ATMS

Noch schlimmer als TMS (Tödlicher Männer-Schnupfen) ist der ATMS, der Absolut Tödliche Männer-Schnupfen), der neben den vom TMS bekannten Symptomen, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Bettlägerigkeit und Gliederschmerzen, zusätzlich noch mit erhöhten Temperaturen einher kommt.

Wenn ein Mann von solch einem Virus, denn um einen solchen handelt es sich zweifellos, befallen ist, so wird er sich wehren. Zunächst mit erweiterter Bettruhe bis in den späten Vormittag hinein, sodann mit einem kräftigenden Früh- oder Spätstück mit Eiern, Speck und süßen Teilchen, um dann mit einem wunderwirkenden Mittagsschlaf die Genesung fortzusetzen. 

Am späten Nachmittag rafft Mann sich zu ungeahnten Aktivitäten auf, die später in einem ordentlichen Abendessen gipfeln, um anschließend ermattet auf der Couch zusammen zu sinken, und nur noch genügend Kräfte für die Dauer eines Spielfilmes aus der heimischen Videothek zur Verfügung zu haben.

Von solch einem Virus ist der Skipper seit zwei Tagen befallen, und er hat sich erfolgreich mit den beschriebenen Gegenmaßnahmen gewehrt. Entsprechend gestärkt haben wir uns Samstag Nachmittag nach Arrecife gewagt, um die Entstehung der Salzteppiche zu beobachten, die dort rund um die kleine Kirche in der Innenstadt mit viel Liebe hervor gebracht werden. Anlässlich des Johannestages, der in Spanien am Abend mit großen Feuern gefeiert wird, finden außerdem Kirchenfeste, Prozessionen und weltliche Konzerte statt. Hier in Arrecife eben auch mit den Salzteppichen rund um die Kirche San Ginés.

mit Farbe mischen

Salz verteilen

glätten

 

 

 

 

Hunderte Menschen mischen das zur Verfügung gestellte Salz mit irgendwelchen Farbpartikeln, um es dann auf dem blanken Boden der Straßen zu Bildern zusammen zu setzen. Holzkeile werden mit Nägeln auf den Pflastersteinen befestigt, sozusagen als Trennwände zwischen den einzelnen Farbschichten, dann wird das mühsam mit den Farben gemischte Salz dazwischen verteilt, und am Ende entstehen bunte Bilder, Motive von Kinderhand, aber auch religiöse, bildliche und künstlerische Werke, die am nächsten Tag wieder dem Zahn der Zeit, in diesem Fall die alljährliche Prozession zu Johanni, weichen müssen. Kunst für den Augenblick.

kleine Studie von mir

Das „ordentliche Abendessen“ gab es mit vielen Freunden bei schönstem Abendhimmel am Strand im Restaurant Emmax, wieder sehr, sehr lecker. Am Nebentisch saß ein Spanier, der kleine Skizzen von den Menschen an unserem Tisch anfertigte, zuerst von den irisch-deutschen Kindern Oisin und Cuisle, dann von der ganzen Familie, schließlich sogar von mir.

Das Queen-Revival-Konzert am Strand von Playa Honda haben wir uns zugunsten der heimischen Couch geschenkt, für die baldige Gesundung ist die Zurückhaltung besser.

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Hoch hinaus

Bis zur Spitze ist es noch ein gutes Stück

Eigentlich wollten wir am Montag direkt nach dem Autotausch und vor dem Frühstück aufbrechen zu einer kleinen Segeltour, mal weg von der Insel und ihren zahlreichen Verlockungen zum Bleiben und Sesshaftsein. (Über den Ausflug haben wir schon im letzten Blogbeitrag berichtet)Aber am Morgen war einfach gar kein Wind, nix, nada. Da kam Volker die Idee, dass er das auch positiv ausnutzen könnte, und endlich den Mast von Sand und Saharastaub abwaschen, und gleichzeitig das Edelstahl an den Wanten und an der Saling polieren.

Von den Jungs, die nebenan die Catlanza VII, den Ausflugskat nach der Inspektion wieder aufriggen und segelfertig machen, haben wir uns ihren Wasserschlauch geliehen, mit unserem verbunden, damit dieser lang genug war, um vom Steg übers Vorschiff bis in die fast 27 m hohe Mastspitze zu reichen.

