Back to the roots

Rosenstillleben im Hafen

So hatte der Skipper sich seinen Geburtstag vorgestellt: Ein langes Wochenende in Holland auf einem Boot im Hafen von Workum, mit lieben Freunden, ganz viel Kuchen und Sonnenschein. Von dort aus sind wir vor fast genau fünf Jahren mit unserer letzten Hexe, der Dehler 41, zu dem immer noch andauernden Abenteuer unserer Reise aufgebrochen.

Eigentlich hat Volker sich das ganz clever ausgedacht, der Wetterbericht sagte vorher, dass es am Ijsselmer zwar schönes Wetter geben solle, aber bei weitem nicht so warm wie im Rhein-Main-Gebiet. Die 36° am Donnerstag haben dann auch die Holländer überrascht.

Beach Life

Wir fanden es sehr schön, im Schatten alter Pinien am Workumer Strand zu liegen, ab und zu im extrem flache Wasser zu waten, mit und ohne Samy, und so langsam dem Abend entgegen zu dösen. Um 20 Uhr war es immer noch so warm, dass Volker keine Lust hatte, den Grill anzuwerfen, so haben wir uns mit klassischem deutschen Abendbrot gesättigt und ließen mit Seglerfreund Christian den Abend ausklingen.

Camping!

Am Freitag kamen unsere Freunde Rolf und Cerstin mit ihrem Wohnmobil auf dem Campingplatz an, auch Freundin Petra aus Düsseldorf hat sich durch den Stau gekämpft. Nach einem ersten Begrüßungssekt auf der Constantia (vielen Dank an Carl-Martin und Ursel, dass wir auf dem Boot wohnen durften!) sind wir mit Grillgut und Salaten zum Campingplatz umgezogen und haben Cerstin und Rolfs Gastfreundschaft weidlich ausgenutzt. Bis in den späten Abend haben wir den Sommerabend genossen.

Coole Deko

Am Samstag kamen auch Susanne und Jürgen aus Remscheid, die beiden haben uns vor fünf Jahren ein erstes Stück bis Cherbourg begleitet, diesmal kommen sie zu Ehren des Skippers. Nun kann die Kuchenschlacht losgehen, Petra hat Käsekuchen mitgebracht, Susanne Schokoladenkuchen, und Cerstin hat im Camper Zitronenkuchen und Erdbeer-Quark-Torte gezaubert. Irgendwann kann keiner mehr „Babb“ sagen, dabei ist noch nicht einmal die Hälfte der süßen Leckereien verputzt!

Die Chefin beim Käseschneiden

In der Käserei

Zwei süße Kälbchen

Zum Verdauen machen wir einen Besuch in der Workumer Käserei, decken uns mit altem und jungem Gouda ein, bewundern die Kälbchen und den übervollen Pflaumenbaum. Später gibt es Grillfeier Nr. 2, zum Ausklang des Abends verwöhnt Jürgen uns mit sanftem Gitarrenspiel, und um 24 Uhr ist auch dieser Geburtstag vorbei.

Die Schlacht am Kuchenbüffet

Es folgte ein Lazy Sunday, wieder auf dem Campingplatz, und dem Versuch, der Kuchenmengen Herr zu werden, was nur mäßig gelang, weil es einfach unglaublich viel davon gab, vier Kuchen für sieben Menschen! Und wahrscheinlich auch, weil unser Aktivitätsdrang eher nicht vorhanden war, also einfach zuwenig Kalorien verbraucht wurden. Am späten Nachmittag mussten Petra sowie Susanne und Jürgen die Heimreise antreten, während wir mit Cerstin und Rolf noch einen weiteren schönen Abend in Workum verleben durften.

Sunset

Vielen Dank an Euch alle, dass Ihr aus diesem Wochenende ein ganz unvergessliches gezaubert habt!

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Samy in the sky

Am Samstag sind wir von Lanzarote nach Frankfurt geflogen. Mit Samy in der großen Kiste im Gepäckraum, und ganz viel Bauchweh. Schon in den Tagen davor haben wir uns immer wieder Gedanken gemacht: „Wird Samy den Flug gut überstehen? Wird er bellen? Geht er problemlos am Flughafen in die Kiste?“. In der Nacht davor haben wir beide (der Hund eher nicht) schlecht geschlafen und waren schon vor der Abfahrt vom Boot nervös. Für den kurzen Trip mit dem Shuttlebus von der Autovermietung zum Flughafen musste Samy auch schon in die Box. Das hat er problemlos mitgemacht, ein besonders leckeres Leckerli hat ihn schnell überredet.

