Kategorie: Leben an Bord

  • Fünfkommadrei

    Beautiful Gibraltar

    So viele Kilometer sind Samy und ich gestern Morgen gelaufen. Für elf Uhr hatte ich bei der hiesigen Filiale der größeren, in La Linéa angesiedelten Tierklinik einen Termin ausgemacht, um abzuklären, was es mit Samys offensichtlichen Ohrenschmerzen und dem Gekratze auf sich hat. Um halb zehn sind wir von Bord gegangen, mit einem kleinen Umweg zur Hauptstraße in der Fußgängerzone, beim Bäcker vorbei. Eigentlich wollte ich auch noch einen Café trinken, aber ich dachte, ich suche erstmal die richtige Adresse. Am Ende der Fußgängerzone hab ich bei der Tierklinik angerufen und nach der genauen Adresse gefragt, damit Tante Google mich hinführen kann. „Watergardens No. 6“ das sollte die Adresse sein. Also gebe ich das in Google Maps ein, dachte, ich sei zwei Minuten entfernt. „Pustekuchen“, sagt Tante Google, „Zeit zu laufen 16 Minuten.“ Oh, gut dass ich so früh war.

    Mit dem Handy in der Hand laufe ich weiter, das Problem hier ist, dass an den zahlreichen Roundabouts, Kreiseln, es keine Fußgängerübergänge gibt, sie sind mit Gittern, gefühlt kilometerweit, abgesperrt. Es wird immer später, aber als ich angeblich kurz vor dem Ziel bin, beschleichen mich Zweifel, und ich frage einen Mann auf seiner Vespa. „Oh no“, sagt der, da müsse ich die Straße dort zurückgehen, dann nach rechts, bis ich zu einem Denkmal komme, mit einem Mann und einer Frau, dort nach rechts, und da sei es dann. Okay, schnell ziehe ich Samy weiter, denn mittlerweile ist es kurz vor elf. Auf dem Weg treffe ich noch eine Frau mit Hund, die mir bestätigt, dass dies prinzipiell die richtige Richtung ist. Und ein weiterer freundlich Mann erklärt mir, da vorne müsse ich rechts, und dann käme ich zu Water Gardens. Leider ist auf der rechten Straßenseite der Fußgängerweg gesperrt und wir müssen wieder eine Umleitung gehen. Direkte Strecke wären es 1,7 km gewesen, nach 3,7 km waren wir am richtigen Ort.

    Eine junge sehr freundliche spanische Tierärztin hat Samy untersucht (der ist ein echter spanischer Feigling), unglaublich, er musste am Ende einen Maulkorb bekommen, damit sie mit dem Wattestäbchen einen Abstrich aus seinem Ohr nehmen konnte, so hat er sich angestellt.

    Nun hoffen wir, dass die Medizin hilft, einen weiteren Abstrich hat die Ärztin eingesandt und will mir telefonisch Bescheid geben, was eventuell noch zu machen ist. Dann sind wir die 1,7 Kilometer zurück gelaufen, diesmal aber auf direktem Weg.

    Sunset Beer

    Gestern Abend haben wir uns lang Entbehrtes gegönnt, und waren gleich in zwei englischen Pubs. Im Trafalgar haben wir das Sunset Bier direkt am Kreisel genossen, dann sind wir ein bisschen in die Fußgängerzone gelaufen, und fanden „The Angry Friar“, dort durften wir sogar mit Samy hinein, erst an die Bar, dann an einen kleinen Tisch für ein echtes englisches Pub Meal. Chicken Curry für mich and Würstchen mit mashed potatoes für Volker, das musste sein.

    Ein echtes englisches Pub

    Die Atmosphäre war großartig, zuerst haben wir uns mit den drei Herren auf Kurzurlaub von der Insel am Nebentisch unterhalten, später mit drei Damen, nachdem die Herren gegangen waren. Alle waren gegen den Brexit und voller Spannung wurde die Abstimmung im Parlament verfolgt. Als es beim ersten Ergebnis nur vier Stimmen Unterschied gab, war man hier im Pub sehr erstaunt, und erleichtert, als die zweite Abstimmung ein deutlicheres Ergebnis brachte. Die „Gibraltar-Engländer“ würden auf jeden Fall lieber in der EU verbleiben, mal sehen, wie es weiter geht, der Zeitdruck ist jedenfalls erst einmal kleiner geworden.

