Der perfekte Segeltag

Regenbogen zum Start

Dazu braucht es ein paar Zutaten, die man als Segler selten in so einer wunderbaren Kombination wie am gestrigen Samstag bekommt (zumindest bei uns ist das schon über fünf Monate her). Beim Ablegen lag das Meer noch da wie ein ölig glatter Teppich, nur die ewige Atlantikdünung zeugte vom lebenden Ozean. Bei 2200 Umdrehungen arbeitet der Steuerbordmotor konstant und ruhig in seinem Motorabteil und der Propeller treibt die Hexe auf gute 6,2 Knoten Fahrt an.

Nicole genießt das Segeln
am Bug der Hexe

Zeit zum Entspannen, zum Genießen und Zeit zum Ankommen für Nicole auf dem bewegten Meer. Starkwind am ersten Segeltag ist häufig Gift für frisch an Bord gestiegene Segelgäste.

Nach einer Stunde setzte ein ruhiger gleichmäßiger Südwind ein, der sich im Laufe der Zeit auf konstante 14 Knoten steigerte. Der Windeinfallswinkel war mit 120-140 Grad wahrem Wind ideal für unser Leichtwindsegel, den Code D und dass dazu die Sonne noch geradezu verschwenderisch vom tiefblauen Himmel schien, war wunderbar. Das Schiff segelte ruhig und gleichmäßig mit 9-10 Knoten dahin, ab und an ein bisschen an den Schoten getrimmt, mehr gibt es nicht zu tun.

Kielwasser bei 10 Knoten

Nicole wünscht sich ein paar Delfine herbei und eine halbe Stunde später spielt ein Delfinrudel ums Schiff herum. Als ob das des Schönen noch nicht genug wäre, kreuzt kurz darauf eine Grindwalgruppe unseren Weg.

Amor de mis Amores

Nachmittags legen wir auf unserem  alt bekannten Platz in der Marina de Tenerife an. Segeln kann ja so schön sein! Einen einzigen Wermutstropfen gab es dann doch, als Cornelia beim Herabsteigen von der Bordleiter in der Sorgleine hängen bleibt, längs auf den Steg fällt und sich die Hüfte prellt. Abends fahren wir deswegen “nur” mit dem Taxi zur Tapasbar, anstatt den Weg zu den Ramblas hinauf zu laufen. Nach dem leckeren Essen im „Amor de is Amores“ ging es hinunter gestärkt und langsam zu Fuß.

Die aufgewühlte See

Heute geht es mit der Hüfte, bzw. dem Gehen schon wieder viel besser. Dafür geht es wettermäßig gerade ganz wild ab. Es weht jetzt schon mit über 35 Knoten und heute Nacht soll sich der Sturm noch steigern und Windgeschwindigkeiten von über 100 Stundenkilometer erreichen, in Begleitung von sintflutartigen Regenfällen.

Sturm über Santa Cruz

Der Unwetterwarndienst spricht bzw. schreibt von einer Art Hurrikan und die Emanuelle aus dem Hafenbüro hat der Capitania erzählt, dass der gesamte Zivilschutz aller kanarischen Inseln in Alarmbereitschaft versetzt wurde. Unseren Ausflug nach La Laguna haben wir vorzeitig beendet, weil wir klitsch-klatsch nass geworden sind. Ich denke, dass wir an einem sehr guten und sicheren Platz liegen, wir haben doppelte Festmacher-und Springleinen ausgebracht, um das Schiff zu sichern. Mehr gibt es nicht zu tun, wir sind heilfroh, dass wir jetzt nicht draußen auf dem Atlantik unterwegs sind.

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Ein schwarzer Tag

für ein kleines weißes Segelboot.Dunkle Wolken ziehen vom Wind getrieben, Regen prasselt auf unser Kajütdach. Unsere Freundin Nicole hat ihr Radrenntraining auf Gran Canaria beendet und will nun eine Woche mit uns segeln.