Am Flughafen natürlich die für diese Jahreszeit typische Schlange an den Eincheck-Schaltern, obwohl wir mehr als zwei Stunden vor Flugbeginn dort waren. Nachdem wir endlich die Koffer abgegeben hatten, wurden wir von einem Airport-Mitarbeiter übers Gelände zum Security-Bereich geführt, ab dort durfte nur noch einer mit, und nach der Sicherheitskontrolle, Samy musste alleine und ohne Leine durch den Menschen-Scanner, kam er in die Box, und wir mussten ihn unter Fremden lassen.

Dummerweise hatte unser Flug schon vor dem Start eine dreiviertel Stunde Verspätung, wir haben oben in der Lobby gewartet, Samy in der Kiste. Der Flug an sich war angenehm, kleine Turbulenzen, aber ansonsten sehr schön, mit guter Sicht über den Atlantik, Portugal, Spanien, Frankreich und schließlich Deutschland.

In Frankfurt ging es zunächst schnell, klar waren wir auf einer Außenposition, aber wir haben gesehen, dass man zügig anfing, das Gepäck, und hoffentlich auch den Hund, auszuladen. Schließlich saßen auch wir im Bus, aber da gab es immer wieder Stau, weil die Busse über die Rollbahnen fahren, und entsprechend den ankommenden oder abfliegenden Flugzeugen die Fahrbahn freimachen mussten. Endlich waren wir bei der Gepäckausgabe, ich stehe am Sperrgepäck, schon kommt Samys Box, ich hebe ihn runter, öffne die Türe, und Samy kommt mir schwanzwedelnd entgegen als käme er aus dem Kofferraum eines Autos, und nicht von fast sieben Stunden in der Flugkiste.

Da sind ganze Felsbrocken auf den Boden der Gepäckausgabe des Frankfurter Flughafens gestürzt!

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“Husten, wir haben ein Problem”

Nachdem ich den letzten Blogeintrag der Capitania auf unserer Website gelesen habe, kann ich mich nicht des Eindrucks erwehren, dass sie etwas spöttisch oder ironisch über meinen tatsächlich vorhandenen  Infekt schreibt. Da fühlt man(n) sich nicht ernst genommen… (Der arme Man(n)!)

Jedenfalls hat mich in den letzten drei Nächten ein trocken-unproduktiver Reizhusten ganz schön auf Trab gehalten und vom Schlaf und um einige Stunden Schlaf gebracht, tagsüber geht es mir übrigens tiptop. Jetzt inhaliere ich vier mal täglich, nehme schleimlösende Medikamente, trinke Thymiantee und meide alkoholhaltige Erfrischungsgetränke. Und siehe, seit heute kottert die Capitania auch rum, wird sich ja am Ende hoffentlich nicht angesteckt haben, die Arme.

Eigentlich wollten wir gestern nach Frankfurt fliegen, das haben wir aber wegen der angekündigten, offensichtlich eingetretenen Hitzewelle in Deutschland, Gott sei Dank rechtzeitig umgebucht. Allein die Vorstellung, dass der arme Samy in seiner Hundebox bei der Hitze der letzten Tage in Frankfurt länger auf dem Gepäckwagen steht, hat uns im Vorfeld ganz schön zu schaffen gemacht. Jetzt fliegen wir, wenn es kühler ist.

Eine von drei Halterungen des Bugkorbs mit neuer Bohrung in der Mitte für das Kabel

Trotz Megaerkältung bin ich in den letzten Tagen mit den anstehenden Arbeiten am Boot wieder ein Stück weitergekommen. Nachdem wir ja bereits vor einiger Zeit für die neuen Navigationslichter vorverkabelt haben, sind seit heute die Halterungen für die Positionslichter am Bugkorb angeschweißt und die Lampen sogar final montiert. Der Job wurde von David und Wes erledigt und das Ergebnis kann sich, wie ich ich finde, wirklich sehen lassen, tolle Schweißnähte, good job! Wenn alles gut geht, kommt morgen das Hecklicht an unseren Geräteträger dran, die Bugkörbe wieder an ihren angestammten Platz und vielleicht wird auch noch alles zusammen- und am Schaltpanel angeklemmt. Damit wäre schon wieder ein Punkt auf der Liste abgearbeitet.

