Chez Brigitte

18. Juli 2015, Samstag, Baro 1012 – 1008, sonnig, sehr warm, Wind SW 12-18 kn
Cavalaire 12:00 – Canebiers 15:00 – St. Tropez 17:00, 18 sm

Mit dem schönsten Wind legen wir ab, kurz nachdem der Startschuss für die hiesige Regatta gefallen ist, segeln an den schönen Buchten vorbei, und versuchen, ein bisschen weiter aufs Meer hinaus zu kommen, weil nahe der Küste ein unglaublicher Verkehr herrscht. Klar, es ist einerseits Ferienzeit und auch noch Samstag, und sehr heiß, da geht alles aufs Wasser, was nur halbwegs schwimmen kann. Das Meer ist regelrecht aufgewühlt, die großen Motorboote machen auch echt hohe Wellen. Leider, in diesem Falle wirklich leider, ist es für uns ein Vorwindkurs Richtung St. Tropez, wo wir Monika und Karl und Sven von der Eos nochmal treffen wollen. Bei diesem Vorwindkurs haben die Segel und der Großbaum weniger Stabilität und wir müssen mehrfach an den Baum springen, um ihn festzuhalten, wenn die hohen Wellen kommen.

Wir lassen es uns nicht nehmen, und machen für einen kurzen Landausflug mit dem Hund und einem Badestopp in der “Brigitte-Bardot-Bucht” fest, wie dieBay des Canebiers im Volksmund heißt. Sie hat mit ihren Eltern in St. Tropez gewohnt, und war wohl oft hier am Strand und auf dem Wasser. Da sind wir zwar auch nicht allein, aber es ist genügend Platz für alle Boote da. Nico legt sich am Strand erstmal eine Viertelstunde ins Wassser, das kühlt den kleinen Hundebauch ab. Auch ich schwimme ein paar Runden um die Hexe, um mich abzukühlen.

Halb fünf holen wir den Anker hoch, um rechtzeitig um fünf Uhr an der Hafeneinfahrt zu sein, denn Monika hat uns einen Platz reserviert, den wir ab fünf Uhr besetzen können. Das klappt auch vorzüglich, ich melde mich auf Kanal 9 bei dem “Port de St. Tropez”, sage, dass ich die Hexe bin, und unsere Freunde uns einen Platz reserviert haben, und schon haben wir Steg A, Platz 61, den gleichen, wie vor sechs Wochen mit Eric und Nany.

Es folgt ein Begrüßungsbier mit Sven, der zufällig auf unseren Steg herumgeschlendert ist, eine ausgiebige Dusche für die Hexe und für uns, päter sitzen wir bei der Eos im Cockpit und schlendern, an den Megayachten vorbei zum späten Abendessen bei Bruno, leider waren in der Pizzeria draußen alle Tische besetzt, aber direkt beim Pizzaofen gab es noch einen. Da mussten wir wenigstens nicht frieren.
Monika und Karl kennen hier alles, sie entführen uns noch in eine schöne Bar, Sven verabschiedet sich früher, um ein paar Freunde zu treffen, und ist auch erst heute morgen um viertel vor sieben ins Bett gegangen, ja, wenn man jung ist…

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Zurück zu den Wurzeln

Gestern war, rein seglerisch betrachtet, mal wieder nichts los. Ein leichter thermischer Wind früh am Morgen, ab 12 Uhr absolute Flaute. Dazu ballerte die Sonne gnadenlos von Himmel. Um 10 Uhr sind wir noch optimistisch und mit Spinnaker in die Richtung von St. Tropez gesegelt. Alles lief gut, wir haben uns am Wind erfreut und gefreut, doch dann, schwuppdiwupp, so als ob jemand den Gebläseschalter ausschaltet, war es vorbei mit dem Wind. Der Spinnaker hängt schlapp vorm Mast und das Großsegel schlägt hilflos hin und her. Zeit, die Segel zu bergen. Motor an. Die nächste Ankerbucht liegt keine 10 Minuten querab von Kurs, ihr wohlkilngender Name, “Pointe des deux frères”. Der Ankerplatz ist noch schöner, als der Name klingt. Die Unterwasserwelt ist sehr aufregend, es gibt viele Fische an der steil abfallenden Küste zu sehen, Seeigel zum Greifen nah und formschöne Vulkanfelsen.

Doch ein Platz für die Nacht ist dieser Ankerplatz nicht, der Abstand zu den Felsen beträgt gerade mal 20 Meter. Wenn da der Anker nicht hält, gibt es wenig Zeit zum Reagieren. Deshalb verholen wir uns, leider unter Motor, weil der Wind weiterhin streikt, in die weitläufige Bucht von Agay. Ein kurzer Landgang in den Ort und zum Supermarkt genügen, am Abend grillt der Lotusgrill, leckere Fleisch-/Wurstspieße gibt es für mich und Lammkoteletts für die Capitania. Abends setzt dann zur angenehmen Durchlüftung ein kühler Wind aus den Bergen ein, der die Hitze des Tages wohltuend vertreibt. Das ist so ein Ding, es wird jeden Tag ein bisschen heißer, wir sind jetzt bei 35 Grad im Schatten angelangt. Morgen soll sogar das Thermometer auf 38 Grad klettern. Keine Wolke bietet der glühenden Sonne Einhalt. Sommer im und am Mittelmeer.

Heute Morgen hat sich dann der Wind zurückgemeldet und das nicht nur für ein paar Stunden, den ganzen Tag durch weht ein konstanter schöner Segelwind. Segeln vom Feinsten. Nach einem Anker- und Badestopp in der Bucht von Cavalaire machen wir abends an einer Mooringboje nahe bei der Stadt fest. Der rostige Schäkel der Bojenfestmacherleine hinterlässt leider eine unschöne Schramme in unserem Gelcoat. Ärgerlich!