  • Warm

    Die Überschrift sagt eigentlich schon alles. Der Frühling ist hier an der Südspitze von Spanien, bzw. in der englischen Kolonie Gibraltar vollends ausgebrochen, tagsüber klettert die Quecksilbersäule auf behagliche 22 Grad  und nachts muss man (n), oder eher gesagt frau bei kuscheligen 14 Grad Minimaltemperatur nicht mehr frieren. Die Heizung, egal ob Diesel oder elektrisch, bleibt aus. Anderes Thema.

    Park mit Teich in der Abendsonne

    Wer schon mal hier war, weiß, Gibraltar ist, um es kurz zu beschreiben, eine einzige dicht besiedelte Betonwüste, überwiegend gepflastert mit zehn Stockwerk hohen Gebäuden an der Wasserfront und flacheren Häusern in den hinteren nachfolgenden Reihen sowie einer langgezogenen Fußgängerzone mit jeder Menge Duty Free Shops, also Mehrwertsteuer-freien Elektronikläden. Nur die Steilhänge des Bergrückens sind teilweise unbebaut. Wer mit offenen Augen durch das Straßengewirr läuft, bekommt aber auch erstaunlich Hübsches zu sehen: kleine Parks mit Teichen, die Knight-Bastion, englische Telefonzellen und Briefkästen wie aus dem Schulbuch, die Seilbahn hoch zum Affenfelsen und ein ausgeklügeltes Tunnelsystem.

    Chicken WIngs…
    Pulled Pork Brötchen
    … und Gravy

    Für alle Freunde des Biergenusses gibt es natürlich jede Menge wunderbare Pubs, mit einer Inneneinrichtung, wie man sie sonst nur in England findet. Etwas Besonderes ist auch der englische Supermarkt „Morrison“ für uns, neben einer endlos langen Fleischtheke gibt es ein riesiges „Gravy“-Sortiment, also dunkle braune dickflüssige Bratensaucen, leckere Fastfoodgerichte aus der Tiefkühltheke, eine große Auswahl an indischen Gewürzen und endlos lange Süßwaren- und Chipsregale mit kalorienreichen Versuchungen.

    Aussichten
    alter Kran
    Speicherhäuser

    Gestern sind wir, ich weiß eigentlich garnicht warum, mal durch das angrenzende Industriegebiet gebummelt. Da waren wir noch nie, und wenn doch man genau hinschaut, gibt es auch dort Sehenswertes zu bestaunen. Die alten Lagerhallen zum Beispiel oder der schon fast historische Industriekran, oder die verfallenden Betonstraßenlaternen.

    Aussicht von unserem Liegeplatz

    Eigentlich wollten wir Gibraltar schnell hinter uns lassen, raus auf den Atlantik und rüber nach Lanzarote segeln, doch die Wellenvorhersagen halten uns davon ab. Das Tiefdruckgebiet, das die nächsten Tage Sturm nach Deutschland bringt, hat auf dem Atlantik im Bereich der Biskaya die Wellen mächtig aufgetürmt. Diese Wasserberge wandern jetzt südlich, wir müssten mit 4-5 Meter hohen Wellen von Mittwoch Abend an rechnen. Wollen oder müssen wir uns das wirklich antun? Die Antwort fällt ebenso knapp, wie eindeutig aus…

    Der Affenfelsen

    Neuer geplanter Abfahrtstag ist der Samstag, alle Wettermodelle sehen bisher verheißungsvoll aus, ist noch ein paar Tage bis dorthin und daher mit einer gewissen Unsicherheit verbunden. Bis dahin genießen wir die Annehmlichkeiten derQueensway Quay Marina. Immerhin haben wir von unserem Liegeplatz aus eine super Aussicht auf den Berg, oder besser gesagt „The Rock“, wie der Fels auch liebevoll genannt wird.

  • Samba

    Highly decorated

    Alle bewegen sich im Sambaschritt, einige hundert Fuß-, bzw. Tanzgruppen, wie ein Lindwurm zieht sich der Karnevalsumzug durch die gesamte Innenstadt von Cartagena. Vier volle Stunden lang, wiegend zur Sambamusik, rechter Fuß vorwärts, linker Fuß vor, rechter Fuß nach rechts, linker Fuß nach links. Kinder, Eltern, ältere Semester, alle vereint im Sambaschritt, mit glamourösen Kostümen und einer für uns fast übermenschlichen Kondition, ein echter Tanzmarathon.

