Ausflugstag

Soviel vorweg, heute ist für mich, für uns, ein ganz besonderer Tag und an solchen Tagen muss man etwas ganz Besonderes machen. Aber erst einmal will ich mit dem Anlass herausrücken, Larissa, meine Tochter hat am heutigen Tage Geburtstag und wird junge 22 Jahre alt. Ein Grund zum Feiern für Sie und ein besonderer Tag für den stolzen Vater. Auch wenn wir gerade gut 1.700 Kilometer voneinander getrennt sind.

Gestern waren wir beim hiesigen Hafenmeister und haben mit ihm die verschiedenen Möglichkeiten besprochen, um regionale Sehenswürdigkeiten und die nahegelegene Zwei-Millionen-Einwohnerstadt Tunis besichtigen zu können. Kein Problem, er kennt einen regionalen (Fremden)-Führer, der uns Menschen, Sehenswürdigkeiten und Historie nahe bringt.

Volker mit unseren zwei Fremdenführern Nesrin und Kefi

Pünktlich um 9 Uhr stand Kefi Abderraout mit seiner charmanten ebenfalls 22 Jahre jungen Tochter Nesrem  und seinem Vw-Bus vor dem Hafenmeistergebäude. Schon ging es los,, auf die Autobahn in Richtung Tunis. Auf der Fahrt dorthin haben wir soviel Informationen über unser europäisches und das tunesische Leben ausgetauscht, dass mir der Kopf von all dem französischen Vokabular schon so geraucht hat. Unsere beiden Führer können auch bestes Englisch sprechen, nur zur Info. Erster Stopp war das Nationalmuseum von Bardo, die Sammlung gilt als eine der größten Mosaikensammlungen der Welt.

Kacheln …

Odysseus, dem Gesang der Sirenen lauschend

Neptun

Was man dort an historischen Mosaikbildern zu sehen bekommt, ist faszinierend, soviele abertausende kleine Steinpuzzelchen, die zusammengefügt ein einzigartiges Bild ergeben, haben uns schon sehr eindruckt.

Einschusslöcher vom Attentat

Nicht minder mitgefühlt haben wir, als Kefi uns ein unschönes Kapitel des Museums zeigte. An einigen Stellen sieht man Einschusslöcher in der Wand, weil genau dieses historisch einzigartige Museum das Ziel eines perfiden Anschlags war, den zwei Terroristen im Frühjahr 2015 ausübten und bei dem 20 unschuldige Menschen den Tod fanden. Die Einschüsse im Fahrstuhl, Treppengeländer, Mobiliar und in den Marmorböden wurden zur Erinnerung so belassen, wie sie sind, am Eingang des Museums gibt es eine Gedenkstätte. Soll man trotzdem Bardo besuchen? Auf jeden Fall, weder der historische Ort kann etwas für dieses feige Attentat, es gibt sowieso keine verbriefte Sicherheit, nirgendwo auf dieser Welt. Den Rest muss jeder für sich selbst entscheiden.

I love Tunis

Die französische Botschaft in Tunis – verrammelt wie im Krieg

Von dort aus machten wir eine kleine Stadtrundfahrt durch die mit reichlich Verkehr gut gefüllten Straßen von Tunis. Da wollen wir beim nächsten Besuch (und wenn kein Ramadan ist) mal ein paar Tage verbringen, genauso haben wir mit Kefi und Nesrem einen Ausflug in die 500 Kilometer entfernte südliche Wüste besprochen, aber das ist Zukunftsmusik.

Blick von Karthago über die Bucht

Nach dem knapp zweistündigen Besuch im Museum ging es weiter nach Karthago, dem Ort, in dem Hannibal geboren wurde und von dem er aufbrach, um Rom zu erobern. Karthago und die angrenzende Gegend war die Kornkammer der Römer. Allein der Plan vom Handelshafen lässt erahnen, wie wichtig Karthago für das römische Reich war. Römische Ruinen gibt es jedenfalls dort zuhauf und einen grandiosen Blick über Tunis mit der angrenzenden Meeresbucht gratis dazu.

Direkt nebenan steht eine große, ehemals christliche Kathedrale mit arabischen Stilelementen, die in der heutigen Zeit für Trauungen, Konzerte und regionale Veranstaltungen genutzt wird. Von außen sieht das Bauwerk vertraut aus, vom europäischen Gesichtspunkt her, innen hat es jedoch einige Überraschungen zu bieten.

Der amerikanische Friedhof

Von dort aus haben wir einen amerikanischen Militärfriedhof mit informativen Schautafeln über die Invasion der deutschen Wehrmacht in Nordafrika und der Gegenoffensive des Alliierten, während des zweiten Weltkrieges besucht. Hohe Verluste an Menschenleben gab es leider auf beiden Seiten in diesem Teil Nordafrikas, der Friedhof ist für einige ein stiller Ort des Gedenkens.

Zum Abschluss ging es in die wunderschöne Stadt, Sidi Bou Said, klingt fremd, ist fremd, aber auch genau so einzigartig schön.

Der Hafen von Sidi Bou Said

Sidi Bou Said Altstadt

Was für ein Blick

Bizerte bietet viel tolle fotogene Ecken, aber Sidi Bou Said ist eine echte Perle, mit einem Ortskern zum Verlieben, mit der besten Aussicht, die eine Stadt bieten kann – hin zum Meer in eine hufeisenförmige Bucht.

Neben all den besuchten Orten bietet Tunesien soviel an neuen Eindrücken und Impressionen, allein bei einer banalen Autofahrt, dass man irgendwann, gefühlt nicht mehr aufnahmefähig ist, so wie ich im Moment, in dem ich das hier “zu Papier“ bringe. Um 17 Uhr waren wir zurück an Bord, nicht ohne von unseren beiden liebenswerten Fremdenführern zu einem Abendessen in den nächsten Tagen zu sich nach Hause eingeladen zu werden. Da freuen wir uns schon sehr darauf und haben natürlich die Einladung sehr gerne angenommen.