Nach einem Bummel durch die quirlige kleine Stadt gibt es eine Erfrischung in einer Bar. Cavalaire ist sozusagen meine “fahrtenseglerische Heimat”. Als ich vor ca. 30 Jahren mit Stefan noch aktiv Regatten im 505 (eine sportliche Segeljolle) gesegelt bin, hatten seine Eltern ein schönes Fahrtensegelschiff, eine Etap 28, in Cavalaire liegen. Mit der auch wir jungen “Wilden” dankenswerterweise häufig auf ausgedehnten Segeltouren unterwegs sein durften. Ich verbinde sehr schöne Erlebnisse mit dem Boot. Lange Zeit noch lag das Schiff in Cavalaire, vor ein paar Jahren haben meine Freunde Wolfgang und Harry die mittlerweile in die Jahre gekommene Etap 28 gekauft und segeln damit jetzt am Ijsselmeer. Ich weiß, dass das Boot bei den beiden in guten Händen ist.

Cavalaire ist ein bißchen rummeliger geworden, viele Jetskis, viele Leihmotorboote, viele Strandkats, Kirmes am Ufer, Modegeschäfte in der Innenstadt und zahlreiche Restaurants an der Uferpromenade. Aber die wirklich beste Nachricht ist, dass auch in den nächsten Tagen, trotz Hitzeperiode, ein frischer Wind wehen soll. Vorbei sind die flauen Tage, Segel hoch, der Motor hat Pause.

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14. Juli 2015, Dienstag, französischer Nationalfeiertag, Baro 1009, morgens bewölkt, dann wieder sonnig und warm, Wind SO 3-2
Cannes 10:30 – Cannes 17:30 Uhr, 18 sm

Zum ersten Mal werde ich morgens ermahnt, den Hund doch bitte an die Leine zu nehmen, klar, heute ist ja der 14. Juli, und vor dem Rathaus stehen Absperrungen und Stühle und ein Mikrophon, das gibt später bestimmt einen offiziellen patriotischen Akt. Die freundliche Polizistin, die mich angesprochen hatte, gibt auch Auskunft: “Ja, um 10:30 Uhr geht es los!”

In der Stadt merkt man aber nichts vom Feiertag, der Metzger und die Bäcker und der Spar-Supermarkt haben ganz normal geöffnet und auf dem Markt herrscht – wie immer – geschäftiges Treiben. Zu dieser Jahreszeit ist es wirklich eine Augenweide, an den vielen Obst- und Gemüseständen vorbeizuschlendern. Da liegen Fenchel, Paprika, Auberginen, Zucchini, und alle Formen von Tomaten neben den ganz großen Artischoken, die leider ein schlechtes Gemüse für die Bordküche sind, weil man sie so ewig lange kochen muss, dabei das Boot aufheizt und viel Gas verbraucht. Am nächsten Stand gibt es ganz frischen Spinatsalat, davon muss ich was mitnehmen, und Koriander und Petersilie und Basilikum und Schnittlauch, alles riecht so gut. Die dicken gelb- und weißfleischigen französischen Pfirsiche liegen neben den leckeren Aprikosen, es gibt kleine Schälchen mit Brom-, Him-, Stachel- und Johannisbeeren, sündhaft teuer, und nicht zu vergessen, die fast schwarzen süßen Kirschen.

Zurück auf dem Boot hat der Skipper festgestellt, dass ausnahmsweise mal der Wind weht, also heißt es: geschwind ablegen, Segel hoch und los geht es. Beim traditionellen Segelfrühstück, das bedeutet, dass wir unten Brote zubereiten, und sie dann im Cockpit verzehren, philosophiere ich darüber, wie viel angenehmer es ist, hier, im warmen Mittelmeersommer Nutellabrote zu schmieren als in den kalten nördlichen Gefilden, wo man immer mit der Butter känpfen muss, bis sie sich gleichmäßig auf das natürlich hier auch viel leckerere Baguette streichen lässt. Sogar die Nutella muss in den Kühlschrank!

Zweieinhalb Stunden Halbwindkurs bei leichtem Wind, um 13:00 dann die Wende, und bei leider abnehmendem Wind wieder mit Halbwind zurück. Kleiner Badestopp, d.h. eigentlich kein Stopp, unter Segeln halten wir uns an der Badeleiter fest und lassen uns vom Boot nachziehen, natürlich immer nur einer, der andere bleibt an Bord.
An der Nordseite von Ste. Marguerite ankern wir für einen kleinen Landausflug, der Hund muss dringend mal spazieren gehen, das macht auf der Insel viel mehr Spaß, als in dem kleinen Park in der Stadt. Wir gehen nochmal schwimmen, halten Ausschau nach Quallen und Fischen, bevor wir gegen sechs in den Hafen zurück fahren, damit wir für das große Feuerwerk einen guten Platz ergattern können.

Die Franzosen feiern ja bekanntlich am 14. Juli einerseits den Sturm auf die Bastille im Jahr 1789, sozusagen den Beginn der französischen Revolution, als die Bürger von Paris wegen der ins astronomische steigenden Brotpreise sich gegen absolute Monarchie erhoben. Der Marie Antoinette, Ehefrau von Louis XVI. und damit Königin von Frankreich zugeschrieben Spruch: “Wenn die Leute kein Brot haben, warum essen sie dann keinen Kuchen?”, stammt wohl nicht von ihr, aber die Monarchie war durch unglaubliche Prunk- und Verschwendungssucht so weit von der bürgerlichen Menge entfernt, dass die Revolution erst möglich wurde.
Auch das Föderationsfest, abgehalten am 1. Jahrestag des Sturms auf die Bastille, bei dem der König einen feierlichen Eid auf die Nation ablegte, konnte die Revolution nicht aufhalten. UndNapoleon hat diese dann sowieso wieder für seine Machtzwecke missbraucht, wie der Lauf der Geschichte halt so geht. Übrigens sind wir bei unserem kleinen Landausflug von Grasse aus auf der “Route Napoleon” gefahren, eben jener Straße, die Napoleon nahm, als er von Elba ausgerissen war, um nach Paris zurückzukehren, um dann sein “Waterloo” zu erleben…

Das Feuerwerk war von asserbeidschanischen Pyro-Experten gestaltet worden und wunderschön.

