Kategorie: Logbuch

  • Auf zu den Bahamas! Tag 2

    17. Mai 2022, auf See
    Baro 1012, wolkig, Wind in der Nacht SO um 5, morgens NNW um 2
    Nach dem Abendessen bleibt der Wind SO, aber glücklicherweise stärker als die vorhergesagten sechs Knoten. Wir segeln durch die Nacht mit wechselnden Schlafphasen, fast auf Kurs zu der Nordspitze von Acklins Island, wo wir eigentlich ankern wollten. Da aber der Wind so schön durchhält, nutzen wir das aus und fahren weiter.
    02:00 Uhr: Der Skipper halst nördlich der Insel, damit wir es ausnutzen können, in Lee des Landes zu sein, und der Seegang ruhiger wird. Unmittelbar danach geht die Welt unter! Es gießt so, als hätte ein zorniger Wolkengott über uns den Stöpsel seiner enorm großen Badewanne gezogen, und dazu noch Feuerwerk gemacht. Nun aber schnell das Cockpitzelt zumachen, alle Fenster kontrollieren, danach braucht der Skipper trockene Anziehsachen. Rund um uns herum sehen wir die Zellen mit Starkregen und Gewittern, es blitzt aus allen Richtungen, das dauert sicher eine Stunde mit Böen bis 22 Knoten.
    04:30 Uhr: Wachwechsel, aber kaum liegt Volker im Bett, sehe ich auf dem Radar neue große Regenzellen auftauchen, das bedeutet hier immer auch Starkwind und manchmal eben Gewitter. Also muss der Skipper noch einmal hoch kommen, wirbeobachten wir die Entwicklung. Auch diesmal kommt wieder viel Regen aus den Wolken über uns, und ein paar Blitze erleuchten den Himmel, aber es scheint nicht ganz so sintflutähnlich zu werden.
    06:30 Uhr: Und plötzlich ist der Wind weg! Außerdem kommt er zunächst von vorne, dann von Backbord, dann von Steuerbord, jetzt muss der Motor mitschieben. Volker sieht voraus dunkle Wellen, wir reffen das Großsegel, die Genua ist sowieso weggedreht, wenn wir motoren.
    Ab 07:00 ist das Meer flach, wird haben drei Knoten Wind, langsam lösen sich die dunklen Wolken auf, der neue Tag kann beginnen. Oben an Acklins sind tatsächlich ein paar Segler, vor allem Katamarane, unterwegs, allerdings in die andere Richtung.
    Die Inseln hier sind alle flach. An den Anblick muss man sich erst gewöhnen, fast alle Karibik-Inseln sind aus vulkanischem Gestein entstanden, Turks and Caicos sowie die Bahamas sind Koralleninseln, die höchsten Erhebungen meist nicht mehr als 100 Meter hoch. Und somit von See aus erst viel später zu sehen.
    Der Tag ist schrecklich grau, von dem einen Horizont bis zum anderen. Volker sagt enttäuscht: „Da bekommen wir das Permit aber für den halben Preis!“ Ein Permit zum Reisen mit dem eigenen Boot muss man kaufen beim Eindeklarieren, hier soll es 300 $ kosten, bei dem Preis kann man ja wohl gutes Wetter für erwarten.
    Noch 19 sm bis Clarence.
    Im Endeffekt sind wir gut in der großzügigen Ankerbucht angekommen, mit uns ankern noch ganze vier Yachten, wir haben einen schönen Platz gefunden. Volkers Kommentar beim Einfahren: „Na, hier steppt ja der Bär!“ Und dann hat er mit mir gewettet, dass es nicht ein einziges Restaurant (oder Pub) in Laufnähe gibt. Prinzipiell hat er – leider – gewonnen, aber eine kleine Kneipe gibt es doch, vielleicht tröstet sie uns morgen.
    Morgen gibt es auch schöne Bilder dazu und die Gescichte des Einklarierens. Der Deutsche Amtsschimmel ist eine Mücke dagegen!
  • Auf zu den Bahamas! Tag 1

