Kategorie: Logbuch

  • Rinn in die Pantoffeln, raus aus den Pantoffeln – Logbuch der Überfahrt Tag 16

    Montag 7. Februar 2022
    24-Stunden-Etmal um 12:00 Uhr: 176 sm (noch 416 sm bis Martinique)
    Barometer 1013, Wassertemperatur 25,3 Grad,
    Wind 6 – 14 kn, in Böen bis 24 kn, die See 1,5 – 2 m

    Am Abend schon hat der Wind uns immerwährend gefoppt. Nach dem Wechselspiel gestern mit Gennaker hoch, Gennaker runter konnten wir am frühen Abend auch noch einmal schön mit dem Gennaker fahren, Volker war total euphorisch, dass wir insgesamt nur (!) 18 Tage brauchen werden, wenn das so weiterläuft, 8 – 10 Knoten Fahrt, juppheidi sind wir da!
    Noch während wir mit unseren Abendessen-Schüsselchen draußen sitzen, den Sonnenuntergang und die Dämmerung genießen, frischt der Wind immer mehr auf, und noch vor dem Nachschlag bergen wir den Gennaker.
    Nun geht es durch die Nacht mehr schlecht als recht mit der Genua, der Wind ist eigentlich zu raum, wir fahren immer so an der Grenze, d.h., der Großbaum schlägt, und überhaupt ist es sehr schaukelig.
    Entsprechend unruhig ist die Nacht, bis Volker um 05:30 Uhr beschließt, dass das Großsegel runter kommt, und wir motoren, egal was mit den Dieselvorräten ist.
    Am Morgen gibt es immer mal wieder Versuche, die Genua mit ziehen zu lassen, aber das funktioniert nicht.
    Das Groß wird gesetzt, für kurze Zeit ziehen wir auch den Gennaker, bis von raumschots eine dunkle Wolke kommt, die eindeutig Wind mit sich führt, dann rollen wir ihn doch lieber weg, und fahren – mal wieder – mit der Genua weiter.
    Am Nachmittag um 1500 UTC haben sich Wind und Welle soweit stabilisiert, dass wir es – noch mal – wagen, den Code D auszurollen, und schwupp, sind wir 1-2 Knoten schneller. Mal sehen, wie lange.
    Für des Skippers Stimmung wäre es gut, es würde möglichst lange so bleiben. Es dürfte auch ein bisschen mehr sein, und vielleicht ein paar Grad nördlicher. Bei dem ewigen Ausrollen, Einrollen, Wegnehmen, Hochziehen, ist die gute Laune teilweise in den Keller gegangen, dass es klüger war, ihm aus dem Weg zu gehen ;-))

