Nach Norden, Tag 2 und 3

Volker hat ja gestern schon geschrieben, aber der Vollständigkeit halber stelle ich für den Tag 2 auch mein Logbuch in unseren Blog.

Mittwoch, 28. Mai 2025, Tag 2 auf See
Baro 1027, wolkig, Wind nachts bis 24, am Vormittag um 18 Knoten NNO
Etmal 11:00 232 sm (!)

Da lag ich doch um 00:30 in schönstem Tiefschlaf, als Volker  mich sehr eindringlich aufforderte, wach zu werden. „Um uns herum sind lauter Lichter, was soll das?“ Weder im AIS noch im Radar war davon etwas zu sehen. Klar, die Empfindlichkeit vom Radar hatte ich herunter gestellt wegen des Echos der zahlreichen hohen Wellen, sonst hätte keiner von uns hier ein Auge zugetan, wenn der Alarm dauernd gepiepst hätte. So aber piepste es nur manchmal ohne Grund. Aber die Lichter warfen offensichtlich nicht genug Echo ab. Es war gespenstisch! Wir standen oben am Steuerrad, und rings herum blinkte es. „Das ist ein treibendes Fischernetz“, sagte Volker, „aber wo ist der Fischer hin?“ Tatsächlich war im 100 Meilen Umkreis kein AIS-Signal sichtbar. „Wir müssen da jetzt durch, das ist kilometerlang!“ Mit angehaltenem Atem fahren wir weiter, und glücklicherweise ist nichts passiert, aber das war ein schöner Schreck.

Der Rest der Nacht ist unspektakulär, mal ein bisschen ein-, dann wieder ein bisschen ausreffen. Am frühen Morgen entdeckt Volker bei einem Kontrollblick eine ganze Herde Delfine, sie spielen mit dem Boot.

Bei uns herrscht die normale Bordroutine, Logbuch schreiben, dank Starlink können wir Wetterberichte abholen, denn mein Kontakt über die Kurzwelle zu Intermar hat heute morgen leider gar nicht funktioniert. Ich versuche mich daran, wegen der fehlenden Daten über wahren Wind und Kurs diese zu errechnen, aber die Seiten im Internet sind entweder zu lasch, oder hochkompliziert, zumindest für mich, da ich die höheren Weihen der Mathematik lieber gegen musikalische oder Bühnenwerke eingetauscht habe. Aber es ärgert mich doch ein bisschen, dass ich das nicht kapiere.

Um 15:30 wird Reff 2 ausgeschüttet, auch die Genua hat nur noch ein Reff, die Wellen haben sich beruhigt und weisen nur noch eine Höhe von ca. 1,5 m auf.

Zum Abendessen gibt es Wraps, sehr sehr lecker, nur relativ schwierig zu essen, selbst bei ruhiger Fahrt.

Delfine

Donnerstag, 29. Mai 2025, auf See
Baro 1022, bewölkt, Wind N 6-8 Knoten, die See glatt
Etmal 12:00 154 sm

01:30 auch Reff 1 ist ausgeschüttet. Kurs 346 Grad
02:37 Motoren an, der Wind ist weg

Nachdem um 02:37 der Motoren angeschaltet war, verlief die Nacht ruhig, die Wellen sind komplett runtergegangen, und es wackelt fast nicht mehr. Das ist zwar ganz angenehm so für die Bewegung an Bord, aber wir sind ja nun ein Segelboot, und fahren unter Segeln auch deutlich schneller als mit dem Motor. Heute Abend soll der Wind auf Südwest drehen und sich langsam stabilisieren.

Im Gegensatz zu meinem frustrierenden Lernerfolg gestern mit Sinus und Cosinus für die Berechnung des wahren Windes, habe ich heute ein Erfolgserlebnis gehabt. An einigen Stellen in der Seekarte war die Detail-Ansicht gar gruselig, bunt, mit Rasterpunkten und damit völlig unübersichtlich. Und das zeigte sich nur an manchen Stellen. Es hat mich ganz wuschig gemacht. Nach längeren Recherchen habe ich endlich herausgefunden, dass man es abstellen kann, es ist ein besonderes Feature, an manchen Stellen ist der Meeresgrund so gut kartographiert, dass man es darstellen kann. Aber, herrje, darauf will ich verzichten!

Um 11:30 wird das Großsegel geborgen, der Kurs, der uns am schnellsten zum Wind führen soll, geht genau gegenan, da bringt das Segel nichts, und schlägt nur bei den kleinsten Abweichungen.

Es dauert nicht lange, nach 15 Uhr ziehen Großsegel und Genua uns gen Norden, nach 16 Uhr kommt der Code Zero mal wieder an die frische Luft, der Windwinkel hat sich so geändert dass wir damit Kurs 360 Grad fahren können. Denn der Wind hat glücklicherweise doch wieder aufgefrischt, wir haben ca. 11 Knoten scheinbaren Wind aus 50 – 60 Grad, da ist diese Besegelung gerade richtig. Nach eingehendem Studium des neuen Wetterberichts werden wir das Leichtwindsegel auch – entgegen unserer Gewohnheit – nachts stehen lassen, damit wir ein bisschen voran kommen. Immerhin sind wir seit Lanzarote 10 Grad weiter im Norden gesegelt.

Heute gab es Schnitzel mit Kartoffeln und Blumenkohl mit Hollandaise Sauce, nun geht es wieder in den Bords-Schlaf-Rhythmus. Bis morgen!

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Vorerst entschieden

Heute überlasst die Capitania mal wieder mir die Computertastatur, damit ich meine Gedanken zu Papier oder besser gesagt, zu Bildschirm, bringen kann. Erstmal eine kurze Zusammenfassung der letzten Nacht: zwei Wörter würden reichen, bäng bäng.

