es bei 10-13 Knoten rasch voran, zwischendurch gibt es kleine Flauten. Dann scheint sich der Wind zu stabilisieren, ich hole einen Frühstückskeks, und auf einmal frischt der Wind auf, weg mit den Keksen, wir müssen reffen! Schon während der Reffens nimmt der Wind auf 35 Knoten zu, wir binden gleich Reff 2 ein, verkleinern die Fock auf Handtuchgröße, der Wind dreht auf Nordwest. Genau da wollen wir hin. Die ersten Wellen spritzen voll ins Cockpit, wir bekommen ein paar Salzduschen ab. “Nee”, sagt Volker, “das machen wir nicht, da geht ja alles kaputt, wir drehen um.“

Gesagt, getan, schon ist das Leben angenehmer, der Wind von hinten raubt einem nicht die Haare vom Kopf, und erstaunlicherweise wird er, je näher wir an Marseille kommen, immer weniger. Egal, für heute haben wir genug von Wind und Meer. Morgen früh werden wir versuchen, die eher östlichen Winde auszunutzen, um am Spätnachmittag in La Grande Motte zu sein.

Die älteste Bäckerei von Marseille

Die älteste Bäckerei von Marseille

Navettes ist die Spezialität

Navettes ist die Spezialität

mit schönem Interieur

mit schönem Interieur

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Go west again

9. Oktober 2016, Sonntag, Baro 1015, zuerst Schleierwolken, dann sonnig, Wind zuerst NW 2-3, später O 1, später NW 4, später O um 3
Cannes 07:45 – Porquerolles 17:00, 50 sm

Nachdem wir gestern nur bis Cannes gekommen sind, und gerade mal 12 Meilen von den 160 bis LGM abgearbeitet haben, muss es heute mal ein bisschen weiter gehen. Deshalb haben wir den Wecker auf 06:30 gestellt, die Nase aus dem Boot gereckt, und beschlossen, dass wir bei null Wind nicht im Dunkeln wegfahren müssen. Eine halbe Stunde später dämmert es, ich wecke Nico zu einem frühen Hundespaziergang, und noch vor acht Uhr sind die Leinen los und wir motoren aus dem Hafen. Bis 08:30 Uhr können wir segeln, dann dreht der Wind von Nordwest auf Nordost und beschließt, dass auch Winde am Sonntag mal ausschlafen dürfen.

Bereit für den Tauchgang

Bereit für den Tauchgang

Gestern haben wir, der Flaute geschuldet, eine Pause zwischen den Inseln vor Cannes eingelegt. Und wieder ist die Welt in Ordnung, blauestes Wasser, viele Fische, Sonnenschein. Volker ist mit dem Hund nach Saint Honorat gepaddelt, leider hat er beim Anlegen an unserer Hexe die Handabdeckung des Paddels verloren, und sie ist versunken, ehe er sie aus dem Wasser fischen konnte. Ich schnorchle um die Stelle, an der sie versunken ist, herum, kann aber in dem hohen Seegras nichts entdecken. Volker holt die Tauchausrüstung raus, das wäre doch gelacht, wenn wir das nicht finden würden, mit der Flasche kann er ja ganz gemütlich am Meeresboden durch das Seegras wischen. Langer Rede kurzer Sinn: Die Abdeckung bleibt verschwunden, das Seegras ist ziemlich hoch, aber wenigstens hat Volker auf dem Rückweg am Kiel die Muscheln abgekratzt, jetzt ist die Hexe auch wieder schneller.

Hexenkessel, zu später Stunde

Hexenkessel, zu später Stunde

Wir wollten abwarten, ob der Wind am Nachmittag doch eventuell noch wehen mag, dann wären wir weiter gesegelt nach St. Tropez oder St. Raphaël. Den Gefallen hat er uns aber nicht getan, jedoch hatte das den Vorteil, dass wir einen allerallerletzten Abend mit Dorothee und Mohammed, den Freunden aus Villeneuve-Loubet verbringen konnten. Die beiden haben spontan ihre Kühltruhe geplündert, wir hatte noch Gemüse, und außerdem haben sie das köstlichste Baguette der ganzen Côte d’Azur aus Golfe Juan mitgebracht. Es war wieder ein netter Abend, wenn sie uns heute besuchen wollten, müssten sie schon etwas weiter fahren.