Mein Helfer, die Elektro-Winch

Mit Autosol, Poliertüchern und Schwamm bewaffnet steigt Volker in den Bootsmannstuhl und ich ziehe ihn nach oben. Also, das stimmt nicht ganz, glücklicherweise muss ich ihn nicht mit meiner Arme Kraft nach oben kurbeln oder gar ziehen, dafür haben wir eine Elektro-Winch, die das für mich erledigt, zwar jammert sie auch manchmal und quietscht, aber versieht brav ihren Dienst. Dreimal musste sie Volker hoch in den Mast ziehen, dann konnte ich ihn langsam wieder ablassen, während er zuerst die Nut des Großsegels und den Mast an sich mit dem Wasserschlauch abspritzt, beim zweiten Mal die Steuerbord-Wanten poliert und nachwischt, und beim dritten und letzten Mal das Ganze auf der Backbordseite wiederholt.

An der Saling werden auch die Lampen poliert

Nun ist der rote Saharastaub aus den Nuten entfernt, unser Mast strahlt wieder in neuem Glanze. So kann ein weiterer Punkt auf der ständigen To-Do-Liste abgehakt werden.

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Fuerteventura and back

Samys Lieblingsplatz beim Segeln

Als Samy merkt, dass wir Vorbereitungen zum Ablegen treffen, geht er ins Trampolin und schubbert sich erstmal kräftig. Nach dem Segelsetzen liegt er gemütlich dort vorne, lässt sich den leichten Wind um den Bauch wehen und schläft. Das ist wirklich sein Platz, wenn wir unterwegs sind. Mit einer leichten Brise aus Nordost, um die sieben Knoten, segeln wir gemütlich dahin.

Wie immer startet bei „Kap Hoorn“ der Wind, von jetzt auf gleich weht es mit 16 Knoten aus West, das Meer ist weiß von den kleinen Schaumkrönchen, an Ankern vor Papagayo oder Los Lobos ist bei dieser Windrichtung gar nicht zu denken.

Schnell haben wir ein neues Ziel im Auge: Puerto del Rosario liegt fast in der Mitte von Fuerteventura und bietet angeblich eine gute Ankerbucht mit Schutz vor allen Winden außer dem südöstlichen Quadranten. Bis dorthin kreuzen wir geschwinde vor dem Winde, das kann die Hexe gut, und das Meer ist flach, sehr angenehm.

Tatsächlich hatte ich heute Glück, in der Funkrunde von Intermar um 16:30 UTC konnte ich jemand hören, kurz ehe der Moderator offensichtlich wegen fehlender Beteiligung aufgeben wollte. Ich konnte mich mal wieder melden, nicht, dass die denken, die Hexe würde gar nicht mehr mitspielen!

Due Hexe und ihr Dinghy

Um 18:00 Uhr fällt der Anker in der Bucht neben dem Hafen von Puerto del Rosario, Volker macht sofort das Beiboot klar, damit wir noch im Hellen die Stadt erkunden können. In den einschlägigen Seglerforen hieß es, dass man an der Slipbahn des Club Nautico das Dinghy parken kann, das machen wir auch, auf Anraten von ein paar gerade heimkehrenden Kanuten, ganz am Rande bei den Felsen fest.

Treppenaufgang zur Innenstadt

Von See aus gesehen ist Puerto del Rosario eher hässlich, viel Industrie, dazwischen Ferienwohnungssiedlungen, und wieder Industrie. In dem großen Hafen legen die Versorgungsschiffe, aber auch Kreuzfahrtschiffe an, allerdings werden die Touristen dann zu anderen Zielen auf der Insel gefahren, die Stadt bietet wohl nicht so viele Sehenswürdigkeiten. Wir aber wollen der Hauptstadt von Fuerteventura die Gelegenheit geben, doch noch unser Wohlwollen zu erlangen.

blühender Baum in der Fußgängerzone

akkurat beschnittene Benjamini

Puerto del Rosario ist bekannt für seine Wandmalerien

Zur Innenstadt geht es über ein paar Treppen nach oben, dort verläuft eine kleine Fußgängerzone, die mit wundervoll blühenden Bäumen bestückt ist. An den größeren Straßen hingegen stehen riesige Benjamini, adrett in Form geschnitten. Es gibt ein größeres Einkaufszentrum, Supermärkte, auffallend viele Fahrschulen, und einen wunderhübschen Platz vor der Kirche. Drinnen sitzen Gläubige und beten Fürbitten, aber nicht mit einem Pfarrer aus Leib und Blut, sondern mit einer Mikrophonstimme, eher seltsam.

