Die Mathildenhöhe in Darmstadt

Im Morgensonnenschein

Jeden Morgen, wenn ich mit Samy spazieren gehe, erfreue ich mich an der Schönheit dieses Ortes. Natürlich auch vormittags oder nachmittags, aber morgens ist es besonders schön.

Spaziergänger auf dem Dachfirst

Über allem thront der Hochzeitsturm mit seinen fünf Fingern, daneben das Ausstellungsgebäude mit der auf dem Dachfirst balancierenden Figur, und vorne dran erstrahlt die Russische Kappelle mit ihren Goldtürmchen im sommerlichen Sonnenschein.

Die Mathildenhöhe mit Hochzeitsturm und Russischer Kappelle

Hier ist das Zentrum des Jugendstils zuhause, viele Gebäude auf dem Hügel und rundherum in der Künstlerkolonie stammen von Joseph Maria Olbrich, dem großen Jugendstil-Architekten. So auch der Hochzeitsturm, in dem man sich heute noch das Ja-Wort geben kann, hoch über der Stadt mit großartiger Aussicht. In der Eingangshalle sieht man das Mosaik „Der Kuss“ und hier gibt es allerlei Schönes zu kaufen, so auch den Hochzeitsbecher, oder Darmstadt Memories, bei uns beliebt an Heiligabend, wenn wir uns die Geschenke verdienen müssen.

Außen am Turm prangt eine wunderschöne Sonnenuhr, und immer wieder sieht man festlich gekleidete Gesellschaften, die vor dem Eingang das gegebene Jawort mit einem Glas Sekt begießen. Oder ein launiger Butler begrüßt die Gäste und stellt den Turm vor.

Das Ausstellungsgebäude ist seit 2012 ein riesiger Bauplatz, die Kosten für den Umbau sowie für die Sanierung sind auch deutlich höher als erwartet. Nun soll der Umbau bis zum Sommer 2019 fertig gestellt sein, wir sind gespannt.

Die Russische Kapelle von hinten, mit Feierzelten

Die Russische Kappelle ist ein wahres Kleinod, eine prachtvolle kleine Kirche, die der russische Zar Nikolaus II. errichten ließ, damit er auch bei Besuchen bei der Familie seiner Frau, Zarin Alexandra, geborene Prinzessin Alix von Hessen-Darmstadt,  nicht auf den Besuch in einem orthodoxen Gotteshaus verzichten musste. Tatsächlich ist die Kappelle auf aus Russland importierter Erde errichtet. Noch heute werden dort orthodoxe Gottesdienste abgehalten, sonntags sowie an einigen Wochentagen begegnen mir vor allem Frauen mit duftigen Schleiern auf dem Kopf auf dem Weg dorthin. Der Rasen rund um die Kappelle und das angrenzende Wasserbassin in schönem Mosaik ist grün, im Gegensatz zum Rest der Wiese auf der Mathildenhöhe, weil der Küster der russischen Kirche jeden Morgen die Rasensprenger bemüht. Eine Augenweide!

Der Schwanentempel

Mein Favorit jedoch ist der kleine Schwanentempel, der ein bisschen im Schatten der Kappelle steht, am Ende einer großen Treppe, die von dem Olbrichweg mit seinen Jugendstil-Künstlerhäusern zur Mathildenhöhe führt. Der Regen, der vom Dach dieses Tempels abläuft, wird durch den Mund von weißen Marmor-Schwänen geführt, ich finde diesen Tempel einfach zauberhaft.

Abends treffen sich die Darmstädter gerne im Platanenhain, es gibt ein kleines Freiluft-Café dort, und genug Raum unter den Bäumen für viele Boulespieler. Auch wir lieben diesen Platz und gehen am späten Nachmittag gerne auch mal nur zu Zweit dorthin, um unsere Fertigkeiten mit den kleinen Kugeln zu üben.

Die Mathildenhöhe bei Nacht

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Irrwege im Paketdienst

Einmal, nur ein einziges Mal, habe ich unsere Adresse angegeben für eine Sendung. Ansonsten bestelle ich immer alles zu Larissas Adresse, denn in dem Haus sind nicht so viele Parteien, und immer jemand zuhause, der die Pakete für den Rest annimmt.

