Kompliment an die Bootsbauer

Flötenspieler in Palamos

Flötenspieler in Palamos

Lebensplattform – Überlebensplattform mit Spaßfaktor, auch wenn Neptun das Deck wäscht und die Wogen hoch gehen. Stabil, agil und mit durabler Ausrüstung, so muss ein Schiff gebaut oder konstruiert sein. Es muss etwas abkönnen, wie man so schön sagt. Schwerem Wetter, Wind und Wellen widerstehen können. Im Ernstfall ist ein solide konstruiertes Schiff der Garant  für die Sicherheit und das Wohlbefinden der Mannschaft, das nur vorausgeschickt. Jeder, der länger im Mittelmeer rumschippert, ist schon mal vom Wetter kalt oder nass erwischt worden, und hat gegen oder je nach Sichtweise mit den Elementen zu kämpfen gehabt. Wir auch, gestern ganz besonders  intensiv.

Beim Start in Palamos war alles noch eitel Sonnenschein. Ein leichter Wind aus Ostsüdost schiebt unsere Hexe langsam, aber beständig über das silbrig glänzende Meer. Der Speck brutzelt, verführerisch riechend in der Pfanne, acht aufgeschlagene Rühreier folgen, frisches Baguette wird mit Butter bestrichen, fertig ist das üppige Seglerfrühstück. Der Wind schläft ein,  der Motor erwacht zum Leben, weiter geht die Reise. Barcelona ist noch fast 100 Kilometer entfernt.

Was verheißen diese Wolken?

Was verheißen diese Wolken?

Zwei Stunden später und elf Seemeilen weiter, ändert sich die Situation schlagartig. Der Wind hat um fast 180 Grad auf West gedreht, die Farbe des Wassers hat sich mit den herannahenden Böen von Blau auf Dunkel verändert, der Wind orgelt im Rigg. Wir haben sofort die Segelfläche angepasst, d.h. verkleinert. Vom Vorsegel steht nur noch zwei Drittel, das Großsegel ist im ersten Reff. Der Windmesser zeigt nach wenigen Minuten sieben Windstärken an, das Schiff legt sich schwer auf die Seite. Erste Wellen finden ihren Weg über Deck, der vorher warme Wind fühlt sich kalt an, die wasserdichten Segelklamotten werden rausgekramt. Es ist an der Zeit, die Segelfläche weiter zu verkleinern, die Böen lassen den Mast erzittern. Es locken die nahen Yachthäfen, doch sind sie allesamt dem Wind ausgesetzt. Ein Anlegemanöver bei mittlerweile über 30 Knoten Wind ist mehr als riskant. (Ich glaube, der Skipper hatte auch ein bisschen Spaß dabei.) Mit Minimalst-Segelfläche erkämpfen wir unseren Weg nach Luv. Ein Blick nach oben zeigt, dass ein Mastrutscher sich verabschiedet hat und die Segellatte wild gegen den Mast schlägt. Zeit, das Großsegel ganz zu bergen. Mit dem Vorsegel allein sind die Schiffsbewegungen trotz gut zwei Metern Wellenhöhe deutlich ruhiger. Und das bei über 6 Knoten Speed. Dafür werden die Wellen immer höher und immer öfter brechen sie übers Boot.