Der Bergeversuch scheitert

Nahe zur Hafeneinfahrt stampft eine kleine weiße Holzyacht in den anrollenden Wellen, auf und ab, bis zu dem Zeitpunkt, an dem wohl die Vorleine reißt. Das kleine Schiff geht plötzlich auf Drift in Richtung Strand. Wir versuchen die Hafenmeisterei über Funk zu erreichen, leider erfolglos. Ich rufe die Küstenwache über Kanal 16 an und erreiche die Revierzentrale von Gran Canaria. Charterboote, bzw. vorbeifahrende Ausbildungsyachten scheinen die heikle Lage nicht wahrzunehmen, unseren Funkverkehr auf dem Notrufkanal 16 hat offensichtlich keiner mitbekommen. Währenddessen treibt das Schiff weiter in Richtung Strand, rollend in den Wellen, schwankt der Mast wie eine Peitsche durch die Luft. Das maritime Rettungscenter von Gran Canaria ruft uns über Funk zurück und fragt, ob Menschen auf dem treibendem Holzschiff seien. Wir können diese Frage glücklicherweise verneinen.

Zwei Marineros versuchen die “Alondra” vom Stranden abzuhalten…

Schon gestern Abend schwojte das Schiff allein und verlassen an seiner Mooringboje herum. Wir machen uns auf den langen Weg zur Strandungsstelle, um das lang gestreckte Hafenbecken von Pasito Blanco herum. Dort angekommen sind wir nicht die einzigen Zuschauer des Dramas, das sich auf dem Wasser abspielt. Wellen brechen über die quer in der Brandungszone angespülte Yacht.

… doch die Wellen holen sich das Schiff

Ein Schlepp- bzw. Bergeversuch scheitert, meiner Meinung nach, weil man versucht, das Schiff quer vom Strand abzubringen und damit gegen den Kiel zieht. Dann gibt es plötzlich einen Knall wie aus einer kleinen Pistole und die Schleppleine reißt. Inzwischen kommt ein Rettungsboot der spanischen Rettungsgesellschaft um die Ecke, macht sich ein Bild von der Lage, wagt aber keinen weiteren Bergeversuch und dampft wieder davon. Das Schicksal der kleinen weißen Yacht ist jetzt wohl endgültig besiegelt. Mit hängenden Köpfen gehen wir im strömenden Regen zu unserer Hexe zurück.

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Ein kapitaler Fehler

Mittwoch, 21. Februar 2018, Baro 1014, sonnig mit einzelnen Wolkenfeldern, Wind NW um 6, später nix, später 6-7
San Sebastian de Gomera 07:15 – 17:45 Puerto de Mogan

Um sechs Minuten vor sieben weckt Volker mich: „Los, raus aus dem Bett, wir legen ab!“ Das habe ich ja schon lange nicht mehr gehört, für alle diejenigen, die früher mit uns gesegelt sind, ist das allerdings ein wohl bekannter Ruf. Wir haben 74 Meilen vor uns, von La Gomera bis Puerto de Mogan auf Gran Canaria, wo schon unsere Freundin, die Hutmacherin Susanne wartet.

Good morning; Gomera

Conny und Hermann von der September winken uns zum Abschied, und werfen die Leinen los. Nach dem Ablegen müssen schnell die vielen Fender und Leinen verstaut werden, dann kommt das Großsegel hoch, und schon sind wir drin in der Acceleration Zone, es frischt auf, 24 Knoten Wind und mehr in Böen. Mit nur einem kleinen Vorsegel fliegt die Hexe mit über elf Knoten Geschwindigkeit über die Wellen. Die Wellen spritzen über den Bug, schlagen gegen die Rümpfe, das könnte ein schönes Schauspiel sein, hätten wir nicht einen kapitalen Fehler gemacht.

Der Teide, heute ohne Wolken

Normalerweise checken wir vor dem Ablegen, dass alle Abflüsse in den Waschbecken verschlossen sind, und alle kleinen und großen Fenster zu. Nur dass wir diesmal das kleine Fenster in der Toilette des Gästerumpfs vergessen haben. Und das bei diesen Wellen! Natürlich steht in dem kleinen Raum alles unter Wasser und natürlich hat sich das Salzwasser schon seinen Weg gebahnt , über den Flur in die Bilge, und natürlich nicht nur in eine, sondern in allen dreien schwabbelt fröhlich ein kleiner See. Mit Schwamm, Tüchern und Schüssel machen wir es erstmal halbwegs trocken.