    Bunte Karnevalshamburger

    Wir schauen uns das bunte Treiben staunend an, gehen zwischendrin in ein Restaurant, um ein paar Tapas zu vertilgen und danach wieder zum Umzugsspektakel.  Die Straßenränder sind gesäumt mit Menschenmassen, Zuschauern, Verwandte und Freunde der Tänzerinnen und Tänzer und Touristen wie wir. Es ist Samstag Abend und die ganze Stadt ist auf den Beinen. Im Restaurant kommen zur Freude der Kellner leicht bekleidetet Tänzerinnen herein, die es schon bis zum Ende geschafft haben, dann verschwinden sie auf der Damentoilette und setzen sich anschließend in Jeans und Pullover zu ihrer Familien an den Tisch. Unsere Freunde aus Holland sind begeistert vom Karneval in Cartagena.

    Der Hafenmeister von Hoorn auf dem Mittelmeer
    Boris an der Pinne

    Tagsüber waren wir ein paar Stündchen segelnd unterwegs und haben die weißen Tücher in den Wind gehalten, stellenweise konnten wir mit guten acht Knoten übers blau-silber schillernde Mittelmeer rauschen und dann war der Wind auch schon wieder weg, nix mehr mit segeln, absolut nada.

    Die Hexe am Anker

    Wir haben uns dann ankernd in die Cala Salitrona verzogen, das klare Wasser und die interessanten Felsformationen mit ihrem Querschnitt durch die Geschichte bewundert. Das Beiboot kam auch erstmals in 2019 zu seiner Geltung, ich bin mit Samy ans Ufer gerudert und durch einen Canyon gestiegen, bis es nicht mehr weiter ging. Von Land aus hatten wir einen schönen Blick auf die am Anker schwojende Hexe, Samy hat sich auf jeden Fall sehr über den Strandspaziergang gefreut.

    Samy chillt mit Sommerschnitt
    Die Cala Cortina mit Bandenden

    Gestern war es soweit, wir haben Samy endlich einen frischen Sommerhaarschnitt verpasst, er fühlt sich sichtlich wohler und kratzt nun nicht mehr im alten, stellenweise verfilzten Winterfell rum. Und weil es so sonnig war, sind wir mit Grill, Strandstühlen, leckerem Essen und der Drohne zur Cala Cortina gewandert, bzw. ein Teil der Bemanning mit dem Auto gefahren.

    Das erste Mal in 2019!

    Im Windschatten war es so schön warm, dass auch erste Schritte ins kühle Nass gewagt wurden. Den Lotusgrill hatten wir mit, bald brutzelten leckere Bratwürste auf dem Grillrost. Mit leicht sonnengeröteten Gesichtern ging es am späten Nachmittag wieder zurück zum Schiff.

    Karnevalsdeko

    Abends sind wir noch einmal zu unserer Lieblingstapasbar in die Altstadt gepilgert, haben den zweiten Gang Tapas sitzen im Tambalache verbracht.

    Morgennebel über Cartagena

    Heute früh hieß es schon wieder Abschied nehmen. Es geht für unsere drei Freunde zurück nach Holland, mit ein paar touristischen Zwischenstops, diesmal auf der westlichen Route über Nordspanien am Atlantik vorbei.

  • Bootsstrohwitwe

    Die Zeit als so eine geht – endlich – ihrem Ende zu. Aus der Heimat kommen insgesamt gute Nachrichten, sehr schön!

    Samy schmollt

    Zuerst sollten es ja nur drei Tage sein, Sonntag wollte Volker wieder zurück fliegen, aber wie das so ist in der deutschen Heimat, da kommt immer wieder etwas dazwischen. Ein Termin bei der Physio fürs Kind, ein vereiterter Zahn… aber für morgen, Mittwoch, ist ein Flug gebucht und eingecheckt ist Volker auch schon. Jetzt kann ich schon mal anfangen, mich zu freuen. Allein zu sein muss man auch üben, im Kopf rede ich dauernd, aber es ist keiner da, der zuhört, außer Samy natürlich, aber der schaut mich manchmal verständnislos an. Ich bewundere die Einhandsegler, die das viele Monate lang machen.

    Türgriffe an einer Apotheke
    Graffiti an einer Hauswand in der Nähe des Teatro Romano
    Platz mit Kirche

    Die Tage hier in Cartagena  sind – trotzdem – schnell vorbei gegangen. Nach der Tagesfahrt nach Murcia hab ich zwar keine großen Ausflüge mehr unternommen, mit dem Auto war ich nur zweimal im Industriegebiet zum Einkaufen bei Decathlon und Carrefour, aber der Tag geht trotzdem schnell vorbei. Mit Samy erkunde ich immer weitere kleine Straßen und Plätze in Cartagena, mit Samy und Beate haben wir lange Spaziergänge gemacht, z.B. zum ausgetrockneten Fluss nahe des Stadions von Cartagena. Dort haben wir ein Tor fallen hören, die Fangesänge waren eindeutig, Cartagena spielt wie Darmstadt in der zweiten Liga.