Mastrutscher

So ein Mastfutscher kann auch mal streiken…

Die kurze Mittelmeerwelle, berühmt-berüchtigt, alle 2-3 Sekunden folgt eine nasse Ladung, eine Belastung für Mannschaft (er, Hund und ich) und Schiff. Es geht voran, immer nach Luv, immer gegen den Wind, Kurs Westsüdwest. Nico ist im Bootsinneren und hat sich in sein Körbchen verkrümmelt. In diesen Momenten verflucht er bestimmt sein Leben als Bordhund (wer nicht?). Cornelia hat einen Hafen kurz vor Barcelona ausgemacht, der fast vollständig von Appartementhäusern umgeben ist und dadurch windgeschützt sein muss. Doch zuerst heißt es noch 12 Seemeilen gegenan zu segeln bei Böen von über 35 Knoten. Irgendwie ist das Ganze auch faszinierend (zumindest für den Skipper) – die brechenden Wellen, das Schiff, wie es sich seinen Weg durch die „Buckelpiste“ bahnt. Ich genieße Stunde um Stunde am Steuer, 10 Stunden sind es am Ende ohne Autopilot, ohne Unterbrechung. Die letzten drei Meilen zum Hafen motoren wir. Vor den  landnahen Gebirgen hat sich eine Wolkenwand aufgebaut und bremst ab 20 Uhr den Seewind. Als wir im Hafen festmachen, weht nur ein laues Lüftchen. Das Schiff wird von seiner dicken Salzkruste befreit und bekommt eine Süßwasserdusche, Nico den wohlverdienten Gassigang und kurz darauf bruzzeln leckere Steaks auf unserem Lotusgrill. Der Mastrutscher wird am nächsten Morgen ausgetauscht. Ansonsten gibt es keine Schäden am Schiff zu vermelden, wir sind stolz auf unsere stabile agile Hexe. Eine der letzten Dehler, die noch in Freineohl gebaut worden sind. Seit ein paar Jahren werden dort keine großen  Schiffe mehr gebaut, über 50 Jahre Bootsbau sind in Freienohl Geschichte. Die Marke lebt zwar weiter, wird aber mittlerweile in Greifswald gebaut. Kompliment an die ehemaligen stolzen Bootsbauer!

Die Statue von Kolumbus ziert die Einfahrt von Barcelona

Die Statue von Kolumbus ziert die Einfahrt von Barcelona

Bei leichtem Wind geht es heute die letzten fünf Meilen nach Barcelona. Wir liegen wieder im Stadtzentrum und werden bis zum Wochenende dort bleiben und das urbane Leben einer wunderbaren Großstadt genießen.

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Wo ist der Wind der Löwenbucht?

26. Mai 2016, Donnerstag, Baro 1012, bewölkt, leichter Wind  aus Ost

Obwohl Volker schon vor halb sieben am Lesen ist, lässt er mich schlafen, wir können ja nicht gleich ablegen, denn die Hafenmeisterei ist erst ab 08:00 Uhr besetzt, und dort sind unsere Bootspapiere, denn die hat der Security-Mann uns gestern abgefordert, damit wir nicht abhauen, ohne bezahlt zu haben.

Kurz nach acht bin ich im Marinabüro, bezahle 28 € für die Nacht, das ist für hiesige Verhältnisse eher günstig, finde beim Hundespaziergang gleich zwei Bäckereien, und einen kleinen Laden, in dem man fast alles kaufen kann, mich haben dort die ausgestellten Kirschen angelockt, da musst ich doch gleich mal ein paar mitnehmen, schließlich müssen wir ja gegen den Skorbut mit Vitamin C ankämpfen. Es gefällt mir, dass mit so einem kleinen Laden und einer hübschen Bäckerei ein eher hässlicher Ort wie Canet etwas Charmantes bekommt, und ich mich gerne daran erinnern werde.

Auch an den kleinen Zigeunerjungen von gestern Abend werden wir uns gerne erinnern, der so neugierig war, er wollte wissen, wie das in einem Boot aussieht, und warum wir das Boot nach der Ankunft nassmachen, und wie der Hund da mitsegelt. Irgendwann mussten Mama und Papa den Kleinen überreden, dass er jetzt leider nach Hause und ins Bett muss.

Bei ganz leichtem Wind legen wir ab, Volker braucht dringend ein süßes Frühstück, eine Tasse Milch, und dann einen guten Schlaf, während ich Wache halte und versuche, einen schönen Ort zu finden, der nicht vierundvierzig Meilen weit weg ist wie Estartit, denn wir duddeln hier mit 1,5 – 3 Knoten Geschwindigkeit entlang. Mal sehen, wo wir heute Abend sein werden!

und gegen Mittag konmt der Wind! Nach dem Diskutieren mehrerer Möglichkeiten, zuerst Banyuls, dann Llançà, segeln wir jetzt doch um das Cap Roses rum, der Wind hat auf Ost zurückgedreht und wir können den Kurs fast anlegen. Die Sonne hat sich auch zurückgemeldet, was will man mehr!

um 18:30 Uhr sind die Leinen fest, nach einigen Diskussionen mit den Marineros und den Damen in der Capitaneria bleiben wir längsseits an der Abpumpstation liegen, den uns zugewiesenen Platz an der Außenmole wollten wir nicht, da stand sovirl Wind drauf, dass beim Anlegen garantiert irgendwas kaputt geht.