Nur noch die Hand der Capitania ist zu sehen …

Um 08:45 lässt der Wind nach, die Wellen werden kleiner, und um 09:15 muss der Motor mit schieben. So unterschiedlich sind die Konditionen auf den Kanaren. Zeit für uns, um den Bilgeninhalt: Überlebensanzüge, unser immerwährender Weihnachtsbaum, Kisten mit Lebensmitteln, Dosen, Dauerbrot, Marmeladen, Einweckgläsern und ähnlichem abzuwaschen. Die Bilgen selbst werden ebenfalls mit Süßwasser gereinigt und getrocknet, dann muss noch der Raum mit der Gästetoilette komplett entsalzen werden.

Um 11:00 Uhr gibt es endlich Frühstück mit Rührei und Buttertoast, ich freue mich auf meinen Cappuccino, doch bevor ich den ersten Schluck nehmen kann, muss ich ihn leider wegschütten. Ich hatte aus Versehen des Skippers liebstes Gewürz, Maggi, statt in die Rühreier in meine Kaffeetasse geschüttet, brrrr!

Die Hexe on her way

Um 11:30 Uhr passieren  wir die südwestlichste Ecke von Teneriffa, der Wind frischt ein kleines bisschen auf, Volker rollt die Genua aus, aber ein Motor muss mit schieben bis nach 14:00 Uhr, zu spitz ist der Winkel des eher schwachen Windes. Dann erst kommt der versprochene Nordwester mit 15 Knoten aus 60°, mit kurzen kabbeligen Wellen, und sofort freut sich unsere Hexe, der Motor darf schlafen, neun Knoten Geschwindigkeit fühlen sich spielend an, der Neigungswinkel beträgt zwischen drei und sechs Grad. Leider spritzen die Wellen natürlich auch wieder Salzwasser an Deck, nur vorne, aber da hat Volker doch alles schon schön entsalzen…

Die lange Motorfahrt hat unsere Wasservorräte aufgeheizt, wir nutzen es für eine Dusche unter Segeln. Das ist gar nicht so einfach. Die Dusche ist eher am Bug des Schiffes, dort ist es unruhiger als am Heck, und es wackelt dermaßen, dass ich mich zum Haarewaschen und Einseifen auf den kleinen Rand setze, denn mit einer Hand muss man sich tatsächlich festhalten, um nicht umzufallen.

Delfine.…

Zweimal haben wir Delfine gesehen auf unserer heutigen Überfahrt, das erste Mal kurz nach dem Frühstück, ein riesiger Schwarm kam vorbei und spielte lange Zeit mit den Rümpfen, später kamen noch einmal welche, die waren aber offensichtlich mit der eigenen Jagd auf Futter beschäftigt, und relativ schnell weg.

Die zweite Accelertion Zone vor Gran Canaria hat uns auch wieder aufgerüttelt, wir mussten Großsegel und Genua nacheinander reffen; aber insgesamt war es ein schöner Segeltag, auch wenn Volker das Boot heute zweimal entsalzen musste. Ich habe schon beim ersten Mal gesagt: „Na hoffentlich machst Du das heute nicht noch einmal, kurz vor Gran Canaria!“

Eine Meile vor dem Hafen ist der Wind plötzlich wie abgestorben, wir motoren hin, aber ich finde, es sieht zum Ankern nicht sehr anheimelnd aus. Ich telefoniere mit der jungen Frau im Harbour Office, ob wir nicht doch eine Nacht dort bleiben können. Am Anlegesteg des Ausflugsboots ist nach 18 Uhr Platz bis morgens früh um 08:30. Das lassen wir uns nicht entgehen, kaum hat das Ausflugsboot abgelegt, sind unsere Leinen dort fest, und ich habe eine neue Freundin im Harbour Office.

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Wetter (Bombe)???

Die Katzen haben unsere Ankunft
schon sehnlichst erwartet

Dunkelrot mit Wüstensand bedeckt zeigt sich der Kat am Morgen nach der Ankunft. Wenn man mit der Hand über das weiße Gelcoat reibt, hat man eine salzig-sandig-rote Schleifpaste zwischen  den Fingern, die an eine grobe Politur erinnert. Das Zeug ist überall, in jeder Ecke, in jeder Sicke. So kann das natürlich nicht bleiben, Cornelia bewaffnet sich mit dem Fensterleder für die Scheiben und ich mich mit dem Wasserschlauch. Jedes Boot hat seine Vor- und Nachteile, der Pflegeaufwand aufgrund der großen Flächen und der vielen Ecken ist ein, wenn man so will, großer Nachteil beim Kat. Zweieinhalb Stunden schrubben wir das Boot, bis es wieder im schönsten Weiß mit der Sonne um die Wette strahlt.

