Schadensmeldung

Seit gestern Abend schweigen die Dieselmotoren, mit der Kraft des Windes in den Segeln, geht es beständig in nordöstlicher Richtung voran. Heute Morgen gegen 10 Uhr haben wir die Genua gegen den Code D getauscht. Mit seinen kräftig-bunten Farben leuchtet das Segel in der gleißenden Sonne. seitdem hat der Bootsspeed zugelegt und hin und wieder erreichen wir zweistellige Werte. Die Sonne in Verbindung mit den Sollarzellen und der Hydrogenerator haben tagsüber die Batteriespannung zurück auf 100 Prozent gebracht. Wir freuen uns sehr, dass der Batteriehaushalt jetzt perfekt stimmt.
Gegen 17 Uhr haben wir dann mit einem kleinen Bier auf 200 zurückgelegt Seemeilen (ein Drittelmdess Weges) angestoßen, als ein lautes Klong-Geräusch uns ganz schnell aus der Feierlaune rausgeholt hat. Was ist da mit so einem hässlichen Geräusch kaputt gegangen? Es hat eine Weile gedauert, doch dann war die Bescherung offenbar. Die obere Hälfte des Bolzens, der den Großbaum mit dem Mast verbindet, war abgebrochen. Jetzt war schnelles Handeln angesagt, denn ein potenziell führungsloser, herumbaumelnder Großbaum, zumal mit dem Seegang und dem Wind, die wir im Moment haben, stellt allein mit seiner Masse eine große Gefahr für Schiff und Mannschaft dar, wenn der restliche Bolzen rausfallen sollte. So einen riesigen Bolzen haben wir auch nicht als Ersatzteil anBord. Mit Gurtbändern haben wir den Bolzenrest fixiert und anschließend eine Manschette aus fünf Metern Panzerband geflochten. Wir hoffen, dass dieses Provisorium bis nach Gibraltar hält, andernfalls ist es Essig mit der Segelei, und der kiloschwere Baum, samt 80 kg schwerem Großsegel muss sicher an Deck verzurrt werden. Aber jetzt glauben wir mal ans Positive.
Hingegen den Glauben ans Positive kann man bei denjenigem verlieren, die das Großsegel angebaut haben. Der hat nämlich unsinniger- bzw. fahrlässigerweise den Unterliekstrecker des 127 Quadratmeter großen Segels mit dem Auge des Bolzenoberteils mit einem Dyneemalasching verbunden. Bei jedem Großsegelsetzen und während der Segelei selbst kamen somit sehr große Zugkräfte auf den Metallring, der dafür aber nicht konstruiert ist.
Es ist wirklich ein fortlaufendes Ärgernis und mal wieder fragen wir uns: Wie man nur so viele Fehler in ein Schiff einbauen kann??? Bilder folgen, wenn wir wieder Netz haben.

