Autor: Hexymama

  • Nach Madeira, Tag 2

    Sonntag Abend, 27.06.2021, Baro 1019, kurz vor Sonnenuntergang, Wind NW (endlich) um 12-14 Knoten

    22:00 Uhr Cap Finisterre – das Ende der Welt – liegt an Backbord querab, die Sonne geht hinter einem Wolkenband unter, die See ist schön flach, das ist sehr angenehm für mich, der Skipper hätte gerne noch etwas, oder auch viel mehr Wind, ich bin zufrieden mit 11-12 Knoten aus 125°, die Hexe fährt mit 7-8 Knoten, aber klar, so etwas ist für die Mädels….

    23:30 Uhr: Sehr vorausschauend sieht der Skipper, dass da ganz dunkle Wolken von hinten aufziehen, und bei der Wetterlage mit dem Sturm über der Biscaya ruft er mich glücklicherweise, damit wir ein Reff ins Großsegel binden. Beim Durchholen der Großfalls gibt es einen schrecklichen Ruck, und wir suchen nach einem kaputten Fall. Wir denken, dass das Großfall gerissen ist und bergen vorsichtshalber das Segel. Dabei sieht Volker, dass es wohl nur der Gurt war, der Reff 1 einbindet, und nicht etwa die Leine von Reff 1 oder die Großschot oder sonst irgendetwas Schreckliches, was im Dunkeln schwer zu finden und zu reparieren ist. Von dem Gurt gibt es noch einen heilen, zwei von dreien sind gerissen oder angerissen, da müssen wir uns was ausdenken.

    Froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist, setzen wir das Groß im ersten Reff, rollen die Genua aus, und fahren erst einmal mit beiden Motoren vor den dunklen Wolken weg. Nach einer Weile meint der Skipper, dass sie sich auflösen, und es dahinter wieder heller wird, die Motoren sollen aus, wir segeln, jetzt zwar leicht gebremst mit dem Reff im Großsegel, aber so ist das in Ordnung, und wir sehen, ob hinter den Wolken noch mehr Wind kommt.Ich bin ganz stolz auf meinen umsichtigen Skipper!

    Montag, 28.06.2021, 00:00 Uhr, Baro 1021, Wind NW 12-14 Knoten.
    Der Wind bleibt stabil, wir auch, Volker ruht oben auf der Couch, mit Ipad als Repeater des Navigationsbildschirms und dem Handy als Wecker. Alle 10-15 Minuten rappelt das Ding, Volker ist hellwach und schaut, was sich da draußen so tut.

    04:00 Uhr, der Wind hat aufgefrischt auf 19-24 Knoten, wir werden immer schneller. Die Windmodelle raten alle von dem ganz direkten Weg nach Madeira ab, weil weiter draußen der Wind nachlässt, und er an der Küste längs bis Lissabon stabil aus NNW mit 15-20 Knoten wehen soll. Im Moment stimmt das auch, wir haben nur die Route so gesetzt, dass wir hier an der spanisch/portugiesischen Küste nicht unter einer Wassertiefe von 500-1.000 Metern fahren, weil da keine, nachts einfach unsichtbaren, Fischerbojen auf unserem Weg liegen. Nach Santiago de Compostela sieht man auf einmal ganz viele Frachter auf unserer Backbordseite, und zwischen uns und dem Land tummeln sich die Fischerboote. Gut, dass wir so weit draußen sind, den Fischern müssten wir auf jeden Fall ausweichen.

    Um 06:30 Uhr bin ich wieder wach, und hoffe, dass Volker jetzt mal ein bisschen länger am Stück schlafen kann als immer nur die 15 Minuten, bis das Handy wieder klingelt. Der Wind hat nachgelassen auf ca. 15 Knoten, wir fahren leider nur noch 6-7 Koten. Gerade als ich das erste Mal heute morgen auf den Navigationsbildschirm schaue, begegnet uns in über zwei Meilen Entfernung ein Segelboot, Solosegler „Corum“ mit einer Länge von 18 m, und einer Breite von 6 m. Durchs Fernglas kann ich das leider nur schemenhaft erkennen, aber es sieht aus, als habe er sehr dunkle Segel, und er fährt beeindruckende 10 Knoten Geschwindigkeit auf einem Amwindkurs. Das muss ja ein Racer sein! (Der Skipper meint später fachmännisch, dass es ein Open 60 ist.)

    Mit dem eher roten Sonnenaufgang um 07:20 kommt auch der Wind wieder, die Wellen hinter uns haben weiße Schaumkrönchen, der Windanzeiger zeigt 17-20 Knoten an. Als der Skipper erwacht, versuche ich gerade, den Baum-Preventer etwas fester zu setzen, aber das gelingt nicht wirklich gut, denn das eine Seil geht an der geknoteten Stelle auseinander, und jetzt habe ich drei Teile in der Hand, und kann sie nicht mehr gut halten, geschweige denn zusammen knoten.

    Wir halsen um 08:40, reffen die Genua aus, um 09:30 ebenfalls das Großsegel, der Wind weht nur noch mit 14-16 Knoten, so fährt die Hexe angenehmer und wir kommen dennoch voran. Um 10:00 Uhr zur Funkrunde auf Intermar kann ich Uwe gut verstehen, er mich wohl auch leidlich, auf jeden Fall hat er unsere Position und wir die Bestätigung, dass wir auch weiterhin hier an der Küste nördliche Winde mit 4-5 Beaufort haben werden. Das sagen auch meine Gribfiles in Zygrib, die ich heute morgen über die Kurzwelle geholt habe, wir müssen nur sehen, dass wir nicht zu weit vom Land weg kommen, denn da nimmt der Wind ab.

    Der Hefeteig für die Frühstücksbrötchen ist angesetzt, ich bin jetzt auch schon geduscht, weil wir nach der Halse für kurze Zeit den Motor mitlaufen hatten, und das Wasser warm ist. Wenn der Skipper dann auch geduscht hat, nach einem kleinen Morgenschlaf, schließlich hat er die ganze Nacht immer nur 15 Minuten am Stück geschlafen, dann gibt es ein leckeres Frühstück, und wir sind gerüstet für den Tag.