Backbord-Navigationslicht

Am Wochenende wollen wir segeln gehen. An der Stelle möchte ich die, wie ich finde, bedeutende Frage von Martin gerne weitergeben, die er mir gestern gestellt hat: „Kann der Meeresspiegel zerbrechen, wenn man in See sticht?“ Da sollte jeder mal drüber nachdenken, wie wir finden :-)) Wir erklären uns dazu bereit, die Antworten auf die Frage zusammen zu tragen. Jetzt höre ich auf mit dem Schreiben und werde werde mal die Capitania fragen, ob sie einen Thymian- oder Salbeitee will, damit sie bald wieder auf dem Damm ist. (Bäh, wer trinkt denn so was?)

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ATMS

Noch schlimmer als TMS (Tödlicher Männer-Schnupfen) ist der ATMS, der Absolut Tödliche Männer-Schnupfen), der neben den vom TMS bekannten Symptomen, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Bettlägerigkeit und Gliederschmerzen, zusätzlich noch mit erhöhten Temperaturen einher kommt.

Wenn ein Mann von solch einem Virus, denn um einen solchen handelt es sich zweifellos, befallen ist, so wird er sich wehren. Zunächst mit erweiterter Bettruhe bis in den späten Vormittag hinein, sodann mit einem kräftigenden Früh- oder Spätstück mit Eiern, Speck und süßen Teilchen, um dann mit einem wunderwirkenden Mittagsschlaf die Genesung fortzusetzen. 

Am späten Nachmittag rafft Mann sich zu ungeahnten Aktivitäten auf, die später in einem ordentlichen Abendessen gipfeln, um anschließend ermattet auf der Couch zusammen zu sinken, und nur noch genügend Kräfte für die Dauer eines Spielfilmes aus der heimischen Videothek zur Verfügung zu haben.

Von solch einem Virus ist der Skipper seit zwei Tagen befallen, und er hat sich erfolgreich mit den beschriebenen Gegenmaßnahmen gewehrt. Entsprechend gestärkt haben wir uns Samstag Nachmittag nach Arrecife gewagt, um die Entstehung der Salzteppiche zu beobachten, die dort rund um die kleine Kirche in der Innenstadt mit viel Liebe hervor gebracht werden. Anlässlich des Johannestages, der in Spanien am Abend mit großen Feuern gefeiert wird, finden außerdem Kirchenfeste, Prozessionen und weltliche Konzerte statt. Hier in Arrecife eben auch mit den Salzteppichen rund um die Kirche San Ginés.

mit Farbe mischen

Salz verteilen

glätten

 

 

 

 

Hunderte Menschen mischen das zur Verfügung gestellte Salz mit irgendwelchen Farbpartikeln, um es dann auf dem blanken Boden der Straßen zu Bildern zusammen zu setzen. Holzkeile werden mit Nägeln auf den Pflastersteinen befestigt, sozusagen als Trennwände zwischen den einzelnen Farbschichten, dann wird das mühsam mit den Farben gemischte Salz dazwischen verteilt, und am Ende entstehen bunte Bilder, Motive von Kinderhand, aber auch religiöse, bildliche und künstlerische Werke, die am nächsten Tag wieder dem Zahn der Zeit, in diesem Fall die alljährliche Prozession zu Johanni, weichen müssen. Kunst für den Augenblick.

kleine Studie von mir

Das „ordentliche Abendessen“ gab es mit vielen Freunden bei schönstem Abendhimmel am Strand im Restaurant Emmax, wieder sehr, sehr lecker. Am Nebentisch saß ein Spanier, der kleine Skizzen von den Menschen an unserem Tisch anfertigte, zuerst von den irisch-deutschen Kindern Oisin und Cuisle, dann von der ganzen Familie, schließlich sogar von mir.

Das Queen-Revival-Konzert am Strand von Playa Honda haben wir uns zugunsten der heimischen Couch geschenkt, für die baldige Gesundung ist die Zurückhaltung besser.

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Hoch hinaus

Bis zur Spitze ist es noch ein gutes Stück

Eigentlich wollten wir am Montag direkt nach dem Autotausch und vor dem Frühstück aufbrechen zu einer kleinen Segeltour, mal weg von der Insel und ihren zahlreichen Verlockungen zum Bleiben und Sesshaftsein. (Über den Ausflug haben wir schon im letzten Blogbeitrag berichtet)Aber am Morgen war einfach gar kein Wind, nix, nada. Da kam Volker die Idee, dass er das auch positiv ausnutzen könnte, und endlich den Mast von Sand und Saharastaub abwaschen, und gleichzeitig das Edelstahl an den Wanten und an der Saling polieren.