Viele weitere Bilder haben wir hochgeladen in den Ordner “Tunis” unter der Bildergalerie.

Zum Schluss nochmal ein Appell, auf geht’s, ihr Segler, segelt nach Tunesien, taucht ein in eine andere Welt, lasst Euch von Land und Leuten genau so beeindrucken wie wir, es lohnt sich!

Veröffentlicht unter Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Angekommen

So, wir sind weitergefahren, nachdem wir um 13:30 Uhr den ersten zaghaften Netzempfang hatten, haben wir uns die diversen Wetterberichte geholt. Für die nächsten Tage sah es auch nicht besser aus als für heute Nacht, also sind wir wieder durch den Canale di San Pietro gesegelt und motort, haben Ort und Marina Carloforte rechts liegen lassen, ein junger Mann in einem Rib kam zu uns und fragte, ob wir einen Liegeplatz in der Marina brauchen, „grazie, oggi no“, und dann ging es weiter Kurs 142° hundertzwanzig Meilen Richtung Afrika.

18:00 Uhr sind wir zwischen der Kuh- und der Stierinsel, die vor dem sardischen Südzipfel liegen, hindurchgesegelt, und dabei zweimal ganz kurz einen kleinen Wal gesehen, der sich leider aber direkt wieder verabschiedet hat. Abendessen gab es heute für uns beide, Spaghetti bolognese am Cockpittisch

lauter feindliche Schiffe (das schwarze sind wir)

03:15 Der Mond ist aufgegangen. Im Canale di Sardegna ist deutlich mehr los als auf dem Weg hierher. Frachter, eine Fähre, viele Fischer, man muss ganz schön aufpassen, denn nicht alle haben AIS, und gerade die Fischerboote sind eine Herausforderung, weil man nie genau weiß, in welche Richtung die als nächstes Fahren auf der Jagd nach ihrer silbernen Beute. Und was für wohlklingende Namen die großen Tanker und kleineren Fischer haben: „Andrea Doria II“ (ein Fischer!), „Daniele M.“, „MSC Regina“, „Thalassa Patris“, „Ikaria Island“ oder „Blandine“.

Die Orchidee steht für die Überfahrt in der Spüle (Monoseglervorsicht)

Jetzt muss ich auch mal etwas Positives zu unserer neuen Hexe sagen, bei allen Problemchen und großen Problemen, die wir mit ihr haben, ist es mega komfortabel, vor allem weite Strecken mit dem Kat zu fahren. Man kann richtig im Bett schlafen, wenn man müde ist, man kann das Essen zubereiten, ohne sich beständig festhalten zu müssen, und man kann zwischendurch entspannt sitzen und Logbuch schreiben oder Testprüfungen machen oder stricken, oder, oder. Zum Sonnenbaden kann man sich mit der Fernbedienung für den Autopilot vorne ins Netz legen, den Delphinen zuschauen. Und sie segelt gut. Trotz des dicken Bewuchses an unserem Rumpf sind wir bei Windgeschwindigkeiten zwischen 11 und 13 Knoten und einem wahren Windeinfallswinkel von 40-45° mit 6 – 7 Knoten Fahrt unterwegs, wie wird das erst mit dem neuen Antifouling werden?! Gerade so eine Nacht wie heute ist auf einem Kat deutlich entspannter als auf einem Mono. Ich jedenfalls bin sehr froh, dass wir uns entschieden haben, unsere große Reise auf zwei Bootsbeinen zu unternehmen, und erfreue mich jeden Tag an dem wunderschönen neuen Zuhause, dass es für mich auch schon ist. Bei dem Skipper bin ich mir da nicht so sicher, ich glaube, der ist noch skeptisch…

Dienstag, 20. Juni 2017, Baro 1016, sonnig einzelne Wolken, Wind O 3-4, auf See

Sonnenaufgang mit Frachter

06:00 Sonnenaufgang, unter Segeln seit 04:00 Uhr (und der Segelwind hält diesmal erstaunlicherweise bis zur Marina Bizerte!).

06:30 der Tanker „Quartz“ fährt eine Meile hinter uns vorbei, der Name war eher außergewöhnlich als wohlklingend. Ich hab ihn auch lieber nicht im VHS gerufen, „Quartz, Quartz for Hexe, Hexe“, wie klingt das denn?

08:25 Uhr, der Frachter „Ozden S“ (auch kein wohllautender Name) wird (nicht nur im AIS) sichtbar und: Land in Sicht! In 225° ist ein höherer Berg schemenhaft zu erkennen, das scheint mir aber in Algerien zu liegen.

Colombo Express im AIS

Thalassa Patris im AIS auf dem Weg nach Piraeus

Atlantic Ocean, 400 m lang

10:00 Uhr, jetzt ärgern sie uns aber! Drei Frachter, u.a. „Thalassa Patris“ sind auf Kollisionskurs um uns herum, Volker weicht ihnen aus, denn wir fahren unter Motor. Als diese Kolosse alle vorbei sind, rollen wir die Genua aus und segeln, bis Bizerte durch.

Colombo auf dem Weg nach Rotterdam

Thalassa in Realitüt

Atlantic Ocean, voller Container

Haben wir uns in den vergangenen Tagen über zu wenig Wind beklagt, wird es jetzt fast ein bisschen zu viel. Unser Windmesser zeigt zwar nur maximal 16 Knoten an, aber wir wissen genau, dass das hier eher 20 – 22 Knoten sind als 14 – 15. Den Windmesser müssen wir genauso mal kalibrieren wie die Logge, nachdem das Unterwasserschiff gemacht ist, denn die zeigt für die in der Routenplanung festgelegten 476 Seemeilen am Ende nur 252,74 Meilen. Das kann ja gar nicht stimmen! Aber wir haben natürlich die Logge auch erst am zweiten Tag wieder in Betrieb genommen, also kann es prinzipiell doch stimmen. Auf jeden Fall werden wir es überprüfen.

