Nach Lanzarote – Tag 1

Die Intermarfunkrunde um 11:00 UTC, 12:00 Uhr MEZ bekomme ich nicht gut rein, ich höre mal kurz ein Rufen: „CQ CQ hier ist…“, aber das wars dann auch schon, vielleicht hab ich ja bei der Abendrunde um16:30 UTC mehr Glück. Wir versenden noch Whatsapps an Familie und Freunde, ich stelle den kleinen Blog, dass wir abgelegt haben, online, irgendwann haben wir nur noch marokkanisches Netz, dann wird das teuer. Unsere Kommunikation beschränkt sich jetzt auf den SSB-Funk, Emails und Wetter per Pactor, und zur Not das Satellitentelefon.
Um 14:00 Uhr sind wir am Ende des Verkehrstrennungsgebietes, jetzt gilt es, gut aufzupassen, dass wir beim Abbiegen nicht in den Weg von einem Tanker oder Frachter kommen, denn wir haben zwar das Großsegel oben, aber wir motorsegeln, der Wind reicht mit 4 Knoten nicht annähernd zum Segeln. Auch ist die Strömung noch sehr gegen uns.Mit den Tankern, Frachtern und Autotransportern ist es ein kleines Zickzacklaufen, aber schließlich haben wir die großen Verkehrswege hinter uns gelassen und freie Fahrt. Wir füllen 70 l in die beiden Dieseltanks, denn die Fahrt mit den zwei Motoren auf 2200 Umdrehungen schluckte beträchtlich Diesel.
Um 16:00 Uhr dreht der Wind weiter, und frischt auf 11 – 12 Knoten auf, der Code D darf in die Sonne, jetzt wird gesegelt! Schnell fährt die Hexe trotz Gegenstrom mit über elf Knoten über Grund, der Skipper ist glücklich.
In der Intermarfunkrunde höre ich Uwe klar und deutlich, und auch DL4TJ, der zwischendurch übernimmt, kommt klar an, und bestätigt mir, dass wir selber hervorragend zu hören sind. Währenddessen nimmt der Wind weiter zu, 16, manchmal auch über 17 Knoten, da sind wir immer noch vorsichtig und rollen den Code D lieber weg. So steht es in den Empfehlungen von Outremer, mit größerer Crew könnte man da sicher noch was reizen, aber wir zwei segeln dann eher konservativ. Aber auch mit der Genua läuft die Hexe über zehn Knoten Speed, was wollen wir mehr?
Vor der Dunkelheit wollen wir den Wassergenerator anbringen, denn dazu muss Volker ganz unten auf die Backbord-Badeplattform. Ich habe immer ein bisschen Angst, dass er dabei über Bord geht, deshalb geht das hier draußen nur mit Schwimmweste und Lifeline. Der Hund wird im Cockpit festgemacht, damit er nicht mit kommt, Volker holt den Watt&Sea aus der Backskiste. Das schwere Ding ist bald gut angebracht, zu Wasser gelassen, ich schaue nach, ob es lädt, aber nein, es funktioniert nicht, und außerdem ist in dem kleinen Stecker vom Hydrauliköl etwas kaputt. So ein Mist, bei der Fahrt nach Süden wäre dies eine wichtige Energiequelle gewesen!
Mit Genua und Groß fahren wir bis zum Abend, zum Essen gibt es Chicken Nuggets und Reis, danach wird das „Wachbett“ bereitet im Salon, dann beginnen die Nachtwachen. Volker hatte kurz darüber nachgedacht, ob wir nicht doch den Code D wieder setzen, aber als ich da unten im Bettchen lag und auf die Windanzeige schielte, war ich froh, dass wir es nicht getan hatten. Der Wind weht konstant mit 16 – 20 Knoten, etwas raumer als bisher, aber doch zuviel für das Leichtwindsegel.