Zur Mittagszeit verabschieden wir die Florentine-Crew, die für 2-3 Tage vors Valle Gran Rey ankern geht. Unser Abschied von La Gomera ist für morgen geplant. Nachmittags kommen unsere Freunde Hermann und Conny mit ihrem Kat in den Hafen und wir verbringen den Nachmittag und einen langen Abend zusammen.

Windvorhersage für Dienstag

Reisepläne – wir wollen morgen ins 75 Seemeilen entfernten Pasito Blanco segeln, einem Hafen auf Gran Canaria. Dort warten schon unsere Freundin Susanne mit ihrer Mutter auf uns, die Kanarenlandurlaub machen. Am Freitag kommt dann Nicole aus Darmstadt für ‘ne Woche an Bord.

Wellenhöhe…

Nur, ob wir auf der Südseite von Gran Canaria, in Pasito bleiben können, muss man mal sehen. Im Atlantik, ca. 300-400 Kilometer westlich, braut sich ein massiver Sturm zusammen, der neben extrem hohen Windgeschwindigkeiten enorme Wellenhöhen von bis zu 10 Metern verursachen wird. Das Ganze sieht im Vorhersagemodell fast wie ein tropischer Wirbelsturm aus. Der Wind soll ab Samstag auf Süd drehen, der beständige Nordostpassat wird einschlafen. Die Wellenrichtung dreht langsam von Nord/ Nordost auf Nordwest bis West.  Wir werden am Freitag entscheiden, wo wir diese Wetteranomalie abwettern wollen, wohin wir uns verkriechen werden. Vor Ort, in Pasito Blanco, wollen wir sehen, ob wir dort mit der Hexe bei den vorhergesagten Bedingungen sicher liegen können. Alternativ käme Santa Cruz auf Teneriffa in Frage oder eben La Gomera. Mal sehen …

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Ankunftseindrücke

Die Fähre öffnet ihren großen Mund

Pünktlich um 16.30 setzt unser Flieger, eine brandneue Boeing 757, auf der meernahen Piste in Teneriffa Süd sanft auf. Ich muss sagen das war eine der weichsten Landungen in meinem Leben, Respekt bei soviel Pilotenfeingefühl. Das Glück war uns dann weiterhin hold, denn der Linienbus nach Los Cristianos stand abfahrbereit am Ankunftsterminal und keine 20 Minuten später waren wir am Fährhafen von Los Cristianos.

Los Cristianos im Kielwasser

Dort hieß es erstmal abwarten, denn bis zur Abfahrt unserer Fähre nach La Gomera waren es noch gut eineinhalb Stunden, doch wenn wir eins gelernt haben in unserer Segelzeit, ist es Geduld und die Fähigkeit, uns die Zeit zu vertreiben.

Wir erfreuen uns an der bergigen Hintergrundkulisse von Teneriffa, schauen dem Strandleben zu, genießen ein kühles Bier auf der Fährhausterrasse, dann kommt schon die Fähre in den Hafen getuckert. Das Boarding geht schnell vonstatten, nur wenige Passagiere warten auf die Inselverbindung an diesem frühen Sonntagabend.

Zumba für die Kleinen

Eine Besonderheit bei wochenendlichen Fährfahrten sind die Animateure für Kinder an Bord. Auf dem Achterdeck wird zu lauter Musik  Zumba getanz, außerdem gibt es für die Kleinen knifflige Quizaufgaben zu lösen.

Cornelia an Bord

Cornelia und ich schauen dem Treiben vom Oberdeck aus zu und erkunden anschließend den Passagierbereich, während sich die Fähre mit 21 Knoten schnell dem Ziel nähert.

Ankunft in San Sebastian

Kaum auf La Gomera angekommen, packen wir kurz unsere Sachen an Bord der Hexe aus und gehen dann ganz lecker essen. Nicht ins Restaurant, denn unsere lieben Freunde von der Florentine haben uns zum Abendessen eingeladen. Es gibt coc au vin – Hähnchen in Weinsoße, wir schlemmen, schnacken, trinken und  irgendwann sind wir ganz müde.Das ist irgendwie immer so, wenn wir zum Meer hin oder wegreisen, die Klimaveränderung zeigt ihre Wirkung, wir fallen in die Federn, schlafen fast zehn Stunden am Stück.