    Vamos a ver – we will see

  • Endlich wieder – Logbuch der Überfahrt Tag 15

    Sonntag 6. Februar 2022

    Eine Schwalbe flog uns letzte Nacht zu und da sie Schwimmhäute zwischen den Zehen hatte, vermuten wir, dass es eine Seeschwalbe war. Durch die vordere Salonluke kam der kleine Eindringling in unser „Wohnzimmer“, flog dort erstmal laut polternd gegen die Seitenscheiben und fand dann seinen Weg durch die offene Salontür ins beleuchtete Cockpit. Da saß dann nun das gefiederte Häufchen Elend und die eiligst dazugekommene Capitania stand verdutzt daneben. Wir haben dem Tier ein Schälchen mit Wasser gereicht und es hat sogleich begierig davon getrunken. Heute früh hatte sich der kleine Piepnmatz ganz unauffällig hinter den vollen Müllbeuteln im Cockpit versteckt, sodass wir schon gedacht haben, er sei weitergeflogen. Dem war nicht so, also gab es zuerst mal wieder eine Wasserration, die prompt angenommen wurde. Nach dem Öffnen des Cockpitzeltes flog die kleine Seeschwalbe davon, bon Voyage. Immerhin muss der Vogel über 600 Seemeilen bis zu uns zurückgelegt haben, eine respektable Distanz.
    Ja mit dem Müll an Bord ist das so eine Sache, fahrende Müllsammelschiffe für Segelboote gibt es nicht und der beste Müll ist wohl der, den man vermeidet. Wir haben bei unseren Einkäufen versucht, wo es geht, Plastikmüll zu vermeiden. Reis, Hirse und Gries haben wir in Gläsern gekauft. Das Frischfleisch haben wir in mehrfach verwendbare Einmachgläser eungekocht. Zwei Personen produzieren auch nicht so viel Müll wie eine achtköpfige Mannschaft. Aber trotzdem stapeln sich nun vier Müllbeutel zu je 30 Litern. Das Thema „Müll an Bord“ ist sicher ein Thema, das jeden Langfahrtsegler im Vorfeld und während der Überfahrt beschäftigt, zumal auf manchen Booten die Lagerkapazität für volle Müllbeutel begrenzt ist. Hoffentlich geht jeder Segelkollege mit dem Thema sensibel um und wirft nur über das über Bord, was Kompostierbar und unschädlich für den Ozean ist.
    Ein anderes technisches Problem, das mich seit unserer Abfahrt beschäftigt hat, ist nun gelöst. Wir haben seit dem letzten Jahr einen Smart MPPT Controller für unsere Solarzellen. Ein Problem ist dabei im Laufe des Tages mehrfach aufgetreten, das zur Abschaltung des Gerätes geführt hat und somit sauch zum Ladestopp für die Batterien. Die Spannung am Solarpanel ist häufig über 37 Volt geklettert, dann hat der smarte Ladecontoller einfach mit dem Batterieladen aufgehört. Jetzt bedeutet smart ja sowas, wie schlau oder klug, und weil unser Gerät so schlau ist, kann ich es auch über eine App vom Handy aus konfigurieren und zahlreiche Parameter einstellen. Jeden Tag habe ich also aufs neue versucht, den Fehler zu beheben, indem ich beispielsweise die Absorptionsspannung,die Ausgleichsspannung, das Ladeintervall bei Spannungsabfall, den Re-BUlk Spannungsoffset und ähnliche mir is dahin unbekannte Parameter versucht habe anzupassen. Jedesmal und jeden Tag bin ich erfolglos an unserem (neunmal) klugen Controller gescheitert. Cornelia hat sich auch reingekniet, die ist ja durch die Amateurfunklizenz sowas wie eine Expertin, aber beide sind wir an dem klugen kleinen Kasten gescheitert. Scheitern war keine Option, da die batterien, trotz Sonne ohne Ende, von den Panelen nicht vollgeladen wurden. Am dritten Tag fnd ich dann die im nachhinein eigentlich logische Lösung. Es gibt eine Einstellung für den maximalen Ladestrom, bis 60 Ampere sind drin. Die habe ich auf maximal 18 Ampere begrenzt, die Maximalspannung am Panel beträgt jetzt nur noch 33 Volt, der Ladestrom wird nicht mehr unterbrochen. Ganz schön smart der Käptn 😉
    Seit 9 Uhr heute morgen ist die Motorphase vorbei, der lange Flautenabschnitt liegt hinter uns, es weht mit erfreulichen 4-5 Beaufort aus Nordnordost. Mit 7-10 Knoten Fahrt sind wir endlich wieder, unter Vollzeug, schön segelnd unterwegs. Was für ein Unterschied zur doch eintönigen Motorerei. So langsam richten sich unsere Gedanken mehr und mehr in Richtung der Ankunft in Martinique. Zuviele Gedanken darüber wollen wir uns aber jetzt auch noch nicht machen, denn dafür genießen wir die Atlantiksegelei im hier und jetzt viel zu sehr.

    Und wieder die Hardfacts:

    24-Stunden-Etmal um 12:00 Uhr: 140 sm (noch 587 sm bis Martinique)
    Barometer 1013, Wassertemperatur 25,3 Grad,
    Wind 4 – 16 kn, die See 1,5 – 2 m

  • Bad im Atlantik – Logbuch der Überfahrt Tag 14

    Samstag 5. Februar 2022
    24-Stunden-Etmal um 12:00 Uhr UTC: 146 sm (noch 729 sm bis Martinique)
    Barometer 1015, Wassertemperatur 24,9 Grad,
    Wind meist 5 – 7 kn, die See 1 m
    Nun haben wir die Zeit doch um eine Stunde umgestellt, damit der Unterschied bei der Ankunft nicht zu krass wird. Noch ist das nicht so auffällig, um 0900 dämmert es langsam am Nachthimmel, später wir es dann um 0700 Uhr sein.
    Um 08:30 hat uns eine Wolke einen kleinen Bonustrack im Motoralltag eschert, 14 Knoten Wind aus SW ergibt eine halbe Stunde segeln. Wohlgemerkt, eine halbe Stunde.
    Ein Geschenk der anderen Art bekamen wir gestern Nacht. Volker war auf dem Vorschiff, um die Leinen vom Gfennaker-Segeln für die Nacht aufzuhängen und klar Schiff zu machen, da ruft er plötzlich nach mir. „Oh,“ denke ich, „was ist denn jetzt passiert?“ und laufe schnell zum Bug. Siehe da, es sind tatsächlich zwei Delfine gekommen, spielen kurz zwischen den Rümpfen, zeigen ihre weißen Bäuche, und, schwupp, schon sind sie wieder verschwunden.
    Bei einer unserer Unterhaltsarbeiten ist heute nun leider ein Missgeschick passiert. Wir kontrollieren von Zeit zu Zeit alle wichtigen Schrauben und Muttern an Bord, eine davon wollten wir ein bisschen nachziehen, ich sollte draußen schrauben und Volker drinnen halten. Nun war die innere Mutter schwer zu erreichen, weil sie sich in einem abgeschotteten Bereich befindet, der nur über kleine Inspektionsluken zugänglich ist. Volker hält mit der Ratsche gegen meine ungeheure Kraft, natürlich war es warm da drinnen, und schwupp (schon wieder, aber nicht so elegant wie bei den Delfinen) gleitet ihm die Ratsche aus der Hand und fällt auf den Boden. Praktisch unerreichbar für normale Sterbliche, es sei denn, man hätte lange Schimpansenarme, oder einen starken Magnet. Beides haben wir leider nicht. Schimpansen finden wir in der Karibik nicht, aber vielleicht jemand, der einen starken Magnet mit an Bord führt, wer weiß?
    Da wir das Problem jetzt nicht lösen konnten, waren wir schwimmen. Ja, auf einer Ozeantiefe von über vier Kilometern. Da waren mehr als 4.000 Meter Wasser unter uns! Ich hab mich nicht getraut, die Leine loszulassen, die Volker an die Hexe gebunden hatte, mit einem dicken Fender am Ende, und einfach zu schwimmen, aber das Gefühl war einfach nur genial. Da ist man so ein winziger Punkt in einem riesigen Topf mit blauem Salzwasser. Wobei das Wasser ja gar nicht blau ist, aber die Metapher sieht das so. Und auf der Badeplattform sehe ich beim Zurückkommen, dass da winzig kleine Krebslein liegen, vielleicht 3 mm lang, im Vergleich wie eine H0-Eisenbahn-Lokomotive im Gegensatz zu einer schwarzen alten Dampflok. Beeindruckend, das alles.
    Ansonsten fehlt uns heute leider der Wind, aber das war vorausgesagt und einkalkuliert, ab morgen mittag soll es wieder besser werden, und so nutzen wir die Zeit, und amüsieren uns.
  • In den Tropen – Logbuch der Überfahrt Tag 13