Vorbereitet für Tunesien

Volker steuert mit der Pinne, das ist bei so einem Wind und einem Amwindkurs richtig Arbeit. Nach einem Telefonat mit dem Hafenmeister, Monsieur Chamari ist klar, dass sie uns dort erwarten, wir brauche  noch nicht einmal vorher übers VHF zu rufen, sie sehen schon, wenn wir ankommen. Die tunesische Coastguard hat uns über Kanal 16 gerufen, zufällig war ich am Naviplatz, und überprüfe, welches Segelboot sie wohl meint, denn sie ruft nach einem Segelboot auf unserer Position. Also melde ich mich, gebe Bootsnamen, Länge, etc. an, Nationalitäten, und dass die Marina Bizerte uns erwartet.

Bizerte – Vorort

Tatsächlich steht der Hafenmeister schon am Kai, als wir in den Hafen einfahren und dirigiert uns zu unserem Liegeplatz, wo wir bald gut vertäut fest liegen. Wie gehabt, kommen sofort Zoll und Polizei an Bord, wir füllen die Papiere aus, Volker biete dem Polizisten ein Wasser an, aber der lehnt entrüstet ab: „On est au mois de Ramadan!“, okay, sorry, stimmt ja. Aber am Samstag Abend ist Ramadan vorbei, Sonntag und Montag herrscht hier wohl der Ausnahmezustand. Auch abends sei es voller Menschen in der Stadt, sagt der freundliche Zollbeamte, da ist richtig Fest. Nun, wir sind erst einmal froh, es sicher und gut bis hierher geschafft zu haben, es war eine schöne Überfahrt, mit Wind am Anfang und Ende, und ein bisschen zu viel Motorfahrt, aber insgesamt fanden wir sie sehr harmonisch und wenig anstrengend.

Veröffentlicht unter Uncategorized | 1 Kommentar

Vor Sardinien

Jetzt haben wir wieder Netz, hier die Fortsetzung unseres Logbuchs vom Samstag, 17. Juni:

Um 08.00 Uhr hat der versprochene Wind gefrühstückt und bläst die Backen auf, wir haben, diesmal rechtzeitig, gerefft, das Groß im 2. Reff und zwei Umdrehungen in der Genua. Manchmal surft die Hexe, dann kommen wir sogar mit dieser Besegelung auf über neun Knoten Geschwindigkeit.

Die französische Marine grüßt die Hexe

08:45 Uhr: Der Wind frischt weiter auf, 27 Knoten werden leicht erreicht, wir drehen die Genua noch ein Stück weg, ich hab schon die 16,3 Knoten Geschwindigkeit über Grund auf der Anzeige gesehen.

Leider geht es mir heute nicht so gut, entweder habe ich irgendein Essen nicht vertragen, oder ein kleiner Magen-Darm-Virus hat sich eingeschlichen, seekrank bin ich ganz sicher nicht. Aber der Blick von der Toilette in unserem Bad über die sich auftürmenden Wellen ist richtig gut, manchmal kommt sogar eine bis ran und spült die Fensterscheiben. Ich leg mich einfach hin, Volker übernimmt das Segeln, refft die Genua wieder aus.

Eine Libelle zu Besuch, über 100 Meilen von der Küste entfernt

Um 11:45 Uhr möchte Volker auch das Groß ausreffen, als wir in den Wind drehen, sehe ich allerdings, dass der Windanzeiger plötzlich über 20 Knoten anzeigt, warum stimmt das nicht mit dem wahrem Wind überein? Das Problem hatten wir auf der alten Hexe schon mal, da waren die kleinen Paddelrädchen der Logge bewachsen und drehten sich daher nicht mehr. Dadurch wird die Geschwindigkeit durch das Wasser nicht mehr ermittelt und durch diese fehlende Information zeigt das System eine falsche Windgeschwindigkeit an. Wir segeln zunächst so weiter, mit der Genua im Schmetterling, und reffen um 13.00 Uhr dann doch aus.

Vorhin war einmal ein einzelner Delfin bei uns, spielte zwei Minuten und verschwand wieder. Ebenfalls verschwunden ist leider unsere Backbord Achterleine. Die hat Neptun sich mit einer Welle aus der Tasche geholt, Frechheit!

Sonnenbad auf dem Trampolin

14:00 Uhr: Nach dem Mittagessen (nur für Volker heute) macht er es sich auf dem Trampolin bequem. Und dann kommen die Delfine, vier an der Zahl, sie tanzen in Zweierformationen zwischen den Rümpfen, umspielen den einen Rumpf, dann den anderen, machen elegante, manchmal auch sehr tolpatschige Sprünge, besonders, wenn sie versuchen, sich in der Luft zu drehen, endet das oft in einem Bauchplatscher. Schnell können sie durchs Wasser gleiten, 7 – 8 Knoten Geschwindigkeit sind gerade gut, und dann kreuzen sie noch vor den Rümpfen hin und her. Fast eine Stunde sind sie bei uns geblieben.

18:30 Uhr, Baro 1009, sonnig, Wind NW um 10 Knoten. Der Wind hat weiter nachgelassen, wir setzen den Genaker, machen aber leider nur noch 4,5 Knoten über Grund. Dafür sind seit heute Nachmittag die Wellen kleiner geworden, nix schlägt mehr innen an den Rumpf. Nur Volker ist pessimistisch: „Spätestens ab Sonnenuntergang lässt hier der Wind komplett nach, das wird bestimmt eine Motornacht!“

Sonnenuntergang

Unsere Vermutung bezüglich des Windes bewahrheitet sich leider, pünktlich zum Sonnenuntergang geht dem Wind die Puste aus. Der Motor muss ran. Ringsherum ist pottenschwarze Nacht und ein sensationeller Sternenhimmel zieht auf, atemberaubend. Ich gehe schlafen, überprüfe vorher noch, dass die AIS-Alarme eingeschaltet sind.