Wir sind zurück im Tapasland!

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Juchhe, auf See

25. Mai 2016, Mittwoch, Baro 1009, bewölkt, Wind SO um 3

Tatsächlich, alles ist erledigt, der Osteopath hat mir die Wirbel gelockert, nach einem netten Abend mit Annett und Patrick machte Volker heute morgen eine Testfahrt mit der „Wildling“, die gestern neue Schrauben bekommen hat, und direkt danach lösen wir die Leinen. An der Capitainerie müssen wir noch einmal anlegen, die Schlüssel abgeben und die letzten Tage bezahlen, dann sind wir auf See und die Hexe in ihrem Element.

Skipper mit Big Hands

Skipper mit Big Hands

Die Segel stehen, der Wind kommt leicht achterlich und wir fliegen in Richtung der südlichsten französischen Küstenorte. Tagesziel ist Canet-en-Roussillon, mal sehen, ob der Wind durchhält, ansonsten müssen wir in einen der Häfen davor oder die „Eiserne Genua“, den Motor, anwerfen.

Es ist leider bewölkt, eine fast geschlossene Wolkendecke hält die Sonne ab, Volker steuert in Ölzeug und mit Fließhandschuhen. Nico hat es sich im Cockpit in seinem Körbchen bequem gemacht, er weiß noch nicht, dass es heute ein wenig länger dauern wird, bis wir mit ihm Gassi gehen können.

Nach 15:00 Uhr wird leider der Wind schwächer, der Schnitt wird schlechter, die Ankunftszeit verschiebt sich eher Richtung 22:00 Uhr, angeblich soll heute Nachmittag wieder mehr Wind kommen. Dafür scheint jetzt die Sonne und die Handschuhe haben Pause.

Das sieht mehr nach Terroristin aus als nach Capitania…

Das sieht mehr nach Terroristin aus als nach Capitania…

Nach 16:00 Uhr brauchen wir nicht nur Handschuhe, Mütze, dicke Jacke und Schal, wir wechseln uns ab, damit wir nicht auskühlen. „Ist der Mai kühl und nass, füllt’s dem Bauern Scheun‘ und Fass“, so eine alte Bauernregel, schaumermal…

Volker backt uns Bratkartoffeln mit Zwiebeln und Wurst, das wärmt von innen, und um 21:25 haben wir die Leinen fest in Canet-en-Roussillon. Tagesetappe erreicht, und das in einer guten Zeit, fast 70 Seemeilen in weniger als 11 Stunden, brave Hexe.

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Schiffe im Gurt…

Die "Krake" fährt über den Parkplatz

Die „Krake“ fährt über den Parkplatz

Wenn der freifahrende 100-(in Worten einhundert)-Tonnen Kran die Schiffe zwischen seinen Gestellen an „dünnen“ Gurten übers Hafengelände kutschiert, sieht das beinahe so aus wie eine Krake, die ihre Beute festhält. Behutsam werden die Boote aus dem Wasser genommen, zum Lagerplatz gefahren und dort ganz vorsichitg auf Stahlgestellen abgestellt, oder eben den umgekehrten Weg.  Den ganzen Tag geht das so hier auf dem Kranplatz. Egal, ob Yachten die sozusagen frisch mit dem LKW angeliefert werden, kleine oder ganz große Boote, Segelschiffe Motorboote, Katamarane, alles was ins oder aus dem Wasser rausmuss, wird von dem gigantischen Krakenkran an die richtige Stelle verpflanzt.

Nur LKW-mäßig war heute ausnahmsweise nicht so viel los, denn die Tankstellen in Frankreich stehen weitestgehend ohne den lebensbestimmenden Brennstoff dar. Warum das so ist, ist jedem Frankreichkenner sofort klar – es wird wieder mal gestreikt. Nicht dass das ungewöhnlich ist, diesmal sind halt die Raffinerien dran. Rien de va plus – nichts geht mehr und die „Grande Nation“ steht still. Ein paar Insider steuern mit ihren Autos die hiesige Bootstankstelle an und füllen den leeren Tank geschwind auf. Wer danach fragt, wann der Streik vorbei ist, erntet nur ein Schulterzucken, niemand weiß es so genau.