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Der erste Tag

Seit 14:00 Uhr sind wir aus der Abdeckung der Insel heraus, die leichte Atlantikdünung lässt die Hexe jetzt ein bisschen mehr schaukeln, aber es ist immer noch sehr sanft. Samy schläft und schläft, erst als Volker sich ein Brötchen mit Leberkäse macht, wird er wach und folgt ihm auf Schritt und Tritt. Mein erster Versuch, einen Position Report einzustellen ist gescheitert, vielleicht klappt es gleich einmal. Eben habe ich noch die letzten Gribfiles über das Internet geholt, heute Abend werde ich es über das Pactormodem versuchen.
Es ist relativ kühl, kleine Schleierwolken verdecken die Sonne, sodass wir in langen Hosen und mit Jacke segeln. Noch kann man am Heck Lanzarote und La Graciosa gut erkennen, nur voraus liegt der weite Atlantik.
20:00 Uhr Baro 1014. Die Wellen haben ein bisschen zugenommen, nur der Wind bleibt immer unter acht Knoten, der Motor läuft weiter mit. Der Himmel ist eher bewölkt. Volker bereitet die Grillspieße zum Abendessen vor, und auch der Hund hat seinen Teil vom Fleisch gekocht bekommen.
Nachmittags habe ich im Funk plötzlich deutliche Stimmen gehört, als ich eigentlich nur mails verschicken und Gribfiles anfordern wollte. „Die Stimme kenn ich doch!“ Tatsächlich war Ralf von der Malwieder am schnacken mit einem Wolfgang aus Tarragona. Frech hab ich mich mal kurz in die Unterhaltung eingemischt, und wir haben noch einmal bekräftigt, dass wir heute Abend uns in der Intermar-Funkrunde treffen wollen, 20:00 Uhr UTC auf 14.313, mal sehen, ob ich hier auf dem Meer gut hören werde.
20:40 Sonnenuntergang. Wir stellen fest, dass der Hund glücklicherweise, heimlich still und leise am Steuerbord-Heck gepinkelt hat, Super! Intermarfunkrunde klappt super, es sind wieder die gleichen wie vorhin, Wolfgang und Ralf, wir schnacken ein bisschen über unsere jeweiligenStrecken- und Windverhältnisse und Wolfgang erzählt Schauergeschichten von Walen im Mittelmeer.
23:00 Uhr. Der Wind hat sich stabilisiert und Volker segelt, während ich versuche zu schlafen. Danach geht das viel besser, das Schlafen, meine ich.

Donnerstag 24. Mai 2018, 01:99 Uhr, Baro 1015, Wind 12 – 15 Knoten, TWA 105, DTW 510 sm
Auf See, Position 30°04.58 N / 012°22.24 W, Speed 7 – 8 Knoten
04:00 Uhr: Der Wind raumt weiter, es sind jetzt eher 135° Windeinfallswinkel, geht gerade noch so mit der Genua. Volker schläft im Salon. Am Abend haben die den Tisch herabgesenkt, und so gibt es dort eine große Liegewiese, Platz genug für Herr und Hund!
08:00, Position 30°42.54 N / 011°44.41 W, Sonne-Wolken-Mix, Wind 14-16 Knoten WsW
Nachdem es mir in der Nacht soooo kalt war, konnte ich mich heute morgen von 06:00 bis 08:00 mit zwei Decken im Bettchen aufwärmen. Nun darf der Skipper schlafen, der die ganze Zeit den Segeltrimm übernommen hat. Bei diesem unstetigen Wind ist andauern was zu zubbeln, die Segel fieren, die Segel trimmen, der Großbaum hat einen Bullenstander bekommen, damit er nicht umschlagen kann. Noch 457 Meilen bis Gibraltar, ein Etmal von 154 Meilen am ersten Tag, wenn das weiter so geht sind wir Sonntag morgen angekommen.

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Logbuch der Abfahrt

Mittwoch, 23. Mai 2018, Baro 1014, bedeckt, 19°, kein Wind
Motorstunden 192 SB, 164 BB, Log gesamt 4370

Um kurz vor neun Uhr waren die Leinen los und wir haben abgelegt. Peter und Kathrin von der Florentine standen auf dem Steg und haben zum Abschied auf der großen Kaurimuschel einen tiefen Ton geblasen. Auch von den netten Marina-Mitarbeitern haben wir uns per Funk verabschiedet, und die Wünsche für eine „ buena travesía“, eine gute Überfahrt, entgegen genommen. Auf dem glatten Meer wurden schnell die Fender weg geräumt, das Großsegel gesetzt. Am Anfang ist es eher motorsegeln, denn der Wind ist einfach zu schwach.

Auf der Höhe von Arrecife rollt Volker die Genua aus, der Wind hat auf 8 – 10 Knoten aufgefrischt, wir segeln! Leider reicht der Wind noch nicht aus, der Motor bleibt an. Noch 600 Meilen bis Gibraltar.