23:30 Uhr, Baro 1010, Wachwechsel. Ich verstelle die Helligkeit der Digitalanzeigen an den Steuerständen. Beim Autopilot macht man das mit der Taste, die ihn auch auf Standby schaltet. Anschließend überprüfe ich, dass der eingestellte Kurs noch stimmt, übersehe dabei aber leider, dass der Autopilot ausgeschaltet ist. Zehn Minuten später zeigt der Windmesser gut segelbare 9 bis 10 Knoten Wind, mit einem Windeinfallswinkel von 70° Grad, ideal! Ich wecke Volker, jetzt ist der Wind auf 14 Knoten. Der Skipper kommt willig aus den Federn, steckt die Nase in den Wind, schaut auf dem Kompass und wundert sich, warum wir wieder nach Frankreich zurücksegeln.  Oje, dumm gelaufen!

Da es mit dem Segeln dann doch nichts ist, geht er, genau so schnell wie er rausgekommen ist, zurück in die Federn, steht aber um 01:00 Uhr schon wieder auf der Matte. Bettgehzeit für die Capitania.

Um 03:00 wache ich ganz schuldbewusst auf, weil ich denke, es würde schon gleich hell werden und ich hätte viel zu lange geschlafen. „Nein, nein“, beruhigt Volker mich, „alles o.k.“.

Volker kann noch ‘ne Mütze voll Schlaf vertragen und heuert vom Kommandostand ab – ich übernehme die Wache. Überprüfe zunächst mal im AIS, dass sich keine feindlichen Schiffe nähern, schalte ich kurz das Radar ein, falls hier kleinere Boote ohne AIS herumschippern sollten, aber alles ist ruhig. Der Passagierdampfer „Sovereign“ wird erst in zweieinhalb Stunden in über 17 Seemeilen Entfernung unseren Weg kreuzen. Den werden wir noch nicht mal sehen. Auch beim Rundumblick von der Brücke ist alles klar, es gibt fast keine Welle, und die mittlerweile aufgegangene Mondsichel spiegelt ihr Licht im glatten Wasser, weiterhin Motorfahrt.

05:25 Uhr: Genau um diese Zeit entdecke ich ein ein AIS-Signal von einem 18 Meter langen und 6 Meter breiten französischen Schiff auf dem Bildschirm, das den seltsam anmutenden Namen „AD 5 Solosailor“ trägt.  In der aufkommenden Morgenröte kann ich nur ein großes Segel ausmachen, das Schiff ist über drei Seemeilen entfernt und fährt weiter in Luv, wie wir unter Maschine.

Sonntag, 18. Juni 2017, Baro 1010, sonnig, Wind NO um sieben Knoten, auf See

Der Segelkollege AD 5 Solo Sailor

Die Regattayacht Imoca 60

06:30 Uhr: Der Skipper ist aufgewacht, wir haben Halbwind, 6-8 Knoten, versuchen mit dem Gennaker zu segeln, mal sehen, wie lange die Brise anhält. Die französische Yacht hat jetzt ebenfalls den Genaker gesetzt und segelt seitlich versetzt hinter uns her. Der Skipper nimmt das Fernglas in die Hand und bestätigt mir seine vorangegangenen Vermutungen, dass es sich um eine Imoca 60 Regattayacht, handelt, mit der Segelhelden, u.a. solo und non-stopp um die Erde segeln. So ein Schiff sieht man nicht alle Tage, beinahe zwei Stunden können wir, mit optimal getrimmten Segeln, die französische Konkurrentin hinter uns halten. Die ändert dann die Richtung und rauscht mit Südkurs davon.

09:30 Uhr: Der Windeinfallswinkel wird zu spitz, obwohl wir mit dem Genaker schön Fahrt machen, wird der Kurs zu ungünstig, wir nehmen in weg und rollen die Genua aus. Hoch am Wind geht es weiter.

Frühstückstisch, gedeckt

10:15 Uhr, jetzt soll es Frühstück geben, aber der Skipper beschließt, vorher noch die festsitzende  Logge zu ziehen, damit wir wieder wahre Windgeschwindigkeit und -einfallswinkel sehen können. Das Ganze ist immer ein bißchen tricky, denn in dem Moment, in dem man die Logge samt Paddelrädchen aus dem Gehäuse rauszieht, hat man ein kreisrundes Loch im Bootsrumpf, aus dem fontäneartig Salzwasser ins Schiffsinnere spritzt. Man muss dann blitzartig den Blindstopfen als Ersatz in das Loch stecken und festschrauben, damit das Schiff nicht geflutet wird. Das Paddelrädchen ist schnell von Muschelbewuchs und Dreck befreit, und alles geht den umgekehrten Weg. Also Blindstopfen raus und flugs die Logge wieder reingesteckt. Anschließend sind ca. zwei Liter eingedrungenes Salzwasser aus der Bilge zu lenzen.. Leider tröpfelt es noch nach, der Skipper flucht, die Dichtung hat sich verkantet – Problem erkannt – Problem gebannt. Danach sind wir hungrig und bereiten einen reich gedeckten Frühstückstisch im Cockpit vor.

12:00 Uhr, Baro fest auf 1010, 14 Knoten Wind, Amwindkurs, glatte See, das ist segeln vom Feinsten. Dabei lacht die Sonne vom Himmel, rundherum sind keine Boote zu sehen, im Moment auch keine Frachter, nur einen Schwertfisch und einen Mantarochen hat Volker aus dem Wasser springen sehen.

14:00 Uhr: Der Wind dreht auf Südost und wird immer schwächer, wir rollen die Genua weg und machen den Motor an, denn mit drei Knoten Speed und das in die falsche Richtung, kommen wir ja nie an.