Von den Jungs, die nebenan die Catlanza VII, den Ausflugskat nach der Inspektion wieder aufriggen und segelfertig machen, haben wir uns ihren Wasserschlauch geliehen, mit unserem verbunden, damit dieser lang genug war, um vom Steg übers Vorschiff bis in die fast 27 m hohe Mastspitze zu reichen.

Mein Helfer, die Elektro-Winch

Mit Autosol, Poliertüchern und Schwamm bewaffnet steigt Volker in den Bootsmannstuhl und ich ziehe ihn nach oben. Also, das stimmt nicht ganz, glücklicherweise muss ich ihn nicht mit meiner Arme Kraft nach oben kurbeln oder gar ziehen, dafür haben wir eine Elektro-Winch, die das für mich erledigt, zwar jammert sie auch manchmal und quietscht, aber versieht brav ihren Dienst. Dreimal musste sie Volker hoch in den Mast ziehen, dann konnte ich ihn langsam wieder ablassen, während er zuerst die Nut des Großsegels und den Mast an sich mit dem Wasserschlauch abspritzt, beim zweiten Mal die Steuerbord-Wanten poliert und nachwischt, und beim dritten und letzten Mal das Ganze auf der Backbordseite wiederholt.

An der Saling werden auch die Lampen poliert

Nun ist der rote Saharastaub aus den Nuten entfernt, unser Mast strahlt wieder in neuem Glanze. So kann ein weiterer Punkt auf der ständigen To-Do-Liste abgehakt werden.

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Fuerteventura and back

Samys Lieblingsplatz beim Segeln

Als Samy merkt, dass wir Vorbereitungen zum Ablegen treffen, geht er ins Trampolin und schubbert sich erstmal kräftig. Nach dem Segelsetzen liegt er gemütlich dort vorne, lässt sich den leichten Wind um den Bauch wehen und schläft. Das ist wirklich sein Platz, wenn wir unterwegs sind. Mit einer leichten Brise aus Nordost, um die sieben Knoten, segeln wir gemütlich dahin.

Wie immer startet bei „Kap Hoorn“ der Wind, von jetzt auf gleich weht es mit 16 Knoten aus West, das Meer ist weiß von den kleinen Schaumkrönchen, an Ankern vor Papagayo oder Los Lobos ist bei dieser Windrichtung gar nicht zu denken.

Schnell haben wir ein neues Ziel im Auge: Puerto del Rosario liegt fast in der Mitte von Fuerteventura und bietet angeblich eine gute Ankerbucht mit Schutz vor allen Winden außer dem südöstlichen Quadranten. Bis dorthin kreuzen wir geschwinde vor dem Winde, das kann die Hexe gut, und das Meer ist flach, sehr angenehm.

Tatsächlich hatte ich heute Glück, in der Funkrunde von Intermar um 16:30 UTC konnte ich jemand hören, kurz ehe der Moderator offensichtlich wegen fehlender Beteiligung aufgeben wollte. Ich konnte mich mal wieder melden, nicht, dass die denken, die Hexe würde gar nicht mehr mitspielen!

Due Hexe und ihr Dinghy

Um 18:00 Uhr fällt der Anker in der Bucht neben dem Hafen von Puerto del Rosario, Volker macht sofort das Beiboot klar, damit wir noch im Hellen die Stadt erkunden können. In den einschlägigen Seglerforen hieß es, dass man an der Slipbahn des Club Nautico das Dinghy parken kann, das machen wir auch, auf Anraten von ein paar gerade heimkehrenden Kanuten, ganz am Rande bei den Felsen fest.

Treppenaufgang zur Innenstadt

Von See aus gesehen ist Puerto del Rosario eher hässlich, viel Industrie, dazwischen Ferienwohnungssiedlungen, und wieder Industrie. In dem großen Hafen legen die Versorgungsschiffe, aber auch Kreuzfahrtschiffe an, allerdings werden die Touristen dann zu anderen Zielen auf der Insel gefahren, die Stadt bietet wohl nicht so viele Sehenswürdigkeiten. Wir aber wollen der Hauptstadt von Fuerteventura die Gelegenheit geben, doch noch unser Wohlwollen zu erlangen.

blühender Baum in der Fußgängerzone

akkurat beschnittene Benjamini

Puerto del Rosario ist bekannt für seine Wandmalerien

Zur Innenstadt geht es über ein paar Treppen nach oben, dort verläuft eine kleine Fußgängerzone, die mit wundervoll blühenden Bäumen bestückt ist. An den größeren Straßen hingegen stehen riesige Benjamini, adrett in Form geschnitten. Es gibt ein größeres Einkaufszentrum, Supermärkte, auffallend viele Fahrschulen, und einen wunderhübschen Platz vor der Kirche. Drinnen sitzen Gläubige und beten Fürbitten, aber nicht mit einem Pfarrer aus Leib und Blut, sondern mit einer Mikrophonstimme, eher seltsam.