    Freitag 4. Februar 2022
    24-Stunden-Etmal um 12:00 Uhr: 165 sm (noch 877 sm bis Martinique)
    Barometer 1016, Wassertemperatur 24,5 Grad,
    Wind 5 – 17 kn, die See 1 m
    Der angenehme Gennaker-Wind bleibt uns den ganzen Nachmittag und Abend erhalten, es gibt Abendessen – Bauernfrühstück, sehr lecker – am Kartentisch, um auf Winddreher schnell mit der Fernbedienung für den Autopilot reagieren zu können. Also auch Nachtwachen im Zwei-Stunden-Takt.
    Um 0500 Uhr muss der Code D geborgen werden, der Wind hat aufgefrischt auf über 17 Knoten, das will Volker nicht riskieren, dass uns hier auf den letztem 1000 Meilen der Gennaker nicht mehr zur Verfügung stehen möge. Die Genua kommt raus, später lässt der Wind kurzfristig so nach, dass der Diesel arbeiten muss, aber seitdem segeln wir munter durch die Nacht. Wer hätte das gedacht nach den verheerenden Wettervorhersagen, die uns ein richtiges Stimmungstief beschert haben?
    Mittlerweile haben wir uns richtig eingegrooved in das Bordleben. Die Nachtwachen werden abhängig von der Besegelung aufgeteilt, am Morgen kümmere ich mich um Wetterberichte, die Mails und die Brötchen, Volker um den allgemeinen Boots-Check-Up. Nach der Intermar-Runde gibt es Frühstück, und dann sehen wir mal, was der Tag so alles bereit hält. Auf einem Boot gibt es ja tatsächlich immer irgendetwas zu werkeln, da lecken mal die Öldichtungen am Motor des Wassermachers, irgendwo quietscht etwas und muss geölt oder festgeschraubt oder oder… werden, manche Leinen sind durch das Salzwasser ganz steif geworden und müssen mal in Weichspüler baden, oder unsere Wassertanks werden komplett geleert, damit auch das letzte Chlorwasser verschwunden ist. So werkeln wir und – schwupp – ist schon wieder ein Tag rum, Zeit, ans Abendessen und dessen Zubereitung zu denken.
    Wir haben uns geeinigt, dass wir bis zur Ankunft in Martinique die Uhr nicht umstellen werden auf Ortszeit, sondern weiterhin mit UTC leben, denn sonst müsste ich demnächst um sechs Uhr unsere Positionsmeldung rausschicken und um sieben Uhr morgens an der Funke sitzen. So ist es entspannt, zwar geht die Sonne erst nach neun Uhr auf, dafür aber auch erst um neun Uhr unter, denn mittlerweile befinden wir uns im Wendekreis, also südlich des 23. Breitengrades, und somit in den Tropen.
    Und dass wir in den Tropen sind, merken wir nicht nur daran, das Tag und Nacht gleich lang sind, das Klima hat sich verändert. Die Nächte (klar, die Tage auch) sind deutlich wärmer als noch am Anfang der Reise bei den Kanaren, und natürlich kein Vergleich zu Segelnächten auf der Nord- und Ostsee. Und der Sternenhimmel! Wenn der Himmel wolkenlos ist, hat man das Gefühl, Millionenen kleiner und größerer weißer und gelblicher Punkte erleuchten die Nacht. Und abends die liegende Mondsichel mit der leuchtenden Venus darüber, einfach nur schön!
    Fast könnte man bedauern, demnächst anzukommen, hätte Volker nicht ein Regatta-Herz, und jetzt rechnet er schon mit spitzer Feder, wie schnell wir ab wann segeln müssten, damit wir weniger als soundsoviel Tage für die Überfahrt gebraucht haben. Back in the Race, Baby!
  • (Schon wieder) Flautenpoker