Hahnenkampf-Denkmal an der Uferpromenade

Nach einem kleinen Feierabendbier in der Fußgängerzone laufen wir an der Hafenmole zum Strand, dort fallen uns drei schwarz gekleidete Polizisten der Policía local auf. Wir freuen uns jetzt auf unser Abendessen an Bord, und auf die beschauliche Ruhe, die so ein Abend am Anker bieten kann. Eher könnte. Denn: Kurz bevor wir mit unserem Dinghy die Hexe erreicht haben, gibt es ein wildes Hupkonzert und Blaulichtgewitter an der Slipbahn aus eben jenem Polizeiwagen. Was wollen die denn? Kurz sind wir unschlüssig. Was sollen wir jetzt machen? Zurückfahren? Nee, wenn die was wollen, sollen sie doch kommen! Der Platz ist in allen Seekarten eindeutig als Ankerplatz ausgewiesen, es kann höchsten sein, dass man das Dinghy nicht dort parken darf. Aber irgendwo muss man es ja schließlich lassen, wenn man an Land geht.

Mit dem aufgehenden Vollmond segeln wir zurück nach Puerto Calero

Nach einigen Überlegungen gehen wir Ankerauf und motoren davon, auf nächtliche Auseinandersetzungen haben wir keine Lust. Wenn Fuerteventura uns nicht haben will, dann fahren wir halt wieder zu unserem geliebten Lanzarote, da sind wir immer willkommen… Um 01:00 nachts liegen wir wieder an unserem Platz mit 59 Seemeilen im Kielwasser.

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Lanzarote News

Position der Pohlaris heute Abend

Nachdem bei Pohlaris, dem Kat mit dem Saildriveproblem (wir berichteten), das komplette Getriebe gewechselt wurde, war es gestern für Harald und seine Crew endlich soweit, dass sie die Leinen loswerfen konnten. Als nächstes Ziel stehen die 900 Seemeilen entfernten Kapverden auf dem Programm, von dort aus soll es weiter in die Karibik nach Trinidad gehen. Bei den Windvorhersagen hat die 3er Crew gleich doppelt Glück, sowohl die Windrichtung als auch die Windstärke sind ideal, um nach Südwesten zu fahren, zudem gibt es keine hohen Wellen. Champagnersegeln dürfte für die nächsten Tage angesagt sein. Wir wünschen eine tolle und sichere Überfahrt.

Glück gehabt!

Glück im Unglück hatte gestern ein Fahrtensegler ,der mit seinem Aluschiff seit geraumer Zeit hier im Hafen liegt und vergessen hatte, bei seinem abgestellten Leihauto die Handbremse anzuziehen. Unglück deshalb, weil das Auto los rollte, über die Kaikante hinaus und mit dem vorderen Teil auf den Steg kippte. Glück deshalb, weil gerade Hochwasser und der Steg weit oben war, das Auto so nicht weiter auf das Segelschiff kippen konnte. Er hat noch versucht, mit einem Fall das Auto nach oben zu seinem Mast zu sichern, aber dabei wurden die Kotflügel eingedrückt und beinahe eine Saling beschädigt, um die das Fall gewickelt war. Zudem war die Handbremse noch immer nicht angezogen. Ich hab dann mit ihm das Fall klariert und im Auto die Handbremse angezogen. Irgendwann kamen professionelle Berger…

Gestern war, man muss nur hoch zum Himmel schauen, mal wieder Vollmonddisco bei Jürgen und Marianne, die mitten in einem Gebiet aus erstarrter Lava wohnen. Was für eine einzigartig tolle Kulisse, und so viele super nette Menschen.

Und last but not least waren wir heute bei der Segelfamilie mit den beiden Kindern zum nachmittäglichen Essen in Playa Blanca eingeladen. Deren Boot wird erstmalig mit einem komplett biozidfreien Antifouling auf Silikonbasis gestrichen. Dazu sind zwei Primer- und zwei Antifoulinganstriche notwendig. Das Prinzip ist so spannend wie simpel. Das Silikon soll eine dem Wasser entsprechende Struktur aufweisen, auf Wasser siedelt sich ja kein Bewuchs an. Der Anstrich soll drei Jahre vor Pocken, Muscheln und allem, was sich an den Rumpf ansetzen will, bewahren. Nach drei Jahren soll man nur eine neue Lage streichen  müssen. Wir sind fasziniert von der Idee und sehr auf das Langzeitergebnis gespannt, wäre doch klasse für uns Segler, wenn dieses giftfreie Prinzip funktionieren würde!

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Ganz schön was los hier

The artist himself

Wir drehen jetzt mal ganz schnell für diesen Beitrag die Zeit um ein paar Tage zurück und befinden uns in der vergangenen Woche, am Donnerstag.