Beeindruckende Beton-Architektur des 20. Jahrhunderts

Beeindruckende Beton-Architektur des 20. Jahrhunderts

Auch wir haben heute morgen ein paar Tropfen fossilen Dieselkraftstoffs verbrannt, haben aber noch über 100 Liter im Dieseltank. Kalt ist es geworden seit gestern, relativ kalt natürlich. Aber mit 12 Grad um 10 Uhr morgens liegt die Quecksilbersäule deutlich unter ihrem gewohnten und möglichen jahreszeitlichen Niveau. Das gute an unserer Dieselheizung ist, dass sie auch nach wochenlanger Pause sehr willig anspringt und binnen kürzester Zeit unseren Lebensraum muggelig aufwärmt. Es gab Menschen, die vor unserem Reisebeginn gesagt haben, das man südlich von Genua keine Heizung mehr braucht, sondern eher eine Klimaanlage. Letztere haben wir noch nie vermisst und erstere doch häufig in Gebrauch.

Morgen hat die Capitania einen Termin beim Osteopathen ergattert und wir hoffen sehr, dass der blockierte Nerv im Rücken dort gekonnt gelöst wird, damit wir bald weiterschippern können. Wetterberuhigung ist angesagt, das Schiff zuppelt an den Leinen, das Meer ruft, und wir wollen es nicht zu lang warten lassen.

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Aufräumtag

Das Bücherregal

Das Bücherregal

Fast jeder kennt das, der erste Umzug aus dem elterlichen Haus, rein in die Wohngemeinschaft, oder in die kleine Einzimmerwohnung. Viel gibt es nicht, viel braucht man nicht. Alles, was einem gehört, passt in den Kombi oder maximal in den VW-Bus. Die Leichtigkeit des Seins, weniger ist mehr, leere Räume sehen ja auch besser aus als vollgestellte. Über die Jahre kommt dann doch so einiges an lieb gewonnenen Gegenständen hinzu, Dinge, die das Leben leichter machen – Gegenstände, die den einst leeren Raum voller machen.

So, oder zumindest so ähnlich, ergeht es uns. Jetzt sind wir über 18 Monate unterwegs, überwiegend zumindest, und so langsam füllen sich die Ecken und letzten Stauräume unserer Hexe. Viel freien Platz gibt es nicht mehr und vor jedem Ablegen muss einiges und immer mehr seefest verstaut werden. Das Bücherregal quillt über, unser kleines „Schuhfach“ beherbergt mittlerweile über 10 Paar Schuhe und Sandalen, die Ablagen im Bad waren überfüllt mit mehreren Sonnencremeflacons, vier Zahnpastatuben, mehreren Mückensprays sowie zahlreichen Duschshampoos. Auf den Seitenablagen im Salon ging garnichts mehr. Insgesamt sieht das Gesamt-Ensemble ja auch nicht mehr so schön aus, wenn alles vollgestellt ist und es entspricht auch ganz sicher nicht dem Ansinnen des Bootsinnendesigners.

Auch im Medikamentenschrank ist es jetzt übersichtlicher

Auch im Medikamentenschrank ist es jetzt übersichtlicher

Zeit zum Handeln also, dachte die Capitania und hat in stundenlanger Kleinarbeit alles mögliche umgeräumt, umverteilt, aussortiert, weggeworfen und Schönes wieder sichtbar gemacht. Was für ein Unterschied. Klar sind die Schuhe oder Medikamente und andere Dinge nicht weniger geworden. Aber vieles ist aus dem Blickfeld verschwunden und die eigentlich sehr schöne Inneneinrichtung kommt wieder zur Geltung.

La Fête commence…

La Fête commence…

Gestern waren wir bei Outremer, der ortsansässigen Katamaranwerft, zur Übergabefeier eines neues Katamarans an ein östereiches Paar, von ebendiesem Paar eingeladen. Zusammen mit der ganzen Werftbelegschaft umd den stolzen Eignern haben wir einge schöne Stunden verbracht. Ein Cateringservice hat Spanferkel und Lamm am Spieß zubereitet, Wein gab es reichlich dazu und das freudige Ereignis wurde gebührend gefeiert. Es war ein großartiges Fest – und alle Beteiligten waren offensichtlich stolz, etwas  zu dem Gelingen des Projekts beigetragen zu haben.