    Segelwechsel folgt auf Segelwechsel, hoch mit dem Code D (der Gennaker), ausgerollt und ein paar Minuten bei 5 Knoten rumgeschippert, 30 Grad geänderte Windrichtung, der Code D muss eingerollt werden, die Genua kommt raus, eine halbe Stunde später ist der Wind komplett weg, die eiserne Genua wird angeschaltet und dieselig lärmend geht es voran.
    Dann ein neuerlicher Windhauch, eine neuer Versuch mit dem Gennaker, der auch nicht länger anhalten will als beim oben beschriebenen Fall. So ging das gestern den ganzen Tag, rinn in de Plümen, raus aus den Plümen, wie der Rheinländer so schön sagt. Und dann zur Krönung des wechselhaften Segeltages kommt meine Liebste am Nachmittag mit einem Wetterbericht an, der dieses Winddrama bis einschließlich Sonntagmorgen vorhersagt. Wechselnde Winde oder, deutlicher gesagt wechselnde Flauten mit 2-8 Knoten Wind. „Wer braucht den sowas und wer hat das bestellt?“, wir üben uns in Selbstironie und sehen uns schon so ein bisschen wie der fliegende Holländer, gefangen und verdammt auf dem ewigen Meer. Dazu passt dann auch die Metapher der Capitania zum momentanen langsamen auf und ab des atlantischen Ozeans, den sie als das Atmen des Meeres auf den Punkt genau beschreibt. Jedenfalls sinkt das Stimmungsbarometer an Bord, kurzfristig unter den Nullpunkt, die vorhandenen Dieselvorräte werden leicht panisch, aber akribisch erfasst und es wird bilanziert, wieviele Seemeilen noch, unter Einbehaltung einer ausreichenden Sicherheitsreserve an Kraftstoff, motorend zurückgelegt werden können.
    Am frühen Abend holen wir sogar den bereits leicht angestaubten symmetrischen Spinnaker aus dem Segelkeller, ein Segel, auf dessen Gebrauch eigentlich keiner von uns beiden Lust hat, da es zum einen keinerlei Berge-, bzw. Rollsystem hat, und es zum anderen für zwei Menschen mit den insgesamt 4 Schoten kompliziert im Trimm ist. Leider ist es das einzige Segel, mit dem man bei dem auf Vorwindkurs gedrehten, weiterhin schwachen Wind, in die richtige Richtung segeln kann. Es gibt doch einen Punkt an dem Spinnaker, den wir beide mögen, korrigiert mich die Capitania…. das sind die krassen Farben und Musterung desselben.
    Eine halbe Stunde nach der Entscheidung zum Heißen des Segels steht der Stoff vor den Bügen und zieht die Hexe in Richtung des Sonnenuntergangs. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit, mit dem letzten Büchsenlicht, erlischt ebenfalls der Wind und wir leiten das letzte Segelmanöver des Tages ein, der Spi wird geborgen.
    Ein Segeltag der wenige Meilen in Richtung Ziel gebracht hat, geht zu Ende und der Motor schiebt uns durch eine ruhige und sternenklare Nacht. Soviele Sterne wie hier am Himmel stehen, am Wendekreis der Sonne, ist schon fast zu viel zum Erfassen für mich. Es ist einfach überwältigend.
    Seit heute früh ist Seglers Segelwelt wieder in Ordnung: Ein kräftigerer Wind als in der Vorhersage treibt uns unter Großsegel und Code D geschwind voran, durchs mittlerweile 24 Grad warme Nass, und ein hoffnungsvollerer Wetterbericht hat das blöde gestrige Flautenszenario abgelöst. Das Leben kann so schön sein 😉

    Hier noch diie Hard-Facts:

    Tag 12, Donnerstag 3. Februar 2022
    24-Stunden-Etmal um 12:00 Uhr: 136 sm (noch 10 16 sm bis Martinique)
    Motorstunden um 10.00 Uhr UTC = BB 338 SB 513
    Barometer 1017, Wassertemperatur 24,2 Grad,
    Wind um 8, später um 12 kn, die See 1 m