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Winter in Darmstadt

Im Fernsehen gibt es gerade eine Dokumentation über besondere Bauwerke und ihre Bedeutung bis in unsere heutige Zeit hinein. Die Capitania chillt neben mir auf dem Sofa, die Heizkörper strahlen eine gemütliche Wärme ab, und die Kerzen tauchen das Wohnzimmer in ein friedlich-warmes Licht. Eins der vorgestellten Bauwerke in der Doku haben wir beim Beginn unserer Segelreise im Oktober 2014 bestaunt. Es geht um die Stahlkonstruktion einer Brücke über den Douro, einem 160 Meter breiten Fluss in der portugiesischen Stadt Porto. Diese freitragende Metalllbogenkonstruktion ohne Mittelpfeiler ist eine echte Pionierleistung vom Erbauer des Eiffelturms Gustav Eiffel. Die Brücke ist u.a. ein Vorgänger der heutigen Dachkonstruktionen in den großen Fußballstadien dieser Welt. Gut, die Darmstädter Fußballequipe spielt in keinem voll überdachten modernen Stadion. Das scheint im Moment auch nicht notwendig zu sein, denn der SVD ist leider tief im Tabellenkeller der 2. Bundesliga, und alle Fußballfans in der City hoffen auf die Wende für die Lilienelf, damit kein Abstieg in die Drittklassigkeit erfolgt.

Klar sind wir auch hier in Darmstadt mit der Seglerwelt verbunden, und fast alles dreht sich um diese schönste Nebensache der Welt. So verfolge ich täglich die Neuigkeiten im Internet rund um den Segelsport. Was auffällt ist, dass die bei den Onlinewebseiten der Segelmagazine vorgestellten neu auf den Markt gekommenen Segelschiffe immer größer werden. Während die Serienmotorboothersteller natürlich auch große Boote verkaufen, bieten sie zugleich aber immer wieder kleine Schiffe für Einsteiger an. Motorboote scheinen sowieso immer beliebter zu werden, erstmals hat Hanseyacht während der Boot in Düsseldorf mehr Motorboote als Segelyachten verkauft. Bavaria Yachts aus Würzburg hat seine Motorbootpalette ebenfalls erweitert und bietet erstmals mit seiner Katamaransparte “Nautitech” einem gut motorisierten 47 Fuß langen Motorkatamaran an. Die Bestellzahlen für Boote gehen nach oben und man hat den Eindruck, dass die Wassersportbranche sich, nach schwierigen Jahren, im Aufwind befindet.

Auf Aufwind unter den Tragflächen und genügend Schubkraft der Treibwerke hoffen wir auch, wenn wir am Sonntag nach La Gomera zurückfliegen. Morgen gibt es also einen vorerst letzten Wintertag, es soll schneien in Darmstadt und dann geht es am Sonntag ab in den Süden…

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29 Knoten Topspeed

Das Meer ist aufgewühlt

Windgepeitschte Wassermassen stürmen heran, gute vier Meter hoch sind die Wellenberge, Wasserteilchen auf dem Wellenkamm werden vom Sturmwind weggerissen, weiße Gischt schlägt an die Fenster. Das Schiff legt sich weit über und rollt stark im Seegang, manche Wellen beschleunigen es, andere bremsen uns spürbar ab. Wir haben den sicheren Hafen La Gomera früh am Morgen verlassen, vorübergehend zumindest, es geht nach Osten, Teneriffa liegt voraus, vor dem Bug der Schnellfähre, auf der wir uns befinden. Eine Art Dauergrinsen liegt auf unseren Gesichtern, wir erfreuen uns an dem Naturschauspiel, das uns das Meer bietet. Naturgewalten sind Urgewalten, wir sind heilfroh, dass wir auf der Trimaran-Schnellfähre sind, die mit ihren beachtlichen 124 Metern Länge durch die Meerenge von La Gomera und Teneriffa pflügt. Einige Mitfahrende opfern den Meeresgöttern, weiße Brechtüten gibt es an jedem Sitzplatz auf dem Schiff.

Cabo São Vicente,
der südwestlichste Zipfel Europas

Wir haben für eine Woche Heimaturlaub geplant, und die Wettergötter tun anscheinend alles, damit uns wir diese Reise nicht vergessen werden. In Los Cristianos gibt es nach dem Anlegen der Fähre erst mal eine einstündige Pause für uns am Strand, bevor es mit dem Bus zum Flughafen geht.