    Sunsetdrinks

    Am Sonntag war das Picknick der Cartagena Liveaboards, danach hat die Polarix auf einen Drink eingeladen, gestern waren wir auf ein Glas auf der Hexe, immer so zur Sunset-Zeit, sehr nett.

    Die Percussion ist gut vertreten

    Heute bin ich beim Spätnachmittagspaziergang aufmerksam geworden, weil auf einem Platz in der Stadt lauter Instrumentalisten in Uniform herum liefen, außerdem schwer bewaffnete Polizei. Als ich mit Samy vom Biomarkt zurück komme, beginnt gerade das Konzert der Infanteria de Marina, mit viel Pauken und Trompeten, und irgendwie wird die Geschichte dieser Infanterie erzählt, die auf die Zeiten von Isabella von Kastilien und Ferdinand II. von Aragon zurück geht. Leider reicht mein Spanisch nicht aus, um alle Details zu verstehen, und Samy hat auch keine Lust mehr. Wir schenken uns die weiteren musikalischen Darbietungen und gehen zum Boot.

    große Gästekabine
    Vorschiffskabine

    Am Mittwoch also kommt Volker und am Donnerstag unsere Freunde aus Hoorn, die Kabinen sind bereit, und wenn bitte noch der angekündigte Westwind um 180° dreht, könnte es weiter gehen …

  • Schlussendlich

    Nachdem ich im letzten Blogbeitrag die Gesamtereignisse rund um unsere Batteriebank zusammengefasst hatte, will ich in diesem Beitrag auslegen, wie es denn jetzt weiter geht. Am Freitag hat uns Outremer mitgeteilt, dass sie keine Garantie für die defekten Batterien übernehmen werden, weil durch das Reset in der Batterieüberwachung die Historie nicht mehr nachvollziehbar ist. So kann man denken und argumentieren, man bzw. Outremer könnte aber auch kulanter sein, zumal nach den ganzen Problemen der letzten Wochen…

    Aber es muss ja irgendwie weitergehen, heute morgen hat die Capitania bei autosolar.es vier neue AGM-Batterien mit je 250 Amperestunden bestellt, die exakt dieselben Abmessungen wie unsere kaputten Victronbatterien aufweisen. Wir haben dann noch überlegt, die Energiespeicher in Valencia beim Onlinehändler direkt mit einem Mietauto abzuholen, haben uns aber schlussendlich doch dagegen entschieden, weil die Mietautopreise für nur einen Tag viel zu hoch ausfallen und uns zudem von Autosolar versprochen wurde, dass die Batterien bis Mittwoch hier in Cartagena eintreffen sollen. Das ist uns zeitig genug, wir können dann direkt zusammen mit Bernhard den Einbau starten.

    Vielfalt auf dem Segler-Grill

    Gestern war ein besonders schöner Tag. Nachmittags haben wir am wöchentlichen Grillevent mit den anderen Dauerliegern hier im Hafen teilgenommen und dabei zahlreiche andere Segler kennengelernt und einige interessante Geschichten gehört. Jeder brachte sein Grillgut selbst mit, und auf drei Grills wurde kräftig gebruzzelt. Nach dem vergnüglichen nachmittäglichen Grillen sind wir zusammen mit Sven und Michaela der Empfehlung der dänischen Segelfraktion gefolgt, und zu einer kleinen Bodega aufgebrochen, wo ein Flamencoabend stattfinden sollte.

    Das war auch echt die Attraktion schlechthin: Kleine Kneipe, regionales Essen, super liebe Spanier und ein Gitarrist und Sänger in Personalunion mit einer Wahnsinnsstimme, das war dann die Zusammensetzung für eine coole Party. Die Stimmung war top, wir wurden so in den Kreis der singenden und tanzenden Spanier integriert und die Zeit, sie flog nur so dahin. Sowas haben wir noch nie erlebt, muy fantastico!

    Jetzt heißt es einfach abwarten und hoffen.

  • Dauert noch

    Herausfordernd, anspruchsvoll und zugleich seglerisch richtiggehend interessant war der Trip von Denia nach Cartagena, obwohl er mit 100 Seemeilen nicht wirklich lang war. Los ging es erstmal mit kräftigem Schiebewind von hinten mit dem Großsegel im ersten Reff, der uns aber nur drei Seemeilen bis zum Cabo de la Nao treu blieb.