  • Abgehoben – Logbuch der Überfahrt Tag 11

    Während wir mit dem Gennaker und wechselhaften und flauen Winden aus nordöstlicher Richtung unter einem bedeckten Himmel, langsam dahinsegeln, bietet uns die Natur, wie so häufig, ein wunderbares kleines Schauspiel.
    Pfeilen gleich, zischen die schlanken, langgestreckten, grauen Fischleiber in Schwärmen aus ihrem Element, entfalten ihre silbrigen Flügelchen und landen, 25-50 Meter weiter, wieder im Wasser. Anscheinend segeln wir soeben durch ein Gebiet mit zahlreichen Schwärmen von fliegenden Fischen, die vom Boot aufgescheucht werden und mit der kleinen Luftnummer das Weite suchen. Die Flugshow der Fliegefischchen ist durchaus lustig und amüsant, besonders wenn Seitenwind im Spiel ist und die kleinen Flugkünstler etwas weniger elegant aufs Wasser platschen.
    Ganz elegant gelöst haben wir die eigentlich vorhergesagte Flaute von gestern, indem wir den doch vorhandenen, guten und segelbaren Wind gnadenlos bis zu seinem letzten Atemzug heute früh um 05.30 Uhr ausgenutzt haben. Dafür hat der für heute etwas kräftigere vorhergesagte Wind noch ein paar Luftlöcher, und das Großsegel des Katamarans bei derart unstetem Winddruck und der Schaukelei in der atlantischen Dünung, einen entscheidenden, und gravierenden Nachteil. Das schwere durchgelattete und im oberen Bereich ausgestellte Großsegel, das man auch als Fathead (dicker Kopf) bezeichnet, schlägt in den Schaukelwellen so, dass das ganze Rigg erzittert und man denkt, die Segellatten könnten jeden Moment brechen. Selbst die mit Gummizug ausgestatte Baumbremse kann diesem unangenehmen kattypischen Phänomen keinen Einhalt gebieten, die beschleunigte Masse ist einfach zu groß. Erst ein erhöhter Winddruck im Groß, verbunden mit einem spitzeren Windeinfallwinkel erlöst den Segler von dieser Qual. Um dem Schlagen des Goßsegels vorzukommen, nehmen wir, wenn wir motorend bei Flaute unterwegs sind, es in der Regel weg.
    Bei wenig Wind zu segeln ist eh filigraner als bei beständigem und frischerem Wind. Die Segel müssen dann unbedingt präzise getrimmt werden, um überhaupt voranzukommen, der Windeinfallswinkel ändert sich bei Flaute fast so häufig wie an einem baumumstandenen Binnensee und der idealkurs zum Ziel verkommt dabei fast. Es zählt eigentlich nur, den Kahn mit der vorhandenen Segelgarderobe irgendwie in Fahrt zu halten.. Bei frischem Wind segelt ein Boot eigentlich immer, selbst wenn die Segelstellung nicht ganz zur Windrichtung passt.
    In den nächsten zwei Tagen werden uns die wechselhaften Winde weiter verfolgen, erst ab Samstag soll der Passatwind wieder einsetzen.
    Es sind jetzt im Moment noch 1135 Seemeilen bis zur Ansteuerung von Martinique.

    Wir sind wirklich im Süden angekommen! Ich sitze um 07:00 Uhr morgens an Deck, es ist nichts feucht oder klamm, sondern angenehm warm. Und als Beweis dafür sehe ich – ganz deutlich zu erkennen – am südlichen Horizont das Kreuz des Südens. Rechts neben dem wunderbar hellgelb erstrahlenden Antares.

    Und hier noch die Fakten des Logbuchs:

    Tag 11, Mittwoch 2. Februar 2022
    24-Stunden-Etmal um 12:00 Uhr: 162 sm (noch 1.148 sm bis Martinique)
    Barometer 1018, Wassertemperatur 24 Grad, sonnig mit einzelnen Wolken, Wind um 3 Bft., die See 1 m

  • Halbzeit – Logbuch der Überfahrt Tag 10

    Dienstag 1. Februar 2022
    24-Stunden-Etmal um 12:00 Uhr: 160 sm (noch 1.311 sm bis Martinique)
    Barometer 1016, Wassertemperatur 23,8 Grad,
    Motorstunden um 13:00 UTC: BB 334, SB 500
    Wind um 3 – 5 Bft, die See 1 – 1,5 m

    Das flotte Gennaker-Segeln ging leider nur bis kurz vor Mitternacht, danach wurde der Winkel so ungünstig,dass wir die Meilen, die wir durch Geschwindigkeit gut gemacht hätten, allerdins zu weit nach Nordwesten, am nächsten Tag sozusagen im Winkel wieder hätten zurück segeln müssen. Das bringt ja auch nichts.

    Also wurde der Gennaker geborgen, ebenso das Großsegel, und der Mmotor übernimmt die Nachtschicht. Das ist seglerisch eher enttäuschend, hat aber den Vorteil, dass wir beide sehr entspannt schlafen können, und Volker nur kurze Rundumblicke alle 20 Minuten werfen muss.

    Und weil wir Bergfest haben, weil es gerade so schön, und plötzlich warm ist, und wir in den Tropen sind, haben wir unsere Tradition von Darmstadt aufgegriffen und uns abends für eine kurze Zeit vor die Türe gesetzt und nach den Sternen geschaut. Diesmal nicht mit einem ordentlichen Bier und einem Glas Wein, sondern mit je einer Dose San Miguel alkoholfrei, aber das schmälert den magischen Moment nicht. In meiner Sternen-App haben wir das Sternbild des Löwen und das Sternbild des Krebses entdeckt, denn wir sind ja gerade über den Wendekreis hinaus gesegelt. So schön haben wir das noch nie gesehen, und ich habe es sogar geschafft, eine Bildschirmfoto von unser beider Sternzeichen zusammen zu machen. Liab, gelt?