Ein musikalischer Stuhl in der Kunstausstellung in der Capitainerie

Ein musikalischer Stuhl in der Kunstausstellung in der Capitainerie

Für morgen sind heiße 30 Grad vorhergesagt umd vielleicht lädt das noch kühle Nass zu einer Eröffnung der diesjährigen Badesaison ein.

Inzwischen machen wir jeden Tag die verordneten Dehnübungen, damit sich Rückennervblockade bei Cornelia löst. Ich zieh ihr, zum Beispiel, während sie auf dem Rücken liegt, die Beine lang (nicht die Hammelohren, hihi), die Capitania übt sich in anderen Schon- oder Streckhaltungen und wir hoffen, dass das Ganze auf einem guten Weg ist. Nur Bilder von dem ganzen Dehnübungsteil gibt es keine, das sieht dafür doch teilweise zu seltsam aus.

Sonnenuntergang mit der "Grande Pyramide!

Sonnenuntergang mit der „Grande Pyramide“!

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Dies und das

Katamaran-Name: "Mehr als eine"

Bezeichnender Katamaran-Name: „Mehr als eine“

Was soll man schreiben, wenn nicht ganz so viel passiert? Wenn die Tage relativ gleichförmig sind? So gleichförmig wie das Wetter, mittlerweile, endlich. Die Sonne scheint seit Samstag vom wolkenlosen Himmel, die Quecksilbersäule pendelt sich tagsüber bei komfortablen 25 Grad ein, nachts ist es mit 14 Grad angenehm kühl. Am langen Pfingstwochenende waren die umliegenden Strände und die Uferpromenaden gut gefüllt mit Erholungssuchenden.

Doch nicht alle Betriebe standen am Pfingstmontag still. Seit einigen Jahrzehnten gilt der Pfingstmontag als Tag der Solidarität in Frankreich. Wer an diesem Tag arbeitet, tut etwas Gutes – nicht für den Firmeninhaber, sondern für bedürftige Menschen in Altersheimen und Hospizen. Die Arbeitgeber leiten den Lohn des Arbeitnehmers für diesen karitativen Werktag weiter – eine gute Idee.

Abendstimmung

Abendstimmung

Gestern Abend waren wir auswärts essen, wie man so schön sagt. Auswärts betont in dem Fall nur, dass der heimische Herd oder Grill kalt bleibt. Nicht die Entfernung zum nächsten italienischen Restaurant, das liegt keine 100 Metter weg, hat dafür aber einen seltsam anmutenden Namen. Es heißt „La Cosa Nostra“ und wer denkt dabei nicht an die Mafia. Als wir dann auf der Speisekarte noch eine Pizza „Vendetta“, Blutrache, entdeckten, ging beinahe die Fantasie mit uns durch. Trotz der seltsamen Namen war das Essen ausgezeichnet. Besonders hervorzuheben waren die Miesmuscheln von Cornelia in einer Sahne-Käse-Wein-Soße und mein Dessert, ein Mousse-au-Chocolat. Letzteres fast so gut wie das von Ute, aber eben nur fast.

Heute waren wir mit Nico am Strand und der hat sich ganz tapfer ins kühle Nass des Mittelmeers hineingelegt. Danach allerdings hat die Capitania unsere Mailadressen und unseren Server erfolgreich (?) aktualisiert. Leider sind dabei meine ganzen alten Mails und Mailadressen im Datennirwana verschütt gegangen. Die Capitania ratlos (Mist!), der Skipper schlecht gelaunt. Grrrrrr… Wer also in den nächsten Wochen Mails mit mir schreiben will, macht daher am besten mal den Anfang und schreibt mir eine. (Wir beantworten sie auch alle!)

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Hoch hinaus

Endlich! Am Freitag, dem 13. haben wir uns auf den Weg zum Boot gemacht, und alles ist gut gegangen. Das Boot lag noch sicher vertäut an seinem Platz, die Autobahnen waren nicht überfüllt, nach achteinhalb Stunden waren wir in La Grande Motte. Freund Wolfgang hat sich drei Tage Auszeit gegönnt und ist mit uns gefahren, jetzt, am Sonntag, ist er schon wieder unterwegs, und nimmt unser Auto mit zurück.