Hohe Wellen, kombiniert mit viel Wind, dazu der Kurs, haben doch zu einigen unsanften Aufschlägen der Rümpfe auf dem Wasser und zu einer verkürzten Nachtruhe geführt. Seit dem wolkenverhangenen Tagesanbruch segeln wir, weiterhin im 2. Reff, hoch am Wind.

So richtig Spaß macht das auch nicht, doch wir bewegen uns in die gewünschte Richtung, hin zum Tiefdruckgebiet, das weiter nordwärts auf uns wartet. Das soll uns dann planmäßig in Richtung Festland Europa, irgendwo zwischen A Coruña und Brest bringen. Dazwischen gibt es eine Flautenzone, die wir durchmotoren werden, und dann noch ein weiteres kleines Tief weiter nördlich. 

Kleiner Zeitsprung zurück! Vorgestern habe ich mit Wes noch einen gründlichen Mastcheck durchgeführt. Ich bin den Mast hoch, habe alle Beschläge, Terminals, Wanten und Verstagungen inspiziert und fotografiert. Danach haben wir uns die hochaufgelösten Bilder zusammen am großen Computerbildschirm angeschaut. Fazit, es gibt nix zu beanstanden, wir können glücklicherweise auf große Fahrt gehen. Klar gilt eine Mastinspektion immer nur für den Moment wider, in dem sie ausgeführt wird. Risse oder kleine Brüche durch Überlastung oder Materialfehler können schon beim nächsten Segeln entstehen, doch es beruhigt erstmal ungemein, wenn man nix Auffälliges findet. 

Solche hübschen Schuhchen bräuchten wir für die Logge

Danach haben wir noch die Ankerwinsch zerlegt und gereinigt. Alles ist soweit technisch top in Ordnung an Bord. Obwohl, es ist ja immer was. Heute früh fällt plötzlich die Logge aus und zeigt keine Geschwindigkeit durchs mehr Wasser an. Damit fällt auch der wahre Windwinkel und die wahre Windgeschwindigkeit weg, weil das nun die Elektronik nicht mehr berechnen kann. Aber es stört uns nicht. So einen Schnickschnack hatten wir früher auch nicht an Bord, das hält uns daher nicht vom Weitersegeln ab. On Top, eine Ersatzlogge haben wir dabei, nur nicht die richtigen kleinen Kabelschuhe. Man kann ja nun auch wirklich nicht jeden Mist mit sich rumschleppen, oder?

Jetzt sieht es so aus, als ob wir gleich das 2. Reff ausschütten können, wie der Segler so schön sagt, der Wind lässt wie vorhergesehen etwas nach. Zum Ende der kommenden Nacht wird gewendet werden, dann liegt Nordost-Kurs an. Insgesamt werden wir wohl weitere 6-7 Tage segeln, bis wir wieder festes Land unter die Füße bekommen werden.

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Mit neuem Draht auf zu anderen Küsten

Dienstag, 27. Mai 2025
Calheta 11:10
Baro 1023, Sonne-Wolken-Mix, Wind im Süden um 9 Knoten, am westlichen Ende bis 35 Knoten, nach der Accelleration Zone um 20 Knoten, die See ca. 2,5 – 3 m
Motorstunden links 1088, rechts 1093, Logge (sie geht wieder, Hurra!) 7095 nm

Heute werden uns Wes und Roisin verlassen, sie müssen zurück nach Lanzarote, es gibt noch einiges an ihrem Katamaran „Time“ zu tun, bevor auch sie auf große Segelreisen starten können. 

Als erstes wird der nahe gelegene Pingo Doce geplündert, mit dem gut gefüllten Einkaufswagen fahren wir bis vor das Boot. Der Tiefkühler ist jetzt proppevoll, da geht gar nichts mehr rein, der Kühlschrank ebenso, und draußen, in unserer Gemüse-Backskiste stapeln sich Kartoffeln, Zwiebeln, weiße Rüben, Blumenkohl, Lauch, Kürbis, Blumenkohl etc. sowie unempfindlicheren Obstsorten wie Äpfel, Birnen, Orangen und Zitronen.

Die Hexe bekommt auch Proviant in Form von Diesel, und um 11:11 Uhr legen wir ab. 

In Lee der Insel herrscht ein zarter achterlicher Wind, doch als wir an das westliche Kap kommen, sieht Volker schon die „weißen Pferdchen“, aber diesmal sind es eher große Rösser, die da aus dem Wasser steigen. Die Wellen haben dort sicher 3,5 m Höhe, und der Wind frischt auf, in Böen bis zu 35 Knoten. Volker hat vorsichtshalber das Großsegel nur bis Reff 2 hochgezogen, die Genua ist bei dem stärksten Wind in Reff 4, und die Hexe tanzt mit 9 Knoten auf den Wellen.

Alles ist soweit gesichert an Bord, der Wassersprudler in Decken eingepackt, die Kaffeemaschine an einem sicheren Platz, alle Schranktüren und die Schubladen sind verriegelt. Nur, warum ich gestern noch die Glastüren im Cockpit geputzt habe, weiß ich auch nicht, da kam doch gleich  die Spray von so ein paar vorwitzigen Wellen herein, obwohl Volker schon vorausschauend das Cockpitzelt in Luv verschlossen hat.

Frühstück gibt es unter diesen Umständen aus der Hand, das Ei konnte ich gerade noch vorher kochen, Kaffee gab es morgens schon mit Wes und Roisin. 