    16. Mai 2022, 07:30 Uhr
    Baro 1011, sonnig, Wind SO um 5, See (noch) flach

    Nach einem rauschenden Abschiedsabend mit wieder neuen Freunden (Dirk aus dem Erzgebirge, Mackensie und Roman aus Californien, die beiden haben gerade von Dirk das Boot gekauft), machen wir doch erstaunlich früh die Leinen los. Am Hafen verabschieden uns noch andere neue Freunde, Tom, Claude und Bosch von der „Eridu“, sie kommen von der Ostküste der USA.
    Noch bevor wir aus dem Hafen sind, will Volker alle Fender oben haben, damit sie nicht nass verstaut werden müssen, die Leinen kommen ins Cockpit, dann fahren wir langsam unter Motor raus. In der Hafeneinfahrt steht – wie erwartet – eine unangenehme Welle, danach wird es schnell besser, das Großsegel kommt hoch im 1. Reff, und ebenso wird die Genua ausgerollt. Wir haben 17-22 Knoten Wind, das ist deutlich mehr als in der Vorhersage, vielleicht hält der Wind dann auch durch und flaut nicht so ab wie von den Wetterfröschen angekündigt.
    Zehn Meilen vor der Ausfahrt aus der Lagune refft Volker die Genua ganz aus, nur die Wellen werden höher und ganz konfus.
    Um 10:15 höre ich auf Kanal 16 Provo Radio die Sailing Vessel Hexe rufen, ich bitte Volker ans Mikro, weil ich mir nicht sicher bin, was ich jetzt sagen soll, doof! Nachdem wir auf Kanal 74 gegangen sind, möchte die Coastgard nur wissen, ob wir das Land verlassen, wünscht eine gute Fahrt und bleibt Standby auf Kanal 16, falls wir irgendwelche Hilfe brauchen sollten.
    10:45 Volker brät Schnitzel zum Frühstück und isst ein gut belegtes Sandwich mit den teuersten Paprika unseres bisherigen Lebens, fast 10 Dollar haben wir im Supermarkt dafür bezahlt! Schnitzel am Morgen ist mir doch ein bisschen zu dolle, ich bleibe erstmal bei meinem Cappuccino und einem Apfel.
    Es ist ziemlich rollig auf der freien See, mit unserem „Fast-Vorwind-Kurs“ und den seitlichen Wellen wackelt selbst die Hexe deutlich. Es sind hundert Meilen bis zu Acklin Island, wo wir vielleicht die Nacht verbringen wollen, d.h. den späteren Teil der Nacht, denn so werden wir deutlich nach Mitternacht ankommen. Sollte der Wind durchhalten, könnten wir uns auch vorstellen, die restlichen 120 Meilen bis Clarence auf Long Island durchzufahren.
    16:45 Das Großsegel wird ausgerefft, und schon mal die Gennaker-Schoten gelegt. Aber noch sind die Böen zu stark, doch der Wind soll ja nachlassen.
    17:00 Gehalst, neuer Kurs ist 330°, das wäre der Kurs zum oberen Ende von Acklin Island, während wir bisher das südliche Ende angesteuert haben. Der Weg zu beiden Ecken ist ungefähr gleich weit, angeblich soll im nördlicheren Teil ein bisschen mehr Wind sein, wenn nachher die angekündigte Flaute kommt. An beiden Ecken sind gute Ankerplätze, mal sehen, wo wir landen werden.
    Insgesamt ist die See jetzt schon deutlich ruhiger, das macht des Seglers Leben leichter. Wir planen die nächsten Abschnitte in den Bahamas, viel Zeit bleibt uns leider nicht, denn irgendwann müssen wir ja nach Amerika, und das Boot in die Chesapeake Bay bringen, bevor wir nach Deutschland fliegen.
    Zum Abendessen gibt es von Volker gestern schon vorgekochte Hähnchenschenkel in leckerer Soße mit Reis und Brokkoli, langsam wird es dunkel. Leider ist es dicht bewölkt, sodass wir nicht so viel von dem schönen Vollmond sehen werden, der uns gestern Nacht mit einer partiellen Mondfinsternis überrascht hat. Es sah großartig aus, weil ein sternenklarer Himmel das Licht des Mondes in einem satten Gelb erscheinen ließ, und sich plötzlich ein Schatten davor schob. Heute morgen habe ich gelesen, dass in Europa eine totale Mondfinsternis war. So ist der Himmel überall ein bisschen anders, hier sehen wir andere Sternbiilder, und der Sichelmond liegt auf dem Rücken oder auf dem Bauch, aber er ist niemals aufrecht wie Deutschland.
    So fahren wir in die Nacht, wechseln uns mit den Wachen ab, bei dem Vorwindkurs muss man ständig den Windeinfallswinkel im Auge behalten und kurzfristig reagieren. Wir können das Ipad mit unserer Navigation verbinden, und so müsste niemand am Navitisch sitzen, sondern man könnte sich gemütlich aufs Sofa setzen. Aber leider ist mit dem letzten Update von Raymarine die Funktion weggefallen, dass man den Autopilot auch vom Ipad verändern kann. Aus Sicherheitsgründen, schade!

  • Von St. Martin zu den Turks and Caicos – Tag 3 auf See

    Nach dem Abendessen wechseln wir uns mit den Wachen ab, weil wir auf diesem Fast-Vorwindkurs, relativ präzise steuern müssen. Zuerst schläft Volker, tief und fest auf dem zum großen Bett bereiteten Sofa, um 23:30 Uhr gehe ich runter ins Bett. Dort wird es allerdings nach Mitternacht immer unruhiger, die Wellen kommen ruppig an den Rümpfen an, und schlagen mit lautem Knall auf, der Watt&Sea-Generator brummt, und der Wind hat deutlich über 20 Knoten aufgefrischt, ab und an kann ich die 27 auf dem kleinen Display in der Kabine sehen. „Volker, wir müssen reffen!“ Der aber meint, wir schauen erst einmal, ob das nur so eine kleine Störung war, die manchmal mit vereinzelten Wolkensystemen daher kommt.