18:00 Uhr, wir motoren immer noch, es sind zwei Knoten Wind. Tatsächlich ist gerade mal ein Frachter zu sehen, die „Oriental Jasmine“, die in anderthalb Seemeilen passiert mit Kurs nach Marseille. Ansonsten ist nichts los…

Der Genaker in der Abendsonne

19.00 Uhr, der Motor geht aus. Der Gennaker zieht uns bei wenig Wind langsam durch das aufgewühlte Mittelmeer. Die hohen Dünungswellen passen so gar nicht zur leichten Brise. Das Segelvergnügen ist nur von kurzer Dauer und um

21.30 Uhr geht der Volvo Penta Motor wieder an, gut, dass wir vor der Fahrt die Dieseltanks gefüllt haben.

Volker hat heute mittag so viele Frikadellen und die Rillettes und Kekse gegessen, dass ich mir mein Abendessen alleine mache, aus den Resten von gestern und Pilzen und Zwiebeln gibt es eine leckere Gemüsepfanne, das wäre sowieso nichts für den Skipper gewesen.

Sonnenuntergang

Während ich schlafe, versucht Volker es mal wieder mit segeln,  aber bei Windgeschwindigkeiten um fünf Knoten genau von hinten geben wir auf, bergen Genua und Großsegel, und motoren durch die Nacht.

01:30 Uhr, Baro gestiegen auf 1013, wieder ist es eine über dem Wasser sehr dunkle Nacht. Dank meiner Sternenapp kann ich mich am Himmel orientieren, Milchstraße, den großen Bär und Kassiopeia hätte ich auch so erkannt, aber Waage und Schlangenträger an Steuerbord, und Andromeda und Pegasus an Backbord neben der Kassiopeia habe ich dank der App kennengelernt. Ab und an flutscht mal eine Qualle phosphoreszierend unter den Rümpfen heraus, falls man tagsüber mal an ein kühles Bad gedacht hätte, sollte man zumindest gut Ausschau halten, in der Nacht sehen die Dinger ganz schön groß aus.

03:10 Uhr, im Osten geht der sichelförmige goldgelbe Mond auf, ab jetzt wird der viertelstündliche Rundumblick leichter, wenn der Mondenschein das Wasser erhellt. Allerdings schiebt sich von unten gerade ein Wolkenband darüber, hoffentlich macht mir das keinen Strich durch die Rechnung. Die Nacht ist angenehm warm, aber wie alle Nächte im Süden, unglaublich feucht, dEck und Brücke sind nass, leider auch die Sitzbänke an den Steuerstellen, sodass man doch eher drinnen sitzt. Der Passagierdampfer „Mediterranée“ zieht hell erleuchtet an Backbord vorbei

05:00 Uhr Wachwechsel, der Skipper ist aufgewacht und schickt mich zu Bett.

Montag, 19. Juni 2017, Baro 1015, leicht bewölkt, Wind variabel, auf See

Mit der Windsteuerung klappt das wunderbar

07:00 Uhr: Während ich noch in der Steuerbordkabine liege, geht der Steuerbordmotor an, Zeichen, dass ein Manöver geplant ist. Ich hüpfe aus dem Bett, richtig, Volker ist gerade dabei, das Großsegel zu setzen. Auch die Genua wird ausgerollt, und dann geht er zu Bett. Aber nicht, ohne dass er von unten, auf der Seite liegend, mit geschlossenen Augen, ab und zu Anweisungen ruft: „Abfalllle!“, „Drei Grad anluven“. Um ihm und mir das in der nächsten Stunde zu ersparen, stelle ich den Autopilot auf Windsteuerung, und siehe da, der Genaker steht hervorragend ruhig und aus der Kabine kommen auch keine Kommentare mehr. Man muss nur ab und zu aufpassen, dass der Kurs-über-Grund nicht zu weit verändert wird, dann fährt man mit der Windsteuerung auf langen Strecken einfach perfekt.

Unbekannte Wesen?

Es ist leicht bewölkt, aber der Wind scheint sich bei ca. zehn Knoten zu stabilisieren, ideale Bedingungen. Ich bereite schon mal alle Geräte darauf vor, möglichst schnell ins hoffentlich starke (Inter-)Netz zu kommen, wenn wir in der Nähe von Sardinien sind, damit wir Mails, SMS und Wetterberichte bekommen, Nachrichten von daheim, und dank der Wetterberichte entscheiden können, ob wir in Carloforte bleiben, weil kein Wind ist, oder ob wir weiter segeln nach Bizerte. Wie es aussieht, ist heute Nacht der Wind günstiger als in den nächsten Tagen, also geht es weiter, und wir verabschieden uns in zwei Stunden wieder aus dem Netz. In Bizerte können wir im extra eingerichteten Besprechungsraum extensiv surfen, dann folgt auch der Rest des Logbuchs.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Auf Testfahrt übers weite Meer

Samstag, 17. Juni 2017, Baro 1004, sonnig, warm, Wind NW zunächst noch leicht

Sonnenaufgang über LGM

Um fünf Uhr weckt mich Volker, jetzt wollen wir endlich ablegen. Nach den arbeitsreichen Tagen der letzten zwei Wochen haben wir jetzt zwei Wochen frei, bevor wir uns am 3. Juli in Canet-en-Roussillon einfinden müssen, damit dort die Hexe aus dem Wasser kommt. Es sollen zwei neue Lagen schwarzes Antifouling gestrichen werden, weil sich das graue, das wir bisher drauf hatten, unerwarteterweise viel zu schnell mit Bewuchs zugesetzt hatte. Außerdem soll dort das Mastproblem gelöst werden, aber bis dahin machen wir eine erweiterte Probefahrt. Ziel ist noch einmal Bizerte in Tunesien, das hat uns so gut gefallen, und es gibt noch viel anzuschauen. Auf dem Weg können wir alle Systeme an Bord ausprobieren und hoffentlich keine Fehler mehr finden.