Wer hätte das gedacht: Der Wind weht im Moment genau aus der Richtung, in die wir hinwollen und damit entgegen allen Vorhersagen. Wenn das bis Mitternacht so bleibt, wird es wohl eher Madeira werden und nicht Gibraltar. Der Tauchgang mit dem nun sauberen Unterwasserschiff und den blanken Propellern macht sich sehr positiv bemerkbar. Wir motoren bei 2200 Umdrehungen mit 5,7 Knoten genau gegen den Wind und den Kanarenstrom. Also erstmal abwarten, wo es uns hin verschlägt. Der Atlantik zeigt sich ansonsten im Moment von seiner Sonnenseite und der ewige atlantische Schwell ist maximal einen halben Meter hoch. Sehr erfreulich für uns und den Hund, denn man merkt kaum, dass man auf einem Boot ist, so ruhig ist es.

Eine Horde Wale verabschiedet uns von der Insel

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Es geht los!

Das kleine meteorologische Wunder scheint einzutreten. Ein atlantisches Tiefdruckgebiet, das sich normalerweise von West nach Ost über den Atlantik bewegt, ist nach Süden gewandert und hat seinen Kern, mehr oder minder über, bzw. leicht nördlich von Madeira etabliert. Dort scheint die kleine Tiefdruckzelle erst einmal ein paar Tage stationär liegen zu bleiben und produziert freundlicherweise an ihrer südöstlichen Flanke Winde aus dem westlichen Quadranten. Soweit so gut für uns, wir wollen daher diese besondere Wettersituation nutzen und am Mittwoch Morgen in Richtung Gibraltar aufbrechen.

Diese erfreuliche Tendenz hat sich sehr kurzfristig, erstmalig vor 2 Tagen, in dem einen oder anderen Vorhersagemodell erkennen lassen. Stand jetzt, sieht es so aus als könnten wir wirklich ohne Gegenwind in Richtung Mittelmeer segeln. Einen kleinen Dämpfer gibt es dennoch, zum Freitag hin soll der Wind komplett einschlafen und wenn wir wirklich einigermaßen gut vorankommen wollen, müssen wir ca. 50 Prozent der Strecke motoren. Doch das ist uns nach Wochen des Wartens auch egal und die Dieseltanks sind bis oben hin gefüllt. Gut 700 Liter Diesel sind auf zwei Tanks verteilt, plus noch einmal 100 Liter Diesel in Reservekanistern. Voraussichtlich mehr als genug an fossilem Brennstoff, der insgesamt für 200 Motorstunden ausreichen sollte. Wir rechnen mit 100 Stunden Fahrtzeit insgesamt bis Gibraltar und wollen am Samstag das Fahrgebiet zwischen dem europäischen und dem afrikanischen Kontinent, das gleichzeitig die Grenze zwischen Mittelmeer und Atlantik markiert, erreichen.

Am Morgen haben wir wirklich die Leinen losgeworfen, die Florentine hat uns mit leutem Tuten auf der Muschel verabschiedet und wir motoren über das glatte Meer zunächst noch an der Ostseite von Lanzarote entlang

Täglich werden wir per Winlink unsere Position melden, Ihr findet das unter Winlink.org/PositionRreports Callsign DL3HEX, und wenn es denn klappt, stellen wir zwischendurch auch kleine Berichte auf unseren Blog.

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Tierischer Sonntag

Taubenformation

Früh war Cornelia am heutigen Pfingstsonntag auf den Beinen, um 8.000 Reisetauben beim Start zuzuschauen. Die fliegenden Friedensbringer, Palmzweigträger und Hochzeitsvögel stammten allesamt aus Gran Canaria und sollten auch wieder dorthin wieder zurück fliegen. Ca. zweieinhalb Stunden brauchen die meisten Tiere für diesen fast 200 Kilometer  langen Flug, über den offenen Atlantik, einige kommen sogar schon nach 100 Minuten an. Cornelia war beeindruckt, wie sich die Vögel zu Staffeln zusammengefunden haben, die sich in Form, Ausdehnung und Aussehen immer wieder verändern, bis alle Tauben ihre Flugformation gefunden haben.