    Rechtzeitig um 05:00 Uhr meldet sich der Wind zurück, aus Nord, wir setzen das Großsegel und die Genua, nun geht es schneller und leiser weiter. Im Radar sehe ich einen kleinen Squall mit Regen rechts voraus, wir drehen vorsichtshalber die Genua ein bisschen ein, aber der Regen geht vornedran vorbei, ohne dass wir allzuviel davon abbekommen.

    Da wir mit als Zeitzone weiterhin UTC beibehalten haben, uns aber mittlerweile auf dem 39.-40. Längengrad bewegen, geht die Sonne nicht vor 08:30 auf. Danach stabilisiert sich der Wind auf 11-13 Knoten aus NNE, und wir kommen flott voran, diesmal auf dem richtigen Kurs, zum Zwischenziel 19°12’N / 44°56’W.

    Der Tag läuft seglerisch viel besser als erwartet, wir segeln zunächst mit Genua und Groß, bei flacher See mit konstant 7 kn Fahrt, setzen mittags den Gennaker, auch der bringt uns flott voran. Dann kommt eine dunkle Wolke an Steuerbord immer näher, wir bergen den Gennaker, jetzt kommt das, was Volker als Bonus-Meilen bezeichnet: Die Wolke hat Wind im Gepäck von 15-17 Knoten, nimmt uns ein Stück mit auf ihrer Reise und beschert uns so eine unvorhergesagt schnelle Fahrt.

    Mit Hilfe der Wetterberichte von all unseren Quellen versuchen wir, eine Strategie für den zweiten Teil unserer Überfahrt auszuarbeiten, bei der wir den optimalen Wind nutzen und die endlichen Dieselvorräte richtig einsetzen. Und solche Bonus-Meilen wie heute nehmen wir gerne als Schmankerl obendrauf.

  • Flautenjoker – Logbuch der Überfahrt Tag 9

    Montag 31. Januar 2022

    24-Stunden-Etmal um 12:00 Uhr: 150 sm (noch 1458 sm bis Martinique)
    Motorstunden um 00.00 Uhr UTC = BB 330 SB 481
    Barometer 1018, Wassertemperatur 23,6 Grad,
    Wind 4 – 14 kn, die See 1,5 – 2 m

    Am Abend vorher steht um 1830 UTC die nette Zahl 1555 sm Entfernung zum Wegepunkt. Wir haben ausgerefft, denn der Wind hat abgenommen auf 14-16 Knoten, die See wird langsam ruhiger.
    Larissa schickt Grüße, sie sitzen bei unserem portugiesischen Lieblingsrestaurant in Darmstadt. Die könnten uns eigentlich mal so ein paar leckere Tapas per Möwe schicken, oder? Naja bei uns gibt es Lasagne vom Vorabend und den letzten Salat, klingt schlimm war aber auch nicht schlecht.

    Ab 22:00 UTC wird der Wind instabil.
    22:40 Uhr – Halse auf 190° wegen drohenden Squalls
    23:15 Uhr – zurückgehalst wegen Squalls, anschließend Durchzug einer Regenfront
    00:30 Uhr – Alle Segel geborgen, Motorfahrt mit Motor rechts

    In der für heute vorhergesagten Flaute setzt mittags dankenswerter Weise ein Wind aus Nordost ein, sofort wir holen den Gennaker aus der Segellast und bereiten das bunte Tuch (Grüße an Rainer) vor. Als es ausgerollt ist, beschleunigt das Boot, und alsbald gleiten wir bei nahezu glatter See mit 8-12 Knoten dahin.
    Doch erstmal der Reihe nach. Seit Mitternacht hat der Wind abgeflaut, um ein Uhr nachts war es an der Zeit, den Diesel zu starten und auch das in der Dünung schlagende Großsegel zu bergen. Weniger Aufmerksamkeit ist angesagt als beim Segeln, der Motor dreht, der Autopilot steuert, das Schiff folgt stur dem vorprogrammierten Kurs. Ich schlafe wie gewohnt im Intervall und die Capitania verholt sich in die Koje. Endlich Zeit, den fehlenden Schlaf der vorhergehenden Nacht nachzuholen.
    Der heutige Morgen fängt später als gewohnt an, der Himmel ist wolkenverhangen, es regnet voraus. Es dauert nicht mehr lange, bis wir mitten durch eine Regenböe steuern, die in der Tat nur Regen im Gepäck hat und keinen Starkwind.
    Mit dem Regen kommt der letzte Saharastaub von Lanzarote aus dem Rigg, und es bilden sich braun-sandige Pfützen auf dem Deck. Der Entsalzer läuft und füllt die Wassertanks, also haben wir genügend kostbares Nass, um den Deckswaschschlauch anzuschließen und dem Dreck zu Leibe zu rücken. Nach zweieinhalb Stunden ist die Hexe so sauber und entsalzen, als wäre sie im Hafen festgemacht und nicht mitten auf dem Atlantik unterwegs. Zusätzlich gib tes noch ein bisschen Pflege fürs Edelstahl. Zur Feier des Tages, es ist ja Flaute, und wir „müssen“ nicht segeln, bereitet die Capitania ein ausgebreitetes spätes Frühstück mit heißer Fleischwurst, Weisswürsten, selbstgebackenen Brötchen und einem Glas Gerstensaft vor.
    Das leckere Essen liefert die Energie für notwendige Unterhaltsarbeiten, der abgebrochene Sicherungssplint vom Lümmelbeschlag ist schneller gewechselt als gedacht. Außerdem wird die Hexe liebevoll innen gehegt und gepflegt, was bis zum frühen Abend dauert. Danach halten wir das Boot an und ich hüpfe ins 23,5 Grad warme Meer bei 6.000 m Tiefe. Was für ein Genuss!
    Dann setzt, wie nicht vorhergesagt, der oben erwähnte Wind ein. Wenn der durchsteht, planen wir, auch nachts den Gennaker stehen zu lassen, damit es vorangeht. Dank Deckslicht und Vorschiffsleuchte kann man das Segel sehr gut von drinnen auf dem Sofa sitzend beobachten. Cornelia hat das Radar angeschaltet, und wenn eine Regenböe erscheint, wird sie von der Radarwelle erfasst, wir werden rechtzeitig gewarnt und können die 190 Quadratmeter Segeltuch rechtzeitig wegpacken. Wir wollen uns alle 2 Stunden abwechseln, damit die Konzentration erhalten bleibt.