An dem Wochentag gibt es in Costa Teguise, in der Gaststätte “Number One“, eine Fakir- und Transvestitenshow. Da wir beide Showvarianten vorher noch nicht live gesehen hatten, staunten wir nicht schlecht, was uns da so dargeboten wurde.

Fakir auf Nägeln

Beispielsweise stand der Fakir auf einem Scherbenhaufen oder er lag mit nacktem Oberkörper auf denselben schrecklich spitzen Glasscherben, oder auf einem Nagelbrett mit langen, wirklich scharfen Nägeln, die er das Publikum testen lies. Zusätzlich stand noch ein ca. 100-Kilo-Mann auf seinem Rücken. Oder er spielte mit und verschluckte brennende Fackeln, ohne sich zu verbrennen, versteht sich.

oder Liza Minelli

Als Tina Turner…

Die Transvestiten-Show war ebenfalls vom Feinsten mit einer gelungenen Musikauswahl und aufwendig gestalteten Kleidern, man musste schon genau hinschauen, um in dem Outfit einen Mann zu erkennen.

Noch schöner an diesem Abend aber war, dass wir zahlreiche deutsche Inselbewohner kennengelernt haben, das Treffen war von von Christian und Sabine von der Facebook Gruppe “Montefuego TV” initiiert.

Freitag früh ging es dann mit Ulrike, Wolfgang, Aisling und Moira zur Weinprobe, zu dem uns bekannten Weingut „Guiguan”, sehr empfehlenswert. Den Freitagabend haben wir uns, was man schon fast als traditionell bezeichnen kann, mit den Teilnehmern der Freitagabendregatta im Upperdeck getroffen. Am Samstag Abend hatten wir Simon und Christiane sowie deren Kinder, Cedric und Miriam zum Abendessen an Bord. Die Familie lebt derzeit als „Projekt“ für zwei Jahre hier auf Lanzarote. Vor fünf Jahren hatten sie für eineinhalb Jahre einen Kat in der Südsee gechartert, von einem Anbieter, der sich auf Langzeitcharter für Blauwassersegler spezialisiert hat. Bei der Variante entfällt die lange Anreise auf eigenem Kiel und man kann direkt in dem beliebten pazifischen Revier losschippern. Die Flotte des Anbieters ist innerhalb von ein paar Jahren, wegen der großen Beliebtheit, von zwei auf mittlerweile 17 Katamarane angewachsen.

Und noch gar nicht erwähnt haben wir, dass wir eine deutsch/irische Fahrtenseglerfamilie (siehe Teilnehmer der Weinprobe)nun schon mehrfach getroffen und auch viel miteinander unternommen haben. Sie wollen mit ihrer vierjährigen Tochter Cuisla und dem einjährigen Sohn Oisin, auf ihrer Hanse um die Welt segeln (hoffentlich stimmt die Schreibweise der irischen Namen!). Hier auf Lanzarote bereiten sie das Boot für die Atlantiküberfahrt im Rahmen der ARC vor.

Gestern Abend waren wir dann zu Christiane und Simon nach Hause eingeladen und haben noch eine weitere Seglerfamilie kennengelernt, die mit ihrer Outremer vor ein paar Jahren von Frankreich bis in die Südsee gefahren sind. Es gab viel zu erzählen, zumal Johan, der Familienvater, der neue Racedirektor von „The Ocean Race”, der Nachfolgeregatta des legendären „Volvo Ocean Race“ ist. Das Abendessen war der Knaller, vielen Dank dafür und für Eure Gastfreundschaft.

Auf Julias Balkon:

“Es war die Nachtigall…”

Und Überraschung, Überraschung, gestern Abend stand eine Lady vorm Boot und ließ mich, erstmal erfolglos, raten, woher wir sie kennen. Was für ein netter Zufall, da stand tatsächlich Kiki ( Kirstin), die wir von Workum/ Holland her kannten und die mit ihrem Mann Christian die best erhaltene Contest 34, die ich je gesehen habe, ihr Eigen nennen. Kiki haben wir durch den Süden der Insel geführt, und bei Los Hervideros sind diese Fotos entstanden.

Also ganz schön was los bei uns, und weil es hier so toll ist und der Wind immer weiter aus Nord ballert, haben wir mit dem Hafenmanagement von Puerto Calero einen Dreimonatsmietvertrag für unsere Hexe, der jetzt noch bis Anfang August läuft, abgeschlossen. Also nix mit viel Segeln, dafür wohnen auf dem Wasser, wunderbar hier.