Das nächste Reisehighlight ist der Start des Ferienfliegers, in dem wir uns befinden. Kurz vorher sehen wir rechts von der Rollbahn  das vom Sturm aufgewühlte Meer. Direkt nach dem Abheben wird das Flugzeug von den Sturmböen erfasst und durchgeschüttelt, die Tragflächen schwingen wild auf und ab.

Die Pyrenäen sind schneebedeckt

Auf dem gesamten ansonsten ruhigen Rückweg nach Frankfurt haben wir starken Gegenwind und kommen mit fast einer Stunde Verspätung im winterlich kalten Hessen an. Gut, dass uns Larissa am Airport abholt, und wir uns dadurch nicht so lange in der Kälte rumstehend auf den Bus warten müssen. Die Stimmung im Grohe, Darmstadts ältester Gaststätte, ist gut und das erste Grohebier rinnt schnell unsere durstigen Kehlen hinunter.

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Da ist er wieder,


Blick von oben auf das aufgewühlte Meer

der Wind, nach einem Tag Ruhepause weht es in Böen wieder mit satten acht Beaufort durch den Hafen, auch in den nächsten Tagen.

Heute am frühen Morgen hieß es erst mal Abschied nehmen von Wolfgang und Ute, deren Kurzurlaub ist vorbei und mit der Frühfähre fahren die beiden nach Los Cristianos in Teneriffa und von dort weiter zum Flugplatz. Dafür gab es am Nachmittag ein freudiges und sehr überraschendes Wiedersehen. Hermann, der in frühen Jahren mit Cornelia zusammen die Ausbildung zum Musikalienhändler durchlaufen hat, kam samt Ehefrau Conny auf dem Katamaran  „September“ nach La Gomera. Wir hatten uns vor gut 10 Jahren mal beim Skifahren getroffen und wussten nichts von ihren Segelplänen. Umso größer war die Überraschung, auch diese beiden leben seit längerer Zeit an Bord, die (Segler)-Welt scheint wirklich klein zu sein.

Die Capitania, vom Winde verweht

Die Capitania macht mich gerade darauf aufmerksam, dass wir noch gar nicht von unserer Wanderung vor ein paar Tagen berichtet haben. Die Insel ist ja ein echtes Paradies mit einem vielfältigen Netz an Wanderwegen in allen Schwierigkeitsgraden. Ein schöner Weg ist der von San Sebastian in die Bucht von El Cabrito, gut sieben Kilometer lang, mit mittlerem Schwierigkeitsgrad. Nur an unserem Wandertag hat der Wind noch einen Tacken an Schwierigkeit dazugelegt, denn oben auf dem Berg blies es mit gut 100 Stundenkilometern und man musste gut aufpassen, um nicht weggeweht zu werden.

Nur Fliegen ist schöner

Bei dieser Wandertour gibt es noch eine sehr angenehme Besonderheit, und das ist die Fährverbindung, die zwischen El Cabrito und unserem Yachthafen besteht. Mehrmals täglich pendelt ein Motorboot hin und her, und man kann hinwandern, und die Fähre zurück nehmen. Nur nicht an unserem Wandertag, da war für das kleine Boot viel zuviel Wind, und der Fähranleger in der Bucht überschwemmt. Also musste auch wieder zurück gewandert werden.

Zu El Cabrito selbst gibt es eine eher betrüblich-berühmte Geschichte, die wir ein anderes Mal erzählen werden.

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Schmähgesänge…

Die Karnevalszeit auf La Gomera bzw. in San Sebastian ist gestern Abend eröffnet worden. Die Eröffnung der närrischen Saison wird mit  Schmähgesängen gefeiert. Lieder, bei denen die lokale Politik und das soziokulturelle Leben ingesamt durch den Kakao gezogen werden. Verschiedene Gesangstruppen treten dazu auf, das Publikum sitzt unkostümiert unter der überdachten Veranstaltungshalle auf dem Marktplatz. Trotz ihrer guten Spanischkenntnisse versteht die Capitania wenig von den dargebrachtem Texten, lustig sehen die Darbietungen der Künstler und deren Kostüme dennoch aus.