  • Der Wal bläst, Logbuch der Überfahrt Tag 7 + 8

    Seit genau einer Woche sind wir mit unserem Hexenkat auf dem blauen atlantischen Ozean unterwegs. Weder Cornelia noch ich waren jemals in unserer nautische Karriere so lange und nonstop am Segeln. Zahlreiche Atlantikpassagen hatten wir bereits früher geplant, doch die Lebensumstände hatten eine solange Reise bis jetzt nicht zugelassen, irgendwas kam immer dazwischen. Jetzt sind wir tatsächlich unterwegs und bis jetzt ist der Wind mit uns und wir erreichen relativ hohe Durchschnittsgeschwindigkeiten für ein eigentlich cruisingorientiertes Projekt.
    Von gestern auf heute haben wir über 190 Seemeilen auf dem Weg in die Karibik im Kielwasser abgespult. Gestern waren wir für einige Stunden mit dem Gennaker flott unterwegs. Und in der letzten Nacht hatten wir eine heftige Squall, mit über 30 Knoten Wind und Starkregen. Da wir noch die Worte eines erfahrenens Katseglers in den Ohren hatten, haben wir erst garnicht versucht zu reffen, sondern sind mit Vollzeug einfach auf einen sehr tiefen Raumschotkurs gesteuert, während die Hexe auf über 15 Knoten beschleunigt hat. Je schneller wir mit dem Wind geseglt sind, umso weniger Winddruck hatten wir in den Segeln, der sogenannte scheinbare Wind war nicht größer als 17 Knoten. Nach 15 Minuten war das kleine Wettermonster durchgezogen und bei beständigen 17-22 Knoten Wind ging die Meilenjagd durch die Nacht weiter. Ziel ist es nach wir vor, bis zum Einsetzen der Flaute am morgigen Montag soviele Meilen wie möglich in Richtung Ziel abzusegeln.
    Nachdem es in den letzten Tagen weder Haie, Delfine, Fische, oder anderes Meeresgetier zu sehen gab, hatten wir am heutigen Sonntag das Riesenglück, dass ein Grauwal, ca. 10 Meter entfernt vom Steuerbordrumpf, kurz zum Atemholen aufgetaucht ist. Wie erwähnt, eine kurze Begegnung, aber beeindruckend.
    Weniger Glück hatten heute Nacht zwei fliegende Fische, die gegen das vordere Fenster des Kajütaufbaus geprallt sind und dabei ihr Leben lassen mussten. Man hört ja auch hin und wieder Geschichten von Seglern, dass fliegende Fische durch offenstehende Decksluken ihren Weg in Kajüten gefunden haben sollen. Leider stinken die gut 25 Zentimeter langen Meereswesen sehr fischig und die kleinen Schuppen verteilen sich gerne. Französische Segler schmeißen schon mal die gratis Flugkost in die Pfanne, die Capitania war nicht zum Genuss zu überreden.
    Den Rest vom Sonntag werden wir ruhig angehen lassen und versuchen, den verpassten Schlaf der vergangenen Nacht nachzuholen. Wir sind sehr gespannt, was die kommende Woche, vor allem wettermäßig in Petto hat.