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Spezialprodukte aus Lanzarote: die rote Schildlaus und die Aloe Vera

Die Aloe-Vera-Pflanze

Neben, oder auch für den Tourismus hat sich auf Lanzarote eine eher handwerkliche Fertigung von Insel-eigenen Produkten entwickelt, eigentlich hat man altes Wissen wieder ausgegraben und in ein neues Gewand gestellt. Überall findet man Läden, manchmal gar ein bisschen hochtrabend Museum genannte Verkaufsstellen, die alle möglichen Produkte anbieten, die man aus heimischen Rohstoffen fertigen kann. Zum Beispiel die Aloe Vera: Eigentlich sieht die Pflanze ja aus wie eine Kaktee, gehört aber zur Familie der Grasbaumgewächse wie die Taglilie, in der Ordnung der Spargelartigen, ist also entfernt mit unserem Spargel verwandt.

Samy macht Werbung fürs Hundeshampoo

Auf Lanzarote wird die Echte Aloe zu Hautpflegeprodukten aller Art, Shampoo (sogar Hundeshampoo gibt es!), Gels, Cremes, Fruchtsäften, etc. verarbeitet.

Volker z.B. schwört nach ausgiebigem Sonnenbad auf sein Aloe-Vera-Gel, das sonnenverbrannte Hautreizungen schnell lindert. Außerdem sollte eigentlich in jeder Küche eine solche Pflanze stehen. Hat man sich zum Beispiel an der heißen Herdplatte verbrannt, oder zu früh an die noch viel zu warme Pfanne gefasst, so soll man bei eventuellen Verbrennungen nur ein Stück eines Armes der Pflanze abschneiden und mit der Schnittfläche auf die Haut legen, das kühlt und hilft.
Immer.

Werbeblatt für das Museum

Daneben gibt es auf Lanzarote die rote Schildlaus, die einen wunderbar intensiven Farbstoff liefert, mit dem schon in vorchristlicher Zeit Gewänder eingefärbt wurden. In Mala, dem Hauptanbaugebiet der Cochenille wurde ein kleines Museum errichtet, das sich mit der Geschichte und dem Anbau der roten Schildlaus beschäftigt. Und natürlich gibt es einen kleinen Laden, in dem die entsprechenden Produkte verkauft werden, sogar zum Färben der Haare kann man es verwenden. So mutig war ich nicht, aber ich habe uns eine Marmelade aus Aloe Vera mit Cochenille geholt, lecker.

Leider schon fast leer: die Marmelade

Die Cochinilla, zu Deutsch Cochenilleschildlaus, liefert karminroten Farbstoff, der sich hervorragend zum Färben von Stoffen, aber auch für Malerfarben und Lebensmittel eignet. Ursprünglich in Südamerika heimisch, wo die Inkas die Farbe zum Herstellen der herrschaftlichen roten Gewänder nutzten, verbreitete sich der Anbau der Schildlaus in praekolumbianischer Zeit bis nach Mexiko, die Azteken und die Majas liebten die rote Farbe. Später brachten die spanischen Konquistadoren die Cochenillen mit von ihren Reisen. Auch dem spanischen Königshof gefiel die intensive rote Farbe, und es wurde ausprobiert, in welchem Teil des spanischen Weltreichs der Anbau der Läuse am besten gedieh. Die kleine Insel Lanzarote hatte ein ideales Klima, denn die Opuniten, das sind die Kakteen, auf denen die Läuse siedeln, brauchen trockenes, warmes Klima, das fand man in Mala, im Nordosten Lanzarotes aufs trefflichste.

Opuntie – unbefallen von der Schildlaus

Die Opuntien werden gezüchtet, erst wenn sie drei Jahre alt sind, werden die Läuse darauf angesiedelt, sie befallen die großen „Ohren“ des Kaktus, der Fruchtstand der Kakteen wird entfernt, damit sie nicht zu viel Kraft verlieren, auch werden die Pflanzen beschnitten, damit sie immer wieder weiter wachsen. Die flugfähigen Männchen finden und befruchten die deutlich kleineren aber dickeren Weibchen, um kurz nach der Paarung zu sterben, auch nicht schön. Die Weibchen werden in aufwändigen Ernten von den Blättern gepflückt, während die nächste Generation dort aufwächst, so geht das bis zu fünf Mal im Jahr.