    Nach 02:00 Uhr wird es ein bisschen ruhiger und Irgendwann bin ich dann eingeschlafen. Um  kurz nach vier weckt Volker mich, und in meinem schlaftrunkenen Kopf habe ich verstanden: „Wir müssen heissen.“ Was soll das denn, Reff ausschütten, oder was? Aber wir haben doch gar kein Reff drinnen!? Erst als ich vor lauter Schreck das Rad viel zu weit gedreht hatte, habe ich verstanden, dass er nur halsen wollte.

    Wir wechseln uns noch ein bisschen mit dem Schlafen ab, ich hole Mails und den Wetterbericht auf der Kurzwelle, ab Sonnenaufgang ist das aber leider nicht mehr möglich, dann streiken alle Stationen.

    Noch vor dem Frühstück tauschen wir die Dirk aus, die Leine, die den Baum hält, wenn das Segel es nicht tut, im Hafen zum Beispiel oder am Ankerplatz. Volker hatte in der Früh gesehen, dass an ein paar Stellen der Mantel aufgerissen war. Wir haben noch eine alte Leine, die wir anstelle der kaputten durchziehen, sie ist aber leider ein bisschen kurz, deshalb müssen wir sie verlängern. Wir haben Spleißnadeln an Bord, aber die französische Anleitung war so kompliziert und wirr erklärt, dass selbst ich, trotz Engelsgeduld und dem eindeutigen Slogan „wir schaffen das!“ nach zwei Stunden probieren verzweifelt aufgegeben habe. Dann müssen wir das eben anders machen. Oder ich muss mir, wenn wir wieder Internet haben, einen Spleißkurs – vielleicht besser auf Deutsch – suchen.

    Den Nachmittag verbringen wir unspektakulär, wieder mit abwechselnden Mittagsschläfchen, lesen, rätseln, duschen (wunderbarI), ab und zu halsen, bis wir uns an die Vorbereitung des extrem leckeren Abendessen machen, ausnahmsweise mal zu zweit, sonst herrscht hier an Bord die Devise: Viele Köche verderben den Brei!. Es gibt Burritos mit Hackfleisch, frischen Tomaten, Salat und Champignons, dazu Guacamole und Zaziki, ein Gedicht.

    Morgen früh werden wir wohl hoffentlich vor dem Ankerplatz von Grand Turk ankommen, wir sind jedenfalls sehr gespannt, was uns auf der für uns völlig unbekannten Insel erwartet.

    ***

    Da mein Funk gestern Abend gesponnen und den Bericht ums Verplatzen nicht rausgeschickt hat, schreibe ich noch den Beginn von Tag 4 dazu.

    Immer schön vor dem Wind kreuzend, mit zahlreichen Halsen, sind wir durch die ansonsten wenig erlebnisreiche Nacht gesegelt. Die Sonne geht gerade auf, als wir auf den letzten Streckenabschnitt zu dem Ankerplatz vor Grand Turk eingebogen sind. Flach, sehr flach liegt die Koralleninsel im Meer; nur helle Lichter, Volker meint, das müssten Lagerhäuser oder Silos sein, haben uns schon in der Nacht den Weg gewiesen. Irgendwie ist der Skipper kein Fan von Grand Turk, jedenfalls behauptet er schon von weitem, dass das „hier alles häßlich ist“. Es ankert auch nicht ein Fahrtensegler dort, nur lokale Fischerboote und ein Ausflugskatamaran liegen fest an den heimischen Bojen.

    Nachdem auch in dem Ankergrund sich Sand mit Korallenblöcken abwechselt, verlassen wir diesen Ort und hoffen, dass wir in South Caicos noch rechtzeitig ankommen, um einklarieren zu können, denn ohne Einklarierung dürfen wir nicht von Bord. Natürlich liegt die Einfahrt zu South Caicos auf einem Vorwindkurs, aber die Halsen gehen inzwischen ja locker von der Hand.

    Und dann fällt der Anker im schönsten Türkis, das man sich vorstellen kann, vor South Caicos, nach drei Tagen, bis zu Grand Turk waren es exakt 72 Stunden gewesen, nun sind es vier mehr, aber wir sind angekommen!