Doch von vorne. Seitdem unser SSB-Gerät eingebaut ist, haben wir ein Problem damit, dass es sich manchmal, ganz plötzlich, unter Abgabe eines hässlichen lauten Tons abschaltet, und die Funkeinheit „einfriert“. Es hat eine Weile gedauert, bis herauskam, dass noch mehrere Boote diesen Fehler hatten, und Icom, der Hersteller, sich bereit erklärt hat, die fehlerhaften Teile in dem Gerät auszutauschen. Dafür muss aber die Einheit nach Hamburg geschickt werden. Von den Kanaren aus schien uns das viel zu riskant, denn auch die Wiedereinfuhr würde erhebliche Probleme beim Zoll aufwerfen. Also haben wir es so geplant, dass wir zu unserem Heimaturlaub im Sommer die Blackbox mit nach Hause nehmen, und sie von Darmstadt aus versenden, und auch dorthin zurück geliefert bekommen.

Dumm war natürlich, dass wir bei der Abreise vom Boot vergessen haben, unsere SSB-Unit, die Blackbox, die hinter unserer Sitzbank verstaut ist, auszubauen und mitzunehmen. Und natürlich fiel uns das erst nach ein paar Tagen auf, als wir die To-Do-Liste abarbeiteten. Outremer hat sich freundlicherweise bereit erklärt, die Box auszubauen und uns zuzuschicken. Damit ich sie nicht noch mehr verwirre, habe ich nicht darum gebeten, dass es an Larissas Adresse gehen soll.

Am 21.6. bekomme ich die Nachricht von Outremer, dass das Paket morgen verschickt werden soll. Super, denke ich, dann haben wir ja noch genug Zeit. Aber das Paket kommt und kommt nicht. Am 29. Juni frage ich bei Outremer nach, und sage, dass ich ein bisschen beunruhigt bin. Daraufhin bekomme ich den Nachweis mit der Tracking-Nummer. Bei meinen Recherchen muss ich feststellen, dass angeblich bereits zweimal versucht wurde, das Paket zuzustellen. Nur dass wir beide Male zu der genannten Uhrzeit zuhause gewesen sind. Ich rufe bei der DPD an, bekomme die Auskunft, dass das Paket am nächsten Morgen erneut zugestellt werden soll, die genaue Uhrzeit würde ich über die Paketverfolgung am Ausliefertag erfahren.

Zwischen zehn und zwölf Uhr sitzen wir abwechselnd draußen vor der Tür, damit der Auslieferer keine Ausrede haben kann, aber es kommt kein DPD-Wagen in unsere Straße. Empört rufen wir wieder an, erst beim zweiten Anruf wird klar, dass das Paket gar nicht in den Wagen geladen wurde. Na, dann kann es ja auch nicht ausgeliefert werden. Wir bieten an, es in Raunheim abzuholen, aber das geht nicht, die Abläufe sind so mechanisiert, da kann man nicht eingreifen. Aber offensichtlich ein Paket vergessen!

Natürlich wird uns versichert, dass es am nächsten Tag zugestellt werden soll, wieder sollen wir auf der Website die genaue Uhrzeit bekommen. Ganz früh am nächsten Morgen schaue ich nach, da steht: „Wir konnten Sie dreimal nicht erreichen, das Paket wird an den Versender Outremer zurückgeschickt. Bitte setzen Sie sich mit dem Versender in Verbindung.“ Das schlägt dem Fass doch den Boden aus!

Nach weiteren Telefonaten wird uns versichert, dass unser Paket am nächsten Morgen kommt, „Nein, heute geht das nicht mehr, wir bekommen das nicht auf den Wagen“. Fast haben wir schon resigniert, da hält Volker das Paket pünktlich um 11:10 in der Hand und wundert sich, dass es so leicht ist. Kein Wunder, es ist das Pactor-Modem drin, und nicht die Blackbox, Schicksal. Es war auf jeden Fall gut gemeint…

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Halbzeit

Gänse mit Nachwuchs im Altrheinarm

oder wie die schnell Zeit vergeht, nicht nur bei der geliebten Segelei, sondern auch beim heimatlichen Sommeraufenthalt. Bereits zweieinhalb Wochen sind vergangen seit unserer Rückkehr nach Darmstadt, und fast jeder Tag ist vollgestopft mit Terminen.