Entfernung bis Südsardinien: 320 Seemeilen!

Im Moment ist der versprochene Wind offensichtlich noch im Bettchen, im Löwengolf sind für heute 5 – 6 Windstärken angekündigt, hier sind 1 – 2. Aber das kommt sicher noch, Volker will Wind! Die erste Stunde sind wir motort, jetzt ab der Espiguette-Boje, segeln wir mit leichtem raumen Wind und über sechs Knoten Fahrt. Volkers Schrubb-Aktion mit dem Dinghi an unserem bewachsenen Unterwasserschiff hat sich gelohnt!

Nach der Hitze gestern: Der Skipper mit Mütze

Wir werden bald das Telefonnetz verlieren, weitere Berichte kommen erst wieder ab Sardinien. Wir wünschen ein schönes sonniges Sommerwochenende!

Veröffentlicht unter Uncategorized | 1 Kommentar

Gewitter in LGM

Und das nicht nur heute Abend, als sich die Wolken hoch auftürmten und es eine Stunde lang ganz schön viel Süßwasser auf die Boote fiel. Glücklicherweise blieben Blitz und Donner in der Ferne, nach den Erfahrungen mit den Blitzschäden auf unserem Boot brauchen wir das so schnell nicht wieder. Am liebsten nie wieder.

Der Schwarzwassertank

Gewitter gab es heute Morgen auch bei Outremer, als nämlich um 10 Uhr noch immer niemand an Bord aufgetaucht war zum arbeiten, hat Volker dort für ein kleines Unwetter gesorgt. Das hatte dann aber auch seine Folgen: Malik vom Plumbing kam, um die Schwarzwassertankanzeigen zu richten, jemand von Volvo, um das Motorenproblem zu beheben, für Laurent hatten wir noch einen Kratzer und ein Loch im Gelcoat entdeckt, auch Régis, der Elektriker, hatte im Bad zu tun.

neue Luke

Die Luken sind abgeklebt

Matthieu musste zuerst die fälschlicherweise aus einer nicht zu unserem Boot gehörenden Charge eingebauten Fenster wieder aus-, und unsere alten Fenster vorübergehend wieder einbauen, um sich sodann dem Schleifen der Rumpffenster von innen zu widmen. Kurz, auf einmal war die Hexe voller Menschen, die sich um ihre Sorgen und Probleme kümmerten.

Dank Gretas Lineal kann ich auch gerade schneiden

Wir beide waren derweil auch nicht faul, Volker hat vom Dinghi aus das Unterwasserschiff zwischen den Rümpfen vom Bewuchs befreit: „Dein Boot ist ganz schön groß, wenn man es pflegen muss!“, sagt er zu mir, in so einem Fall ist es halt immer mein Boot. Ich habe derweil die Antirutschunterlagen für unseren Teppichboden zurecht geschnitten, jetzt liegt der auch fest auf dem Boden und niemand muss mehr mit dem Teppich ausgleiten. Gut, dass unser Patenkind Greta uns zu Abreise ein Darmstadt-Lineal geschenkt hat, ich brauche das andauernd, nochmal vielen Dank, Greta!

Der Sommerschnitt

Am Nachmittag habe ich mich dann von dem ganzen Zauber verabschiedet und bin zu meiner Friseurin gegangen, ein letztes Mal soll Silvie von Sébastians Stéphan-Salon Hand anlegen und verpasst mir meinen Sommerhaarschnitt, ich bin sehr zufrieden, Volker findet es zu kurz, aber es wächst ja bekanntlich wieder. Und bis ich das nächste Mal zu Silvie gehen kann, dauert ja noch eine lange Weile, da muss man schon mal auf Vorrat abschneiden…

Regen und Sonne zugleich

Jetzt hat der Wind gedreht, die letzten Tropfen fallen aus ein paar schwindenden Wolken und im Westen lacht die Sonne. Vielleicht finden wir ja gleich den Weg zum Fuße des Regenbogens…

Veröffentlicht unter Uncategorized | 1 Kommentar

Sommer, Sonne, Sonnenschein

Seit ein paar Tagen kennen die Lufttemperaturen nur noch eine Tendenz und die zeigt steil nach oben. Erreichte das Thermometer am Samstag noch zaghaft die 30°-Marke, klettert es seit Sonntag mit Leichtigkeit ab 11 Uhr über diesen Wert hinaus. Der Sommer scheint endgültig Einzug gehalten zu haben, heute hatten wir sagenhafte 36°. Ebenso pünktlich weht ab 11 Uhr ein Seewind, der diese heißen Temperaturen irgendwie erträglich macht.

Das ist nur ein kleiner Teil der zu polierenden Fläche

Heute war trotz Sommerhitze Poliertag und zumindest dabei fällt die Größe des Kat ziemlich negativ ins Gewicht. Die gesamte Steurbordrumpfseite war dran und man fühlt sich zu Beginn der Arbeit, als stünde man vor einer endlos langen weißen Kunststoffwand.

So tief geht es an der Bordwand hinunter

Knappe zwei Meter hoch ragt die Bordwand über das Wasser hinaus, rund 33 Quadratmeter gilt es zu steuerbordseitig zu polieren. Frisch ans Werk, wir haben insgesamt acht Liter Politur auf Vorrat gekauft, denn, wer uns kennt, weiß, dass wir Hochglanzgelcoat mögen und deshalb alle paar Monate, poliermäßig, so richtig Gas geben, oder besser gesagt Muskelkraft.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen

Fünf Stunden brauche ich allein für eine Rumpfseite mit kurzen Trinkpausen, nein, keine Biertrinkpausen … (Und es gibt noch die andere Seite, und außerdem noch zwei Seiten zwischen den Rümpfen, Volker ist gut beschäftigt.)