Köstlichkeiten der Meere

Köstlichkeiten der Meere

Auf der Hinfahrt war es etwas eng im Wagen, denn Wolfgang hatte zwei Kitefurfbretter und die entsprechende Ausrüstung dabei. Am Freitag begleitete uns der Regen und das schlechte Wetter bis zum Meer. Genügend Wind gab es schon, aber die ablandige Brise lud auch nicht so sehr zum Surfen ein, wer weiß, ob man nicht plötzlich in die Mitte der Bucht abgetrieben wird, und bei dem Wetter sind auch keine anderen Surfer oder Ausflugsboote unterwegs. Also verschieben wir das auf den nächsten Tag, am Samstag soll das Wetter deutlich besser sein, wir schauen ein bisschen die möglichen Surf-Spots an und erfreuen uns am Abend an den Köstlichkeiten des Meeres.

Wie versprochen scheint Samstag Morgen die Sonne, nach einem Frühstück im Cockpit machen wir uns auf nach Le Grau du Roi, denn dort, am östlichen Ende der Bucht ist der nordwestliche Wind günstiger, weil auflandig, das bedeutet, bei eventuellen Problemen auf dem Wasser wird der Surfer von seinem Kite an Land gezogen.

Das Aufblasen ist die härteste Arbeit, sagt Wolfgang

Das Aufblasen ist die härteste Arbeit, sagt Wolfgang

Man muss ein bisschen zum Strand laufen, dort sehen wir am Ende der Bucht einige bunte Schirme am Himmel, auch ein paar Windsurfer fegen übers Wasser, und bei der Marina Port Camargue findet eine Regatta mit Segelbooten statt. Nachdem die Jungs das ganze Gepäck, zwei Bretter, zwei Schirme, die Gurte, den Trapezgurt zum richtigen Spot geschleppt haben, muss mit einer Fußpumpe zunächst der Schirm aufgeblasen werden, vorher die Entscheidung: Nimmt man 9 qm oder doch lieber 12?

Starthilfe

Starthilfe

Dann wird der Trapezgurt angelegt, die Leinen befestigt, nun braucht der Kitesurfer nur noch einen Helfer, der ihm den Schirm hält, bis dieser genügend Druck hat und in die Luft steigt. Jetzt können wir Wolfgang bewundern, wie er – mit einigen anderen, aber nicht zu vielen – durch die Bucht fegt, und schließlich soviel Höhe geholt hat, dass er ein bisschen freies Wasser um sich herum hat und nicht immer aufpassen muss, dass er nicht einem anderen zu nahe kommt, und sich die vielen Leinen verwickeln.

Der Schirm steht!

Der Schirm steht!

Mittags kommen immer mehr Kitesurfer, nachdem Wolfgang sich richtig ausgetobt hat, suchen wir einenPlatz, an dem auch Volker es probieren kann, nur mal den Schirm steigen lassen und über dem Kopf halten, das ist schon schwierig genug für das erste Mal. Es ist anstrengend und gar nicht so leicht, wie es bei den routinierten Fahrern aussieht.

Da hat ein blauer Crog das Maul ganz schön weit aufgerissen

Da hat ein blauer Crog das Maul ganz schön weit aufgerissen

Die blauen Crogs haben es leider auch nicht mitgemacht, wenn der Schirm und Volker sich nicht richtig verstanden haben. Es gibt den einen oder anderen Absturz, bis der Kite richtig am Himmel steht. Ich bin sicher, dass Volker das ganz bald lernen wird, wenn wir mal länger an einem schönen windigen Ort verweilen. Und wer sich die ersten Versuche des tapferen Schülers, und – am Anfang des Films – den rasenden Lehrer anschauen mag, der klicke hier.

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Tolle Jolle

Coxiella Einsatzbereit!

Coxiella einsatzbereit!

Dicke Staubschichten, abgelaufener TÜV und platte Reifen am Anhänger mussten erstmal sozusagen „beseitigt“ werden, bevor der Ausflug mit unserer flotten Jolle beginnen konnte. Knapp zwei Wochen segelfreie Zeit haben ihre Spuren bei uns hinterlassen  und zwei Jahre segelfreie Zeit die ihren beim Material. Ein frischer Ostwind, reichlich Sonne und steigende Temperaturen taten den Rest. Es war mal wieder an der Zeit zu segeln, An der Zeit, die lange eingemottete Segeljolle ans Tageslicht zu ziehen und aufzuriggen. Das Meer ist weit weg, der Rhein mit seinen Altrheinarmen lockt in erreichbarer Nähe.