Warum werden heute die Tauben fliegen gelassen? Klar, weil Pfingsten ist, und der Heilige Geist in Form einer Taube den Jüngern Jesu 50 Tage nach der Auferstehung erschienen ist. Die Jünger verloren dabei ihre Sprachbarrieren und konnten sich plötzlich in allen möglichen Sprachen miteinander unterhalten. Cornelia braucht in diesem Fall derlei himmlischen Beistand nicht, weil sie richtig gut spanisch spricht, mit oder ohne Taube, und so konnte sie den Züchtern die nötigen Informationen entlocken.

So viele Ziegen, und alle wollen prämiert werden

Weil heute Sonntag ist, hat sie wieder einen Ausflug geplant, der unerwarteter Weise zu einem tierischen Erlebnis wurde. Angedacht war, in Uga, einem kleinen Dorf, ca. fünf Kilometer entfernt von Puerto Calero, einen Bauernmarkt zu besuchen.

Der Bauernmarkt entpuppte sich als überwiegender Viehmarkt mit volksfestähnlichem Charakter. Es gab Ziegen, junge und alte Kamele, Esel, Eulen, Jagdvögel, Pferde, Hühner und kanarische Schafe und kanarische Schafe hautnah zu bestaunen. Zu alledem sang  und spielte lautstark der örtliche Gitarrenchor aus Yaiza und wir bummelten natürlich an allen Obst-, Gemüse-, Käse- und Handwerksständen vorbei, die der Markt so zu bieten hatte. (Mehr Tierfotos gibt es ganz am Ende des Beitrags.)

Papas arrugadas, in enorm viel Salz gegarte Pellkartoffeln, lecker!

Viele der Tiere standen zum Verkauf und uns hat es besonders das kleine braune Eselchen angetan, wobei die Capitania genauso von dem stolzen Hahn und auch von den Perlhühnern fasziniert war.Danach sind wir zu viert (Kathrin, Peter, Cornelia und ich) in den hochgelegenen Ort Femes gefahren und haben bei schönster Aussicht typisch  kanarische Küche mit Knoblauchgarnelen, Linsensuppe und geschmorten Kaninchen genossen.

Was für ein schönes Schiff

Seglerisch gesehen können wir noch ein schönes Erlebnis von gestern nachschieben, denn wir sind zu einem Tagesausflug auf einem sehr hübschen, in Deutschland erbautem Alussegelboot eingeladen gewesen. Bei der schwimmenden Segelschönheit handelt sich um eine Nordsee 65, die bei der berühmten und legendären Alubauwerft Dübbel und Jesse auf der friesischen Ferieninsel Norderney entstanden ist. Das 33 Tonnen wiegende Schiff segelt sehr behände, garnicht träge, bei 20 Knoten Wind und flachem Meer erreichten wir eine sehr gute Maximalgeschwindigkeit von 9,5 Knoten über Grund. Das Eignerpaar erhält das Schiff, das 1987 gebaut wurde, in einem  bemerkenswert guten Zustand, man könnte denken, dass das Schiff neu oder komplett refittet ist, die Schiffswerft Dübbel und Jesse hingegen baut leider schon seit vielen Jahren keine Yachten mehr.

wollige Schafe

Die Sau mit ihren Ferkeln

Perlhuhn im Ausgehkleid

So ein schöner Esel!

Dromedarschönheit

Dromedarmama mit zwei Kälbern

Hedwig auf Abwegen?

… und ein stolzer Hahn dabei!

zu verkaufen – wir hätten ihn fast mit genommen

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Ausprobiert

Der Aufbau hat geklappt

Seit Oktober fahren wir es auf dem Geräteträger spazieren, nur einmal kam es ins Wasser, was auch schon wieder einige Wochen her ist, noch kein Mal mit Segel obenauf, unbenutzt. Die Rede ist vom neuen Surfbrett.

Dabei war der Gedanke, dass ich hin und wieder die tägliche Nähe zum Wasser oder Strand nutze, um eine Stunde unbeschwert mit dem BIC Windsurfer übers Wasser zu gleiten. Mal war zu viel Wind, mal war der Liegeplatz fernab vom offenen Meer, mal war der Wind auflandig mit entsprechend hohen Wellen, dann war kein Strand in der Nähe, um sicher anzulanden, mal war es mir zu kalt – Ausrede über Ausrede.

Als kleiner Punkt auf dem Meer

Doch mit den Ausreden hat es seit gestern ein Ende. Der Wind war mit 4-5 Beaufort ideal und ablandig, Wellen gab es somit keine, die Sonne schien warm vom blauen Himmel und alle Jobs an Bord der Hexe, die ich abarbeiten kann, waren erledigt. Also rundum ideale Bedingungen fürs erste Mal Windsurfen seit gut 18 Jahren. Woher ich das weiß? Damals hatten wir Larissas 5. Geburtstag in Biblis am See gefeiert und mein altes F2-Stratos-Board mit dabei. Seitdem und heute klafft also die große Surflücke.

und wieder angelandet

Der erste Teil, Riggaufbau, hat dann auch länger gedauert als gedacht, doch am Ende konnte sich das Ergebnis sehen lassen und es ging ab aufs Wasser. Da ich jetzt keine 30 Jahre jung bin, war auch das etwas zeitaufwändiger, und das Brett unter mir hat erstmal ordentlich gewackelt, sodass ich an meinen Fähigkeiten gezweifelt habe. Nach einer Eingewöhnungsphase lief es besser und los ging es, aufs Meer hinaus. Dort habe ich ein paar Runden gedreht, gewendet und gehalst, und nach der ersten Windsurfstunde ging es zurück in den Hafen. Die Capitania hat die ersten Meter auf dem Brett gefilmt, wie gesagt, das sieht da noch ziemlich hilflos aus. Ein paar echte Surfs bei stärkeren Böen waren auch drin und der Spaß hat sich schnell wieder eingestellt – Fortsetzung folgt.

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Falsche Richtung

Die Surfer lieben die Wellen (Photo: Peter Schröder)

Zwischen Teneriffa und Gran Canaria wurden in den letzten Tagen gut 200 kleine, allerdings für uns nicht spürbare Seebeben registriert. Der Meeresboden zwischen den beiden Inseln zählt zu den vulkanisch aktivsten Stellen im kanarischen Inselarchipel und die momentane vulkanische Tätigkeit des “Volcan de Enmedio” bewegt sich wohl im normalen Maße. Man geht daher davon aus, dass tektonische Verschiebungen die Ursache für die Beben sind.

Wie ich jetzt eine gescheite Überleitung zum Thema Fußball bekomme, weiß ich nicht – daher gibt es nur die gute Fußballnachricht, dass der SV Darmstadt 98 beim letzten Spiel in der Rückrunde den Klassenerhalt in der zweiten Liga geschafft hat. Ich freue mich riesig und danke allen Gratulanten, die Anteil genommen und eine kleine Whatsapp geschickt haben. Wir haben das Ereignis würdigend und angemessen begossen.

Nicht so freudig, aus unserer Sicht, ist die Wetter, vor allem die Windentwicklung in den nächsten Tagen. Nachdem seit Freitag eine Starkwindzone mit nordöstlichen Winden und kühlen Temperaturen über Lanzarote hinweg gezogen ist, hat der Wind seit ein paar Stunden auf ziemlich exakt Nord gedreht, ohne signifikant weniger zu werden. Als Maximalwert haben wir heute immer noch flotte 25 Knoten Windgeschwindigkeit gemessen. Dazu meldet Windfinder eine Wellenhöhe von 3,6 Metern nördlich von La Graciosa und eine nordwestliche Wellenrichtung. Das ist alles Mist für uns, um es mal deutlich zu sagen. Auf einen K(r)ampf gegen Wind und Atlantikwellen, nur um ins Mittelmeer zu kommen, haben wir, und da sind wir uns so was von einig, absolut keine Lust. Wir warten jetzt nochmal eine Woche ab. Wenn sich dann der Wind nicht in die richtige Richtung dreht, fliegen wir halt von hier aus Anfang Juni nach Deutschland, und die Hexe bleibt in Puerto Calero liegen. Der Hafen hier ist so ruhig und sicher und zählt für mich zu den besten auf den Kanaren. Dank Segelfreund Horst und seiner guten lokalen Kenntnisse haben wir auch schon jemanden gefunden, der zwischendrin mal nach unserem Kat guckt – Danke dafür.

Die zweite fußballerische Nachricht in diesem Blogbeitrag: Wir wollen zur Fußballweltmeisterschaft  in Darmstadt sein und entweder in der Innenstadt, im Dieburger Biergarten oder bei unseren Freunden in der Alleeeee die Spiele des deutschen Teams verfolgen. Denn wer weiß schon, welche Begegnungen hier auf Lanzarote oder einer anderen Kanareninsel, in den regionalen spanischen Bars oder englisch/irischen Pubs übertragen werden. Nee, da wollen wir kein Risiko eingehen, und werden uns in heimischen Gefilden das Sommerspektakel anschauen.

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Fast

Die Eidechse sucht auch die Sonne

aber nur fast, hätte ich heute vergessen, meiner Mutter zum Muttertag zu gratulieren. So wurde es zwar spät, aber von der Uhrzeit her nicht zu spät für Glückwünsche.

Und dabei habe ich beim sonntäglichen Ausflug mit Peter von der Segelyacht Florentine noch gescherzt, dass wir heute die beiden Muttis, Kathrin und Cornelia eben, zum Ausflug rumkutschieren und dann in in ein Restaurant zum Mittagessen einladen – Verwöhnprogramm eben, sogar inklusive eines nicht geplanten Besuchs auf dem  Bauernmarkt in Tajaste, mit leckeren Erdbeeren, Tomaten und winzigen Nektarinen von der Insel. Obwohl es eigentlich viel zu kalt schien, ausgerechnet in den windigen Norden zu fahren, wurde es eine wunderschöne Fahrt.

Surferstrand

Unser Ziel war heute der Inselnorden, wegen der vorhergesagten hohen Wellen mit seinem Wellenreiterparadies auf der Halbinsel La Santa. Weder wir noch die Wellenreiter wurden enttäuscht. Wir bekamen spektakuläre Surfs zu sehen und die Anhänger des Wellenreitsports kamen von außen betrachtet voll auf ihre Kosten. Neben den hohen Wellen gab es viel Wind, bei den niedrigen Temperaturen und “dank” des Windchillfaktors waren wir irgendwann regelrecht kühl durchgepustet.

Der kleine Hafen von La Santa

Noch zwei Zeilen zu dem Ort La Santa selbst, bevor unsere Inselfahrt weitergeht; La Santa selbst ist ein eher verschlafener Fischerort, die auf Slipwagen gelagerten Fischerboote, die mit einer Seilwinde über eine Slipbahn ins Wasser gelassen werden, zeugen von dem beschwerlichen Leben der Fischer.  La Santa versprüht einen herben Charme, der durch die allerorten herumstehenden Fischerartefakte noch verstärkt wird – uns hat es trotzdem dort gefallen.

Da könnte man was draus machen…

Über abgelegene Wege, die die Capitania dem Navi entlockt hat, geht es weiter nach Famara. Irgendwie übt dieser Ort eine magische Anziehungskraft auf uns aus, vielleicht liegt es an den nicht geteerten Sandstraßen, dem völlig den Wellen ausgesetzten kleinen Hafen, in dem wir nie im Leben auf die Idee kämen, mit unserem Schiff reinzufahren, den teilweise halb verfallenen Häusern, dem endlos langen, wellenumtosten Strand, oder am gelungenen Mix von all dem.

Ehe wir uns versahen, war es schon später Nachmittag, Zeit für den Rückweg nach Puerto Calero. Wir waren um 17 Uhr auf einen Kennenlerndrink auf ein schönes Schiff eingeladen und wollten erstmals Samy für ne halbe Stunde bei uns allein an Bord lassen, damit er auch mal lernt, kurz ohne uns zu sein. Da es ziemlich warm im Salon der Hexe war, haben wir alle Dachluken und die beiden Luken nach vorne zum Trampolin hin geöffnet. Nach 20 Minuten ging die Capitania mal gucken, was der Hund so ohne uns macht und fand ihn draußen, geduldig an der Treppe wartend, statt im Salon. Der  Hund ist einfach durch die vordere geöffnete Luke gesprungen und hat auf dem Backbordrumpf nach uns Ausschau gehalten – was für ein kluger Kerl!

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“Natürlich kann man ohne Hund leben,

So ein Hundeblick!

es lohnt sich nur nicht” schrieb schon in frühen Jahren in wahrscheinlich leicht überzeichneter Form der bekannte deutsche Schauspieler Heinz Rühmann. Und so wollen wir nach über vier Wochen mit Samy an Bord mal eine kleine Zwischenbilanz ziehen.

keine Angst vor dem schwankenden Netz

Samy hat sich prächtig eingelebt, es gibt keinen Platz an Bord, den er nicht schon erkundet hat und er lässt sich auch in das doch durchsichtige Trampolin aufs Vorschiff locken, obwohl unter ihm das blaue Meer schimmert.

Das Hundekörbchen

Nachts schläft er in seinem Körbchen, das in der Backbordkabine vor unserem Bett steht. Enterversuche unseres Bettes hat er sich abgewöhnt, da wir das eheliche Schlafgemach konsequent gegen ihn verteidigt haben. Einen Ansturm aufs Sofa gibt es hin und wieder, doch ein kleiner Schubs und ein paar Worte genügen, um die Vorherrschaft aufs menschliche Polstermöbel zu verteidigen. (Nur wenn wir nachts segeln, darf er mit einer untergelegten Decke auf dem Sofa schlafen.)

Bereit zum Übersteigen

Wenn es zum Gassigang geht, stellt er sich ganz nahe an die Ausstiegstreppe, hebt dann seine linke Vorderpfote auf unsere jeweilige Schulter und lässt sich, sozusagen mithelfend, von Bord heben. Beim Segeln verhält sich unser vierbeiniger Freund total ruhig und besonnen. Egal ob wir reffen und die Segel im Wind schlagen, der Dieselmotor lärmt, oder irgendwas auf dem Vorschiff zu tun ist, Samy bleibt meistens im Salon liegen und wirkt nie ängstlich oder aufgeregt. Als echter Terrier scheint ihm sowieso sowas wie Angst oder Schreckhaftigkeit völlig fremd zu sein.

Wo sind die Fremden?

Mittlerweile verteidigt er bellend sein Schiff, wenn jemand an den Rumpf klopft, den er nicht kennt, oder Personen in der Nähe zu aufgeregt und laut reden. Eine Attitüde, die wir nicht immer begrüßen, wir können ihn jedoch leicht beruhigen. Dann lässt der Hund jeden an Bord und begrüßt Ihn oder sie schwanzwedelnd und freudig.

In übersichtlicher Umgebung spazieren wir mittlerweile ohne Leine mit Samy. Nur wenn Restaurants, Kneipen oder Bars, die Essen servieren, in der Nähe sind, wird er angeleint.

Samy trainiert in der Flugbox zu liegen

Da sind wir nun schon bei einem kleinen Negativpunkt von Samy angekommen, er wittert Essbares bereits aus unglaublich weiter Entfernung, und ehe man es sich versieht, hat er irgendetwas Gefundenes schon halb heruntergeschlungen. Dieses Verhalten, von dem wir schon am Anfang berichtet haben, lässt sich leider bis jetzt kaum korrigieren und uns hin und wieder dazu,  zu rennen, kämpfen, schimpfen, oder ganz selten zu fluchen. Letzteres nur, wenn er mal wieder etwas total gammliges, stinkendes oder verfaultes gefunden hat.

“Papa” und Hund im Netz

Die positiven Momente mit Hund überwiegen in 99,9 Prozent aller Fälle und wir stimmen dem eingangs erwähnten Statement von Heinz Rühmann zu 100 Prozent zu. Oder wie Pablo Picasso es einmal formuliert haben soll: “Hunde kommen in unser Leben, um zu bleiben. Sie gehen nicht fort, wenn es schwierig wird, und auch, wenn der erste Rausch verflogen ist, sehen sie uns immer mit genau diesem Ausdruck in den Augen an. Das tun sie bis zu ihrem letzten Atemzug. Vielleicht, weil sie uns von Anfang an als das sehen, was wir wirklich sind: fehlerhafte, unvollkommene Menschen. Menschen , die sie sich dennoch genau so ausgesucht haben. Ein Hund entscheidet sich einmal für den Rest seines Lebens. Er fragt sich nicht, ob er wirklich mit uns alt werden möchte. Er tut es einfach. Seine Liebe, wenn wir sie erst verdient haben, ist absolut.

Wer kann so einem felligen Schmusehund wie Samy schon widerstehen – wir jedenfalls nicht.

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Vorführeffekt?

Eigentlich müsste dieser Blogbeitrag mit vielen gesetzten Fragezeichen beginnen. Typisch Vorführeffekt, könnte man auch sagen.

Der Bösewicht:
Dieselvorfilter mit Grundplatte

Jedenfalls kam heute Nachmittag der Inhaber des Volvo Penta Services auf Lanzarote mit dem Mechaniker an, der bei uns den Motorservice durchgeführt hatte, um sich von uns die genauen Umstände des leckenden Dieselfilters erklären zu lassen. Nach dem Überwinden einiger kleiner Sprachbarrieren waren alle Details berichtet und alle versammelten sich um die geöffnete Motorkammer. Die Dieselzuleitungen waren geöffnet und der Steuerbordmotor wurde gestartet, der Mechaniker stieg in die Tiefen des Motorabteils hinab und tastete den (ehemals) leckenden Dieselfilter mehrmals ab. Nach jeder gründlichen Untersuchung zeigte er uns seine trockenen, dieselfreien Finger. ??? Jetzt kommen doch noch die Fragezeichen, weil die wohl am besten die Situation beschreiben. Wieso hält der Dieselfilter jetzt dicht? Keiner kann es erklären, am ratlosesten bin wohl ich, … und die Capitania.

Oben der Ölfilter und unten der Dieselfeinfilter,
der am Anfang auch geleckt hat

Der Chef vom Betrieb erwähnt, dass es manchmal die Grundplatte sei, an die der Dieselfilter angeschraubt ist, die nicht ganz plan oder angerissen sein könnte. Aber bei uns sei ja alles bestens und wir sollten einfach das ganze, bei bis morgen geöffneten Dieselzuleitungen,  im Auge behalten. Beide gingen dann von Bord und ließen uns verdutzt zurück. Mit einem kleinen Lächeln zu Cornelia gewandt, bemerkte ich nur leicht zynisch, dass ich dann ja ein guter Mechaniker sei, der den leckenden Dieselfilter beim Segeln fachgerecht eingeschraubt und repariert habe. Aber warum der dann bis in den Hafen auf der Rückseite leck war und jetzt nicht mehr, entzieht sich meiner Kenntnis…

Kurz danach haben wir Petra zum Flughafen gebracht, die heute geplant nach Düsseldorf zurückfliegt. Das Wetterfenster, um nach Gibraltar zu schippern, ist für die nächsten Tage fest verschlossen. Der Wind dreht auf Nordost zurück und wird zum Wochenende hin lebhaft bis stürmisch, mit entsprechenden Wellenhöhen.

Zum Schluss gibt es noch einen positiven Nachtrag zu unserem samstäglichen Segelausflug. Unser Hydrogenerator arbeitet jetzt erstmals, seit wir ihn an Bord haben, fehlerfrei und tadellos, die Batterie war von Anfang bis Ende zu 100 Prozent voll geladen. Die letzten “Bausteinchen“, die wir repariert hatten, waren ein nicht korrekt angeschlossenes Zuleitungskabel und einen defekter Gerätestecker, den wir ausgetauscht haben. Jetzt lädt das Ding endlich so, wie es soll!

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