rotes Badesalz

Die Schildläuse werden gesiebt und getrocknet, gemahlen, das gewonnene Mehl mit Wasser versetzt, gekocht und wieder getrocknet. Durch Zusätze anderer Stoffe können die verschiedensten Schattierungen von „Rot“ erzielt werden. Es ist ein langwieriger Prozess, aber die Ergebnisse können sich wirklich sehen lassen. Noch immer wird diese Farbe eingesetzt zum Färben von Wolle, Stoffen, Malerfarben, in Kosmetika und in der Lebensmittelindustrie. Als E120 ist der Cochenillen-Farbstoff einer der licht- und wärmebeständigsten, farbstabiler als viele synthetische Farbstoffe. Campari war bis 2006 das Paradebeispiel für die Cochenille-Verwendung. Neuere Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass der Farbstoff Karmin unter Umständen allergische Reaktionen erzeugen kann, außerdem macht die tierische Herkunft das Produkt Campari für strenge Vegetarier und Veganer völlig ungeeignet. Vielleicht als Folge dessen hat man dort auf synthetische Farbstoffe umgestellt. Auf Lanzarote werden trotzdem noch viele Cochenille-Produkte hergestellt, exportiert, oder in den Läden verkauft.

Shampoo und Badegel

einfache Body Milk aus Aloe Vera

Auch als Erfrischungs-Getränk lecker

Die große ökologische Farm in Orzola haben wir im Vorbeifahren gesehen

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Glücksmomente

Über den Fischreichtum und die Artenvielfalt in der atlantischen Unterwasserwelt auf Lanzarote haben wir schon öfter berichtet. Doch immer wieder sind wir wie verzaubert , wenn wir mit Maske, Schnorchel und Flossen bestückt in Neptuns Reich eintauchen und die vielfältige maritime Fauna bewundern dürfen. Oft direkt unterm Boot, also sozusagen im heimischen Aquarium, in der kleinen Badebucht gleich nebenan, oder wie heute beim Schnorchelausflug am Riff von Playa Chica in Puerto del Carmen.

Es war unser erster Ausflug zu dem Tauchspot schlechthin auf Lanzarote. Praktisch alle Tauchsportanbieter, die auf der Insel vertreten sind, bieten Ausflüge zu dem Riff an, das mit zahlreichen Höhlen, drei Wracks, vielen Fischarten, moderaten Wassertiefen vor der Riffkante und einem tiefen blauen Loch, dem sog, “Blue hole” aufwarten kann.

Auch an dem kleinen Strand, dem Playa Chica, ist einiges los und nach dem Umziehgefummel unter dem Badetuch sind wir bereit, uns in die atlantischen Fluten zu begeben. Unser Ziel sind die nahen Unter-/Überwasserfelsen, nachdem wir uns ein paar Meter vom Strand entfernt haben, sind wir ganz hin und weg, von dem, was es unter Wasser zu sehen gibt.

Ich versuche mich jetzt mal an einer Aufzählung der Begegnungen und hoffe dabei, keine Fischart vergessen zu haben: Fürst-August-Muräne, eine hier häufig vorkommende Muränenart, besonders der Nachwuchs schwimmt noch auf dem dunklen Fels herum und versteckt sich nicht in Höhlen und Nischen. Der gestreifte Knurrhahn, ihn findet man häufig an Felswänden und auf dem Grund, ebenso den Sägebarsch, wie den Schwarzschwanzbarsch, der atlantische Mönchfisch kommt an Riffen und auch im Hafen vor. Massenhaft in Schwärmen findet man den Bastard Grunzet, die Geißbrasse, die Brandbrasse, den Schermesserfisch, die Goldstrieme und den Bermuda Blaufisch, daneben haben wir heute den bunten Meerpfau, den europäischen Papageienfisch und den braunen Kugelfisch bestaunen dürfen. Zum Schluss haben wir noch zwei gut getarnte Weißaugenbutte im Meeressand versteckt, gesehen. Da unsere kleine Unterwasserkamera zur Zeit wegen defektem Gehäuse leider nicht einsatzbereit ist, empfehlen wir folgenden Link, bei dem man alle, beim 15-minütigen Schnorchelausflug gesichteten Fischarten, in Bild und in Farbe anschauen kann: https://www.diving-canary-islands.com/tauchen-auf-den-kanaren/fischlexikon/knochenfische-osteichthyes/

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El Día de Canarios

Am 30. Mai feiern die Kanaren den Tag der ersten Sitzung ihres autonomen Parlaments am 30. Mai 1983. In vielen Ortschaften sind Bühnen aufgebaut, dort wird kanarische Folklore gespielt, (nicht ganz einfach für mitteleuropäische Ohren, zumindest bei dem Sänger in Puerto del Carmen). Männer und vor allem Frauen tragen kanarische Tracht, weite bunte Röcke und weiße Blusen mit Spitzen verziert. Auffällig ist der breite schwarze Stoffgürtel, den die meisten Frauen tragen, sowie die Basthüte mit einem schwarzen Band. Aber die Hutformen sind ganz unterschiedlich, und die älteren Frauen tragen unter dem Hut auch noch eine helle Haube, aus Stoff, der bis über ihre Schultern reicht, wohl eher als Sonnenschutz gedacht.