Wäre alles zu genießen, wenn es nur nicht so laut wäre. Es stehen einige tausend Watt an Lautsprechern vor Ort, und selbst im 500 Meter entfernten Yachthafen fühlt man sich wie live neben den Boxen. Anscheinenden mögen es die Locals, wenn es in den Ohren dröhnt. Der erste Karnevalsabend geht bis zum nächsten Morgen, erst um 5 Uhr 30 ist endlich Ruhe. Ab 16 Uhr geht es mit der Fiesta de Carnaval weiter und wir sind schon auf die nächste Nacht gespannt.

Zwischendrin wagen wir am heutigen Sonntag mit Ute und Wolfgang, frei nach dem Motto, “am Sonntag will mein Süßer mit mir Segeln gehen” einen kleinen Segelausflug aufs aufgewühlte Meer. Wir setzen das Großsegel im 2. Reff und rollen die Genua nur zur Hälfte aus, der Kat beschleunigt direkt auf 10-12 Knoten, und als dann noch eine Böe mit über 30 Knoten Wind in die Segel fällt, läuft die Hexe flotte 14 Knoten. Gischt fliegt über das Schiff und die Hexe surft permanent dahin. Playtime für Wolfgang und mich, nur die Capitania und Ute haben keinen Spaß an der Rauschefahrt und wollen zurück in den schützenden Hafen. Schade. Wir drehen die Genua weg und halsen. Auf dem neuen Bug drehen wir nur noch ein kleines Stück Vorsegel raus und dennoch segelt das Boot mit 8-10 Knoten dahin. Der Hafen kommt schnell näher, wir bergen die Segel und Cornelia legt meisterhaft an. Zwei Stunden segeln stehen dann eine Stunde Schiff abwaschen und entsalzen entgegen. Lohnt sich das? Klar!

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Gegensätze

Felsformationen

Am gestrigen Freitag sind wir, Cornelia, Ute, Wolfgang und ich einmal komplett mit dem Leihwagen um und durch La Gomera kutschiert. Die Insel ist voller Gegensätze und die ziehen sich bekanntlich an, oder im Fall von La Gomera, sie ergänzen sich bestens. Die Berge so hoch, die Täler so tief, trockene karge Abschnitte grenzen an den immerfeuchten Lorbeerwald, liebliche Strände münden in schroffe und wellenbrechende Küstenabschnitte und schön warm und usselig kalt sind nur ein paar Kilometer voneinander entfernt.

Valle Gran Rey

Unser erstes Ziel, war das Tal des Königs, Valle del Rey im Südwesten der Kanareninsel. Wer aus San Sebastian mit dem Auto raus will, kann zwei Straßen nehmen und jede führt in Serpentinen steil nach oben. Am ersten Aussichtspunkt blicken wir über das böenweiße Meer, hinüber nach Teneriffa. Konrads Aussage, dass alle 100 Höhenmeter die Temperatur um 1 Grad sinkt, trifft zu. Auf dem Bergkamm, auf 1300 Metern Höhe, sind es kalte 7 Grad, Nebelschwaden rasen, vom Wind getrieben, über die Bergspitze, der dichte dunkle Wald sieht mystisch aus.

Lorbeerwald

Aussichtspunkte heißen auf spanisch “Mirador” und der nächste macht seinem Namen wirklich alle Ehre. Steil fällt die Felswand nach unten, ein kleines Dorf schmiegt sich an die Flanken und am Ende mündet die Schlucht ins Meer. Die Bäume sind wegen der permanenten Feuchtigkeit mit Flechten übersät. Elche würden sich hier mehr als wohlfühlen, ist mein erster Gedanke. Nach eineinhalb Stunden Fahrzeit sind wir in Playa la Calera angekommen und genießen die Wärme, das Meer und die Betriebsamkeit auf der Uferpromenade. Es bleibt Zeit für ein Getränk und ein Mittagessen. Ich probiere erstmals die inseltypische Brunnenkressesuppe, die sehr lecker schmeckt. Wir machen noch einen kleinen Zwischenstopp zum nahe gelegenen Hafen mit der großen Ankerbucht und dann geht es auf den Rückweg.

Blick zum Meer

Diesmal wählen wir eine andere Route, fahren um, bzw. durch den östlichen Teil von La Gomera. Es folgen noch ein paar Stopps mit kleinen Spaziergängen und um kurz vor  19 Uhr sind wir wieder in San Sebastian.

Fazit – La Gomera lohnt sich, den Gegensätze ziehen sich an.

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