    Die Skyline von Benidorm

    Danach war null Wind, und der Motor musste mit dazugehöriger Geräuschkulisse in seiner Motorkammer für den nötigen Vortrieb sorgen. Zwei Stunden später dreht der Wind genau auf vorne und frischte auf. Cornelia wollte für die Nacht, windgeschützt hinter einem Kap, den Anker werfen und auf die vorhergesagte Winddrehung warten. Ich wollte weiter, kreuzen hoch am Wind.

    Sunset

    (Aus Cornelias Logbuch: Am Ende der Bucht von Benidorm gibt es einen Ankerplatz in 4 – 6 Meter Wassertiefe, der bei dem angesagten Westwind guten Schutz bietet, das ist unser heutiges Etappenziel, da können wir schlafen und „…müssen uns nicht noch eine Nacht um die Ohren hauen…“ (O-Ton Skipper). Nach Benidorm darf der Motor schlafen, wir fangen an zu kreuzen, machen den ersten (und einzigen) Schlag aus der Bucht heraus. „Da vorne, in ca. einer halben Stunde, wenden wir.“  … „Wenn noch 8,5 sm bis zum Ziel da stehen, dann wenden wir.“ …  „Schau mal, der Kurs wird immer besser, bei 7 Seemeilen wenden wir.“ … „Wenn wir jetzt auf Kurs Richtung Cartagena gehen, müssen wir gar nicht mehr wenden, und werden ganz schnell!“ (Was geb ich auf mein Geschwätz von vorhin!)

    Geschwindigkeitsrausch in der Nacht

    Aus Zickzacksegeln gegen den Wind wurde ein Anliegerkurs, der uns auf direktem Weg nach Cartagena führte. Nur der Wind war dabei so wenig konstant, dass wir alle paar Minuten das Vorsegel bei auffrischendem Wind ein- und bei nachlassendem wieder ausreffen mussten. Das ging im Prinzip die ganze Nacht so, zudem wurde oftmals das Schiff so schnell, dass es regelrechte Bocksprünge durch die kabbelige See vollführte und dass sich Kaskaden von Meerwasser an den Salonfenstern brachen. An Schlaf war dabei nicht zu denken.

    Alarm

    Mitten an der Nacht schrillte auf einmal der Batteriealarm los und am Batteriemonitor konnten wir ablesen, dass unsere Spannung auf unter 24 Volt gesackt ist – absolut leere Batterien! Wie kann das sein, wir haben aus der 440 Amperestunden großen Batteriebank gerade einmal nur 17 Amperestunden entnommen? Nutzt aber nix, die Voltzahl muss erstmal wieder nach oben, damit sich nicht alle Systeme abschalten, also Motoren an. Ladestrom fließt in die Batterien, nach einer Weile machen wir einen neuen Versuch und schalten die Motoren aus. Nach nochmals genau 17 verbrauchten Amperestunden, ca. drei Stunden später, geht der nächste Alarm los. Wieder Unterspannung, zeitgleich schläft der Wind ein, wir entscheiden uns, die restlichen 10 Seemeilen bis Cartagena motorend zu bewältigen. Um 5 Uhr in der Früh sind die Leinen im Hafen fest und wir verziehen uns für ein paar Stunden Schlaf in die Koje.

    Der Batteriemonitor ist völlig verstellt

    Ein sonnig-blauer Himmel und unsere Freunde Beate und Bernhard begrüßen uns um 10 Uhr, wir frühstücken und klönen erstmal gemeinsam, es gibt viel zu erzählen. Ab dem Nachmittag wagen wir uns, zusammen mit Bernhard, an das Batterieproblem heran und führen verschiedene Tests durch. Zudem wird noch der Hafenelektriker involviert und engagiert. Es sieht so aus, als ob die gerade nur ein Jahr alten AGM-Batterien schon kaputt sind, das heißt, sie halten ihre Ladung nicht. Während des Testens mache ich wohl aus Versehen noch einen Totalreset des Batteriemanagementsystems mit der Folge, dass der Batteriemonitor nun nix Verwertbares mehr anzeigt. Nach zwei Tagen unermüdlichen Ausprobierens, Versuchens und Testens sind wir soooooo genervt.