Fußball-WM-mäßig hält sich unser Fernsehkonsum in Grenzen, auch wenn wir das eine oder andere Spiel verfolgen. Seit dem frühen Ausscheiden der deutschen Mannschaft denken wir darüber nach, ob wir nicht die deutsche mit der belgischen Fahne tauschen sollten, denn das belgische Team spielt einen sehr ordentlichen und sehenswerten Fußball und der Umänderungsaufwand wäre dank Farbengleichheit ja eher gering:-))

Der Kellerraum hat sich gut gefüllt und alle Bestellungen von der ehemals langen To-Do-Liste sind eingetroffen. 10 Dosen Seajet Platinum Antifouling à 2 Liter für den nächsten Unterwasseranstrich, 10 Flaschen Ethanol Brennpasten für den Lotusgrill sowie ein Ersatz-Kohlebehälter, Reißverschlüsse, um die Kopfkissenbezüge auf die Kopfkissengröße abzuändern, neue Antirutschbeläge für die Ablageflächen in der Küche, zwei neue Taschenlampen mit großen Leuchtweiten, Pflanzschalen für die Kakteen und Düngestäbchen für unsere geliebte Bordorchidee, sowie ein neues scharfes Filetiermesser

Die Navigatorin hat zur besseren Planung den Kartensatz von den Azoren downgeloaded und wir sind damit schon mal virtuell unterwegs nach São Miguel. Wann wir dann wirklich von Darmstadt loskommen, steht im Moment ein bisschen in den Sternen, denn Cornelia hat’s ordentlich im Rücken und im Moment ist trotz Physiotherapie wenig Besserung zu verzeichnen. Ein Bandscheibenvorfall wurde jedoch glücklicherweise definitiv ausgeschlossen.

Abendstimmung auf der Mathildenhöhe

Gestern fiel der Startschuss zu Darmstadts größtem Volksfest, dem “Heinerfest“. Durch die ganze Innenstadt reihen sich Imbisstände, Losbuden, Karrussels und andere Fahrgeschäfte dicht an dicht. Gut über das ganze Heinerfest verteilt gibt es zudem verschiedene Bühnen mit abendlichen Livemusik-Darbietungen, die wir gerne besuchen. Dem alljährlichen Heinerfestmotto “Kommt alle” folgen insgesamt ca. 700.000 Besucher und mit dem traditionell am Montag Abend stattfindenden  Feuerwerk gegenüber dem Schloss endet das beliebte Volksfest.

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Oldies but Goldies

Schnell gehen die ersten sieben Tage in Darmstadt rum. Der vergangene Dienstag stand voll im Zeichen der Lilie, diesmal nicht im Stadion, dafür im Staatstheater. Das Team vom Theater scheint, wie der Rest von Darmstadt, fußballbegeistert zu sein und hat ein Fußballmusical erschaffen, das als Hauptthema den Aufstieg der Lilienelf in die erste Bundesliga im Jahre 1978 hat.

Die Spieler waren  auch als “Feierabendfußballer vom Böllenfalltor” bekannt und größtenteils, entgegen der heutigen Zeit, noch in einem normalen Beruf tätig und somit keine Vollprofis. Erst im Laufe des Spieljahres wurden die Spieler an den Zuschauereinnahmen beteiligt. Leider folgte auf den Aufstieg in das Oberhaus des Fußballs der sofortige Wiederabstieg in die Zweitklassigkeit, aber die Lilienelf erwarb sich durch ihre Spielauftritte sehr viele Sympathien in der Liga.

Das Musical “Aus Tradition anders” war musikalisch, darstellerisch und bühnentechnisch sehr gelungen und der Funke der Begeisterung sprang aufs Publikum über, das aus traditionellen Theaterbesuchern und Lilienfans zusammengesetzt war. Liebe Ute, lieber Axel, vielen Dank für die Theatereinladung!

Erste Ausfahrt auf dem Rhein

Trotz leicht wechselhaften Wetters haben wir dem Dieburger Biergarten einen saisonersten Besuch abgestattet und ein typisch hessisches Kochkässchnitzel vertilgt. Dieser Biergarten, mit seinem einzigartigen alten Kastanienbestand, ist einer der schönsten in Darmstadt.

Unser kleines Motorboot schwimmt wieder im Gernsheimer Hafen und wir warten auf richtig warme Tage, damit Volker auf dem Fluss Wakeboarden kann oder wir in einem der schönen Altrheinarme baden gehen.

Im Platanenhain auf der Mathildenhöhe

Der Freitag stand ganz in m Zeichen von König Fußball, wir haben beim portugiesischen Restaurant um die Ecke das Spiel Portugal gegen Spanien auf der Terrasse angeschaut. Für ein Vorrundenspiel war das schon ein echter Kracher und beide Mannschaften spielten voller Elan – ein Sehgenuss. Gestern waren  wir mit Samy an dem Waldsee “Grube Prinz von Hessen” und haben anschließend mit Larissa und Johannes auf der Mathildenhöhe, den Lotusgrill angefeuert, die Ausblick in Rheinebene bis hin zu den Pfälzer Bergen genossen und den Sonnenuntergang bewundert.