    11:00 Uhr, Baro 1020, sonnig, Wind weiterhin NNW.
    Das Tagesetmal beträgt 166 sm, wenn wir mit der Geschwindigkeit weiter fahren, sind wir morgen um diese Zeit vor Lissabon, vielleicht haben wir da noch einmal ein Telefonnetz, dann geht es auf das große Meer Richtung Madeira.Im Moment ist die See ganz flach, wir segeln bei 14-15 Knoten Wind Richtung Küste, bevor wir bei der 1.000-Meter-Tiefenlinie wieder halsen werden, um auf den günstigeren Kurs zu gehen.

    13:00 Uhr wir haben gespätstückt, naja um eins kann man ja wohl kaum von Frühstück reden, mit selbst gebackenen Brötchen, draußen (obwohl ich erst Bedenken hatte, dass es viel zu kalt sei, war es sehr angenehm warm), vorher gehalst, und nun schaukeln wir so über das wellige Meer. Da macht man ganz automatisch die Sportübungen für Gleichgewicht und Haltung, sehr praktisch.

    14:00 Uhr, der Skipper geht endlich mal richtig schlafen, runter, in die Koje, da hat er mehr Ruhe und ich muss nicht ganz leise sein.Ich versuche mich an den verschiedenen Wetterberichten, die ich über die Kurzwelle empfangen kann, Matthijs hat eine Einschätzung der Lage bei uns geschickt, auch er ist der Meinung, dass wir nicht zu früh den direkten Weg nach Madeira nehmen sollten, sondern so einen kleinen östlichen Bogen fahren. Das sagen meine Gribfiles auch.

    18:00 Uhr, Baro 1023, der Wind hat wieder ein bisschen aufgefrischt, aber die Wellen bleiben bei ca. einem bis anderthalb Meter. Die Sonne hat sich auch getraut, und ein paar weiße und ein paar hellgraue Wolken sind rund um uns am Horizont. Wir diskutieren die möglichen Strategien für die nächsten Tage Richtung Madeira, ob wir den Vorhersagen ganz trauen sollen, und den Umweg fahren, der aber leider ein Vorwindkurs ist mit mehreren Halsen und außerdem länger, oder ob wir doch den fast direkten Weg nehmen, dafür einen besseren Kurs zum Wind haben, eventuell weniger Wind, aber den Kurs könnten wir dann mit dem Code D segeln, das würde wiederum mehr Geschwindigkeit bedeuten.

    Jetzt fahren wir einfach weiter auf Kurs 208°, der Wind bleibt stetig zwischen 15 und 20 Knoten, zum Abendessen im Cockpit gibt es Risotto, mit einem saftigen Stück Fleisch für Volker und dem letzten Stück von unserem Thunfisch für mich. Menschenskinder, war der Fisch lecker! Ob roh als Ceviche, gegrillt auf dem Lotus oder im Risotto wie heute, so einen leckeren Thunfisch habe ich, glaube ich, noch nie gegessen.

    Nach dem Abendessen setzen wir uns zum Sonnenuntergang nach oben, genießen die ruhige See mit ihren langen Wellen und philosophieren über die weiteren langen Törns, die wir dieses Jahr noch vorhaben. Morgen Abend werden wir „Bergfest“ feiern können, das wird die Hälfte der Strecke von A Coruna bis nach Madeira sein. Wenn alles gut geht, sollten wir in der Nacht vom 1. auf den 2.Juli in Porto Santo ankommen. Die 300 Meilen von Madeira bis Lanzarote, die dann noch vor uns liegen, fühlen sich wahrscheinlich wie ein Katzensprung an.

    Und im November geht es dann richtig los. Von Gran Canaria bis zu den Kapverden sind es ein bisschen mehr als 800 sm, und von dort bis Grenada über 2000 sm. Da muss man vorher schon gut eingekauft haben, und ordentlich gestaut. Und auch die Lektüre muss bedacht werden, denn auf solchen Seereisen hat man, wenn man nicht in einen Sturm gerät (und wer will das schon?), ziemlich viel Zeit. Keine Mails, kein Internet, keine Nachrichten, vielleicht ab und zu ein Schwatz auf der Kurzwelle, ja, und klar, die kurzen Mails und Wetterberichte über das Kurzwellenprogramm. Aber das ist auch nicht tagesfüllend. Also üben wir jetzt schon mal…

    Um 21:16 Uhr ist Sonnenuntergang, aber nach westeuropäischer Zeit, und unsere Uhren stehen noch auf mitteleuropäischer Zeit, damit wir nicht ganz wirr im Kopf werden, stellen wir sie erst bei der Ankunft in Porto Santo um. Also jetzt, um 21:45 scheint die Sonne noch, das Barometer steht weiterhin auf 1022. Am Himmel stehen ein paar kleine Wölkchen, der Wind kommt mit 16-20 Knoten aus NNO. Hoffen wir mal, dass es eine gute Nacht wird, in der wir weiterhin schön voran kommen, ohne größere Reff- und Ausreff-Aktionen.

    Bis morgen!

  • Nach Madeira – Tag 1: On the sea again!