Die Schnauze des Drachen

Die Schnauze des Drachen

Die Hügelkette westlich von Cannes ist wie ein liegender Drache geformt, mit langer spitzer Schnauze und buckeligem Körper. Irgendwie scheint es hier wenig Wind zu geben, ich erinnere mich, dass wir im Sommer 2015 hier lang motort sind, und geschwommen haben.

img_338809:25 Uhr. Der Wind kehrt zurück, zwar nicht aus Ost wie angekündigt, sondern aus Nordwest, und frischt ordentlich auf, halber Wind, perfekt. Bald segelt die Hexe mit über sieben Knoten Fahrt dahin, Volker ist extra aus seinem Nickerchen aufgetaucht. Die Freude hält aber nur zwanzig Minuten, dann wird der Wind zickig, er raumt weiter, nimmt ab, kaum sind die Segel eingestellt, kommt er weiter von vorne, um sich dann doch auf Halbwind bie 13-15 Knoten einzupendeln, Grund genug für die Hexe, um mit 7-8 Knoten dahin zu rauschen. Kleine Kreuzseen lassen das Boot tanzen, und trotz wolkenlosen Himmels fühlt es sich sehr kalt an, wir haben komplettes Ölzeug an, denken über Handschuhe nach, Volker hat bereits die Kapuze über den Kopf gezogen.

Anti-Rutschmatten unter dem Rühreiteller

Anti-Rutschmatten unter dem Rühreiteller

Seit 11:00 Uhr motoren wir wieder, Volker macht Rührei mit Pilzen, aber die Wellen sind so hoch und unangenehm, dass wir Anti-Rutschmatten unter die Teller legen müssen. Wir verkleinern das Großsegel auf Reff 2, noch während ich abspüle, kommt Wind, das Groß geht wieder hoch. Solche schrecklichen Wellen bei fehlendem Wind braucht kein Mensch. Alles klappert und rappelt, immer wieder legt sich die Hexe auf die Seite. Das Schlagen der Segel hat im Groß einen Riss hinterlassen, wir flicken ihn notdürftig mit Tape, da bekommt der Segelmacher in LGM auch Arbeit. Gut, dass wir niemand bei uns hatten, der seekrank wird, heute wäre das bestimmt der schlimmste Tag gewesen.

Ab Cap Camarat ändern wir den Kurs auf 245 Grad, dann wird die Fock ausgebaumt und der Motor muss nicht mehr mitschieben. Inzwischen haben wir auch das Ölzeug abgelegt, Volker sitzt im T-Shirt, ich im Spaghettiträgerhemd. Eine der Hammerwellen hat unseren Obstkorb, der unter der Sprayhood eigentlich gutverstaut war, nach unten in die Pantry befördert, die Abatebirnen haben den Sturz nicht ganz unbeschadet überstanden, deshalb gibt es zum Nachtisch vom späten Frühstück ein bisschen Obst. Hier werden die Wellen immer weniger, der Wind hält noch ein durch, aber eine Stunde vor der Insel muss wieder der Motor ran.

Blick über die Bucht von Hyères

Blick über die Bucht von Hyères

Dann sind die Leinen fest und wir genießen die Schönheit der Insel, nach Hundespaziergang und einer Dusche für das Boot machen wir uns auf zu einem kleinen Boulespiel auf dem großen Platz vor der Kirche, Pechtag für mich, Volker gewinnt beide Sets, das zweite sogar haushoch!

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Mit Wind von hinten

6. Oktober 2016, Donnerstag, Baro 1009, Schleierwolken mit sonnigen Abschnitten, Wind O 5-6
Imperia 10:15 – Villeneuve 16:15, 42 sm

Wir machen uns auf zum Hafenbüro, um die Liegeplatzgebühr zu bezahlen, denn wir wollen den Ostwind ausnutzen, um zurück an die französische Küste zu segeln. Mit 20 Euro pro Nacht sind wir dabei, in einem kleinen Pförtnerhäuschen als Marinabüro sitzt die Tochter von Schweizer Eltern, und kassiert uns freundlich ab. Die Versicherungsbestätigung fotografiert sie mangels eines Kopierers mit ihrem Handy. Was moderne Technik so alles kann!

Imperia Ade!

Imperia Ade!

Wir schauen mal, ob Ben, der in Antibes neben uns lag, an Bord der “Virtue” ist, dann hätten wir sie mal besichtigen dürfen. Aber wir sind wohl zu spät, Ben ist schon unterwegs, und das Mädel, das gestern Abend auch inder großen Runde im Pub saß, sieht noch ziemlich mitgenommen aus.

Dann schnell die Leinen los, im Hafen noch das Großsegel gesetzt, draußen einen Bullenstander festgemacht und die Fock ausgebaumt, so segeln wir jetzt vor dem Wind nach Westen. Volker freut sich über gelegentliche Surfs, zwölf Knoten hat er schon geschafft.

Das Körbchen ist fast gekentert

Das Körbchen ist fast gekentert

Das geht gut bis 13:30 Uhr, wir fliegen an der Costa dei Fiori entlang, an Menton vorbei, Monaco liegt rechts querab, dann lässt der Wind nach und es wird eine ziemliche Schaukelei. Durch den vielen Ostwind, der ja, leichter zwar, jedoch beständig seit Tagen weht, hat sich eine ordentliche Welle aufgebaut, solange genug Wind ist, lässt er uns die Wellen hinunter surfen, aber wenn der Wind fehlt, sorgen die Wellen für ein ordentliches Gewackel. Nico hat sich im Cockpit in seinem Körbchen verkrochen, hier hört er das Schlagen der Fock nicht so sehr und liegt geschützt am Niedergang.

Strand wie in der Südsee

Strand wie in der Südsee

Trotzdem schaffen wir es, ohne zu motoren bis nach Villeneuve zu segeln, nach sechs Stunden liegen 40 Meilen im Kielwasser, was für ein schöner Segeltag!

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Auf und nieder

Menton in der Morgensonne

Menton in der Morgensonne

Up and Down! Nachdem in den letzten Tagen eher kein Wind war, gab es gestern, wenn auch aus der falschen Richtung kommend, reichlich davon. Falsche Richtung aus Seglers Sicht bedeutet in der Regel, dass ihm der Wind ins Gesicht bläst. Und wenn er das dann noch mit soviel Kraft wie gestern macht, wird aus so einem Segeltag gleich etwas ganz Besonderes. Nicht nur, aber auch im positiven Sinne.

Etwas verspätet, mit viel Elan und Vorfreude, sind wir um kurz vor 12 aus dem Hafen von Menton ausgelaufen, und just in dem Moment kräuselte sich das Wasser, erst in der Ferne, dann aber schnell näherkommend, dunkel. DerWind setzt ein, die Segel gehen an unserem hohen Mast nach oben, alles wird penibel getrimmt und dann geht es auch schon ab.

Nico leckt die Krümel aus der Brötchentüte

Nico leckt die Krümel aus der Brötchentüte

Unser erster Schlag führt uns weg von der Küste hinaus auf die offene See, wo irgendwo fern am Horizont, zu weit weg, um sichtbar zu sein, Korsika liegt. Nach einer halben Stunde sind wir weit genug draußen, um nach der Wende, schön und ganz hoch am Wind in Richtung Italien segeln zu können. Was für eine Freude, zumindest am Anfang. Nach zwei Stunden liegt San Remo querab, wir schwelgen in Erinnerungen an diese schöne Stadt. Kurzfristig. Denn bald darauf schickt Neptun, heftig-kurze Wellen und mehr Wind. Das Segeln wird anstrengender, die Schiffsbewegungen nehmen zu. Alles im vertretbaren Rahmen, die Hexe ist in ihrem Element und schießt durch die Wellen. Kaskaden von Wasser spritzen zur Seite, leuchten silbrig-blau-glänzend in der Sonne, wenn der Rumpf auf einer Welle landet. Ein beständiges Auf und Ab.

Imperia in Sicht!

Imperia in Sicht!

Nico liegt, was soll er auch anderes tun, eingerollt in seinem Körbchen, das Cornelia vorsorglich ins Cockpit gestellt hat. Man (und auch ein Hund) braucht in solchen Situationen, ich nenne es mal ein stoisches Gemüt und ein bisschen Leidensfähigkeit, wenn man bei viel Wind gegenan segeln will. Nach ein paar Stunden lockt der Hafen und um 17 Uhr sind wir in Imperia. Leinen fest. 30 Seemeilen liegen im Kielwasser.Ich bin immer wieder beeindruckt, wie schnell und souverän unsere Hexe gegen den Wind segelt. Stabil und agil.

Stella Maris in Imperia

Stella Maris in Imperia

Nico wartet am Kircheneingang

Nico wartet am Kircheneingang

Nach dem Anlegen ist vor dem Aufklaren. Alles wird im Hafen fein zurechtgemacht, zuerst das Schiff und nachfolgend wir. Dann geht es frohgemut, wir sind ja in Italien, zu “unserem” Italiener, den wir vom letzten Besuch her kennen. Doch die fehlende Außenbeleuchtung am Restaurant lässt schon von der Ferne her nichts Gutes ahnen. Und so ist es dann auch. Es steht angeschrieben, dass wegen eines Unglücksfalles unplanmäßig geschlossen ist. Schade für das freundliche Inhaberpaar. Wir schwenken um zum italienisch geführten Pub, das gut besucht ist und zur Einkehr einlädt. Zahlreiche bezahlte Crewmitglieder von den umliegenden Luxusyachten sorgen für gute Stimmung. Ein paar Gläser und Stunden später, tendieren wir zur heimischen Bordküche. Spaghetti Carbonara steht auf dem Speiseplan, wor sind ja schließlich in Italien!

Die Schokolade zum Krimiabend ist leer

Die Schokolade zum Krimiabend ist leer

Danach gibt es noch einen Krimi, auf DVD.

Für die nächsten Tage steht ein kompletter Wetterwandel, nicht zum positiven hin, vor der Tür. Ab morgen werden die Temperaturen in den Keller rutschen und nur noch bei der 20-Grad-Marke verharren. Zudem soll es hin und wieder Regen geben. Nachts wird es mit 13 Grad eher kühl. Unsere Dieselheizung haben wir heute deshalb schon mal für einen Probelauf gestartet. Beim ersten Versuch sprang das gute Stück an.
Wir bleiben erstmal für die nächsten Tage in Bella Italia.

 

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Ausflug ins Mittelalter und die Kochkunst

Über den Dächern von Peille

Über den Dächern von Peille

Unsere Freunde aus Villeneuve, Doro und Momo nehmen uns am Samstag mit auf einen Ausflug in Frankreichs Historie. Zuerst geht es 600 m bergauf in das mittelalterliche Städtchen Peille, das zwischen Nizza und Monaco im Hinterland liegt. Am Samstagmittag um 13:00 Uhr ist es wie ausgestorben, klar, das Wetter ist nicht so toll, es nieselt ein bisschen, aber das macht die Stimmung hier irgendwie richtig.

Die Wege sind noch nass vom Regen

Die Wege sind noch nass vom Regen

Vor allem ist es mit jedem Meter nach oben immer kälter geworden. War es an der Côte noch deutlich über 20 Grad, steigen wir in Peille bei 16 Grad aus. Da werden schnell noch lange Hosen angezogen, und die zweite Jackenschicht.

Aber der Ort lohnt die Mühe! Durch mittelalterliche Gassen steigen wir hoch und wieder runter, bewundern die Aussicht und vor allem die Ruhe, die hier herrscht. Von einem kleinen Platz aus schaut man auf eine Hängebrücke, am Felsen dahinter sind Eisen für Kletterer vorgesehen, die sich hier – eher im Sommer – an den Steinen versuchen. Die Gassen sind so gemacht, dass Autos fahren können, und in der Mitte der Straße Stufen für die Fußgänger das Auf- und Absteigen erleichtern.

Gemeinsame Waschstelle aus alten Zeiten

Waschstelle

Balkon mit Aussicht

Balkon mit Aussicht

Durchblick

Durchblick

Brunnen in Peille

Brunnen in Peille

Ganz links die Hängebrücke

Ganz links die Hängebrücke

Wolken hängen im Tal

Wolken hängen im Tal

Mittagscrèpes geben uns neue Energie für die weiteren Besichtigungen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Boule-Turnier

Boule-Turnier

Gassen im alten Villeneuve-Loubet

Gassen im alten Villeneuve-Loubet

Auf dem Heimweg machen wir auf unseren Wunsch hin einen Stopp im alten Villeneuve-Loubet. Dort findet gerade auf dem Bouleplatz ein großes Turnier statt, hier ist es ja auch 23 Grad, und langsam lässt sich die Sonne wieder blicken. Hier sind die Straßen wie in Peille gebaut, mit Stufen und glatten Außenstegen für Autos, und wieder steigen wir bergauf und bergab.

Massiv gebaut

Massiv gebaut

Die Häuser sind aus solidem Stein, dicke Wände sorgen im heißen Sommer für kühle Innentemperatur und lassen im Winter die Wärme in den Räumen.

Monsieur Escoffier

Monsieur Escoffier

Berühmter Sohn der Stadt ist Auguste Escoffier, der französische Meisterkoch, der in Paris, Monaco und London seine meisterhaften Kreationen schuf. Ihm verdanken wir neben vielen anderen Rezepten die „Birne Helene“ und den “Pfirsich Melba“ . In Villeneuve-Loubet ist ihm ein ganzes Museum gewidmet.

Wir wurden abends auch meisterlich bekocht, Momo und Doro haben uns zu Tajine eingeladen, es war einfach nur köstlich!

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Langes Wochenende

Wenn man so aus dem deutschen Allltag draußen ist, vergisst man schon mal, dass dort ein langes Wochenende vor der Tür steht. Mir wurde erst nach einem deutlichen Hinweis von Larissa klar, dass am folgenden Montag Feitertag ist. Natürlich nicht so in Frankreich, die haben ihren großen Nationalfeiertag schon längst hinter sich. Seit dem 14 Juli. Trotzdem wird allabendlich in Antibes gefeiert, weniger von den Franzosen, mehr von den Engländern. Antibes ist “fest” in englischer Hand. Es gibt zahlreiche Pubs und alles ist auf das große Yachtbusiness ein- und ausgerichtet. Es gibt Trainigscenter für professionelle Crews für Superyachten, zahlreiche Zubehörhändler und alle Reparaturdienstleister, die man sich im Bootsgeschäft vorstellen kann.

img_1602Auch wir haben mal wieder einen Kunstofffachmann für zwei kleine Macken engagiert. Eine kam von einem blöden Anlegemanöver bei viel Wind, und die zweite Macke von einem fehlenden Gummifuss an unserer Badeleiter. Interessant für mich war, dass unserer französischer Spezialist (wieder ein „Gelcoat-Christoph” eine gänzliche andere Technik zur Schadensbeseitigung anwendete, als Christoph in Mallorca. Mit dem er jedoch lustiger Weise den Namen teilt.  Der hiesige Christoph spachtelte mit Polyester die beschädigten Stellen aus und sprühte dann ein Gelcoat auf, mit abschließender Politur. Christoph aus Mallorca nutzte eine Gelcoatspachtelmasse, die er mit Farbpigmenten dem Bootsgelcoat anpasst. Das Endresultat kann sich bei beiden sehen lassen.

Wie dem auch sei, wir haben, Dorothee und ihrem Auto sei Dank, unseren Getränkevorrat vor ein paar Tagen kräftig aufgestockt und bei Lidl unglaublich leckeren Champagner für kleines Geld gekauft, und soeben mit einer Flasche des sprudeldenden Rebensafts das Wochenende eingeläutet. Im Cockpit sitzend und über Gott und die Welt schnackend, lässt es sich gut aushalten. Die Gedanken schweifen in die Ferne, verharken sich im Hier und Jetzt, Pläne werden geschmiedet. Die Gedanken sind frei.

Über uns, nicht metamorphorisch gedacht, sondern real, ziehen dunkle Wolken auf, die einen Wetterumschwung ankündigen. Für morgen steht Regen auf dem Programm, und mit 22 Grad soll es deutlich kühler werden, leider. Der angekündigte Wind aus Südwest, mit dem wir eigentlich nach Korsika segeln wollten, fällt leider aus und soll genau von dort wehen.

Ein schönes Alternativprogramm wurde uns heute von Dorothee und Mohammed angeboten. Die beiden wollen uns erst zu einem schönen Ort ins Hinterland kutschieren und anschließend mit einem original marrokanischen Essen verwöhnen.

Da muss Korsika noch auf uns warten!

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Meditatives Mittelmeersegeln

mit einem Hauch von Wind aus Süd stand am Montag auf dem Programm. Zwischen 4 und 6 Knoten zeigt der Windmesser an, das entspricht gerade mal rund 7-11 Stundenkilometern Windgeschwindigkeit. Nicht viel für unsere ca. 9 Tonnen schwere “Hexe”, aber glücklicherweise doch genug, um mit 3,5 bis 5 Knoten dahinzuschippern.

Genussvolles Segeln bei prallem Sonnenschein, das beste dazu, die See ist spiegelglatt. Die sonst sonntäglichen Motorbootausfahrer sind wohl zurück an ihrem Arbeitsplatz, nur einmal schickt ein motorender Großsegler unangenehme Wellen zu uns, die uns heftig rollen lassen.

Manchmal ist die Freude des Segelns, gerade bei wenig Wind, größer als bei viel Wind. Segeln wird dann filigran, die optimale Segeleinstellung immens wichtig und der perfekte Feintrimm wirkt sich entscheidend auf den Vortrieb aus.

Die Segel stehen gut getrimmt, werden dabei optimal vom Wind umströmt. Beim Spiel mit den Schoten geht es um wenige Zentimeter, Feinfühligkeit und ein gutes Auge sind gefragt. Der erfahrene Blick erkennt rechtzeitig Windböen an der Kräuselung der Meeresoberfläche und sieht auch andererseits die Stellen an denen das Meer reglos rumwabbert und kein Wind herrscht. Alles geschieht natürlich extrem langsam, nichts schnell. Doch gerade beim Schwachwindsegeln ist man nie tatenlos, weil es eben jene beschriebenen Windreher und Änderungen in der Windgeschwindigkeit gibt. Zumindest dann nicht, wenn man segelnder Weise vorankommen will. Mal ändert sich der Wind, dass plötzlich alle Segel einfallen, nur um gleich darauf wieder so zu drehen wie vorher. Oder es raumt der Wind auf einmal und man kann die Schoten fieren oder ein paar Grad mehr nach Luv rauskitzeln. Gerne wird diese Art des Segelns und der optimalen Segeleinstellung mit einem gut gestimmten Instrument verglichen. Es ist aber noch mehr, mit einem gut gstimmten Instrument kann eine Zeitlang gespielt werden, ohne nachstimmen zu müssen. Mit einem gut getrimmten Schiff hält das nicht so lange. Zu oft ändert sich die Windrichtung oder -stärke, gerade bei leichter Brise. Jedenfalls sind wir vorgestern bestens gestimmt und getrimmt nach Antibes gesegelt, und hatten während des Segelns richtig Spaß daran.

Und das ist doch wichtig!

(Man kann sich die Dinge auch schönreden!)

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Heute gehen wir braden

Nein, ich hab mich nicht vertan, und wollte es mit Rumpelstilzchen halten und morgen brauen, etc., aber gestern abend haben wir beim gemeinsamen Grillen verabredet, dass Dorothee und ich zu der Braderie nach Juan-les-Pins gehen. Und weil ich keine Lust hatte, 3 km zur Bahn zu laufen, und Volker nicht sooo lange alleine bleiben wollte, sind wir einfach mit der Hexe nach Juan-les-Pins gesegelt (zurück, hin sind wir motort), haben dort geankert und Volker hat mich mit dem Beiboot an Land gebracht.

Braderie ist der Schlussverkauf zum Ende der Saison, das haben wir letztes Jahr schon in St. Tropez gelernt, alle Läden stellen die nicht verkaufte Ware des Sommers vor die Tür und verkaufen alles zu kleinen Preisen. Wobei “klein” relativ ist, je nachdem, was das gute Stück ursprünglich mal gekostet hat. Dorothee hat schon ihren Spezialladen, zu dem sie jedes Jahr geht, und schlägt zu, hat am Ende eine ganze Tüte Klamotten für wenig Geld. Ich kann mich nicht entscheiden, bei dem einen ist der Preis zwar richtig, aber ich zweifle an der Qualität, das andere Kleid ist zu klein, das dritte trotz Reduktion noch zu teuer. Tatsächlich braucht man auf einem Segelboot auch keine große Garderobe, im Sommer tagsüber möglichst wenig Stoff, abends ein nettes Kleidchen, in der kälteren Jahreszeit ist man beim Segeln sowieso unkenntlich in Ölzeug verkleidet, abends reicht eine schicke Strumpfhose zu Rock und Longsleeve. Außerdem ist der Kleiderschrank zuhause in Darmstadt auch noch voll, und wenn auf dem Boot etwas ausgemustert werden muss, kann ein anderes Stück aus der Heimat beim nächsten Mal mit an Bord kommen.