Die Lucha Canaria, den traditionellen kanarischen Ringkampf haben wir in Puerto del Carmen leider verpasst, ebenso wie die Regatta mit den Lateinersegelbooten. Sehr schade!

Das ganze Wochenende ist irgendwie Feiertag, der Freitag war ein Brückentag, wir waren abends am Charco, dem kleinen See in Arrecife, die Gassen rundherum voller Menschen, die Restaurants voll bis zum letzten Platz mit vielen Familien mit kleinen und großen Kindern, eine sehr schöne Stimmung.

(Fotos folgen)

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Der längste Tag des Lebens

Der letzte Blogbeitrag ist jetzt leider schon ein paar Tage her, das liegt daran, dass wir seit Mittwoch mit Ute und Wolfgang langjährige Freunde aus der Heimat an Bord haben, und jeden Tag ein recht strammes Ausflugsprogramm auf der Tagesordnung steht: Der Inselsüden mit Puerto del Carmen und Arrecife, der Inselwesten mit den Salinen und El Golfo, der Kaktusgarten, die Windsurfstrände vor Arrieta, der Strand von Playa Honda und ein Abstecher nach Tías. Sportliche Aktivitäten, wie Tauchen mit kompletter Ausrüstung, Schnorcheln und ein Spaziergang um, bzw. in den Vulkan, Caldera de los Cuervos (auf Deutsch: der Krater der Raben) und eine Wanderung nach Playa Quemada sind auch noch zu erwähnen.

Ein viel größeres sportliches Ereignis wirft zudem seit Tagen seinen Schatten im Voraus auf Lanzarote. Der 28. Insel-Ironman findet heute statt, und nachdem wir vor einer Woche mit einem ehemaligen Teilnehmer gesprochen haben, war für uns klar, dass wir als Zuschauer beim Start der Großveranstaltung mit über 1.600 Athleten und Athletinnen dabei sein wollen. Um sechs Uhr klingelte der Wecker, eine viertel Stunde später saßen wir vier im Auto und waren auf dem Weg nach Puerto del Carmen. Nachdem wir dort geparkt hatten, ging es schnellen Schritts zum Strand, wo um sieben Uhr der Start zum Ironman erfolgte.

Tapfer: 3,8 km durchs wellige Wasser

Die erste Disziplin bei einem Triathlon ist immer das Schwimmen, bei einem Ironman müssen 3,8 Kilometer im Wasser zurückgelegt werden. Nach dem Startschuss waren auch alle 1.651 SportlerInnen zügig im Meer und schwammen im Kraulstil durch das heute Morgen graue Atlantikwasser, Schwimmer neben Schwimmer, dicht an dicht gedrängt. Das Hauptfeld blieb relativ eng zusammen, ein paar Schwimmer gaben entkräftet bereits nach einigen hundert Metern auf. Zahlreiche Kajaks, Jetskis und Ribs sicherten das Teilnehmerfeld ab. Die ersten zwei Schwimmer erreichten schon nach 50 Minuten die sog. Transitionzone, wo sie sich für die 180 Kilometer Radfahren in Windeseile umziehen, verpflegen und, falls nötig, zur Toilette gehen können.

Manche schieben die Räder barfuß zur Startlinie

Das Fahrrad wurde bis zu einer neuen Startlinie im Laufschritt geschoben (zum Teil barfuß, die Schuhe steckten schon auf den Pedalen!) und ab ging es auf die wohl härteste Disziplin, bei der es einige hundert Höhenmeter zu überwinden gilt, bei Gegenwind aus Nord. Die Fahrräder sind durchweg alle Highend Räder in Vollcarbonbauweise, viele Fahrer hatten zur Energieversorgung Verpflegungssnacks und Energieriegel an den Fahrradrahmen angeklebt. Wir haben bei den ersten hundert Radfahrern direkt bei der Starlinie gestanden und sind danach zum Boot zurück.