!5:00 Uhr: Der Wind hat nachgelassen und bläst nur noch mit 15-19 Knoten aus NNO, die Genua wurde etwas ausgerefft und wir konnten ein bisschen anluven. Unser Wunschziel ist nämlich nicht mehr Santa Maria auf den Azoren, wir wollen versuchen, doch zum Englischen Kanal hochzukommen, solange der Wind noch halbwegs gut in die Richtung bläst. 

Jetzt ist schon viel angenehmer als unmittelbar bei der Insel, aber die Hexe tanzt doch noch wild übers Meer. Am Ende habe ich dann so viele blaue Flecken, dass es aussieht, als habe mich ein Dilettant tätowiert. Der Wind bewegt sich immer zwischen 15 und 24 Knoten, die Genua wird zwei Umdrehung ein- und wieder ausgerefft, aber trotz der Wellen sind wir schnell unterwegs, auf der Logge stehen nach zehneinhalb Stunden 94 sm!

Zum Abendessen gibt es heute Carbonara, das geht am einfachsten zu kochen für Volker auf diesem Rodeo-Kahn hier. Das Bett ist  bereitet, also der Tisch im Salon abgesenkt, mit Polstern gefüllt, hier werden wir mit Unterbrechungen die Nacht verbringen. Ab morgen Nachmittag soll es etwas ruhiger sein, wir werden sehen!

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Der Austausch

Früh ging es Sonntag Morgen los. Gestern sind Wes und Roisin mit dem neuen Draht und einem ganzen Koffer voller Werkzeuge hier angekommen.

Um 07:30 war die Nacht zu Ende, die mitgebrachten und an Bord vorhandenen Werkzeuge wurden ausgepackt und auf dem Cockpit-Tisch ausgebreitet. Es gab noch schnell einen Café, und schon ging es los. Volker und Wes haben alles an Bord vorbereitet, um den Draht am Martingal auszutauschen. Zunächst wurde alle Spannung von dem Martingal genommen, die Dirk gelöst, lose auf die Fockschoten gegeben und die Hauptwanten soweit gelöst, bis absolut keine Spannung mehr auf dem Vorstag war.

Mit Ruhe und viel Akribie wurde dann der kaputte Draht ausgebaut, dabei alle Schrauben usw. gesichert vor dem Sturz ins kalte Wasser. Wes arbeitete von oben an Bord, und Volker von unten im Dinghy. An der Backbordseite musste die Befestigung am Gewindespanner abgeschraubt werden, an Steuerbord – klug erdacht vom Hersteller Sparcraft – war in dem Bolzen, der das Auge des Terminals hält, ein Gewinde eingedreht. Dort konnten wir die 8mm-Schraube mit  Kontermutter lösen, danach wurde mithilfe von Holzkeilen Stück für Stück den Haltebolzen rausgedreht.

Dann wurde der neue Draht angebracht, der statt dem alten Runddraht 1×19 jetzt aus Dyform 1×25 besteht, und dadurch mindestens 30 Prozent mehr Last aushalten kann. Der Rest war dann fast schon wieder Kür, den neuen Draht und die Wanten wieder spannen, die Sicherungssplinte einsetzten und fertig ist die Laube. 

Gott und Wes sei Dank, endlich sind wir wieder segelklar, hurra! Um 11 Uhr war der ganze Zauber vorbei! Alles passte, und uns allen vielen mehrere Wackersteine von den Nerven, alles hatte geklappt! In sensationell, kurzer Zeit war die Hexe wieder bereit für neue Segelreisen. 

Unser ganz großer Dank gilt Wes und Roisin für ihren unglaublichen Einsatz, und auch Danilo und seiner Riggfirma  „Nordest“ aus Teneriffa für die großartige Arbeit bei der Herstellung des Drahtes.

Heute Abend gibt es Champagne Sunday!

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Wieder in Calheta

Heute verlassen wir unseren schönen Ankerplatz an der Praia Formosa.Die schrecklichen Bässe der Musik vom ersten Abend waren glücklicherweise  um 23 Uhr vorbei, und seitdem war abends auch nichts mehr los an musikalischen Darbietungen in den Hotels des Ortes. Oder sie waren so leise, dass wir das nicht bis zu unserem Ankerplatz gehört haben.

Der Ort Camara de Lobos ist wunderhübsch und schön dekoriert, mit einem kleinen Hafen für die lokalen Fischerboote. Und die Jungs des Ortes lieben es anscheinend, an der Einfahrt zum Hafen Fußball zu spielen oder auch fünf Meter ins tiefe Wasser zu springen. Der Fußball in unserem Boot hatte es einigen sehr angetan, Volker hat ihnen dann auch erlaubt, ihn zu nehmen und anschließend wieder ins Boot zu legen. Das hat – trotz einiger Bedenken des Skippers –  gut geklappt. Als wir zurück kamen, lag der Ball im Boot, aber es war auch ziemlich nass, weil die Jungs sich einen Spaß gemacht haben, immer wieder rein zu steigen.

Wir waren derweil im Pingo Doce, dem portugiesischen Supermarkt, einkaufen, haben in einem der schönen Cafés am Hafen einen solchen getrunken, und dem Anfang eines Gottesdienstes in der kleinen, mehr als gut gefüllten Kirche (so mancher Pfarrer in Deutschland würde sich glücklich schätzen), von außen zuschauend beigewohnt. Die Kirchentür stand weit offen für alle.