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ZIVILCOURAGE

war bei meinen Eltern ein ganz großes Thema. Zivilcourage zeigte man, wenn man den Mund auch in unangenehmen Situationen aufmachte, wenn man sich traute, gegen den Strom zu schwimmen, oder einfach nur keine Ungerechtigkeiten unbeachtet ließ. Heute hat Volker genau diese Zivilcourage bewiesen, und großes Lob von ganz vielen Leuten eingeheimst, von Franzosen, Italienern und Engländern, und natürlich von mir.

Das kam so: Nach einem fleißigen Tag, Volker mit Politur und Wachs und ich am Computer, haben wir am späten Nachmittag beschlossen, uns noch eine Stunde am Strand und ein Bad im nicht mehr kühlen Mittelmeer zu gönnen. Ich springe auch immer gleich ins Wasser, sowie wir am Strand angekommen sind, und Volker spielt David (H), während er erst kurz vor dem Heimweg schwimmt und ich die Pamela gebe.

Als ich zurückkomme vom Schwimmern, hat Volker schon ein italienisches Ehepaar auf dem Kieker, das ganz unten am Wasser lag, man konnte sozusagen nicht anders, als sie beim Blick aufs blaue blaue Meer wahrzunehmen. Zuerst schrie die Mutter ziemlich hysterisch in ihr Telefon, daraufhin kam wohl die (fast erwachsene) Tochter von irgendwoher angetrabt. Als Begrüßung hat die Mutter der Tochter zunächst mal eine schallende Ohrfeige gegeben. Als sie aber dann fortfuhr, und die Tochter mit ihren Schlappen schlug und schließlich auch noch boxte, wurde es Volker zuviel.

Er stand von seinem Handtuch auf, ging zu der Familie und schrie die Mutter auf englisch an, dass sie gefälligst aufhören solle, ihre Tochter hier in der Öffentlichkeit vor allen Augen zu schlagen, das sei unerhört. Die Mutter wurde noch wütender und schrie zurück, er solle sich zum Teufel scheren, und das ginge ihn gar nichts an. „Das geht uns sehr wohl etwas an, wir müssen ja alle hier zusehen!“, erwiderte Volker, und der Vater, der bisher eher teilnahmslos dabei gestanden hatte, pflichtete Volker auch noch bei. Die Tochter wirkte, als sei sie solches durchaus gewöhnt, was die ganze Situation natürlich nicht besser machte.

Nun kamen schon Stimmen von den anderen Sonnenbadenden, die zu Volker sagten, wie Recht er habe, und dass das unmöglich sei. Schließlich waren hier auch viele Kinder am Strand, die das mit ansehen mussten. Schlussendlich hat die Mutter aufgegeben, die Familie hat ihre Sachen gepackt und ist vom Strand weggegangen. Mehrere Leute kamen daraufhin bei Volker vorbei und haben ihn ob der Aktion gelobt, wie gut er das gemacht habe. Selbst als wir nach dem Strand im Lieblingspub noch ein Bier getrunken haben, kam eine Familie vorbei, reckte die Daumen in die Höhe und meinte: „Richtig so!“

Der Werner, mein Vater, hätte es Zivilcourage genannt.

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Hoch hinaus und tief hinunter – nur Grasse enttäuscht

Am Ende standen heute 285 gefahrene Kilometer bei einer Fahrzeit von 5 Stunden und 51 Minuten auf dem Tacho, der magere Durchschnitt, 49 Kilometer pro Stunde mit dem Auto.

Der Bus bringt Allegra und Leonard zum Flughafen

Der Bus bringt Allegra und Leonard zum Flughafen

Kleiner Zeitsprung – nachdem vor zwei Tagen Allegra und Leonard die Heimreise angetreten hatten, haben wir gestern einen Großwaschtag eingelegt und die Hexe innen und außen so richtig auf Vordermann gebracht. Vier Maschinen Wäsche gewaschen, das Deck gereinigt, poliert und gewachst, den Teppich grundgereinigt und kleine Reparaturen durchgeführt.

Der Mineralwasserautomat am Hafen von Cannes, ein super Service

Der Mineralwasserautomat am Hafen von Cannes, ein super Service

Das Ganze bei 34 Grad im Schatten, die Außendusche und Kaltgetränke waren heiß begehrt. Im Hafen gibt es jetzt neuerdings einen Getränkeautomat, wo man sich seine Mineralwasserflaschen mit richtig kaltem „bizzeligen” oder „platten” Wasser auffüllen kann.

Dafür stand dann heute ein Ausflug auf der Tagesordnung. War nur die Frage, ob mit dem Auto oder im  Rahmen eines Hubschrauberrundflugs. Nachdem wir die Preisliste für den Helikopterflug gesehen haben, ist das Pendel deutlich zum Auto hin ausgeschlagen.

Der Canyon schlängelt sich durch schroffe Bergketten

Der Canyon schlängelt sich durch schroffe Bergketten

Ziel waren die Gorges du Verdon, die größte, höchste, längste und steilste Schlucht, auch bekannt als der Grand Canyon von Europa. 100 Kilometer nordwestlich von Cannes liegt diese berühmte Schlucht, durch deren Mitte der Fluss Verdon strömt, mal ruhig dahinfließen und auch an machen Stellen wild reißend.

mit kleinen Booten darauf

mit kleinen Booten darauf

Großartiger Ausblick

Großartiger Ausblick

Faszinierende Landschaften

Faszinierende Landschaften

Tiefe Einschnitte trennen die zerklüfteten Höhen

Tiefe Einschnitte trennen die zerklüfteten Höhen

Steinlawinen haben tiefe Einschnitte hinterlassen

Steinlawinen haben tiefe Einschnitte hinterlassen

 

Ein idyllisches Bergdorf

Ein idyllisches Bergdorf

Spektakuläre Landschaft insgesamt, steil abfallende Felswände, Nadelbäume die sich mit ihren Wurzeln, Halt suchend, in den Fels krallen, dazwischen kleine einsame Ortschaften. Die Straße ist oft gerade nur so breit, dass zwei Autos eben so aneinander vorbeipassen, serpentinenartige Kurven, steile Steigungen und dunkle Tunnels. Es wird geklettert, mit dem Bungeeseil von Brücken gesprungen, im Wildwasser geschwommen und natürlich Rennrad gefahren.

