Nu sinn se wech …


… und wir sind wieder allein allein. 

Heute, am Samstag Morgen, haben Irene und Peter abgeheuert. Ganz früh, denn ihr Flug von Guadeloupe nach Miami, wo sie ein paar Tage verbringen werden, ehe sie weiter fliegen nach Panama, um dort Familie „Wildthing“ zu treffen, und mit ihnen durch den Panama-Kanal  bis zu den Galapagos-Inseln zu segeln. Es war eine sehr schöne und unterhaltsame  Zeit mit den beiden, wir sind gut gesegelt und haben auf den Inseln ein paar wunderbare Ausflüge gemacht. Viel Spaß bei  Euren neuen Zielen, Peter und Irene!

Am Sonntag sind wir vier, nach dem Ausflug des vorigen Tages über die Insel St. Kitts, relativ früh los gefahren, hier ein Auszug aus dem Logbuch:

Es steht eine ruppige See, wir fahren mit einem Reff im Groß und 3-6 Umdrehungen in der Genua los. Leider ist für die nächsten Tage eher mehr Wind aus der gleichen Richtung angesagt, es hilft also auch nichts zu warten. Das Ziel ändert sich mit jedem Dreher des Windes, zuerst war es Montserrat, dann lieber Guadeloupe, dann scheint es doch Montserrat zu werden, allerdings eher der südliche Ankerplatz, von dem sie uns noch letztes Jahr verjagt hatten. Doch nach dem Gespräch über Funk mit der Port Control wird uns gesagt, dass wir nur in Little Bay ankern dürfen, und nicht in der südlicheren Bucht, die vom Kurs her machbar wäre. Also ist das aktuelle Ziel doch wieder Guadeloupe.

Den ganzen Tag fahren wir einen Amwindkurs mit um die 20 Knoten Wind, immer so genau an der Windkante, möglichst nicht zu weit vom Ziel abzuweichen, aber auch so, dass die Segel gerade noch stehen. Volker spielt mit der Genua, mal zwei Umdrehungen kleiner, dann wieder ausreffen, aber nur ein Stückchen; das Groß bleibt in Reff 1. Als wir endlich durch die Passage zwischen Montserrat und Guadeloupe durch sind, es ist auch schon dunkel, werden die den ganzen Tag über eher ruppigen Wellen kleiner und weniger nervig, weil sie durch die Landabdeckung gebremst werden. Um Viertel vor neun fällt der Anker in der schönen Bucht „La Grande Anse“, das Anlegebier steht schon bereit, und mit der Aussicht, morgen das komplette Boot zu entsalzen und abzuwischen, fallen wir müde ins Bett.

Am Mittwoch sind wir von der Grande Anse 15 Meilen bis Malendure als Motorsegler gefahren, es gab fast keinen Wind, aber rechtzeitig zu einem späten Frühstück kamen wir dort an und konnten die wunderschöne Aussicht genießen. Hier waren wir auch zum ersten Mal nach St. Martin wieder in einem Restaurant. Das kannten wir noch vom letzten Jahr gut: „Le Rocher de Malendure“, dort gibt es sehr leckeres Essen, und die freundliche Bedienung „Sandra“ hat sich sogar angeboten, Peter und Volker am nächsten Morgen zum Flughafen zu fahren, damit sie dort das Leihauto abholen können.

Gut, dass wir einen Wagen zur Verfügung hatten, denn leider hatte unsere Waschmaschine wiederholt einen Fehler: Zu einem nicht näher zu bestimmenden Zeitpunkt hörte sie plötzlich auf zu waschen, und alle Lichter blinkten. Dabei war zu unserem Entsetzen wiederholt Wasser ausgetreten, nicht zu knapp, aus der Waschpulverschublade ebenso wie an nicht sichtbaren Schlauchverbindungen in der Waschmaschine selbst. Dabei ist dann die Bilge samt der darin gestauten Vorräte überflutet worden, viele von diesen Vorräten sind durch das Laugenwasser unbrauchbar geworden. Trotz der Reparaturversuche ließ sich der Fehler nicht beheben. So waren wir mehr als froh, dass Peter und Volker mit dem Leihwagen über die halbe Insel zu einem Elektromarkt fahren konnten, um eine neue Wasch-Trockner-Kombination zu kaufen.

Wir brauchen diese Möglichkeit, an Bord zu waschen, denn von den Ankerplätzen aus ist es schwieriger einen Waschsalon zu finden als im Hafen, dort gibt es fast immer Waschmaschinen für Gastlieger. Trotzdem waschen diese Maschinen meist im Schnellwaschgang, und die Wäsche riecht zwar besser, ist aber nicht sauber.

Der Ausbau der defekten Waschmaschine war fix erledigt, der Abtransport erfolgte mühelos mit dem geräumigen neuen Dinghy. Nur das Heben in und aus dem Beiboot, und über den endlos langen Dinghysteg warein Kraftakte sondergleichen. (Bilder folgen, sowie wir wieder Netz haben.) Doch Peter und Volker haben auch das heldenhaft geschafft. Ebenso schnell und fachgerecht wie der Ausbau verlief der Einbau unserer neuen Waschmaschine und der erfolgreiche Probelauf erfreute nicht nur die Damen. Kleine Randbemerkung, die neue Wäschewaschmaschine spielt am Ende eines jedes Waschganges, das Forellenquintett von Schubert, das erfreut das Klassikherz der Capitania doch sehr!

Herzlichen Dank an Peter für die großartige Hilfe!

Mit dem Leihwagen haben Irene und Peter anschließend die Insel erkundet, sie waren an den sehenswerten Wasserfällen, in der Hauptstadt Point-à-Pitre, von der sie aber, ebenso genau wie wir vor einem Jahr, eher enttäuscht waren. Und heute morgen sind sind sie noch im Dunkeln von Bord gegangen, um rechtzeitig zum Check-In am Flughafen zu sein.

Wir sind direkt aufgebrochen, nachdem Volker mit dem Dinghy wieder an Bord war, um die rund 30 Meilen bis zu den Isles des Saintes zu segeln, bei schönem Nordostwind um 18 Knoten, wenn nicht gerade ein Berg uns Windschatten bescherte. Auf der Ilet de Cabrits, dem Ziegeninselchen, lagen wir zunächst in der sehr geschützten Bucht „Anse sous le vent“, die Bucht unter dem Wind. Allerdings mussten wir auf 25 m Tiefe ankern, weil die ausgelegten Bojen besetzt, und die weniger tiefen Ankerplätze eben auch schon belegt waren. Dazu gehört es dann auch, viel Kette zu geben, sodass der Schwingkreis sehr groß ist.

Kurzentschlossen fuhren wir ein kleines Stückchen weiter nach Terre-de-Haut, eine der beiden Hauptinseln der Gruppe, und fanden hinter dem „Pain de Sucre“, einem kleinen Berg mit dem Namen Zuckerbrot, die wunderschöne kleine Bucht, „Anse de Crawen“, in der kein anderer Segler ankerte. Hier werden wir heute Nacht bleiben, mal sehen, wie es weiter geht.

Dieser Bitrag ist schon zwei Tage alt, weil wir hier keinen oder nur einen sehr schwachen Zugang zum Netz hatten und haben. Deshalb gibt es auch keine Bilder.

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Eine neue Insel

Nachdem wir am Donnerstag Nachmittag in der schönen Bucht von Christophe Harbour den Anker haben fallen lassen, sind Irene, Peter und ich am Freitag mit dem Taxi in die Hauptstadt von St. Kitts, Basseterre gefahren, um dort ein- und gleich wieder auszuklarieren. In Christophe Harbour geht das, entgegen den Informationen bei SailClear, der karibischen Einreise-Plattform für Segler, leider nicht.

links der Atlantik, rechts ein kleines Stückchen karibische See

Aber natürlich waren wir auch Touristen, die die Hauptstadt, die übersetzt „Niederland“ heißt, kennenzulernen, aufgebrochen waren. Wir hatten von der Hafenmeisterin von Christophe Harbour die Telefonnummer eines Taxifahrers bekommen, der uns für 40 Dollar bis dorthin kutschierte, nicht ohne uns auf die sehenswerten Punkte aufmerksam zu machen, und sogar für Fotos der schönsten Aussicht stehen zu bleiben. 

Die Fußgängerzone

Angekommen in der Stadt hat Kenroy uns bis direkt vor die Zollbehörde gefahren, hat uns auch erklärt, wo die Immigration ist, denn nachher müssten wir auch noch dorthin. Außerdem versprach er, uns hier wieder abzuholen, wenn wir ihn anrufen. Ich habe tatsächlich den kompletten Preis bezahlt, inklusive der Rückfahrt, er sah so vertrauenswürdig aus. Volker sagte später noch am Telefon: „Du weißt doch, ‚Don’t pay the ferryman before he gets you to the other side’“.

Beim Zoll ging alles reibungslos, dank des vorherigen Ausfüllens der Eckdaten bei Sailclear, auch wenn der Beamte korrekt und auch nur das war. Anschließend mussten wir noch zur Immigration. Diese aber fanden wir nach einigem Suchen am Fährhafen, wo auch die Passagierschiffe, Aida und Co. ankommen. Das Büro war bei dem Vorraum zum Hafen, durch den auch alle Kreuzschiff-Passagiere mit ihren Zugangskärtchen durch mussten. Wir sind einfach vor der langen Schlange direkt zum Büro gegangen. Dort habe ich – wie gewohnt – unsere Pässe zeigen müssen, die Dame hinter dem Schalter füllte einige Papiere aus, und am Ende waren wir offiziell auf St. Kitts einklariert.

Der Uhrturm

Wir drei haben uns also aufgemacht, die Stadt zu erkunden. In der Fußgängerzone war man vor allem auf die Kreuzfahrt-Touristen eingestellt, Fotos mit den Äffchen, die die Insel bevölkern, Bootstouren oder Ausflüge zum Vulkan wurden lautstark angeboten. Wir sind aus der Tourizone raus und in die eigentliche Stadt, die dort viel interessanter ist, mit schönen Parks, verfallenen, aber auch gepflegten Häusern, und der katholischen Kirche, in deren Kühle wir uns einen Augenblick ausgeruht hatten.

Nach einem netten Smoothie auf einer schönen Terrasse riefen wir Kenroy, den Taxifahrer an, und pünktlich stand er am Platz mit dem Uhrturm. Auch auf der Rückfahrt gab es ein bisschen Sightseeing und einen Stop im amerikanischen Supermarkt.

Am Samstag sind wir dann gemeinsam mit Volker auf eine Inselrundfahrt gestartet, natürlich wieder mit Kenroy, der ganz viel über seine Insel weiß und es gerne vermittelt. Unser erster längerer Stop war bei Fairview Great House mit dem botanischen Garden, wunderschön, die Blütenpracht und die unglaublich grünen Bäume und Sträucher. 

Das Fortress haben wir uns gespart, 15 Dollar pro Person war uns diese Festung nicht wert. Und den Krater des Vulkans haben wir auch ausgelassen, denn dort hätten wir vom Parkplatz aus noch ein gutes Stück hochkraxeln müssen.

Aber die Landschaft dieser schönen Insel hat uns sehr gut gefallen, der Blick vom schwarzen Strand übers Meer auf der atlantischen Seite, die grünen Hügel, die an Schottland erinnern (nur wärmer ist es hier) und die unglaublichen Aussichten an der Wespentaille der Insel, auf der einen Seite zum Atlantik, auf der anderen übers karibische Meer. Es war ein großartiger Ausflug, vielen Dank an Kenroy und seine Führung.

Sonntag, 22. Januar 2023

Christophe Harbour St. Kitts 08:45 – Guadeloupe 20:45, 84 sm, Baro 1012, leicht bewölkt, Wind ONO 20 Knoten, Welle ca. 2 m

Vulkan voraus

Es steht eine ruppige See, wir fahren mit einem Reff im Groß und 3-6 Umdrehungen in der Genua los. Leider ist für die nächsten Tage eher mehr Wind aus der gleichen Richtung angesagt, es hilft also auch nichts zu warten. Das Ziel ändert sich mit dem Drehen des Windes, zuerst war es Montserrat, dann lieber Guadeloupe, dann scheint es doch Montserrat zu werden, allerdings eher der südliche Ankerplatz, von dem sie uns noch letztes Jahr verjagt hatten. Und nach dem Gespräch über Funk mit der Port Control von Plymouth, der neuen Hauptstadt, die frühere Hauptstadt wurde, wie in unserem Blog vom letzten Jahr berichtet, von dem Vulkanausbruch 1997 vernichtet, nachdem Hurrikan Hugo im Jahre 1989 der Insel schon erheblichen Schaden zugefügt hatte, wird uns gesagt, dass wir nur in Little Bay ankern dürfen, und nicht in der südlicheren Bucht, die vom Kurs her machbar wäre. Also ist das aktuelle Ziel doch wieder Guadeloupe.

Den ganzen Tag fahren wir einen Amwindkurs mit um die 20 Knoten Wind, immer so genau an der Kante, möglichst nicht zu weit vom Ziel abzuweichen, aber auch so, dass die Segel gerade noch stehen. Volker spielt mit der Genua, mal zwei Umdrehungen kleiner, dann wieder ausreffen, aber nur ein Stückchen; das Groß bleibt in Reff 1. Als wir endlich durch die Passage zwischen Montserrat und Guadeloupe durch sind, es ist auch schon dunkel, werden die den ganzen Tag über eher ruppigen Wellen kleiner und weniger nervig, weil sie durch die Landabdeckung gebremst werden. Um Viertel vor Neun fällt der Anker in der schönen Bucht „La Grande Anse“, das Anliegerbier“ steht schon bereit, und mit der Aussicht, morgen das komplette Boot zu entsalzen und abzuwischen, fallen wir müde ins Bett.

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Manöverkritik

Seit letzten Sonntag sind unsere Freunde Irene und Peter mit von der Partie. Unglücklicherweise spielt jedoch das Wetter nicht mit, eine atlantische Störung schickt hohe Wellen und massenweise Regen, am Ankerplatz wird es unangenehm, eine Segelyacht aus der Nachbarschaft macht sich, von uns unbemerkt, von ihrer Mooringboje, geht auf Drift und strandet auf den Felsen. 

Erstes Frühstück mit den ersten Gästen in diesem Jahr

Wir bekommen unser Beiboot zurück, es hatte tatsächlich ein kleines Loch im Luftschlauch, unterhalb der achteren Scheuerleiste. Ein kleines nahezu unsichtbares Reparaturpatch wurde von einem eigens hinzu beorderten Spezialisten fachmännisch und für mich akzeptabel aufgebracht. Jetzt haben wir das „beste Beiboot der Welt“ und mit maximal 23, 6 Knoten auch ein recht schnelles. Selbst mit vierPersonen besetzt kommen wir mit dem 15 PS Yamaha recht locker in eine zügige Gleitfahrt. Nur die Capitania weiß noch nicht, ob sie von dem flotten Beiboot begeistert ist, das bei entsprechendem Speed auch mal etwas ruppiger über die Wellen holpert. Als kleinen Dank für unsere Geduld erhielten wir von unserem Beibootverkäufer ein paar schöne T-Shirts, insgesamt lief der Verkaufsprozess fürs Dinghy samt neuem Motor sehr professionell und auch sehr freundlich ab.

Das Beiboot ist ausgeliefert

Schön war es auch, dass wir unsere unsere jungen Segelfreunde Roman und Mackensie, die wir vor acht Monaten in den Turks and Caicos kennengelernt, endlich wieder getroffen haben. Die beiden  26-jährigen haben mittlerweile geheiratet und sind nun mit ihrer 40 Fuss Beneteau, wie wir in den karibischen Gewässern unterwegs. Wir waren für die beiden the first Sailingfriends, also die ersten Segelfreunde, und das wird für immer so bleiben :-).

Wiedergesehen haben wir auch Volker und Iris, die mit ihrem schönen Katamaran ebenfalls durchs blaue karibische Meer segeln. Langweilig wurde es uns in Marigot nicht, und trotzdem sind wir vor zwei Tagen bei leichtem Winden aufgebrochen. In der schönen Anse Oriental ist nach ein paar entspannten Segelstunden der Anker gefallen, und beim abendlichen Lotusgrillen haben wir die uns umgebende Stille sehr genossen. 

Gestern ging es dann früh ankerauf und mit Vollzeug in Richtung des 55 Seemeilen entfernten St. Kitts. Nach ein paar Seemeilen frischte es auf und das erste Reff im Großsegel wurde fällig. Wenn ich vorne am Mast stehe, fiert Cornelia das Großfall, damit ich die Reffkausch einhängen kann und gleichzeitig, ziehe ich das Lose aus den Reffleinen, damit die achtern nicht so rumschlagen. Hundertmal haben wir das so gemacht und trotzdem hat sich gestern eine Reffleine so um die 7 Meter lange Kurzwellenantenne gewickelt, sodass der obere Teil abgebrochen ist. Das wäre vermeidbar gewesen, wenn ich zum einen mehr Lose, aus den Reffleinen gezogen und die Capitania sie schneller dicht geholt hätte, und zum anderen, wenn ich mich nicht ganz so dämlich dran gestellt hätte beim Versuch, die umgewickelte Reffleine von der Antenne zu befreien. Es war so ein bisschen wie Murphys Gesetz, was schief gehen kann, geht auch schief. Jedenfalls werden wir jetzt bald um 450 Euro ärmer sein, die neue Kurzwellenantenne ist schon bestellt. 

Der Rest des Segeltörns verlief bei schönstem Kaiserwetter, entsprechend entspannt, bis kurz vorm Ziel. Ein kurzer Knall und der obere Teil des Großsegels stand nicht mehr, wie er sollte. Die Leine samt Lasche, die die oberen Segellatten spreizt, war abgerissen. Das bescherte mir dann insgesamt drei Stunden Näh-Fleißarbeit, teilweise mit Bohrmaschine und 2 mm Bohrer, weil das Segel an der Stelle, an dem die Lasche befestigt ist, fast 5 Millimeter dicker ist. Kein Job für Dünnbrettbohrer! 

In der Bucht von Christophe liegen wir vor Anker

Heute werden wir in Saint Kitts einklarieren und dann mal gucken, wie unser Aufenthalt sich so entwickelt. Landschaftlich ist die Insel sehr schön, so wirkt sie vom Ankerplatz aus, auf mich.

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Neuester Stand

„Wenn über das Grundsätzliche keine Einigkeit besteht, ist es sinnlos, miteinander Pläne zu machen.“

Die Aussage stammt von Konfuzius und die lassen wir jetzt auch mal so im Raum stehen, denn grundsätzlich bestand zwischen der Capitania und mir die Einigkeit, dass wir mit unserem Katamaran den Pazifik bereisen wollen. Eine Einigkeit oder besser gesagt, die Deutlichkeit über die zurück zu legende Distanz, bis nach Australien, nämlich ingesamt knapp 10.000 Seemeilen, wurde bei aller Planungseuphorie anscheinend verdrängt, frei nach dem Motto, „je üppiger die Pläne blühen umso verzwickter wird die Tat“ (Erich Kästner) Und so bekamen wir dann doch in den letzten Tagen die berühmten „kalten Füße“, und eine Planänderung, oder um im nautischen Jargon zu bleiben, eine Kurskorrektur, war angesagt Bisher haben wir nur einige wenige karibische Inseln in der letzten Saison besucht, die Flugzeit, mit einem Zwischenstop, von Australien nach Frankfurt beträgt 36 Stunden, eine Rückkehr mit dem Boot von der Karibik nach Europa ist leicht zu handeln und so weiter. Gründe für den Kursschwenk waren schnell gefunden. Sei es wie es ist, der neueste Stand ist jetzt, dass wir mit der Hexe erstmal noch eine Saison durch das karibische Gebiet segeln wollen, zu den Traumzielen, an denen wir noch nicht waren, als da beispielhaft zu nennen wären: Dominica, Jost van Dijk, Barbuda, Bequia, die Grenadines, Jamaika, Kuba, etc.

Zeit zum Wechsel war es leider auch bei unserem Transportmittel, dem Beiboot nebst Motor, der eine lief nur noch unrund, besonders in der Startphase, das andere verlor immer mehr Luft und benötigte immer mehr Klebepatches.

Das neue Beiboot, mit einem glücklichen Skipper, leider von hinten

Am Freitag war dann Übergabetag, das neue Dinghy ist jetzt 3,6 Meter lang und hat einen kräftigen 15 PS Motor, der auch für Gleitfahrt im beladenen Zustand sorgt. Einen Pferdefuß gibt es leider trotzdem, die hintere Luftkammer auf der rechten Seite verliert Luft über ein noch nicht gefundenes Loch. Wenn der Bootshändler Zicken bezüglich Umtausch macht, werden wir im nächsten Blogbeitrag en Detail berichten.

Die Urkunde zu Ehrenmitgliedschaft

Einen ausgesprochenen freudigen Anlass und Grund zum Feiern, gab es am gestrigen Samstag. Wir sind beim Neujahrsempfang unseres saarländischen Segelclubs zu Ehrenmitgliedern ernannt wurden. Dank einer bestens funktionieren Videoschaltung konnten wir an diesem festlichen Akt, trotz 7.500 Kilometer Distanz, live teilnehmen. Unser Dank geht an dieser Stelle daher nochmals an den gesamten Vorstand des Segel-Club-Saar, wir fühlen uns geehrt!

Soweit, der neueste Stand!

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Wieder da!

Am 9. Januar sind wir wieder auf Sint Maarten gelandet, nach einem angenehmen Flug von Paris aus. In Paris war es am Flughafen Charles de Gaulle wieder sehr stressig, denn man muss an diesem riesigen Flughafen die Gebäude wechseln, das geht mit Bus und Bahn, dann muss man noch über einen Parkplatz laufen. Anschließend kommt wieder diePasskontrolle, danach – und das ist manchmal ganz furchtbar – der Security Check. Alle elektronischen Geräte, einschlich der Apple Watch, kommen in separate Boxen, der Rucksack und die Computertasche werden eingehend im Scan betrachtet, die Jacken müssen ausgezogen werden, manchmal sogar die Schuhe, und in den Hosentaschen darf sich kein Gegenstand mehr befinden. Nun, das kennt man ja schon von anderen Flughäfen, aber hier werden viele Taschen noch einmal händisch durchsucht, jeder einzelne Gegenstand wird herausgenommen und natürlich auch wieder eingeräumt, das kann dauern. Diesmal hatten wir Glück und waren relativ problemlos durch, danach kamen noch ein paar endlose Gänge, und pünktlich zum Boarding waren wir am Gate.

Sint Maarten hat uns mit Sonnenschein und Temperaturen um die 29 Grad begrüßt, und unsere Hexe lag unversehrt an ihrem Platz.

Das war erst der Anfang

Am nächsten Morgen haben wir unser Großsegel abgeholt und es mit viel Mühe und dem Großfall an Bord gehievt, bis es auf dem Baum lag. Aber dann fing die Arbeit erst an. Volker wird im Bootsmannstuhl ein bisschen in den Mast gezogen, dann der Kopf vom Großsegel ebenfalls leicht angehoben, mit viel Mühe beginnt Volker dann, einen nach dem anderen Mastrutscher in die Schiene einzuführen. Ich kann ja nur Hilfsarbeiten ausführen, aber auch das fand ich schon anstrengend. Ohne Café am Morgen, ohne Frühstück und in der für uns ungewohnt heißen Sonne. Am Abend waren meine Arme rot leuchtend, und am nächsten Morgen hatte ich – buchstäblich – eine dicke Lippe, unsere Körper waren noch nicht an die Sonne gewöhnt.

Am nächsten Tag wollen wir zur morgendlichen Öffnung an der Brücke sein, die uns aus der Lagune entlässt.Vorher haben wir ausklariert bei dem Polizeiposten an der Brücke. Gestern Abend hatte ich gelesen, dass bei der Ausfahrt keine Gebühr für die Brücke erhoben wird, und freute mich. Doch am nächsten Morgen wurde das jäh verändert, denn bei den Holländern ist nichts umsonst.

Ich klariere also aus, zunächst an dem Kassenschalter, glücklicherweise hatte ich alle notwendigen Papiere dabei. Am Schluss sagt die dunkelhäutige Damen hinter der dicken Panzerglasscheibe: „one sixty seven“. Oh, das ist ja günstig, denke ich, und gebe ihr zwei Dollar, überlege noch, ob ich sagen soll: „Keep the change“ oder ob Polizisten das nicht annehmen dürfen. Aber sie gibt mir meine zwei Dollar lächelnd zurück und sagt: „It is one hundred sixty seven Dollars!“. Oh, that is a lot“, meine ich, aber ich bezahle den gewünschten Betrag. Das ist die Gebühr für fünf Wochen, und es werden nur vier berechnet, toll!

Bei der Abrechnung für den Liegeplatz geht der Spaß weiter: Wir müssen ja noch fünf Tage bezahlen, und normalerweise kostet ein Stegplatz für unsere Größe 250 Dollar! Ich verhandele ein bisschen, und schließlich bekommen wir es ein bisschen günstiger. Aber so ist es und in der nächsten Zeit werden wir eher ankern, da holen wir die hohen Spesen wieder rein. Ansonsten war die Blue Pearl Marina ein guter Ort, um in der Lagune Arbeiten am Boot auszuführen oder um das Boot sicher zu parken, wenn man z.B. nach Hause fliegt, die Türen sind nachts nur mit Code zugänglich, und es ist immer ein Security Mann auf dem Gelände.

Und jetzt geht es wieder auf das richtige Meer

Blue Pearl Marina, Shelter Bay 10.00 Uhr – Marigot Bay 12.33 Uhr. 3,2 sm

Pünktlich um 10 Uhr legen wir ab für die Brückenöffnung um 10:30 Uhr. Nachdem wir die Brücke passiert haben, wird bald das Großsegel gesetzt, zwanzig Minuten später sind die Motoren aus, und die Genua wird ausgerollt. Jetzt ist es Zeit für ein Frühstück! Da wir ja ich nichts eingekauft haben, gibt es französische Ravioli aus der Dose, dann ist kaum noch Zeit zu spülen, schon fällt der Anker in unserer geliebten  Marigot Bay.

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Zwischen den Jahren

Weihnachtsessen: Kalbskarree mit Herzogin- Kartoffeln

Die Weihnachtszeit liegt hinter uns, den Heiligabend verbrachten Cornelia und ich ganz ruhig zu zweit in unserem Haus, und am 25.12. feierten wir fröhlich in gewohnter familiärer Runde, wobei ganz klar unser geliebtes Enkelkind Zoey im Mittelpunkt stand. Was gibt es Schöneres, als an Weihnachten in leuchtende und staunende Kinderaugen zu blicken, ein intensives Erlebnis.

Seit gestern steht unsere Segelreise wieder im Fokus, ich habe Ersatz-, beziehungsweise Reserveteile für unseren betagten Außenbordmotor bestellt. Eine neue Opferanode, einen Dicht- und Reparatursatz für den Vergaser, sowie einen neuen Impeller. Damit kommen wir hoffentlich neben den bereits gelagerten Reservezündkerzen und dem Ersatzpropeller gut über die Runden im Pannenfall.

So ein kleines Gerät kann die Welt verbinden
© Courtesy PredictWind.com

Nachdem unser Satellitentelefon sich beharrlich weigert, irgendwelche Daten auf den Computer zu laden und ebenso die Batterie schon nach kurzem Gebrauch einknickt, hat Cornelia sich entschieden  ein neues IridiumGo-Satellitentelefon zu shoppen, damit können wir dann in gewohnter Weise mit unseren Mobiltelefonen über die Iridium-Satelliten telefonieren und auch Wetterdaten runterladen. Damit sind wir nicht mehr komplett von unserer Kurzwellenanlage abhängig und haben bezüglich der Wetterdaten eine Redundanz.

Auch die meisten Weihnachtsgeschenke werden ihren Weg aufs Boot finden. Gerade im Werkzeugbereich haben wir nochmals nachgelegt. Ich habe ein Oszilliergerät mit verschiedenen Spachteln bekommen, mit dem ich nun in Windeseile Silikondichtungen, beispielsweise bei leckenden Luken durchtrennen kann. Des weiteren ergänzt ein kleiner praktscher Dremel, den Geschenkesegen. Damit können wir dann kleine Haarrisse im Gelcoat selbst ausfräsen, um sie mit neuem Gelcoat wieder zu füllen.

Einen großen Teil des Tages sitzen wir an unseren Navionics-Seekarten, um unsere Weiterreise zu planen. Es hat sich da in den letzten Wochen eine fixe Idee in unseren Köpfen immer weiter manifestiert. Ich lasse jetzt mal die Katze aus dem Sack: Wir wollen gerne vom Atlantik in den Pazifik segeln. Dort dann erstmal zu den von Darwin entdeckten Glapagosinseln schippern, dann weiter zu den Marquesas. Ob wir von dort aus weiter in Richtung Südsee, beziehungsweise Australien segeln werden oder eher in Richtung Norden, nach Hawaii, steht noch in den Sternen. 

Das neue Jahr wird also in jedem Fall in seglerischer Hinsicht wieder spannend.

Und da dies der letzte Blogbeitrag für 2022 sein wird, wünschen wir allen unseren lieben Bloglesern einen guten Start ins neue Jahr, sowie Glück, Gesundheit und Zufriedenheit. 

Fröhliches neues Jahr!

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Eiszeit

Über den Wolken

Super sanft setzt das Fahrwerk des Airbus A330 auf dem Boden von Paris auf, ein angenehmer 8-stündiger Flug geht zu Ende und eine Odyssee, quer über den Flugplatz Charles-Gaulle, zum Anschlussflug nach Frankfurt beginnt. Erst geht es mit der Magnetschwebebahn zu einem anderen Terminal, dann durch einen ewig dauernden Securitycheck, weiter zu nicht funktionierenden Automatiktüren beim Zoll und dann weiter mit dem Bus. Endlich kommen wir im Terminal G an, in dem auf den Anzeigedisplays nur noch kurz die Nachricht blinkt, dass der Check-In für unseren Weiterflug bereits geschlossen und das Boarding beendet ist. Pech gehabt, jetzt müssen wir fünf Stunden warten, es gibt Tragischeres. Kurz vor ein Uhr geht es mit dem Cityflieger nach Frankfurt, wir werden dankenswerter Weise von Larissa, Johannes und Hund Nana abgeholt, und mummeln uns, trotz Autoheizung, in die wärmsten Klamotten, die wir dabei haben. Nach insgesamt 16 Stunden Reisezeit sind wir zuhause angekommen, die Temperaturprognose für die nächsten 14 Tage ist schon ein krasser Kontrast zum karibischen Wohlfühlklima.

Ein paar Tage vorher sind wir noch auf dem karibischen Meer geschaukelt und mit einem sachten Wind nach Saint Bartholomé gesegelt. Dort haben wir in dem Hauptort Gustavia, vorschriftsmäßig einklariert und direkt wieder ausklariert, um kurz danach in der wunderbar ruhigen Bucht „Anse du Gouverneur“ den Anker auf sandigem Grund zu werfen. Am Strand kann man dort den Schildkrötennachwuchs beim Fressen bewundern und auch rund ums Boot taucht immer wieder mal ein Schildkrötenkopf aus den blauen Fluten auf.

Der folgende Tag bietet perfekte Segelbedingungen, und hoch am Wind, aber ohne atlantisches Wellengetöse, geht es zurück nach Sint Maarten. Kurz vor der Ankunft im holländischen Inselteil , beißt noch ein Yellow-Thunfisch an den nachgeschleppten Köder. Aber der Fisch war echt zu klein zum Verspeisen und so wird er wieder, vom Angelhaken befreit, in sein maritimes Reich entlassen. 

Wir warten eine halbe Stunde auf die Brückenöffnung und schon geht es im Konvoi mit anderen Booten in die relativ flache Insellagune. Kaum sind wir drinnen, versagen die Instrumente wieder, nur die elektronische Seekarte bleibt uns erhalten und mit der tasten  wir uns vorsichtig und mit kleiner Fahrt zur Blue Pearl Marina vor. Dort werden wir schon erwartet. Unsere Leinen werden vom Juniorchef persönlich angenommen. Der vereinbarte Liegeplatz ist jedoch noch belegt, der soll aber bald frei werden.

Das Beiboot droht fast zu sinken unter dem Gewicht des Großsegels

Die nächsten Tage arbeiten wir hart am Boot und endlich gelingt es uns, auch das Elektronikproblem zu lösen. Wir tauschen die ITC5 gegen eine neue Einheit und schon haben wir eine Sorge weniger. Die Logge, der Tiefenmesser, und das Windinstrument funktionieren wieder einwandfrei. Am vorletzten Tag schlage ich mit Matthijs das 140 Kilogramm schwere Großsegel ab. Was für eine Herausforderung, bis die 124 Quadratmeter Segelfläche, mehr oder minder aufgerollt, mithilfe der elektrischen Großfallwinsch ins Beiboot schweben, und wir sie dann zum Segelmacher  fahren können. Matthijs spleißt anschließend noch ein Auge in die neue Reffleine des ersten Reffs. Dann ist auch schon der letzte (Arbeits-)Tag an Bord vorbei und abends feiern wir ein bisschen im Laggonies, der Kultkneipe, mit Livemusik im holländischen Teil. 

Am nächsten Tag packen wir alles für den Heimflug, räumen auf, und reinigen das Boot innen von Grund auf. Dann fahren wir mit unserem Leihwagen zum Leihwagenverleih und werden vom Inhaber zum Flughafen kutschiert.

Improvisierter Adventskranz

Jetzt sitzen wir im kalten Deutschland, dennoch ist es sehr schön, nach so langer Zeit an Bord, die geliebte Familie und die Freunde wiederzusehen. Die Tage fliegen auch hier nur so dahin und Weihnachten steht ja schon vor der Tür, das wir in diesem Jahr bei unserer ältesten Tochter feiern werden. Auf dem Wunschzettel für Weihnachten stehen noch ein Fein-Multimaster sowie ein Dremel für kleinere Gelcoatreparaturen und Schleifarbeiten. Mal schauen, was das Christkind so im Gepäck hat.

Der Rückflug in die karibische Inselwelt ist für Anfang Januar geplant.

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Das Wunder der Baie Orientale

Seit wir die Vereinigten Staaten verlassen haben, ging unsere Logge nicht mehr, das bedeutet, wir hatten keine Angaben zu unserer tatsächlichen Geschwindigkeit durchs Wasser. Dadurch kann unser Navigationssystem den wahren Wind nicht berechnen, wir mussten uns auf die Angaben zu dem scheinbaren Wind verlassen. Auf der Überfahrt sind wir damit zurecht gekommen, ob der Wind, der eh von vorne kommt, nun 50° wahr oder 30° scheinbar anzeigt, daran muss man sich nur gewöhnen, höher können wir nicht gegen den Wind segeln. Leider hatten wir dann keine Angaben zu den Tagesmeilen, sondern mussten die später anhand der von uns eingegebenen YellowBrick-Punkte, die im Internet unsere Route verfolgen lassen, zusammenzählen.

Sabrina und Matthijs – willkommen an Bord

Auf St. Martin war leider bei keinem Schiffsausrüster diese schon etwas ältere Version des Geschwindigkeitsmessers zu finden, aber letzten Freitag kamen unsere Freunde Matthijs und Sabrina aus Hoorn, und die hatten für uns so eine Logge erstanden und brachten sie im Gepäck mit. Am nächsten Tag sollte sie dann eingebaut werden.

Noch lacht die Capitania

Als Sabrina und ich dann im Supermarkt waren, um für die nächsten Tage einzukaufen, haben Matthijs und Volker die Logge eingebaut und an die Anschlüsse in dem Konverter ITC-5 angeschlossen. (Der ITC konvertiert Seatalk-Anschlüsse, die über Protokoll 0183 gehen, in NMEA 2000.) Als wir es jedoch ausprobierten, funktionierte gar nichts mehr, auch die Daten für scheinbaren Wind und Tiefe und Wassertemperatur waren verschwunden. Oh je, oh je!

Jetzt beginnt die Fehlersuche. Alle stromführenden Leitungen werden durchgemessen, alle Anschlüsse kontrolliert, die Logge noch einmal abgenommen und wieder angeschlossen, die alte Logge angeschlossen, nichts hilft. Es kommt kein Strom beim ITC-5 an.

Ich telefoniere mit unseren Boots-Reparatur-Beratern, Ralf und Bernhard, beide denken und denken, und geben Tipps, die wir ausführen, aber leider auch keine Besserung zeigen.

Blauer Himmel – blaues Meer in der Baie Orientale

Da wir so nun auch nicht weiter kommen, es ist Wochenende, segeln wir Sonntag in die schöne Oriental Baie, Sabrina und Matthijs gehen zum Riff zum Tauchen, und abends grillen wir gemütlich. Leider sind am Strand mehrere Disc Jockeys am Start, und die Bässe wummern zu uns herüber. Schon am Nachmittag geht es los, glücklicherweise hört die auditive Umweltverschmutzung pünktlich um 21 Uhr auf. Wir sind erleichtert, trinken ein letztes Glas Wein und einen Gute-Nacht-Tee, da dröhnen plötzlich um 22 Uhr die schlimmsten Bässe in die Bucht! Es war nur ein Ausrutscher, Volker wollte schon den Anker hoch holen.

Am nächsten Morgen, heute, Montag, telefoniere ich mit den möglichen Raymarine-Technikern auf der Insel. Ile Marine hat zwar einen Techniker, der kommt aber nicht aufs Boot. Sie geben mir die Nummer von einem Monteur, der das tut. Der aber geht nicht ans Telefon. Auf der holländischen Seite, also Sint Maarten, gibt es auch noch zwei mögliche Raymareine Service-Läden, den einen rufe ich direkt im Anschluss an, und ein freundlicher Mensch erklärt mir nach meiner Schilderung des Problems, dass wir bereits alles getan hätten, was auch er tun könnte, außer vielleicht ein neues Gerät auszuprobieren. Das hat er aber nicht. Und fairerweise sagt er noch, dass er 70 oder 90 $ kostet, wenn er zu uns kommt, und doch auch nicht helfen kann.

Ein bisschen frustriert telefoniere ich noch mit Ile Marine, ob sie einen ITC-5 da haben, und dass die mir den reservieren. Wir beschließen jetzt einfach, heute doch noch nach St. Barth zu fahren, dann waren wir wenigstens auch auf der letzten französischen Insel in der Karibik. 

Ein Platz an der Sonne

Nun kommt die große Überraschung: Ich mache die Navigation an, und auf den zweiten Blick sehe ich plötzlich, dass wir wieder eine Anzeige für den Apparent Wind haben! Und auch für die Tiefe und die Wassertemperatur, und als wir dann losfahren, sehen wir auch die Geschwindigkeit und den True Wind! Warum das so ist, wissen wir auch nicht, aber wir sind sehr froh, und fragen erstmal nicht weiter nach!

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Auf nach Süden – ein Fazit von der Capitania

Die Facts:
Reisezeit insgesamt 12  x 24 Stunden, 11 Tage unterwegs, 1 Tag Ruhezeit
Meilen: 1806, Tagesschnitt ca. 155 sm
Wenn ich eine gute Statistikerin wäre, hätte ich die Manöver mitgezählt z.B. 15 x Genua reffen, 3 x Großsegel Verkleinerung auf Reff 2, hab ich aber nicht, das waren zu viele, und manche hab ich auch verschlafen, weil der Skipper sie ganz alleine ausgeführt hat. Das Großsegel war auch, abgesehen von einem Tag, immer mindestens im 1. Reff.

Planung unter Berücksichtigung des Golfstroms (hellgrau)

Natürlich war uns bewusst gewesen, dass uns da draußen kein Spaßegeln erwartet. Für mich war dies nicht unbedingt eine der schöneren Überfahrten, was natürlich auch daran liegen mag, dass ich zwischendurch so krank war. Außerdem konnte ich mich nur noch hangelnd durch das Boot bewegen, jeder Gang auf die Toilette im Rumpf wurde zu einer  Herausforderung. Am ersten Tag ging es besonders hoch her, beim wilden Wellenrodeo; und später beim Hoch-am-Wind-Segeln gegen die gut 2,5 Meter hohen atlantischen Wellen in den letzten fünf Tagen unserer Überfahrt von Amerika in die Karibik.

Gut gegessen haben wir trotzdem immer, Volker hat jeden Tag zur Abendzeit etwas Leckeres auf den Tisch gezaubert. Und wenn es nichts am Boot zu tun gab, haben wir die Tage mit Lesen, Schlafen und Rätseln verbracht. Leider war es in den Nächten nicht so verlockend, den Sternenhimmel zu studieren, er zeigte sich auch nicht immer, sondern verschwand gerne hinter Wolken.

Der Trimm des Vorsegels

Eine kleine Anekdote zwischendrin:

Wir hatten ja, wie berichtet, in Rudee Inlet eine Pause eingelegt, um die für Camp Hatteras vorhergesagten starken Winde abzuwarten.Am Nachmittag bin ich dort mit einem „Uber“, das ist so etwas wie ein günstigeres Taxi, nach Norfolk gefahren, um den gebrochenen Bolzen des Lümmelbeschlages schweißen zu lassen.

In der nahen Marina hatte man mir diese Adresse gegeben, und versichert, dass Larry uns hervorragend helfen könne. Bevor ich wegfuhr, legte Volker mir nahe, „ordentlich Geld einzustecken“, Schweißer seien teuer. Und in den Staaten wahrscheinlich sowieso. 

Ein freundlicher älterer Mann, eben Larry, empfängt mich, bittet mich höflich herein, hört sich mein Anliegen an. Dann verschwindet er mit meinem Bolzen ein bisschen weiter in die Halle hinein, „Ich muss dabei nachdenken“ sagt er, vorher setzt er mich auf einen Besucherstuhl, ich solle mich entspannen. 

Nach weniger als einer halben Stunde kommt er mit dem perfekt reparierten Teil, es ist noch warm. Von Volker vorbereitet frage ich ihn nach dem Preis, höhere Zahlen erwartend. „Ach weißt Du, nimm es als Geschenk, ich will nichts dafür.“ Ich glaube, ich sah nicht sehr intelligent aus, als er geendet hatte. Mir stand der Mund offen. Natürlich versuchte ich zu protestieren, er solle doch an seine Kinder und Enkelkinder denken, aber es half nichts.

Das T-Shirt kommt sofort zum Einsatz

Und zu allem Überfluss gab er mir am Ende, nachdem wir eine Weile charmant geplaudert hatten, noch ein T-Shirt seines Betriebes für Volker mit. Und als der Uber kam, der mich zurückbringen sollte, begleitete Larry mich bis zum Auto, „um zu schauen, ob der Fahrer auch ordentlich ist“. So ein schönes Erlebnis! Thank you so much, Larry!!!

Anmerkungen von Volker

Gesplitterte Segellatten

Was ging kaputt/bereitete Probleme:

  • Der obere Teil vom Lümmelbeschlag, an dem gleichzeitig das Vorliek vom Großsegel angebunden ist, ist abgebrochen.
  • Bei einer Patenthalse hat es die obersten zwei Segellatten zerbröselt.
  • Der Geschwindigkeitsgeber, die Logge, hat ihren elektronischen Geist aufgegeben.
  • Der Mantel der Reffleine vom ersten Reff ist kurz vorm Ziel durchgescheuert.
  • Der Steuerbordmotor musste entlüftet werden (woher die Luft im Treibstoffsystem kam, bleibt ein Rätsel).

An der Stelle müssen wir unbedingt mal unsere Outremer loben.

Squall im Anzug

Die ist wirklich steif und solide von ihrer Struktur her gebaut, wir sind über so viele Wellenkämme geflogen und in so viele Wellentäler gekracht, das hätten wir manch anderem Serienschiff nicht zumuten wollen. Alle Schotten und alle Verbindungen haben gehalten, auch alle Möbeleinbauten sind schadensfrei an ihrem Platz geblieben, vorbildlich. Zudem saßen wir in einem absolut wasserdichten Kokon, keine Luke hat geleckt, keine Fenster auch nur einen Tropfen Salzwasser nach innen gelassen. Wir können uns momentan kein besseres Fahrtenboot  für schwierige Seegangsverhältnisse vorstellen. Anmerkungen Volker Ende.

Als wir im ersten Morgenlicht des letzten Tages Land sahen, St. Martin mit seinen Bergen war hinter Anguilla, der vorgelagerten Insel, in der Ferne gut zu erkennen, ließ die Vorfreude auf die Insel bereits alle Strapazen vergessen.

Werden wir weiterhin lange Etappen segeln? Natürlich! Aber wenn ich mir was wünschen dürfte, könnte der Wind ruhig ein wenig achterlicher kommen, und die Wellen ein bisschen kleiner sein. 

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Der letzte Tag auf See und die Ankunft

Und dann ging es doch ganz schnell , auch wenn die Windvorhersage nicht wie erhofft eingetreten ist und die letzten 52 Seemeilen, der Motor   ran musste, weil der Wind genau von vorne kam. Die letzte Nacht auf See passte zum Rest vom Törn; nicht die schönste Nachtfahrt unserer Segelkarriere, trotzdem gut zu händeln, insgesamt eher mittelklassig. Umso größer war die Freude, als sich Saint Martin, kurz vorm Sonnenaufgang, mit dem ersten Büchsenlicht, klar erkennbar am Horizont abzeichnete.

Da sind wir zwar noch sechs Motorstunden von entfernt, doch das Ziel liegt klar vor den Augen und auch die flache, nicht vulkanische Nachbarinsel Anguilla ist im Vordergrund klar zu erkennen. Nun heißt es bloß nicht zu leichtsinnig werden, die Flachs im Süden von Anguilla und zwei weitere kleinere Steinhaufen im Meer müssen mit gebührendem Abstand umschifft werden. 

Danach liegt die Marigot Bay hindernisfrei voraus, nur ein letzter Squall mit Starkregen lässt die komplette Insel noch einmal komplett verschwinden. Dankenswerter Weise bleiben wir von dem himmlischen Nass verschont. Dafür rücke ich schon mal der dicken Salzkruste auf unserer Hexe mit dem Wasserschlauch und der Decksbürste zu Leibe. Der Wassermacher spendiert das dafür notwendige Süßwasser und die laufenden Motoren laden die Batterien voll, heile Welt, solange alles funktioniert…

Geschafft!

Gegen 13 Uhr fällt der Anker und gräbt sich tief und fest in den sandigen Untergrund. Wir fallen uns in die Arme und schießen ein Ankunftsfoto. Was sind wir froh, endlich hier hier zu sein. 12 Tage waren wir nonstop auf dem atlantischen Wasser unterwegs, 13 Tage, seit wir in Newport die Leinen losgeworfen haben.

Ein Fazit gibt es in den nächsten Tagen (das will die Capitania so), ebenso einen Film, und ein paar Fotos von unterwegs. Doch jetzt müssen wir erst Mal feiern, schlafen, ausruhen, kommunizieren, reparieren und im Hier undJetzt ankommen.

Eines muss ich als Capitania noch sagen: 

Ich bin beeindruckt, wie gut mein Volker all die unvorhergesehenen kleinen und größeren  Katastrophen gemeistert hat, egal ob es um die kaputte Logge oder die gebrochenen Segellatten  oder um die gerissene Großsegelreffleine oder den gebrochenen Lümmelbeschlag ü ging.  Ich habe ganz großen Respekt davor, und muss das hier  einmal kundtun, auch wenn er das vielleicht nicht will. 

Volker, Du bist mein Held, Danke!

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