    Die Eckdaten der beiden Tage:

    Tag 7, Samstag 29. Januar 2022
    24-Stunden-Etmal um 12:00 Uhr: 173 sm (Insgesamt 1143 sm von Lanzarote)

    Barometer 1020, mehr Wolken als Sonne, Wassertemperatur 22,2 Grad, Wind NE 15-25 Knoten, Wellen bis 2,50 m

    Tag 8, Sonntag 30. Januar 2022
    24-Stunden-Etmal um 12:00 Uhr: 188 sm (noch 1601 sm bis Martinique)

    Barometer 1022, Sonne mit kleinen Wölkchen, morgens erst noch dunklere Wolken, Wassertemperatur 22,2 Grad,
    Wind nachts nachts ENE um 20 Knoten, in Squalls bis 30 Knoten, die See bewegt bis ca. 2,5 m; am Tag Wind um SE 13-24 Knoten, die See 1,5 – 2 m

  • Die Überfahrt von Lanzarote nach Martinique ,Tag 6: Wir hadern mit dem Wind

    Freitag 28. Januar 2022
    24-Stunden-Etmal um 12:00 Uhr: 196 sm (Insgesamt 970 sm von Lanzarote)

    Barometer 1019, mehr Wolken als Sonne, Wassertemperatur 22,3 Grad,
    Wind NE 13-24 Knoten, die See bewegt bis ca. 2 m

    In der Nacht gab es größere Unterschiede zwischen ordentlichen Passatwinden mit um die 24 Knoten und seltsamen Windlöchern unter 10 Knoten Wind. Die abwechselnden Nachtwachen von ca. zwei Stunden, aber den Schlafphasen angepasst, haben sich bewährt. Manchmal allerdings fordern besondere Ereignisse, z.B. reffen, ausreffen, ein gemeinsames Handeln.

    Wie heute morgen, als plötzlich aus einer Schwachwindphase heraus der Wind extrem auffrischte und die Richtung änderte, und im Anschluss daran wieder komplette komplette Flaute war. Wir haben den Motor angemacht, um Richtung Süden zu motoren, und so der neuen Empfehlung unserer Windgurus zu folgen. Der Baum schlägt dabei aber so arg, dass es nur zwei Möglichkeiten gab: entweder das Segel komplett bergen und weitermotoren, oder zurückhalsen. Da der Wind sich jetzt auch wieder bequemte, ein bisschen zuzunehmen, hat Volker letztere Variante gewählt, und siehe da!, jetzt segeln wir wieder auf dem gewohnten Bug mit 7-8 Knoten Fahrt nach Südwest.

    Inzwischen ist die Sonne aufgegangen und liefert tolle Farbspiele an den umgebenden Wolken, schade, dass man den Bericht über die Kurzwelle nicht mit Fotos spicken kann, weil sonst die Datenmengen zu groß werden.

    Bei der Intermar-Runde bekommen wir einen extra für uns aktualisierten Wetterbeicht von Uwe, den ich heute auch sehr gut empfangen kann. Auch Roland aus Fuerteventura ist hervorragend zu verstehen, er gibt mir im Anschluss an die Runde seine Einschätzung des Wetters weiter, wie er es aus Windy lesen kann. Das Prolem ist ein Tief, das ab Montag den Passat gehörig aufmischt, und sowohl an einigen Stellen Gegenwind als auch in einem großen Dreieck zwischen den Kanaren, den Kap Verden und der Karibik für eine fast windstille Zone sorgt. Nun überlegen wir mit allen unseren Experten und den eingeholten Gribfiles eine möglichst intelligente Strategie, um die Flaute zu umgehen, aber auch keinen allzu großen Umweg in Kauf zu nehmen. So segeln wir jetzt mit voller Besegelung bei Winden zwischen 15 und 22 Knoten auf Kurs 265° Richtung West. So kommen wir im Moment (noch) sehr gut voran.

    Nachdem bei unserem Boot endlich alle Reparaturen ausgeführt und alle Erstzteile angekommen waren, mussten wir noch lange auf einen guten Zeitpunkt warten, an dem wir losfahren konnten. Denn wenn auf der Strecke so große Abschnitte ohne Wind existieren, muss man tagelang motoren, oder halt sich einfach treiben lassen. Diese meditative Variante kann man mal für ein paar Stunden nett finden, aber um das ein paar Tage durchzuhalten, dazu ist mein Skipper nicht geschaffen. Und soviel Diesel können wir gar nicht mit uns führen, dass wir 5-6 Tage motoren könnten, ganz abgesehen davon, dass wir das ganz sicher nicht wollen, denn sonst hätten wir uns ein schnelles Motorboot gekauft.

    So blieb nichts anderes übrig als zu warten (wir berichteten bereits). Als wir dann am Sonntag endlich die Leinen los gemacht haben, sah es noch so aus – und unsere Wetterbeichte haben dies bestätigt – dass wir am schnellsten auf der direkten Route fahren können. Anderthalb Tage motoren am Anfang, dann kommt der Passat und begleitet uns in die Karibik. Bis das blöde Tief in den Vorhersagen auftaucht. Und unseren Weg stört. Deswegen diskutieren wir jetzt jeden Morgen und jeden Abend in der Funkrunde. Wir tauschen uns mit der „Vast“ aus, die ebenfalls nach Martinique unterwegs ist, nur auf der südlichen Route, auf Anraten ihres Wettergottes. Und wir beschäftigen unsere Freunde mit der Übersendung besonderer Gribfiles und der Analyse derselben.

    An all diese guten Geister schicken wir einen ganz großen Dank hinaus in die Welt; an alle, die uns so kompetent und geduldig beraten, Ihr seid „Simply the Best“!