Veröffentlicht unter Logbuch | Schreibe einen Kommentar

Jetzt aber

Montag, 18. März 2018, Baro 1019, sonnig, leicht bewölkt, Wind O, um 2 Beaufort, Gibraltar 10:00

Dem humpelnden Hund geht es besser heute morgen, und Expertin Larissa hat ja gesagt, er soll die Pfote wenig belasten. Also segeln wir einfach heute los, dann muss Samy nur auf dem Boot ein kleines bisschen laufen, ansonsten darf er ausruhen.

Der Wetterbericht sagt für heute bis mittags Westwind, also gegenan durch die Straße von Gibraltar, dann dreht der Wind auf Nordost, ab Dienstag soll er dann stärker weerden, 20 – 26 Knoten, die Wellen sollen moderat bis maximal drei Meter bleiben.

Drückt uns die Daumen, ich lade das Logbuch täglich hoch, und die Position gibt es wieder über Winklink DL3HEX.

Veröffentlicht unter Logbuch | Schreibe einen Kommentar

Planänderung

Gestern waren wir noch davon überzeugt, dass wir heute Nacht, zwar bis Sonntag bei wenig Wind,  aber doch immerhin unter Motor Europa hinter uns lassen würden, entlang der marokkanischen Küste Richtung Kanaren segeln würden. Aber dann hat ein heimtückischer Virus den Skipper hinterrücks befallen und seit gestern Abend liegt er danieder. Statt die irischen Pubs am gestrigen St. Patrick’s Day unsicher zu machen, waren wir brav an Bord, und haben alte Filme geschaut.

Heute ging es schon ein bisschen besser, aber mit so einem Skipper wollte ich keine Nachtschichten machen, vor allem nicht auf dem Atlantik, man weiß ja nie, was dort passiert…

Ab morgen weht der Wind in der Straße von Gibraltar aus Westen, eine denkbar schlechte Situation, um nach Westen zu fahren, selbst mit einem gesunden Skipper, also müssen wir mindestens bis Dienstag warten. Dann werden wir die gesamte Wettersituation neu einschätzen, und mitteilen, wann und wohin wir weiter fahren. Bis dahin wünschen wir allen ein schönes Wochenende!

Veröffentlicht unter Uncategorized | Schreibe einen Kommentar

Fünfkommadrei

Beautiful Gibraltar

So viele Kilometer sind Samy und ich gestern Morgen gelaufen. Für elf Uhr hatte ich bei der hiesigen Filiale der größeren, in La Linéa angesiedelten Tierklinik einen Termin ausgemacht, um abzuklären, was es mit Samys offensichtlichen Ohrenschmerzen und dem Gekratze auf sich hat. Um halb zehn sind wir von Bord gegangen, mit einem kleinen Umweg zur Hauptstraße in der Fußgängerzone, beim Bäcker vorbei. Eigentlich wollte ich auch noch einen Café trinken, aber ich dachte, ich suche erstmal die richtige Adresse. Am Ende der Fußgängerzone hab ich bei der Tierklinik angerufen und nach der genauen Adresse gefragt, damit Tante Google mich hinführen kann. „Watergardens No. 6“ das sollte die Adresse sein. Also gebe ich das in Google Maps ein, dachte, ich sei zwei Minuten entfernt. „Pustekuchen“, sagt Tante Google, „Zeit zu laufen 16 Minuten.“ Oh, gut dass ich so früh war.

Mit dem Handy in der Hand laufe ich weiter, das Problem hier ist, dass an den zahlreichen Roundabouts, Kreiseln, es keine Fußgängerübergänge gibt, sie sind mit Gittern, gefühlt kilometerweit, abgesperrt. Es wird immer später, aber als ich angeblich kurz vor dem Ziel bin, beschleichen mich Zweifel, und ich frage einen Mann auf seiner Vespa. „Oh no“, sagt der, da müsse ich die Straße dort zurückgehen, dann nach rechts, bis ich zu einem Denkmal komme, mit einem Mann und einer Frau, dort nach rechts, und da sei es dann. Okay, schnell ziehe ich Samy weiter, denn mittlerweile ist es kurz vor elf. Auf dem Weg treffe ich noch eine Frau mit Hund, die mir bestätigt, dass dies prinzipiell die richtige Richtung ist. Und ein weiterer freundlich Mann erklärt mir, da vorne müsse ich rechts, und dann käme ich zu Water Gardens. Leider ist auf der rechten Straßenseite der Fußgängerweg gesperrt und wir müssen wieder eine Umleitung gehen. Direkte Strecke wären es 1,7 km gewesen, nach 3,7 km waren wir am richtigen Ort.