Nachdem wir am Donnerstag an diesem Ankerplatz angekommen waren, wurden wieder ein paar Punkte von der To-Do-Liste abgearbeitet. Ich habe endlich die neue Tasche für die Segellatten fertig genäht, mit mehreren Anläufen, aber jetzt passt es. Auch kleine Häubchen für die Weingläser habe ich genäht, damit wir bei dem nächsten ruppigen Törn nicht wieder einige zerdeppern. Volker hat derweil am, über und unter dem Boot geputzt, gewienert und poliert, und noch ein paar abgeplatzte Stellen mit Gelcoat ausgebessert, wir waren sehr fleißig!

Jetzt sind wir in Calheta Marina warten wir auf Wes und Roisin, die  heute morgen mit ganz viel Werkzeug von Lanzarote nach Teneriffa geflogen sind, dort den neuen Draht für unser Martingal abgeholt, am Nachmittag das nächste Flugzeug nach Madeira bestiegen haben. Morgen soll das kaputte Teil ausgetauscht werden, wir berichten im nächsten „Hexenbrief“.

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An der Ostspitze Madeiras

Nun haben wir drei Tage in der ruhigen Bucht von São Lourenço verbracht, hier haben uns keine lauten Fischerboote morgens um halb sieben aus dem Schlaf geschmissen, nur der Wind hat in den letzten zwei Nächten gepfiffen. So still die Bucht anfänglich hier lag, ab Montag Abend kam der Wind und die Böen erreichten zeitweilig bis zu 24 Knoten. Aber der Anker hat brav gehalten, und heute Morgen dauerte es eine ganze Weile, bis wir – gegen den Wind – die 60 Meter Kette wieder eingeholt hatten.

Am Sonntag hat Volker das Beiboot mal alleine eingefahren, es war ja nun schon lange nicht mehr aktiv gewesen. Um 17:30 Uhr war der Anker fest im Grund und Volker nutzte die Zeit bis zu Abend für einen kleinen Ausflug entlang der Küste. Vom Boot aus kann man die lange Menschenkette sehen, die ab dem frühen Morgen über den Bergrücken bis zu dem Miradouro do Furada läuft. Es gibt die moderate Variante, 4,3 km lang 225 m Höhendifferenz, die wohl in anderthalb Stunden angeblich zu bewältigen wäre. Die alternative Variante hingegen hat 1200 Höhenmeter und eine Länge von 11 km, geschätzte Gehzeit ca. 5 Stunden. 

Am Montag stand ein größerer Ausflug auf dem Plan. Im Badeanzug, ausgerüstet mit Brille und Schnorchel fuhren wir los Richtung Leuchtturm „Farol da Ponta de São Lourenço“. Auf dem Weg gab es zahlreiche Höhlen zu bestaunen, und die beeindruckenden Felsformationen der steinigen Küste luden zum Fotografieren ein.

Der Leuchtturm steht auf einer eigenen kleinen Insel, zugänglich – eigentlich gar nicht – aber es gibt Treppen aus einer kleinen Höhle heraus, hier wurden anscheinend früher die Leuchtturmwärter abgeliefert und abgeholt, bei den neueren Reparaturen wurden Hubschrauber eingesetzt. Mit diesem Turm erhielt Madeira 1870 sein erstes Leuchtfeuer. 1983 wurde der Leuchtturm automatisiert, und der Wärter überflüssig, und seit 2000 kommt der nötige Strom as Solarenergie.

Nun gab es doch in der kleinen Höhle Stufen vom Wasser bis zu den Gebäuden oben, und Volker wäre ja nicht der, der er ist, wenn er da nicht unbedingt auch hinaufgehen würde. Der Ausstieg aus dem Gummiboot war nicht so einfach, die Stufen sind glitschig, und man kann ja nicht einfach da anlegen, sondern muss versuchen, das Beiboot so lange wie möglich in einer ufernahen, aber nicht daran reibenden Position zu halten. Aber der Ausstieg war geschafft, nun musste ich dort zwanzig Minuten Kreise fahren, bis Volker die vielen Stufen wieder hinunterkam, mit zahlreichen Fotos und Filmen auf dem Handy.

Die Rundsicht vom Leuchtturm aus

Auf dem Rückweg wollte er gerne auf der anderen Seite der Bucht in eine kleinere Höhle hinein schwimmen, weil er vermutet, dass sich nach links noch ein ansonsten nicht einschaubarer Höhlenteil fortsetzt. Also ankern wir kurz davor, er steigt mit Maske und Schnorchel bewaffnet aus, kehrt aber ganz schnell wieder um, weil es da unter ihm von Quallen nur so wimmelt. Und in der dunklen Höhle würde er die ja kaum sehen können. In der nahen Marina Quinta do Lorde schwammen so viele portugiesische Galeeren rum, da wird man doch gleich ein bisschen misstrauisch.

Die Tage gingen doch schnell vorbei, Volker hat noch ein paar kleine Stellen am Gelcoat ausgebessert, ich habe genäht, und am Abend konnten wir dank Starlink einfach Filme schauen.

Jetzt ankern wir vor Praia Formosa in der Nähe von Câmara de Lobos, der Wind, der heute Morgen an der Ostspitze Madeiras mehr als kräftig wehte, vist öllig verschwunden, und auch das Meer sieht aus wie ein Binnensee.

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Positiv …

… gestimmt sind wir seit gestern in der Hinsicht, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis wir wieder startklar sein werden, und zu neuen, oder altbekannten Horizonten mit unserer Hexe aufbrechen können. Alle haben sich mächtig ins Zeug gelegt und eigentlich könnten wir drei neue Drähte in den nächsten acht Tagen auf Madeira haben, um den gebrochenen Draht zu ersetzten. Miguel und Francesco waren so hilfsbereit seit unserer Ankunft und haben hier eine Firma auf Madeira aktiviert, die einen neuen Draht pressen könnte, die Materialien würden von Festland-Portugal kommen. 