Der Lac du Ste. Croix

Der Lac du Ste. Croix

Und dann liegt sie plötzlich da, eine Hochebene mit Landwirtschaft, das Ende der Schlucht und der kristallblau schimmernde Lac de Ste. Croix, ein riesiger Bergstausee.

Ein Bad im eiskalten Gebirgsee

Ein Bad im eiskalten Gebirgsee

Auf dem Rückweg haben wir uns den Spaß gemacht, und im 12 Grad kalten Bergbach gebadet.

Dann sollte eigentlich, zumindest für Cornelia, der Höhepunkt des Tages folgen, ein Besuch in der Stadt des Parfüms.

Die (leider verschlossene) Tür zur Kathedrale ist wunderschön verziert

Die (leider verschlossene) Tür zur Kathedrale ist wunderschön verziert

Alle Schwesterstädte sind im Parfümgarten aufgezählt, und alle fünf Minuten wird dort ein Duft ausgeströmt

Alle Schwesterstädte sind im Parfümgarten aufgezählt, und alle fünf Minuten wird dort ein Duft ausgeströmt

Martialisches Gitter am Hotel de Ville

Martialisches Gitter am Hotel de Ville

Nach gefühlt gefahrenen 1000 engen Kurven kamen wir in Grasse an. Jener Ort, in dem das fulminante Ende von „Das Parfüm“ von Patrick Süsskind spielt. Ein Bestseller als Buch und ein Erfolgsfilm in den Kinos.

… oder hinter jener?

… oder hinter jener?

Hierin hat Nico gebadet, und das Gemäuer ist auch eine Filmkulisse wert

Hierin hat Nico gebadet, und das Gemäuer ist auch eine Filmkulisse wert

(Ich habe den Platz gesucht, auf dem der fulminante Höhepunkt des Films spielt, als Grenouille, bereits zum Tode verurteilt für die Morde an den schönen Mädchen, deren Duft er in seinem Parfüm konserviert, durch eben diesen Duft eine Orgie provoziert, an die sich am nächsten Tag keiner mehr erinnern mag, so dass er begnadigt wird. Das muss der Platz vor der Kathedrale sein, aber im Film wirkt er viel weiter und mächtiger als in der Wirklichkeit…)

Hier könnte Grenouille zuschlagen…

Hier könnte Grenouille zuschlagen…

Nach einem kurzen Bummel durch Grasse waren wir uns beide einig, dass diese Stadt doch nicht so schön wie gedacht ist. Der erbarmungslose Zerfall von Gebäuden, lieblos gestaltete öffentliche Plätze und der fehlende Charme, vermitteln ein anderes Bild von dieser Stadt als „Das Parfüm“. Schade.

Die "Seifen-Rohlinge" warten auf eine liebevolle Weiterverarbeitung

Die “Seifen-Rohlinge” warten auf eine liebevolle Weiterverarbeitung

Das Parfümlabor bei Fragonard

Das Parfümlabor bei Fragonard

Umso beeindruckter waren wir von der Parfümerie Fragonard. Hier konnten wir uns in der Ausstellung und in den Produktionshallen ein Bild davon machen, wie Parfum, Cremes und Seife hergestellt werden. Kurzweilig und interessant. Und ein Erlebnis für die Nase!

So schön sehen die fertigen Produkte im Regal aus

So schön sehen die fertigen Produkte im Regal aus

Hinterher im Auto war es uns fast zuviel, was da alles noch an Geruchsstoffen auf unserer Haut herumkroch, so viel haben wir ausprobiert.

Die letzten 10 Kilometer nach Cannes verliefen unspektakulär, insgesamt waren wir neun Stunden unterwegs gewesen und kehrten um viele Eindrücke reicher zum Boot zurück.

Ein Blick ins Dach der Jurte

Ein Blick ins Dach der Jurte

Alleine schwingt die Schaukel nur halb so gut

Alleine schwingt die Schaukel nur halb so gut

Was gab es sonst noch so? In Cannes fand vor zwei Tagen, abends ein Fischerstechen statt. Im Hafen wirbt Kasachstan um Touristen und hat dazu eine original kasachische Jurte aufgestellt. Ein großes Zelt, errichtet auf einem Gerüst von unzähligen Holzstöcken, mit verzierten Fellen bedeckt. Die Jurte dient den wandernden Nomaden noch heute als Zuhause. Vor dem Zelt gibt es eine Schaukel für zwei, mit einem langen Holzbrett, das an zwei Seilen aufgehangen ist, und die nur dann in „Schwung gerät“, wenn beide Schaukelnde sich in Eintracht bewegen. Wir haben es ausprobiert und nach einer Weile hatten wir den Dreh raus, die Eintracht auf der Schaukel.

links: Bonnie, rechts, müde: Clyde

links: Bonnie, rechts, müde: Clyde

Gestern Abend haben wir im Pub dann noch Bonnie und Clyde getroffen, nicht als Gangsterduo, sondern als liebe Vierpfoter. Kleine Jack Russels, jung, verspielt und ganz süß. Nico hatte kein Interesse an dem Jungvolk und lieber demonstrativ unter dem Kneipentisch weitergeschlafen.