Hahnenkampf-Denkmal an der Uferpromenade

Nach einem kleinen Feierabendbier in der Fußgängerzone laufen wir an der Hafenmole zum Strand, dort fallen uns drei schwarz gekleidete Polizisten der Policía local auf. Wir freuen uns jetzt auf unser Abendessen an Bord, und auf die beschauliche Ruhe, die so ein Abend am Anker bieten kann. Eher könnte. Denn: Kurz bevor wir mit unserem Dinghy die Hexe erreicht haben, gibt es ein wildes Hupkonzert und Blaulichtgewitter an der Slipbahn aus eben jenem Polizeiwagen. Was wollen die denn? Kurz sind wir unschlüssig. Was sollen wir jetzt machen? Zurückfahren? Nee, wenn die was wollen, sollen sie doch kommen! Der Platz ist in allen Seekarten eindeutig als Ankerplatz ausgewiesen, es kann höchsten sein, dass man das Dinghy nicht dort parken darf. Aber irgendwo muss man es ja schließlich lassen, wenn man an Land geht.

Mit dem aufgehenden Vollmond segeln wir zurück nach Puerto Calero

Nach einigen Überlegungen gehen wir Ankerauf und motoren davon, auf nächtliche Auseinandersetzungen haben wir keine Lust. Wenn Fuerteventura uns nicht haben will, dann fahren wir halt wieder zu unserem geliebten Lanzarote, da sind wir immer willkommen… Um 01:00 nachts liegen wir wieder an unserem Platz mit 59 Seemeilen im Kielwasser.

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Lanzarote News

Position der Pohlaris heute Abend

Nachdem bei Pohlaris, dem Kat mit dem Saildriveproblem (wir berichteten), das komplette Getriebe gewechselt wurde, war es gestern für Harald und seine Crew endlich soweit, dass sie die Leinen loswerfen konnten. Als nächstes Ziel stehen die 900 Seemeilen entfernten Kapverden auf dem Programm, von dort aus soll es weiter in die Karibik nach Trinidad gehen. Bei den Windvorhersagen hat die 3er Crew gleich doppelt Glück, sowohl die Windrichtung als auch die Windstärke sind ideal, um nach Südwesten zu fahren, zudem gibt es keine hohen Wellen. Champagnersegeln dürfte für die nächsten Tage angesagt sein. Wir wünschen eine tolle und sichere Überfahrt.

Glück gehabt!

Glück im Unglück hatte gestern ein Fahrtensegler ,der mit seinem Aluschiff seit geraumer Zeit hier im Hafen liegt und vergessen hatte, bei seinem abgestellten Leihauto die Handbremse anzuziehen. Unglück deshalb, weil das Auto los rollte, über die Kaikante hinaus und mit dem vorderen Teil auf den Steg kippte. Glück deshalb, weil gerade Hochwasser und der Steg weit oben war, das Auto so nicht weiter auf das Segelschiff kippen konnte. Er hat noch versucht, mit einem Fall das Auto nach oben zu seinem Mast zu sichern, aber dabei wurden die Kotflügel eingedrückt und beinahe eine Saling beschädigt, um die das Fall gewickelt war. Zudem war die Handbremse noch immer nicht angezogen. Ich hab dann mit ihm das Fall klariert und im Auto die Handbremse angezogen. Irgendwann kamen professionelle Berger…

Gestern war, man muss nur hoch zum Himmel schauen, mal wieder Vollmonddisco bei Jürgen und Marianne, die mitten in einem Gebiet aus erstarrter Lava wohnen. Was für eine einzigartig tolle Kulisse, und so viele super nette Menschen.

Und last but not least waren wir heute bei der Segelfamilie mit den beiden Kindern zum nachmittäglichen Essen in Playa Blanca eingeladen. Deren Boot wird erstmalig mit einem komplett biozidfreien Antifouling auf Silikonbasis gestrichen. Dazu sind zwei Primer- und zwei Antifoulinganstriche notwendig. Das Prinzip ist so spannend wie simpel. Das Silikon soll eine dem Wasser entsprechende Struktur aufweisen, auf Wasser siedelt sich ja kein Bewuchs an. Der Anstrich soll drei Jahre vor Pocken, Muscheln und allem, was sich an den Rumpf ansetzen will, bewahren. Nach drei Jahren soll man nur eine neue Lage streichen  müssen. Wir sind fasziniert von der Idee und sehr auf das Langzeitergebnis gespannt, wäre doch klasse für uns Segler, wenn dieses giftfreie Prinzip funktionieren würde!