Aus Frankreich haben wir noch keine Nachricht über den Fortgang der Reparaturen erhalten und wollen am Montag mal nachfassen…

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Samy lernt deutsch

Zumindest deutschhündisch. Das könnte man denken, wenn wir mit ihm über die angrenzende Mathildenhöhe spazieren. Wenn es langsam geht, schaffen wir 100 Meter in fünf Minuten mit ihm. Alle paar Meter bleibt Samy stehen, schnüffelt ewig lang an den Duftspuren seiner deutschen Hundekollegen und markiert anschließend dreibeinig stehend.Schnell mal einer kurzer Spaziergang ist mit ihm nicht drin, zu interessant scheint seine neue Umgebung zu duften. Ging jetzt ja auch schnell, in 18 Tagen ist unser Bordhund von den Kanaren über Spanien nach Frankreich gereist, um jetzt seinen ersten Tage in Darmstadt zu verleben. Aber wir haben den Eindruck, dass er mit der vielen Abwechslungen gut zurecht kommt und sich rundum mit uns wohl fühlt.
Nur der heutige Nachmittagsgang bei strömendem Gewitterregen, den hat er garnicht gemocht. Triefend nass, stand er wie ein Häufchen Elend in der Wohnung rum und schien heilfroh, dass wir ihn mit einem Frotteehandtuch halbwegs trocken gerubbelt haben.
Der Hexenkat liegt wohlbehalten in LGM und Outremer werkelt hoffentlich fleißig daran. Heute habe ich unser kleines Motorboot zur Durchsicht zu meinem Motorenspezialisten nach Frankenthal gebracht und wenn alles gut geht, können wir ab dem Wochenende auf dem Rhein rumflitzen. Zwei Jahre hat der Mercruiser Motor jetzt geruht, da will ich, dass ein Fachmann ein Auge auf den Motor nebst Aggregaten wirft, damit wir nicht unvorhergesehener Weise antriebslos auf dem Rhein herumtreiben. Nasser Hund bedeutet natürlich nasses Wetter und der Eine oder Andere versucht, uns für den Umschwung zum schlechteren Wetter verantwortlich zu machen. So nach dem Motto, “wo ihr seid, wird’s kühl”. Ja, wir haben auch vom sommerlichen Biergartenwetter geträumt und müssen uns wohl noch ein paar Tage bis dahin gedulden, aber nein, wir haben das schlechte Wetter nicht mitgebracht…
Zumindest nicht absichtlich!

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Dauerregen

Die Zone technique

und anhaltende Gewitter sind seit letzter Nacht das vorherrschende Wetterszenario in LGM. Da köchelt was in der südfranzösischen Wetterküche. Leider hatte die Capitania ihr gesamtes Schuhkontingent zeitgleich unterm Steuerrad geparkt. Jetzt muss sie mit ihren Crocs zum heutigen Friseurtermin radeln und ist davon nur mäßig begeistert.

Wir wurden gut von Outremer in der “Zone technique“, an unserem Liegeplatz für die nächsten Wochen empfangen, wo alle Arbeiten rund ums Schiff erledigt werden sollen. Olivier hatte extra die Hafenkamera im Auge, um uns beim Anlegen zu helfen, eine gute Tat bei dem ablandigen Wind.

Die neue Gunboat-Halle

Im Moment ist das Schiff in eine Werkstatt verwandelt, die Schiebetür zum Eignerrumpf ist ausgebaut, ebenso die Deckenverkleidungen, um eine Relingstütze neu einzudichten. Der Gelcoatspezialist hat sich ausgebreitet und beseitigt kleine Schönheitsmängel in der Außenhaut der Hexe. Gleichzeitig verbessern die Mitarbeiter von Atelier Bilbo die Abspannung unseres Cockpitzelts an einer Stelle  und ein gerissenes Haltegummi wird ausgetauscht. Für den späten Nachmittag haben sich die Rigger angekündigt, um das Vorstagsprofil zu kontrollieren, die Wanten ein bisschen zu spannen und eine Reffleine auszutauschen. Man ist spürbar bemüht um das Wohlergehen unseres Bootes.

Mittlerweile hat sich auch einiges rund um die  Gunboat-Katamaranproduktion in LGM getan, die schöne neue Produktionshalle ist fertig und die Baunummer eins  des 68-Fuss-Katamarans läuft vollumfänglich. Die Wasserung ist für Oktober geplant.