Ute und Wolfgang sind wohl ganz vom Ironman-, oder Ironfrau-Virus infiziert, die Stimmung im Publikum ist super, denn die beiden sind noch immer in Puerto del Carmen. Die letzte Disziplin beim Ironman ist das Laufen, absolviert werden muss eine volle Marathondistanz, also 42,195 Kilometer. Wir haben das Sportspektakel den Tag über immer wieder in der Liveübertragung verfolgt. Sehr erfreulich, aus deutscher Sicht ist, dass Christian Kramer zum zweiten Mal in Folge direkt nach dem amtierenden Weltmeister auf einem starken 2. Platz landete. Er benötigte knapp unter 9 Stunden für die drei Disziplinen. Bei den Damen konnte die deutsche Athletin Jenny Schulz einen hervorragenden 4. Platz belegen.

Unseren Respekt haben alle “Eisenmänner und -frauen”, die zum Teil jahrelang auf so eine “unmenschliche” Anstrengung hin trainieren und den Wettkampf überstehen, allemal.

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Ausflugssonntag

Wild zerklüftete Lava-Landschaft

Gestern Abend war Vollmond, da gibt es hier auf Lanzarote seit vielen Jahren, eine Vollmond-Disco-Party, die von Jürgen, einem Deutschen, der schon seit 30 Jahren auf Lanzarote lebt, auf seiner Finca im Norden der Insel veranstaltet wird. Ulrike aus Arrecife hatte uns die Einladung weiter geleitet. So machten wir uns gestern am frühen Abend auf, dieses einsam gelegene Gehöft zu finden, uns wurde gesagt, dass man auf jeden Fall im Hellen ankommen muss, um sich mit der Gegend vertraut zu machen. Tatsächlich liegt die Finca gut versteckt in den Bergen um Orzola, mitten in Massen erstarrter Lava. Kleine Fähnchen weisen den Weg zu der richtigen Abzweigung in den Schotterweg. Jeder bringt etwas zu Essen und zu Trinken mit, etwas Warmes zum Anziehen, denn im Norden der Insel ist es deutlich kühler als im Süden, das Thermometer fiel in der kurzen Strecke um sieben Grad!

Gemütliche Ecken in dem schönen Garten

Auf der Finca angekommen, mussten wir nur den Klängen der Musik folgen. Nach und nach traf die deutsche Gemeinde Lanzarotes ein, in einer Ecke saßen die Pfeife rauchenden älteren Herren, einige Damen waren gerne in phantasievolle, an die Hippie-Bewegung erinnernde Kleider geschlüpft, Jürgen begrüßte alle Ankommenden aus dem Musikschuppen heraus, und Marianne, die Hausherrin, empfing uns Neulinge ganz besonders herzlich. Anschluss war schnell gefunden, so plauderten wir einige fröhliche Stunden mit Residenten und Gästen der Insel. Dabei kam das Tanzen bei uns ein bisschen zu kurz, aber es gab so viel zu erfahren und auszutauschen.

Zu später Stunde fuhren wir im Schein des Vollmonds zurück zum Boot, und haben in unserer Lieblingsbar, dem Upper Deck hier im Hafen, noch einen kleinen Absacker genossen.

Ein landendes Flugzeug

Nachdem Volker sich heute mit einem frühen Mittagsschlaf wieder in Form gebracht hat, fuhren wir mit unserem kleinen Leihauto zum Hundestrand in Matagorda, direkt am Flughafen. Dort starten und landen die Flugzeuge direkt über unseren Köpfen, ziemlich spektakulär. So hat Samy sein Sonntagsprogramm abbekommen, ein großer Spaziergang am Sandstrand.

Das Café Berlin in Puerto del Carmen

Café Berlin

Danach gab es ein Goodie für Volker: Käsekuchen im Café Berlin, dazu alkoholfreies Weizenbier (ja, die Kombination geht!).

Die Fahrradständer stehen schon bereit

Jetzt musste ein bisschen Sport her, also haben wir uns angeschaut, wo nächsten Samstag Start und Finish des Lanzarote Ironman stattfinden. Wir waren schon bei dem Gedanken an die 3,8 km Schwimmen vollkommen erschöpft, nicht zu reden von den 180 km Radfahren, Berge rauf und Berge runter.

Restaurant Emmax in Playa Honda

Das Leckerli für mich gab es direkt an der Marathonstrecke des Ironman, die von Puerto del Carmen über Playa Honda bis fast nach Arrecife reicht. Im Restaurant Emmax in Playa Honda, das von zwei Deutschen, (der eine Chef, Moritz, ist sogar Darmstädter) geführt wird, konnten wir uns bei einem frühen, sehr köstlichen Abendessen Gedanken über die armen Sportler machen, die nächsten Samstag hier den letzten harten Teil des Triathlons absolvieren werden. Wir jedenfalls hatten einen ganz tollen Sonntag, den wir jetzt locker auf dem Boot ausklingen lassen.

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