Outremer, sowohl Maud Aleci als auch Christoph Commard, sind sofort in die Bresche gesprungen und haben einen Draht beim original Hersteller, dem Mastenbauer in Frankreich, der Firma Sparcraft, organisiert.

Und last but not least hat unser Freund Wes von Lanzarote mit einem Rigger auf den Kanaren Kontakt aufgenommen, der einen neuen und stärkeren Dyformdraht, mit 25 statt 19 Einzeldrähten, in Spanien bestellt hat, der dann bei dem Rigger in Teneriffa gepresst wird. Dort will Wes ihn am Donnerstag abholen.

Klar, wir brauchen keine drei Drähte, die ja auch ein paar Euros kosten werden. Aber um ganz sicher zu sein, dass nix schief geht mit der Lieferkette, haben wir uns, rein zur Sicherheit für zwei Lösungen parallel entschieden und hoffen damit auf der berühmten sicheren Seite zu sein. Das Original von Spacraft über Outremer und die Lösung aus Teneriffa haben wir ausgewählt.

Da liegt die Hexe (danke für das Photo an Beate und Dieter)

Bis zum Ende der nächsten Woche „müssen“ wir uns dann irgendwie auf der schönen Ferieninsel Madeira die Zeit, segelfrei, vertreiben.

Wir haben uns dazu erstmal in den Arbeitsmodus begeben. Der aufmerksame Leser kennt es schon; wir polieren und wachsen alles, was aus Edelstahl und Gelcoat ist, Cornelia hat den Salon massiv aufgeräumt, geputzt und ausgemistet, die Rümpfe sind ebenfalls perfekt aufgeräumt worden. Aßen ist das Teak  außen mit Holzschutzmittel eingepinselt, das Dinghy vom Lanzarotestaub befreit, die Füllstände der Motoren sind kontrolliert, die Starlinkantenne hat eine hübsche neue Abdeckung genäht bekommen, zwei kleine Stellen am Cockpitzelt sind nachgebessert, und die dazugehörigen Haltegummis wurden ausgetauscht. Weitere Arbeiten werden folgen.

Aber abgesehen von der Arbeit haben wir es hier doch sehr nett. Wir haben die Bekanntschaft mit Dieter und seiner lieben Frau Beate gemacht, beides Saarländer, sehr sympathisch. Dieter ist sogar wie ich in Völklingen geboren, was für ein netter Zufall. (Und sie haben den halben Abend darüber gesprochen, wo sie damals in welchen Kneipen und Discos waren, und wer wen aus dem Segelclub kennt, usw., da war ich erstmal außen vor!)

Der Soßenkoch am Werk

Was liegt doch nichts näher, als heute Abend saarländisch für uns vier zu kochen. Es gibt gefüllte Knödel, mit dunkler Bratensauce und einer Speck-Sahnesauce. Dazu gibt es Sauerkraut, das die beiden dazu beisteuern werden. Das wird ein Fest für die saarländischen Gaumen, und die Frankfurter Capitania, leider nicht der größte Fan von diesem Gericht,   findet es dennoch in Ordnung. Da muss sie jetzt durch, die saarländische Küche ist schon große Klasse, einfach mal die leckeren Gerichte, wie Dibbelabbes, gefüllte Knödel oder Geheiratete ausprobieren. Das Internet hilft bei den Rezepten weiter.

Neben all den beschriebenen Jobs am Boot haben wir gestern eine kurze Dinghytour zu den Wasserfällen gemacht, die uns von See aus bei der Hinfahrt an der Küste aufgefallen sind. Der Dinghyanker hielt das Beiboot fest am Grund, ab ging es ins Wasser, dann noch über ein paar Steine kraxeln und schwupp stand ich unterm Wasserfall, der sich prasselnd und kühl auf mich ergoss. Was für ein schönes Ereignis! Das hatte ich so zum letzten Mal in der Karibik. Nach einiger Zeit kletterte ich zurück. Vorsichtig stieg ich in die Brandungszone, da sind schon Wellen!, und schwamm zurück zur wartenden Capitania mit Beiboot, die fleißig den Ausflug fotografiert hat.

Wir wünschen allen ein schönes Wochenende!

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Das Martingal

Montag, 12. Mai 2025

08:30 Uhr Volker will das Boot vom Salz befreien und geht nach vorne mit dem Schlauch. Ich höre drinnen nur ein leises „Nein“, und weiß, da kommt irgendetwas ganz Schlimmes! Wenn es nur eine kleine Katastrophe ist, schreit er ganz laut und entsetzt „NEIIIIN“, aber diesmal war es wirklich nur ein „Oh nein“.

An dem  Metalldraht am „Martingal“ (Volker nennt das so), sind zwei Metallstränge von insgesamt 19 gebrochen. Die Arbeitsweise dieser Verspannung in Verbindung mit dem Draht und der Traverse ist ähnlich der einer Brückenkonstruktion. Der Draht läuft über einen erhöhten Pylon und dieser Pylon drückt durch den Druck und die Spannung des Drahtes die darunter liegende Traverse nach unten. Das wirkt den Zugkräften von Gennaker, Genua und anderen Vorsegeln entgegen. Die Traverse stabilisiert zudem noch die weit entfernten Bugs.

Wie das passieren konnte? Wir wissen es nicht. Klar, gestern gab es Wellen und Wind, aber es waren keine fünf Meter hohen Monsterwellen, und es war nur ein Wind von nicht mehr als sechs Beaufort. Und wir waren im 2. Reff im Großsegel, und die Genua im 3. Das Boot ging hoch und runter, ist aber in kein Wellental gekracht. Eventuell kann man von einem Materialversagen des Drahtes sprechen.