Samy am weißen Sandstrand

Samy genießt die Zeit, die wir mit ihm in den weitläufigen Parks  und am Strand von LGM verbringen und erfreut sich am restriktionsfreien Zugang in alle möglichen Kneipen. OK, ob er sich über letzteres freut, lassen wir mal dahingestellt sein, wir sind jedenfalls recht glücklich über den Umstand, dass er in jede Kneipe und jedes Restaurant darf. Die Fußball-WM steht vor der Tür und der eine oder andere Franzose frotzelt schon mal rum, wie lange wir unsere WM-Sommerpause planen müssen, oder ob wir relativ schnell wieder zurück zum Schiff kommen können. Mmmh, ich weiß ja nicht, wie lange das Sommermärchen für unsere französischen Freunde andauern wird, aber ein Match zwischen „Les Bleus“ und Jogis Jungs wäre schon nicht schlecht.

Übrigens, unser 1. Video von dem Törn Lanzarote nach Südfrankreich ist online, und hier zu besichtigen.

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Der vorläufig letzte…

…Blogbeitrag von unterwegs. Dunkel legt sich die Nacht über uns, Wolken bedecken den Himmel, nur vereinzelt sind Sterne zu sehen. Anders als in den südlicheren Gefilden der Kanaren wird es jede Nacht draußen richtig gehend feucht und das ganze Deck ist nass. Der Wind hat uns heute bis nach Rosas gepustet, ein sehr schöner Segeltag geht zu Ende und mit dem Einzug der Nacht geht der Wind schlafen. Cornelia hat gerade ihre abendliche Amateurfunkrunde beendet, und hatte Funkkontake nach Wien, zu einem Segler auf Rügen, und einem Amateutfunker aus Düsseldorf. Die abendliche Funkrunde wird von Michael aus Östereich moderiert und wenn er spricht, verstehen wir ihn so gut, als wenn er neben uns stehen würde. Er muss eine sehr starke Amateurfunkanlage haben und kann seine Antenne ausrichten. Es ist schon erstaunlich, wie weit man mit unserer kleinen Sende- und Empfangsanlage kommt. Wir sind sehr froh, dass es diese Funkrunden gibt. Es vermittelt uns ein gutes Gefühl, dass wir auch mitten auf dem Meer, fernab von jeder Küste, mit Landfunkstellen kommunizieren können und auch bei einem möglichen Notfall jemand erreichbar ist.
Wir sind jetzt am Anfang unserer vorerst letzten Nacht auf See und irgendwie macht sich ein bisschen Wehmut breit. Seit wir von Lanzarote weg sind, waren das Meer und die Wettergötter gut zu uns. Es gab keine Kämpfe gegen die Unbillen der Natur, nur ein paar Gefechte gegen die Tücken der Technik. Fast 1300 Seemeilen liegen seit den Kanaren jetzt in unserem Kielwasser, knapp 6500 Seemeilen sind wir mit unsere Hexe seit März 2017 gesegelt. Noch wissen wir nicht, wann unsere Segelreise weiter geht, wir hoffen bald von Outremer zu erfahren, wie viel Zeit für die Garantiearbeiten am Schiff benötigt wird.
Im Moment fahren wir in eine dunkle Nacht hinein, der abnehmende Mond wird erst um 02:00 Uhr aufgehen, bis dahin müssen das Radar und das AIS unsere Augen sein. Und weil das mit dem Funken so viel Spaß emacht hat, stellt die Capitania diesen Bericht nicht über einen Handy-Hotspot, sondern über das Pactor-Modem via Airmail rein.

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Adieu Barcelona

Montag, 4. Mai 2018, Baro  1011, sonnig, warm, Wind S 3-4

Machen doch tatsächlich die Supermärkte an einem Montag Morgen in Barcelona erst um 09:00 Uhr auf! Ich kaufe Obst, Salat und Oliven auf dem Markt, dann muss ich warten, bis endlich die Tür zum Lebensmittelgeschäft aufgeschlossen wird, denn Samy braucht noch Hundefutter für die letzte Etappe. Die Kommunikation mit Osteopathenfreundin Katie ist auch suboptimal, so steht sie erst am Tor der Marina, als wir bereits die Leinen los haben. Die Begegnung muss bis zum nächsten Mal im Sommer warten. Um 11:00 Uhr haben wir den Code D gesetzt, der Wind hat aufgefrischt, 9 – 10 Knoten, wir segeln mal wieder mit über sieben Knoten Fahrt dahin. Bis La Grande Motte sind es 167 Meilen, spätestens Dienstag Abend wollen wir dort sein.