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Rheinschnoacken

gibt es an der Côte sicher nicht. Doch auch die Stiche der hiesigen Plagegeister sind nicht von schlechten Eltern. Bei Einbruch der Dunkelheit kommt der stechende Angriff. Deshalb gibt es jetzt mal eine kleine Übersicht mit den Orten, wo es mal mehr oder wenig lästig ist, mit den Steckmücken:

– Fontvielle/Monaco ist stechmückenfrei

– Ankerbuchten um Cap-Ferrat, wenig Stechmücken, wenn überhaupt, nur bei ablandigem Wind, der die Plagen auf den Ankerplatz weht

– Ankerbuchten bei Juan-les-Pin, sehr starke Stechmückenaktivität, die kommen sogar bei Gegenwind in Massen zum Schiff geflogen. Ohne Mückennetz ist man verloren

– Nizza, wir wurden nicht gestochen

– Cannes, auch dort hat uns bis jetzt keiner dieser Blutsauger erwischt

– Antibes, dort ist ein Mückennetz mehr als nützlich.

Generell ist es bei uns so, dass alle Dachluken mit gut funktionieren Mückenrollos ausgestattet sind. Die seitlichen Aufbaufenster sind dagegen gut zum Querlüften, haben aber kein Mückenschutz. Für den Eingang/Niedergang haben wir ein großes Mückennetz angefertigt. Ohne geöffnete Seitenfenster bleibt es dennoch ziemlich warm innendrin. So gesehen bleiben nicht so viele Varianten übrig. Entweder eine gute Lüftung mit Mücken, oder das nächtliche Bad “im eigenen Saft”, dafür ohne juckende Stiche. Die diversen Mittelchen zum Einsprühen oder Einreiben wirken nur für eine begrenzte Zeit gegen die surrenden Plagen und die Nacht ist länger als deren Wirkdauer. Wenn dann nach Stich nichts anderes hilft, haben wir gegen stark juckende oder entzündete Stiche eine wirksame Cortisonsalbe in unserer gut ausgestatteten Bordapotheke.

An unserem heutigen Ankerplatz hatten wir viele kleine Feuerquallen im Wasser, Lila bis rosa schimmernd, mit Tentakeln ca. 20 Zenimenter groß, treiben diese unliebsamen Genossinnen an unserem Schiff vorbei. Bereits in der gestrigen Ankerbucht wurden wir, ob gewollt oder ungewollt sei einmal dahingestellt, Zeuge, wie zwei ältere französische Herrschaften angeschwemmte Medusen mit gezielten Steinwürfen töteten. Nicht schön, aber wer will schon den schmerzenden Kontakt damit haben.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Lärm an der Wasseroberfläche die Quallen zum Abtauchen animiert. Außerdem sind sie mit Tauchermaske und Schnorchel gut in dem klaren Meerwasser auszumachen. Wir gehen also weiterhin schwimmen, einer scannt die Wasseroberfläche von Bord aus und der im Wasser ist, passt eben so gut auf, wie es geht. Vielleicht gibt es zwischen den beiden Inseln, Iles des Lerins, aber so viele Feuerquallen, weil es dort auch eine permanente Strömung in die eine oder andere Richtung gibt.

Die letzte Nacht haben wir in Antibes verbracht, die kleine gemütliche Altstadt erkundet, die ist wirklich nicht so groß, dafür superschön, sozusagen ein Must see, (vor allem der Platz am Markt morgens früh, mit seinen schönen Gemüse-, Käse- und Olivenständen).

Wir haben lecker an einem schönen Platz gegessen und bei einem nächtlichen Bummel noch die Meggayachten am “Quai des Millardaires” bestaunt. Die dort festgemachten Yachten sind wirklich die Show und gehören mit zu den größten Privatyachten auf diesem Planeten. Über den zur Schau gestellten Reichtum kann man sicher unterschiedlicher Meinung sein, die teilweise sehr schönen Linien und Designelemente dieser Meeresschönheiten finde ich jedoch ansprechend.

Soviel von der französichen Riviera, mit sonnigen Grüßen von der ganzen Hexencrew.

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Glatt verwechselt

Strandleben mitten in Nizza

Strandleben mitten in Nizza

Ein schöner Blick vom Hügel aus

Ein schöner Blick vom Hügel aus

Die Ruinen einer römischen Kirche hoch auf dem Hügel über Nizza

Die Ruinen einer römischen Kirche hoch auf dem Hügel über Nizza

Zwei Tage, zwei Nächte in Nizza, das bedeutet Abwechslung mit Stadtbesichtigung und Kneipenbesuch, aber auch Verkehr- und Baustellenlärm, dazu eine bleierne Hitze, die über der Stadt und der Umgebung liegt. Zwischen 12 und 18 Uhr sind die Gassen leergefegt, die Restaurants verwaist, nur am Strand tobt das Leben. Wie die berühmten Sardinen liegen die Sonnenanbeter im Sand, nebeneinander. Kinder jauchzen im Wasser, spielend. Einzelne hängen an Gleitschirmen hoch über dem Meer, werden von PS-starken Motorbooten gezogen, andere versuchen sich im Wellenreiten. Normales Strandleben, Ferienzeit, Sommerzeit.

Nourrissante, ja aber schon unter der Dusche

Nourrissante, ja aber schon unter der Dusche

Letzte Woche waren wir beide in einem kleinen Supermarkt und haben zielsicher dank unserer guten französischen Sprachkenntnisse eine große Flasche Körperlotion erworben. Die von der Sonne strapazierte Haut will doch eingecremt und gepflegt werden. Das einzige, was uns so ein bisschen verwundert hat, war die anfänglich schaumige Struktur der Creme beim Einreiben. Aber sonst fühlte sich das Ergebnis gut an. Heute Morgen kommt mir Löwi auf dem Steg entgegen, mit besagter Creme in der Hand. Fröhlich pfeifend auf dem Weg zur Dusche. Da kam natürlich sofort mein Einwand, dass Mann mit der Körperlotion schlecht duschen kann. Was dann folgte, war eher eine kleine Schlappe für uns. Beim genaueren Studieren der Produktbeschreibung kam heraus, dass wir anstelle einer Creme PH-neutrales Duschzeug erworben haben. Gut, wenn man über sich selbst lachen kann.