Egal wie…

Zuerst muss entschieden werden, wo wir jetzt hinfahren, wir sind ja schon weit draußen auf dem Atlantik. Denn dass wir mit dem Schaden am Draht unsere Reise wie geplant fortsetzen können, daran ist gar kein Gedanke zu verschwenden. Zuerst muss das repariert werden, das steht fest. Fahren wir nach Lagos an der portugiesischen Algarve oder zurück nach Lanzarote? Beide Strecken sind fast gleich lang. Oder vielleicht doch nur bis Madeira? Madeira und Lanzarote haben den Vorteil, dass wir mit achterlichem Wind fahren, das bringt weniger Druck auf die Struktur als ein Halbwindkurs Richtung Lagos. Obwohl das natürlich gut wäre, es ist nicht so weit von Outremer entfernt, sodass benötigte Ersatzteile einfacher geliefert werden könnten. Und es wäre kein Zurück, nur ein „Anderswohin“.

Inzwischen sind wir aber doch zurück auf dem Weg nach Madeira, wir haben den Mast mit Fallen nach Backbord und nach Steuerbord verspannt, und nun motorsegeln wir mit dem Großsegel bei achterlichem Wind vorsichtig wieder nach Süden. Welche Marina es wird, Calheta oder wieder  Quinta do Lorde, wird sich in der nächsten Stunde herausstellen, Freund Uli kennt einen Mechaniker auf Madeira, der sich unseres Sorgenkindes annehmen will.

Nun hatte ich bis heute morgen gedacht, „Jetzt haben wir den ersten und anstrengendsten Teil unserer Reise hinter uns, jetzt kommt die Kür.“ Die Nacht war gut, wir sind schön gesegelt, und nun wird paar Stunden mit Motor gefahren, dann geht es ganz wunderbar mit halbem Wind auf A Coruña zu. Wir haben schon gemutmaßt, ob es vielleicht doch gleich weitergehen könnte, Richtung Concarneau. Nee, das waren nur Schimären!

Jetzt fahren wir nach Calheta, dort konnte ich einen Platz reservieren, Miguel wird kommen, und Wes und hoffentlich auch die fehlenden Teile von Outremer. Madeira ist ja schön, aber ewig wollen wir auch nicht dort bleiben. Mal sehen, was die Tage so bringen!

Also liebe Hexenblogfans, drückt bitte ganz fest die Daumen, dass jemand den passenden Draht, die passenden Walzterminals und eine starke hydraulische Pressmaschine auf Madeira hat, ansonsten haben wir ein echtes Problem.

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Adieu Madeira!

Der perfekte Regenbogen

Sonntag (Muttertag) 11. Mai 2025

Leider hatte der Wetterbericht von heute  morgen keine Anstalten gemacht, uns mit besseren Aussichten zu versorgen, aber wir wagen es trotzdem, wir lösen die Leinen für die Überfahrt zum Festland Europa. Zwischendurch werden wir wohl durch Flautenlöcher motoren müssen, danach winkt ein angenehmerer Nordwestwind. Am Anfang allerdings wird es nicht so schön, wir werden bei stärkerem Wind ein großes Stück Richtung NNW halten müssen, statt auf Kurs nach Nordosten zu fahren.

Was der Wetterbericht aber nicht vorausgesagt hat, waren 25 Knoten Wind und drei Meter hohe, kurze kabbelige Wellen. Es ist uns in all der Zeit, seit wir auf dem Katamaran segeln, noch nie passiert, dass die kleine DeLonghi Kaffeemaschine umgefallen ist, aber heute haben die Wellen das geschafft.

***

Doch von Anfang an:
Gestern hatten wir noch einen schönen Abend mit Johann und Christine von der schönen Fountaine Pajot verbracht, am Abend vorher waren es Uli und Alex von der Calypso, wir haben eine Französisch-Schweizer Familie kennengelernt, die uns auf einen Drink in ihr Appartement eingeladen haben, es fühlte sich schon fast an wie in Puerto Calero, wo man fast jeden kennt.

Madeira hat uns wieder gut gefallen. Die Mädels im Hafenbüro sind einfach nur klasse, sie begrüßen – wie eigentlich alle auf den portugiesischen Inseln – jeden mit einem lächelnden „Guten Tag, wie geht es?“ Und wenn man etwas wissen will, braucht oder nur so, man bekommt immer eine nette Auskunft, und sie sind sehr hilfsbereit. Wenn ich nur daran denke, dass ich für Lukasz ein Leihauto bestellen konnte, ohne dass wir überhaupt in den Hafen kommen wollten!

Aber schließlich sind wir ja doch in der Marina Quinta do Lorde gelandet, und weil das Auto ja für zwei Tage bezahlt war, haben wir es nach Lukasz’s Abflug übernommen, und noch einen Großeinkauf im Continente gemacht, damit wir ausreichend für die Überfahrt versorgt sein werden. Am Abend sind wir zu einem Restaurant oberhalb von dem Nachbarort „Machico“ gefahren, dem Restaurant „O Forno“, auf Deutsch „Der Ofen“. Das war eine gute Wahl, denn dort waren nur portugiesische Gäste, im Innenraum gab es karierte Tischdecken, wie früher im Elsass in den einschlägigen Kneipen, wir saßen in einer Art Wintergarten mit blanken Tischen und einem sensationellem Blick über die Bucht und die See.