Adieu Barcelona

Barcelona hat uns – wieder einmal – sehr gut gefallen. Mit Ralf und Inge waren wir auf dem großen Markt bei den Ramblas, und übereinstimmend der Meinung, dass wir viel günstiger auf unserem kleinen Markt in der Barceloneta einkaufen können, für die Hälfte des Preises. Aber natürlich ist es wunderschön anzuschauen, wie die Händler hier ihre Waren präsentieren, diese unglaubliche Vielfalt an bunten Früchten, und natürlich die Fischstände mit allem, was das Meer zu bieten hat. Durch das lange Wochenende ist es noch voller als sonst, und wir verdrücken uns schnell wieder in die verwinkelten Straßen der Altstadt. Hier gibt es doch jedes Mal etwas Neues zu entdecken, da ein Frisör mit historischen Möbeln und Geräten, da ein neuer Designer, hier eine neue Bar und die schönen Plätze und die schmalen Gassen mit den hochgebauten Häusern. „Schau mal, in der Gasse kann man sich vom Nachbarn gegenüber eine Zitrone übers Fenster leihen!“, sagt Volker über so ein ganz enges Gässchen, durch das kaum ein Kleinwagen fahren könnte.

Wir gehen zum Park Olimpico, damit Samy ein bisschen Auslauf hat, spazieren am Strand entlang zurück zum Hafen, ich liebe am meisten die Barceloneta, das Viertel zwischen Hafen und Olimpic Park, in dem es viele kleine Läden, Tapas-Bars, Bäcker, Gemüsegeschäfte, und Cafés gibt. Hier ist immer was los, morgens und am Nachmittag sind die alten Leute unterwegs, die weißhaarigen Damen treffen sich auf einen Kaffee und eine Zigarette auf dem großen Platz, gegen Abend wird das Publikum jünger, und die Bars und Restaurants füllen sich.

Am Sonntag hatten wir wirklich Pech mit dem Wetter, es war morgens schon grau und nicht warm, als Ralf und ich auf dem Platz einen kleinen Café trinken, aber nach dem gemeinsamen Frühstück fing es an zu regnen. Trotzdem haben wir uns aufgemacht, um uns mal die noch im Aufbau befindliche neue Marina anzuschauen, ob das denn eine Alternative zu den eher gehobenen Preisen von der One Ocean Port Marina Vell wäre. Im Moment ist sie das definitiv noch nicht, und wenn sie mal wirklich schön ausgebaut ist, liegt sie halt doch weit ab vom Zentrum. Vor allem, wenn man, wie wir, wegen des Hundes nicht mit dem Bus fahren kann. Blöd! Auf dem Heimweg zum Boot fing es dann definitiv an zu schütten, den Nachmittag konnten wir nur unter Decken mit Film auf dem Laptop verbringen, so viel Wasser fiel aus dem Himmel. Erst nach 18 Uhr verzogen sich die Wolke, Zeit für einen weiteren Spaziergang mit der Malwieder-Crew, diesmal zum großen Hafen, wo auch die königlichen Yachtclubs ihren Platz haben und an den großen Motoryachten vorbei.

Zum Abschiedsessen bekommen wir einen Platz in einer wunderbaren kleinen Tapasbar, der Hund darf mit hinein, wir erfreuen uns ein letztes Mal vor der Heimreise an Chipirones, Berenjenas und Oliven.

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Sailing home Teil 3: Wenig Wind

Mittwoch, 30. Mai 2018, Baro 1012, sonnig, Wind SSW um 4, Cartagena 09:30

Der Gang zum Lieblingsbäcker „Davo“ darf nicht fehlen am Morgen vor dem Ablegen, natürlich bekomme ich zu meinen zwei Baguettes und dem Schokocroissant mit weißer (!) Schokolade und dem Engelshaar noch zwei runde Brötchen geschenkt, dann schnell die Leinen los und raus aus dem Hafen, Segel hoch und schon läuft die Hexe wieder los. 280 Seemeilen bis Barcelona liegen vor uns, der Liegeplatz ist reserviert, bis Freitag früh sollten wir dort sein.

Unser Weg führt uns um das Cabo de Palos an der Isla Hormiga, ein paar ins Meer geworfenen Steinhaufen mit einem Leuchtturm vorbei. Plötzlich kommt uns ein Fischerboot mit sehr großer Geschwindigkeit entgegen, und hält voll auf uns zu, ohne auch nur ein bisschen von seinem Kurs abzuweichen. Er muss doch sehen, dass wir auf Vorwindkurs sind und nicht so leicht ausweichen können! Egal, ein bisschen luven geht immer, irgendwann ist er neben uns und Volker klatscht ihm Beifall, allerdings glaube ich nicht, dass das den Schumi-Fahrer interessiert.