  • Von St. Martin zu den Turks and Caicos 2. Teil

    Tag 1 Nachmittag und Abend und Tag 2 – auf See

    Bei Anegada, der östlichsten Insel der BVIs, der British Virgin Islands, hatten wir Telefonnetz über unsere Digicell-Karte, da konnten noch schnell ein paar Whatsapps empfangen und verschickt werden. Das finden wir immer noch blöd, dass man auf See nicht ebenso ein Telefon- und Internet-Netz hat, obwohl das doch bei den zahlreichen Satelliten im All kein Problem mehr sein dürfte. So gibt es nur das teure Satellitenhandy, und die ein bisschen altmodische aber natürlich im Kontakt mit meinen Intermar-Leuten auch charmante SSB-Kurzwelle.
    Um 22:55 wird der Gennaker geborgen, der Wind hatte auf ständig über 18 Knoten aufgefrischt. Später rollt Volker noch ein Stück von der Genua ein, plötzlich war es zuviel Wind. Aber es ist eine klare Nacht mit unendlich viel Sternen und einer dünnen Mondsichel, die uns bis 21:30 Uhr begleitet.
    Mittwoch, 4.5.2022, auf See,
    Wind NO um 4, sonnig mit einzelnen Wolkenfeldern.
    Heute morgen streikt plötzlich der Windmesser, auch blöd bei so einer Überfahrt. Wir sind schon fast deprimiert, aber glücklicherweise scheint er nach einem Aus- und wieder Einschalten der ganzen Navigationselektronik erholt, und entschlossen zu sein, doch wieder ordentlich zu arbeiten. Und am Herd spinnen die Gasplatten, die eine geht immer wieder aus, hier hilft es, dass Volker die obere Abdeckung abschraubt und alles sauber macht.
    Nach dem ersten Kaffee schlafe ich nochmal ein bisschen, wir frühstücken erst um 11:00 Uhr, aber dann ausiebig. Das ist ja sowieso eher unsere Zeit, mehr Brunch als Frühstück.Der Wind bleibt bei konstanten 16-19 Knoten, die Wellen haben weiße Pferdchen, Schaumkronen. Um uns herum ist nicht viel los, wir sind jetzt auf der Höhe zwischen Puerto Rico und der Dominikanischen Republik, aber beide Inseln sind viel zu weit entfernt, als dass man auch nur Umrisse sehen könnte.
    Ab und an kreuzt ein Tanker, ein Frachter oder ein Kreuzahrtschiff unseren Weg, aber bisher war das wirklich sehr vereinzelt, ich habe zwei Tanker, ein Passagierschiff und ein unbekanntes Boot auf dem AIS gesehen, aber das war’s. Seit 14:30 Uhr fährt tatsächlich ain Segelboot neben uns, also in sechs Meilen Entfernung, die „Tika Dika“. Aber sehen können wir sie nicht. Später sind wir uns näher gekommen, die Wege kreuzen sich, und jetzt, um 20:30 Uhr fahren wir nebeneinander, mit einem Abstand von fünf Meilen
    Mittags setzen wir wieder den Gennaker, der Wind hatte nachgelassen, und mit Code D sind wir einfach viel schneller unterwegs. Gegen 16 Uhr hat sich eine große Front gebildet, hinter uns auf der Steuerbord-Seite, genau da, wo der Wind herkommt. Wir beobachten die Wolken, prüfen Im Radar, ob es ein Squall ist, dann sollten wir noch schnell den Gennaker bergen,.Aber es geht alles gut, nur ein ordentlicher Regenschauer geht auf die Hexe runter, da freut sich der Skipper, denn dabei wird das Salz der letzten Tage abgewaschen.
    Doch ungefähr eine Stunde später frischt der Wind bis auf deutlich über 20-22 Knoten auf, nun wird es aber Zeit. Damit in dem Leichtwindsegel beim Einrollen kein zu großer Druck aufgebaut wird, macht Volker die Motoren an, und wir rollen die Genua aus, damit wir den Gennaker in Lee des Vorsegels bergen können.
    Zum Abendessen gibt es Kartoffeln und Gulasch, jetzt darf der Skipper eine Runde schlafen, ich schreibe diesen Bericht hier fertig und hoffe, dass meine Kurzwelle mitspielt und ich in noch in unseren Blog setzen kann.
    Noch 212 Meilen bis zur Ankerbucht auf Turk.

  • Von St. Martin zu den Turks and Caicos – Tag 1

    St. Martin Marigot Bucht, 06:50 Uhr

    Nun haben wir eine längeren Ruhepause auf des Skippers neuer Lieblingsinsel St. Martin hinter uns und machen uns auf zu neuen Ufern. Zum Trost hat Volker ein T-Shirt bekommen mit dem Inselslogan