    Sonntag, 27.06.2021, Baro 1016, leicht bewölkt und sonnig, Wind W um 4
    A Coruna 10:45
    Kurzentschlossen entscheidet der Skipper, dass wir schon heute losfahren, Richtung Porto Santo, der Wind scheint günstig zu sein, und außerdem fahren Rob und Abel von der Liberté heute auch los, also was sollen wir da noch in der Stadt?! Wir hatten eine sehr schöne Zeit hier in A Coruna, noch einen Tag mit Matthijs und den beiden von der Liberté, und gestern auch noch ein gemeinsames Abendessen mit Rob und Abel, denn wir mussten wir ja den großen Thunfisch verspeisen, und einen späten Ausflug in die Altstadt, den wir alle sehr genossen haben.
    Der Wind schien günstig zu stehen für eine Fahrt nach Porto Santo, insgesamt nicht mehr als 22 Knoten, Nord bis Nordwest und eine Wellenhöhe von nicht mehr als zwei Metern. Die Wellenhöhe mag ja stimmen, aber der Wind kommt eher aus WSW, denn aus Nordwest. Also motoren wir halt erst einmal gegenan und warten auf die Versprechen des Wetterberichtes.
    Ab 14 Uhr dreht der Wind tatsächlich ein bisschen. Zuerst haben wir um 13:00 Uhr ein Reff ins Großsegel gebunden, weil der vorliche Wind ordentlich aufgefrischt war, und ganz dunkle Wolken auf uns zukamen, dann kam ein ergiebiger Regenschauer, mit dem der Wind nachließ, jetzt – dreht der Wind, etwas weiter in die gute Richtung, wenn wir an der „Punta Pendurada“ mit der vorgelagerten Insel „Sisarga“ vorbei sein werden, können wir hoffentlich segeln. Die Liberté ist uns dicht auf den Fersen, am Anfang haben sie wohl versucht zu kreuzen, aber jetzt sieht es so aus, als ob sie motorsegeln so wie wir.
    Um das Cap herum macht der Wind gerade, was er will, er dreht wieder voll auf die Nase, anstatt sich mal Richtung Nordwest einzupendeln. Glücklicherweise, zumindest für meine Stimmung, scheint inzwischen wieder die Sonne, hoffen wir mal, dass der Windeinfallswinkel demnächst auch für eine entspanntere Stimmung beim Skipper sorgt.
    Auf Kanal 16 kommt eine „Gale warning“, die mich völlig aus dem Ruder bringt, natürlich habe ich keine Lust auf Windstärken bis 8 Beaufort! Und obwohl dieser Mensch jetzt ausnahmsweise mal langsamer spricht als die anderen am Mikrofon auf 16, verstehe ich nicht genau, wo das sein soll. Ich suche sofort in der Seekarte eine geschützte Bucht, in der wir dem Sturm entfliehen könnten. Volker sieht meine Besorgnis und da wir noch Netz auf den Handys haben, fragt er mal seine Segelfreunde, was denn die Windwarnungen im Netz so sagen für die spanische Westküste. Schließlich kann er mich überzeugen, dass da ein Sturmtief oberhalb von A Coruna in der Biscaya liegt, das heute am späteren Abend durchzieht, und nicht hier bei uns an der Küste. Schließlich finde ich es auch noch auf Windy und bei Windfinder, da sieht man schön, wie das Tief an Nordspanien vorbei Richtung Nordosten zieht.
    Rob und Abel sind gut zehn Meilen hinter uns, leider verliert ihr Motor immer noch Öl an der Motorkupplung, und sie beschließen, eine Nacht in der Bucht von Malpica zu verbringen. Wir motorsegeln weiter, und hoffen, dass irgendwann der Wind nordwestlicher dreht und ein bisschen, nur einbisschen (!!!) zunimmt, dann können wir auch richtig segeln.
    19:30 Uhr, der Wind hat gedreht! Nun weht er mit ca. 10 Knoten aus NW, das heißt Halbwind für uns, der Motor kann aus, und wir segeln! Und es bleibt auch noch um 20:45 Uhr so, nicht wir vorhin, als wir andauernd Genua ausrollen, Genua wegrollen gespielt haben. Nun sind es weiterhin zehn Knoten, mit einem Windeinfallswinkel von 100°-110°, das erfreut des Seglers Herz.
    Zum Abendessen gibt es lecker Bratkartoffeln, mit Würstchen für den Skipper, mit dem Rest vom Ceviche für mich, beide sind zufrieden, und nun schauen wir mal, was die Nacht uns noch bringt.

  • Über die Biscaya, Ankunft in A Coruna

    Von Camaret-sur-Mer nach A Coruna, Mittwoch 06:00 – Freitag 08:00 Uhr, 381 sm

    Hier noch die allerletzten Details für die Überfahrt:

    23 :30 Uhr: Reff 1 im Großsegel und in der Genua wird eingebunden, der Wind war deutlich über 20 Knoten und wird spitzer. Im Laufe der Nacht nehmen Wind und Wellen zu, Volker refft die Genua noch weiter, wir pflügen mit beeindruckenden Geschwindigkeiten durch die See, Matthijs hat Spitzengeschwindigkeiten von über 16 Knoten gemessen, und ganz oft läuft das Boot mit 12 Knoten dahin. So kommen wir schnell durch die Nacht, ich werde wach, weil die Wellen plötzlich weg sind, und das Boot viel ruhiger segelt. Nur geht mit den Wellen leider auch der Wind weg, damit auch dir Geschwindigkeit. Nach einer Zeit hat Volker die Faxen dicke und wir fahren die letzte Stunde unter Maschine.

    Um 08.00 Uhr laufen wir in den Real Club Nautico in A Coruna ein, nach 50 Stunden auf See und 381 Meilen, ein freundlicher Marinero nimmt uns in Empfang an dem reservierten Liegeplatz auf steg Nr. 8.

    Die kurzen Hosen werden aus dem Schrank geholt, das Boot vom Salzwasser befreit, zum Frühstück genießen wir die südliche Sonne, und nach einem kleinen Vormittagsschlaf werden wir, trotz Maskenpflicht, in die Stadt gehen. Ab Morgen fällt diese Verordnung, dann können die Menschen draußen ohne Masken rumlaufen.

  • Über die Biscaya, dritter Teil, Petri Heil!