Anfänglich sind wir noch mit Code D unterwegs, dann frischt der Wind auf 20 Knoten auf und wir müssen das bunte Vorsegel einrollen. Die Genua kommt raus zum Schmetterling. Glücklicherweise bleibt der Wind mit 13 – 15 Knoten, nachmittags frischt er wieder auf auf bis zu 20 Knoten, die Genua wird ein bisschen eingedreht, damit sie nicht schlägt, wenn die Hexe sich in den Wellen nach der einen oder anderen Seite dreht. Wir genießen das Segeln bei Sonnenschein.

Nach unserem üblichen Sundowner verabschiedet sich leider auch der Wind, wir machen den Motor an, dann versucht Volker es noch einmal mit dem Code D, dann motoren wir wieder, dann wieder Code D nach dem Film um 00:30, seit 01:00 zieht die „bleierne Genua“ den Kahn.

Zum Abendessen gibt es Krautfleckerln, wir schlagen uns die Bäuche voll, bis nichts mehr reingeht. Volker wünscht sich Abendkino, wir haben auf dem PC einen Film von Peter, den wir noch nicht angeschaut haben, „Rossini“, oder „wer mit wem schlief“. Köstlich, eine Persiflage auf die deutsche Filmemacher-Szene in dem italienischen Restaurant Rossini. mit allen, die in der deutschen Filmwelt Rang und Namen haben, Gütz George, Gudrun Landgrebe, Jan-Josef Loefers, Veronika Ferres, Heiner Lauterbach und und und… Es hat uns viel Spaß gemacht, auch wenn wir von einem blöden Fischer unterbrochen wurden, der, während er ganz bei uns in der Nähe war, in voller Fahrt von über acht Knoten fortwährend seinen Kurs geändert hat.

Donnerstag, 31. Mai 2018, Baro unverändert 1012, Wind S 6 Knoten, auf See

um 00:30 gehe ich ins Bett, Volker bewacht den Code D, den er aber kurze Zeit später wieder birgt. Um 02:30 werde ich wach, gehe nach oben, und löse den Skipper ab, der es sich sofort auf unserer breiten Salon-Liegewiese bequem macht. Für die Überfahrt haben wir den Tisch abgesenkt, und können dort gemütlich liegen. Das Cabo de la Nao haben wir längst passiert, um 03:45 werden wir außerhalb der 12-Meilen-Zone sein.

Der Skipper ist um 04:30 ins die Koje gegangen, ich stelle mir einen Timer, um regelmäßig auf  dem kleinen Bildschirm Kurs, Wind und die anderen Schiffe zu überprüfen, bin aber immer vorher aktiv, weil irgendwer im Funk ruft. Um 05:50 werde ich von einem Funkanruf mit „Hexe, Hexe, this is Vehintisiete,, do you read me?“ Schnell springe ich auf und antworte, wir gehen auf den Arbeitskanal 06, und mir wird erklärt, dass die Vehintisiete Kabel repariert, und ich zwei Meilen davon wegbleiben muss. Ich hatte die beiden Schiff schon im AIS gesehen, da waren sie aber noch über 15 Meilen weg, und ich wollte erst einmal abwarten. Na, klar, nun ändere ich meinen Kurs wie versprochen auf 20°, das bringt die Hexe in dem gebotenen Abstand an den Arbeiten vorbei. Um 06:40 sind die beiden Arbeitsboote querab, und ich kann wieder auf den ursprünglichen Kurs gehen. Gerade da geht auch die Sonne strahlend über dem Wasser auf, ein wunderschöner Anblick.Das Meer ist still, der Windmesser zeigt 2,5 Knoten an, keine Chance zu segeln.

Leider bleibt das so den ganzen Tag, am Morgen kommen einmal vier kleine Delfine und spielen kurz an unserem Bug, doch schon bald sind sie wieder verschwunden. Der eine stößt sich noch an der Rumpfspitze, als er plötzlich nach links wegschwimmt.15:30 Uhr: Samy ist gelangweilt, der Skipper auch, noch 100 Meilen bis Barcelona.

Um 16:30 Uhr starten wir einen Segelversuch mit dem Code D, der Wind hat auf acht Knoten aufgefrischt, juchhe! Wir segeln über das spiegelglatte Meer mit über sechs Knoten. Winzig kleine Portugiesische Galeeren schwimmen vorbei, ich weiß schon, warum ich vorhin das Angebot des Skippers, schwimmen zu gehen, nicht angenommen habe, brrr!