    One Love
    One Life
    One Island
    St. Martin

    Spaß beiseite, wir haben die Zeit auf der Insel sehr genossen, Fast sechs Wochen waren wir hier, haben kleine Törns in wunderschöne Buchten gemacht, Sabrina und Matthijs aus Holland, Sabine aus Darmstadt, und Larissa und Johannes sind zu Besuch gekommen. Nebenbei haben wir zahlreiche neue Freundschaften mit anderen Seglern geschloissen, und liebe altbekannte Freunde wieder getroffen. So hatten wir die meisten Abende in Gesellschaft verbracht, ob auf unserem Boot zum klassischen „Champagne Friday“, auf anderen Booten und besonders gerne im Lieblingsrestaurant mit fast täglicher Lifemusik und einem Dighy-Steg zum Festmachen, dem Dock 46.
    Kurz: Es war immer was los! Jetzt sind wir auf uns allein gestellt, zweieinhalb bis drei Tage werden wir brauchen zu den Turks. Das ist der südöstlich gelegenere Teil der Inselgruppe Turks & Caicos. Wir sind sehr gespannt darauf, die Insel kennenzulernen, aber auch, ob das alles klappt mit dem Einklarieren, und wo man dort ankern kann, und wie der beste Weg zum Ankerplatz ist, denn es gibt nicht viel Literatur über diesen Meeresfleck, und in unserer Bordbibliothek ist auch nichts dazu vorhanden. Das weltweite Netz gibt ein paar allgemeine Informationen, wir werden auf jeden Fall berichten.
    Kurz nach sechs heute Morgen sind wir hellwach nach einer unruhigen Nacht – wie immer vor einer längeren Fahrt. Es dauet nicht lange, dann ist der Anker oben und die Segel gesetzt, zunächst Groß und Genua in Reff 1. Sobald wir aus der windigen Zone zwischen St. Martin und Anguilla raus sind, flaut der Wind ein bisschen ab, Volker denkt schon an den Gennaker, aber da es immer zwischen 16 und 18 Knoten hat, ziehen wir es vor, die beiden Reffs auszuschütten und sind schnell genug unterwegs. Die Hexe segelt immer zwischen sieben und acht Knoten, das reicht uns erst einmal, wenn es den Skipper nachher in den Fingern kribbelt, können wir immer noch den bunten Gennaker setzen.
    Von dem Ankerplatz vor St. Martin bis zu dem anderen (hoffentlich!) Ankerplatz nordwestlich der Hauptinsel Turk sind es 515 Seemeilen, und die Windvorhersage ist günstig. Nicht zuviel und nicht zuwenig, immer so an der Grenze zwischen Genua und Gennaker. Das Meer ist ruhig, nur die von Volker so geliebte atlantische Dünung schaukelt das Boot.
    Gegen 11:30 Uhr wird der Wnd immer weniger, 12, 13 Knoten, der Speed sinkt auf knapp über sechs Knoten. Jetzt muss der Gennaker doch ran. Zuerst ziert er sich ein bisschen, will sich nicht entfalten, aber nach ein paar Versuchen und ein paar mutigen Griffen von Volker gibt er auf, und nun zieht uns das rot-weiß-grüne Segel mit 9-11 Knoten Geschwindigkeit dem Ziel entgegen. Wenn wir so weiterfahren würden, wären wir schon in zwei bis zweieinhalb Tagen, also Donnerstag, irgendwann zwischen Nachmittag und Nacht am Ziel, das müssen wir dann kurz vorher gut timen, denn dort wollen wir auf keinen Fall in der Dunkelheit eine uns völlig unbekannte Ankerbucht finden müssen.

  • Montserrat nach St. Eustatius

    Sonntag 20. März 2022, 06:20
    Ankerplatz in Little Bay auf Montserrat –  am Anker vor Oranjestad auf St. Eustatius, 13:00
    Barometer 1014, Wassertemperatur 25,8 Grad, Wind Ost 20-30 kn, die See 2-2,50 m
    Pünktlich um 6 Uhr klingelt der Wecker, alle hüpfen aus den Betten um 06:30 sind die Motoren an, und der Anker wird gelichtet. Bei 7 Beaufort und wilden Wellen geht es gleich los, bis zu der kleinen unbewohnten Insel La Redonda bleibt das auch so, danach lässt der Wind nach auf 5-6, und die Wellen werden etwas niedriger.
    Aber das ist nur von kurzer Dauer, nachdem wir Redonda um 07:30 wieder verlassen haben, sind wir wieder ungeschützt den Wellen des Atlantiks ausgeliefert. Es wird eine wilde Rauschefahrt, mit seitlichen Wellen, die das Boot gut durchschütteln. Deshalb gibt es auch erst dann frischen Kaffee und Tee, als wir hinter der Insel Nevis waren, denn dort wurden die Wellen kleiner. Und dann kamen auch erst die Brötchen in den Ofen, so lange durfte des Teig noch gehen.
    Frühstück gibt es wie immer auf Überfahrten aus der Hand, an Steuerbord liegen die Inseln Nevis und St. Kitts, daran fahren wir heute vorbei, wir wollen den größeren Schlag wagen bis St. Eustatius, das zur niederländischen Krone gehörte, und hoffentlich wieder europäisches Netz hat.
    Doch Pustekuchen! Zunächst sind wir oder vielmehr die Navigatorin ein wenig verwirrt von der Ölpier, der Ankerplatz ist früher als gedacht querab, aber doch gut geschützt und vor ein paar netten Häusern. In der Oberstadt befindet sich auch ein Fort und der Friedhof, unterhalb des schon länger erloschenen Vulkans mit einem beeindruckenden weithin sichtbaren Krater. Dort sollen die Einheimischen in hellen Vollmondnächten Landkrebse fangen. Kann ja lecker sein…
    Ordentlich wie wir sind, hissen wir nach dem Ankern die gelbe Quarantäne- und die holländische Gastlandflagge, um 13.00 Uhr waren wir angekommen, ich rufe Port Control, um nach der Einklarierung zu fragen. Au weia!
    Zunächst muss ich Fragen beantworten zum Woher und Wohin, und ob wir alle geimpft sind, und ob wir denn das Esha-Formular ausgefüllt hätten. Was denn bitte für ein Esha-Formular? Das braucht man, um auf Statia, wie die Insel genannt wird, einzuklarieren, und man kann und sollte es im Internet ausfüllen. Glücklicherweise kann Matthijs einen Hotspot machen, sonst hätten wir gar kein Internet gehabt.
    Also rufe ich die angegebene Seite auf, beginne all die Angaben zu machen, nicht nur die Passnummern aller Mitsegler, auch Ausstellungsdatum und -ort, dazu noch Telefonnummern und Email-Adressen und Geburtsort und -tag, und die Impfzertifikate, und den letzten Covid-Test und den letzten Hafen. Und wann wir St. Eustatius wieder verlassen wollen, und wo wir hier wohnen, und wie wir hergekommen sind, und wie das Boot heißt, und und und. Das wird dann per Internet gesendet und angeblich bekommt man innerhalb von 24 Stunden Bescheid, ob man an Land darf oder eben nicht.
    Wir bekommen alle sogleich eine Bestätigung, dass der Antrag eingegangen ist, und danach soll eine vorläufige Aufenthaltserlaubnis ebenfalls per Mail geschickt werden, mit der darf man zur Port Control und danach wahrscheinlich in die Kneipe.
    Matthijs bekommt einen Anruf, die Tests seien zu alt, wir müssen leider draußen bleiben. Wer meinen Käptn kennt, weiß, was jetzt für böse Wörter durch die Gegend geflogen sind. Dann gibt es eben kein Geld für den Wirt des heimischen Restaurants, wir fahren morgen weiter nach St. Martin!
  • Nachtrag zu Montserrat