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Ganz schön was los hier

The artist himself

Wir drehen jetzt mal ganz schnell für diesen Beitrag die Zeit um ein paar Tage zurück und befinden uns in der vergangenen Woche, am Donnerstag.

An dem Wochentag gibt es in Costa Teguise, in der Gaststätte “Number One“, eine Fakir- und Transvestitenshow. Da wir beide Showvarianten vorher noch nicht live gesehen hatten, staunten wir nicht schlecht, was uns da so dargeboten wurde.

Fakir auf Nägeln

Beispielsweise stand der Fakir auf einem Scherbenhaufen oder er lag mit nacktem Oberkörper auf denselben schrecklich spitzen Glasscherben, oder auf einem Nagelbrett mit langen, wirklich scharfen Nägeln, die er das Publikum testen lies. Zusätzlich stand noch ein ca. 100-Kilo-Mann auf seinem Rücken. Oder er spielte mit und verschluckte brennende Fackeln, ohne sich zu verbrennen, versteht sich.

oder Liza Minelli

Als Tina Turner…

Die Transvestiten-Show war ebenfalls vom Feinsten mit einer gelungenen Musikauswahl und aufwendig gestalteten Kleidern, man musste schon genau hinschauen, um in dem Outfit einen Mann zu erkennen.

Noch schöner an diesem Abend aber war, dass wir zahlreiche deutsche Inselbewohner kennengelernt haben, das Treffen war von von Christian und Sabine von der Facebook Gruppe “Montefuego TV” initiiert.

Freitag früh ging es dann mit Ulrike, Wolfgang, Aisling und Moira zur Weinprobe, zu dem uns bekannten Weingut „Guiguan”, sehr empfehlenswert. Den Freitagabend haben wir uns, was man schon fast als traditionell bezeichnen kann, mit den Teilnehmern der Freitagabendregatta im Upperdeck getroffen. Am Samstag Abend hatten wir Simon und Christiane sowie deren Kinder, Cedric und Miriam zum Abendessen an Bord. Die Familie lebt derzeit als „Projekt“ für zwei Jahre hier auf Lanzarote. Vor fünf Jahren hatten sie für eineinhalb Jahre einen Kat in der Südsee gechartert, von einem Anbieter, der sich auf Langzeitcharter für Blauwassersegler spezialisiert hat. Bei der Variante entfällt die lange Anreise auf eigenem Kiel und man kann direkt in dem beliebten pazifischen Revier losschippern. Die Flotte des Anbieters ist innerhalb von ein paar Jahren, wegen der großen Beliebtheit, von zwei auf mittlerweile 17 Katamarane angewachsen.

Und noch gar nicht erwähnt haben wir, dass wir eine deutsch/irische Fahrtenseglerfamilie (siehe Teilnehmer der Weinprobe)nun schon mehrfach getroffen und auch viel miteinander unternommen haben. Sie wollen mit ihrer vierjährigen Tochter Cuisla und dem einjährigen Sohn Oisin, auf ihrer Hanse um die Welt segeln (hoffentlich stimmt die Schreibweise der irischen Namen!). Hier auf Lanzarote bereiten sie das Boot für die Atlantiküberfahrt im Rahmen der ARC vor.

Gestern Abend waren wir dann zu Christiane und Simon nach Hause eingeladen und haben noch eine weitere Seglerfamilie kennengelernt, die mit ihrer Outremer vor ein paar Jahren von Frankreich bis in die Südsee gefahren sind. Es gab viel zu erzählen, zumal Johan, der Familienvater, der neue Racedirektor von „The Ocean Race”, der Nachfolgeregatta des legendären „Volvo Ocean Race“ ist. Das Abendessen war der Knaller, vielen Dank dafür und für Eure Gastfreundschaft.

Auf Julias Balkon:

“Es war die Nachtigall…”

Und Überraschung, Überraschung, gestern Abend stand eine Lady vorm Boot und ließ mich, erstmal erfolglos, raten, woher wir sie kennen. Was für ein netter Zufall, da stand tatsächlich Kiki ( Kirstin), die wir von Workum/ Holland her kannten und die mit ihrem Mann Christian die best erhaltene Contest 34, die ich je gesehen habe, ihr Eigen nennen. Kiki haben wir durch den Süden der Insel geführt, und bei Los Hervideros sind diese Fotos entstanden.