    Es bleibt so mit dem Wind, Nord 3-5 Beaufort, 10–16 Knoten, der Gennaker zieht, die See ist tief, die Wellen eher flach, wir kreuzen weiterhin vor dem Wind. Endlich habe ich auch einen brauchbaren Wetterbericht über ZyGrib bekommen, in den Details ist noch ein bisschen Arbeit, aber man kann damit weiter kommen. Es gibt keinen Sturm, eher weniger Wind, und die Richtung bleibt so, vielleicht, wenn wir Glück habe, dreht der Wind ein Stückchen weiter auf Nordwest. Die Stimmung an Bord ist gut, der Käptn schläft endlich mal, wenn er aufwacht, gibt es ein ordentliches Frühstück.
    Das üppige Frühstück haben wir alle drei sehr genossen, in der Sonne und windgeschützt ist es auch angenehm warm. Die See ist flach, der Wind mit um die 15 Knoten genau richtig, wundersam ist nur, dass es offensichtlich keine Strömung mit uns gibt, der Geschwindigkeitsanzeiger zeigt bei dem Speed durchs Wasser immer ein bisschen mehr an als beim SOG, der Geschwindigkeit über Grund.
    Gerade schreibe ich hier so schön, die beiden Skipper schlafen, da kommt ein ganz komisches Geräusch, so ein helles Klingeln. Ich denke zuerst, es ist der Hydrogenerator, der irgendetwas gefangen hat. Aber nein, das war die Angel, die etwas an der Leine hat. Volker stürzt raus, ich wecke Matthijs, das muss etwas ganz großes sein, denn die beiden Männer kämpfen mit der Angel, um die Leine einzudrehen. Der Gennaker muss geborgen werden, sonst ist das Boot zu schnell, und der Fisch zu schwer.
    Und tatsächlich, als die beiden unter gemeinsamer Anstrengung die Angelschnur fast am Boot haben, kann man sehen, dass es ein richtig großer Fisch sein muss. Und tatsächlich, es ist ein Blauflossen-Thunfisch, den wir an der Angel haben. Wir bedanken uns bei ihm, er bekommt unseren besten Cognac hinter die Kiemen, und Matthijs zerlegt den Fisch fachmännisch. Das Tier wiegt bestimmt sieben Kilo, hoffentlich kommen Rob und Abel schnell nach A Coruna, oder wir geben der freundlichen Hafenmeisterin vom Real Club Nautico etwas ab, das können wir gar nicht alleine essen, zumal Volker ja keinen Fisch isst. Ich beginne gleich mal mit einem kleinen Ceviche-Rezept, den rohen Fisch mit Zwiebeln und Zitronenscheiben einzulegen, als Vorspeise für morgen. Außerdem müssen wir natürlich nachher grillen, und dann gibt es, zumindest für Matthijs und mich, Thunfischsteak satt.
    Und der Thunfisch war unglaublich lecker, wir können ja nun keinen Alkohol trinken vor der für diese Etappe letzten Nacht auf See, sonst hätten wir dem großartigen riesigen Thunfisch mit einem Glas Champagner gedankt.
    Noch vor dem Essen hat der Wind weiter aufgefrischt, der Gennaker wird geborgen, die Genua ist die bessere Wahl für Windstärke fünf. Glücklicherweise ist die See immer noch flach, so ist es ein angenehmes Segeln. Mit Sonnenuntergang kommen ein paar Wolken, mal sehen, wie es morgen früh aussieht. Und wenn alles so gut geht wie von den Wetterberichten her zu vermuten, werden wir morgen sehr früh im Real Club Nautico von A Coruna einlaufen, nach einer hoffentlich ereignislosen Nacht. Die spanische Gastlandflagge haben wir schon gehisst. Buenas noches, amigos!

  • Über die Biscaya, zweiter Teil

    Mittwoch 23.06. – Donnerstag 24.06.2021

    18:00 Uhr, zunächst wundern sich die beiden Skipper, dass die Hexe so langsam segelt, vielleicht, so meinen sie, haben wir Kraut gefangen im Ruder oder an den Schrauben. Also werden die Motoren angeschaltet, die Hexe mal im Kreis gedreht und dann kurz rückwärts gefahren, damit sich die anhängenden Meereskräuter lösen.
    Der Wind nimmt zu, er geht auf 18 – 20 Knoten, aber leider scheint die Strömung immer noch gegenan zu stehen.
    19:45 fangen wir an, das Abendessen zu bereiten, Volker kocht heute mit Vorspeise: Farce bretonne, sowas wie Hackfleisch von Schwein und Kalb mit Lauch, Karotten und Tomaten, dazu eine Scheibe Baguette mit Salz und Olivenöl, sehr lecker, zum Hauptgang gibt es klassisch Schweinelendchen mit Champignonrahmsoße und Nudeln, auch fein.
    Nach den harten Aufgaben heute darf auch mal der Käptn schlafen, um 21:00 Uhr legt er sich hin und schläft auch bald danach. Sowohl Matthijs als auch ich hatten einen Mittagsschlaf, ich habe gut anderthalb Stunden geschlafen, das war sehr erholsam.

    23:30 Uhr: Inzwischen ist auch der Käptn wieder aufgetaucht, erholt nach einem kurzen Schlaf. Jetzt ist es dunkel, bis auf den fast vollen Mond, der heute, endlich mal wieder, an einem wolkenlosen Himmel steht und für einen hellen Streifen über dem östlichen Meer sorgt. Dadurch wird die Nacht nicht ganz so dunkel sein. Hier weit draußen auf dem Atlantik ist das Meer mehr als 4000 m tief, das sind über vier Kilometer Wasser, die da unter uns sind! Ein beeindruckender Gedanke, und ich stelle mir vor, welche Tiere wohl da unten in völliger Dunkelheit leben mögen.
    Um uns herum gibt es nicht viele Schiffe, vereinzelt kommt mal ein Frachter oder ein Tanker vorbei, und ein großes, 17 m langes Segelboot, die „Wappen von Bremen“ fährt mit ungefähr der gleichen Geschwindigkeit vor uns her und taucht ab und zu im AIS auf. Ansonsten ist es sehr ruhig um uns herum.
    Nach langem Probieren habe ich vorhin tatsächlich mal einen Wetterbericht über SSB bekommen, dann kann ich das am Morgen noch einmal probieren, damit wir für die etwas längere Fahrt von A Coruna nach Porto Santo gerüstet sind.