Volker hatte sich Grillhähnchen bestellt, „Frango“ auf portugiesisch, und ich wollte die hiesige Variante von Fish and Chips probieren. Vorher gab es noch „Pao com Alho“, Knoblauchbrot, aber das war lecker! Das war ein richtiger Brotteig, als Fladen über dem Holzfeuer gebacken, aufgeschnitten und mit reichlich Knoblauch und Olivenöl gefüllt, delikat.

Dann wurde ein riesiger Metallarm an unserem Tisch festgeschraubt, und wir waren schon sehr gespannt. Tatsächlich wurde daran ein Spieß mit Hähnchenteilen aufgehängt, noch ein bisschen Butter über die heißen Fleischstücke geträufelt und es schmeckte so lecker. Auch mein panierter Fisch war das Beste, was ich an Fisch in dieser Form gegessen habe, es war nicht nur einfach so paniert, sondern mit vielen Kräutern, Gewürzen, wiederum reichlich Knoblauch und Olivenöl dazu, einfach nur ein Gedicht. Und viel zuviel!

Außerdem musste auch noch ein Abfluss von der Backskisten-Entwässerung neu eingedichtet werden, dort sammelte sich immer das Wasser, weil es nicht ordentlich ablaufen konnte. Aber das war eigentlich nur eine Kleinigkeit für meinen ausgefuchsten  Bootsmechaniker, ein bisschen Abschrauben, Säubern, und Silikon, schon ist auch das wieder gerichtet.

 ***

Um 08:00 Uhr heute morgen war es soweit, wir legen los. Um 08:30 Uhr waren wir klar, die Jungs von dem französischen „Sozialarbeiterboot“ gegenüber haben uns mit dem Loswerfen der Achterleine geholfen, und schon waren wir draußen. In Lee der Insel ist die See noch ruhig, nur der Wind bläst durch die Düsen, die von den Bergen gebildet werden, mit bis zu 27 Knoten.  Aber als wir aus dem Windschatten der Insel raus kommen, fängt das Geschaukel an. Von drei Meter Welle hat auch kein Wetterbericht geschrieben.

Frühstück

Naja, wir schaukeln uns so durch, alle Türen sind fest geschlossen, alle Schubladen gesichert, es gibt Frühstück, wie immer auf den Überfahrten am Kartentisch. Gerade haben wir abgedeckt, da ertönt um 12:30 Uhr der Bilgenalarm! “Bitte nicht!“ bringe ich nur heraus, nach den Erfahrungen von der letzten Überfahrt. Volker geht zu dem Backbord Motorraum. Tatsächlich ist da Wasser zu sehen, er steigt also, trotz des Wellengangs, in die Kammer hinab, wischt alles trocken, aber es scheint, dass es nur Reste des Wassers von der letzten Reparatur waren, die durch die extremen Schiffsbewegungen aus den hintersten Ecken hervor gekommen sind. 

Inzwischen hat der Wind nachgelassen auf 14 – 16 Knoten, auch die Wellen sind deutlich runter gegangen, es ist insgesamt viel angenehmer. Trotzdem fahren wir – mit zwei Reffs im Großsegel und einem in der Genua, weiterhin auf einem strengen Amwindkurs mit 6 – 7 Knoten. Heute Nacht soll auch der Wind  einschlafen, dann werden wir auf den Idealkurs gehen, jetzt fahren wir 60 Grad daneben, 330° statt 30°.

Soviel für heute, morgen berichten wir weiter von unserer Überfahrt.

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Der zweite Tag

Montag, 5. Mai 2025, continued

Am Nachmittag setzen Volker und Lukasz den Code Zero, bei 90 bis 110 Grad Windeinfallswinkel segelt die Hexe damit flott. Der restliche Tag verläuft ziemlich ereignislos, bald sind wir aus dem Gebiet mit den großen Frachtern raus, nur der etwas wechselhafte Wind beschäftigt den jeweiligen Rudergänger.

Zum  Abendessen gibt es lecker Spargel mit Steak und Kartoffeln, und für die Nacht wird schließlich der Code Zero geborgen, damit auch Volker zwischendurch ruhig schlafen kann. Durch die zurückliegende Nacht sind wir mit ungerefftem Großsegel und der Genua gesegelt,  bei 8-11 Knoten Wind von der Seite. Die See war sehr ruhig, der Mond halbvoll, ein schönes, ruhiges Szenario nach all der segelfreien Zeit

Dienstag, 6. Mai 2025, auf See

Der Gennaker steht

Bei dem ersten Hauch des Tageslichts setzen Volker und Lukasz wieder den golden glänzenden Code Zero, damit überholen wir spielend die Calypso, ein 12 m langer holländischer Einrumpfer, der aber wirklich sehr langsam fährt. Dass es ein niederländisches Boot ist, erkennen wir an der MMSI-Nr. und am Funk-Rufzeichen, das mit PE beginnt.

Im Laufe des Tages raumt der Wind weiter und nimmt eher ab, um 12:30 wird auf den bunten Gennaker gewechselt. Der kann stehen bleiben bis 15 Uhr, dann  muss das Segel weg, und der Motor wird gestartet. Schließlich wollen wir noch vor Mitternacht in der Ensenada de Abra ankommen, einer Ankerbucht in der Nähe der Marina Quinta do Lorde.

Doch dann kam erstmal alles anders als gedacht.

Fangen wir mit dem Wetter an. Der neu eingeholte Wetterbericht sagte plötzlich für die kommende Nacht südliche Winde mit 4-5 Beaufort voraus, also würden wir in der Ankerbucht voll auf Legerwall und damit ungeschützt liegen. Ungefähr zeitgleich mit den neuen Erkenntnissen ertönte der schrille Alarm, den es nur dann gibt, wenn eine der großen automatischen Bilgenpumpen anspringt.