Also ganz schön was los bei uns, und weil es hier so toll ist und der Wind immer weiter aus Nord ballert, haben wir mit dem Hafenmanagement von Puerto Calero einen Dreimonatsmietvertrag für unsere Hexe, der jetzt noch bis Anfang August läuft, abgeschlossen. Also nix mit viel Segeln, dafür wohnen auf dem Wasser, wunderbar hier.

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Spezialprodukte aus Lanzarote: die rote Schildlaus und die Aloe Vera

Die Aloe-Vera-Pflanze

Neben, oder auch für den Tourismus hat sich auf Lanzarote eine eher handwerkliche Fertigung von Insel-eigenen Produkten entwickelt, eigentlich hat man altes Wissen wieder ausgegraben und in ein neues Gewand gestellt. Überall findet man Läden, manchmal gar ein bisschen hochtrabend Museum genannte Verkaufsstellen, die alle möglichen Produkte anbieten, die man aus heimischen Rohstoffen fertigen kann. Zum Beispiel die Aloe Vera: Eigentlich sieht die Pflanze ja aus wie eine Kaktee, gehört aber zur Familie der Grasbaumgewächse wie die Taglilie, in der Ordnung der Spargelartigen, ist also entfernt mit unserem Spargel verwandt.

Samy macht Werbung fürs Hundeshampoo

Auf Lanzarote wird die Echte Aloe zu Hautpflegeprodukten aller Art, Shampoo (sogar Hundeshampoo gibt es!), Gels, Cremes, Fruchtsäften, etc. verarbeitet.

Volker z.B. schwört nach ausgiebigem Sonnenbad auf sein Aloe-Vera-Gel, das sonnenverbrannte Hautreizungen schnell lindert. Außerdem sollte eigentlich in jeder Küche eine solche Pflanze stehen. Hat man sich zum Beispiel an der heißen Herdplatte verbrannt, oder zu früh an die noch viel zu warme Pfanne gefasst, so soll man bei eventuellen Verbrennungen nur ein Stück eines Armes der Pflanze abschneiden und mit der Schnittfläche auf die Haut legen, das kühlt und hilft.
Immer.

Werbeblatt für das Museum

Daneben gibt es auf Lanzarote die rote Schildlaus, die einen wunderbar intensiven Farbstoff liefert, mit dem schon in vorchristlicher Zeit Gewänder eingefärbt wurden. In Mala, dem Hauptanbaugebiet der Cochenille wurde ein kleines Museum errichtet, das sich mit der Geschichte und dem Anbau der roten Schildlaus beschäftigt. Und natürlich gibt es einen kleinen Laden, in dem die entsprechenden Produkte verkauft werden, sogar zum Färben der Haare kann man es verwenden. So mutig war ich nicht, aber ich habe uns eine Marmelade aus Aloe Vera mit Cochenille geholt, lecker.

Leider schon fast leer: die Marmelade

Die Cochinilla, zu Deutsch Cochenilleschildlaus, liefert karminroten Farbstoff, der sich hervorragend zum Färben von Stoffen, aber auch für Malerfarben und Lebensmittel eignet. Ursprünglich in Südamerika heimisch, wo die Inkas die Farbe zum Herstellen der herrschaftlichen roten Gewänder nutzten, verbreitete sich der Anbau der Schildlaus in praekolumbianischer Zeit bis nach Mexiko, die Azteken und die Majas liebten die rote Farbe. Später brachten die spanischen Konquistadoren die Cochenillen mit von ihren Reisen. Auch dem spanischen Königshof gefiel die intensive rote Farbe, und es wurde ausprobiert, in welchem Teil des spanischen Weltreichs der Anbau der Läuse am besten gedieh. Die kleine Insel Lanzarote hatte ein ideales Klima, denn die Opuniten, das sind die Kakteen, auf denen die Läuse siedeln, brauchen trockenes, warmes Klima, das fand man in Mala, im Nordosten Lanzarotes aufs trefflichste.