Eine junge sehr freundliche spanische Tierärztin hat Samy untersucht (der ist ein echter spanischer Feigling), unglaublich, er musste am Ende einen Maulkorb bekommen, damit sie mit dem Wattestäbchen einen Abstrich aus seinem Ohr nehmen konnte, so hat er sich angestellt.

Nun hoffen wir, dass die Medizin hilft, einen weiteren Abstrich hat die Ärztin eingesandt und will mir telefonisch Bescheid geben, was eventuell noch zu machen ist. Dann sind wir die 1,7 Kilometer zurück gelaufen, diesmal aber auf direktem Weg.

Sunset Beer

Gestern Abend haben wir uns lang Entbehrtes gegönnt, und waren gleich in zwei englischen Pubs. Im Trafalgar haben wir das Sunset Bier direkt am Kreisel genossen, dann sind wir ein bisschen in die Fußgängerzone gelaufen, und fanden „The Angry Friar“, dort durften wir sogar mit Samy hinein, erst an die Bar, dann an einen kleinen Tisch für ein echtes englisches Pub Meal. Chicken Curry für mich and Würstchen mit mashed potatoes für Volker, das musste sein.

Ein echtes englisches Pub

Die Atmosphäre war großartig, zuerst haben wir uns mit den drei Herren auf Kurzurlaub von der Insel am Nebentisch unterhalten, später mit drei Damen, nachdem die Herren gegangen waren. Alle waren gegen den Brexit und voller Spannung wurde die Abstimmung im Parlament verfolgt. Als es beim ersten Ergebnis nur vier Stimmen Unterschied gab, war man hier im Pub sehr erstaunt, und erleichtert, als die zweite Abstimmung ein deutlicheres Ergebnis brachte. Die „Gibraltar-Engländer“ würden auf jeden Fall lieber in der EU verbleiben, mal sehen, wie es weiter geht, der Zeitdruck ist jedenfalls erst einmal kleiner geworden.

Veröffentlicht unter Leben an Bord | Schreibe einen Kommentar

Warm

Die Überschrift sagt eigentlich schon alles. Der Frühling ist hier an der Südspitze von Spanien, bzw. in der englischen Kolonie Gibraltar vollends ausgebrochen, tagsüber klettert die Quecksilbersäule auf behagliche 22 Grad  und nachts muss man (n), oder eher gesagt frau bei kuscheligen 14 Grad Minimaltemperatur nicht mehr frieren. Die Heizung, egal ob Diesel oder elektrisch, bleibt aus. Anderes Thema.

Park mit Teich in der Abendsonne

Wer schon mal hier war, weiß, Gibraltar ist, um es kurz zu beschreiben, eine einzige dicht besiedelte Betonwüste, überwiegend gepflastert mit zehn Stockwerk hohen Gebäuden an der Wasserfront und flacheren Häusern in den hinteren nachfolgenden Reihen sowie einer langgezogenen Fußgängerzone mit jeder Menge Duty Free Shops, also Mehrwertsteuer-freien Elektronikläden. Nur die Steilhänge des Bergrückens sind teilweise unbebaut. Wer mit offenen Augen durch das Straßengewirr läuft, bekommt aber auch erstaunlich Hübsches zu sehen: kleine Parks mit Teichen, die Knight-Bastion, englische Telefonzellen und Briefkästen wie aus dem Schulbuch, die Seilbahn hoch zum Affenfelsen und ein ausgeklügeltes Tunnelsystem.