Zum abendlichen Sundowner kommen Delfine aus mindestens drei verschiedenen Delfinrudeln zu Besuch, immer nur für kurze Zeit, aber wegen des klaren Wassers kann man sie wunderbar sehen und filmen. Dieser Moment des Tages ist für uns etwas ganz Besonderes geworden. Ich freue mich sehr auf die kleine Stunde, in der wir einfach nur so dasitzen mit unserem alkoholfreien Bier und miteinander sprechen. Das klingt blöd, denn a) haben wir ja den ganzen Tag Zeit, und b) sind wir sowieso immer zusammen. Klar, aber normalerweise ist jeder mit irgendetwas beschäftigt, allem voran dem Schlafen, da wir es ja versetzt tun müssen, ist damit schon ein großer Teil des Tages ausgelastet. Ansonsten ist es das Lesen, Filme schneiden, Logbuch schreiben, Boot putzen, und was einem noch so an Aktivitäten einfallen mag. Nur das Angeln haben wir diesmal ausgelassen, weil es mir Leid tut, nur für mich allein so einen Fisch aus dem Wasser zu ziehen. Das holen wir mit den nächsten Gästen nach.

Zum Abendessen hat Volker die Reste der Lasagne aufgetaut sowie, auf meinen Wunsch hin, einen Rote-Beete-Salat gemacht, wir essen bei Sonnenschein im Cockpitzelt, anschließend erfreuen  wir uns an dem Film „Fack you Göthe“ aus unser Mediathek. Um 23 Uhr verziehe ich mich ins Bett, und Volker macht freundlicherweise den Motor von dem anderen Rumpf an, damit es in der Kabine nicht so laut ist.

Freitag, 1. Mai 2018, 02:30, Baro 1015, sternenklar, kein Wind
auf See, Position 40°45.83 N / 001°44.29 E, unter Motor Kurs 31°

Ich wache auf von dem Gebimmel des Raymarine-Gerätes, weil der überholende Frachter näher als zwei Meilen an uns herankommen wird. Jetzt kann der Skipper schlafen, ich übernehme die Wache. Das Meer ist womöglich noch glatter als gestern,  der nicht mehr ganz volle Mond erhellt das spiegelnde Wasser. Barcelona ist noch über siebzig Kilometer entfernt, trotzdem sieht man schon einen leichten Lichtschein am Horizont.

08:00 Uhr, noch zehn Meilen bis Barcelona. Jetzt wird es voll auf dem Meer. Gleich zwei Fischerboote liegen auf Kollisionskurs zu uns, jetzt heißt es wirklich aufpassen, nicht nur auf die Fischer, auch große Fähren verkehren hier, Frachter, Tanker, sie alle wollen in den großen Hafen von Barcelona. Wie wir auch.

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Des Skippers philosophische Betrachtungen

Breit über den Horizont dehnt sich das spiegelglatte blaue Meer aus, Bewegungen an seiner Oberfläche ­- Fehlanzeige. Nicht einmal eine leichte Windkräuselung ist erkennbar. Dazu schiebt sich die Sonne langsam und träge über die östliche Kimm und taucht die platte See in eine Variation aus gelb-orange. Der Motor brummelt in seinem Abteil stoisch-gleichmäßig vor sich hin, wie er es schon seit gestern Abend tut, die Bootsgewschwindigkeit ist dabei so konstant, als wäre sie über einem Tempomat eingestellt. Der Windmesser zeigt 0,8 – 1,0 Knoten Windgeschwindigkeit und unseren Rythmus passen wir den äußeren Umständen an. Wir schlafen und wachen, alle 20 Minuten gibt es einen Rundumblick, und danach geht es wieder in die waagerechte zum nächsten Schlummer. Selbst Samy verlegt sich nur hin und wieder auf einen anderen Fleck und und gibt sich ansonsten dem meditativen Nichtstun hin.
Genuss, Monotonie, Langeweile, totale Entspannung, Gleichförmigkeit, von allem ein bisschen steckt in unserem heutigen Tagesablauf. Auch für die nächste Nacht wollen die Götter des Windes kein Blaskonzert veranstalten und topographisch-thermische Windeffekte entfallen heute ebenfalls. Unser kleiner Lebenskosmos wird sich also auch weiterhin mit konstanten 10-12 Sundenkilometern fortbewegen und anstelle der Sonne wird heute Abend der volle Mond am östlichen Himmelsfirmament aufgehen. Auch schön.

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