    Nachdem die Insel in der jüngeren Vergangenheit von einem Hurrikan und zwei Vulkanausbrüchen gebeutelt war, sind heute dort im Wesentlichen kahle Erde, die gerade mal von grünen Flechten bedeckt ist, und die Ruinen von unzähligen Häusern zu sehen. Einst war die Insel als das Irland der Karibik bekannt, die weißen Siedler kamen auch von dort und das Land war grün, die Vegetation üppig.
    1989 zerstörte Hurrikan Hugo 95% aller Häuser, 1995 brach der Vulkan La Souffrière aus, und machte weite Teile der Insel völlig unbewohnbar, 1997 legte eine glühende Lavadusche die Hauptstadt Plymouth in Schutt und Asche. Heute leben an die 4.000 Menschen auf der Insel, ein bisschen Landbau gibt es wohl auf der östlichen Seite. Der Süden ist völlig unbewohnbar, die Gefahr weiterer Ausbrüche immer noch vorhanden, deshalb wird von Reisen nach Montserrat abgeraten.
    Selbst jetzt, als wir an dem Vulkan vorbei segelten, konnten wir unter den Wetterwolken auch gelbe sehen, und es roch ganz stark nach faulen Eiern, also nach Schwefel.
    Matthijs drückte aus, was wir alle fühlten: “Da wird man ganz still, wenn man diese Bilder sieht.”“
    Mittags waren wir in der Old Road Bay angekommen zum Ankern, leider hatten die Customs Officers am Wochenende nicht frei, sie kamen mit dem Schlauchboot und fragten nach Papieren und Pässen aller Personen an Bord. Nachdem sie verkündet hatten, dass wir wegen Covid nicht an Land dürfen, schickten sie uns tatsächlich nach Little Bay, denn nur dort dürfe man ankern, dort sei man vor dem Vulkan sicher.
    Nun gut, wir segelten noch die fünf Meilen bis dorthin, dann fiel der Anker in der leeren Bucht, und wir verbrachten einen netten Abend an Bord.
  • Von Guadeloupe nach Montserrat

    Samstag 19. März 2022, 08:00
    Gäste: Sabrina und Matthijs aus Hoorn
    Barometer 1014, Wassertemperatur 26 Grad, sonnig nmit Wolkenfeldern, Wind 20-26 kn, die See 2-3 m
    Nachdem Volker und ich am Morgen die Wetterberichte angeschaut haben, und immer noch und immer wieder für die nächsten zwei Tage für die Überfahrt Richtung St. Martin 20-24 Knoten Wind angesagt sind, entschließen wir uns, heute doch nicht nur, wie geplant, ans obere Ende von Guadeloupe, nahe bei Des Haies zu segeln, sondern gleich die 48 Seemeilen nach Montserrat anzugehen. Dort wollen wir nur ankern, ohne einzuklarieren, und am nächsten Tag weiter nach St. Kitts oder nach St. Eustatius.
    Und wie immer, wenn wir etwas beschließen, muss es auch sogleich in die Tat umgesetzt werden. Die Gäste werden geweckt, die Navigation angeschaltet, das Boot fertig gemacht, schon wird der Anker gelichtet, die Segel gesetzt und los geht es.
    Aus der Abdeckung der Insel heraus werden die Wellen immer höher, sie kommen auch genau von der Seite, es wird reichlich wackelig im Boot und vor allem gehen immer wieder ordentliche Brecher über und versalzen die arme Hexe total. Der Skipper ist not amused, aber er freut sich sehr über den guten Speed, auf der Logge stehen fast immer zweistellige Zahlen.
    Laut AIS sind keine anderen Segler unterwegs, nur ein paar Frachtschiffe sehen wir. Sehr bald tauchen die Umrisse von Montserrat am Horizont auf, wenn wir erstmal in der Abdeckung der Insel sind, werden auch die Wellen zahmer werden.
    Glücklicherweise gehört Montserrat zu den britischen Überseegebieten, dann können wir den Union Jack als Gastlandflagge setzen, weil die schlampige Navigatorin keine Flagge der kleinen Insel in ihrem Vorrat hat.
    Morgen früh werden wir mal schauen, was die Windvorhersage so im Gepäck hat, dann entscheiden wir, ob wir uns an die 60 Seemeilen bis St. Eustatius wagen oder in St. Kitts halten oder lieber einen Tag abwarten werden.
  • Endspurt – Lobuch der Atlantiküberquerung Tag 18

    • Donnerstag, 10. Februar  2022
      24-Stunden-Etmal um 12:00 Uhr: 175 sm (noch 91 sm bis Martinique)
      Barometer 1011, Wassertemperatur 26,1 Grad,
      Wind 16 – 24 kn, die See 2,5 – 3 m

    Bleiern-grau liegt die See da, dunkle Wolken bedecken den Himmel, die Nacht weicht dem Tag. Romantisch-schöne Sonnenaufgänge scheinen hier wohl nicht an der Tagesordnung zu sein, selbst wenn in den frühen Morgenstunden ausnahmsweise kein Squall durchzieht (es gab aber auch schon welche, Anmerkung der Redaktion). Anscheinend trocknet die Sonne im Laufe des Tages die Wolken aus und der typische Passathimmel erfreut ab dann des Seglers Herz.
    In der letzten Nacht wurden wir von Squalls und Regen verschont, es war ein friedlich-ruhiges Dahinschippern. Denn wir hatten aufgrund des kräftigen Windes, der in Böen bis 24 Knoten bereit hielt, rechtzeitig ein Reff ins Großsegel gebunden. Der Kat fuhr damit so ruhig, auch wenn wir mit der Besegelung natürlich nicht ganz so schnell in Richtung unsere Ziels voran kamen, wie wir uns das gewünscht haben. Aber eine gute Nachtruhe hat ihren Stellenwert, besonders wenn man nur zu zweit unterwegs ist.
    Es ist natürlich noch zu früh, um ein Fazit zu ziehen, aber so als Zwischenstand, und das soll jetzt bitte nicht überheblich rüberkommen, sind Cornelia und ich eine ausreichend große Besetzung, bzw. Besatzung, für unser Boot. Alleine wäre der Katamaran natürlich auch händelbar, jedoch bei Manövern wie dem Segel setzen/Segel bergen, im Umgang mit dem Gennaker und natürlich bei den Wachen, ist es viel angenehmer, zu zweit zu sein. Vor zwei Nächten haben ich versuchsweise, damit die Capitania weiter in ihrem Bettchen schlummern konnte, das Großsegel alleine geborgen, aber danach lag es auch auf dem Baum wie hingerotzt, null Punkte für die Ästhetik.
    Seit heute früh ist der Loggestand nur noch zweistellig, jippie. Voraussichtlich kurz vor Mitternacht werden wir den Ansteuerungspunkt von Martinique erreichen und damit offiziell die Atlantiküberquerung beenden und ins karibische Meer eintauchen, das für die nächsten Monate unser seglerisches Heimatrevier sein soll. Wir sind gespannt, was uns erwartet. Wir wollen möglichst viele Karibikinseln in den nächsten Wochen absegeln und entdecken. Dabei stehen u.a. dann Landausflüge mit Mietwagen oder Fremdenführer auf dem Programm. Kleinere Inseln kann man erwandern, oder vielleicht sogar mit unseren Bordfahrrädern erkunden. Wir freuen uns darauf, und wir werden natürlich in gewohnter Manier, hier auf unserem Blog, den es nun schon über 7,5 Jahre gibt, davon berichten.

    Leider ist dieser Blogbeitrag gestern nicht raus gegangen, das Netz war bockig und hat trotz hundertfacher Versuche es nicht geschafft, eine Verbindung aufzubauen. Volker war schon ganz genervt, dass ich immer am Navitisch an der Funke sitze, aber das war leider auch vergebens.
    Gestern Abend sind wir nun tatsächlich nach 17 Tagen, 11 Stunden und 40 Minuten in Martinique angekommen, nach 3026 Seemeilen, das ergibt eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 7,18 Knoten pro Stunde, damit waren wir ganz zufrieden. Wir haben den Anker falllen lasse, ein Bier und ein Piccolo (danke an Doris und Eric) getrunken und sind todmüde ins Bett gefallen.

    War auch nicht schlecht, mal ohne eine ganze Nacht durchzuschlafen. Und das ohne Geschaukel.

  • Der vorletzte Tag – Logbuch der Überfahrt Tag 17

    Dienstag 8. Februar 2022
    24-Stunden-Etmal um 12:00 Uhr: 177 sm (noch 245 sm bis Martinique)
    Barometer 1014, Wassertemperatur 25,8 Grad,
    Wind 10 – 22 kn, die See 1,5 – 2 m

    Gestern Abend konnte der Code D oben bleiben bis nach Sonnenuntergang. Dann allerdings kam eine große Wolkenfront, die zuviel Wind im Gepäck hatte. Eigentlich wollte Volker den Gennaker nach Durchzug der Front wieder ausrollen, aber als der beim Ausrollen Schwierigkeiten machte, und der Wind in der neuen Front auch schon wieder auf über 17 Knoten zunahm, haben wir es zunächst gelassen.
    Eientlich war der Plan, mit Code D bis 0300 UTC zu segeln, wir würden uns dabei im Stunden-Takt abwechseln, ab dann sollte das große Segel weg, und entweder die Genua raus, oder wir motoren die sechs Stunden bis Sonnenaufgang, um ein bisschen Schlaf zu bekommen.
    Da das nun so nicht klappt, machen wir das jetzt mit der Genua im Zwei-Stunden-Takt, ich gehe um halb elf schlafen, und bin um 0030 wieder oben, als Volker auch gerade die Genua ein Stück eingerollt hat, weil der Wind auf konstant über 17 Knoten zugenommen hat. Und wir segeln immer noch mit 7 – 10 Knoten Fahrt.
    Und dann geht das so weiter. Alle anderthalb Stunden wird gewechselt, der Wind bleibt beständig auf 15-17 Knoten, nur in Squalls frischt er auf, so auch am Morgen um 05:30, ich höre in meinem Bettchen, wie Volker die Genua noch ein bisschen verkleinert, der Wind nimmt unvermindert zu, und von steuerbord kommt ein dicker Squall auf uns zu. Es schüttet dann auch in Strömen, wir sehen es im Radar, dort wir sehen da auch den Frachter, der fünf Meilen hinter uns vorbei fährt.
    Danach gehe ich noch einmal für ein kleines Stündchen schlafen, an dessen Ende Volker ganz allein das Großsegel birgt, weil, wie auch gestern, um Sonnenaufgnag herum der Wind sich erstmal schlafen legt. Nur fette Squalls und Regenwolken sind rings um uns herum, wir motoren jetzt einfach ein Stückchen Richtung Martinique.
    Um 10:00 Uhr stecken wir mitten in einer riesigen Regen- und Windwolke, sie reicht von Backbord übers Heck bis nach SBSteuerbord. Anfangs gab es einen wunderschönen Regenbogen, aber jetzt ist alles einfach nur grau und es schüttet. Gut, dss wir nur die Genua draußen haben.
    Als der Wind weiter nachlässt, starten wir den Motor, duschen, nachdem wir die Wassertanks dank unseres Watermakers aufgefüllt haben, und frühstücken in Ruhe. Danach kommt ganz schnell der Code D wieder zum Einsatz, ich gehe einen Teil des fehlenden Nachtschlafs aufholen. Doch man wird sensibel für die Geräusche im Boot, noch in meinem Traum höre ich, dass der Wind immer mehr zunimmt, und wache auf. Da kommt auch schon Volkers Ruf: „Cornelia komm, der Gennaker muss weg!“
    Wir haben zwei Standard-Wetterberichte, abgesehen von den extra auf uns zugeschnittenen meiner Funkfreunde, einmal Zygrib, der über die Winlink-Airmal-Verbindung abgefragt wird und als Modell GFS, Global Forecast System, benutzt. Hier können wir für ein ausgewähltes Gebiet verschiedene Kriterien abfragen, Wind, Böen, Wellenhöhe, Regen, Bewölkung und Gewitterwahrscheinlichkeit (CAPE). Daneben haben wir noch einen speziellen Segelwetterbericht, PredictWind mit der Offshore-Variante, der neben der Vorhersage für oben genannte Kriterien, auch für vier verschiedene Vorhersage-Modelle die optimale Route berechnet. Mit genauen Daten für Windstärke und -einfallswinkel, Wellenhöhe und -richtung an einzelnen Punkten alle paar Stunden, und auch, welchen Kurs wir wie schnell fahren könnten. Ein Super Werkzeug für die Detailplanung. Vor dem Start gibt es auch die Möglichkeit, das Programm die optimale Startzeit je nach berechnen zu lassen.
    Und diese zwei Vorhersagen vergleichen wir dann immer wieder, um zu entscheiden, zu welchem Zeitpunkt es sinnvoll ist, den Code D zu setzen, oder wegzunehmen, und ob wir besser weiter nördlich oder doch lieber südlicher fahren sollten.
    War am Anfang die Stimmung eher, naja wir fahren erstmal, es sind ja noch soviele Meilen, da kann noch alles von der Richtung her korrigiert werden, so werden die Berechnungen im Endspurt doch präziser. Sollen wir es riskieren, und den Code D bei ein bisschen zuviel Wind lieber stehen lassen, um ein paar schnelle Meilen zu machen, oder fahren wir konservativ mit der Genua, dann können wir nicht so weit vor den Wind. Was wir aber müssten.
    So haben wir auch etwas zum Nachdenken und Diskutieren.

    Um 19:00 Uhr UTC: „Noch 200 Meilen bis Buffalo“ – nee, Martinique.