    06:00 Uhr: Die Nacht war eher ruhig, der Wind hat immer weiter abgenommen, und heute morgen gab es einen wunderschönen Sonnenaufgang. Ich habe gut geschlafen, immer so drei Stunden lang, dann hab ich kurz nach oben geschaut und weitergeschlafen. Volker hat den großen Teil der Nachtwache übernommen, da es sehr ruhig war konnte auch er immer mal kleine Kurzschlafeinheiten einlegen.

    Nach der Halse haben die beiden Skipper wieder den Gennaker gesetzt, es bleiben noch 174 sm bis A Coruna, wir haben um die 11 – 13 Knoten Wind , die Wellen sind flacher geworden, und ich versuche mich noch einmal an dem Wetterbericht. Mal sehen, was der Tag so bringt.

  • Nach A Coruna, erster Tag

    Mittwoch, 23. Juni 2021, Baro 1025, sonnig,
    Wind NNO um 4

    Um 05:45 klingelt der Wecker. Trotz des üppigen, sehr sehr leckeren Abendessens von gestern in geselliger Runde sind wir alle drei fit und freuen uns auf die Fahrt, denn die Sonne ist endlich da, sie geht gerade hinterm Horizont auf.

    Der halbe Hafen ist auf den Beinen,unser spät gekommener französischer Nachbar mit der schönen Halberg Rassy fährt raus, auch die ältere Outremer 55 legt mit voller Mannschaftstärke, ordentlich angezogen, in Ölzeug und
    Schwimmwesten, mit einem kunstvollen Springleinenmanöver ab. Dann sind wir an der Reihe, der Weg durch die Steggasse ist endlich frei und um kurz nach sechs Uhr sind wir aus dem Hafen raus.

    Mit meinen zwei Profiskippern an Bord muss ich wenig tun, außer mich um die Navigation zu kümmern. Mit zwei ehrgeizigen und erfahrenen Seglern steht auch schon um 07:00 der Gennaker. Bei 12 – 14 Knoten Wind und einem Windeinfallswinkel von 135° segeln wir mit 8 – 10 Knoten Fahrt nach Südsüdwest, Ziel für
    morgen Nacht ist A Coruña. 350 atlantische Meilen liegen vor unserem Bug.

    Nach der Hafenausfahrt müssen wir uns ein bisschen durch die Steinbrocken der Nord-Bretagne manövrieren, hier liegen so viele Wracks neben den Menhiren auf dem Meeresboden, dass auch wir lieber einen größeren Bogen um die aus Asterix und Obelix bekannten, kleinen Felsen im Meer machen.

    Es war sehr gesellig im Hafen von Camaret, wir haben unglaublich viele andere Segler getroffen, die Zeit verging wie im Flug. Gestern ließen wir uns, zum Abschied von Frankreich, in einem Restaurant mit einem üppigen und leckeren 3-Gänge-Menü verwöhnen, die Crew von der Liberté war mit von der Partie.

    Vor 08:00 hat der Wind auf gut 15 Knoten aufgefrischt, wir segeln mit über 10 Knoten Fahrt über die noch kurzen, aber nicht mehr hohen Wellen. Nun sind wir auch schon so weit vom Land entfernt, dass die Küste im Morgendunst verschwindet und auch das letzte mobile Empfangsgerät, sprich Handy, den Kontakt zu seinem jeweiligen
    Netzbetreiber verloren hat.

    Über die Kurzwelle kommen kommt die Intermar-Funkrunde um 10:00 Uhr,Uwe, den Moderator konnte ich meist ganz gut verstehen, nur die anderen Teilnehmer gingen in einem undefinierbaren Rauschen unter.

    Besonders erfreulich waren nach all den atlantikabstinenten Monaten die geliebten Delfine, die um 10.30 in einer größerer Horte angeschwommen kommen, aus den Wellen springen, das Schiff umspielen und uns mächtig mit ihrer Anwesenheit erfreuen. Was für ein großartiges Spektakel, endlich, was gibt es Schöneres als diese
    grazilen Meeresbewohner in ihrem Element zu bewundern.

    12:35 gehalst
    12:40 Der Wind wird stärker und geht über 18 kn, der Gennaker wird geborgen, Genua ausgerollt, zurückgehalst und weiter geht es, mit den Segeln im „Schmetterling“ vor dem Wind. Leider gegen die Strömung, trotz Wind frustrierend langsam.
    Dazwischen, um 12:42 kommt ein DSC Notruf, ein Segelboot in der Bucht vor Camaret hat einen Ruderbruch, aber es ist
    auch sofort ein anderes Boot im Funk, das zu der angegebenen Position fährt.
    15.35 Uhr ist Schluss mit der Vorwindsegelei, wir gehen zurück auf Raumschotkurs und die Hexe wird wieder flotter.
    17.20 Der Luftdruck ist stabil bei 1025 Millibar, keine Änderung seit heute früh, die Gezeit kentert, die Strömung geht mit, wir segeln konstant zwischen acht und neun Knoten. Wer kann und will, schläft schon mal für die Nacht vor, ruhiges Segeln, die See ist maximal einen Meter hoch, Wind und Dünung laufen in die gleiche Richtung.

    Volker flickt unsere Trampoline mit Takelgarn, die leiden immer mehr unter der Sonne und werden löchrig, frei nach dem Motto “Loch an Loch und hält doch” Die neuen sind bereits an Bord, der Austausch soll auf Lanzarote erfolgen. Seit heute früh sind wir über 90 Meilen gesegelt.

    Beitrag vom Skipper und sin Fru

  • Wasserstand

    Seit vier Tagen liegen wir in dem schönen bretonischen Ort, Camaret-sur-Mer, der nicht weit von Brest entfernt ist, wo die Capitania eigentlich schon immer mal hin wollte. Aber geographisch nah, bedeutet nicht zwangsläufig gut erreichbar, denn die Mindestfahrzeit nach Brest sind eineinhalb Stunden mit dem Bus. Unser Freund Matthijs aus Hoorn hatte gestern eine mehr als 12-stündige Bus- und Zuganreise aus den Niederlanden auf sich genommen, um ein paar Tage mit uns zu segeln und die Biskaya zu überqueren. Wir freuen uns sehr, ihn an Bord zu haben.