Dann hat Leonard noch für einen kleinen Lacher gesorgt, als er auf dem Rückweg von der Dusche erst mal auf ein anderes Boot gegangen ist. Damit war er buchstäblich auf dem falschen Dampfer, was er sogleich bemerkte und sich, leise eine Entschuldigung murmelnd, schnell auf das richtige Schiff begab. Dass er dabei eine Bavaria mit unserer schönen Dehler verwechselt hat, sei nur nebenbei für die Seeleute gesagt.

Löwi am Ruder

Löwi am Ruder

So lässt es sich segeln

So lässt es sich segeln

Nachdem auch diese Verwechslung aufgelöst war, haben wir uns ziemlich schnell aus Nizza verabschiedet. Draußen auf dem Meer hatten wir dann glücklicherweise mal genügend Wind, um die Segel zu lüften. Schnell zeigte die Logge (der Geschwindigkeitsmesser bei Booten) bis zu sechs Knoten an, Rauschefahrt bei glatten Wasser. Kurz darauf haben wir “unsere” Ankerbucht bei St.-Jean-Cap-Ferrat erreicht, den Anker ausgebracht, die Segel aufklariert, die Solarpanele zur Sonne ausgerichtet, ein spätes Frühstück eingenommen und das kühle Nass genossen.

so kann man auch zum Strand paddeln

so kann man auch zum Strand paddeln

Mit dem kühlenden Wind und dem frischen Wasser steigt der Aktivitätspegel, Allegra und Leonard schnappen sich den Hund und rudern zum Strand, wir machen den Abwasch. Wassertemperatur 22 Grand, Lufttemperatur 33 Grad. Die langfristige Wettervorhersage für die nächsten zwei Wochen – absolut gleichbleibend, kein Regen, 15 Stunden Sonnenschein. Das Waldbrandrisiko steigt durch die langandauernde Trockenheit zunehmend.

Und noch eine Verwechselung: Als wir vor drei Tagen in der Bucht vor Anker lagen, hat Volker sich über die vielen Polen gewundert, die hier mit ihre Booten herum fahren. Dass an der Riviera viele Russen leben, war uns seit Cannes schon bewusst, aber dass diese Ecke von den Polen eingenommen ist?! Im Hafen von Monaco war dann fast jedes Boot polnisch…, nein, natürlich nicht, die monegassische Flagge ist wie die polnische, nur um 180 Grad gewendet!

Die polnische Flagge

Die polnische Flagge

und die monegassische

und die monegassische

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On the Rocks

IMG_5502The Rock, so wird umgangssprachlich der Fels genannt, von dem aus die Fürstenfamilie das Fürstentum von Monaco regiert und verwaltet. Hoch oben, 227 Meter über dem Meer, thront buchstäblich das Prunkbauwerk oder genauer gesagt das Schloss der Grimaldis. Um es zu erreichen, geht es eine endlos lang erscheinende Steigung hinauf, die Sonne brennt, der Schweiß fließt und der Herzschlag wird deutlich schneller. Die Capitania hat Geburtstag und hat sich das anspruchsvolle Ausflugsprogramm in den Kopf gesetzt. Da hält sie dann so schnell nichts ab von, leiser Protest verhallt im Nichts oder in der Mittagshitze. Nur Nico, der Bordhund hat frei und darf es sich im schattigen Schiff bequem machen.

IMG_5517Wir überholen auf der Steigung die einen oder anderen schwächelnden Touristen, und kommen schließlich und endlich auf dem Schlossplatz an. Gerade rechtzeitig zum Wachwechsel der fürstlichen Leibgarde. Befehle hallen üben den Schlosshof, Waffen werden präsentiert, es wird salutiert, Touristen schießen Fotos. Nach einer Weile ist der Zauber vorbei, wir tingeln durch die Gassen der Altstadt, blicken vom Fels aus auf Meer und Boot, besichtigen die Kathedrale und bewundern die kleine unscheinbare Altstadtkirche, ein paar Gassen entfernt. Schön ist es auf dem Rock, die Anstrengung hat sich gelohnt.

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Dann wird es Zeit, den Rückweg zum Schiff anzutreten, der Hund wartet und wir wollen zurück in die Ankerbucht, wo ein kühles Bad im Meer unausweichlich und ganz oben auf der Geburtstagsprogrammliste steht. Der Wind weht leicht beim Erreichen der Hafenausfahrt, aber beständig und stark genug. Adieu Monaco, hisst die Segel, unser Schiff legt sich leicht auf die Seite und nimmt langsam Fahrt auf. Der Gegenwind kühlt angenehm.

Die Ankerbucht ist gut besucht, es findet sich jedoch eine Lücke, der Anker fällt und greift. Keine fünf Minuten später schwimmt das Geburtskind fröhlich wie ein Fisch im Wasser. Fünf Uhr: Zeit für den ersten Geburtstagsdrink des Tages. Rosé mit Pampelmusenlikör, das diesjährige Modegetränk der Grande Nation. Und beim morgendlichen Einkauf haben wir in weiser Voraussicht des Kommenden schon mal Eiswürfeltüten gekauft und mit Wasser befüllt. Die passen mal eben so in das Minieisfach unseres Kühlschrankes. Egal wie, das Ergebnis stimmt und die Eiswürfel klirren verlockend in den Gläsern. Das Getränk war köstlich. Danach ein kurzer Mittagsschlaf und schon wird es Zeit, den Lotusgrill anzuheizen. Fisch am Spieß satt für die Capitania und Hühnerspieß für den Skipper.

IMG_5553Kurz nach Sonnenuntergang haben wir uns nochmal halbwegs in Schale geworfen und mit dem Beiboot Kurs auf St. Jean genommen. Mein Gebet wurde tatsächlich erhört, passend zum Geburtstag hat mal wieder einer der „Schönen und Reichen“ ein Höhenfeuerwerk abgefeuert. Dazu der bereits erwähnte und-  organisierte – Vollmond. Am Land dann die nächste schöne Überraschung, eine dreiköpfige Herrenband spielt auf zur Straßenmusik und bietet chansonartige Lieder dar.