Nur, dass ich schon wieder einen Schuh verloren habe, ärgert mich. Hatten wir doch auf Formentera meine Sandalen als Fender fürs Beiboot benutzt, und eine leider nicht richtig festgebunden, sodass sie nach dem Spaziergang nicht mehr da war. Jetzt hatte ich meine Bootsschuhe gewaschen, und zum Trocknen an die Seite ins Cockpit gestellt. Und wunderbarerweise ist ein Schuh spurlos verschwunden! Der linke ist da, der rechte musste noch etwas länger trocknen, und ist offensichtlich bei irgendeiner Aktion über Bord gegangen. Blöd! Besonders, wenn man als Frau Schuhgröße 44 hat, da macht nämlich Schuhekaufen nicht so viel Spaß. Das fiel mir wieder ein, als ich mit Dorothee im Schuhladen nach zierlichen Sandalen für sie schaute, und sie meinte, diese würden mir bestimmt auch stehen. Da brauche ich gar nicht nach zu fragen, bei 41 hören Damenschuhe einfach auf.
Aber es hat doch Spaß gemacht, durch die Läden zu ziehen, die zum Teil echt abgefahrenen Hemdchen und Kleidchen und Täschchen und Armbändchen, etc. zu bewundern. Das teuerste Stück war ein wunderschönes bodenlanges Abendkleid mit Schleppe, aus rotem Samt und schwarzer Spitze, runtergesetzt von 6.000 auf 1.000 €. Schnäppchen!

Übrigens, heute morgen ist die Karawane mit den schönen alten Segelbooten weiter gezogen, in einer Regatta nach St. Tropez, wo ab heute die Voile de St. Tropez beginnt, eine der größten Klassikerveranstaltungen im Mittelmeer. Vielleicht schauen wir uns das nächste Woche auch mal an.

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Wer sagt, dass man immer segeln muss

Wettfahrt der Schönen

Wettfahrt der Schönen

Seit 8 Tagen sind wir in Cannes und es zieht uns so irgendwie gar nicht weiter. Selbst unser deutscher Stegnachbar aus Köln fragte uns heute morgen, ob wir nicht für eine Tagesfahrt oder ähnliches mal auslaufen wollen. Nein, wollen wir nicht. Uns gefällt diese Art zu leben und Cannes im besonderen. Eigentlich wollten wir nochmal nach Korsika und Elba segeln, nur dazu fehlt einfach der Wind und Lust auf eine lange Motorfahrt hat keiner von uns. Über 100 Motorstunden seit Mai sind mehr als genug, auch wenn viel Motorzeit beim Ankern oder der Hafenanfahrt draufgeht. Entweder es weht in den nächsten Tagen oder Wochen ein passender Wind mit der nötigen Stärke und der richtigen Richtung, oder wir schippern halt weiter hier in der Gegend rum. Alles ist gut!

Mit dem Wind ist das im Moment jedenfalls folgendermaßen – tagsüber, so ab 12 Uhr, weht ein thermischer Seewind, der gegen 16 Uhr seine größte Stärke erreicht und kurz vor Sonnenuntergang ist dann wieder Schluss mit lustig. Nachts herrscht seit einer Woche totale Flaute, bei sternenklarem Himmel. Schön zu sehen, unpraktisch zum Segeln.

Gestern war der perfekte Tag, mit dem thermischen Wind, für phantastisch schöne Photos und Filmaufnahmen, von den Régates Royales in Cannes. Wir haben die Starts von allen Wertungsgruppen angeschaut, spannende Wendeduelle an der Kreuz gesehen und zum Schluss den Vorwindgang auf der Zielgeraden verfolgt.

bisschen kurz, der Mast

bisschen kurz, der Mast

Wer denkt, dass die Boote, nur weil sie alt sind, bei der Regatta geschont werden, der irrt sich. Und manchmal wird das Material auch kräftig überstrapaziert und es gibt, wie auf dem Photo dargestellt, Bruch. Da bekommt der eigentlich gutgemeinte Leitspruch für Segler, “ich wünsche Euch Mast-und Schotbruch” gleich ‘ne ganz andere Bedeutung.

Cornelia hat vom gestrigen Ausflug auf die Regattabahn einen neuen Film zusammengeschnitten und den gibt es hier zu sehen. Erstmals hat sie in dem Film einzelne Fotos eingearbeitet.

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