Chicken WIngs…

Pulled Pork Brötchen

… und Gravy

Für alle Freunde des Biergenusses gibt es natürlich jede Menge wunderbare Pubs, mit einer Inneneinrichtung, wie man sie sonst nur in England findet. Etwas Besonderes ist auch der englische Supermarkt “Morrison” für uns, neben einer endlos langen Fleischtheke gibt es ein riesiges “Gravy”-Sortiment, also dunkle braune dickflüssige Bratensaucen, leckere Fastfoodgerichte aus der Tiefkühltheke, eine große Auswahl an indischen Gewürzen und endlos lange Süßwaren- und Chipsregale mit kalorienreichen Versuchungen.

Aussichten

alter Kran

Speicherhäuser

Gestern sind wir, ich weiß eigentlich garnicht warum, mal durch das angrenzende Industriegebiet gebummelt. Da waren wir noch nie, und wenn doch man genau hinschaut, gibt es auch dort Sehenswertes zu bestaunen. Die alten Lagerhallen zum Beispiel oder der schon fast historische Industriekran, oder die verfallenden Betonstraßenlaternen.

Aussicht von unserem Liegeplatz

Eigentlich wollten wir Gibraltar schnell hinter uns lassen, raus auf den Atlantik und rüber nach Lanzarote segeln, doch die Wellenvorhersagen halten uns davon ab. Das Tiefdruckgebiet, das die nächsten Tage Sturm nach Deutschland bringt, hat auf dem Atlantik im Bereich der Biskaya die Wellen mächtig aufgetürmt. Diese Wasserberge wandern jetzt südlich, wir müssten mit 4-5 Meter hohen Wellen von Mittwoch Abend an rechnen. Wollen oder müssen wir uns das wirklich antun? Die Antwort fällt ebenso knapp, wie eindeutig aus…

Der Affenfelsen

Neuer geplanter Abfahrtstag ist der Samstag, alle Wettermodelle sehen bisher verheißungsvoll aus, ist noch ein paar Tage bis dorthin und daher mit einer gewissen Unsicherheit verbunden. Bis dahin genießen wir die Annehmlichkeiten derQueensway Quay Marina. Immerhin haben wir von unserem Liegeplatz aus eine super Aussicht auf den Berg, oder besser gesagt „The Rock“, wie der Fels auch liebevoll genannt wird.

Veröffentlicht unter Leben an Bord | Schreibe einen Kommentar

Gegenstrom

Sonntag, 10. März 2019, Baro 1028, sonnig, Wind SW 2 – 3, auf See

In der Bucht von Gibraltar ist was los!

Erst um 10:50 hat der Wind soweit aufgefrischt, dass wir einen Segelversuch wagen können. Sechs Knoten aus 50 – 60 Grad reichen, damit die Hexe zumindest mit fünf Knoten Speed voran kommt. Und es ist plötzlich so schön still, nur die Heckwellen plätschern leise. Rechter Hand weichen jetzt langsam die schneebedeckten Gipfel der Sierra Nevada den niedrigeren Hügeln um Malaga.

Volker segelt, ich nutze die Ruhe, um noch ein Stündchen zu schlafen. Leider ist es danach mit dem Segeln vorbei, ich komme mir schon vor wie Sabine von der Atanga, die in ihrem Blog auf dem Weg von den Osterinseln nach Pitcairn auch am Tag 11 nur noch fragt: „Wo ist der Wind?“ (www.atanga.de).

Zum Frühstück gab es Rührei zu aufgebackenen Brötchen vom Davo-Bäcker aus Cartagena, sechs kleine Brötchen hatte ich gekauft, in der Tüte waren zehn, das ist dort immer so. Da man ja sonst nicht viel zu tun hat, habe ich zum Mittag kleine Empanadas gebacken, den Teig gab es fertig ausgerollt und zugeschnitten im Supermarkt. Ich bestreiche die Teigplätzchen mit einem Hauch Philadelphia und Pesto Genovese, habe aus Resten von Tomate, Zwiebeln und Hamburger eine kleine Salsa gekocht, ebenfalls eher sparsam darauf gegeben, die kleinen runden Fladen zu netten Halbmonden geformt, mit Eigelb bestrichen und ab in den Ofen. War eine leckere Zwischenmahlzeit, jetzt halten wir es bis heute Abend aus.