IMG_5555Ein perfekter Abend, Cornelia ist glücklich und ich müde. Aber mit schlafen gehen wird es dann so schnell nichts. Auf ein Mal frischt der Wind kräftig auf und Schwell setzt in unsere Ankerbucht. Das Schiff tanzt wie ein übermütiges Pferd an seiner Ankerkette. An Schlaf ist vorerst nicht zu denken. Auch auf anderen Schiffen sieht man besorgte Segler im Cockpit stehen. Um drei Uhr Nachts ist der Spuck vorbei und der Wind wie mit dem Schalter ausgeschaltet. Schnell ab in die Koje.

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Flautenpoker

Still und starr liegt die See...

Still und starr liegt die See…

Segel hoch, Motor aus, Segel weg, Motor an, dieses beliebte Spiel spielen wir jeden Tag. Mehrmals, immer wieder, so wie man täglich Zähne putzt, frühstückt oder aufsteht. Im gleichen Maße wie die Wassertemperatur und die Sonnenscheindauer ansteigen, nimmt im Gegensatz dazu der Wind ab. Starr und bleiern liegt sie da, die See, allenfalls zur Mittagszeit ist ihre Oberfläche leicht gekräuselt, wenn eine sanfte Seebrise weht. Mehr als acht Stundenkilometer Windgeschwindigkeit gibt die Thermik nicht her.

Der Fußgängertunnel  in Monaco durch den Fels ist schön beleuchtet

Der Fußgängertunnel in Monaco durch den Fels ist schön beleuchtet

Umgerechnet sechs Stundenkilometer schnell wird unsere Hexe damit, Fußgängertempo. Wir haben unseren Rhythmus dem Wetter angepasst, die zurückgelegten Distanzen der letzten Tage sind kurz. Extrem kurz, was will man machen. Den lärmenden Dieselmotor anwerfen? Das ist keine Lösung für jeden Tag, wir sind Segler. Die Nächte seit Cannes verbringen wir in Ankerbuchten mit grandioser Rundumsicht. Steile Berge, Villen, Strände, Kiefernwälder und manchmal andere Ankerlieger, das ist das, was wir sehen, wenn wir uns einmal um 360 Grad drehen. Mehr nicht. Aber auch die schönsten Tage vor Anker sind einmal vorbei, spätestens dann, wenn unser Wasservorrat dem Ende zugeht oder es uns in eine Stadt zieht, wo es keine Ankerbucht gibt. So wie heute.

Der berühmte Fels, auf den Monaco gebaut ist

Der berühmte Fels, auf den Monaco gebaut ist

Wir liegen in Monaco. Und so wie wir das im Moment verstehen, besteht Monaco aus vier Teilen, bzw. vier Städten. Fontvielle, die westlichste Stadt mit Yachthafen, Monaco Stadt, wo der Fürst wohnt und das berühmte ozeanographische Institut/Museum ist, dem Condamine, mit dem Hafenbecken „Port Hercule” wo die Megayachten liegen, die bei jeder Fernsehübertragung des Großen Preises von Monaco zu bestaunen sind

Das ozeanographische Museum

Das ozeanographische Museum

und schließlich Monte Carlo mit dem berühmten Casino, der Hermitage oder dem Hôtel de Paris, wo die Berühmten und Reichen sich die Tür- oder besser gesagt die Hotelklinke in die Hand geben. Auf jeden Fall sind wir heute dort lang spaziert, wo beim Grand Prix die PS- Boliden langbrettern. Wir haben den Tunnel gesehen, der mit über 300 Stundenkilometern durchfahren wird,

Alte Fotos von Renn-Events schmücken die Stadt

Alte Fotos von Renn-Events schmücken die Stadt

sind einmal an der berüchtigten Rascasse-Kurve entlangspaziert, die im ersten Gang genommen wird und auch die endlose Steigung zum Casino in der prallen Sonne hochgeschlappt. Dort erreichen die Formel-Eins-Renner nahezu Höchstgeschwindigkeit, bevor in der Spitzkehre zum Hotel de Paris die Bremsscheiben zum Glühen gebracht werden.

Eins der vielen Automobilmuseen

Eins der vielen Automobilmuseen

Überall in den verschiedenen Stadtteilen ist die Geschichte des Motorsports allgegenwärtig. Souvenirshops mit Flaggen, Automobilmuseum mit Rennwagen vergangener Zeiten, Denkmäler mit und für Rennfahrer und der legendäre Motorsportclub von Monaco, der das jährlich stattfindende Formel-Eins-Spektakel formell ausrichtet.

Grace Kelly, oder Fürstin Gracia Patricia ist omnipräsent

Grace Kelly, oder Fürstin Gracia Patricia ist omnipräsent

Nach drei Stunden Entdeckungstour durch die Stadteile waren unsere Füße platt und der  (Fuß-Benzin-) Tank komplett leer. Die Hitze der Stadt war sicher ein weiterer Faktor, die Besichtigungstour zu beenden, in ein Bistro einzukehren und den Abend dann gemütlich auf dem Boot ausklingen zu lassen. Morgen ist ein ganz großer Tag, der entsprechend gefeiert werden muss. Die Capitania hat Geburtstag und tritt in ein neues Jahrzehnt ein. Ich habe auf jeden Fall dazu schon mal passend den Vollmond geordert, ist doch was…

Das Casino, vor dem nur schicke Autos stehen

Das Casino, vor dem nur schicke Autos stehen

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bei den Reichen und Schönen

28. Juni 2015, Baro 1010, sonnig, warm, Wind SO um 3 Beaufort
Cannes 10:30 – Juan-les-Pins 14:00, 15 sm
Sonntag Morgen verlassen wir Cannes und machen uns erneut auf den Weg nach Osten. Für heute Nacht wollen wir uns eine schöne Ankerbucht suchen, wie weit wir segeln werden, hängt ganz davon ab, ob der Wind durchhält oder zu früh schlafen geht, denn weit motoren mögen wir nicht.

Die Hexe, jetzt aus Darmstadt, mit Hexenschatten

Die Hexe, jetzt aus Darmstadt, mit Hexenschatten

Vorher bekommt die Hexe einen neuen Heimathafen. Die “Hexe aus Hoorn”, das klang zwar nett, aber wir segeln ja jetzt nicht mehr von Holland aus los, da haben wir wohl vor zehn Monaten angefangen, aber unsere aktuelle Heimat ist natürlich Darmstadt. Also muss der Schriftzug Hoorn ab, das macht Volker ganz schnell, und ich klebe anschließend die mitgebrachten Klebebuchstaben “Darmstadt” auf. Und weil Darmstadt ja nun in der ersten Liga mitspielt, kommt auch eine blaue Lilie aus dem Fanshop mit zur Stadt, zufällig in dem gleichen Blau wie unser Schriftzug.

Wieder fahren wir an St. Honorat vorbei, der Mönchsinsel mit Kirche und Kastell direkt am Wasser. Heute, am Sonntag, sind natürlich viele Menschen unter, auf und über dem Wasser unterwegs. Die Tauchboote machen an den Bojen vor interessanten Felsen oder Wracks fest, in den Buchten sind Schnorchler unterwegs, um die Unterwasserwelt zu erkunden. Auf dem Wasser ist es eher eine Zeit für Motorboote, der Wind ist eigentlich nur eine thermische Brise, kommt am Vormittag und stirbt gegen Mittag. Trotzdem sind auch viele Segelboote unterwegs, denn auch die haben ja Motoren. Und natürlich Wasserskifahrer und Paddler und Jetskis (lärmig). Über dem Wasser fliegen Helikopter und kleine einmotorige Flugzeuge ihre Rundflüge, und am Nachmittag bis zum späten Abend, nahe bei Nizza, sieht man eben auch die großen Verkehrsflugzeuge starten und landen.

Überm Wasser

Überm Wasser

auf dem Wasser gibt es viele Spielzeuge

auf dem Wasser gibt es viele Spielzeuge

Hubschrauber-Rundflüge

Hubschrauber-Rundflüge

Wir bleiben standhaft und machen den Motor nicht an, obwohl sich vor allem der Skipper maßlos ärgert, dass sich offensichtlich schon wieder Muschelbewuchs unter der Hexe angesiedelt hat, und sie für seine Begriffe viel zu langsam segelt. Aber wir fahren auch nicht so weit, in einer wunderschönen Bucht auf der Ostseite von Juan-les-Pins fällt der Anker. Beim Schwimmen raspele ich mit der Spachtel, so gut ich kann, den Muschelbewuchs unterm Boot weg, vielleicht ist der Skipper dann beim nächsten Segeln glücklicher…

Bei Juan-les-Pins denke ich immer an dieses unvergessliche Lied von Peter Sarstedt: “Where do you go, my lovely?” Die Zeilen über den Urlaub in St. Moritz und Juan-les-Pins kenne ich auswendig:
“When you go on your summer vacation, you go to Juan-les-Pins,
With you carefully designed topless swimsuit
You get an even sun tan, on your back and on your legs…”
Als wir in Cannes Peter aus England getroffen haben, und er meinte, er müsse unbedingt auch eine Nacht in Juan-les-Pins verbringen wegen des Liedes, haben wir es alle zusammen gesungen. Auch ein bisschen Gänsehaut-Feeling.

Schöne Anwesen in Juan-les-Pins

Schöne Anwesen in Juan-les-Pins

Jetzt liegen wir hier in der Bucht, vorne am Cap war so eines von diesen wundervollen Häusern, aber auch die hier im Ort sind nicht zu verachten. Wenn man in dem Restaurant “Keller Plage” am Strand essen mag, wird man von einem schwarzen Bootsmann mit Motorboot abgeholt und nach dem Essen wieder zurück gefahren.

Hühnergötter am Baum

Hühnergötter am Baum

Gegen Abend (es ist Sonntag) wird es leer in der heute Mittag noch prallvollen Bucht, alle Motorboote mit den hübschen Mädels, aber auch viele Segler machen sich auf den Heimweg nach Antibes. Nach Sonnenuntergang sind nur noch sieben Boote in der Bucht geblieben.

Alles voller Pinine

Alles voller Pinien

Nach dem Abendessen fahren wir mit dem Dingy zum Land, dort ist ein kleiner Anlegesteg für die Beiboote der Ankerlieger. Wir gehen an den Felsen entlang, über einen extra angelegten Weg mit Geländer, schauen in Buchten mit wilden Steinformationen. Auf einem Wegweiser erfahren wir, dass die Villa am Cap, die wir von See aus gehen und fotografiert haben, “Villa Eilenroc” heißt. Da werde ich sofort hellhörig, denn das ist mein Anagramm, nur schriebt man es bei mir “Ailenroc”.

Die Villa Eilenroc

Die Villa Eilenroc

Im Internet finde ich heraus, dass meine Vermutung richtig ist: In den 1880er Jahren verbrachten die wohlhabenden Nordeuropäer die Winter gerne an der Riviera. Ein schwerreicher Holländer hat die Villa 1867 bauen lassen und nach seiner Frau benannt. Nachfolgende Besitzer haben junge Künstler unterstützt, und die Innenräume von ihnen renovieren und dekorieren lassen. Heute gehören die Villa und die dazugehörigen Gärten der Stadt Juan-les-Pins, und können besichtigt werden.

A

A

Am nächsten Morgen liegt ein sehr großes (hässliches?) Motorboot mit Namen”A”. Das Internet weiß, dass sie einem russischen Milliardär gehört, von Philipp Stark gezeichnet und 2008 bei Bloom und Voss in Kiel gebaut wurde.

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