    Unser Boot hält uns im Moment von ausgebreiteten Landausflügen ab. Cornelias reparierte Funkausrüstung kam mit Matthijs aus Holland und wir haben die heute installiert. Dann mussten wir leider nochmals einen Ölwechsel bei unserem Backbordmotor durchführen, da ich – leider leider – aus einem dummen Versehen heraus, ein bisschen Glykol statt Öl in den Motor eingefüllt habe. Ich stand gestern in der Maschinenkammer, beide Reservekanister standen direkt vor meinem Auge, beide Flüssigkeiten mussten aufgefüllt werden. Und ich vergreife mich und kippe Glykol statt Öl in den Dieselmotor rein, bis mir nach zwei Sekunden auffällt, was für einem Mist ich gerade mache. Na egal, das Öl ist jetzt wieder raus, und damit ist das Thema für mich erledigt. (Danke Ralf und Wes für die telefonische Unterstützung und ein großes Dankeschön geht auch an Oliver fürs Ausleihen der Ölsaugpumpe und des Filterschlüssels).

    Gestern hatten wir mit jemand von der Werftgruppe einen Videochat, weil unser Funkgerät immer wieder seine GPS-Position verloren hat. Klingt erstmal nicht so arg, das Problem, hätte aber zur Folge, dass, wenn wir einen Notruf senden müssten, unsere Position nicht automatisch mitgesendet würde. Dieses Problem wurde auch gelöst, eine Kabelverbindung war bei der Installation der Anlage nicht gesteckt worden.
    Dann muss ich noch ein paar Zeilen zu Rob und Abel, unseren neuen holländischen Freunden schreiben. Die sind zwei Tage nach uns aus Schellingwoud weg, und, wann immer wir irgendwo ankerten und ausruhten, sind mit ihrer “Liberté”, bis auf einen Tankstopp, nonstop nach Camaret durchgesegelt. Jeden Abend verbringen wir lustige Stunden mit den beiden, die ihr Boot auf einer Auktion erstanden haben und es jetzt Stück für Stück, während der Fahrt ins Mittelmeer, reparieren und optimieren. Abel hat kräftig mitgeholfen, die Einstellungsfehler am letzten Navionics Seekartenupdate mit den zahlreichen Problemen und neuen Features zu beseitigen. Denn plötzlich erschienen mit der neuesten Version die Detailkarten in gelben, roten, grünen und orangen Farben auf dem Kartenplotterbildschirm und Tiefen, Konturen und Bojen waren schlichtweg nicht mehr zu erkennen. Das Problem bestand darin, dass Navionics jetzt den Seekartengrund, also z.B. ob der steinig oder sandig ist, mit einem eigenen Farbcode hinterlegt hat.

    Vor ein paar Tagen kamen noch zwei deutsche Schiffe in den Hafen, und mit beiden Besatzungen haben wir einige schöne Stunden verbracht. Klaus und Ingrid von den Seevagabunden kommen von einer 7-jährigen Segelreise zurück, die sie in viele Teile der Erde geführt hat, und bei der sie soviel erlebt haben, dass wenige Stunden zum Erzählen garnicht ausreichen. Wer die Weltreise nachgucken will, geht zu www.Seevagabunden.de. Zuletzt sind die beiden in 44 Tagen non-stop aus der Karibik bis nach Camaret geschippert, und von dort soll es nach Greifswald gehen.

    Sabine und Oliver sind – fast so wie wir auf ihrer zweiten Reise, sie wissen noch nicht so recht, wo es hingehen soll. Aber genau das kann ja auch den Reiz einer Segelreise ausmachen, alles auf sich zukommen zu lassen.

    Zum Abschluss noch ein paar Zeilen zum Sommerwetter in der Bretagne. Man kann es eigentlich kurz machen… heute regnet es nicht, dafür stürmt es. Aber, wie sagt der Fischer auf dem Steg, den schönsten Regen gibt es in der Bretagne, der macht hübsch und ist gesund. Dazu ist es echt kühl, bei 12-16 Grad.

    Zur Entschädigung gab es am Samsag ein Livemusikfestival und wir konnten endlich wieder zwischen anderen musikbegeisterten Menschen tanzen, was für eine Freude!

    Wenn der jetzige Sturm sich ausgetobt hat, wollen wir morgen nach Spanien los segeln.

    (Und das ist der Test-Blog über unseren Funk, ohne Internet. Es hat geklappt dank zahlreicher Hilfen von lieben Freunden und von Jörg von Yachtfunk, und nun können wir auch wieder von unterwegs Blogbeiträge veröffentlichen.)

  • Wellen, durcheinander

    Freitag, 18. Juni 2021, Baro 1015, feine Wolken mit leuchtender Sonne, Wind N um 6, Weiterfahrt vom 17. Juni

    Cherbourg 17.06. 10:30 – Camaret-sur-mer 18.06. 12:00, 219 sm, Etmal 207 sm

    Sogar das schöne Kunstwerk-Buch von Ingrid ist umgefallen!

    Es ist eine unruhige Nacht, die Wellen sind so konfus auf dem gemäßigten Amwindkurs, und sie werden im Laufe der Nacht auch noch ein bisschen höher, je weiter wir nach Westen kommen. Das Boot springt wie ein junges Pferd beim Rodeo, wir müssen alle Schränke und Schubladen sichern. Wenn ich mich bewege, muss ich mich bei jedem Schritt irgendwo festhalten, um nicht zu fallen oder gegen irgendwelche Möbel zu stoßen. Hat der Skipper sich gestern noch über die schnelle und segeltechnisch richtig gute Fahrt gefreut, das war Segelspaß für die „Jungs“, macht er sich jetzt doch eher Sorgen um das Boot, wenn die Hexe so arg in die Wellen knallt.