Nico sucht sich einen sicheren Platz

Nico sucht sich einen sicheren Platz

Unser schwimmendes Gefährt ist eine Jolle. Also ein Boot mit Segeln und aufholbarem Schwert, das qua Definition nicht gewichtsstabil, sondern formstabil ist. Was bedeutet das in der Praxis? Gewichtsstabil, wie bei unserer Hexe bedeutet, dass das Schiff nicht umkippen kann, weil ein schwerer Kiel darunter hängt. Zumindest theoretisch. Formstabil bedeutet, dass das Boot so gebaut ist, dass die Form des Rumpfes ein Umkippen verhindern soll und die Segler ihr Körpergewicht mit einsetzen müssen. So weit, so gut. Unsere „Javelin“ ist, wie schon eingangs geschrieben, eine sehr flotte und sehr arbeitsintensive Jolle mit reichlich Segelfläche und garantiertem Spaßfaktor.

Ein glücklicher Segler

Ein glücklicher Segler

Spaßfaktor deshalb, weil man damit meistens mühelos an jedem anderen Boot vorbeisegelt. Obwohl das mit dem mühelos auch wieder so eine Sache ist. Denn dafür muss man sich ganz schön bewegen. Bewegen, um nicht zu kentern und ständig an den Schoten rumtrimmen, damit es fix vorangeht.

Ein ideales Gefährt für Binnenreviere, auf denen der Wind nicht so frisch wie auf dem Meer weht, sonderrn vielfach von Bäumen oder Gebäuden gebremst wird. Auf dem Wasser war an diesen Tagen alles unterwegs was es als Wassersportgefährt so gibt. Motorboote klein und groß, Tretboote, Surfer, die landestypischen Angelkähne, jede Menge Kanuten, Gummiboote und Segelschiffe.

Eine Bratwurst tut gut nach einem anstrengenden Tag

Eine Bratwurst tut gut nach einem anstrengenden Tag

Nach drei Tagen Seesegeln, im wahrsten Sinne des Wortes, schmerzen einige Muskeln, die anscheinend lange nicht eingesetzt wurden. (Ich wusste gar nicht, dass man an den Knien so viele Muskeln haben kann, die einen Kater haben. Am letzten Tag bin ich froh, als der Steuermann sagt, wir müssten jetzt langsam zurück, weil wir abends eingeladen waren, lange hätten meine Knie und mein Po das auf den harten Planken nicht mehr mitgemacht…) Wir packen alles wieder zusammen, d.h. Segel, Schoten und Fallen abschlagen, den Mast legen, die Jolle mitsamt dem Slipwagen auf den Anhänger ziehen, alles verkehrssicher verzurren und verstauen, zum Schluss noch die Elektrik vom Anhänger am das Zugfahrzeug anschließen, insgesamt rund eine Stunde Rumwurschtelei.

Zum Klassenerhalt: Liliensekt!

Zum Klassenerhalt: Liliensekt!

Und am Ende der Tage werden wir belohnt: Zur Feier des Verbleibs der Lilien in der 1. Bundesliga grillen wir mit den lieben Nachbarn und stoßen mit Liliensekt auf den Klassenerhalt an.

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„Experiminta“ in Frankfurt

Schattenspiele

Schattenspiele

Am Dienstag habe ich mir wieder einmal meine Lieblings-Nachbarskinder ausgeliehen, um ins Museum zu gehen. Eigentlich wollte ich mit Lukas und Franziska ins Mathematicum nach Gießen, weil Franziska mir mal erzählt hatte, dass Mathe ihr nicht so viel Spaß macht, und ich wollte sie davon überzeugen, dass Rechnen nicht nur langweilig sein muss.

Dann bekam ich den Tipp, dass es in Frankfurt die „Experiminta“ gibt, auch ein Museum, in dem Naturwissenschaft erlebt werden kann. Für einen Nachmittag erschien mir das – schon wegen der räumlichen Nähe zu Darmstadt – eine attrative Alternative. Und es war genau die richtige Entscheidung!
Schon am Eingang zum Museum hatten wir Spaß: Deckenhohe Spiegel hängen dort, ein ganz normaler, ein konvexer und ein konkaver, so konnten wir uns lang und dünn machen, aber auch klein und dick.

Die unendlichen Weiten…

Die unendlichen Weiten…

Als Kleinfamilie hatten wir vergünstigte Eintrittspreise, und schon waren die beiden dabei, all die ausgestellten Maschinen zu erforschen. Während ich erstmal die Tafeln an den Wänden las, um den Zweck des Experiments erklärt zu bekommen, hatten sie es oft intuitiv im wahrsten Sinne des Wortes „begriffen“.
An der Kasse hatten wir den Tipp bekommen, doch gleich mal in den 1. Stock zu gehen, da sei der Flugsimulator in Betrieb. Das war ein großer Spaß für die beiden, mit einer 3D-Brille, Steuerknüppel und Gasschalter in den Händen, durch den Weltraum zu fliegen.

Die kleine Fakirin

Die kleine Fakirin

Das Prinzip des Flaschenzugs wird ganz leicht verständlich, wenn man sich, auf einem kleinen Stuhl sitzend, selbst mit einem Seil an die Decke ziehen muss, bei dem vierfach übersetzten Flaschenzug ging es viel leichter. Es gab ein Fakirbett, vor dem sie zunächst Respekt hatten, aber Franziska lag zum Schluss ganz entspannt darauf, weil sie verstanden hatte, dass man sich möglichst flach hinlegt, um das Gewicht zu verteilen. Mit dem Energie-Gokart ließen sie eine Eisenbahn fahren und eine Nähmaschine rattern. Von einem Ritt auf dem Teufelsrad haben wir Abstand genommen, nachdem wir Zeuge waren, dass man davon durchaus runterrutschen und sich wehtun kann; aber wir hatten viel Spaß dabei, ins Innere eines Auges zu steigen und die Linse groß und klein zu machen, und uns von einer Statue aus allen möglichen Blickwinkeln verfolgen zu lassen.

Eine Seifenblase kurz vorm Platzen

Eine Seifenblase kurz vorm Platzen

Wir haben den Ball um Luftstrom tanzen lassen, uns am Schattentheater erfreut, zweimal einen Code geknackt, und uns kurz vor Schluss beim Puzzeln entspannt, eine Brücke gebaut, und Monster-Seifenblasen gemacht. Was für ein schöner und informativer Nachmittag, wir haben auf jeden Fall viel erlebt, erlernt und erfahren.

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Die letzte Woche

Eine Woche ist es jetzt schon her, dass wir den langen Rückweg nach Darmstadt angetreten haben. Acht Tage weg vom Boot und weg vom Meer. Dabei sind wir noch einen Tag vor der Abreise in eine gefühlt weit zurückliegende Zeit eingetaucht. Genauer gesagt, haben wir mit Patrick und Annett, einem deutschen Seglerpaar, die mittelalterliche Stadt Aigues Mortes besichtigt. Der alte Innenstadtkern ist von einer hohen Festungsmauer umgeben und die jahrhundertalte Geschichte von Aigues Mortes ist überall spür- und sichtbar. Außerhalb des steinernen Befestigungswalls gibt es einige schiffbare Kanäle und das Panaorama erinnert uns ganz stark an Holland. Masten und Bootskörper, die so erscheinen, als würden sie durch Felder und Landschaft fahren. Die Kanäle ziehen sich wie blaue weitverzweigte Lebensadern durch die Camargue-Region und kontrastieren mit dem weithin sichtbaren Weiß der Salzberge um die Wette. Ein ausführlicher Stadtrundgang und ein leckeres Abendessen in einem gemütlichen Restaurant runden den rundum gelungenen Ausflug ab. Danke an Patrick und Annett für den Tip!

Und nach einem Zeitsprung und Ortswechsel sind wir wieder im Hier und Jetzt in Darmstadt.

Von gestern bis heute hatten wir Besuch aus dem hohen Norden der Republik. Jens und Martina von der Maje waren spontan zu Gast. Ein Besuch, über den wir uns sehr gefreutt haben, auch wenn die paar Stunden mit reichlich Klönschnack, Besuch bei unseren Nachbarn  und ein bisschen Programm zum Sightseeing viel zu schnell vorbei gegangen sind.

Morgen kommen Detlef und Ingrid, unsere Segelfreunde vom Kaarster Segelclub, zum Mittagsessen vorbei. Gut, dass Segler nicht nur auf dem Wasser, sondern auch auf der Straße, ein recht reisefreudiges Völkchen sind.

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