Die Capitania wurde geschont, die übt jeden Tag ganz fleißig für ihre Amateurfunkprüfung, für die sie sich Ende Juli angemeldet hat. Und wer Cornelia kennt, weiß, dass sie keine halben Sachen macht, Übungsaufgaben stapeln sich auf dem Kartentisch, alle möglichen Begleit- und Erklärhefte hat sie gekauft und viel Speicherplatz auf dem IPad ist mit Amateurfunkwissen belegt. Nichts wird dem Zufall überlassen, mehrere Stunden am Tag löst die Capitania Musterprüfungen, wann genau es “Daumen drücken” heißt, wird bald verraten!

Heute Abend haben wir noch die Biervorräte aufgestockt, das bietet sich an, weil der nahe gelegene Supermarkt, deutsches Bier ohne Dosenpfand zum günstigen Preis anbietet. Was gibt es Schöneres als ein kühles Feierabendbier bei sommerlichen Biergartentemperaturen, die auch in den nächsten 7 Tagen bestand haben sollen. Prost!

Veröffentlicht unter Uncategorized | 1 Kommentar

Beach-Rugby-Turnier

Gestern, am Samstag, ist nicht nur Larissa nach Hause gefahren, sondern auch Volker.

Ehestreit? Trennung?

Keine Sorge.

Da wir jetzt u.a. wegen des Mastproblems doch noch eine Weile in Frankreich bleiben werden, fand Volker, dass wir dann auch ein Auto brauchen, um beweglich zu sein, wenn wir nicht auf dem Boot sein können. So hatte ich plötzlich einen freien Samstag, den ich zunächst zum Bootputzen und Wäschewaschen genutzt habe. Als dann aber alles glänzte, und auch die Bettdecken auf der Leine baumelten, bin ich zum nahen Strand gelaufen und habe mich, zum ersten Mal in diesem Jahr, ins salzige Mittelmeerwasser getraut. Wunderbar! Es fühlte sich richtig gut an, endlich wieder ganz weit rauszuschwimmen, und es war auch nicht so kalt wie befürchtet.

ein ganz junger Fan

Am Strand fand ein großes Rugby-Turnier statt, die Möglichkeit für mich, gemütlich zuzuschauen und vielleicht endlich mal die Regeln zu verstehen. Vorher habe ich noch schnell im Internet nachgeschaut, wie das in Theorie aussieht, was man darf und was nicht, und siehe da, nach ein paar Spielen war ich schon ziemlich viel weiter.

Bei dem hiesigen Beach-Rugby-Turnier wurde in Mannschaften von fünf Menschen gespielt, Männer und Frauen gemischt, und nur zweimal fünf Minuten.

Das Tor ist wie ein “H” geformt

Nur? „Ja, beim Zuschauen erscheint das wenig, aber auf dem Spielfeld ist es absolut genug!“, klärte mich ein offensichtlich Eingeweihter auf. „Das ist ganz schön anstrengend, in dem weichen Sand bei diesen Temperaturen zu rennen!“, Das wäre schon mal geklärt! Ziel des Spieles ist es, den eierförmigen Ball hinter einer Linie abzulegen, die über die ganze Spielfeldbreite geht, und kurz vor dem gegnerischen Tor angesiedelt ist. Wenn das geschafft ist, kann man irgendwie auch noch versuchen, den Ball von einer bestimmten Position aus in dieses  seltsam geformte Tor zu treten, das hat aber, zumindest bei den Spielen, die ich gesehen habe, keiner geschafft. Einen Torhüter scheint es nicht zu geben, zu sehen war jedenfalls keiner.

Voller…

… Körpereinsatz

Zu der Linie, um dort den Ball abzulegen,  kommt man nur durch Rennen, gepasst werden darf der Ball, der getragen oder gekickt wird, nur nach hinten, niemals nach vorne. Das Vorankommen geht – wie gesagt – nur durch Laufen mit dem Ball im Arm, und dieses versucht die gegnerische Mannschaft mit vollem Körpereinsatz zu unterbinden.

Die Mannschaften in rot oder schwarz, die Schiedsrichter gestreift oder oben ohne

Wenn man mal verstanden hat, worum es geht, ist das Spiel nicht schwierig zu verfolgen, und so kann ich auch auf meinem Zuschauerplatz am Strand ein paar bedeutende Bemerkungen fallen lassen, smile!

Veröffentlicht unter Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Durchbruch!?

Testfahrt mit den Spezialisten

Gestern um 14 Uhr gab es eine gemeinsame Probefahrt auf unserem Schiff, mit Technikern und Ingenieuren von Outremer und einem Riggspezialisten von Agreement. Zuerst war kein Wind und keine Welle, doch kurz nach dem Verlassen des Hafens setzte ein frischer Südwind ein, der eine kleine Welle aufbaute. Zuerst war der Mast mucksmäuschenstill, kein Knarzton von aufeinander reibendem Metall war zu hören. Weder außen direkt am Mast noch im Salon. Nur der Wind war mit 12 Knoten recht frisch und die Hexe segelte emsig und flott bis zu 8 Knoten am Wind.  Nach einer Stunde waren alle Kurse zum Wind gefahren, trotz zunehmender Dünung war nichts zu hören – Versuchsabbruch.

Wir machen uns auf den Rückweg zum drei Meilen entfernten Hafen. Anscheinend hat das Schmierfett seinen Zweck vorübergehend erfüllt. Beim Großsegelbergen haben wir, wie üblich, den Kat genau gegen den Wind gestellt und sind langsam gegen die Welle anmotort. Und dann – direkt vorne am Mast habe ich ein leises einmaliges Knacken gehört. Danach war wieder Funkstille für eine Weile, bis es wieder knackte. Kurz darauf knarzte und knackte es wieder und dann immer wieder… Der Mastfuß knarzte wieder in seinem uns bekannten Knarzrhythmus, genau so frequent und rhythmisch. Alle zwei Sekunden knarzte es, wenn das Schiff sich in den Wellen auf und ab bewegte. Jetzt waren alle Profis an Bord eifrig auf der Suche nach der Ursache. Innen wurde die Deckenverkleidung abgenommen und die Maststütze inspiziert, außen wurde alles mögliche an Einstellungen ausprobiert: Großschot los, Großschot total festgeholt, Dirk los, Dirk fest, usw.