    Die Genua wird immer weiter eingedreht, denn die Hexe wird manchmal einfach zu schnell durchs Wasser, dann knallt sie so sehr in die Wellentäler, dass das ganze Boot erzittert. Vor Anbruch der Nacht hatten wir schon das erste Reff ins Großsegel gebunden und wähnten uns präpariert für die atlantische Nacht. Wir vertreiben uns die Zeit mit Kurzschlaf (Volker) und längeren Abschnitten (Cornelia), Kursüberprüfung, und Vorausplanung.

    Noch in der letzten Dunkelheit, kurz vor der Einfahrt in den Chenal du Four, das ist die Meerenge zwischen einer kleinen vorgelagerten Insel und der nördlichen Zufahrt nach Brest, entscheiden wir uns, dass wir bei den jetzt herrschenden Bedingungen, viel Wind, konfuse hohe Wellen und Ebbstrom gegenan mit bis zu vier Knoten, doch lieber den Umweg über die westliche Seite von Ouessant in Kauf nehmen, auch wenn das fast dreißig Seemeilen mehr sind. Das erste Stück ist auch immer noch sehr anstrengend, aber sobald wir gehalst haben und auf einen südöstlichen Kurs gehen, wird es wunderschönes Segeln mit – für uns – angenehmer Atlantikdünung.

    Nur so darf der Skipper auf der Badeplattform herumturnen, wenn soviel Wellen sind

    Schon in der Nacht fällt auf, dass der Hydrogenerator nicht mehr lädt, ich schiebe das auf die hohen Wellen, damit Volker nicht in der Dunkelheit auf der Backbord Badeplattform herumturnt, um den Generator aus dem Wasser zu holen. Auch wenn bei dieser Aktion die Regel gilt, dass der Skipper eine Schwimmweste anzieht und  sich anleint. Denn wie soll ich ihn sonst so schnell aus dem Wasser holen, wenn ich erst das Boot in den Wind drehen muss, die Motoren anmachen, und dann so einen einzelnen Kopf in der Atlantikdünung suchen. Ich glaube, das ist auch das einzige Mal, wo ich hier an Bord an meiner Regel fest halte (bis jetzt hat es geklappt!).

    Das sind die gefangenen Leinen

    Am nächsten Morgen holt Volker dann im Hellen den Generator aus dem Wasser, und siehe da, wir hatten ein paar Leinen von einem Fischernetz gefangen. Deshalb konnten die Flügel sich nicht mehr drehen, aber glücklicherweise ist nichts kaputt gegangen, und nach Entfernung der Bösewichte lädt der Brave wieder fleißig Strom in unsere Batterien ein.

    Nachdem wir den angenehmeren Kurs fahren, und die Wellen nicht mehr in hohen Fontänen auf das Boot spritzen, wäscht Volker mit Süßwasser die ärgsten Salzspritzer ab, wir können wieder aus den Fenstern schauen, so macht Segeln auch den „Mädels“ Spaß.

    Kühl, aber zufrieden: Die Capitania beim Ausguck

    Auf dem letzten Stück Strecke bis nach Camaret muss man ganz doll auf die Fischerbojen aufpassen, die liegen überall, und bei den – hier nicht mehr wirklich hohen Wellen – sieht man sie trotzdem relativ spät. Deshalb darf ich mit offenen Augen am Rad stehen bleiben, und Volker holt alle Fender aus ihren Verstecken und hängt sie auf. Im Hafen empfängt uns der Hafenmeister – vorgewarnt – mit seinem Gummiboot, leitet uns an den Liegeplatz, hilft beim Leinen festmachen, und kassiert auch gleich die Hafengebühr für die vorhergesehenen Tage bis Dienstag.

    Gutes Etmal, 207 Meilen in 24 Stunden!

    Wir sind froh, jetzt hier zu sein und freuen uns auf ein malerisches kleines bretonisches Städtchen.

  • Die Hexe – mal wieder in der Normandie

    Dienstag, 15. Juni 2021, Baro 1021, bewölkt, kühl, Wind NO 4 -5
    Ankerplatz vor Gravelines 07:00 – Cherbourg 09:15, 171 sm

    Vor 07:00 Uhr sind wir wach, und der Skipper sofort ungeduldig. Ich habe Glück, dass ich mir gerade noch was anziehen kann, ansonsten hätte ich wahrscheinlich im Nachthemd geholfen, Segel zu setzen. Mit achterlichem Wind geht es los, zunächst mit der Genua, aber schon bald folgt der Code D, immerhin fährt vor uns ein weiteres schnelles Segelboot, und: „Zwei Boote, eine Regatta!“. Am Anfang müssen wir noch vor dem Wind kreuzen, eigentlich kommt er genau von hinten. Am Vormittag legt der Wind, wie vorhergesagt, noch ein bisschen zu, es werden auch mal 17 – 18 Knoten Wind, beim gleichen Windeinfallswinkel und anfänglich günstigem Gezeitenstrom. Der allerdings kippt leider so gegen14 Uhr, aber das Schicksal erleidet ja auch das andere Boot.

    Mittags ruft Zoey mit Mama an, das macht sie gerne, wenn sie müde wird, dann will sie auf Mamas Handy Fotos anschauen, und wenn das nicht gestattet wird, dann muss die Oma angerufen werden. Na, uns freut es außerordentlich, wenn wir von der Süßen und von Allegra was hören. Ab 13:00 Uhr gehen wir auf Kurs 225°, ab 15:00 auf Kurs 246, dann ist das Verkehrstrennungsgebiet auch schon fast vorbei und wir sind auf Kurs nach Cherbourg.

    Um 17:30 haben wir – unfreiwillig – die Grenze nach England überschritten, bzw. überfahren, denn die verläuft hier am südlichen Ende des Verkehrstrennungsgebietes, an dem wir gerade entlangfahren. Und dass ohne PCR-Test, aber immerhin in Quarantäne. Der Wind raumt immer weiter, und der Skipper überlegt, ob wir den Spinnaker holen sollen, oder lieber mit dem Code D vor dem Wind kreuzen. Seine Befürchtung ist nur, dass mit Sonnenuntergang der Wind auch schlafen geht.