Nach dem Essen kommen wie heute Morgen die Delfine, diesmal sind sie in Spiellaune, es werden immer mehr, sicher 15 Tiere springen zwischen unseren Rümpfen hin und her, ehe sie sich nach knapp zehn Minuten wieder verabschieden. Es ist erstaunlich, welche Auswirkungen diese possierlichen Tiere haben, Unlust oder schlechte Laune sind sofort vergessen, mit einem breiten Lächeln im Gesicht schaut man ihnen zu. Kommen sie vorbei und bleiben ein bisschen, schon ist der Tag noch etwas schöner! Um !6:00 Uhr kommt schon wieder eine große Schule Delfine, sie springen und tanzen kurz mit dem Boot, dann verabschieden sie sich mit tollkühnen Schwüngen zwischen den Rümpfen, und weg sind sie.

Danach hatte ich mich noch einmal kurz hingelegt, und als ich wieder an Deck erscheine, meint Volker: „Sollen wir nicht vor Estepona ankern heute Nacht, bis 01:00 Uhr müssten wir dort sein?Dann müssen wir uns nicht noch eine Motor-Nacht um die Ohren schlagen, fahren morgen ausgeruht nach Gibraltar, schlafen dann noch eine ganze Nacht, dann machen wir uns auf die große Strecke.“ Klar, können wir machen, es gibt einen Ankerplatz nordöstlich von der Hafeneinfahrt, da wird es auch ruhig sein, heute Nacht kommt nur etwas Nordwind, aber dagegen sind wir dort gut geschützt. Zwanzig Grad abfallen, Wind ist sowieso keiner da, so kann die Fock ein bisschen mitziehen, wir haben nämlich Strömung gegenan.

18:15 Uhr: Schon wieder ein Kurzbesuch von bestimmt zehn Delfinen, zwei Minuten spielen, dann geht es weiter mit der Jagd nach Abendessen, vermute ich. Samy bekommt auch Abendessen, nachdem schon wieder so schön im Trampolin gekackt hat, und Pipi gemacht; wir sind nur nicht sicher, ob  er so raffiniert ist, dass er es auf mehrere Male verteilt, weil er weiß, dass er dann ein Leckerli bekommt, oder ob das halt so ist.

Sonnenuntergang auf See, sieht auch nicht viel anders aus der der Sonnenaufgang, sagt Allegra

Auch wir bekommen Abendessen, Filetsteak von Feinkost-Lidl Cartagena und Kartoffelpuree aus den Salzkartoffeln von gestern, dazu ein paar von den süßsauer eingelegten Zwiebeln vom Markt, lecker! Nur der versprochene Nordwind kommt nicht, und noch immer schiebt der Strom uns keineswegs, sondern verlangsamt unsere Fahrt. Die Idee des Ankerns vor Estepona haben wir aufgegeben, so wie das hier läuft würden wir nicht vor drei bis vier Uhr ankommen, und hätten morgen nochmal zwanzig Meilen mehr. So fahren wir doch die Nacht durch, sind morgen hoffentlich mit der ersten Morgendämmerung in Gibraltar. Dann schlafen wir uns eben dann aus, macht auch nix.

Veröffentlicht unter Logbuch | Schreibe einen Kommentar

Der vorerst letzte Tag im Mittelmeer?