Da drinnen steckt der Knarzer

Alles sollte versucht werden, damit man andere Fehlerquellen wie den Baum, Leinen, Fallen und die Deckstruktur ausschließen konnte. Am Ende war es ein simpler hölzerner Schaber aus der Küche, den ich ins Spiel brachte und der uns die letzte Gewissheit gab, dass der Mastfuß sich im Mastschuh, leicht aber deutlich vernehmlich, hin und her bewegte. Holzkeil zwischen Mast und Mastplatte gleich himmlische Mastruhe, Holzschaber raus und schon knarzt es weiter.

Eine halbe  halbeStunde später passierten wir die Hafeneinfahrt und, auch wenn es irgendwie blöd ist, dass es so einen Fehler gibt, waren doch alle happy an Bord, dass die Ursache gefunden wurde und nun über eine finale Lösung nachgedacht werden kann. Und die kam dann auch sehr schnell auf den Tisch – Lorima, der Mastenbauer, soll den Mastfuß und den Mastschuh gegen jeweils neue Teile mit einem geringeren Spaltmaß austauschen. Das wird jetzt wohl noch eine Weile dauern, bis die Ersatzteile zur Verfügung stehen und  erstmal muss auch das aufgenommene “Beweisvideo” mit dem Küchenengineeringexperiment zum Mastenbauer geschickt werden. Doch im Moment sind wir guter Dinge, dass sich ein gangbarer Lösungsweg abzeichnet, und – geduldig zu sein, haben wir gelernt.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Wer dachte…

Gleich wird der Mast “gelupft”

dass es das war mit dem Mast, nach dem heutigen Tag, liegt leider gedanklich genau so falsch wie wir. Der Kranwagen kam, die Outremer-Techniker kamen, die Rigger haben alles vorbereitet, wir waren auch da, nur passiert ist nicht wirklich was. Nicht viel, heißt in dem Fall, um das mal kurz und knackig zu formulieren, dass nur Fett auf den Mastschuh gestrichen wurde und wir ausprobieren sollen, ob jetzt die Knarzgeräusche der Vergangenheit angehören. Dafür wurde so ein Riesen-Aufriss veranstaltet, für einen Test mit Fett. Da hatte ich mir, ehrlich gesagt, deutlich mehr von versprochen und habe meinen Missmut auch klar zum Ausdruck gebracht. Genutzt hat es leider nicht viel und wir fühlen uns ein bisschen wie Versuchskaninchen.

Wir sind davon ausgegangen, dass am heutigen Tage etwas Finales geschieht, dass zum Beispiel irgendetwas zwischen Mastfuß und Mastschuh geklebt wird, was verhindert, dass Metall auf Metall reibt, oder das den jeweils gemessenen einen Millimeter großen Spalt links oder rechts überbrückt. Wir haben schon mal, rein prophylaktisch, alle Outremer-Techniker in die Karibik eingeladen, falls dort das Problem mit dem knarzenden Mast wieder auftreten sollte.

Freitag früh gibt es ein Meeting mit Xavier Desmaret, dem Chef von Outremer, und da kommt das Problem direkt wieder auf den Tisch.

Veröffentlicht unter Uncategorized | 1 Kommentar

Passt …

passt gut in unser Wohnzimmer

beinahe wie angegossen, gemeint ist damit der neue Teppich, den wir auf dem Salonfußboden verlegt haben. Ein paar Zentimeter hier und dort mussten wir nachträglich mit dem Teppichmesser korrigieren. Alles im allem hat sich der tagelange Aufwand der Capitania bei der Schablonenherstellung mehr als gelohnt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, ein Profi hätte es wahrscheinlich an der einen oder anderen Stelle noch ein bisschen besser hingekriegt, aber wir als Gelegenheitsteppichverleger sind zufrieden, der Teppich ist sooooo flauschig!. Und mit allem was wir selbst tun, verändern wir die neue Hexe mehr und mehr zu unserem Zuhause, auf und in dem wir uns wohl fühlen.

Nana findet den Teppich auch bequem

Den Dienstag haben wir zusammen mit Larissa genutzt, um einen ausgiebigen Stadtbummel durch die wundervolle Altstadt von Montpellier zu unternehmen. Die historische Innenstadt ist so groß, dass wir bei jedem Besuch neue Plätze, Gassen und Sehenswürdigkeiten entdecken. So auch gestern, einmal anders abgebogen als beim vorhergehenden Spaziergang und schon gibt es wieder etwas zu entdecken, schön, wenn eine Stadt so vielseitig ist.

Zum Mittagessen haben wir uns auf einem kleinen Platz unter einer großen Kiefer niedergelassen und spanische Tapas genossen. Dabei hatten wir die Rechnung ohne die kleinen Käfer gemacht, die diese Kiefer anscheinend als ihr Revier ansehen und nach und nach über uns „hergefallen“ sind. Das Dessert haben wir unter diesen tierischen Umständen lieber ausgelassen.

Der nachmittägliche Spaziergang am leeren Strand hat nicht nur Nana viel Spaß gemacht, obwohl die so getobt hat und dem Ball hinterher gejagt ist, dass es eine reine Freude war, ihr dabei zu zusehen.

Ein langer  glücklicher Tag geht vorbei, der Fastvollmond spiegelt sich im Wasser und ein wolkenfreier Himmel zeigt seine Sternenshow…

Veröffentlicht unter Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar