Roter Sand

Die Calima ist keine Schwester von Kalinka, dem berühmten russischen
Volkslied, bei uns bekannt durch die Interpretation von Ivan Rebrov, und
auch keine bezaubernde Schönheit aus den Märchen aus 1001 Nacht. Die
Calima ist ein Wetterlage speziell auf den Kanaren, die bei südöstlichen
Winden feinen roten Sandstaub aus der Sahara zu den Inseln bringt. Die
Luft wird getrübt wie bei uns bei schweren Novembernebeln, die Sonne ist
nur noch schemenhaft zu erkennen, und die ansonsten so klare wunderbare
Weitsicht reduziert sich auf wenige Kilometer und manchmal nur noch auf
ein paar hundert Meter.
Solch eine Wetterlage ist bei entsprechender Windrichtung nichts
ungewöhnliches auf Lanzarote. Aber die Calima, die sich seit ein paar
Tagen hartnäckig hält, wird laut Zeitungsberichten von den Meteorologen
als eine der stärksten je gemessenen bezeichnet. Ausgerechnet dann, wenn
wir mit unserem frisch geputzten, gewachsten und abfahrbereiten weißen
Boot hier im Hafen liegen!
Nach unserem Ärger über den ganz verdreckt von der Reparatur aus der
Werft wiedergekehrten Katamaran, der mehrtägige Putzorgien brauchte, um
wieder in alter Pracht zu erstrahlen, war die Hexe herausgeputzt, alle
Gelcoatflächen poliert und mit Wachs als Schutz überzogen, die
Relingstäbe geputzt, alle Persenninge vom Dreck befreit – sie war wieder
eine weiße Schönheit. Und dann kam diese Calima.
Am Wochenende hatte es begonnen, zuerst – das kennen wir schon länger –
nur ein bisschen, kein Grund zur Aufregung. Mit der Zeit wurde es immer
schlimmer, die Nachbarinsel Fuerteventura versank im Dunst, der nächste
Ort mit seinen kleinen weißen Häusern war nicht mehr zu sehen, manchen
Menschen fällt das Atmen schwer, der feine rote Sandstaub ist überall,
in der Luft, auf den Straßenschildern, auf den Möbeln und eben auch auf
den Booten im Hafen.
Für Montag war deshalb wieder eine gründliche Bootsreinigung vorgesehen.
Am Morgen werden wir kurz nach Sonnenaufgang durch ein nicht ganz
rhythmisches Schlagen auf Metall aufgeschreckt: Ein Marinero hatte wohl
den Auftrag bekommen, am letzten Steg in der Marina, unserem Liegeplatz,
Rost zu klopfen an den großen Pfählen, die den Steg gezeitenunabhängig
an seinem Platz halten. Und das in Luv von unserem weißen Boot! Die
kleinen Rostkrümel machen üble Flecken auf dem Gelcoat und das darin
enthaltene Eisen frisst sich, wenn es nicht sofort entfernt wird, in
helle Kunststoffflächen ein. Nicht auszudenken, wie das Boot ausgesehen
hätte, wären wir nicht an Bord gewesen!
Also hat Volker am Montag Vormittag über vier Stunden geschrubbt,
gewienert, die Fenster geputzt. In weiser Voraussicht hatten wir die
hellen Polster im Cockpit schon am Tag davor in die Gästekajüte gepackt.
Die ehemals weißen Trampolinnetze sahen aus wie Tennisplätze.
Glücklicherweise begann es, üppig zu regnen, so wurde auch der Rote
Staub vom Mast gewaschen. Am Abend wehte der Südost immer noch, dazu
begann es, in Strömen, wirklich in Strömen, nicht in Bächen, zu regnen.
Erst heute Morgen hat der Wind auf Süd gedreht, und der Regen
nachgelassen, sodass nach einer erneuten Grundreinigung, die Volker
zähneknirschend aber natürlich mit der ihm eigenen Sorgfalt ausführt,
die Hexe wieder im alten Glanz erstrahlt.

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Test, Test, Test …

Zur Zeit wühlt ein kräftiger Südostwind das Wasser direkt  vor der Hafenausfahrt spektakulär auf.  Aus einigen Clips hat die Capitania mit einem neuen Schnittprogramm ein kleines Video von dem Naturereignis gemacht.

Nix Spektakuläres, nur mal zum Ausprobieren.

Denn ab jetzt können wir kleinere Videos direkt in unsere Bloqbeiträge  einbetten und das wollen wir in Zukunft auch gerne öfter tun.

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Good News

Endlich gibt es mal eine Reihe guter Nachrichten von Bord, bevor wir wieder über den fehlenden Passatwind meckern.

Der neue Türverschluss war der letzte Punkt auf der Liste

Das Schiff – und wir sowieso – sind reiseklar, alle Fehlerpunkte aus dem letzten Bericht sind behoben, ein externes Schließsystem für unsere Haustür ist eingebaut.

Auch die verloren geglaubten gesegelten Meilen sind wieder da

Sogar die verloren gegangenen gesegelten Gesamtmeilen im Datenprotokoll sind wieder, nach dem Einbau der neuen Logge aufgetaucht.

Neu: Wassertemperatur

Neben den gesegelten Seemeilen und der Wassertiefe zeigt der neue Loggeber, ein “Triducer”, nun sogar die Wassertemperatur an. Die ist in einem halben Meter Wassertiefe immerhin noch angenehme 19 Grad und für Mitte Januar ein Grad über dem üblichen Jahresdurchschnitt auf den Kanaren.

Aber bleiben wir noch ein bisschen beim Boot. Weil jetzt wirklich alle abfahrtsrelevanten Punkte auf der To-Do-Liste abgehakt sind, können wir auch mal wieder kleinere kosmetische Unterhalts- bzw. Reinigungsarbeiten angehen.

  • Die Gemüsekiste wartet auf die letzten Einkäufe

    Die Backskisten im Cockpit haben wir leer geräumt, die darin befindlichen Stauboxen einer Kernreinigung unterzogen und alles darin Befindliche wurde neu sortiert.

  • Der komplette Decksaufbau mit seinen glatten Gelcoatflächen ist frisch mit einem UV-Schutzwachs gepflegt, sodass die intensive karibische Sonne die Oberflächen nicht auskreiden kann.

 

  • Antirutsch-Streifen

    Die alten Antirutsch-Klebestreifen auf den Decksluken waren mir schon länger ein kosmetischer Dorn im Auge und wurden jetzt mit Hilfe von Aceton und Olivenöl rückstandslos entfernt. Das Olivenöl hat den Vorteil, das es selbst hartnäckige alte Kleberänder schön aufweicht und diese dann besser zu entfernen sind. Neue Antirutschstreifen werden wir erst mal nicht kleben,  ich bekomme eh schon eine kleine Krise, wenn jemand auf die durchsichtigen Makrolon-Decksluken tritt und wer nicht darauf tritt, kann auf den glatten Oberflächen auch nicht ausrutschen, so einfach ist das.

Nun liegt die Hexe bereit – sogar am neuen alten Liegeplatz

Ansonsten ist es in den letzten acht Tagen im Hafen von Puerto Calero etwas ruhiger geworden, die Haupt-Abreisezeit in die Karibik scheint vorbei zu sein, und es kommen deutlich weniger Boote, die auf der Durchreise sind.

Schön für uns ist, dass wir auf Lanzarote viele liebe Menschen kennen, sodass die eine oder andere kleine Feier an Bord, ein Bier im Upperdeck, oder ein gemeinsames Abendessen in geselliger Runde unseren Segleralltag rundherum positiv prägen. Wir Menschen sind soziale Wesen und nur bedingt zum Alleinsein fähig, daran wird auch diese Pandemie nichts ändern.

Der Wetterbericht hat keine guten Nachrichten

So, jetzt habe ich doch soviel geschrieben, eigentlich wollte ich mich ja noch über das Wetter und unsere mögliche Abreise auslassen. So versuche ich, mich kurz zu fassen, weil es so eine vertrackte (Wetter)-Situation auf dem Atlantik ist. Es gibt also entweder zu viel Wind, zu wenig bis kein Wind in der Mitte, unnötig hohe Wellen, Gegenwind auf gut 10 Prozent derStrecke. Zusammengefasst: Das entspricht nicht unserem Traum vom atlanischen Segeln und endlosen Surfs – wir warten ab.

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Verschoben

aber nicht aufgehoben, ist unsere Atlantiküberquerung fürs Erste.

Die ganze letzte Woche waren wir noch mittendrin in den Vorbereitungen. Weitere Reparaturen sind dazugekommen, die Logge ging kaputt und wurde bestellt, der Temperatursensor am Backbordmotor war auf magische Weise abgebrochen und sorgte für einen Daueralarmton beim Motorlauf und das Schloss von der Salontür weigerte sich plötzlich, dieselbe zu verschließen. Dazu kamen Wes und der Kran, und das ehemalig delaminierte und jetzt reparierte Schwert wurde wieder eingebaut. Auch die ausstehenden Opferanoden für die Kielkühlung der Kühlschränke kamen endlich an und wurden von mir bei einem Tauchgang unter den Rümpfen an ihren vorgesehenen Plätzen angeschraubt.

Unsere Treibstofftanks sind bis oben hin gefüllt, und noch 180 Liter Diesel fanden ihren Weg in diverse Reservekanister. Cornelia hat mit Irene und Peter von der Zapoli noch Gastlandflaggen für einige karibische Inseln gekauft und schlussendlich haben wir uns für Martinique, als erste Anlaufstelle, entschieden. Heute wollten wir bei der Policia Frontera ausklarieren und für den Sonntag war die Abfahrt geplant.

Cornelia checkt das Wetter…

Gestern war in Spanien ein Feiertag, Heilige drei Könige, und für uns ebenfalls so eine Art  Ruhetag und endlich Zeit, damit wir uns eingehend mit der aktuellen und zukünftigen Wettersituation auf dem Atlantik befassen konnten. Was ich da sah, lies mich zuerst staunend und dann zunehmend wütend zurück. Da geht doch tatsächlich ab der kommenden Woche, dem ewig treuen Passatwind die Puste aus und zwar nicht nur lokal beschränkt, sondern auf einigen tausend Quadratkilometern.

… Windfinder hat keinen Wind …

Und damit nicht genug. Wir reden hier nicht nur von einer kleinen Flaute für ein paar Tage. Diese ungewöhnliche Wetterlage soll mindesten für den ganzen Vorhersagezeitraum von 7 Tagen andauern und erstreckt sich fast gänzlich über die 3000 Seemeilen bis nach Martinique.

… und bei Passage Weather sieht es auch nicht besser aus

Es hat schon eine Weile gedauert, bis ich mich abgeregt habe und die Enttäuschung abgeebbt ist. Wir haben nochmals unsere maximale Reichweite unter Motor kalkuliert, die neuesten Wetterberichte von heute gecheckt und dann schweren Herzens die Entscheidung getroffen, die Abfahrt auf zunächst unbestimmte Zeit zu verschieben.

Wir wollen in die Karibik, aber nicht motorend, wir wollen segeln und nicht bei 3-5 Knoten Wind,  der zudem noch aus der falsche Richtung kommt, dahindümpeln. Wir wollen das typische Passatwetter, 15-20 Knoten Wind aus der richtigen Richtung und schöne Surfs im endlos-blauen atlantischen Ozean.

Das werden wir irgendwann bekommen und darauf werden wir warten, zur Not auch länger. Und was kann es schöneres geben, als auf unserer Lieblingsinsel Lanzarote auf ein geeignetes Wetterfenster zu warten.

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Neujahrsausflug

Pünktlich zum neuen Jahr haben wir mit Freunden Ulrike, Gerd und Achim einen kleinen Segelausflug und gleichzeitig eine Testfahrt gemacht. Denn vor der großen Fahrt wollten wir gerne ausprobieren, ob alle Systeme an Bord ihre Arbeit verrichten.
Und das war gut so, denn einiges musste noch eingestellt werden in den Navigationsinstrumenten. Und am Backbord-Motor ist der Temperaturfühler kaputt. Und die Logge, die Bootsgeschwindigkeit angibt, tut ihren Dienst auch nicht.
Aber draußen auf See, ganz in der Nähe des Hafens, sind wir plötzlich inmitten einer großen Delfinherde, die schönen Tiere spielen eine ganz lange Zeit um uns herum, zeigen ihre weißen Bäuche und springen aus dem Wasser.
Bei sehr wenig Wind und glatter See verleben wir einen schönen ersten Tag des Jahres auf See.

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Angekommen

Der schwerste Abschied …

Nachdem wir Anfang Dezember für eine Weihnachtspause zurück nach Deutschland geflogen sind, war für den gestrigen Tag der Rückflug zu unserer Lieblingsinsel angesagt. Von unseren Freunden und von der gesamten Familie haben wir uns gebührend und zum Teil rührend verabschiedet. Das Reisefieberthermometer hat in den letzten Tagen vorm Abflug neue Höchststände erreicht.

Schnee auf den Bergen von Spanien

In Lanzarote gelandet, wurden wir von Ulrike, mit Hund Nelly, vom Flughafen abgeholt und sie überraschte uns zudem noch mit einer frischgemachten leckeren Tortilla. Vielen Dank dafür!

Während unserer Abwesenheit in Deutschland gingen die geplanten Arbeiten an unserer Hexe unter der bewährten Leitung von Wes weiter. Die Hexe stand für 14 Tage ausgekrant und trocken in Arrecife an Land. Der Antifoulinganstrich wurde dort, ebenso wie alle Anoden, erneuert und der schon oft besprochene Reserveautopilot zusammen mit Jan final eingebaut.

Das Schwert wird neu laminiert …

Die außerplanmäßige Reparatur unseres delaminierten Backbord-Schwertes ist im vollen Gange und steht kurz vorm Abschluss. Die mitgebrachte GPS-Antenne haben wir direkt nach der Ankunft an Bord installiert, das Vorgängermodell war nicht mehr wasserdicht und das eingedrungene Seewasser hat die Elektronik zerstört.

… und die leere Hülle wartet darauf

Mit dem Vorratsapp „Pantrist“ erfasst Cornelia aktuell alle Ersatzteile und Lebensmittel, die sich an Bord befinden. So wie es aussieht, haben wir ausreichend  Vorräte für mindestens vier Wochen dabei. Jetzt müssen wir nur noch frisches Obst und Gemüse unmittelbar vor der Abfahrt einkaufen.

Die (An)-Spannung bei uns steigt doch sehr, je näher der Tag der Abfahrt rückt, wir checken Wetterdaten, erstellen neue To-Do-Listen und überprüfen das Boot mit allen seinen technischen Einrichtungen-und Funktionen.

Jetzt sind wir schon so viele tausend Meilen gesegelt, doch stehen die knapp 3000 Seemeilen bis in die Karibik wie ein hoher Berg vor uns. Vor jeder unserer bisherigen Seepassagen hatten wir einen gewissen Respekt, besonders vor den Elementen und den Unbilden der Natur, die daraus resultieren können. Aber die bevorstehende, ca. 20-tägige Atlantikpassage, sorgt jetzt im Vorfeld für eine gewisse Nervosität, die manchmal zu nächtlichen „Wachmomenten“  führt.

In den nächsten Tagen wird Cornelia einen weiteren Blogbeitrag veröffentlichen und erklären, wie Ihr uns auf unserer atlantischen Überfahrt folgen könnt.

Bis dahin wüschen wir allen, einen guten Start ins neue Jahr 2022

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Hexenbriefe

Ulrikes Hündin Nelly ist immer dabei

nennt Ulrike unsere Blogbeiträge und verfolgt diese seit mehreren Jahren regelmäßig. Wir verfolgen Ulrike auch, natürlich nicht auf Schritt und Tritt, zumindest nicht im negativen Sinne. Ulrike ist unsere Freundin, unsere Anlaufstelle, sobald es sich um Lanzarote oder die Kanaren dreht  oder handelt. Ulrike kennt viele und vieles, und viele kennen Ulrike. Dadurch lernen wir u.a. auch immer neue nette Menschen auf der Vulkaninsel kennen. Aber auch, ich nenne es mal das soziale Umfeld in Puerto Calero, könnte besser nicht sein

Mit ein paar lieben Menschen aus dem Hafen hat sich seit unserer Rückkehr eine echte Freundschaft entwickelt, und viel Zeit wird miteinander verbracht.

Drei Kapitäne, der vierte fotografiert

So waren wir vor drei Tagen mit vier Skippern (Freunden) auf einem kleinen Herren-Tagestörn seglerisch unterwegs. Für mich neu war, dass es einen sogenannten Parasailor, also einen Spinnaker mit „Lüftungsklappe“ gab. Dieses Vorwindsegel soll einige positive Eigenschaften vereinen und deshalb war ich doch sehr gespannt, wie es funktioniert, und ob es auch das tut, was es soll.

Der Parasailor steht

Mit Rainers schlanker und schöner X-Yacht  ging es morgens raus aufs Meer, dank sorgfältiger Vorbereitung ging das Vorwindsegel schnell am hohen Mast nach oben. Ich schreib jetzt einfach mal ein paar Punkte auf – wertungsfrei – die mir beim Parasailor aufgefallen sind.

  • Dieser Spinnaker wird ohne das Großsegel gesetzt, und hat einen Bergeschlauch mit aufblasbarem Kragen, der für freundlichere Stauraummasse sorgt, als Segel mit einem festen Bergekragen.
  • Der Spi kommt ohne Spibaum aus und wird mit doppelten Spischoten gefahren, wobei eine der beiden Leinen als Niederholerleine benutzt wird.
  • Der Spi steht extrem ruhig und hat keine Tendenz zum Wandern oder „Tanzen“.
  • Man muss es richtiggehend provozieren, den Spi durch falsche Steuermanöver oder Kursänderungen zum Einfallen zu bringen. Geht man auf den Ursprungskurs zurück, entfaltet sich das Vorwindsegeli unspektakulär, also ohne dass das Segel knallt.
  • Wir konnten bis zu wahren 100 Grad an den Wind anluven.
  • Das Bergemanöver ist simpel.
  • Ein weiterer Vorteil soll sein, dass der Bug entlastet und durch diese Art von Spi nach oben gezogen wird, was ein Abtauchen in die vorauslaufenden Wellen verhindern soll.
  • Das Segel kostet fast das Doppelte eines normalen Spinnakers.

Das Boot segelt ja schief!

Nachdemwir an Los Lobos vorbei waren, ging der Spinnaker runter, die Amwind-Garderobe nach oben und die X-Yacht tat genau das, wofür das Schiff konstruiert ist: Wie an einem Lineal gezogen,geht es hoch am Wind zurück nach Puerto Calero, ein wahres Segelvergnügen. Leider war es auf den letzten Meilen so ein bisschen wie mit den vielen Köchen, die den Brei verderben, auch mit den vier Kapitänen an Bord. Trotz der geballten Kompetenz hatten wir nicht bemerkt, dass ein Salonluk leicht offen stand, und der übers Deck waschende Seegang seinen  Weg nach innen gefunden hatte und dort für salznasse Polster und Möbel im Salon gesorgt hatte. Des Skippers Frau nahm es gelassen auf, dass wir ihr schwimmendes Zuhause ein bisschen eingenässt hatten. Schwein gehabt!

Die Konstruktionszeichnung

Unser Reserveautopilot geht nach der Planung in die nächste Stufe der Realisierung, wir sehen dem mit Spannung und Neugierde entgegen. Nächste Woche soll der Einbau stattfinden, Fingers crossed!

Dave at work

Vielleicht können wir noch vor unserem Weihnachts-Rückflug nach Deutschland, einen kleinen Testschlag zum ausprobieren machen, das wäre klasse!

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Der erste Regen seit März …

Morgenstimmung über Calero

… fällt aus einem dichten wolkenbehangenen Himmel und die Menschen laufen fröhlich lächelnd unter dem ersehnten Nass hindurch. Acht lange Monate hat es auf Lanzarote nicht geregnet, keinen Tropfen und dementsprechend staubtrocken ist es besonders im südlichen Teil unserer Lieblingsinsel.

Von den Touristen wurde das Regenwetter sicherlich nicht herbeigesehnt, die wollen ja in aller Regel dem kühlen-spätherbstlichen Nordeuropa entfliehen und die Sonne des Südens genießen. Wir erfreuen uns mit den Einheimischem an dem Wetterwechsel.

Adventskalender für die Eltern!

Die Weihnachtsdeko haben wir, kurz vor dem ersten Advent, aus der Bilge herausgekramt und die liebevoll verpackten kleine  Adventskalenderpräsente von Larissa liegen auch schon, schön drapiert, im Salon. Vielen Dank dafür, liebe Larissa! Der Jahreszeitenwechsel kann kommen. (Bei Lidl in Puerto del Carmen gibt es sogar schon jetzt ein großes Regal mit Plätzchen, Stollen und echten Weihnachtssternen!)

Die Capitania räumt aus, katalogisiert die Vorräte und räumt sie dann wieder ein

Cornelia hat in den letzten Tagen Staulisten erstellt und sämtliche Lebensmittel, die jetzt schon an Bord sind, in Tabellen zusammengefasst. Einiges ließ uns staunen, denn wir hatten nicht gedacht, dass wir insgesamt 17 Tuben und Dosen Tomatenmark, 15 Fertiggerichte oder 12 Päckchen Nudeln bereits an Bord haben. Da hat sich wohl einiges in den letzten Monaten oder Jahren angesammelt, was ja auch Vorteile hat, da wir nicht mehr viel verproviantieren müssen vor dem Start unserer  karibischen Reise. Leider mussten wir auch ein paar Lebensmittel entsorgen, was uns einigermassen schwerfällt, da die zum Teil schon seit Ewigkeiten abgelaufen waren. Einsamer Spitzenreiter war eine Packung Grießbrei, deren MHD mit 12/2014 angegeben war, also dem Beginn unserer Reisezeit mit der Dehler 41. (Wahrscheinlich ist es schon zweimal umgezogen, wir hatten es sicher auch damals auf der Dehler 39!)

Stauraum in der Backbord-Bilge …

… und an Steuerbord

 

 

 

 

 

 

 

Aber nicht nur die Vorräte hat Cornelia erfasst, als gemeinsame „Paararbeit“ haben wir alle Stauräume und Kisten leergeräumt, sortiert und in die oben erwähnte Tabelle eingetragen. Alles ist jetzt also schön an seinem Platz nachvollziehbar gestaut.

Da heute Donnerstag ist, freuen wir uns schon wieder auf den Freitag, denn da feiern wir nun schon fast traditionell das Ende der Woche (weil die ja so stressig ist unter Reisenden…) mit lieben anderen Seglern aus dem Hafen bei uns an Bord. In fröhlicher Runde lassen wir dann die abgelaufene Woche Revue passieren, trinken ein paar Gläser zusammen und essen eine Kleinigkeit. Morgen will Bernd von der der deutschen Yacht „Hulla Poro“ auf der Hexe für alle Paella kochen, wir sind freudig auf das Resultat gespannt.

Eine Megayacht beim Zwischenstop auf dem Weg in Karibik

In der nächsten Woche wird dann hoffentlich im lokalen Metallbetrieb der Haltearm für die Reserve-Selbststeueranlage erstellt, außerdem warten wir leider noch immer auf den Krantermin für unseren Katamaran, damit wir das bereits zweieinhalb Jahre alte Antifouling erneuern können.

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Windpoker

Kein Wind in Sicht

Die Windvorhersagen für die nächsten Tage sind sehr unterschiedlich, sowohl was die Gebiete, die Windrichtungen und die -stärken angeht. Im Moment ist es fast windstill, die RC44-Regatta am Wochenende konnte nur ein paar Läufe durchführen.

Die Punkte sind die Boote

Auf dem Atlantik ist ganz schön viel los, wie meist im November, denn dann starten die ersten Törns in die Karibik.

Auch die GLYWO, das ist eine dreijährige Weltumsegelung, veranstaltet von Grand Large, der Mutterfirma unseres Bootsbauers Outremer, hat südlich der Kanaren wenig Wind. Einige von unseren Freunden und Bekannten nehmen teil, und beim Start in Teneriffa sah die Windsituation sehr mau aus.

Ursprünglich wollten wir hier mitsegeln

Die ARC+, die Atlantic Rallye for Cruisers mit Zwischenstop auf den kapverdischen Inseln, an der wir ursprünglich auch teilnehmen wollten, ist nach der ersten Etappe von Las Palmas nach Mindelo auf den Kapverden gestartet Richtung Grenada in der Karibik. Dort unten weht ein leichter Wind aus Nordost.

Die Teilnehmer der anderen ARC, die direkt in die Karibik fährt, ohne Stopover auf den Kapverden, sind ebenfalls gestartet. Im Moment herrscht auch dort wenig Wind. Wenn man den Vorhersagen glauben kann, kommt dann ein Südsturm, der anschließend auch noch auf West dreht, das sieht nach einer, zumindest am Anfang, anstrengenden Überfahrt in die Karibik aus. Wir werden das weiter beobachten.

Abendstimmung über dem glatten Meer

Wir aber genießen weiterhin die Sonne und die Wärme von Lanzarote, ohne kühlen Wind, und bereiten uns mit allerlei Arbeiten am und im Boot auf unsere Reise vor.

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Tatsächlich zurück auf der Insel

endlich zurück

Mit zwei Monaten Verspätung – am 3.9. wollten wir zurückfliegen, am 11.11. war es dann tatsächlich soweit – sind wir wieder an Bord.

Dichter Nebel am Frankfurter Flughafen

Nach einem sehr angenehmen Flug sind wir – mit fast einer Stunde Verspätung – in der Sonne von Lanzarote gelandet. In Frankfurt sind wir bei dichtem Nebel gestartet, und bald waren wir über den Wolken. Schon über Mainz wurde die Sicht viel besser,

Die Windräder über dem Hunsrück

über dem Hunsrück konnten wir die zahlreichen Windräder sehen, und der kommunikative Kapitän machte uns Passagiere auch immer wieder auf die unter uns liegenden geographischen Besonderheiten aufmerksam.

die nordfranzösische Küste

Wir überflogen Nantes und die nordfranzösische Küste, dann in südlicher Richtung über die Gironde-Mündung zu den Pyrenäen, entlang der portugiesischen Küste bis Sagres, nahe dem Cabo San Vicente, dem südwestlichsten Punkt Europas. Übrigens, das Bier aus Sagres trinkt Volker sehr gerne bei unserem Lieblingsportugiesen in Darmstadt (Grüße an Maria und Blaise).

La Graciosa im Norden von Lanzarote

Ab dort gab es nur Meer zu sehen, erst kurz vor der Landung konnten wir La Graciosa erkennen, die kleine Insel im Norden von Lanzarote.

In Frankfurt sind wir schon mit einer Stunde Verspätung gestartet, weil es kein Transportmittel für zwei Rollstuhlfahrer gab, nach dem Start hat der Kapitän den Turbo eingeschaltet, und wir sind nur eine halbe Stunde zu spät in Arrecife gelandet. Aber dann fehlten die Bremsklötze für die Maschine, und schließlich noch die Treppen, am Ende war es dann doch über eine Stunde später, vielen Dank fürs Abholen und die Geduld, Gerd!

Endlich an Bord

In Calero liegt die Hexe seit einiger Zeit auf einem anderen Liegeplatz, und wir mussten halb um den Hafen fahren, bis wir vor dem Boot ankamen. Nun sollten noch die schweren Taschen mit unserem Reserve-Autopilot samt aller Elektronik und die Kleider und die Medizin und die neuen Schuhe für die Capitania, etc. aufs Boot getragen werden. Nach einem Glas Wasser war Gerd verschwunden und wir haben alles ausgeräumt und verstaut.

Der erste Vermejo im Upperdeck

Mezza luna über Puerto Calero

Am Abend genießen wir den Ausblick aus unserer Lieblingsbar, dem Upperdeck, und fallen um 22 Uhr, das ist 11 Uhr abends in Deutschland, müde ins Bett.

Am nächsten Vormittag kommt Ulrike mit Nelly an Bord, Nelly, die alte Hundedame führt einen Veitstanz auf, als sie uns endlich wieder sieht, und als sie wieder an Bord ist, rennt sie wie ein Derwisch von einer Ecke in die andere und tanzt förmlich im Cockpit, wie ein junger Hund. Wir freuen uns auch sehr, Ulrike und Nelly wiederzusehen, allerdings geben wir unserer Freude doch eher mit verhalten-wohlerzogenem nordeuropäischem Temperament Ausdruck.

Volker der Held hat meine Brille gerettet

Mittags will ich Nelly vom Boot tragen, damit Ulrike, die mit ihrer Hüfte auf der steilen Treppe schon genug Probleme hat, mit ihr spazieren gehen kann, nehme voller Übermut die letzte Stufe nicht, und falle – mit Nelly auf dem Arm – auf den Steg. Mein einziger Gedanke gilt dem Hund, ich halte Nelly hoch, damit ihr nicht passiert, und falle so ungünstig, dass sich meine Brille verabschiedet und ins Meer baden geht. Glücklicherweise kommt sie auf einem der großen Steine zum Liegen, aber zu tief, als dass man sie vom Steg aus erreichen könnte. Und natürlich ist Volker, ohne Telefon, unterwegs in der Marina, um Freunde auf anderen Booten wiederzusehen. Da niemand da ist, der uns einen so langen Käscher leihen kann, ziehe ich meinen Badeanzug an, und will gerade, mit Taucherbrille bewaffnet, todesmutig ins Wasser steigen und darunter tauchen, als Volker doch angeradelt kommt, und mich – und meine Brille – rettet.

Die Damenrunde

und die Herrenrunde ohne Volker

Zum Apéritif kommen neue und alte Freunde zu Besuch, es wird ein wunderbar fröhlicher Abend mit schönen Gesprächen, die Lust auf mehr machen. Lustig, ganz schnell haben sich zwei Gruppen gebildet, fünf Männer reden über Boote, das Segeln und die Technik dazu, vier Frauen über das Leben an sich und ihre Erlebnisse mit und ohne Boot.

krank im Bett

Am nächsten Morgen bricht bei mir eine doofe Erkältung mit trockenem Husten aus, die sich vorher schon leicht mit Halsweh angekündigt hat, aber vollkommen ignoriert wurde (nein, kein böses C., das habe ich zweimal getestet!). Leider ist es auch kein TMS, da ich ja damit begonnen habe. Aber da ich ja ein großzügiger Mensch bin, habe ich die nervige Erkältung mit Volker geteilt, der darüber zwar gerade erfreut war, sich aber nicht wehren konnte. Allerdings ist es besser, hier, als im kalten Darmstadt erkältet zu sein, hier kann man auf jeden Fall immer an der frischen Luft sein.

Das Bild muss man vergrößern, um die Regentropfen zu finden

Eben kamen aus einer dunklen Wolke ein paar Regentropfen, aber die konnte man zählen.

So, liebe Freunde, das war jetzt ein langer Bericht, aber wir sind so froh, wieder an Bord zu sein, dass ich nicht nur meine Erkältung, sondern auch die schönen Momente der ersten Tage auf der Insel teilen und mitteilen wollte …

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