Pünktlich, wie vorhergesagt, geht der Wind um 16:30 Uhr schlafen, von gut 13 auf 10 auf 6 Knoten, bis es nur noch zwei bis drei sind. Der Code D muss weg, und der Motor muss uns weiter schieben. Um 18:00 Uhr nehmen wir die alte Gewohnheit wieder auf, und trinken unser 0-Alkohol-Bier als Sundowner, diesmal zusammen mit Samy, der in Spiel- und Schmuselaune ist, auf dem Vorschiff. Danach gibt es Abendessen, klassisch deutsch heute, mit Schnitzel, Kartoffeln und Salat. Um 21:20 Uhr lege  ich mich hin, leider will der Schlaf sich nicht einstellen, also ruhe ich nur Augen und Rücken aus, und löse Volker um 23:00 Uhr wieder ab. Der hat zwischendurch mal einen Segelversuch gestartet, das ging ungefähr 15 Minuten gut, und auch jetzt schauen wir, ob der Wind mehr als sechs Knoten aus 65° zustande bringt, aber auch das dauert keine zehn Minuten. Bei zweieinhalb Knoten Wind segelt auch die schnellste Outremer nicht.

Gerade sind wir am Cabo de Gata vorbei gefahren, das Cap ähnelt wirklich einem Katzenkopf, aber bei Nacht kann man das natürlich nicht erkennen, wir wissen es von früheren Törns her. Der Leuchtturm vom Kap schickt alle vier Sekunden seine weißen oder roten Blitze aus, je nachdem aus welchem Winkel man es betrachtet. Die spanische Küste ist gut zu sehen mit all den Straßen- und sonstigen Lichtern. Über uns leuchten die Sterne vom wolkenlosen Nachthimmel, nur die schmale Sichel des zunehmenden Mondes hat sich leider schon wieder verabschiedet.

Da wir außer den großen beleuchteten Tankern, Frachtschiffen und Fähren keine Boote auf dem Wasser sehen würden, läuft natürlich das AIS, das einen Warnton erklingen lässt, wenn es ein Signal erhält, das in 12 Minuten näher als zwei Meilen zu unserer Schiffsposition wäre. Alle zehn Minuten macht das Radar zwanzig Umdrehungen, und würde ebenfalls warnen, wenn es ein Signal in der Überwachungszone feststellen müsste. Der Windmesser zeigt, 0,8 Knoten wahren Wind an, das ist gar nichts mehr.

Sonnenaufgang auf See

So geht es im Zwei-Stunden-Takt durch die Nacht, kurz vor sieben färbt sich der Himmel im Osten ganz rot, um halb acht geht die Sonne auf, und die Nacht ist um.

Delfine kommen vorbei, sind aber offensichtlich auf der Jagd, denn sie bleiben nicht lange, auch nicht die Mutter mit dem Kleinen.

Leider hat der neue Wetterbericht nicht mehr Wind gefunden, wir motoren weiter.

Schneebedeckte Berge im Hintergrund der Costa del Sol

Veröffentlicht unter Uncategorized | Schreibe einen Kommentar

Bei leichtem Wind

Wir sind tatsächlich wieder unterwegs! Nach vier Wochen Cartagena, mit der kurzen Unterbrechung eines Tagestörns mit unseren holländischen Freunden, haben wir heute Morgen um 10:00 Uhr abgelegt, bei leichtem Wind von achtern. Um 11:40  Uhr haben wir unseren lustigen Spinnaker gesetzt, und sogleich gleitet die Hexe übers flache Wasser. Bei acht Knoten Wind wenigstens mit fünf Knoten Fahrt, besser als motoren auf jeden Fall.

Der Windwinkel ändert sich und wird ungünstiger für das große Vorwindsegel, der Spi kommt weg, muss natürlich wieder gepackt, also vorbereitet werden fürs nächste Mal, das ist immer mein Kampf mit den 190 Quadratmetern, erst ordnen, dann eine Fünfzimmerwohnung in einen halben qm Sack einräumen!

Um 12:40 ist der Gennaker hochgezogen und ausgerollt, nun zieht er bei zehn Knoten Wind und beschleunigt die Hexe auf 7 – 8 Knoten Fahrt. Und das bei prallem Sonnenschein und glatter See, Segeln vom Feinsten.

Cartagena haben wir wieder einmal sehr genossen, im Zentrum kennen wir mittlerweile alle Gassen, wissen, wo man Nähmaschinennadeln kauft, welches der beste Bäcker ist, wo man die leckersten Oliven bekommt, wir kennen die besten Tapasbars und die nettesten Cafés. Mit Heike und Klaus von der Summer Morning war ich auf dem Markt einkaufen, am Vorabend waren wir mit den beiden und mit Jane und Michael aus Australien in verschiedenen Tapasbars unterwegs. Es war wie immer ein sehr netter Abend. Gestern Abend hatten wir zum Abschied Beate und Bernhard mit Sohn Alexander an Bord, mit gegrillten Hamburgern bleiben wir – hoffentlich – in guter Erinnerung. Wir werden uns bestimmt nochmal irgendwo auf der Welt treffen, vielleicht 2020 in der Karibik?

Nun sind wir also unterwegs Richtung Gibraltar, mal sehen, wie lange uns der Wind treu bleibt, heute Nacht soll es eher schwachwindig werden, wir schauen mal, wie weit wir kommen.

Veröffentlicht unter Logbuch | Schreibe einen Kommentar

Samba

Highly decorated

Alle bewegen sich im Sambaschritt, einige hundert Fuß-, bzw. Tanzgruppen, wie ein Lindwurm zieht sich der Karnevalsumzug durch die gesamte Innenstadt von Cartagena. Vier volle Stunden lang, wiegend zur Sambamusik, rechter Fuß vorwärts, linker Fuß vor, rechter Fuß nach rechts, linker Fuß nach links. Kinder, Eltern, ältere Semester, alle vereint im Sambaschritt, mit glamourösen Kostümen und einer für uns fast übermenschlichen Kondition, ein echter Tanzmarathon.

Bunte Karnevalshamburger

Wir schauen uns das bunte Treiben staunend an, gehen zwischendrin in ein Restaurant, um ein paar Tapas zu vertilgen und danach wieder zum Umzugsspektakel.  Die Straßenränder sind gesäumt mit Menschenmassen, Zuschauern, Verwandte und Freunde der Tänzerinnen und Tänzer und Touristen wie wir. Es ist Samstag Abend und die ganze Stadt ist auf den Beinen. Im Restaurant kommen zur Freude der Kellner leicht bekleidetet Tänzerinnen herein, die es schon bis zum Ende geschafft haben, dann verschwinden sie auf der Damentoilette und setzen sich anschließend in Jeans und Pullover zu ihrer Familien an den Tisch. Unsere Freunde aus Holland sind begeistert vom Karneval in Cartagena.

Der Hafenmeister von Hoorn auf dem Mittelmeer

Boris an der Pinne

Tagsüber waren wir ein paar Stündchen segelnd unterwegs und haben die weißen Tücher in den Wind gehalten, stellenweise konnten wir mit guten acht Knoten übers blau-silber schillernde Mittelmeer rauschen und dann war der Wind auch schon wieder weg, nix mehr mit segeln, absolut nada.

Die Hexe am Anker

Wir haben uns dann ankernd in die Cala Salitrona verzogen, das klare Wasser und die interessanten Felsformationen mit ihrem Querschnitt durch die Geschichte bewundert. Das Beiboot kam auch erstmals in 2019 zu seiner Geltung, ich bin mit Samy ans Ufer gerudert und durch einen Canyon gestiegen, bis es nicht mehr weiter ging. Von Land aus hatten wir einen schönen Blick auf die am Anker schwojende Hexe, Samy hat sich auf jeden Fall sehr über den Strandspaziergang gefreut.

Samy chillt mit Sommerschnitt

Die Cala Cortina mit Bandenden

Gestern war es soweit, wir haben Samy endlich einen frischen Sommerhaarschnitt verpasst, er fühlt sich sichtlich wohler und kratzt nun nicht mehr im alten, stellenweise verfilzten Winterfell rum. Und weil es so sonnig war, sind wir mit Grill, Strandstühlen, leckerem Essen und der Drohne zur Cala Cortina gewandert, bzw. ein Teil der Bemanning mit dem Auto gefahren.

Das erste Mal in 2019!

Im Windschatten war es so schön warm, dass auch erste Schritte ins kühle Nass gewagt wurden. Den Lotusgrill hatten wir mit, bald brutzelten leckere Bratwürste auf dem Grillrost. Mit leicht sonnengeröteten Gesichtern ging es am späten Nachmittag wieder zurück zum Schiff.

Karnevalsdeko

Abends sind wir noch einmal zu unserer Lieblingstapasbar in die Altstadt gepilgert, haben den zweiten Gang Tapas sitzen im Tambalache verbracht.

Morgennebel über Cartagena

Heute früh hieß es schon wieder Abschied nehmen. Es geht für unsere drei Freunde zurück nach Holland, mit ein paar touristischen Zwischenstops, diesmal auf der westlichen Route über Nordspanien am Atlantik vorbei.

Veröffentlicht unter Leben an Bord | Schreibe einen Kommentar

Gute Stimmung

Die Freunde sind da

Seit gestern sind sie da, über 2.200 Kilometer mit dem Auto liegen hinter ihnen und jetzt feiern wir zusammen ausgelassen unseren zweiten Abend an Bord. Die Rede ist von unseren langjährigen Freunden, dem Winterhafenmeister aus Hoorn, vom WSV Hoorn, nördlich von Amsterdam, die uns für 4-5 Tage hier in Cartagena besuchen. Die Idee, uns zu treffen, ist wohl relativ kurzfristig entstanden, obwohl 24 Stunden Autofahrt auch kein Pappenstiel sind. Wir freuen uns natürlich riesig und entsprechend enthusiastisch fiel das Wiedersehen mit Gre, Kees und Boris aus. Wir kennen uns jetzt mehr als 20 Jahre und haben uns seit zwei Jahren nicht mehr gesehen. Nach einem späten Grill-Abend  haben wir gestern noch ein bisschen die Altstadt von Cartagena unsicher gemacht und ein paar Mal auf unser Wiedersehen angestossen.

Oliven am Markt

Heute früh schien die Sonne für unsere holländischen Freunde (und uns) und die Temperaturen kletterten so schnell nach oben, dass wir ein ausgiebiges Frühstück im Cockpit geniessen konnten. Windmäßig war in den frühen Tagesstunden absolut nicht los und darum gingen Gre, Cornelia und ich erstmal zum lokalen Markt, um lecker einzukaufen. Lammkoteletts, Rosenkohl, Oliven und schöne große dunkelrote Erdbeeren wanderten in den mitgebrachten Rucksack.

Nebel am Hafen

Leider hat sich zum Nachmittag  hin das Wetter verschlechtert, Seenebel zog auf und ein kühler Wind wehte vom Meer her.

Den Plan, gemeinsam in eine schöne Badebucht zu gehen, warfen wir schnell über den Haufen und entschieden uns dazu, gemeinsam dem römischen Museum einen Besuch abzustatten. Bilder sprechen hier mehr als Worte, ich glaube, es gibt keinen Ort zwischen Italien und Gibraltar, an dem die alten Römer nicht gewesen sind. Trotzdem beeindruckend, was die italienischen Vorfahren alles so gebaut, respektive architektonisch hinterlassen haben.

Teatro Romano

The actors on stage

Kees und Cornelia auf der Rolltreppe

Abends fanden die leckeren Lammkoteletts ihren Weg auf den Grill, dazu gab es Bohnen, Rosenkohl und Kartoffelpüree. und ich will mich ja nicht selbst loben, aber es war soooo lecker.

Die ganze Runde

Morgen werden wir ein paar Stündchen segeln gehen, abends bummeln wir dann zum großen Karnevalsumzug in die Innenstadt. Den kennen wir von früher her und freuen uns schon jetzt auf die große stundenlange Parade der unzählig vielen Karnevalsgruppen.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Schreibe einen Kommentar