Ein kurzer Blick ins Backbord Motorabteil zeigt strömendes Wasser mit dem gurgelnden Geräusch der lenzenden Pumpe. Was ist da denn passiert??? Bei genauerer Inspektion stellte sich heraus, dass heißes Wasser aus dem Boiler aus einem noch unbekannten Leck strömt. 

Lukasz und ich machen uns direkt auf die Suche nach der Fehlerquelle, die sich wohl darin begründet, dass der vor einiger Zeit gewechselte Heizstab nicht ausreichend fest im Gewinde eingedreht war. Wir starten mit der Reparatur: Ich stelle die Wasserzufuhr zum Boiler ab, die sich in der Bilge in unserer Kajüte befindet. Lukasz orientiert sich an den ganzen Zuleitungsschläuchen. Wir müssen einen Weg finden, den Boiler soweit zu drehen, dass wir den schlecht installierten Heizstab erreichen und rausschrauben können. 

Zwischen solchen Felsen ist Odysseus den Drachen entkommen, aber wir nicht den Nationalparkwächtern

Doch mittlerweile nähern wir uns der Durchfahrt bei den Ilhas Desertas (die verlassenen Inseln) und werden kurz nach der Passage von einem Beiboot mit zwei Männern an Bord zum Halten aufgefordert. Die beiden stellen sich als Nationalparkwächter vor und behaupten, dass man da, wo wir sind, nicht fahren darf, weil es weniger als 100 Meter tief ist. Cornelia, als Navigatorin, bleibt felsenfest dabei, dass sie keinerlei Verbotseintragungen in den offiziellen Seekarten oder Büchern, vorbereitend zur Fahrtenplanung, entdecken konnte (Ich hatte nur gesehen, dass man nicht fischen darf, und wir hatten auch rechtzeitig die Angel eingeholt!). Doch die zwei Herren sagen unmissverständlich, dass wir flott Land gewinnen, bzw. weiter bis zur 100 Meter Tiefenlinie rausfahren sollten. Soviel „ freundlicher“ Aufforderung kommen wir zur Strafvermeidung natürlich nach und ändern entsprechend den Kurs. 

Da liegt sie am Steg in Quinta do Lorde

Jetzt ist es auch schon fast dunkel und eine Entscheidung muss schnellstens her, wo wir die Nacht verbringen werden. Die Wahl, die eigentlich, mangels Alternativen, keine ist, fällt auf die nahgelegene,Marina Quinta do Lorde. Bis dorthin bleibt noch Zeit fürs Abendessen, es gibt Frikadellen, Kartoffelpüree und Röstgemüse.

Um 22.30 erreichen wir den Hafen nach 294 Meilen, drehen eine kleine Runde, um dann gegenüber der Tankstelle längsseits festzumachen. Jetzt heißt es, das Boot aufzklaren, es gibt noch einen Gute-Nacht-Drink, dann gehen wir endlich schlafen, wir wollen früh mit der Reparatur beginnen.

Am nächsten Morgen, also heute, werden wir früh morgens von Regenschauern und heulenden Windböen geweckt. Es kachelt aus Süd, Wasser klatscht laut polternd an die schützende Hafenmauer. Wir sind froh, nicht in der, für diese Bedingungen, ungeeigneten Ankerbucht zu liegen. Hätte es alternative, besser geschützte Ankerbuchten auf der Nordseite von Madeira gegeben? Ja, zwei, weit entfernt, und auch die sind in der Regel, dem beständigen atlantischen Schwell ausgesetzt, der aus westlichen Richtungen anrollt.

Um 7.30 starten wir mit der Reparatur des Boilers. Lukasz kämpft mit den Schläuchen und elektrischen Anschlüssen und dann können wir den noch halbvollen  80-Liter-Boiler so weit drehen und sicher lagern, dass der schlecht eingedrehte Heizstab rausgeschraubt werden kann. Dabei ergießt sich abermals das noch recht heiße Restwasser in die Bilge und abermals tut die Bilgenpumpe  Gott sei Dank, ihren Dienst. 

In der Folge bricht mir noch die Opferanode vom Heizstab ab, aber nach einem kurzen Telefonat mit meiner technischen Seelsorge, unserem Freund Uli, sagt der, dass das kein Problem ist, und der Heizstab wieder eingebaut werden kann. 

Mit richtig Schmackes und gutem Werkzeug gelingt das Lukasz, der auch gleich von seiner Arbeit überzeugt ist. Wir bauen den Boiler wieder an seinem Platz ein und schließen die Schläuche  und Kabel wieder an. Danach dauert es nochmals eine Stunde, nd wir brauchen viel Geduld, bis das ganze System durch Wasserentnahme an allen vorhanden Wasserhähnen endlich entlüftet und wieder einsatzfähig ist.

Mittlerweile ist es fast 10 Uhr und die Capitania muss bei dem Hafenbüro einchecken und den bestellten Mietwagen für Lukas abholen. Der fliegt nämlich morgen nach Hause und will noch die Insel ansehen und eine Nacht in der Hauptstadt verbringen.

Wir beobachten bis morgen die Wetterentwicklung und werden dann entscheiden, ob wir den Kurs auf A Coruña, am spanischen Festland, oder zur Azoreninsel Santa Maria absetzen werden. Bis dahin muss ich mich echt ausruhen, die gesegelte Nacht und die mehrtägigen und mehrstündigen Tauchausflüge stecken mir in den Knochen.

Total erschöpft
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