    Und wie Recht der Skipper hatte! Nur dass es nicht mal bis zum Sonnenuntergang gedauert hat, leider. Der immer leichter werdende Wind raumt weiter, sodass wir aus dem Verkehrstrennungsgebiet raus halsen mussten. Um 19:30 fangen wir an zu kochen, Reis mit Hackfleisch und ganz viel Gemüse in indonesischer Sauce gibt es gegen 20 Uhr, danach ist der Wind gänzlich eingeschlafen, wir packen den Code D weg. Dann wird es langsam dunkel, Volker nimmt eine Mütze Schlaf.

    Um 23:30 kommt die Coriandre ganz nahe vorbei, d.h. wir kommen nahe zu ihr, denn sie motort ein kleines bisschen langsamer. Wir hatten das 9 m lange Segelboot seit heute morgen im AIS, denn es segelte sehr schnell, und wir waren neugierig, was das denn für ein sportliches Boot, oder eine sportliche Crew sein mag. Irgendwann hat Volker zum Funkgerät gegriffen und sie gerufen, denn die MMSI-Nr. und das Rufzeichen ließen auf einen Landsmann von uns schließen (nebenbei bemerkt: wir fahren getarnt, denn wir haben aus der Leasing-Zeit eine französische MMSI-Nr.und ein französisches Rufzeichen!). Die beiden Skipper haben dann auf Kanal 69 eine Weile geplaudert,  und wir haben das gleiche Ziel: Wir wollen morgen in Cherbourg sein.

    Weiter geht es durch die Nacht, um 00:30 wird Volker wach, und ich gehe schlafen, 02:30 will ich ihn ablösen, aber er möchte, dass ich noch bis 04:00 Uhr schlafe, dann werde es hell und er würde mich wecken. Versprochen. Das Versprechen hat er schon nicht gehalten, ich werde um 05:40 wach, und stürme, schlechten Gewissens, sofort nach oben, da empfängt er mich seelenruhig mit einem: „Na, gut geschlafen, Frau Passagier?“ „Selber schuld!“, sage ich, „Du wolltest mich um 4 Uhr wecken.“

    Mittwoch, 16. Juni 2021, Baro 1015, diesig, sehr feucht, kein Wind

    Aber jetzt geht auch der Skipper schlafen und ich setze mich an die Navigation, draußen geht die Sonne auf, und das Meer sit spiegelglatt. Jetzt läuft glücklicherweise auch die Strömung mit, statt der lahmen 4.6 Knoten, zu denen ich eingeschlafen bin, rauscht die Hexe jetzt bei gleicher Motor-Umdrehungszahl mit gut über 8 Knoten Fahrt dahin.

    Um 07:00 Uhr erheben sich langsam die ersten Konturen der Küste aus dem Dunst, die See ist weiterhin spiegelglatt, aber im Moment läuft die Strömung noch weiter mit. Es sind lauter Fischerboote draußen und die haben ganz viele Bojen ausgelegt, sodass man ordentlich aufpassen muss. Um 09:15 laufen wir an der Tankstelle der Marina ein.

  • Salz unter den Kielen!

    Der Skipper sitzt warm eingepackt am Ruder und ist glücklich

    Pünktlich um kurz nach 10 Uhr starten wir am Samstag bei einem frischen Wind in Workum, allerdings nicht – wie ursprünglich geplant – über Kornwerderzand und Den Helder, denn es weht ein westlicher Wind mit gut 15 – 20 Knoten, da müssten wir 35 Seemeilen gegenan fahren. Und in den engen Fahrwassern im Watt kann man auch nicht kreuzen, das bedeutet reine Motorfahrt mit Wind gegen Strom. Kein Spaß.

    Wir fahren innen durchs Ijsselmer nach Enkhuizen, dann nach Amsterdam und durch den Nordseekanal bis Ijmuiden. Das geht mit raumem Wind, da läuft die Hexe schnell los unter Segeln, mit über neun, oft sogar über zehn Knoten Fahrt durchs Ijsselmer.

    Nach der Schleuse zum Markermer ist ein bisschen weniger Wind (zuweilen frischt er allerdings auch ganz schön auf), und eine nicht ganz so ruppige See, aber es geht immer noch flott voran bei einem Windeinfallswinkel von 130°. Um 14 Uhr sind wir südlich von Hoorn, „Jetzt sind wir auf dem Weg zu den Kanaren“, sagt der Skipper, und auch das Wetter wird schöner, die Sonne zeigt sich immer öfter.

    Zum Schluss war es echt ganz schön windig, aber um 15:50 waren die Leinen fest in Schellingwoude Marina, mit einem ausgesprochen freundlichen Hafenmeisterpaar, und unsere Freunde Thijs und Rieneke liegen auch hier mit ihrem coolen Hausboot.

    Im Kanal

    Und am Sonntag geht es dann direkt weiter, mit der ersten Brückenöffnung um neun Uhr sind wir unterwegs. Wir fahren, unter Motor natürlich, durch den Nordseekanal, begegnen großen Frachtschiffen, Anglern am Ufer, kleinen Sportbooten auf dem Weg zur Schleuse in Ijmuiden. Es gibt Frühstück mit Obst und Yoghurt, and eine Dusche für mich, so sind wir gerüstet für die Nordsee. Endlich wieder auf dem „richtigen“ Meer!

    Der Wind ist immer noch sehr leicht, wir motorsegeln die Küste entlang und überlegen, wie wir jetzt taktisch am besten vorgehen sollten, damit wir mit dem derzeit leichten Wind am besten vorwärts kommen. Zunächst ma haben wir beschlossen, dass wir solange fahren, wie es hell ist, um möglichst weit zu kommen.

    Auf der Nordsee

    14:00 Uhr können wir segeln, der Wind frischt ein bisschen auf, aber der Zauber dauert nur eine Dreiviertelstunde, danach muss ein Motor wieder mitschieben. Vor Hoek van Holland liegen zahlreiche Tanker, Frachter und ein großes Passagierschiff der Holland-Amerika-Line. Sie alle haben keine Ladung oder keine Passagiere.