Opuntie – unbefallen von der Schildlaus

Die Opuntien werden gezüchtet, erst wenn sie drei Jahre alt sind, werden die Läuse darauf angesiedelt, sie befallen die großen „Ohren“ des Kaktus, der Fruchtstand der Kakteen wird entfernt, damit sie nicht zu viel Kraft verlieren, auch werden die Pflanzen beschnitten, damit sie immer wieder weiter wachsen. Die flugfähigen Männchen finden und befruchten die deutlich kleineren aber dickeren Weibchen, um kurz nach der Paarung zu sterben, auch nicht schön. Die Weibchen werden in aufwändigen Ernten von den Blättern gepflückt, während die nächste Generation dort aufwächst, so geht das bis zu fünf Mal im Jahr.

rotes Badesalz

Die Schildläuse werden gesiebt und getrocknet, gemahlen, das gewonnene Mehl mit Wasser versetzt, gekocht und wieder getrocknet. Durch Zusätze anderer Stoffe können die verschiedensten Schattierungen von „Rot“ erzielt werden. Es ist ein langwieriger Prozess, aber die Ergebnisse können sich wirklich sehen lassen. Noch immer wird diese Farbe eingesetzt zum Färben von Wolle, Stoffen, Malerfarben, in Kosmetika und in der Lebensmittelindustrie. Als E120 ist der Cochenillen-Farbstoff einer der licht- und wärmebeständigsten, farbstabiler als viele synthetische Farbstoffe. Campari war bis 2006 das Paradebeispiel für die Cochenille-Verwendung. Neuere Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass der Farbstoff Karmin unter Umständen allergische Reaktionen erzeugen kann, außerdem macht die tierische Herkunft das Produkt Campari für strenge Vegetarier und Veganer völlig ungeeignet. Vielleicht als Folge dessen hat man dort auf synthetische Farbstoffe umgestellt. Auf Lanzarote werden trotzdem noch viele Cochenille-Produkte hergestellt, exportiert, oder in den Läden verkauft.

Shampoo und Badegel

einfache Body Milk aus Aloe Vera

Auch als Erfrischungs-Getränk lecker

Die große ökologische Farm in Orzola haben wir im Vorbeifahren gesehen

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Glücksmomente

Über den Fischreichtum und die Artenvielfalt in der atlantischen Unterwasserwelt auf Lanzarote haben wir schon öfter berichtet. Doch immer wieder sind wir wie verzaubert , wenn wir mit Maske, Schnorchel und Flossen bestückt in Neptuns Reich eintauchen und die vielfältige maritime Fauna bewundern dürfen. Oft direkt unterm Boot, also sozusagen im heimischen Aquarium, in der kleinen Badebucht gleich nebenan, oder wie heute beim Schnorchelausflug am Riff von Playa Chica in Puerto del Carmen.

Es war unser erster Ausflug zu dem Tauchspot schlechthin auf Lanzarote. Praktisch alle Tauchsportanbieter, die auf der Insel vertreten sind, bieten Ausflüge zu dem Riff an, das mit zahlreichen Höhlen, drei Wracks, vielen Fischarten, moderaten Wassertiefen vor der Riffkante und einem tiefen blauen Loch, dem sog, “Blue hole” aufwarten kann.

Auch an dem kleinen Strand, dem Playa Chica, ist einiges los und nach dem Umziehgefummel unter dem Badetuch sind wir bereit, uns in die atlantischen Fluten zu begeben. Unser Ziel sind die nahen Unter-/Überwasserfelsen, nachdem wir uns ein paar Meter vom Strand entfernt haben, sind wir ganz hin und weg, von dem, was es unter Wasser zu sehen gibt.

Ich versuche mich jetzt mal an einer Aufzählung der Begegnungen und hoffe dabei, keine Fischart vergessen zu haben: Fürst-August-Muräne, eine hier häufig vorkommende Muränenart, besonders der Nachwuchs schwimmt noch auf dem dunklen Fels herum und versteckt sich nicht in Höhlen und Nischen. Der gestreifte Knurrhahn, ihn findet man häufig an Felswänden und auf dem Grund, ebenso den Sägebarsch, wie den Schwarzschwanzbarsch, der atlantische Mönchfisch kommt an Riffen und auch im Hafen vor. Massenhaft in Schwärmen findet man den Bastard Grunzet, die Geißbrasse, die Brandbrasse, den Schermesserfisch, die Goldstrieme und den Bermuda Blaufisch, daneben haben wir heute den bunten Meerpfau, den europäischen Papageienfisch und den braunen Kugelfisch bestaunen dürfen. Zum Schluss haben wir noch zwei gut getarnte Weißaugenbutte im Meeressand versteckt, gesehen. Da unsere kleine Unterwasserkamera zur Zeit wegen defektem Gehäuse leider nicht einsatzbereit ist, empfehlen wir folgenden Link, bei dem man alle, beim 15-minütigen Schnorchelausflug gesichteten Fischarten, in Bild und in Farbe anschauen kann: https://www.diving-canary-islands.com/tauchen-auf-den-kanaren/fischlexikon/knochenfische-osteichthyes/

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