    Cartagena mit Festung im Hintergrund

    Gestern gelang es dann Cornelia, zusammen mit dem Aftersale Service von Outremer, nach stundenlangem Ausprobieren, endlich wieder den Batteriemonitor zum Leben zu erwecken, sodass wir endlich wieder verwertbare Messdaten hatten. Ein letzter Test zusammen mit Outremer, die per Teamviewer auf unser Batteriesystem zugreifen konnten, bestätigten, dass die Batterien definitiv kaputt sind. Jetzt müssen wir mal abwarten, wie die Garantieentscheidung von Outremer aussieht. Wir hoffen für uns das Beste, damit wir  vier neue AGM-Batterien im Internet nach Cartagena liefern lassen können. Wir bleiben also noch ein paar Tage hier.

    Tapas-Speisekarte

    Gestern Abend haben uns Bernhard und Beate zu einem Stadtbummel mit Tapasbarbesuch abgeholt und so dankenswerter Weise für eine willkommene Abwechslung gesorgt. Wir haben Bekanntes gekostet und Neues ausprobiert. Zu Cartagena schreiben wir beim nächsten Mal noch ein bisschen mehr, zum Wetter jetzt. Das ist eigentlich ganz schön, tagsüber werden es 15 Grad, nachts wird es meist einstellig. Aus dem Wind raus und in der Sonne sitzend fühlt es sich schon jetzt wohlig warm an. Nur mit Wolken und im Nordwind stehend merkt man, dass der mediterrane Winter noch seine kühlen Finger ausstreckt.

    Heute morgen hat die AidaMare im Hafen festgemacht, eine deutsche Lautsprecherstimme beschreibt den Passagieren die Stadt und scheucht uns aus dem Bett. Sie ist in der Mitte einer neuntägigen Kreuzfahrt von Mallorca über Lissabon und Barcelona zurück nach Palma de Mallorca. Schöne Strecke, aber noch kühl in der Jahreszeit!

  • Zweiter Versuch, zweiter Tag

    Donnerstag, 7. Februar 2019, Baro 1020, zunächst diesig, ab Mittag sonnig, wärmer
    auf See
    Nach den Delfinen gehen wir unseren „Auf-See-Aktivitäten“ nach, Volker putzt das Boot, staubsaugt den Salon, setzt Segel und birgt sie. Ich versuche, den Fehler in meinen SSB- oder Pactor-Gerätschaften zu finden, denn ich konnte mich nicht mit den Winlink-Stationen verbinden, habe gestern Abend, nachdem wir wieder Telefonnetz hatten, lange mit Ralf von der Malwieder konferiert. Heute Morgen hat es – wie durch Zauberhand – funktioniert, und mein Problem mit Zygrib, dass ich ein neues Login, also einen neuen Personal Code brauchte, ist inzwischen nach dem dritten Anlauf auch in Ordnung, von PredictWind habe ich über das Pactor-Modem einen neuen Wetterbericht abgeholt, wir sind auf die Nacht vorbereitet. Morgens ist es noch sehr diesig, alle Konturen verschwinden, aber ab mittags kommt – wie versprochen – die Sonne raus, und es wird schön warm, wir setzen uns mit Samy ins Trampolin.
    Tatsächlich können wir um 18:00 Uhr den Motor ausmachen, wir segeln bei neun Knoten raumen Wind, wieviel angenehmer als gestern um die gleiche Zeit gegen dreizehn Knoten anzumotoren. Es ist ganz still im Boot, nur die Dieselheizung macht ein freundliches Geräusch. Samy bekomt Olivenöl unter sein Abendessen gemischt, damit ihm das eher ungewohnte Gassigehen und Häufchen-machen auf dem Vorschiff etwas leichter fällt. Wir hingegen bekommen extrem leckeren Hackfleisch-Gemüse-Auflauf, und schon während des Essens legt der Wind weiter zu, wir fliegen mit zehn Knoten durch die Nacht. Jetzt sind wir schneller als der andere Segler, den ich auf dem AIS sehen kann. Er motort schneller, aber wir segeln fixer! Schon denken wir ans Reffen, aber Volker beschließt, dass das warten kann, erstmal schnel und segelnd ein Stück vorwärts kommen!
    Damit wir auch batteriemäßig gut versorgt für die Nacht sind, befestigt Volker den Watt&Sea, den Wassergenerator, am Backbordheck, zum ersten Mal in der Geschichte dieses Bootes auf eigenen Wunsch mit Schwimmweste und eingepickter Lifeline, das hat mich ausgesprochen beruhigt! Der Wassergenerator zeigt ein blaues Licht, ein Zeichen, dass ab jetzt die Batterien gut geladen werden.
    Aufräumen, spülen, dann richten wir das Bett im Salon für die Nacht, das ist eine riesengroße Fläche, und bei nächtlichen Überfahrten darf sogar der Hund mit dort schlafen. Ich habe eine neue Wettervorhersage über SSB-Radio und Pactormodem geholt, Windstärke und -richtung stimmen Volker so optimistisch, dass wir unser Etappenziel Valencia aufgeben, und doch Kurs nehmen auf das Cabo de la Nao; dann weiter an Benidorm und Alicante vorbei bis nach Cartagena durchsegeln wollen.
    Um 18:45 flaut der Wind rasant ab, der Motor darf wieder mitschieben, aber vorher muss der Watt&Sea hochgeklappt werden (wieder mit Schwimmweste und Leine!). Nun motoren wir weiter durch die Nacht, es ist relativ viel los hier, der Segler motort immer noch vor uns her, einige Frachtschiffe und Tanker sind auf dem AIS zu sehen, mit Ziel Marseille, Valencia, Gibraltar, sogar Bizerte in Tunesien sehe ich auf den Informationen des AIS. Alle zwanzig Minuten klingelt der Timer, damit der Wachhabende einen Rundumblick wirft, allerdings meine ich, dass ich auf dem Bildschirm mit Radar und AIS mehr sehe als in der tiefschwarzen Nacht da draußen. Das Radar dreht alle zehn Minuten und würde uns warnen, wenn ein feindliches Schiff zu nahe kommt, ebenso wie das AIS. Der Sternenhimmel ist beeindruckend, und es ist nicht mehr so kalt wie die Nächte in LGM.
    00:30 Uhr, ich löse Volker ab, das Barometer zeigt 102 Hektopascal, leicht gestiegen gegenüber heute morgen. Der Wind kommt immer noch mit 5 – 6 Knoten aus zwanzig Grad, leider nicht segelbar.
    Um 03:00 Uhr übernimmt Volker die Wache, Wind und See sind unverändert, als ich um 05:30 Uhr ihn wiederum ablöse. Barometer weiterhin 1022, Sternenhimmel, und die kleinen Islas Columbretes sind fast querab, ich kann bei meinem ersten Außenrundgang ein schwaches Licht erkennen. Noch 175 Meilen bis Cartagena.

  • A bientôt

    LGM im Sonnenschein

    „A bientôt“, bis bald, hat mir der nette Hafenmeister von La Grande Motte zum Abschied gewünscht. „Non, das will ich nicht hoffen“, habe ich geantwortet, aber man hat mich beruhigt, auf französisch würde man das sagen, wenn man zeigen will, dass einem die Person sympathisch ist und man sich folglich über ein Wiedersehen freuen würde. Gut, dann bin ich auch höflich und verabschiede mich ebenfalls mit „à bientôt!“.

    Motorsegelnd haben wir die ersten Seemeilen des neuen Jahres ins Kielwasser gelegt, Samy hat es sehr genossen, bei schönstem Sonnenschein im Trampolin oder auf den Seiten zu liegen, das glatte Wasser sorgte für einen optimalen Wohlfühlgradient. Gerade kam ein bisschen mehr Wind auf, und wir wollten den Spinnacker setzen, als Volker noch mal eben schnell in den Motorraum schaut, ob alles in Ordnung ist. „Neiiiiiiiin, Cornelia, schnell Motor aus, ich brauche Eimer und Zewa!“

    Tatsache ist, dass bei einer Schlauchschelle der Teil fehlte, der diese normalerweise um den Schlauch fest zieht, und das Wasser sich sprudelnd in den Motorraum ergoss. Nun hatten wir so ein Ersatzteil leider nicht dabei, außerdem war der Frustmoment zu groß, wir sind einfach umgedreht, und haben den schwarzen Peter dahin zurück gegeben, wo er hingehört: zu Outremer. Mir war es suspekt, als am Morgen die Sonne schien, und alles perfekt war für den Trip nach Süden. Komischerweise dachte ich, da kommt noch was nach…

    wieder am Steg…

    Irgendwie fühlte es sich seltsam vertraut an, wieder nach La Grande Motte zurück zu fahren, die Hafeneinfahrt ist hübsch bei Sonnenschein und wenig Wind, auch das Anlegemanöver mit nur einem Motor hat gut geklappt, Martin von der Lunara war Standby mit seinem Dingy, und die Hafenmeister von La Grande Motte waren hilfreich. Vielleicht hätte ich das nicht sagen sollen: „à bientôt“

  • So ein Ärger…

    Samy im Seniorengalopp

    Sand wird am Strand vom Wind vorangetrieben, wirbelt durch die Luft und sorgt dafür, dass unser mittäglicher Strandbummel diesmal nach ein paar Minuten vorzeitig beendet wird. Sand in der Nase, Sand im Mund, Sand in den Augen, das reicht. Die Sonne lacht dazu bei einem Mix mit Wolken und blauen Himmel, großartige Lichtverhältnisse, nicht nur für Fotobegeisterte.

    leckender Anschluss am Heizungslüfter

    Wir und das Schiff sind abfahrbereit, haben wir zumindest bis gestern noch gedacht, nach dem Durchzug der Starkwindfront sollte es morgen in Richtung Spanien gehen. Doch daraus wird mal wieder nix aufgrund neuerlich austretendem Glykol von der Heizung, diesmal auf der Backbordseite, und weil Outremer schlichtweg vergessen hat, die Überlaufventile der beiden Dieseltanks und das Entwässerungsventil für die vorderen Backskisten einzubauen. Dabei wurde uns schon vor drei Wochen mitgeteilt, dass der Kat segelklar ist. Ist er aber leider immer noch nicht. Dabei haben wir, um nur mal von der Heizung zu sprechen, ausdrücklich darum gebeten, die gesamte Installation gründlich zu überprüfen, damit wir im Winter sorgenfrei heizen können, Zeit war dafür mehr als genug. „Was für ein Selbstverständnis von Arbeit und Qualität ist das, was hier an den Tag gelegt wird?“ fragen nicht nur wir uns. Wir sind jetzt endgültig genervt, entschuldigende Worte – Fehlanzeige.

    fehlendes Überlaufventil am Überlaufschlauch des Dieseltanks

    Die Krönung dabei ist, dass wir ausdrücklich darauf hingewiesen wurden, für die Hafengebühren selbst aufzukommen und das, obwohl das Schiff ersichtlich noch nicht fertiggestellt war, bzw. immer noch ist. Früher war die Werft diesbezüglich großzügig und unproblematisch. Zufriedene und vom Schiff begeisterte Kunden geht halt anders.

    Schön hingegen ist, dass wir gestern mit Richard und seiner Frau Ann, beides Outremereigner aus Kanada, schön im Marin’Sol lecker zu Abend essen waren. Zudem kommen gleich die Crews von dreo Booten zu einem Abendessen zu uns an Bord, da zudem noch netterweise das Essen mitgebracht wird, und wir deshalb nur für die Getränke sorgen werden.

  • Alle Jahre wieder…

    Auf geht’s

    …kommt die Zeit, wie jedes Jahr an die Adventskalender für die Kinder zu denken. Bei jedem Einkauf, ob im Supermarkt oder beim Sportausrüster sucht mein Blick nach Kleinigkeiten, die gut in den jeweiligen Kalender passen würde. Drei Tüten voll warten im Kofferraum, bei Carrefour gibt es schönes Einwickelpapier, allerdings Geschenkband kennen die Franzosen nur in Kleinstmengen. Eine Alternative ist meine Wollesammlung, geht auch.

    fertig!

    Am Wochenende habe ich also 72 Päckchen gepackt, umbändelt und drei mal 24 Päckchen miteinander verschnürt. Volker sagt: „Gut, dass Dir das Einpacken Spaß macht, bei mir gäbe es eine Kiste Bier mit 24 Flaschen!“ Sonntag Mittag war alles fertig, die drei Taschen konnten wieder im Kofferraum verstaut werden für die Heimfahrt.

    Nachdem die Catamaran-Cruiser aus LGM am Freitag so wunderbar auf der Lunara bewirtet wurden, hatten wir die Gruppe für Sonntag Abend geladen, Volker hat Spieße gegrillt, es gab Salat und eine Quarkcreme zum Abschluss. Der Altglascontainer hat heute morgen ganz schön was abgekriegt…

    Bagger am Strand

    Heute ist es eiskalt, der Skipper verschnupft und krank, vielleicht hat er sich doch an meiner kleinen Erkältung angesteckt. Am Strand wird der Sand neu aufgeschüttet, die Bagger fahren. Bei uns auf unserem Boot sind die letzten Beschläge abgeschraubt und das alte Sikaflex gekratzt. Vier Outremer-Mitarbeiter kamen pünktlich um acht Uhr und bis zur Mittagspause waren sie fertig. Für heute Abend sind die Catamaran-Cruiser auf der „Cara“ eingeladen, weil das Boot morgen in den Kran geht. Man muss die Feste feiern, wie sie fallen!

    Außerdem haben wir das Video von Volkers ersten Wellenreitversuchen auf dem Stand-Up-Paddleboard fertig geschnitten: